Mann bei Toilette hat Bauchschmerzen

Übelkeit und Erbrechen während der Krebstherapie

Häufige Fragen und Antworten

Aktualisiert am:

Von: Dr. Anne Frohn (Dipl.-Biochemikerin)

  • Bei manchen Krebstherapien treten Übelkeit und Erbrechen sehr häufig als Nebenwirkungen auf, bei anderen selten oder gar nicht. Vor allem bei Chemotherapien oder Bestrahlung kann es vorkommen, dass Krebspatienten übel wird oder sie erbrechen müssen.
  • Fachleute wissen, wie wahrscheinlich eine geplante Krebsbehandlung Übelkeit und Erbrechen auslöst. Ist die Wahrscheinlichkeit hoch, erhalten Patientinnen und Patienten vorbeugende Medikamente gegen Übelkeit. Diese stimmen die behandelnden Ärzte genau auf die geplante Krebsbehandlung ab.
  • Ergänzend zur Behandlung mit Medikamenten können komplementäre und praxisbewährte Maßnahmen Übelkeit und Erbrechen lindern. 

Wichtig: Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

Übelkeit und Erbrechen sind bekannte Nebenwirkungen von Krebstherapien. 

  • Gut zu wissen: Nicht alle Krebsbehandlungen lösen bei Patientinnen und Patienten Übelkeit und Erbrechen aus. Bei manchen Therapien tritt diese Nebenwirkung sehr häufig auf, bei anderen selten oder gar nicht.

Übelkeit und Erbrechen können vor allem auftreten, wenn Krebspatienten eine Chemotherapie erhalten. Aber auch Strahlentherapien können Übelkeit und Erbrechen auslösen. Zum Beispiel, wenn Ärzte den oberen Bereich des Bauches oder den Kopf bestrahlen. Auch bei Immuntherapien und zielgerichteten Therapien können Übelkeit und Erbrechen als Nebenwirkung vorkommen. 

Fachleute verfügen über Wissen und Erfahrung, wie wahrscheinlich die geplante Krebsbehandlung Übelkeit und Erbrechen auslöst. 

  • Gut zu wissen: Ist die Wahrscheinlichkeit für Übelkeit und Erbrechen durch die Krebsbehandlung hoch, erhalten Patientinnen und Patienten vorbeugende Medikamente

Es gibt gut wirksame Medikamente, die Übelkeit und Erbrechen vorbeugen können. Fachleute bezeichnen diese als Antiemetika. Sie wirken am besten, wenn Patientinnen und Patienten diese kurz vor der Krebsbehandlung einnehmen.

Wichtig zu wissen

Bei 7 bis 8 von 10 Personen können Medikamente Übelkeit und Erbrechen vorbeugen.

Manchen Betroffenen wird trotz Antiemetika übel oder sie müssen sich übergeben. Dann können die behandelnden Ärzte Medikamente mit einer anderen Wirkungsweise einsetzen. Zusätzlich können verschiedene praxisbewährte Maßnahmen die Beschwerden lindern

Manchmal löst allein der Gedanke an die Behandlung oder bestimmte Reize schon Übelkeit oder Erbrechen aus. Gegen solche und durch Angst oder Anspannung ausgelöste Übelkeit und Erbrechen können Entspannungstechniken, psychoonkologische Unterstützung und angstlösende Medikamente helfen.   

Sie leiden so stark unter Übelkeit und Erbrechen, dass Sie erwägen, Ihre Krebsbehandlung abzubrechen?

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Diese können abklären, warum Ihnen übel ist und dann Medikamente und Maßnahmen anpassen. 

Auch unsere Ärztinnen und Ärzte helfen Ihnen gerne kostenfrei mit Hintergrundinformationen zu Übelkeit und Erbrechen während der Krebsbehandlung weiter:

Akute Übelkeit und Erbrechen treten innerhalb von wenigen Stunden und bis zu einem Tag nach der Krebstherapie auf.

Verzögerte Übelkeit und Erbrechen beginnen 1 Tag nach der Krebsbehandlung und können bis zu 5 Tage lang anhalten. 

