Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Sport und Bewegung: Unterstützung für Krebspatienten

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Bewegung gilt heute als wichtiger Faktor in der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Problemen, sie schützt vor Knochen- und Muskelabbau, Diabetes und vielen weiteren Erkrankungen. Regelmäßige körperliche Aktivität beugt auch einigen Krebsarten vor. Menschen, die sich viel bewegen, erkranken statistisch gesehen seltener als die Durchschnittsbevölkerung an Dick- und Enddarmkrebs oder Brustkrebs. Bei weiteren Tumorarten besteht ebenfalls ein Zusammenhang, wenn auch weniger ausgeprägt. Weiterführende Informationen finden sich in dem Text "Sport und Bewegung in der Krebsvorbeugung".

Sind die günstigen Auswirkungen von Sport auch für Krebspatienten belegt? Im folgenden Text zeigt der Krebsinformationsdienst auf, was heute über Training nach einer Tumorerkrankung belegt ist, und nennt Ansprechpartner und weitere Informationsquellen für Krebspatienten.

Bei und nach Krebs: Schonung oder Bewegung?

Ist nach einer Tumorerkrankung Schonung oder Bewegung besser? Die Antwort von Experten fällt heute zu dieser Frage eindeutig aus: Eine pauschale Empfehlung kann es nicht geben, dazu sind die Krankengeschichten und der individuelle Gesundheitszustand von Patienten zu unterschiedlich. Doch immer mehr Daten belegen: Bewegung und Sport spielen für die meisten Erkrankten eine wichtige Rolle. Mögliche Krankheits- und Behandlungsfolgen können durch gezielte Übungen und Krankengymnastik vermindert oder ganz vermieden werden. So lassen sich zum Beispiel Einschränkungen der Beweglichkeit verhindern. Angepasstes Bewegungstraining verbessert außerdem Erschöpfungszustände, das sogenannte Fatigue-Syndrom, unter denen viele Patienten noch lange nach der Therapie leiden. Schließlich gibt es viele Untersuchungen, die den positiven Einfluss von Bewegung auf die psychische Situation von Krebspatienten belegen. Zudem gibt es nur wenige Situationen, in denen Bewegung tatsächlich schaden kann.

Schutz vor Rückfällen noch nicht sicher belegt

Ob regelmäßiges Training auch das Risiko von Krebspatienten beeinflusst, einen Rückfall zu erleiden oder Metastasen zu entwickeln, ist dagegen bisher nicht ausreichend dokumentiert.
Es gibt erste Studienergebnisse, die sich allerdings noch nicht auf alle Krebspatientinnen und Patienten übertragen lassen: Bleiben ältere Brustkrebspatientinnen nach ihrer Erkrankung stark übergewichtig und bewegen sie sich wenig, so scheint auch ihr Rückfallrisiko erhöht zu sein. Studien zeigen auch, dass eher inaktive Patienten mit Darmkrebs ein höheres Rückfallrisiko haben als Patienten, die sich viel bewegen. Bei Prostatakrebs könnte sich vielleicht die Prognose verbessern, wenn sich Patienten regelmäßig bewegen.

Was das allgemeine Wohlbefinden und die Aufrechterhaltung eines guten Allgemeinzustands durch ausreichend Bewegung für die Prognose von Krebspatienten bedeutet, ist ebenfalls nicht so deutlich belegt wie man annehmen könnte. Klar ist dagegen der Einfluss auf die Lebensqualität von Patienten. Sie können über eine wenig oder gar nicht eingeschränkte körperliche Beweglichkeit und Belastbarkeit auch ein Stück Alltagsleben und Zutrauen in die Leistungsfähigkeit des eigenen Körpers wiedergewinnen.

Während einer Therapie: Ist Sport möglich?

Sport während der Behandlung
Patienten sollten mit ihrem Arzt Rücksprache halten, ob und wenn ja wie viel Sport und Bewegung während einer Krebsbehandlung sinnvoll sind.

Für viele Diskussionen sorgten in den 90er Jahren Studien der Freiburger Universität, in denen Patienten selbst während einer Hochdosis-Chemotherapie Sport trieben. Die Onkologen, die die Untersuchungen zusammen mit Sportmedizinern und Psychologen durchführten, konnten zeigen, dass bei ihren Patienten das Erschöpfungssyndrom (Fatigue) nach Chemotherapie weniger ausgeprägt war als bei der Kontrollgruppe. Die Betroffenen, die zum Beispiel täglich 30 Minuten an einem speziellen "Bettfahrrad" trainiert hatten, fühlten sich auch psychisch besser und hatten weniger Angst. Mehrere  neuere Studien bestätigen, dass Patienten, die während einer Chemotherapie unter ärztlicher Kontrolle trainieren, davon profitieren. Sie sind leistungsfähiger und leiden weniger unter Nebenwirkungen.

