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Gebärmutterhalskrebs: Ursachen und Risikofaktoren
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Der folgende Text "Ursachen und Risikofaktoren" ist Teil einer umfassenderen Information zum Thema Zervixkarzinom. Sie richtet sich an Patientinnen mit dieser Erkrankung, ihre Angehörigen und Freunde. Informationen aus dem Internet können es erleichtern, sich ein Bild über eine Krebserkrankung zu machen. Sie ersetzen jedoch nicht das Gespräch mit den behandelnden Ärzten.
Heute gilt es als gesichert, dass eine Infektion mit den sogenannten humanen Papillomviren (HPV) an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt ist. Doch nicht alle Untertypen dieser Virusart sind gefährlich: Nur die als Hochrisikotypen bezeichneten Erreger, allen voran die HPV-Typen 16 und 18, haben die Fähigkeit, Zellen zum unkontrollierten Wachstum anzuregen. Diese beiden Virustypen sind in über 70 Prozent der Gewebeproben nachweisbar, die aus Zervixkarzinomen entnommen werden. Damit die Zellen entarten, muss jedoch eine chronische Infektion (Persistenz) mit diesen Viren vorliegen, was nur bei wenigen Frauen der Fall ist. Selbst dann müssen die Viren im Durchschnitt über 15 Jahre in den Zellen überdauern, bis es zur Bildung eines Zervixkarzinoms kommt. Die langsame Entwicklung des Tumors trägt dazu bei, dass frühe Stadien des Gebärmutterhalskrebses rechtzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden können.
Seit Herbst 2006 steht in Deutschland eine vorbeugende Impfung zur Verfügung, die vor der Infektion mit humanen Papillomviren und der Entstehung eines Zervixkarzinoms und dessen Vorstufen schützen soll.
Humane Papillomviren werden zwar in praktisch allen Zellproben aus Tumoren am Gebärmutterhals gefunden. Insgesamt sind diese Erreger jedoch sehr weit verbreitet: Je nach Studie kommen zwischen 50 und 80 Prozent aller Menschen im Lauf ihres Lebens damit in Kontakt. Trotzdem wirkt sich die Infektion nur bei einem geringen Prozentsatz der Betroffenen ernsthaft auf die Gesundheit aus; bei den meisten schafft es das Immunsystem, mit den Krankheitserregern ohne Folgen fertig zu werden.
Kofaktoren und weitere Risiken
Es muss daher zusätzliche Faktoren geben, die das persönliche Risiko beeinflussen, sonst würden angesichts der weiten Verbreitung der Viren viel mehr Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken.
Aus Studien an Patientinnen und der Beobachtungen großer gesunder Bevölkerungsgruppen schließen Wissenschaftler derzeit auf eine Reihe Kofaktoren. Viele dieser Untersuchungen wurden von Studiengruppen der europäischen Krebsagentur IARC durchgeführt und/oder koordiniert, einer Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation WHO (www.iarc.fr; Pressemitteilungen und Hinweise auf Originalveröffentlichungen sind zum Beispiel in englischer Sprache abrufbar unter www.iarc.fr/en/media-centre/pr/index.php).
- Rauchen und Passivrauchen gelten als Begleitfaktoren für die HPV-bedingte Tumorentstehung. So lassen sich bei Raucherinnen die krebserregenden Abbauprodukte von Tabakrauch vermehrt in der Schleimhaut des Gebärmutterhalses nachweisen. Bei ihnen steigt das Risiko, ein Karzinom des Gebärmutterhalses zu entwickeln, um 60 Prozent im Vergleich zum Risiko von Nichtraucherinnen. Je früher Frauen mit dem Rauchen beginnen und je mehr Zigaretten sie pro Tag konsumieren, um so größer wird die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken.
- Zusätzliche Infektionen im Genitalbereich mit anderen sexuell übertragbaren Erregern wie Herpes simplex oder Chlamydien kann ebenfalls zur Krebsentstehung beitragen, wenn man bereits mit humanen Papillomviren infiziert ist.
- Kondome reduzieren die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit diesen Krankheitserregern. Im Sommer 2006 zeigte eine U.S.-amerikanische Forschergruppe, dass die Verwendung von Kondomen vermutlich sogar das Risiko der HPV-Infektion selbst reduzieren kann, was lange als umstritten galt.