Es kann vorkommen, dass Erkrankten während einer Krebstherapie schlecht wird oder sie sich übergeben. Es ist aber nicht bei jeder Therapie "normal": 

  • Manche Behandlungen lösen keine oder nur selten Übelkeit und Erbrechen aus.
  • Bei anderen Therapien dagegen sind Übelkeit und Erbrechen bekannte und häufig auftretende Nebenwirkungen. 

Fachleute verfügen heutzutage über viel Wissen und Erfahrung darüber, wie wahrscheinlich einer Person durch eine geplante Krebsbehandlung übel werden wird. Ist die Wahrscheinlichkeit hoch? Dann erhalten Patientinnen und Patienten Medikamente oder eine Kombination von Medikamenten, welche Übelkeit und Erbrechen vorbeugen. 

Praxistipp

Informieren Sie Ihr Behandlungsteam, wenn Ihnen während der Krebsbehandlung übel ist oder Sie sich erbrechen. Ihre Ärztin oder ihr Arzt können dann die Medikamente und Maßnahmen anpassen, um Ihre Beschwerden zu lindern. 

Übelkeit und Erbrechen sind keine Zeichen dafür, ob die Therapie gegen den Krebs wirkt oder nicht. 

Diese Beschwerden entstehen dadurch, dass gesunde Zellen im Dünndarm oder im Gehirn als Reaktion auf die Behandlung Botenstoffe freisetzen. Einige dieser Botenstoffe aktivieren das Brechzentrum im Gehirn. Dieses löst dann Übelkeit und Erbrechen aus.

Ob Übelkeit und Erbrechen den Erfolg der Krebstherapie beeinflussen, hängt davon ab, wie oft und wie stark sie auftreten: 

  • Akute Übelkeit mit gelegentlichem Erbrechen beeinflussen die Behandlung und den Therapieerfolg nicht.
  • Anders ist es, wenn Betroffenen über einen längeren Zeitraum hinweg schlecht ist und sie sich mehrfach erbrechen. 

Dann kann die Situation für die Betroffenen sehr belastend sein:

  • Die Lebensqualität nimmt ab.
  • Mangelnder Appetit kann die Ernährung verschlechtern.
  • Durch häufiges Erbrechen verliert der Körper viel Flüssigkeit und Nährstoffe.

Möglicherweise passen die Ärzte dann die Krebsbehandlung an. Das kann den Behandlungserfolg beeinflussen. Zum Beispiel, wenn

  • die Dosis der Krebsmedikamente gesenkt werden muss
  • oder lange Behandlungspausen notwendig sind. 

Wichtig zu wissen

Ärztinnen und Ärzte wägen sorgfältig ab, ob sie eine Krebsbehandlung anpassen oder abbrechen. Vorher versuchen sie, die Beschwerden zu lindern.

Dann ist die Krebsbehandlung möglicherweise nicht der Grund für diese Beschwerden. 

  • Treten Übelkeit und Erbrechen vor der Krebsbehandlung auf?
  • Beginnen die Beschwerden erst mehrere Tage nach der letzten Behandlung?
  • Halten die Beschwerden über eine längere Zeit an? 

Dann suchen Ärztinnen und Ärzte nach möglichen anderen Ursachen für die Beschwerden. Viele der Ursachen können sie behandeln und dadurch die Beschwerden lindern. 

Praxistipp

Achten Sie darauf, wann Ihnen übel wird oder Sie erbrechen und schreiben Sie es sich am besten auf. Informieren Sie Ihr Behandlungsteam über Ihre Beschwerden. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann mögliche Ursachen ausschließen oder behandeln. 

Übelkeit und Erbrechen sind eine automatische Reaktion des Körpers auf verdorbene Nahrung oder Vergiftungen. Der Körper möchte damit das aufgenommene Gift wieder loswerden. Dafür aktivieren Signalstoffe aus dem Darm oder dem Gehirn das Brechzentrum im Gehirn. Dieses löst dann den Brechreiz aus. 