Noch haben diese Studien nicht dazu geführt, dass Krebspatienten pauschal schon während der Therapie zu Sport geraten wird. Es besteht weiterer Forschungsbedarf: Noch ist nicht vollständig geklärt, welche Art von Training für welchen Krebspatienten in welcher Situation geeignet ist, wie viel man trainieren sollte und zu welchem Zeitpunkt ein Sportprogramm am besten beginnt. Entsprechende Studien werden in Deutschland an großen Krebszentren durchgeführt.

Generelle Empfehlungen würden für Krebspatienten auch keinen Sinn machen: zu unterschiedlich sind die individuellen Ausgangsbedingungen, die während der Therapie beachtet werden müssen. Was einer Brustkrebspatientin gut tut, die zur Therapie über mehrere Jahre Hormone einnehmen muss, ist etwas ganz anderes als bei einem Leukämiepatienten, dessen Blutwerte während einer Chemotherapie stark absinken können. Patienten sollten immer Rücksprache mit ihrem Arzt halten und mit ihm absprechen, ob ein Sportprogramm sinnvoll sein kann oder nicht. Experten raten Krebspatienten während einer Behandlung auf jeden Fall davon ab, sich zu überfordern und sich zum Beispiel an Programmen für Gesunde zu orientieren.

Nachfragen: Wann ist Sport verboten?

Rund um eine Operation ist für Krebspatienten Sport im engeren Sinn fast immer tabu: Je nach Allgemeinzustand erhalten Betroffene aber oft noch im Krankenhaus Physiotherapie und können unter Anleitung erste Bewegungsübungen machen. Dies dient dazu, Komplikationen durch zu langes Liegen zu vermeiden und die Beweglichkeit so früh wie möglich wieder zu trainieren.

Einschränkungen gibt es auch bei Behandlungsformen, die heute von zu Hause aus durchgeführt werden können. Während einer ambulanten Chemotherapie sind selbst sehr sportliche Patienten meist gar nicht fit genug, um ein normales Bewegungspensum zu bewältigen. Patienten sollten gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt entscheiden, welche Art von Bewegung und wie viel körperliche Aktivität in ihrem Fall möglich ist. Ist der Sauerstofftransport durch eine Anämie (absinkende Zahlen roter Blutkörperchen) eingeschränkt, wäre ausgeprägte körperliche Aktivität beispielsweise eher schädlich.

Bei einer Strahlentherapie sind die Rahmenbedingungen ebenfalls oft durch die therapiebedingten Erholungszeiten vorgegeben. Bestrahlte Patienten müssen zudem auch die Empfindlichkeit der betroffenen Hautstellen beachten: Sonne, Schweiß und bei körperlicher Aktivität scheuernde Kleidung sollten vermieden werden.

Auch wenn ein Patient große Mühe hat, während der Behandlung sein Gewicht zu halten oder schon viel Körpermasse abgebaut hat, muss zuerst geklärt werden, ob der sportbedingte Mehrverbrauch an Energie über die Ernährung ausgeglichen werden kann oder Schonung sinnvoller ist.

Fortgeschrittene Krebserkrankungen: Individuelle Beratung nötig

Einschränkungen gibt es auch für Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen, Schmerzen oder starkem Gewichtsverlust. Bei ihnen ist eine individuelle Beratung besonders wichtig, ob und wenn ja wie viel sie sich an körperlicher Belastung zumuten dürfen, um Risiken zu vermeiden.

Besteht ein Verdacht auf Metastasen in den Knochen, muss die Bruchgefahr berücksichtigt werden. Gemeinsam mit dem behandelnden Arzt können Betroffene abwägen, was an Bewegung sinnvoll ist.
Komplikationen durch völlig fehlende Aktivität gilt es aber ebenfalls zu vermeiden, soweit machbar: Dazu gehören zum Beispiel Auswirkungen auf die Stimmung, Appetitlosigkeit, Muskelabbau oder auch Kreislauf- und Lungenbeschwerden. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen durchaus von einem patientengerechten Sportprogramm profitieren können. Sie fühlen sich weniger erschöpft und sind etwas leistungsfähiger. Und manchen Patienten hilft die positive Beschäftigung mit dem eigenen Körper auch bei der Krankheitsverarbeitung.

Krebsnachsorge: Sport und Bewegung helfen

In der Rehabilitationsphase, gegen Ende oder nach Abschluss der ersten Behandlung, findet für die meisten Patienten ein fließender Übergang von der Physiotherapie oder Krankengymnastik zum echten Bewegungstraining statt. In Nachsorge und Rehabilitation nach einer Krebserkrankung erfüllen Sport und Bewegungstherapie mehrere Funktionen:

  • Sie stärken die allgemeine Gesundheit,
  • sie vermitteln Patienten wieder Gefühl und Zutrauen zum eigenen Körper,
  • sie lehren, mit einer eventuellen Minderung der Leistungsfähigkeit zurechtzukommen oder gegen sie anzuarbeiten und
  • sie helfen dabei, Vorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen spielerisch in die normalen Bewegungsabläufe zu integrieren.

