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Ein Tumor im Dickdarm wächst nicht von heute auf morgen, sondern ganz langsam im Laufe von Jahren oder Jahrzehnten. Betroffene spüren meist lange nichts davon. Ein Warnzeichen für Darmkrebs kann die Beimengung von Blut im Stuhl sein, das ihn rot oder schwarz färbt. Wer Blut, Verfärbungen oder auch ungewohnte Schleimbeimengungen feststellt, sollte einen Arzt aufsuchen. Dieser kann weiterführende Untersuchungen veranlassen, um die Ursache der Blutung zu ermitteln.
Länger anhaltender Durchfall, chronische Verstopfung oder andere Veränderungen bei der Verdauung, die nicht mit einer Ernährungsumstellung in Zusammenhang stehen, können ebenfalls ein Frühsymptom von Darmkrebs sein. Schmerzen bereitet die Krankheit dagegen meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium.
Der folgende Text richtet sich an Menschen, die sich über die Möglichkeiten der Darmkrebsfrüherkennung informieren möchten. Er bietet einen Überblick über die Möglichkeiten der Krebsfrüherkennung und verweist auf weitere Informationsquellen. Ein kurz gefasster Überblick steht auch zum Laden und Ausdrucken zur Verfügung.
Die persönliche Entscheidung, ob man an der Früherkennung teilnehmen möchte oder nicht, lässt sich zwar besser treffen, wenn man über die Vor- und Nachteile Bescheid weiß. Wichtig ist aber auch das Wissen um die eigenen, individuellen Risiken. Daher lässt sich das Gespräch mit dem Arzt durch Auskünfte aus dem Internet nicht ersetzen.
Wird Darmkrebs in einem frühen Stadium erkannt, sind die Heilungsaussichten gut. Bei einer Darmspiegelung können sogar Krebsvorstufen entfernt werden, bevor sie entarten. Im Rahmen des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms haben Männer und Frauen ab dem Alter von 50 Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen.
Dazu gehören der Test auf verstecktes Blut im Stuhl ("occultes" Blut) und ab dem Alter von 55 die endoskopische Untersuchung auch der höher gelegenen Dickdarmabschnitte, die so genannte Koloskopie oder Darmspiegelung. Die Austastung des Enddarms durch den Arzt gehört nicht zur eigentlichen Darmkrebsfrüherkennung, auch wenn viele Ärzte sie zum Beispiel bei der Untersuchung der Prostata bei Männern oder bei Frauen im Rahmen der gynäkologischen Untersuchung durchführen.
Über die Details informiert unter anderem ein Faltblatt des Gemeinsamen Bundesausschusses.
Solche Früherkennungs- und Reihenuntersuchungen für Gesunde bezeichnet man auch als "Screening". Ihr Nutzen wurde vor der Einführung in umfangreichen Studien geprüft. Auch nach der Einführung findet eine kontinuierliche Diskussion der Vor- und Nachteile anhand neuer Veröffentlichungen statt.
Und viele weitere Studien haben neue Erkenntnisse erbracht: Insbesondere das Angebot der Darmspiegelung wird seit der Einführung 2002 kontinuierlich weiter überprüft. Ein wichtiges Fazit: Da sich bei dieser Untersuchung auch Krebsvorstufen erkennen und entfernen lassen, erkranken bei regelmäßiger Durchführung viele Menschen erst gar nicht an Darmkrebs (hier eine Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums www.dkfz-heidelberg.de/de/presse/pressemitteilungen/2007/dkfz_pm_07_62.php).
Die Untersuchung kann vom Hausarzt veranlasst werden, bei Frauen wird oft auch der behandelnde Gynäkologe aktiv. Sie geben Stuhlbriefchen für die Untersuchung auf verstecktes Blut aus. Zur Darmspiegelung müssen Haus- oder Frauenarzt dagegen überweisen: Die Koloskopie darf nur von Medizinern durchgeführt werden, die eine besondere Weiterbildung und ein Zertifizierungsverfahren für diese Krebsfrüherkennungsuntersuchung absolviert haben.
