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Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes KID, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

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Kettenkarussell, Foto: Dirk Freder/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Übelkeit und Erbrechen während der Krebsbehandlung

Vorbeugen, Belastung reduzieren, Folgen vermeiden

Übelkeit und Erbrechen zählen zu den belastenden Nebenwirkungen einiger Krebsbehandlungen. Vielen Krebspatienten macht die Angst davor zu schaffen. Die Verhütung von Übelkeit und die effektive Behandlung von Erbrechen sind heute jedoch fester Bestandteil einer Krebstherapie. Vermieden werden können so gefährliche Nebenwirkungen, etwa Stoffwechselentgleisungen durch den Verlust von Flüssigkeit und Salzen, Mangelernährung und Gewichtsabnahme. Körperliche und seelische Erschöpfung durch ständige Übelkeit ist heute für sehr viele Patienten kein Thema mehr.
Was lässt sich erreichen, was nicht? Einen kurzen Überblick zum Thema bietet der Krebsinformationsdienst im folgenden Text. Bei Fragen steht der Dienst am Telefon und per E-Mail zur Verfügung. Weiterführende Informationen für Interessierte und Fachleute finden sich am Ende des Textes.

Letzte Aktualisierung: 25.03.2013

Biologie: Wie kommt es zu Übelkeit und Erbrechen?

Erbrechen und Übelkeit lassen sich nicht durch Willensanstrengung unterdrücken. Dies gilt unabhängig davon, ob man etwas Verdorbenes zu sich genommen hat, oder ob eine Krankheit der Auslöser ist. Dies gilt auch für Unwohlsein als Folge einer Krebsbehandlung, etwa einer Chemotherapie oder Bestrahlung. Solche Reaktionen werden durch einen komplexen Reflexvorgang ausgelöst. Der sogenannte Vagusnerv mit seinen Endigungen im Bereich der Verdauungsorgane spielt eine Rolle: Er ist Teil des vegetativen Nervensystems und kann deshalb nicht willkürlich kontrolliert werden. Auch manche Bereiche des Gehirns sind beteiligt.

Risiko: Wovon hängt es ab, ob man mit Übelkeit und Erbrechen rechnen muss?

Längst nicht jeder Krebspatient muss mit Übelkeit als Reaktion auf die Krebstherapie rechnen: Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, hängt von der Behandlungsform ab und lässt sich gut vorher abschätzen: Man spricht von der "emetogenen Potenz" einer Behandlungsmaßnahme.

Diese emetogene Potenz ist nicht allein ausschlaggebend: Es gibt auch individuell unterschiedliche Reaktionen auf eine Chemotherapie oder Bestrahlung: Nicht alle Patienten vertragen eine Behandlung gleich gut oder schlecht.

Wie finden Ärzte und Patienten vor der Therapie heraus, ob bei der geplanten Chemotherapie mit Übelkeit und Erbrechen zu rechnen ist? Solche Daten sind aus der Erprobung der einzelnen Medikamente vor ihrer Zulassung zur Krebstherapie bekannt. Die einzelnen Arzneimittel zur Chemotherapie können nach der Häufigkeit eingeteilt werden, mit der ohne eine vorbeugende Behandlung Erbrechen und Übelkeit als Nebenwirkung auftreten. Diese Einteilung wird auch für die gängigen Kombinationen verschiedener Zytostatika (Schemata, Regime) sowie zur Abschätzung des Risikos für Übelkeit bei der Strahlentherapie verwendet.

Fachleute unterscheiden dabei vier Risikogruppen:

  • Hohes Risiko: Übelkeit und/oder Erbrechen bei fast allen Patienten, bei mehr als 90 von 100 Patienten
  • Moderates Risiko: sehr oft, bei 30 bis 90 von 100 Patienten
  • Niedriges Risiko: eher selten, bei 10 bis 30 von 100 Patienten
  • Minimales Risiko: selten, bei weniger als 10 von 100 Patienten

Risikofaktoren: Was beeinflusst die Stärke von Übelkeit und Erbrechen?

Wie ausgeprägt Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten während einer Tumorbehandlung sind, wird von weiteren Faktoren bestimmt:

  • Art und Zusammenstellung der Krebsmedikamente: Welche Chemotherapie-Medikamente bekommt jemand? In welcher Kombination und in welcher Dosis erhält er sie?
  • Verabreichungsform: Erhält ein Patient das Medikament als Spritze, über einen Tropf oder als Tablette?
  • Strahlentherapie: Wo wird man bestrahlt, welcher Körperteil ist betroffen? Wie groß ist das Bestrahlungsfeld?
  • Individuelle Unterschiede von Patient zu Patient: Welche Krebsart liegt vor? Wie alt ist der Betroffene? Männlich oder weiblich? Welche Erwartungshaltung hat er hinsichtlich der Krebsbehandlung? Wie ist die seelische Verfassung, ist die Angst vor der Behandlung groß?

