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Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes KID, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

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Lungenkrebs, Foto: MOREDUN ANIMAL HEALTH LTD/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Behandlungsverfahren bei Lungenkrebs: Welche Möglichkeiten gibt es?

Für Patienten mit Lungenkrebs ist vor allem die Operation ein wichtiges Behandlungsverfahren. Auch eine Bestrahlung kann Linderung bringen. Mit einer Chemotherapie lässt sich das Tumorwachstum ebenfalls bremsen, und neue Medikamente haben die Möglichkeiten der Therapie erweitert.
Warum bleibt die Behandlung von Lungenkrebs trotzdem so schwierig? Welche Hoffnung setzen Fachleute auf neue Verfahren? Was lässt sich gegen belastende Symptome tun? 
Der folgende Text bietet Betroffenen, ihren Angehörigen und allen Interessierten einen allgemeinen Überblick.

Quellen und Links

Als Informationsquellen wurden, soweit es sich nicht um Lehrbuchwissen handelt, im Wesentlichen Behandlungsleitlinien deutscher und internationaler Fachgesellschaften verwendet. Die bei der Texterstellung genutzten Quellen sind nach Möglichkeit direkt verlinkt, zudem sind sie im Kapitel „Mehr wissen zum Thema Lungenkrebs“ unter dem Stichwort "Fachliteratur" aufgeführt.

Behandlungsmöglichkeiten: Ein Überblick

Welche Behandlung ist die richtige? Das ist von verschiedenen Faktoren abhängig, zum Beispiel

  • vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten,
  • von der Ausdehnung seiner Erkrankung, also dem Stadium,
  • vom feingeweblichen Typ des Karzinoms: Ist es ein kleinzelliger oder ein nicht-kleinzelliger Lungenkrebs - und welche Form des nicht-kleinzelligen Karzinoms liegt vor?

Die besten Aussichten haben Patienten, wenn ihr Tumor vollständig operativ entfernt oder durch andere Therapieverfahren zerstört werden kann. Dies gelingt meist nur in frühen Krankheitsstadien.

Hat der Tumor die Lungengrenzen bereits überschritten und in zahlreiche Lymphknoten oder andere Organe und Gewebe gestreut,versuchen die Ärzte, das Krebswachstum zurückzudrängen und so lange wie möglich aufzuhalten. Eine vollständige Heilung gelingt allerdings nur bei wenigen Betroffenen mit fortgeschrittener Erkrankung.

Um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern und belastende Symptome abzuschwächen, können Ärzte eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie durchführen. Bei beiden Methoden sterben Krebszellen ab und können vom Körper abgebaut werden. Allerdings werden auch gesunde Zellen geschädigt, was zu Nebenwirkungen der Behandlung führen kann. Seit einigen Jahren gibt es außerdem sogenannte "gezielte Krebsmedikamente". Sie stören Signalwege oder Stoffwechselvorgänge, die nur oder fast nur in Krebszellen aktiv sind. Solche zielgerichteten Therapien können - je nach Situation - bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs zum Einsatz kommen. Allerdings weist das Tumorgewebe nicht bei allen Betroffenen die molekularbiologischen Besonderheiten auf, die eine solche Behandlung überhaupt erst wirksam machen. Trotz der gezielten Wirkung auf Tumorzellen sind diese Medikamente ebenfalls nicht nebenwirkungsfrei.

Eine wesentliche Rolle spielt die Behandlung belastender Symptome, etwa durch eine gute Schmerztherapie, durch die gezielte Behandlung beispielsweise von Knochenmetastasen mit Medikamenten und Bestrahlung, oder auch durch unterstützende Physiotherapie und eine intensivierte Ernährungstherapie.

Patienten mit schlechtem Gesundheitszustand, besonders Betroffene mit beeinträchtigter Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge, müssen damit rechnen, dass bei ihnen bestimmte Therapieformen nur eingeschränkt oder gar nicht angewendet werden können, da sie zu belastend wären. Wie alt ein Patient ist, spielt jedoch keine entscheidende Rolle.