Ist die Früherkennung der einzige Anlass, zum Arzt zu gehen, müssen gesetzlich Versicherte keine Praxisgebühr zahlen. Wird die Untersuchung dagegen notwendig, um Beschwerden abzuklären, gilt dies nicht als Screening, und die Arztpraxis kann die Gebühr für die Kasse erheben.
Menschen, in deren Familie Darmkrebs bereits aufgetreten ist oder die selbst besondere Risikofaktoren aufweisen (mehr dazu hier), sollten mit ihren Ärzten besprechen, ob sie mit regelmäßigen Früherkennungen nicht erst mit 50 Jahren, sondern schon zu einem früheren Zeitpunkt beginnen können.
Die Stiftung LebensBlicke hat sich zur Aufgabe gemacht, das öffentliche Bewusstsein für das Thema Darmkrebs und Prävention zu schärfen. So bietet sie zum Beispiel einen Selbsttest an, anhand dessen Gesunde ihr persönliches Darmkrebsrisiko abschätzen können. Der Test sowie weitere Informationen zum Thema sind auf der Internetseite der Stiftung abrufbar, unter www.lebensblicke.de.
Die Darmkrebsfrüherkennung ist keine Pflicht: Niemand muss teilnehmen. Wer sich gegen eine Früherkennungsuntersuchung entscheidet, verliert deshalb weder seinen Versicherungsschutz, noch wird die Behandlung verweigert, falls später tatsächlich eine Krebserkrankung auftritt.
In der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses ist für jüngere Menschen seit 2007 allerdings eine Beratungspflicht festgelegt (www.g-ba.de/informationen/richtlinien/17, Stichwort "Beratungspflicht"): Frauen, die nach dem 1. April 1987, und Männer, die nach dem 1. April 1962 geboren wurden, sollten sich von ihrem Arzt über die Vor- und Nachteile der Krebsfrüherkennung aufklären lassen.
Mehr zur Beratungspflicht und möglichen Konsequenzen hat der Krebsinformationsdienst im Überblick zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm zusammengestellt.
Die Früherkennung wird Frauen und Männern ab dem Alter von 50 Jahren angeboten. Zu diesem Zeitpunkt sieht das Programm einen Schnelltest auf verborgenes Blut im Stuhl vor.
Der zu Hause durchführbare Stuhltest mit für die Krebsfrüherkennung zugelassenen Produkten weist unsichtbares Blut nach. Der Arzt gibt drei Testbriefchen mit (meist kurz als Guajak-Test oder Hämoccult bezeichnet, unabhängig vom jeweiligen Markennamen des verwendeten Testsets). Zu Hause bringt man kleine Proben aus drei verschiedenen Stuhlgängen von verschiedenen Tagen auf die Briefchen auf, verschließt sie und übergibt oder schickt sie dem Arzt, der den Test in einem Labor auswerten lässt.
Viele Ärzte bieten noch das Austasten des Enddarms an. Diese sogenannte digital-rektale Untersuchung ist aber kein offizieller Bestandteil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms: Mit dem tastenden Finger lassen sich nur höchstens zehn Prozent aller Tumoren entdecken.
Beim Austasten des Enddarms erkennt der Arzt, wenn überhaupt, nur Veränderungen in den untersten Darmabschnitten. Ein spezifischer Krebstest ist auch die Stuhluntersuchung nicht: Wenn das Ergebnis positiv ist, wenn also Blut nachgewiesen wird, so muss das nicht gleich Krebs bedeuten:
Nur bei einem von zehn Menschen, bei denen der Test angeschlagen hat, wird durch weitere Untersuchungen tatsächlich ein bösartiger Tumor entdeckt. Bei den übrigen neun hat die Blutung andere Ursachen, zum Beispiel Polypen im Darm, Hämorrhoiden oder Darmentzündungen, die dann behandelt werden können. Andererseits blutet nicht jeder bösartige Tumor, so dass auch bei einem negativen Testergebnis eine Krebserkrankung vorliegen kann.
Wenn der Arzt knotige Veränderungen ertastet oder wenn Blutbeimengungen im Stuhl gefunden wurden, so müssen die Ursachen durch weitere Untersuchungen geklärt werden. Dazu gehört vor allem die Darmspiegelung.
