
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deBis die Diagnose Brustkrebs gestellt ist und alle notwendigen weiteren Untersuchungen durchgeführt wurden, kann es einige Tage dauern, unter Umständen auch länger. Wie groß ein Tumor ist, ob und wie weit er sich ausgebreitet hat und welche feingeweblichen und biologischen Merkmale er aufweist, bestimmt die Behandlungsplanung. Natürlich wird auch die individuelle Situation der betroffenen Frau berücksichtigt. Den Rahmen gibt seit 2004 eine Leitlinie vor, die die Deutsche Krebsgesellschaft gemeinsam mit weiteren Fachgesellschaften verantwortet. Sie ist, allerdings mit der Zielgruppe Fachleute, im Internet zum Beispiel bei der Deutschen Gesellschaft für Senologie unter www.senologie.org abrufbar, Stichwort Leitlinien. Eine Patientenversion der Leitlinie ist unter www.leitlinienprogramm-onkologie.de zu finden, Stichwort "Patientenleitlinien".
Bei der Mehrzahl der Frauen ist heute eine brusterhaltende Operation möglich. Große Tumoren können unter Umständen durch eine vorgeschaltete medikamentöse Therapie, meist eine Chemotherapie („neoadjuvante“ Chemotherapie), verkleinert werden. Nach brusterhaltender Operation erfolgt immer, nach Entfernung der ganzen Brust in bestimmten Fällen zusätzlich eine Strahlentherapie. Bis auf wenige Ausnahmen schließt sich eine ergänzende medikamentöse Behandlung an - als so genannte adjuvante Hormon- oder Chemotherapie soll sie das Risiko von Rückfällen senken. Auch die Behandlung fortgeschrittener Erkrankungen wird in der Leitlinie thematisiert. In den folgenden Texten hat der Krebsinformationsdienst einen Überblick über die verschiedenen Verfahren zusammengestellt.
Die Diagnose Brustkrebs ist kein medizinischer Notfall, der sofortiger Behandlung bedarf. Jede Frau, bei der sie gestellt wurde, hat ausreichend Zeit – und sollte sich diese auch nehmen -, um sich über die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und eine Klinik ihres Vertrauens zu suchen. Zu wissen, was auf einen zukommt und was man davon erwarten kann, hilft, mit der Situation besser umgehen zu können und ein gewisses Maß an Kontrolle zu behalten.
Obwohl Brustkrebspatientinnen bei den ersten Untersuchungen und der ausführlicheren Abklärung meist Kontakt mit verschiedenen Fachärzten haben, bleibt zunächst ihre behandelnde Frauenärztin oder ihr Frauenarzt der wichtigste Ansprechpartner. Diese überweisen zur Operation oder weiteren Therapie in ein geeignetes Krankenhaus und werden in der Regel durch Arztbriefe über weitere Befunde, die Planung und die Ergebnisse der Behandlung auf dem Laufenden gehalten. Viele Patientinnen erleben es als hilfreich, wenn ihr betreuender Gynäkologe zu Hause auf diese Weise weiter einbezogen bleibt und als Ansprechpartner zur Verfügung steht, auch wenn die eigentliche Therapie zumindest zeitweise in einer Klinik durchgeführt wird. In Ausnahmefällen kann auch der Hausarzt diese Funktion übernehmen. Ausdrücklich vorgesehen ist die Koordination aller Maßnahmen durch einen niedergelassenen Gynäkologen, bei dem „alle Fäden zusammenlaufen“, in den so genannten Disease-Management-Programmen.
Seit 2001 gibt es für Menschen mit bestimmten schweren Erkrankungen die Möglichkeit, an gezielten Behandlungsprogrammen teilzunehmen. Der englische Begriff Disease Management steht für eine kontrollierte und sorgfältige Behandlungsplanung sowie die Ausrichtung der Diagnose- und Therapieangebote an aktuellen Qualitätsanforderungen.