Die Behandlung von Lungenkarzinomen sollte von einer Klinik mit entsprechender Erfahrung in Thoraxchirurgie, Bestrahlung und Chemotherapie bei Lungenkrebs durchgeführt werden. Spezialisierte Kliniken beteiligen sich meist auch an klinischen Studien zur Verbesserung und Weiterentwicklung der Behandlung. Kliniken mit besonderer Spezialisierung auf Lungenkarzinome können sich seit einiger Zeit als „Lungenkrebszentrum“ zertifizieren lassen. Auf der Internetseite www.oncomap.de können diese Zentren gesucht werden.

Operation: Tumor möglichst vollständig entfernen

Wann werden Patienten mit Lungenkrebs operiert?

  • Bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs werden Patienten in frühen Tumorstadien nach Möglichkeit operiert. Voraussetzung ist, dass ihr Gesundheitszustand es zulässt, entscheidend ist vor allem ihre Herz- und Lungenfunktion.
  • In fortgeschrittenen Stadien des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms kommt eine Operation oft nicht mehr infrage: wenn der Tumor bereits in benachbarte Organe eingewachsen ist, bei ausgedehntem Lymphknotenbefall oder dem Vorliegen von Fernmetastasen (Absiedlungen des Tumors in andere Organe).
  • Beim kleinzelligen Lungenkrebs steht die Chemotherapie im Vordergrund. Nur ein sehr kleiner Tumor kann eventuell operiert werden, Patienten bekommen aber auch dann zusätzlich eine Chemotherapie.

Was ist vor der Operation zu beachten?

Medikamente, die die Blutgerinnung beeinflussen, können bei einer Operation zum Risiko werden und müssen in Absprache mit dem Arzt unter Umständen einige Tage vorher abgesetzt werden. Betroffene Patienten bekommen vor der Operation eventuell ein Ersatzmedikament gespritzt, das die Ärzte gut dosieren und steuern können. So wird die Gefahr von Blutungen während oder nach dem Eingriff verringert.

Patienten mit Lungenkrebs sollten möglichst nicht rauchen. Operationswunden heilen bei Rauchern schlechter, und die Gefahr von Komplikationen ist größer.

Was machen die Ärzte bei der Operation?

Die Operation findet in Vollnarkose statt und kann je nach Umfang des Eingriffs mehrere Stunden dauern. Direkt danach ist - je nach Zustand des Patienten - während einiger Stunden oder Tage eine intensivmedizinische Überwachung notwendig. Betroffene müssen insgesamt mit einem stationären Aufenthalt von mindestens zwei bis drei Wochen rechnen, eine genaue Voraussage ist allerdings, wenn überhaupt, nur durch die behandelnden Ärzte möglich.

Wie Ärzte bei der Operation vorgehen, richtet sich nach Größe und Sitz des Tumors. Sie versuchen, den Tumor mit einem Randsaum aus gesundem Lungengewebe zu entfernen, um möglichst kein Krebsgewebe im Körper zu belassen. Dabei beachten sie auch, wie das Tumorgewebe und das verbleibende Gewebe mit Lymphbahnen und Adern versorgt sind. Bei der Operation entnehmen sie deshalb auch Lymphknoten und lassen sie in einem spezialisierten Labor auf Krebszellen hin untersuchen. Wichtig sind die Lymphknoten zwischen den Lungenlappen, im Bereich der Lungenwurzel und im Raum zwischen den Lungenflügeln, dem sogenannten Mediastinum ("Mittelfell").

Lexikon

Hilus = Lungenwurzel, Lungenpforte; Stelle, an der Hauptbronchien, Blutgefäße und Nerven in den jeweiligen Lungenflügel eintreten

Beim Eingriff liegt der Patient halb auf der Seite. Um an die Lunge zu gelangen, schneiden die Chirurgen meist von der anderen, nach oben zeigenden Seite am Rand des Schulterblatts entlang nach hinten und oben. Dabei muss der große Rückenmuskel durchschnitten werden. Dieser verheilt jedoch nach der Operation wieder. Meist müssen die Rippen nicht durchtrennt werden, sondern es reicht, wenn die Ärzte sie auseinanderspreizen, um den Tumor gut zu erreichen und zu entfernen.