Zeitliches Auftreten von Übelkeit und Erbrechen: Gibt es Unterschiede?

Angst vor der Therapie?

Betroffene sollten mit ihrem Arzt sprechen. Gegen Übelkeit und Erbrechen lässt sich etwas tun.

Man kann anhand des zeitlichen Auftretens verschiedene Arten von Übelkeit und Erbrechen unterscheiden. Bei manchen Therapien treten Nebenwirkungen relativ rasch auf, innerhalb der ersten 24 Stunden. Bei anderen kommt es etwas verzögert zu diesen Symptomen, erst nach mehr als 24 Stunden. Vorbeugung und Behandlung werden darauf abgestimmt.

Manchen Patienten wird sogar schon vor einer Behandlung schlecht. Betroffen sind besonders oft Menschen, die während einer früheren Behandlung schon einmal schlechte Erfahrungen mit Übelkeit gemacht hatten. Fachleute sprechen dann von antizipatorischer Übelkeit. Je besser Erbrechen und Übelkeit durch Medikamente vorgebeugt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein solcher Reflex ausbildet.

Vorbeugung und Behandlung: Was kann man tun?

Erbrechen muss nicht sein!

Ärzte verordnen schon vorab Medikamente, die Übelkeit und Erbrechen vorbeugen.

Verschiedene Expertengremien haben in den letzten Jahren Empfehlungen und Leitlinien zur Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen bei Tumorpatienten erarbeitet. Darin wird auch klargestellt: Je genauer Patienten über diese mögliche Nebenwirkung der Krebsbehandlung Bescheid wissen, und je mehr sie über die Möglichkeiten der Vorbeugung und Therapie erfahren, desto besser:

  • Informierte Patienten fühlen sich vorbereitet und sind deshalb besser in der Lage, mit Nebenwirkungen umzugehen.
  • Betroffene sollten sich daher nicht scheuen, ihre Angst vor Übelkeit anzusprechen und um Aufklärung über Abhilfemöglichkeiten zu bitten.

Lexikon

Antiemetikum (Mehrzahl Antiemetika) – Mittel gegen Übelkeit

Um Übelkeit und Erbrechen vorzubeugen und zu behandeln, stehen zahlreiche hochwirksame Medikamente zur Verfügung. Verfügbar sind Arzneimittel mit unterschiedlichen Wirkmechanismen. Sie werden abhängig von der zu erwartenden Stärke und dem voraussichtlichen zeitlichen Verlauf der Nebenwirkungen eingesetzt.
In der Regel sind Medikamente gegen Übelkeit fester Bestandteil einer Chemo- oder Strahlentherapie. Ihre Verordnung ist bereits in den Behandlungsprotokollen fest vorgesehen.

Da Angst und die Erwartung von Übelkeit die Beschwerden verstärken können, ist eine Vorbeugung besonders wichtig. Je höher die Übelkeit erzeugende Wirkung einer Krebsbehandlung ist, umso intensiver muss die vorbeugende Behandlung mit Antiemetika sein.
Kommt es trotz Vorbeugung zu Übelkeit oder Erbrechen, kann der Arzt weitere oder andere Medikamente dagegen verordnen.

Wenn eine ängstliche Erwartungshaltung die Übelkeit verstärkt, können nichtmedikamentöse Ansätze wie zum Beispiel Entspannungstechniken oder Verhaltenstherapie hilfreich sein. Auch angstlösende Medikamente unterstützen in diesen Situationen die Wirkung der Antiemetika. Als ergänzende Behandlung kann Akupunktur möglicherweise Erbrechen und Übelkeit während einer Chemotherapie lindern.

Hausmittel wie etwa Tees oder das Kauen von Ingwer, alternativmedizinische Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel gegen Übelkeit können die Behandlung allenfalls unterstützen, nicht aber ersetzen. Wer sie als ergänzende Maßnahmen durchführen möchte, sollte sich aber auf jeden Fall mit seinen Ärzten absprechen: Von einigen Produkten, die gegen Übelkeit oft empfohlen werden, sind unerwünschte und mitunter riskante Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten bekannt.

Wichtige Fragen: Wie kann man das Gespräch mit dem Arzt vorbereiten?

Damit man als Patient das eigene Risiko einschätzen kann, ist ein Gespräch mit dem Arzt besonders wichtig. Die folgende Auflistung von Fragen kann als Anregung für die Vorbereitung eines solchen Gesprächs dienen:

  • Wie wahrscheinlich ist es, dass mir durch die geplante Chemotherapie und/oder Bestrahlung übel wird, oder dass ich erbrechen muss?
  • Wie lange kann die Übelkeit anhalten?
  • Bekomme ich bei meiner Krebsbehandlung vorbeugende Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen? Wenn ja, welche?
  • Kann bei mir die Behandlung der Übelkeit entsprechend ärztlicher Leitlinien erfolgen oder ist eine davon abweichende Therapie notwendig?
  • Können die Medikamente gegen Übelkeit ihrerseits selbst Nebenwirkungen haben?
  • Wie soll ich mich verhalten, wenn ich trotz der Medikamente unter Übelkeit und Erbrechen leide?
  • Können andere Maßnahmen außer den Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen helfen?
  • Kann ich selbst etwas dazu beitragen, damit die Nebenwirkungen nicht so heftig sind?