Anlass für die Einführung solcher auch als „Chronikerprogramme“ bezeichneten Maßnahmen war die Feststellung, dass gerade Menschen mit schweren Erkrankungen wie Diabetes, Asthma oder auch Brustkrebs in Deutschland vergleichsweise schlecht versorgt waren: Ihre Behandlung hing sehr davon ab, wo sie wohnten oder wer für ihre Behandlung zuständig war. Die Abstimmung zwischen Hausärzten und Kliniken klappte oft nicht optimal, zum Beispiel beim Austausch von Untersuchungsbefunden oder Therapieplänen. Vor allem mangelte es an strukturierter Information für Patientinnen und Patienten: Viele fühlten sich mit ihrer Erkrankung allein gelassen. Auch zur Verbesserung der Situation von Brustkrebspatientinnen wurde inzwischen ein solches „Disease-Management-Programm (DMP)“ entwickelt. Gesetzlich versicherte Brustkrebspatientinnen, die sich für die Teilnahme an einem DMP-Programm interessieren, können sich bei ihrer Krankenkasse nach den Rahmenbedingungen und den Vorteilen bei einer Teilnahme erkundigen, und ihren Arzt fragen, ob er ebenfalls mitmacht. Einen allgemeinen Überblick bietet eine Seite des Bundesministeriums für Gesundheit unter www.bmg.bund.de zum Thema "Strukturierte Behandlungsprogramme" unter www.bmg.bund.de/krankenversicherung/zusatzleistungen-wahltarife/strukturierte-behandlungsprogramme.html.
Die Behandlung von Brustkrebs sollte an einer Klinik erfolgen, die über ausreichende Erfahrung verfügt und an der alle in die Diagnostik und Therapie eingebundenen medizinischen Fachgebiete vertreten sind.
Um die Behandlung von Brustkrebs in Deutschland zu verbessern, wurde die Zertifizierung von Zentren eingeführt. Zertifizierte Zentren müssen bezüglich ihrer personellen und apparativen Ausstattung Vorgaben erfüllen und nachweislich über viel Erfahrung in der Behandlung von Brustkrebs besitzen. Zu den Kriterien, die ein Brustzentrum erfüllen muss, zählen unter anderem der Nachweis von mindestens 150 Brustkrebsoperationen pro Jahr und mindestens 50 bei jedem Chirurgen, der Brustkrebsoperationen durchführt, sowie mindestens von 800 Chemotherapien pro Jahr. Alle in der Diagnose und Behandlung beteiligten medizinischen Fachrichtungen müssen vertreten sein.
Eine Liste solcher Einrichtungen bieten unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Senologie unter www.senologie.org, Stichwort Brustzentren, oder die Deutsche Krebsgesellschaft unter www.krebsgesellschaft.de/wub_zertifizierung_
brustzentren,14092.html.
In Nordrhein-Westfalen ist der Aufbau von Fachzentren Ziel einer konzertierten Aktion. Die in diesem Rahmen eingerichteten Zentren finden sich beim Landesgesundheitsportal Nordrhein-Westfalen unter http://gesundheit.nrw.de/content/e224/e349/e389#e390.
Strenge europäische Kriterien sind von der Europäischen Gesellschaft für Brustkunde entwickelt worden, auch einige deutsche Zentren folgen diesen Anforderungen (EUSOMA, www.eusoma.org, Stichwort "breast units", in englischer Sprache).
Nicht nur an Brustzentren werden Studien zur Verbesserung und Weiterentwicklung der Diagnostik und Behandlung durchgeführt. Solche Studien unter kontrollierten Bedingungen und mit wissenschaftlicher Begleitung sind nicht nur wichtig, um Fortschritte zu erreichen; Patientinnen stehen auch eine besonders intensive Betreuung und eine Behandlung nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Verfügung. Experten empfehlen daher, dass möglichst viele Betroffene im Rahmen von für ihre individuelle Situation geeigneten Studien behandelt werden sollten. Weitere Hintergründe im Thema "Krebsforschung und Studien" erläutert.