Wie ausgedehnt operiert werden muss, können Ärzte oft erst während des Eingriffs feststellen. Bei manchen Patienten stellt sich auch erst zu diesem Zeitpunkt heraus, dass ihnen eine umfassende Tumorentfernung mehr schaden als nützen würde.
In frühen Erkrankungsstadien reicht es, den befallenen Lungenlappen und damit in Verbindung stehende Lymphknoten zu entfernen (Lobektomie). Überschreitet der Tumor die Grenze zwischen zwei Lungenlappen, so werden alle beide herausgenommen (Bilobektomie). Bei großen, im Bereich des Hauptbronchus nahe der Lungenpforte gelegenen Tumoren kann es nötig sein, einen gesamten Lungenflügel zu entnehmen (Pneumonektomie oder auch Pneumektomie). Ein solcher Eingriff geht jedoch mit einem erhöhten Operationsrisiko einher. Außerdem ist die körperliche Leistungsfähigkeit der Patienten nach einer Pneumektomie zunächst oft stark eingeschränkt, da der verbleibende Lungenflügel einige Monate braucht, um sich an die zusätzliche Atemarbeit zu gewöhnen. Falls irgend möglich, versuchen Ärzte die Herausnahme eines ganzen Lungenflügels zu vermeiden und so viel Lungengewebe wie möglich zu erhalten.

Organerhaltende Operation bei zentral wachsenden Tumoren

Manchmal sitzt ein Tumor nicht am Rand, sondern mitten in der Lunge. Das umliegende, gesunde Lungengewebe wird durch die Operation eventuell von den Bronchien und von der Versorgung mit Adern und Nerven abgeschnitten. Um es nicht mit entfernen zu müssen, versuchen die Ärzte dann, die Enden von unterbrochenen Bronchien oder auch von großen Blutgefäßen wieder zu vernähen. Sie sprechen von einer bronchoplastischen beziehungsweise angioplastischen Operation. Die verbliebenen Lungenabschnitte werden wieder belüftet und durchblutet, und ihre Funktion bleibt erhalten.

Wichtig: Voraussichtliche Erholungsfähigkeit der Restlunge

Durch die Entfernung von Lungengewebe wird die Atemfläche kleiner. Eine ansonsten gesunde, wenig vorgeschädigte Lunge kann dies innerhalb einiger Wochen und Monate bis zu einem gewissen Grad ausgleichen, denn sie hat eine erhebliche Leistungsreserve. Die verbliebenen Lungenanteile dehnen sich zur Kompensation etwas aus, sodass ansonsten gesunde Patienten auch nach einer Operation nicht mit einer schwerwiegenden Atembehinderung rechnen müssen.
Anders sieht es bei vorgeschädigter Lunge aus, zum Beispiel bei Rauchern oder Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen. Hier sind die Funktionsreserven eingeschränkt, und schon die Narkose birgt ein erhöhtes Risiko. Diese Patienten sind zudem stärker durch Komplikationen wie Infektionen oder Blutungen gefährdet.

Sind die zu erwartenden Belastungen und Einschränkungen zu groß, so muss eine andere Therapie als die Operation gewählt werden.

Strahlentherapie und Radiochemotherapie: Zellen am Wachstum hindern

  • Ist eine Operation nicht möglich, setzen Ärzte bei Patienten mit nicht-kleinzelligen Lungentumoren wenn irgend möglich eine Bestrahlung ein, um das Tumorwachstum zu bremsen. Ist die Erkrankung nicht sehr weit fortgeschritten, lässt sich bei einigen Patienten damit auch eine Heilung erzielen.
  • Für Patienten, die gleichzeitig eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), eine schwere Herzerkrankung oder andere Vorerkrankungen haben, stellt eine Lungen-Operation oft ein erhöhtes Risiko dar. Für diese Betroffenen kann eine sogenannte stereotaktische Bestrahlung eine Alternative darstellen, allerdings nur, wenn der Tumor sich noch im Anfangsstadium befindet. Dabei handelt es sich um eine „zielgerichtete“ Bestrahlung des Tumors von mehreren Seiten gleichzeitig mit geringer Strahlendosis. Das umliegende Gewebe wird weitgehend geschont.
  • Unter Umständen lässt sich ein zunächst inoperabler nichtkleinzelliger Tumor durch eine neoadjuvante, der Operation vorgeschaltete Bestrahlung so verkleinern, dass ein chirurgischer Eingriff doch noch möglich wird. Eine der Operation nachgeschaltete adjuvante Bestrahlung kann eine Operation ergänzen, etwa wenn nicht alles Tumorgewebe entfernt werden konnte. Eine Kombination von Bestrahlung und Chemotherapie ist möglich.
  • Bei kleinzelligem Lungenkarzinom hat die Bestrahlung einen festen Stellenwert, wird allerdings fast bei allen Patienten mit einer Chemotherapie kombiniert, als Radiochemotherapie. Dann kann sie zumindest im Stadium Limited Disease zur Heilung beitragen.