Weitere Informationen: Linktipps, Fachinformationen, Quellen (Auswahl, Stand März 2013)

Weitere Informationsangebote und Linktipps

Fragen zu Übelkeit und Erbrechen bei Krebs? Wir sind für Sie da
Haben Sie Fragen zu Übelkeit und Erbrechen als Folge einer Krebsbehandlung oder aufgrund einer Krebserkrankung? Der Krebsinformationsdienst steht für Ihre Fragen zur Verfügung: täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40 oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de. Unser Kontaktformular bietet Ihnen eine gesicherte Verbindung.

Die Informationen in diesem Text stehen auch als Informationsblatt zur Verfügung, mit dem Titel "Übelkeit und Erbrechen bei der Krebsbehandlung, Vorbeugung und Therapie" (PDF).

Im Text "Kostenlose Broschüre zu Nebenwirkungen von Krebstherapien" finden Betroffene, Angehörige und Interessierte Hinweise auf die Anbieter weiterer Informationsmaterialien zu Nebenwirkungen von Krebserkrankungen.

Chemotherapie: Betroffene, Angehörige und Interessierte finden weiterführende Informationen im Text "Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Chemotherapie".

Bestrahlung: Mehr zu Nebenwirkungen einer Bestrahlung findet sich im Text "Strahlentherapie und Nuklearmedizin: Nebenwirkungen" des Krebsinformationsdienstes.

Fachinformationen und Quellen für Interessierte und Fachkreise

krebsinformationsdienst.med: Wissen gezielt nutzen – ein Angebot für Fachkreise
Sie sind Arzt, beruflich Pflegende, Psychologe, Sozialarbeiter oder Apotheker und haben Fragen zu Neuropathie während einer Krebserkrankung? Mit dem Angebot krebsinformationsdienst.med unterstützt Sie der Krebsinformationsdienst in Ihrer Arbeit, mit aktuellen, qualitätsgesicherten und individuell zugeschnittenen Informationen. krebsinformationsdienst.med steht Ihnen von Montag bis Freitag zur Verfügung:

  • am Telefon unter der kostenfreien Rufnummer 0800 – 430 40 50, von 8.00 bis 20.00 Uhr
  • per E-Mail an kid.med@dkfz.de, oder nutzen Sie unser Kontaktformular, das Ihnen eine gesicherte Verbindung bietet

Informationen zu Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie-bedingter Übelkeit und Erbrechen bietet die Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin der Deutschen Krebsgesellschaft (ASORS) unter www.onkosupport.de.

Im Rahmen des Leitlinienprogrammes Onkologie werden in den nächsten zwei bis drei Jahren zu zehn wichtigen Themen aus dem Bereich der Supportiven Therapie Handlungs- und Therapieempfehlungen erarbeitet. Ein Thema ist auch "Antiemese". Weiterführende Informationen dazu, finden sich auf der Seite der S3-Leitlinie "Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen" unter www.s3supportiv.de. Unter dem Stichwort "Kooperationspartner" finden sich auch Informationen zu den beteiligten Fachgesellschaften und Institutionen.

Jordan , Bokemeyer C, Langebrake C, Link H. (2008). Antiemetische Prophylaxe gemäß MASCC- und ASCO-Guidelines. Es handelt sich um eine kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft, die unter der Verantwortung der ASO bzw. ASORS gestellt wurde. Sie ist im Internet abrufbar unter www.onkosupport.de/e974/e2538/e2539/e2719/AntiemetProphylaxeGuidelineKurzv_DKG2008.pdf.

Basch E, Prestrud AA, Hesketh PJ, et al. (2011). Antiemetics: American Society of Clinical Oncology Clinical Practice Guideline Update. J. Clin. Oncol. 29(31):4189-4198. DOI: 10.1200/JCO.2010.34.4614. Der Artikel ist im Internet frei abrufbar unter http://jco.ascopubs.org/content/29/31/4189.long.

Gralla R.J, Roila F, Tonato M, Herrstedt J. (2011). MASCC/ESMO Antiemetic Guideline. Multinational Association of Supportive Care in Cancer, unter www.mascc.org/assets/documents/MASCC_Guidelines_German_2011.pdf

Leitlinie Antiemesis, Version 1.2012: Diese vom National Comprehensive Cancer Network (NCCN) herausgegebene englischsprachige Leitlinie ist nur für registrierte Nutzer zugänglich unter www.nccn.org/professionals/physician_gls/f_guidelines.asp#supportive.