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Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes KID, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

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Collage: HPV-Viren und Spritze mit Impfstoff, Foto: Eisenhans - Fotolia.com © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Humane Papillomviren als Krebsauslöser

An welchen Krebsarten ist HPV beteiligt?

Bei welchen Krebsarten sind humane Papillomviren (HPV) beteiligt? Die meisten Menschen, die sich mit dem Thema befassen, denken zunächst nur an Gebärmutterhalskrebs. Heute weiß man, dass auch andere Krebsformen im Intimbereich durch Papillomviren mit bedingt sein können. Daher gilt auch für Männer der Schutz vor einer Ansteckung als wichtiges Forschungsthema.  Ein Problem: Der Nachweis einer Infektion ist nicht immer einfach. Daher gehört auch die Entwicklung von in der Praxis verlässlichen HPV-Tests zum Thema.
Der folgende Text des Krebsinformationsdienstes bietet einen Überblick über den Kenntnisstand.

Letzte Aktualisierung: 02.02.2009

Genutzte Quellen

Eine Auswahl an Hintergrundinformationen und Quellen für Interessierte und Fachkreise hat der Krebsinformationsdienst am Ende des Textes zusammengestellt. Außerdem sind Quellen und Links zu weiterführenden Informationen im Text verlinkt, die sich zum Teil an Fachkreise richten.

Gebärmutterhalskrebs

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Bisher gilt das Zervixkarzinom, eine Krebserkrankung des Gebärmutterhalses, als häufigste Tumorart, die mit HPV in Verbindung steht. Epidemiologen der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC (www.iarc.fr) wiesen in Studien nach, dass an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs nahezu immer Papillomviren beteiligt sind. Gefunden wurden mehrere Dutzend Hochrisikotypen. Die häufigsten Hochrisiko-Viren, HPV16 und HPV18, sind allein bei sieben von zehn Patientinnen mit Zervixkarzinom im Tumor nachweisbar. Die Analyse der IARC, einer der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugeordneten Einrichtung, ist in englischer Sprache über das Internet abrufbar unter http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol90/index.php. Die Information richtet sich allerdings vorwiegend an Fachleute.

Heute besteht die Möglichkeit, eine Infektion zumindest mit den Hochrisikotypen relativ einfach bei Frauen nachzuweisen. Trotzdem ersetzt ein HPV-Test die übliche Krebsfrüherkennungsuntersuchung nicht; mehr zum aktuellen Stellenwert des HPV-Tests hier, mehr zur Abstrichuntersuchung im Rahmen der gesetzlichen "Krebsvorsorge" hier.

Vulva- und Scheidenkrebs

Auch mit anderen Tumorerkrankungen stehen Humane Papillomviren in Verbindung, wenngleich diese Krebsarten weit seltener auftreten. So sind Hochrisiko-Viren wie HPV16 oder HPV18 beispielsweise Vulvakrebs (Vulva = weibliche Scham) verknüpft, einer seltenen bösartigen Tumorerkrankung der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane.
Vulvakrebs galt lange als Erkrankung, die vorwiegend bei älteren Frauen auftrat, und man brachte diese Tumoren zunächst nicht mit HPV in Verbindung. Die Häufigkeit und die Diagnosen bei jüngeren Frauen haben jedoch zugenommen, so die Aussage von Fachgesellschaften (Leitlinie "Vulvakarzinom", Stand September 2009, Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V., im Internet abrufbar unter www.dggg.de/fileadmin/public_docs/Leitlinien/1-2-3-vulvakarzinom-2009-1.pdf). HP-Viren sind vermutlich deutlich häufiger beteiligt als lange angenommen. Der Test auf Papillomviren hat laut dieser Leitlinie in der Routinediagnostik bei Verdacht auf einen Tumor jedoch noch keinen Stellenwert.

Vaginalkrebs, eine Krebserkrankung der Scheide, entsteht möglicherweise nicht selten aus verstreuten Zellen des Gebärmutterhalses, die mit HPV infiziert sind: Bei einem Drittel der Patientinnen ging tatsächlich auch ein Zervixkarzinom beziehungsweise eine deutliche Zellveränderung am Gebärmutterhals voraus, so eine aktuelle Leitlinie (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, August 2008, für Fachleute unter www.dggg.de/_download/unprotected/g_01_02_04_diagnostik_therapie_vaginalkarzinoms_s2leitlinie.pdf). Ein HPV-Test spielt in der Diagnostik bisher keine anerkannte Rolle.

Penistumoren

Aktuelle Studien zeigen, dass möglicherweise die Hälfte aller sexuell aktiven Männer mit HPV infiziert ist, meist ohne etwas davon zu spüren. Auch bei ihnen können die Viren jedoch zu Tumoren führen.