Eine Rolle spielt die Bestrahlung bei kleinzelligen wie bei nichtkleinzelligen Tumoren auch dann, wenn ein Patient ein hohes Risiko für Metastasen trägt oder bereits solche Tochtergeschwülste entwickelt hat.

  • Eine vorsorgliche Bestrahlung des Kopfes kann Patienten vor Metastasen im Gehirn schützen. Sie spielt vor allem bei kleinzelligem Lungenkrebs eine Rolle. Bei nicht-kleinzelligen Tumoren ist der Stellenwert nicht wirklich klar: Daher gehört die prophylaktische Bestrahlung in Deutschland nicht zu den Standardverfahren, sie kann je nach Situation aber durchgeführt werden.
  • Die Bestrahlung hilft auch, wenn bereits Hirnmetastasen aufgetreten sind, sie kann zur Linderung von Beschwerden beitragen und das Fortschreiten der Erkrankung im Gehirn verlangsamen.
  • Patienten mit Knochenmetastasen können von einer Bestrahlung eine oft sehr wirksame Schmerzlinderung erwarten, und die Bruchgefahr nimmt ab.
  • Die Strahlentherapie wird, je nach Situation, auch zur Behandlung der Symptome eingesetzt, die ausgedehnte Tumoren im Brustkorb verursachen, zum Beispiel bei Husten, Bluthusten, Brustschmerzen oder Atemnot.

Bei der Strahlentherapie werden Krebszellen durch energiereiche Strahlung zerstört. Die Bestrahlung erfolgt meist "perkutan", also von außen durch die Haut. Sollen Tumoren bestrahlt werden, die zum Beispiel die Atemwege zu verlegen drohen, kommt auch eine sogenannte Brachytherapie infrage. Hier führen Ärzte eine Strahlenquelle direkt an den Tumor heran, durch die Luftröhre. Einen allgemeinen Überblick zur Durchführung und zu möglichen Nebenwirkungen bietet der Krebsinformationsdienst unter "Strahlentherapie: Mit Energie gegen Krebs".

Was ist vor einer Bestrahlung zu beachten?

Patienten mit Lungenkrebs sollten möglichst nicht rauchen. Raucher vertragen die Bestrahlung weniger gut und die Gefahr von Komplikationen ist größer. Viele Radiologen empfehlen Patienten, während der Behandlung besser auch auf hochprozentigen Alkohol und scharfe oder sehr saure Speisen zu verzichten. Diese können bei einer Bestrahlung des Mediastinums die Speiseröhre zusätzlich reizen - sie liegt mit im Strahlenfeld. Die Haut im Bestrahlungsgebiet kann für einige Monate sehr empfindlich bleiben und sollte keiner direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt werden.

Was sie im Vorfeld einer Bestrahlung noch beachten müssen, sollten Patienten mit ihren behandelnden Ärzten direkt besprechen. Informationen aus dem Internet können ein persönliches Gespräch nicht ersetzen.

Perkutane Bestrahlung

Zum Weiterlesen

Die perkutane Strahlentherapie erfolgt meist ambulant, die Patienten kommen dazu jedes Mal für kurze Zeit in die Klinik beziehungsweise eine Praxis für Strahlentherapie. Während der Behandlung liegen sie auf einer Liege. Die Elektronenstrahlung wird in der Regel durch einen sogenannten Linearbeschleuniger mit Strom erzeugt. Gesundes Gewebe und empfindliche Organe wie das Herz sollen weitgehend geschont werden. Dazu wird die Strahlung anhand der vorliegenden Röntgenaufnahmen oder anderer Bilder so gesteuert, dass sie möglichst nur den Tumor trifft. Sollen möglicherweise verstreute unsichtbare Tumorzellen getroffen werden, kann allerdings auch ein größeres Bestrahlungsfeld notwendig sein.