- Frauen, die im Laufe ihres Lebens eine "Spirale" getragen haben, haben ebenfalls ein geringeres Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Dies ist das Ergebnis einer spanischen Analyse von 26 weiteren Untersuchung. Als Spirale bezeichnet man sogenannte Intrauterinpessare (IUP). Sie werden zur Verhütung einer Schwangerschaft direkt in die Gebärmutter eingesetzt. Die Autoren der Untersuchung vermuten, dass das Fremdmaterial des IUP die Immunabwehr in Gebärmutterhals und Gebärmutter anregt, auch wenn die Spirale die HPV-Infektion selbst nicht verhindern kann.
- Hormonelle Verhütungsmittel ("Pille"), die über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, können dagegen möglicherweise das Krebsrisiko erhöhen. Bisher ist jedoch nicht eindeutig geklärt, ob diese Beobachtung tatsächlich auf die Hormone oder aber auch auf ein damit verbundenes Sexualverhalten und die Infektion mit Papillomviren zurückzuführen ist.
- Mit jeder Schwangerschaft, die über die ersten fünf bis sechs Monate anhält beziehungsweise mit jeder Geburt, steigt das Risiko von Frauen mit einer Papillomvirus-Infektion weiter an. Frauen, die sieben und mehr Schwangerschaften hinter sich hatten und Trägerinnen der Hochrisikotypen waren, erkranken laut großer Studien fast viermal so häufig an Gebärmutterhalskrebs wie Frauen, die keine Kinder geboren hatten. Die Autoren der Studien, im Auftrag der IARC tätig, konnten diesen Zusammenhang zwar belegen, aus den Ergebnissen allerdings nicht sicher ableiten, was genau die Risikosteigerung bewirkt. Möglich sind Gewebeveränderungen in der fortschreitenden Schwangerschaft. Denkbar ist aber auch, dass viele Schwangerschaften und Geburten nur ein Indiz für einen niedrigen Lebensstandard und armutsbedingte Risikofaktoren sind.
- Frauen, mit einem stark geschwächten Immunsystem, wie etwa AIDS-Patientinnen oder Frauen, die immununterdrückende Medikamente einnehmen müssen, beispielsweise nach einer Organtransplantation, sind besonders gefährdet. Da ihr Immunsystem geschwächt ist, kann eine HPV-Infektion oft nicht erfolgreich zurückdrängt werden.
Erbanlagen, Ernährung?
Der Einfluss der Erbanlagen und der Ernährung auf die Tumorentstehung ist bislang nicht eindeutig geklärt.
Bei manchen Menschen scheint das Virus leichter zu einer
unkontrollierten Zellteilung führen zu können als bei anderen. Auch
Unterschiede in der Erbsubstanz, die sich auf die Struktur des
Immunsystems auswirken, könnten dazu beitragen, dass das Immunsystem
bei manchen Menschen nicht effizient auf das Virus reagiert. Dennoch
spielen nach dem derzeitigen Erkenntnisstand genetische Faktoren bei
Gebärmutterhalskrebs eine eher untergeordnete Rolle – von einer echten
Vererbung eines hohen Risikos innerhalb einer Familie gehen Experten
zur Zeit nicht aus.
Der Einfluss der Ernährung auf die virusbedingte Tumorentstehung ist
momentan noch nicht eindeutig geklärt. Daher gibt es derzeit auch keine
Empfehlungen zu einer besonderen Ernährungsform oder Diät, mit der man
sich vor Gebärmutterhalskrebs schützen könnte.
Weitere Informationen für Interessierte und Fachkreise
Castellsagué X, Díaz M, Vaccarella S, de Sanjosé S, Muñoz N, Herrero R, Franceschi S, Meijer C.J.L .M, Bosch F.X. (2011): Intrauterine device use, cervical infection with human papillomavirus, and risk of cervical cancer: a pooled analysis of 26 epidemiological studies. The Lancet Oncology, online vor Print 13.9.2011. Eine Zusammenfassung der Originalstudie ist in englischer Sprache im Internet frei zugänglich unter
www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045%2811%2970223-6/abstract.
Die Monographie zu humanen Papillomviren der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC ist in englischer Sprache über das Internet abrufbar unter
http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol90/index.php. Die Information richtet sich vorwiegend an Fachleute.