Das Peniskarzinom tritt nur sehr selten auf: Nach Angaben der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) erkrankt in den westlichen Ländern nur einer von 100.000 Männern daran. Neben anderen Risikofaktoren scheint eine chronische HPV-Infektion die Entstehung dieser Tumorform und dessen Frühformen, die penilen intraepitelialen Neoplasien (PIN), fördern zu können. So lässt sich in vier von fünf Penistumoren HPV-Erbmaterial nachweisen. Betroffen sind hier vor allem Eichel und Vorhaut; die Geschwüre können sich aber auch über die Schwellkörper bis hin zur Bauchdecke ausbreiten. Die häufigsten Virustypen, die bisher in Tumoren des Penis nachgewiesen wurden, sind HPV16 und 18. Die Beschneidung oder eine regelmäßige gründliche Intimhygiene  mit Reinigung der Penisvorhaut scheinen das Krebsrisiko zu verringern.

Analtumoren

Papillomviren können auch eine Ursache für diese seltene Tumorform am äußeren Darmausgang sein (nicht zu verwechseln mit Enddarmkrebs, der von der inneren Darmschleimhaut ausgeht und nach derzeitigem Wissen ohne Beteiligung von Viren entsteht). So fanden Wissenschaftler in mehr als 70 von 100 Gewebeproben von Analkarzinompatienten und -patientinnen Erbmaterial der Hochrisikotypen HPV16 oder 18, so der Report der Beratung über Humane Papillomvirus Impfstoffe der WHO von 2005, abrufbar im Internet unter http://whqlibdoc.who.int/hq/2005/WHO_IVB_05.16.pdf).

Als zusätzliche Risikofaktoren gelten vor allem weitere Infektionen mit zum Beispiel Herpes oder Syphilis sowie Immunschwäche. Überdurchschnittlich häufig betroffen sind beispielsweise homosexuelle HIV-positive Männer.

Kopf- und Halstumoren

Legt man die Daten verschiedener wissenschaftlicher Studien zu Grunde, so entstehen bis zu 30 von 100 Karzinomen im Kopf-Hals-Bereich als Folge einer Infektion mit Papillomviren. Möglicherweise ist der Anteil sogar höher: Tumorgewebe wird bei Patienten mit diesen Tumorarten erst seit vergleichsweise kurzer Zeit systematisch auf Viren hin untersucht.
Im Einzelnen handelt es sich hierbei um Tumoren des Rachens (Pharynx), des Kehlkopfes (Larynx) oder auch der Gaumenmandeln (Tonsillen).
Auffallend ist bei vielen HPV-positiven Krebspatienten das Fehlen der sonst typischen Risikofaktoren für Tumoren im Kopf-Hals-Bereich, wie starker Nikotin- oder Tabakgenuss und Alkoholkonsum. Wird eine HPV-Infektion nachgewiesen, so findet sich bei über 90 Prozent der Patienten der Virustyp HPV-16.
Dieser Nachweis gilt heute als mögliches Indiz für eine gute Prognose: Die Heilungschancen scheinen bei Infizierten mit Kopf-Hals-Tumoren deutlich höher zu liegen als bei Patienten, deren Karzinom eher auf Rauchen oder übermäßigen Alkoholkonsum zurückzuführen ist.

Welche weiteren Risikofaktoren bei infizierten Menschen zur Krebsentstehung beitragen, ist bisher nicht im Detail geklärt. Aus den bisherigen Untersuchungen zeichnet sich jedoch ab, dass es vor allem das Rauchen ist, das die Entstehung von Kopf-Hals-Tumoren auch bei HPV-Infizierten fördert.

Hautkrebs

Zwar konnten manche Papillomvirus-Typen in Tumoren der Haut nachgewiesen werden, vor allem den so genannten Plattenepithelkarzinomen. Noch ist bei diesen Tumorarten, anders als etwa beim Gebärmutterhalskrebs, aber unklar, welche Rolle hier die Papillomviren für die Krebsentstehung spielen. Möglicherweise machen sie Hautzellen empfindlicher gegenüber anderen Risikofaktoren, vor allem UV-Licht. Konsequenzen für die Früherkennung oder Behandlung lassen sich derzeit nicht aus den Virusfunden ableiten.

Welchen Stellenwert hat der HPV-Test?

Ein Test auf humane Papillomviren dient dazu, Erbgut des humanen Papillomvirus in Gewebeproben oder Zellabstrichen aufzuspüren. Lange wurde der HPV-Test fast ausschließlich im Zusammenhang mit Gebärmutterhalskrebs diskutiert. Er gewinnt jedoch zunehmend auch bei anderen HPV-assoziierten Tumorarten an Bedeutung, nicht in der Früherkennung, aber als begleitende Untersuchung bei Tumorverdacht und nach einer Tumordiagnose.
 