Auch bei genauer Eingrenzung des Bestrahlungsfeldes können Ärzte nicht ganz vermeiden, dass gesundes Gewebe mit betroffen wird, insbesondere die Haut. Damit sich das gesunde Gewebe von der Strahlenwirkung erholen kann, erfolgt die Behandlung meist verteilt auf viele "Sitzungen" mit jeweils kleiner Strahlendosis. Dieses Vorgehen nennt man Fraktionierung (von lat.: fractio = "Bruchteil"). Krebszellen nützen diese Bestrahlungspausen wenig, da sie natürliche Reparaturfunktionen weitgehend verloren haben.

  • Wie hoch die gesamte Strahlendosis ist, wie viele Einzelbestrahlungen notwendig sind und wie bei einer Radiochemotherapie die zeitliche Abstimmung mit der Chemotherapie aussehen muss, planen die verantwortlichen Ärzte gemeinsam mit dem Patienten abhängig von der jeweiligen Situation. Anhaltspunkte geben die aktuellen Leitlinien.

Bei wiederholten Bestrahlungen muss immer das gleiche Bestrahlungsfeld behandelt werden. Deshalb werden Patienten oft Markierungslinien auf die Haut gezeichnet. Diese dürfen bis zum Ende der Behandlung nicht abgewaschen werden. Um unwillkürliche Bewegungen während der Bestrahlung zu vermeiden, kommen auch spezielle Lagerungssysteme oder Masken infrage.

Die eigentliche Bestrahlung dauert jeweils nur wenige Sekunden bis Minuten. Inklusive der Vorbereitung müssen Patienten jedoch mit einer Behandlungszeit von 20 bis 90 Minuten rechnen. Einzelheiten und den genauen Ablauf erläutern die behandelnden Ärzte.

Brachytherapie

Die Bestrahlung von innen, die sogenannte Brachytherapie, kommt zur Linderung von tumorbedingten Verengungen der Atemwege infrage. Bei der Brachytherapie bringen Ärzte eine radioaktive Strahlungsquelle über ein Bronchoskop direkt an die betroffene Stelle. Die Reichweite der dabei eingesetzten Strahlung ist sehr gering, andere Gewebe werden weitgehend geschont. Bei dieser Behandlung ist eine kurze Narkose notwendig. Daher erfolgt die Brachytherapie fast immer bei einem kurzen Krankenhausaufenthalt.Bei den meisten Patienten ist nur eine Behandlung notwendig, die vorgesehene Strahlendosis lässt sich durch die Zeit steuern, in der die Strahlenquelle dicht am Tumor liegt.

Chemotherapie: Medikamente gegen Lungenkrebs

Wann bekommen Patienten mit Lungenkrebs eine Chemotherapie?

  • Beim kleinzelligen Lungenkarzinom ist die Chemotherapie die wichtigste Behandlungsmethode. In frühen Krankheitsstadien kann sie zur Heilung führen oder die Erkrankung zumindest längere Zeit aufhalten. In späteren Stadien lindert sie tumorbedingte Beschwerden und kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Die Chemotherapie wird häufig mit einer Bestrahlung zur Radiochemotherapie kombiniert.
  • Patienten mit nicht-kleinzelligen Karzinomen werden nach Möglichkeit operiert. Die Chemotherapie wird trotzdem bei vielen Betroffenen „adjuvant“ - also ergänzend - gegeben: Sie soll im Körper verstreute Krebszellen vernichten.
  • Ist ein nicht-kleinzelliger Lungenkrebs zwar noch lokal begrenzt, aber nicht mehr operierbar, setzen Ärzte eine Chemotherapie ein, wenn möglich in Kombination mit Bestrahlung als Radiochemotherapie.
  • Bei fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs bekommen Patienten eine Chemotherapie zur Vorbeugung und Linderung von krankheitsbedingten Beschwerden und Komplikationen. Für Patienten und ihre Ärzte ist es in dieser Situation wichtig, den Nutzen und die Vorteile durch die Behandlung gegen die möglichen Belastungen und Nebenwirkungen abzuwägen. Wie die Behandlung bei einer fortgeschrittenen Erkrankung aussieht, orientiert sich daher vorrangig an der individuellen Situation.

Was ist vor einer Chemotherapie zu beachten?

Patienten mit Lungenkrebs sollten möglichst nicht rauchen. Raucher vertragen die Chemotherapie weniger gut und die Gefahr von Komplikationen ist größer. Über weitere Möglichkeiten, sich auf die Chemotherapie vorzubereiten, informiert das zuständige Behandlungsteam.

