Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Brustkrebs - eine Einführung:
Anatomie, Häufigkeit, Tumorbiologie

Grundlagen

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Das Kapitel "Einführung" bietet allen Interessierten einige Grundlagen zum Thema Brustkrebs, insbesondere zur Anatomie der weiblichen Brust, zur Krebsentstehung und zur Biologie von Tumoren. Es enthält außerdem einen Überblick über die wichtigen Statistiken zum Mammakarzinom bei Frauen.
Bei der Erarbeitung genutzte Quellen sind nach Möglichkeit als Link angegeben, sie können zur weiteren Informationssuche genutzt werden. Für individuelle Anfragen, und Fragen, die über diesen kurzen, allgemein gehaltenen Überblick hinaus gehen, steht der Krebsinformationsdienst am Telefon oder per E-Mail zur Verfügung.

Aufbau der weiblichen Brust

Die weibliche Brust (lateinisch "mamma") besteht aus, Drüsen-, Fett- und Bindegewebe. Sie wird von Adern, Lymphgefäßen und Nerven durchzogen. Diese stehen mit dem Gefäßsystem, dem Lymphsystem und der Nervenversorgung des umliegenden Gewebes in Verbindung: So gehören zum Lymphabflussgebiet der Brust auch Lymphknoten in den Achselhöhlen, über und unter dem Schlüsselbein, auf dem Brustbein und auf dem Rippenbogen unter der Brust.
Das Drüsengewebe der Brust besteht aus so genannten Drüsenlappen und kleineren Drüsenläppchen ("Lobuli"), in denen Muttermilch gebildet wird. Sie gehen in die Milchgänge ("Ductus") über, die in der Brustwarze münden.
Bindegewebe macht die Brust elastisch; ihre eigentliche Form wird aber durch das eingelagerte Fettgewebe und die Brusthaut bestimmt. Muskeln finden sich in der Brust nicht: Die Brustmuskulatur liegt vielmehr unter der Brustdrüse auf dem Brustkorb bzw. den Rippen auf.

Zoom in Weibliche Brust

Um die Lage einer Veränderung innerhalb der Brust exakt angeben zu können, wird diese schematisch in vier Quadranten oder Viertel eingeteilt. Dazu denkt man sich eine senkrechte und eine waagrechte Linie, die sich auf der Brustwarze kreuzen. Die meisten bösartigen Veränderungen entstehen im äußeren oberen Quadranten, also zwischen Achselhöhle und Schlüsselbein. 

Das Brustdrüsengewebe reagiert auf das zyklische Auf und Ab der weiblichen Geschlechtshormone, vor allem auf Östrogene und Gestagene. Kurz vor der Monatsblutung schwillt unter Hormoneinfluss das Gewebe zwischen den Drüsenläppchen an. Nach der Regelblutung wird die Brust wieder weicher. Eine Schwangerschaft verändert die Größe und Beschaffenheit der Brust, ebenfalls in Abhängigkeit vom Spiegel der Hormone, letzte Wachstums- und Reifungsschritte des Drüsengewebes finden sogar erst während einer Schwangerschaft statt.
Nach den Wechseljahren, in der so genannten Menopause, kommen diese Umbildungsvorgänge zum Erliegen. Das Brustdrüsengewebe bleibt aber bei den meisten Frauen auch in fortgeschrittenem Alter empfindlich gegenüber hormonellen Einflüssen. Auch Tumorzellen in der Brust wachsen bei vielen, wenn auch nicht bei allen Patientinnen abhängig von Hormonen.

Tumoren der Brust - gut- und bösartig

Die Mehrzahl der Tumoren in der Brust stellt sich bei der Untersuchung als gutartig (benigne) heraus. Dabei kann es sich um Bindegewebsgeschwülste handeln, um flüssigkeitsgefüllte Zysten und ähnliche Veränderungen, mehr dazu im Text "Gutartige Brustveränderungen".

Bösartige Tumoren gehen fast immer vom Drüsenanteil der Brust aus. "Lobuläre" Karzinome entstehen in den Drüsenläppchen, häufig an mehreren Stellen in der Brust gleichzeitig oder sogar in beiden Brüsten.  "Duktale" Karzinome entwickeln sich in den Milchgängen, sie gehen von deren innerster Zellschicht (Epithel) aus. 

Als so genannte in-Situ-Karzinome werden Frühformen bezeichnet (duktales Carcinoma in situ, DCIS, und lobuläres Carcinoma in situ, LCIS). Sie sind noch auf die Milchgänge oder Drüsenläppchen begrenzt. So genannte invasive Tumoren sind dagegen in die angrenzenden Gewebeschichten eingedrungen oder haben sie sogar überschritten.