Im Jahr 2010 beauftragte der Gemeinsame Bundesausschuss (www.g-ba.de) das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), den Stellenwert der HPV-Testung in der Krebsfrüherkennung neu und auf wissenschaftlicher Basis zu bewerten; Schwerpunkt war die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Der Bericht des IQWiG vom Januar  2012 ist im Internet einsehbar unter www.iqwig.de/s10-01-nutzenbewertung-des-hpv-tests-im.986.html?tid=1267&phlex_override_command=element. Aus den begutachteten Forschungsergebnissen ergeben sich Hinweise auf einen Nutzen des HPV-Tests. Noch ist der Test jedoch kein Bestandteil der regulären "Krebsvorsorge" beim Frauenarzt.

Mit heute verfügbaren Tests lassen sich vorwiegend zwei Gruppen von HPV-Typen unterscheiden: 13 Hochrisikotypen und fünf Niedrigrisikotypen. Welcher Virustyp aus der jeweiligen Gruppe genau vorliegt oder ob sogar mehrere verschiedene Typen vorhanden sind, ist bei den Routinetests dagegen meist nicht zu sagen - getroffen wird nur die Aussage "Infektion - ja oder nein" und "Infektion mit einem Hochrisikotypus - ja oder nein". Diese Standardtests kommen zum Beispiel in der Frauenarztpraxis bei Untersuchungen des Gebärmutterhalses zur Anwendung.

Tests, die eine genauere Aussage ermöglichen, sind ebenfalls verfügbar, spielen im Alltag  aber noch eine untergeordnete Rolle. Diese Verfahren auf der Basis einer so genannten Polymerasekettenreaktion (PCR) bleiben derzeit vorwiegend wissenschaftlichen Fragestellungen vorbehalten. Die Tests werden im Rahmen von Studien zur Untersuchung von  Gewebeproben von Tumorpatienten im Krankenhaus eingesetzt.

Weitere Informationen zum Thema

Für wen sich die HPV-Impfung eignet und wovor sie schützt, lesen Interessierte im Text:"HPV-Impfung: Schutz vor Gebärmutterhalskrebs?".

Zu den Möglichkeiten der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs informiert der Text "Gebärmutterhalskrebs – Früherkennung und Behandlung von Krebsvorstufen". In diesem Beitrag wird unter anderem erläutert, was die unterschiedlichen Befunde der Zellabstrichuntersuchung, des Pap-Tests, bedeuten und wie diese behandelt werden können.
Frauen, bei denen der Verdacht auf ein Zervixkarzinom besteht oder die bereits erkrankt sind, finden ausführliche Informationen zur Diagnose, Behandlung und Nachsorge dieser Tumorerkrankung im Text:"Gebärmutterhalskrebs: Informationen für Patientinnen und Angehörige".


Hintergrundinformationen und Quellen für Interessierte und Fachkreise (Auswahl)

Die Monographie zu humanen Papillomviren der IARC ist in englischer Sprache über das Internet abrufbar unter http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol90/index.php. Die Information richtet sich allerdings vorwiegend an Fachleute.

Leit- und Richtlinien
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) stellt aktuelle Leitlinien unter anderem zum Zervix-, Vulva- oder Vaginalkarzinom im Internet bereit unter www.dggg.de/leitlinien/aktuelle-leitlinien.

Auf den Internetseiten der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF, www.awmf.org) finden Interessierte weitere Leitlinien zum Thema, unter anderem:

"Anale intraepitheliale Neoplasie AIN und perianale intraepitheliale Neoplasie PAIN": www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-062_S1_Anale_intraepitheliale_Neoplasie__ AIN__und_perianale_intraepitheliale_Neoplasie__ PAIN__07-2009_07-2014.pdf,

"Anale Feigwarzen": www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/081-008_S1_Anale_Feigwarzen_08-2008_07-2012.pdf,

"Condylomata acuminata und andere HPV-assoziierte Krankheitsbilder von Genitale, Anus und Harnröhre": www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/059-001_S1_Condylomata_acuminata_und_andere_HPV-assoziierte_Krankheitsbilder_des_Genitale_und_der_Harnroehre_ 07-2006_07_2011.pdf.

Weitere Leitlinien zum Thema sind derzeit in Bearbeitung.

Die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Früherkennung von Krebserkrankungen (Krebsfrüherkennungs-Richtlinie) ist unter folgendem Link als PDF abrufbar: www.g-ba.de/informationen/richtlinien/17.

Fachveröffentlichungen
Fachveröffentlichungen liegen überwiegend in englischer Sprache vor, sie richten sich an vorinformierte Leser und sind meist nur über wissenschaftliche Bibliotheken oder kostenpflichtige Onlinedienste zugänglich.

Giuliano AR et al. (2011). Incidence and clearance of genital human papillomavirus infection in men (HIM): a cohort study. The Lancet. Online publiziert am 1. März 2011. doi:10.1016/S0140-6736(10)62342-2.

Marur S et al. (2010). HPV-associated head and neck cancer: a virus-related cancer epidemic. The Lancet Oncology 11:781-789. doi: 10.1016/S1470-2045(10)70017-6.