Was passiert bei der Chemotherapie?

Bei der Chemotherapie bekommen Patienten Medikamente, die die Zellteilung und dadurch das Tumorwachstum hemmen, sogenannte Zytostatika. Diese Stoffe erreichen über das Blut Zellen im ganzen Körper. Ärzte nennen das eine "systemische" Therapie - im Gegensatz zu einer Lokaltherapie wie etwa der Operation oder einer Bestrahlung, die sich nur auf eine bestimmte Region oder ein Organ richten. Krebszellen, die sich meist häufiger teilen als gesundes Gewebe, sind besonders empfindlich gegenüber diesen Zellgiften.

Wenn es der Gesundheitszustand eines Patienten erlaubt, kann die Chemotherapie heute ambulant durchgeführt werden. In spezialisierten Krankenhäusern gibt es entsprechende Ambulanzen oder Tageskliniken. Auch niedergelassene Internisten, die sich auf Hämatologie und Onkologie spezialisiert haben, können eine Chemotherapie durchführen. Patienten erhalten die Medikamente zum Beispiel als Infusion in eine Armvene. Ist absehbar, dass häufige Medikamentengaben notwendig sind, empfehlen Ärzte einen sogenannten Port. Das ist ein kleines Reservoir aus sterilem Material, das in einem ambulanten Eingriff unter der Haut eingepflanzt wird und eine Verbindung zu einer großen Vene herstellt. Für die Infusion müssen die Patienten dann nicht jedes Mal das Suchen nach einer geeigneten Vene aushalten: Punktiert wird nur die Haut über dem Port.

Ambulant oder stationär?

Eine Chemotherapie ist für viele Patienten von zu Hause aus möglich, in der Ambulanz einer spezialisierten Klinik oder bei spezialisierten Fachärzten.

Patienten erhalten entweder eine Monotherapie mit nur einer Substanz oder ein Kombinationschema aus mehreren Zytostatika, je nach Situation. Hinzu kommen Arzneimittel zur Vorbeugung und Linderung von Nebenwirkungen. Für jeden Patienten wird ein Behandlungsprotokoll oder „Schema“ gewählt, das eine feste Abfolge von einzelnen Medikamentengaben an aufeinander folgenden Tagen und in mehreren „Zyklen“ vorsieht. Zwischen den einzelnen Zyklen liegen Pausen von einigen Tagen oder Wochen. Die einzelne Infusion kann mehrere Stunden dauern.

Welche Medikamente nach welchem Schema oder Protokoll Patienten erhalten, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Handelt es sich um einen kleinzelligen oder nicht-kleinzelligen Lungenkrebs? Welche Unterart eines nicht-kleinzelligen Krebses liegt vor?
  • Wie fortgeschritten ist der Tumor?
  • Wie gesund oder krank fühlen sich die Patienten? Wie gut werden sie voraussichtlich die Nebenwirkungen verkraften?

Welche Chemotherapie-Medikamente kommen infrage?

Folgende Medikamente werden bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt:

  • Cisplatin oder Carboplatin, alleine oder in Kombination mit
  • Ifosfamid, Mitomycin C, Vinblastin, Etoposid,
  • Taxanen, Vinorelbin oder Gemcitabin

Folgende Medikamente werden bei kleinzelligem Lungenkrebs eingesetzt:

  • Cisplatin oder Carboplatin, meist in Kombination mit:
  • Etoposid
  • Weitere Zytostatika mit nachgewiesener Wirksamkeit sind: Teniposid, Cyclophosphamid, Ifosfamid, Vincristin, Methotrexat, Adriamycin, Epirubicin, Paclitaxel, Irinotecan, Topotecan und Bendamustin

Einen Überblick über einzelne Zytostatika, ihre Wirkung und mögliche Nebenwirkungen bietet der Text "Chemotherapie: Substanzen".

Neuere Ansätze: Molekularbiologische oder "zielgerichtete" Therapien

Seit einigen Jahren gibt es Medikamente gegen Lungenkrebs, die häufig als „zielgerichtete Arzneimittel“ (englisch: targeted therapies) bezeichnet oder unter den Begriffen "molekularbiologische Therapien" oder "moderne Krebstherapien" zusammengefasst werden. Sie richten sich gezielt gegen bestimmte Eigenschaften der Tumorzellen, in denen diese sich von gesunden Zellen unterscheiden. Viele solcher Substanzen werden in klinischen Studien geprüft. Einige sind auch schon als Medikament zugelassen und stehen Lungenkrebspatienten in Deutschland zur Verfügung.

  • Angiogenesehemmer (beispielsweise die Substanz Bevacizumab): Krebszellen brauchen Sauerstoff und Nährstoffe, die sie über das Blut erhalten. Angiogenesehemmer behindern die Neubildung von Blutgefäßen im Tumor. Der Krebs wird "ausgehungert", ohne ausreichende Nahrungszufuhr kann er nicht gut weiterwachsen.
  • EGFR-Inhibitoren (beispielsweise die Substanzen Erlotinib und Gefitinib): Diese Medikamente binden an Rezeptoren an der Zelloberfläche, sogenannte EGF-Rezeptoren (Epidermal Growth Factor Receptors, EGFR). Sie blockieren so einen Signalweg, der bei einigen Lungentumoren eine wichtige Rolle spielt und dazu führt, dass die Krebszellen sich unkontrolliert vermehren. Durch die Medikamente werden die Wachstumssignale in den Tumorzellen gehemmt, die Vermehrung der Zellen wird gebremst und das Tumorwachstum dadurch eingeschränkt.
  • Weitere Ansätze sind Thema in der Forschung.

Die Medikamente werden, je nach Substanz, als Infusion in eine Vene oder auch als Tabletten gegeben. Ausführliche Informationen zu zielgerichteten Therapien bieten der Text "Moderne Krebstherapien: Wie funktionieren sie?" sowie ein kurz gefasstes Informationsblatt (PDF).

Wann bekommen Patienten mit Lungenkrebs eine "zielgerichtete" Therapie?

Die Medikamente sind bisher kein Ersatz für eine Operation oder eine Bestrahlung. Sie eignen sich auch nicht für alle Betroffenen, und für keines der Mittel konnte bisher belegt werden, dass es allein zur Heilung von Lungenkrebs ausreicht oder das Tumorwachstum allein längere Zeit aufhalten kann. Die für einen Patienten jeweils zu erwartenden Vorteile und auch Nebenwirkungen spielen bei der individuellen Behandlungsplanung daher eine wichtige Rolle.

  • Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs können zielgerichtete Therapien bekommen, wenn ihr Tumor weit fortgeschritten ist und nicht mehr operiert werden kann. Ob eine solche Behandlung infrage kommt, ist unter anderem abhängig vom allgemeinen Gesundheitszustand, von der genauen Unterart des Tumors und vor allem vom Vorhandensein der typischen Veränderungen in den Krebszellen, gegen die sich die jeweiligen Medikamente richten.
  • Einige zielgerichtete Medikamente werden beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs zusätzlich und ergänzend zur Chemotherapie gegeben. Andere werden nur angewandt, wenn eine vorangegangene Chemotherapie nicht den gewünschten Erfolg hatte.
  • In der Behandlung von Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs spielen zielgerichtete Therapien bisher keine Rolle.

Haben gezielte Therapien Nebenwirkungen?

Auch moderne Krebsmedikamente sind nicht nebenwirkungsfrei. Die Substanzen richten sich zwar in erster Linie gegen Eigenschaften, die vor allem Tumorzellen aufweisen. Aber auch gesunde Zellen sind betroffen.
Bei Angiogenesehemmern müssen Patienten mit vielfältigen Nebenwirkungen rechnen. Möglich, wenn auch nicht bei jedem Patienten sehr schwerwiegend sind Veränderungen des Blutbilds, Bluthochdruck, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen oder Hautveränderungen. Zu den selteneren, aber schwerwiegenden Nebenwirkungen gehören Schädigungen des Magens oder Darmes sowie Blutgerinnsel in den Gefäßen. Bei den EGFR-Inhibitoren stehen hingegen Nebenwirkungen an der Haut im Vordergrund. Mit welcher Wahrscheinlichkeit Patienten mit Nebenwirkungen rechnen müssen und was sich dagegen tun lässt, erfahren Betroffene von ihren behandelnden Ärzten. Hintergrundinformationen bietet der Krebsinformationsdienst in einem Informationsblatt "Nebenwirkungen an der Haut" (PDF) sowie im Text "Hautprobleme: Behandeln, schützen, vorbeugen".