Die eher seltenen Tumoren, die sich aus Hautzellen oder dem Bindegewebe der Brust entwickeln, zählen im engeren Sinn nicht zu den in diesem Text behandelten Mammakarzinomen: Bei ihnen kann es sich um eine der verschiedenen Hautkrebsformen handeln, oder um einen Bindegewebstumor, ein so genanntes Sarkom.

Tumorentstehung und Tumorbiologie: Krebs - was ist das eigentlich?

Krebserkrankungen werden untergliedert in die

  • so genannten soliden Tumoren. Zu ihnen zählt auch Brustkrebs. Bei soliden Tumoren bilden sich aus den einzelnen Tumorzellen Geschwülste, die zumindest in frühen Krankheitsstadien auf ein Organ oder eine Körperregion begrenzt sind.
  • Weitere Krebsformen sind die so genannten systemischen Krebsarten, die Leukämien und Lymphome. Hier stammen die Tumorzellen aus dem blutbildenden Knochenmark, das den gesamten Körper mit Blut- und Immunzellen versorgt, sie finden sich im Blut und/oder im lymphatischen System. Nicht damit zu verwechseln ist der Lymphknotenbefall durch Krebszellen, die sich von soliden Tumoren abgelöst haben.

Bösartige oder "maligne" Tumoren haben sich, anders als gutartige oder "benigne" Geschwülste, der normalen Wachstumskontrolle des Organismus entzogen. Sie vermehren sich in der Regel ungebremst.
Wie die anderen soliden Tumoren können auch Brustkrebszellen in umliegendes Brustgewebe, die Haut der Brust oder die darunter liegende Muskulatur eindringen, sie verdrängen und zerstören. Einzelne Tumorzellen können sich aus dem Gewebeverband lösen, über das Blut oder die Lymphbahnen in andere Körperregionen gelangen und dort Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden.

Veränderte Erbinformation

Heute weiß man, dass der Krebsentstehung Veränderungen in der Erbinformation vorausgehen.
Bei manchen Frauen mit Mammakarzinom finden sich diese Veränderungen nicht nur in Brustzellen, sondern in allen Zellen des Körpers, sie können deshalb auch vererbt werden. Bisher sind zwei solche vererbbaren Anlagen bekannt, die das Erkrankungsrisiko deutlich steigern: die Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2. Sie finden sich allerdings nur bei wenigen Patientinnen. Vermutlich gibt es weitere beteiligte Erbinformationen, deren Auswirkung auf das Risiko noch nicht vollständig bekannt ist, mehr dazu im Kapitel "Risiko".

Bei den meisten Patientinnen mit einem Mammakarzinom entsteht ein solcher genetischer "Fehler" erst im Lauf des Lebens. Zunächst ist auch nur eine einzelne Zelle des Brustdrüsengewebes betroffen, die Erbinformation im Körper bleibt ansonsten unverändert. Sind die Fehler in dieser einzelnen Zelle nicht so schwerwiegend, dass sie abstirbt, entgeht sie den körpereigenen Kontrollmechanismen, kann sie sich trotz ihrer genetischen Veränderungen weiter teilen. So gibt diese Zelle ihre neuen Eigenschaften an ihre Tochterzellen weiter, die sich selbst weiter vervielfältigen und schließlich einen Tumor bilden.

Das entstandene Krebsgewebe weist oft noch viele Ähnlichkeiten mit normalem Brustgewebe auf. Es gibt jedoch auch Tumoren, die mit zunehmendem Wachstum ihre gewebetypischen Eigenschaften mehr und mehr verlieren, neue aufweisen oder zunehmend an Funktionalität einbüßen. Der Vergleich mit gesundem Gewebe - unter dem Mikroskop und mit molekularbiologischen Methoden - spielt in der Diagnostik von Brustkrebs eine wichtige Rolle, mehr im Kapitel "Untersuchung".

Auslöser der Genveränderung häufig unbekannt

Welche Ursachen den Anstoß für eine im Lauf des Lebens erworbene Genveränderung geben, ist in allen Details für Krebs allgemein wie auch für Brustkrebs noch nicht bekannt.

Äußere Einflüsse wie Tabakrauch, die ultravioletten Strahlen der Sonne, bestimmte Schimmelpilze auf Lebensmitteln, einige Virusinfektionen oder manche Chemikalien sind zwar allgemein als Krebsrisikofaktoren bekannt. Bei der Entstehung von Brustkrebs sind diese Faktoren aber überwiegend nicht beteiligt - hier scheinen eher hormonelle Einflüsse eine Rolle zu spielen, mehr dazu im Kapitel "Risiko".

