
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deBesteht der Verdacht auf eine Leukämie, so müssen zur Klärung Untersuchungen des Blutes und des Knochenmarks erfolgen. Die Blutentnahme erfolgt bei einem Arztbesuch aus der Armvene; auch eine Knochenmarkpunktion wird meist ambulant durchgeführt, obwohl sie etwas aufwendiger als eine Blutabnahme ist. Bei Verdacht auf CLL kann die feingewebliche Untersuchung eines mit einem kleinen Schnitt entnommenen Lymphknotens wichtige Anhaltspunkte geben, mehr zur CLL-Untersuchung beim Thema Lymphome im Kapitel Diagnostik. Blutabnahme und Knochenmarkuntersuchung sind aber trotzdem erforderlich.
Zunächst wird ein sogenanntes Blutbild angefertigt. Dazu wird etwas Blut auf einem Objektträger aus Glas ausgestrichen. Die Zellen werden unter dem Mikroskop gezählt und begutachtet. Bei den chronischen Leukämien ist die Zahl der weißen Blutkörperchen erhöht – bei der CML manchmal auf Werte um 200.000 bis 500.000 pro Mikroliter (µl). Neben normalen, reifen Zellen sind auch Vorstufen von Leukozyten zu sehen, die normalerweise nur im Knochenmark vorkommen. Nur eine Minderzahl von Patienten mit akuten Leukämien zeigt im Blutbild ebenfalls vermehrte Leukozyten. Oft sind die roten Blutkörperchen und die Blutplättchen vermindert, weil deren Bildung durch die Überwucherung des Knochenmarks mit Leukämiezellen verdrängt wird. Da aber nicht bei allen Leukämien das Blutbild – also die Zusammensetzung des Blutes – deutlich verändert ist und eine erhöhte oder verminderte Anzahl einzelner Blutzellen auch bei anderen Erkrankungen vorkommen, muss in jedem Fall auch das Knochenmark untersucht werden.
Eine Knochenmarkprobe wird in der Regel unter örtlicher Betäubung aus dem Beckenkamm oder gelegentlich auch aus dem Brustbein entnommen. Da das Knochenmark blutreich und flüssig ist, kann eine kleine Menge durch eine Nadel in eine Spritze gesaugt werden, mit einer sogenannten Aspirationsbiopsie beziehungsweise Punktion. Um den Befall des Knochenmarks durch Leukämiezellen auch von der Größenordnung her abschätzen und den Erfolg der Behandlung beurteilen zu können, ist es manchmal erforderlich, eine etwas größere Menge von Knochenmark zu entnehmen. Dazu wird mit einer speziellen dickeren Hohlnadel eine zylinderförmige Gewebeprobe aus dem Knochenmark gestanzt, daher auch der Name Stanzbiopsie.
Das entnommene Knochenmark wird anschließend mikroskopisch begutachtet.
Auch molekularbiologische Untersuchungen auf Veränderungen einzelner Gene sind besonders bei akuten Leukämien bedeutend, um Unterformen zu unterscheiden. Ziel der Genuntersuchungen und der Forschung auf diesem Gebiet ist es, bei jedem Patienten die Behandlung möglichst individuell den besonderen biologischen Eigenschaften der Erkrankung anzupassen.
Bei der ALL untersucht man neben Blut und Knochenmark auch die Rückenmarkflüssigkeit, den Liquor, da ein Befall des Nervensystems durch die Leukämiezellen nicht selten ist. Dazu wird bei der sogenannten Lumbalpunktion in lokaler Betäubung eine Nadel zwischen zwei Wirbel der Lendenwirbelsäule in den Wirbelkanal gestochen, etwas Flüssigkeit entnommen und unter dem Mikroskop auf Leukämiezellen untersucht.