
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deDer folgende Text bietet Hintergrundinformationen für Patienten, bei denen sich keine Fernmetastasen finden und der Tumor nur die Prostata selbst betrifft.
Patienten, bei denen der Verdacht auf befallene Lymphknoten und/oder Fernmetastasen besteht, finden Informationen für ihre Situation hier. Patienten, die schon einmal wegen Prostatakrebs behandelt wurden und nun befürchten, dass die Krankheit zurückkommt, finden Informationen im Kapitel "Rückfall".
Bei manchen Männern finden sich in bei einer Biopsie entnommenen Gewebeproben Krebsvorstufen:
HGPIN steht für eine "hochgradige prostatische intraepitheliale Neoplasie". Sie gilt als Hinweis darauf, dass ein Patient ein hohes Risiko hat, ein Karzinom zu entwickeln, oder dass sich an anderer Stelle in der Prostata bereits eines gebildet hat.
ASAP steht für "atypische mikroazinäre Proliferation" und bezeichnet Gewebe, das auf ein hohes Tumorrisiko hindeutet.
Eine Behandlung dieser Krebsvorstufen wird nicht empfohlen. Die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie von 2007 schlagen Patienten mit HGPIN- oder ASAP-Gewebe dagegen vor, sich einer erneuten Biopsie zu unterziehen: Die Wahrscheinlichkeit, dass doch Tumorgewebe gefunden wird, liegt, je nach ausgewerteter Veröffentlichung, zwischen 50 und 100 Prozent: Das heißt, in den bisher durchgeführten Studien musste selbst im günstigsten Fall einer von zwei Männern doch mit einer Krebsdiagnose rechnen; in manchen Studien fand man bei einer Nachbiopsie sogar bei allen Männern ein Karzinom.
Ein LGPIN-Befund (für englisch "Low Grade" = niedriggradige Veränderung) gilt dagegen als harmlos. Eine erneute Biopsie ist bei diesem Befund nicht notwendig.
Aus den Ergebnissen der Voruntersuchungen können die Ärzte bei den meisten Patienten abschätzen, wie weit fortgeschritten die Erkrankung ist. Die Befunde werden im so genannten TNM-System zusammengefasst. Eine ausführliche Beschreibung der Tumorklassifizierung und Stadieneinteilung bietet der Text "TNM-System".
In diesem System steht
Hinweise auf befallene Lymphknoten oder einen Tumor, der die Prostatakapsel durchbrochen hat, ergeben sich eventuell aus bildgebenden Untersuchungen wie der Kernspintomographie. Diese gilt jedoch nicht als notwendiger Standard und wird daher nicht bei jedem Patienten durchgeführt. Der N-Wert kann in der Regel erst nach einer operativen Lymphknotenentnahme sicher bestimmt werden, die ebenfalls nicht bei allen Patienten erforderlich ist. Auch eine sichere T-Einstufung ist erst nach einer Operation möglich (hier mehr zu diesen diagnostischen Verfahren).
Trotzdem kann eine Behandlungsplanung durchgeführt werden: Wichtig hierfür sind außer der Tumorgröße auch der PSA-Wert und der so genannte Gleason-Score, der das biologische Verhalten der Tumorzellen angibt.
Prostatakrebspatienten, bei denen keine Metastasen gefunden wurden, stehen vor einer nicht immer einfachen Wahl: Für viele Männer kommen mehrere Verfahren infrage, die nach bisherigem Wissen vergleichbar erfolgreich sind. Informationen über Durchführung, Dauer, Nebenwirkungen und Langzeitfolgen einer Therapie sind für eine persönliche Entscheidung daher wichtig.
Bei kleinen, wenig aggressiven Tumoren ist es unter Umständen gerechtfertigt, gar nicht zu behandeln, sondern zunächst regelmäßig zu kontrollieren und zu beobachten, ob die Erkrankung überhaupt fortschreitet. Operation oder verschiedene Formen der Bestrahlung zielen darauf ab, vorhandenes Tumorgewebe möglichst vollständig zu entfernen oder zu zerstören. Sie gelten als kurative oder heilende Therapien. Auch eine Antihormontherapie kann in Betracht gezogen werden, obwohl sie nicht zu den Behandlungsverfahren zählt, mit denen eine vollständige Heilung möglich ist.
Bei der Therapieplanung spielen auch Allgemeinzustand und Alter eine große Rolle: Für betagte Männer oder Patienten mit belastenden Zweiterkrankungen kann statt einer eingreifenden Therapie, die auf Heilung abzielt, aber mit vielen belastenden Nebenwirkungen verbunden ist, auch eine lindernde "palliative" Therapie die richtige Wahl sein: Eine Hormontherapie ist bei fast allen Patienten sehr wirksam und mit vergleichsweise wenigen Nebenwirkungen verbunden.
Die folgenden Möglichkeiten stellen eine allgemeine Übersicht dar, individuelle Abweichungen sind immer möglich. Siie beruhen unter anderem auf Therapieleitlinien für Ärzte, die die Europäische Gesellschaft für Urologie 2007 erarbeiten hat, sowie auf Empfehlungen, die in Deutschland und den USA für Ärzte entwickelt wurden. Es muss berücksichtigt werden, dass die fortlaufende Therapieforschung die Bewertung gängiger Verfahren in solchen Leitlinien auch kurzfristig verändern kann. Neue Ergebnisse erwarten sich Fachleute vor allem von einer Studie, die in Deutschland starten soll: Geplant ist der direkte Vergleich zwischen Operation, Bestrahlung von außen, Bestrahlung "von innen" (Brachytherapie, Seeds) und dem abwartenden Beobachten unter engmaschiger Kontrolle. Noch hat diese Untersuchung jedoch nicht begonnen.
Für Patienten ohne Symptome, bei denen kleine, auf die Prostata begrenzte Tumoren vorliegen, bieten sich folgende Möglichkeiten:
Patienten mit etwas weiter fortgeschrittenen Tumoren, die die Kapsel aber nicht überschritten haben, haben folgende Optionen:
Patienten ohne Fernmetastasen, aber mit größeren Tumoren und Tumoren, die in das umliegende Gewebe eingebrochen sind, haben folgende Therapiemöglichkeiten: