Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Prostatakrebs: Behandlung bei fortgeschrittener Erkrankung und Metastasen

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Der folgende Text bietet Hintergründe zu den Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit fortgeschrittener Tumorerkrankung und Fernmetastasen.

Patienten, deren Erkrankung auf die Prostata begrenzt ist, finden Informationen für ihre Situation hier. Patienten, die schon einmal behandelt wurden und nun befürchten, dass ihre Erkrankung zurückkommt, lesen im Kapitel "Rückfall" weiter.

Anhand der Ergebnisse der Voruntersuchungen können die Ärzte bei den meisten Patienten abschätzen, wie weit fortgeschritten die Erkrankung ist. Hinweise auf Tumorabsiedelungen über die Prostata hinaus ergeben sich aus Beschwerden wie etwa Knochenschmerzen. Finden sich in Biopsieproben besonders aggressiv wachsende Tumorzellen (hoher Gleason-Score) und ist der PSA-Wert sehr hoch, kann dies ebenfalls ein Anlass sein, gezielt nach Metastasen zu suchen.

Die Befunde der Untersuchungen werden im so genannten TNM-System zusammengefasst. Dabei steht

  • T für die Größe und die Ausbreitung des Tumors,
  • N (von lateinisch "Nodus") für die Anzahl der Lymphknotenmetastasen rund um die Prostata und
  • M gibt an, ob der Tumor Fernmetastasen in den Knochen oder anderen Organen gebildet hat.
  • N1 oder auch N+ zeigt an, dass Tumorzellen in die Lymphknoten des Beckens (regionale Lymphknoten) vorgedrungen sind.
  • M1 oder M+ steht für den Nachweis von Tumorgewebe in anderen Organen oder den Knochen. Als Metastasen (M) gelten auch befallene Lymphknoten, die nicht zum unmittelbaren Lymphabflussgebiet der Prostata gehören.

Patientenleitlinie (PDF)

Befallene Lymphknoten, aber keine Fernmetastasen

In jüngerer Zeit gibt es Ansätze, Patienten mit befallenen Lymphknoten in der Umgebung der Prostata, aber ohne Fernmetastasen (N1, M0), doch eine Behandlung mit heilender Absicht zu ermöglichen, meist mittels einer kombinierten Strahlen- und Hormontherapie. Bisher gibt es zu dieser Vorgehensweise nur wenige Studien. Da sich die langfristigen Ergebnisse noch nicht beurteilen lassen, hat dieser Ansatz noch keinen Eingang in aktuelle Leitlinien gefunden.

Fortgeschrittene Erkrankung und Fernmetastasen

Männer mit Metastasen eines Prostatatumors müssen davon ausgehen, dass es mit den zurzeit verfügbaren Therapieverfahren nicht gelingt, alle Tumorzellen zu zerstören.
Für Prostatakrebspatienten stehen aber wirkungsvolle lindernde Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, vor allem verschiedene Formen der Antihormonbehandlung. Diese Therapien haben zwar auch Nebenwirkungen, die sich auf die Lebensqualität auswirken können. Andererseits können sie die Erkrankung längere Zeit in Schach halten, manchmal sogar über Jahre. Ein fortgeschrittenes Prostatakarzinom wird heute daher zunächst als chronische Erkrankung betrachtet.
Mit dieser Situation zu leben,stellt betroffene Männer trotzdem vor große Herausforderungen: Das Wissen, an Krebs erkrankt zu sein, belastet. Wie Patienten, ihre Angehörigen und Freunde mit den psychischen Aspekten einer fortgeschrittenen Erkrankung umgehen können, hat der Krebsinformationsdienst in den Kapiteln "Leben mit der Erkrankung" und "Krankheitsverarbeitung" zusammengestellt.

Es gibt jedoch auch Verläufe, in denen ein Prostatakarzinom rasch wächst und sich der Tumor aggressiv im Körper ausbreitet. Um solche Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und reagieren zu können, ist für Patienten mit Metastasen eine engmaschige medizinische Betreuung wichtig (mehr dazu im Kapitel "Nachsorge").

Europäische Therapieleitlinien (2007)

Wie Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs behandelt werden sollten, ist immer eine Frage, die Betroffene nur gemeinsam mit ihren Ärzten besprechen können. Anhaltspunkte liefert unter Umständen eine Leitlinie für Fachleute, die 2007 von der Europäischen Gesellschaft für Urologie entwickelt wurde.

  • N1, M0: Die Prüfung auf Lymphknotenbefall ist keine Routineuntersuchung, kann jedoch in bestimmten Krankheitssituationen sinnvoll sein. Manchmal stellt sich auch bei einer Operation heraus, dass sich der Tumor bereits ausgebreitet hat. Patienten, bei denen die regionalen Lymphknoten im Becken befallen sind, Fernmetastasen aber nicht nachgewiesen sind, wird die Antihormontherapie empfohlen. Nur in Ausnahmefällen und auf besonderen Wunsch des Betroffenen kann auf eine Therapie verzichtet werden (Abwarten unter engmaschiger Beobachtung).
  • M1: Patienten mit Metastasen wird eine sofortige Hormonentzugstherapie empfohlen. Ein Abwarten unter Beobachtung macht hier wenig Sinn, auch dann nicht, wenn ein Patient aktuell keine Beschwerden hat, so die Experten.

Je nach Erkrankungssituation können weitere Therapieverfahren hinzu kommen, vor allem gegen tumorbedingte Beschwerden. Dazu zählen beispielsweise bei Schmerzen Schmerzmedikamente und die Bestrahlung von Knochenmetastasen, eventuell auch die Gabe von Medikamenten, die den Knochenstoffwechsel günstig beeinflussen (Bisphosphonate). Eine Chemotherapie wird erst erwogen, wenn die verschiedenen Verfahren der Hormonentzugstherapie keine Wirkung mehr zeigen.

Klinische Studien und Krebsforschung

Die Teilnahme an klinischen Studien ermöglicht Patienten mit sehr fortgeschrittener Erkrankung eventuell, an neuen Verfahren teilzuhaben, zu denen dann oft allerdings noch viele Fragen offen sind. Ob für sie eine passende klinische Studie zur Verfügung steht, sollten Betroffene bei ihren Ärzten erfragen. Ein verpflichtendes, zentrales deutsches Studienregister steht derzeit noch nicht zur Verfügung.

Auch sind viele Verfahren in klinischen Studien nicht für alle Patienten geeignet, und experimentelle Verfahren werden zudem meist nur an einer begrenzten Anzahl Betroffener geprüft. Neue Methoden werden zudem häufig auch nur in einem europäischen Land oder nur in den USA geprüft, und nicht gleich weltweit an vielen Kliniken. Warum diese Vorgehensweise notwendig ist, erläutert ein Informationsblatt des Krebsinformationsdienstes, zum Laden und Lesen als PDF-Dokument unter "Was sind klinische Studien?".

Auch die offizielle Zulassung neuer Verfahren verläuft nicht weltweit zeitgleich. So kann es passieren, dass neue Verfahren in Europa schon zugelassen sind, in den USA aber noch nicht zur Verfügung stehen, und umgekehrt.



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 31.07.2008