Hinweis

Betroffene können Erbrechen nicht unterdrücken oder zurückhalten. Denn Erbrechen ist ein Reflex, also eine automatische Reaktion des Körpers auf einen Reiz. Einmal ausgelöst, kann die betroffene Person die Reaktion nicht mehr bewusst stoppen. 

So wirken Antiemetika

Lexikon

Antiemetika: Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen

Antiemese: Behandlung mit Antiemetika

Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen bezeichnen Fachleute als Antiemetika. 

Die meisten Antiemetika blockieren im Brechzentrum die Bindungsstellen der Signalstoffe aus dem Darm oder dem Gehirn. Die Botenstoffe können das Brechzentrum dann nicht mehr aktivieren. 

Bei anderen Wirkstoffen wissen Fachleute nicht, wie diese genau gegen Übelkeit und Erbrechen wirken. Ein Beispiel sind Kortikosteroide. Sie wirken selbst nicht gegen Übelkeit und Erbrechen. Aber sie verstärken die Wirkung anderer Antiemetika. 

Auch Angst oder Anspannung können Übelkeit und Erbrechen auslösen. Dann können angstlösende Medikamente wie beispielweise Benzodiazepine helfen. 

So werden die Medikamente verabreicht

Meist erhalten Patientinnen und Patienten die Antiemetika kurz vor der Chemotherapie oder Bestrahlung als Infusion.

Abhängig vom geplanten Behandlungsschema können sie vor der Therapie und an mehreren Tagen danach weitere Infusionen bekommen oder die Medikamente als Tabletten einnehmen. 

Hinweis

Fachleute wissen heute sehr genau, welche Krebstherapien Übelkeit und Erbrechen auslösen können. Sie haben genaue Empfehlungen erarbeitet, welche Antiemetika Patientinnen und Patienten bei welcher Krebsbehandlung erhalten sollen. 

Wenn die Ärzte einen Behandlungsplan gegen die Krebserkrankung erstellen, planen sie anhand dieser Empfehlungen automatisch auch die Behandlung der Übelkeit (Antiemese) mit ein.

Welche Antiemetika jemand wann, wie und in welcher Menge benötigt, hängt also von der geplanten Krebsbehandlung ab.

Praxistipp

Es kann sein, dass Sie keine Antiemetika erhalten. Dann ist das Risiko für Übelkeit und Erbrechen bei Ihrer geplanten Krebsbehandlung gering. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie Antiemetika benötigen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. 

Medikamente möglichst vorbeugend einnehmen

Antiemetika beugen Übelkeit und Erbrechen vor. Sie verhindern, dass das Brechzentrum aktiviert wird. 

Einmal ausgelöst, sind Übelkeit und Erbrechen schwer zu behandeln. Daher ist es sehr wichtig, Antiemetika vor der Krebsbehandlung einzunehmen.

Praxistipp

Nehmen Sie Ihre Antiemetika wie vom Behandlungsteam verordnet ein – auch wenn Ihnen gar nicht übel ist. 

Nebenwirkungen von Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen

Meist sind Antiemetika gut verträglich. Wie alle Medikamente können sie aber Nebenwirkungen haben. 

Welche Beschwerden auftreten können und wie stark diese sind ist abhängig

  • vom Wirkstoff,
  • der eingenommenen Menge
  • und Begleiterkrankungen.

Praxistipp

Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, welche Nebenwirkungen Ihre Antiemetika haben können. Informieren Sie Ihr Behandlungsteam, wenn Sie diese Nebenwirkungen belasten. Dann kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die Medikamente anpassen oder Ihnen Tipps geben, wie Sie die Beschwerden lindern können.

Wenn Betroffenen trotz vorbeugenden Medikamenten schlecht wird, können verschiedene komplementäre oder praxisbewährte Maßnahmen die Beschwerden lindern. 

Ärztliche Hilfe bei Erbrechen

Wenn sich jemand einmal oder gelegentlich erbricht, kann das die betroffene Person sehr belasten. Normalerweise ist aber keine ärztliche Unterstützung nötig. 