Der überwiegende Teil des Dickdarms ist mit der Tastuntersuchung nicht erreichbar. Hier sind Veränderungen am besten durch eine Spiegelung des Organs zu erkennen, die so genannte Koloskopie. Deshalb haben seit Oktober 2002 alle gesetzlich Krankenversicherten ab dem 55. Geburtstag Anspruch auf eine Koloskopie, bei der der gesamte Dickdarm untersucht werden kann. Der Vorteil: Mit dieser Darmspiegelung lassen sich auch Krebsvorstufen wie Polypen erkennen und gleich entfernen.
Findet der Arzt keine Veränderungen, ist eine Wiederholung der Untersuchung erst nach zehn Jahren notwendig, dies haben vergleichende Untersuchungen ergeben. Fachleute begründen diesen vergleichsweise langen Abstand mit der Beobachtung, dass Darmkrebs meist aus zunächst gutartigen Vorstufen, den Polypen, entsteht und in der Regel sehr langsam wächst.
Zur Vorbereitung auf die Koloskopie muss der Darm vollständig entleert werden. Wie diese Darmreinigung durchgeführt wird und was Patienten einige Tage vor der Untersuchung beim Essen beachten sollten, erläutert der durchführende Arzt. Das eigentliche Abführen muss heute fast immer erst am Nachmittag oder Abend vor der Untersuchung begonnen werden, tagelanges vorheriges Fasten ist meist nicht mehr nötig.
Der Arzt erklärt im Vorgespräch auch, wie die Untersuchung abläuft und welche Risiken oder sonstige Folgen sie möglicherweise hat.
Mit den heutigen Geräten, die mit weichen Schläuchen und winzigen Kameras und Lichtquellen arbeiten, ist diese Untersuchung höchstens unangenehm, aber selten schmerzhaft. Sie kann ambulant durchgeführt werden und belastet den Körper nicht.
Die Risiken sind gering. Möglich sind kleine Blutungen im Darm, vor allem dann, wenn Krebsvorstufen entfernt werden. Daher werden Patienten vor der Untersuchung aufgefordert, die Gerinnungsfähigkeit des Blutes testen zu lassen. Diese Untersuchung ist beim Hausarzt möglich, oder beim Arzt, der die Darmspiegelung durchführt.
Zu schweren Komplikationen, etwa einem Durchstechen des Darms, kommt es nur sehr selten: Fachleute geben an, dass höchstens einer von 10.000 Patienten betroffen ist (hier das Merkblatt des Gemeinsamen Bundesausschusses www.g-ba.de/downloads/17-98-2233/2005-Merkblatt_Darmkrebs.pdf).
Anders kann es bei Menschen aussehen, die Vorerkrankungen haben oder zum Beispiel schon einmal eine Bauchoperation hatten. Dann kann der Darm weniger beweglich sein. Wie hoch das Risiko für Verletzungen des Darms bei der Untersuchung oder sonstige unerwünschte Folgen ist, können nur die behandelnden Ärzte beurteilen - pauschale Aussagen dazu sind nicht möglich.
Insgesamt ist die Darmspiegelung weit weniger belastend, als viele Menschen befürchten. Erste Auswertungen einer Befragung, die über knapp zwei Jahre in Berliner Praxen Auswertungen der BECOP-Studie (Berliner Coloskopie Projekt) zeigen, dass über 40 Prozent der befragten Patienten die Untersuchung als "gut akzeptabel" bezeichneten, 30 Prozent fanden die Darmspiegelung "etwas unangenehm" und 22 Prozent "unangenehm, aber ertragbar". Nur 4 von 100 Teilnehmern schätzten sie im Nachhinein als "sehr unangenehm" ein (www.berliner-gastroenterologen.de, BECOP- Untersuchung unter dem Stichwort Neuigkeiten/Studienprojekt).
Wer Angst vor der Untersuchung selbst hat, sollte sich mit dem Arzt über eine kurzfristige Abhilfe beraten, etwa ein leichtes Medikament zur Entspannung. Ob man nach dem Einsatz von Medikamenten am Tag der Untersuchung noch selbst Auto fahren oder arbeiten darf, sollte man beim Arzt erfragen.
Wer sich gegen die Koloskopie entscheidet, kann statt dessen ab dem 56. Lebensjahr im Abstand von zwei Jahren weiterhin das Angebot des Tests auf verborgenes Blut wahrnehmen, so die Bestimmungen des Früherkennungsprogramms.