Wie sich Risikofaktoren auf die Krebsentstehung auswirken, hängt auch von der Zeitspanne ab, in der ein Mensch ihnen ausgesetzt ist, zudem kann es oft viele Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis sich ein Tumor bildet. Hinzu kommt auch der Einfluss des Alters selbst: Im Lauf des Lebens nimmt die Fähigkeit des Körpers ab, entstandene "Fehler" und Schäden zu korrigieren. Krebsforscher gehen heute deshalb von einer wachsenden „Instabilität“ des Erbmaterials aus. Dies führt dazu, dass viele Krebserkrankungen im höheren Alter wesentlich häufiger sind als in jungen Jahren, so auch Brustkrebs: Zwar kann sich auch bei jungen Frauen ein Mammakarzinom entwickeln. Bei ihnen werden dann aber nicht selten angeborene Genveränderungen gefunden.
Die Mehrzahl der Frauen ist bei der Diagnosestellung älter: Die Erkrankungswahrscheinlichkeit nimmt erst ab dem 40. Lebensjahr und dann vor allem ab dem 50. Lebensjahr deutlich zu.

Häufigkeit: Zahlen und Statistiken zu Brustkrebs

Zum Weiterlesen

Brustkrebs ist in Deutschland und generell in Ländern der industrialisierten Welt die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Im Jahr 2006 wurde bei fast 58.000 Frauen in Deutschland die Diagnose Brustkrebs gestellt. Diese Erkrankung ist für deutlich mehr als ein Viertel aller Krebsneuerkrankungen bei Frauen verantwortlich, so die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister und das Robert-Koch-Institut (Broschüre "Krebs in Deutschland", 7. Auflage, 2010, zugänglich im PDF-Format auf www.gekid.de oder www.rki.de, Stichwort Gesundheitsberichterstattung und Epidemiologie).

In vielen Ländern liegt die Rate der Brustkrebsfälle höher als in Deutschland, dazu zählen beispielsweise Belgien, Frankreich, die Niederlande und weitere Industrienationen. Deutlich seltener als in Deutschland erkranken, bezogen auf die Industrieländer, Frauen in Polen, Hongkong und Tschechien.
Für diese Unterschiede machen Fachleute vor allem den unterschiedlichen Lebensstil verantwortlich, mehr dazu im Kapitel "Risiko". 

Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 64 Jahren, heißt es in der Broschüre "Krebs in Deutschland". Die meisten Patientinnen erkranken nach den Wechseljahren. Brustkrebs kann jedoch, wenn auch selten, selbst sehr junge Frauen betreffen. Die relative Fünfjahres-Überlebensrate wird in der Broschüre mit 83 bis 87 Prozent angegeben. Das bedeutet, dass, unabhängig vom Krankheitsstadium bei Diagnosestellung, fünf Jahre später noch acht bis neun von zehn Patientinnen am Leben sind. Die altersstandardisierten Sterblichkeitsraten sinken schon seit mehreren Jahren leicht. Fachleute schätzen, dass im Jahr 2010 etwa 249.000 Frauen in Deutschland leben, deren Diagnose in den fünf Jahren zuvor erfolgte (sogenannte Fünfjahres-Prävalenz). Intensiv widmet sich die 2010 erschienene Broschüre "Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland" des Robert-Koch-Instituts dem Thema Prävalenz, www.rki.de, Rubrik "Gesundheitsberichterstattung und Epidemiologie".

Sonderfall: Brustkrebs bei Männern

Zum Weiterlesen

Männer können, wenn auch eher selten, ebenfalls von Brustkrebs betroffen sein: Auf etwa 100 Erkrankungen bei Frauen kommt eine bei einem Mann. In Deutschland wird die Diagnose jährlich einige hundert Mal gestellt. Oft sind angeborene genetische Faktoren die Auslöser. Die Diagnose und Behandlung erfolgen, soweit möglich, nach den gleichen Grundsätzen wie bei Frauen. Die folgenden Kapitel können daher auch für männliche Patienten Informationen liefern.
Auf die besonderen Probleme, die Männer mit Mammakarzinom haben können, geht der Text "Brustkrebs bei Männern" ein.

Sonderfall: Brustkrebs in der Schwangerschaft

Noch gibt es sehr wenige aktuelle Daten dazu, wie häufig Brustkrebs tatsächlich während einer Schwangerschaft auftritt - eine psychisch wie körperlich für betroffene Frauen enorm belastende Situation.
Eine Behandlung ist allerdings in der Regel trotz der Schwangerschaft möglich; so gefährdet zum Beispiel eine Operation das ungeborene Kind nur wenig. 
Eine Fachorganisation, die  "German Breast Group"-Studiengruppe,  hat eine Untersuchung zum Thema Brustkrebs in der Schwangerschaft begonnen. In ihr soll zum Beispiel die tatsächliche Zahl betroffener Frauen genauer erfasst werden als bisher. Auch über die besten Therapiemöglichkeiten wollen die Studienverantwortlichen mehr Klarheit finden. Im Internet sind weitere Informationen unter www.germanbreastgroup.de/pregnancy/ abrufbar. Die Seite richtet sich jedoch vorrangig an Fachleute, zum Beispiel die behandelnden Ärzte.



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 08.05.2009