Ärztliche Hilfe ist dann nötig, wenn sich

  • Betroffene mehrfach und über mehrere Tage hinweg erbrechen
  • und keine Flüssigkeit mehr bei sich behalten. 

Der Körper verliert dann zu viel Flüssigkeit und Nährstoffe. Das kann zu Beschwerden führen. 

Praxistipp

Holen Sie ärztliche Hilfe, wenn Sie sich mehrfach und über mehrere Tage hinweg erbrechen.

Nahaufnahme eines Infusionsbeutels
Eine Infusion kann einen Flüssigkeitsmangel nach anhaltendem Erbrechen ausgleichen.
Bild: ©ponsulak-k, magnific

Wichtige erste Anzeichen für einen Flüssigkeitsmangel sind unter anderem:

  • Durstgefühl
  • trockene Lippen und trockene Haut
  • Kopfschmerzen
  • Schwächegefühl und Schwindel.

Ärztinnen und Ärzte können einen Flüssigkeitsmangel gut behandeln: Mit einer Infusion mit Flüssigkeit, Elektrolyten und Glukose können sie den Flüssigkeits- und Nährstoffhaushalt schnell wieder auffüllen.

Ärztliche Maßnahmen bei Übelkeit und Erbrechen

Wenn vorbeugende Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetika) nicht wirken, suchen Ärztinnen und Ärzte zunächst nach möglichen Ursachen: 

  • Wurden die Antiemetika wie verordnet eingenommen?
  • Können die Beschwerden andere Ursachen haben als die Krebstherapie? 

Wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind, passen Ärztinnen und Ärzte die Antiemetika an:

  • Antiemetika wirken auf unterschiedliche Weise. Wenn ein Wirkstoff nicht hilft, können Patientinnen und Patienten ein anderes Medikament erhalten. Auch eine Kombination verschiedener Antiemetika kann helfen.
  • Wenn Betroffene ihre Antiemetika bisher als Tabletten eingenommen haben, können sie die Medikamente auch als Infusion erhalten. Denn: Werden die Tabletten erbrochen, bevor sie den Darm erreichen, kann der Körper weniger Wirkstoff daraus aufnehmen. Dann wirken die Medikamente schlechter. Durch eine Infusion gelangt der Wirkstoff schnell und in ausreichender Menge in den Körper. Dann kann er besser wirken. 

Übelkeit und Erbrechen bei fortgeschrittener Krebserkrankung

Ist der Krebs weit fortgeschritten und nicht mehr heilbar? Dann lösen oft nicht die Krebsbehandlung, sondern die Erkrankung selbst oder andere Ursachen Übelkeit und Erbrechen aus. 

Was können Angehörige und Pflegende tun? 

Sie können komplementäre oder allgemeine praktische Maßnahmen ausprobieren, um die Beschwerden zu lindern. 

Was können die behandelnden Ärzte tun? 

  • Sie klären mögliche Ursachen ab. Finden sie einen möglichen Auslöser für die Übelkeit, versuchen sie diesen zu behandeln.
  • Oft ist es möglich, Übelkeit auslösende Medikamente zu verringern oder wegzulassen. Auch ein Wechsel auf ein anderes Medikament kann möglich sein.
  • Abhängig von der individuellen Erkrankungssituation kann es sinnvoll sein, die Tumorbehandlung anzupassen. Das kann die Lebensqualität verbessern. 

Wenn Übelkeit und Erbrechen die Betroffenen sehr belasten, können die Ärzte die Krebstherapie anpassen. 

Um die Nebenwirkungen zu verringern, ist es möglich, 

  • die Dosis der Krebsmedikamente zu verringern.
  • oder auf andere Krebsmedikamente zu wechseln. 

In manchen Situationen kann auch eine Therapiepause nötig sein, damit sich die Betroffenen erholen können. 