Interventionelle Therapie: Belastende Symptome behandeln

Bei vielen Patienten treten im Lauf der Erkrankung belastende Symptome auf, die durch den Lungentumor selbst, durch Metastasen oder auch durch die Behandlung ausgelöst werden. Zu diesen Symptomen können Husten und Bluthusten gehören, eine Flüssigkeitsansammlung im Brustraum ("Pleuraerguss") oder Verengungen der Atemwege durch den Tumor. Je nach Situation müssen Ärzte kleinere Eingriffe oder Operationen vornehmen, um die Belastung für Betroffene zu reduzieren. Man spricht dann von "interventionellen", eingreifenden Verfahren. Mehr dazu bietet das Kapitel "Unterstützende Behandlung bei belastenden Symptomen".

Forschung: Welche neuen Verfahren werden geprüft?

Die Forschung konzentriert sich seit einigen Jahren darauf, wichtige molekularbiologische Eigenschaften von Tumorgewebe und ihre jeweilige Funktion aufzuklären. Daraus erhoffen sich Wissenschaftler weitere neue Ansätze für die Behandlung, vor allem die Entwicklung weiterer zielgerichteter Arzneimittel. Große Fortschritte hat auch ausgerechnet eine der ältesten Behandlungsstrategien gegen Krebs gemacht, die Strahlentherapie. An der Entwicklung neuer Formen der Chemotherapie sind ebenfalls viele Mediziner und Forscher beteiligt. Auch die Behandlung der belastenden Symptome einer Lungenkrebserkrankung gelingt heute besser als noch vor etwa zwanzig Jahren.

In klinischen Studien können vor allem Lungenkrebspatienten mit fortschreitender Erkrankung unter Umständen schon früh von neuen Entwicklungen profitieren. Die Vor- und Nachteile einer Studienteilnahme gegenüber der geprüften Standardbehandlung sollten Patienten gemeinsam mit ihren Ärzten gegeneinander abwägen. Hintergründe bietet der Krebsinformationsdienst in Texten zum Thema „Krebsforschung“ sowie in dem Informationsblatt „Was sind klinische Studien? Soll ich daran teilnehmen?" (PDF).

Gibt es eine Impfung gegen Lungenkrebs?

Ein Ansatz, der in den letzten Jahren viel diskutiert wurde, ist die „Impfung gegen Lungenkrebs“. In den bisher durchgeführten Studien bekamen Patienten veränderte und teilungsunfähig gemachte Krebszellen oder Bruchstücke der Tumorzellen, sogenannte "Peptide", verabreicht. Man hoffte, das Immunsystem der Erkrankten gegen die Tumorzellen zu aktivieren. Die Ergebnisse waren bisher allerdings eher enttäuschend, ähnlich wie auch bei anderen Tumorarten. Mehr zu den "Krebsimpfungen" in den Kapiteln "Impfen gegen Krebs: Begriffe und ihre Bedeutung" sowie "Kommerzielle Vakzineherstellung: Angebote ohne Wirksamkeit?"

Weiterführende Informationen für Interessierte und Fachkreise

S3-Leitlinie zur Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020-007.html

Leitlinien der American Society of Clinical Oncology (ASCO) zum Thema Lungenkrebs in englischer Sprache und an Fachleute gerichtet unter www.asco.org, Stichwort Practice Guidelines

Fachinformationen zu Medikamenten können angemeldete Nutzer im Internet unter www.fachinfo.de einsehen. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bietet auf www.ema.europa.eu frei zugängliche Hinweise zur Wirkung von Medikamenten mit europaweiter Zulassung an, Standardsprache ist Englisch, viele Informationen sind jedoch auch in deutschsprachiger Übersetzung abrufbar. Sie finden sich unter der Rubrik "Find medicine", Stichwort "Human medicines" und weiter zu "European Public Assessment Reports", oder über die Suchmaschine der Seite.

In Deutschland gibt es bisher kein vollständiges Studienregister. Welche Institutionen über laufende klinische Prüfungen informieren, ist im Text "Klinische Studien" aufgeführt.

Eine Gesamtübersicht zu Quellen und weiterführenden Fachinformationen zum Thema findet sich im Kapitel "Mehr wissen" im Kasten "Fachliteratur".