Bewegungstherapie in der Klinik und der Rehabilitation

In Rehabilitationskliniken und ambulanten Reha-Einrichtungen arbeiten daher Physiotherapeuten, Sportlehrer oder auch Fachkräfte für spezielle Angebote wie Tanz- und Bewegungstherapie. Sie passen ihr Angebot auf die besonderen Bedürfnisse an, die Patienten mit bestimmten Tumorarten oder nach einschränkenden Eingriffen haben können.
Wie Sport auch mit einem Stoma Spaß machen kann oder dass die Angst vor einem Lymphödem nicht von Bewegung abhalten sollte, wird hier gezielt vermittelt. Patienten nach einer Lungenoperation lernen, mit gezielter Atemgymnastik die Kapazität der verbliebenen Lunge zu verbessern. Patienten nach großen Operationen vermeiden Fehl- und Schonhaltungen und üben, beeinträchtigte Muskelgruppen wieder so natürlich wie möglich zu bewegen.

Ansprechpartner: Sport nach Krebs

Rehabilitationssport
Sport in der Krebsnachsorge ist auch "auf Rezept" möglich. Gesetzliche Krankenkassen handeln mit geprüften Reha-Einrichtungen oder Sportvereinen Verträge aus.

Sport hat nach einer Krebserkrankung einen festen Stellenwert. Patienten, die ihre Erkrankung gut verkraftet haben und schon immer sportlich aktiv waren, finden meist leicht zu ihrem gewohnten Training zurück, sofern der Arzt keine Einschränkungen sieht.
Betroffene, die Probleme haben, ausreichende Bewegung in ihren Alltag zu integrieren oder vor der Erkrankung nicht viel Sport betrieben haben, sollten sich ebenfalls zunächst mit ihrem Arzt besprechen. Er kann, eventuell nach einer sportmedizinischen Untersuchung zur Belastbarkeit, Ratschläge zu Trainingsumfang und Belastungsgrenzen geben.

Sport in der Krebsnachsorge ist sogar auf Rezept möglich, über die Krankengymnastik oder Physiotherapie hinaus: Die gesetzlichen Krankenversicherungen beteiligen sich an den Kosten. Der Arzt muss auf einem Formular, dem "Antrag auf Kostenübernahme für Rehabilitationssport", die Diagnose Krebs bestätigen und die Einschränkung benennen, die durch Sport gemildert oder vermieden werden soll.
Auch die Anzahl und Dauer der Übungseinheiten wird angegeben, ähnlich wie bei Massagen oder physiotherapeutischen Maßnahmen gemäß der Heil- und Hilfsmittelrichtlinien. Entsprechende Unterlagen zur Verordnung von Rehabilitationssport können Ärzte bei ihrer zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung anfordern.

Patienten wie Ärzte erhalten weitere Informationen beim Sportbund unter www.sportprogesundheit.de, bei den Krebsberatungsstellen (hier ein Link zu einer Adressliste), bei den Sportvereinen vor Ort, den großen Selbsthilfeorganisationen und bei ihrer Krankenversicherung.

Weitere Informationen für Interessierte und Fachkreise (Auswahl)

Die folgenden Quellen stellen eine Auswahl neuerer Fachartikel dar, die der Krebsinformationsdienst bei der Texterstellung genutzt hat. Die Publikationen richten sich an Fachkreise und sind zum Teil nur in englischer Sprache verfügbar.

Adamsen L et al. (2009). Effect of a multimodal high intensity exercise intervention in cancer patients undergoing chemotherapy: randomised controlled trial. BMJ 13;339:b3410. DOI: 10.1136/bmj.b3410.

Dimeo FC et al. (2008). Körperliche Aktivität und Sport bei Krebspatienten. Der Onkologe 14,1: 31-37. DOI 10.1007/s00761-007-1288-7.

Elter T et al. (2009). Is Physical exercise possible in patients with critical cytopenia undergoing intensive chemotherapie for acute leukaemia or aggressive lymphoma? Int J Hematol 90(2):199-204. DOI: 10.1007/s12185-009-0376-4.

McTiernan A (2010). Weight, physical activity, diet, and prognosis in breast and gynecologic cancers. J Clin Oncol 10;28(26):4074-80. DOI: 10.1200/JCO.2010.27.9752.

Meyerhardt JA (2009). Physical activity and male colorectal cancer survivor. Arch Intern Med 14;169(22):2102-8.


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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 26.11.2010