Wichtig zu wissen

Ob Ihre Krebstherapie angepasst oder unterbrochen werden muss, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten anhand Ihrer persönlichen Erkrankungssituation. Bei der Entscheidung berücksichtigen die Ärzte auch Ihre Wünsche und Bedürfnisse. 

Holen Sie sich Unterstützung

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, wie sehr Übelkeit und Erbrechen Sie belasten. Möglicherweise kann Ihnen auch eine psychoonkologische Beratung helfen, besser mit der Situation umzugehen. 

Auch unsere Ärztinnen und Ärzte informieren Sie gerne kostenfrei über mögliche Maßnahmen und Medikamente

In wissenschaftlichen Studien konnten verschiedene komplementäre Maßnahmen die Übelkeit durch Chemotherapie oder Bestrahlung vorbeugen oder lindern. 

Wichtig zu wissen

Fachleute raten: Nehmen Sie Ihre ärztlich verordneten Antiemetika weiterhin ein.

Sie können komplementäre Maßnahmen zusätzlich zu den Medikamenten anwenden. 

Klären Sie vorher mit Ihrem Behandlungsteam ab, welche komplementären Maßnahmen Sie in Ihrer Erkrankungssituation zusätzlich ausprobieren können. 

Im Folgenden haben wir häufig gestellte Fragen und Antworten zu komplementären Maßnahmen bei Übelkeit und Erbrechen zusammengestellt. 

Fragen Sie uns!

Sie möchten mehr über die medizinische Anwendung und Verordnung von Cannabis und Cannabinoiden bei Krebs wissen? Unsere Ärztinnen oder Ärzte helfen Ihnen gerne kostenfrei weiter

Viele Betroffene möchten gerne selbst aktiv etwas tun, wenn ihnen schlecht ist und sie sich erbrechen. Angehörige möchten sie dabei unterstützen. Betroffene fragen sich auch, wie sie im Alltag mit den Folgen von Übelkeit und Erbrechen umgehen und ihre Lebensqualität verbessern können.

Im Folgenden haben wir häufig gestellte Fragen und Antworten mit praxisbewährten Tipps und Maßnahmen zusammengestellt. 

Wichtig zu wissen

Jeder Mensch ist anders. Nicht bei jedem hilft alles gleich gut. Probieren Sie aus, was Ihre Beschwerden am besten lindert. 

Manchen Patientinnen und Patienten wird bereits übel, wenn sie nur an die bevorstehende Krebsbehandlung denken. Auch Reize wie beispielsweise Gerüche oder der Anblick eines Infusionsbeutels können Übelkeit und Erbrechen auslösen.

Bei den betroffenen Personen verknüpft das Gehirn einen Gedanken oder bestimmte Reize mit einer in einer früheren Situation erlebten Übelkeit und aktiviert das Brechzentrum. Fachleute bezeichnen dies als "erlernte“ oder "vorwegnehmende (antizipatorische)“ Übelkeit.

Auch Stress, Angst und eine hohe psychische Belastung können Übelkeit und Erbrechen auslösen. 

Hilfe bei erlernter oder durch Stress und Angst ausgelöster Übelkeit

Eine erlernte oder durch Stress und Angst ausgelöste Übelkeit ist schwer zu behandeln.

Vielen Betroffenen kann aber eine Verhaltenstherapie helfen: 

  • Dabei lernen sie Entspannungstechniken wie beispielsweise progressive Muskelentspannung. Diese Techniken können helfen, durch Stress und Angst ausgelöste Übelkeit zu verringern.
  • Gemeinsam mit ihren Therapeuten können sich Betroffene schrittweise den Reizen aussetzen, die bei ihnen Übelkeit auslösen. Das kann die Verknüpfung im Gehirn wieder auflösen. Fachleute sprechen von einer Desensibilisierung.

Manchen Betroffenen hilft Hypnose. 

Auch angstlösende Medikamente können bei erlernter oder durch Stress und Angst ausgelöster Übelkeit und Erbrechen helfen. Ein Beispiel dafür sind Benzodiazepine. 

Übelkeit und Erbrechen werden im Gehirn durch das sogenannte Brechzentrum ausgelöst. 