Wenn eine Darmspiegelung durchgeführt wurde, sind diese Untersuchungen dagegen nicht mehr erforderlich. Denn wenn bei der Koloskopie keine Veränderungen der Darmschleimhaut festgestellt wurden, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich innerhalb der nächsten zehn Jahre ein bösartiger Tumor entwickelt.
Andere Verfahren sind dagegen bis heute kein Teil der regulären "Krebsvorsorge" auf Darmkrebs. Sie sollten nur im Rahmen von Studien durchgeführt werden oder nur dann, wenn die regulären Verfahren nicht möglich sind. Einige neuere Angebote müssen dann auch selbst bezahlt werden, hier einige Beispiele:
Dazu gehört die so genannte virtuelle Koloskopie, bei der der Darm anstelle einer endoskopischen Spiegelung durch eine Computertomographie untersucht wird. Experten gehen davon aus, dass die Strahlenbelastung den Nutzen derzeit nicht rechtfertigt, auch wenn die Untersuchung als vergleichsweise zuverlässig gilt. Die virtuelle Koloskopie kann im Ausnahmefall eingesetzt werden, wenn eine Darmspiegelung als riskant und zu belastend angesehen wird oder wenn durch Narbenbildung und Verengungen eine Koloskopie nicht durchführbar ist.
Werden bei dieser Untersuchung Krebsvorstufen oder sogar Tumoren entdeckt, hat der Patient allerdings nichts gewonnen: Dann müssen doch eine Darmspiegelung oder sogar eine offene Bauchoperation durchgeführt werden, um die Veränderungen zu entfernen.
Noch Gegenstand der Forschung sind Tests, die die Untersuchung auf verstecktes Blut im Stuhl langfristig ersetzen sollen. Die bisherigen Studienergebnisse sind jedoch zumindest für einige Verfahren sehr vielversprechend.
Wissenschaftler hoffen mit verschiedenen molekularbiologischen Methoden zum Beispiel Bruchstücke von Krebszellen oder andere "Marker" im Stuhl nachweisen zu können, etwa Stücke von Erbmaterial (DNA) mit krebstypischen Veränderungen oder bestimmte Enzyme, die von Darmkrebszellen vermehrt gebildet werden. Mehrere sogenannte immunologische Stuhltests wurden bereits intensiv in Studien auf ihre Vergleichbarkeit mit den herkömmlichen Verfahren getestet, mit guten Ergebnissen (als Beispiel für laufende Studien: Deutsches Krebsforschungszentrum www.dkfz.de/de/klinepi/Projekte/Projekte.html, Stichwort "BLITZ/DACHSplus").
Die Diskussion um die neuen Verfahren ist jedoch noch nicht abgeschlossen: Daher sind sie auch bisher noch kein Bestandteil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms, das nach wie vor auf die herkömmlichen Stuhltests und die Darmspiegelung setzt. Diese Einschätzung teilen auch die für die Früherkennung in anderen Ländern verantwortlichen Experten und Behörden: So riet beispielsweise die amerikanische "U.S. Preventive Services Task Force" im Oktober 2008 ebenfalls vom Einsatz dieser neuen Verfahren zur Reihenuntersuchung Gesunder in der Krebsfrüherkennung ab (in englischer Sprache unter www.cancer.gov/ncicancerbulletin/NCI_Cancer_Bulletin_100708/page3).
Mehrere der immunologischen Tests werden inzwischen jedoch von vielen Ärzten als sogenannte individuelle Gesundheitsleistung angeboten, abgekürzt IGeL. Dies bedeutet, dass man die Tests - nach entsprechender Information über die Vor- und Nachteile - durchführen lassen kann, sie aber selbst bezahlen muss. Was man wissen sollte, bevor man sogenannte IGeL-Angebote wahrnimmt, haben die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung in einer Checkliste zusammengestellt, mehr unter www.aezq.de/aezq/publikationen/kooperation/igel/.
Welche Untersuchungen für Menschen sinnvoll sind, bei denen ein konkreter Krebsverdacht besteht, ist im folgenden Kapitel geschildert.