Das Brechzentrumwird durch verschiedene Signalstoffe aktiviert. Dazu gehören das sogenannte Serotonin und die Substanz P. Stresshormone wie Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol können diese Wirkung verstärken

Wichtige Faktoren für Übelkeit und Erbrechen bei einer Krebsbehandlung

Lexikon

Emetogene Potenz: Sie gibt an, wie wahrscheinlich Übelkeit und Erbrechen bei einer Therapie auftreten.

Nicht alle Krebsbehandlungen lösen Übelkeit und Erbrechen aus. Bei manchen Therapien tritt diese Nebenwirkung sehr häufig auf, bei anderen nicht.

Ärzte haben heutzutage viel Erfahrung und können gut abschätzen, ob eine Behandlung Übelkeit und Erbrechen auslöst. Fachleute sprechen von der "emetogenen Potenz" einer Behandlung. 

Die emetogene Potenz einer Krebsbehandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Art der Therapie: Bei einer Chemotherapie und Bestrahlung ist die Wahrscheinlichkeit für Übelkeit und Erbrechen höher als bei antihormonellen oder zielgerichteten Therapien.
  • Dosierung: Je mehr Wirkstoff oder Strahlung der Körper abbekommt, desto wahrscheinlicher löst die Therapie Übelkeit und Erbrechen aus. Dies gilt für jede einzelne Behandlung, aber auch für die Gesamtmenge im Verlauf der Therapie. Übelkeit und Erbrechen können daher schon bei der ersten Behandlung, aber auch erst nach mehreren Behandlungsrunden auftreten.
  • Anwendung: Wenn die Behandlung mehrfach und in kurzen zeitlichen Abständen erfolgt, löst sie öfter Übelkeit und Erbrechen aus.
  • Verabreichung: Als Infusion verabreichte Medikamente lösen häufiger Übelkeit und Erbrechen aus als Tabletten.
  • Kombination verschiedener Therapien: Erhalten Erkrankte mehrere Medikamente und/oder zusätzlich dazu eine Bestrahlung, ist die Wahrscheinlichkeit für Übelkeit und Erbrechen höher als bei einzelnen Therapien. 

Therapieplanung

Wenn die Ärzte einen Behandlungsplan erstellen, planen sie die Antimese anhand der emetogenen Potenz der Krebsbehandlung mit ein. 

Erhalten Erkrankte mehrere Krebsmedikamente, orientiert sich die Antimemese an dem Wirkstoff mit der höchsten emetogenen Potenz.

Auch individuelle Faktoren der erkrankten Person beeinflussen, wie wahrscheinlich eine Krebsbehandlung Übelkeit und Erbrechen auslöst:

  • Geschlecht: Allgemein sind Frauen anfälliger für Übelkeit und Erbrechen als Männer.
  • Alter: Jüngere Patientinnen und Patienten leiden häufiger unter Übelkeit und Erbrechen durch eine Krebsbehandlung als ältere.
  • Reisekrankheit und Schwangerschaftserbrechen: Personen, die unter Reisekrankheit leiden und/oder während einer Schwangerschaft unter Übelkeit gelitten haben, sind anfälliger für Übelkeit und Erbrechen durch eine Krebsbehandlung.
  • Vorgeschichte und Angst: Bei Patientinnen und Patienten, die ängstlich sind oder bereits bei einer vorherigen Therapie von Übelkeit und Erbrechen betroffen waren, ist die Wahrscheinlichkeit für Übelkeit und Erbrechen erhöht. 

Weitere Ursachen für Übelkeit und Erbrechen

Nicht immer ist die Krebstherapie der Grund für die Beschwerden. Mögliche andere Ursachen für Übelkeit und Erbrechen sind unter anderem:

  • Vergiftungen und Infektionen
  • Überempfindlichkeit des Innenohrs (Reiseübelkeit) oder Entzündungen
  • Medikamente
  • Tumorerkrankungen, vor allem eine fortgeschrittene Krebserkrankung

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