Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Prostatakrebs, Teilkapitel Diagnostik: Was tun bei Krebsverdacht?

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Die meisten Männer erfahren heute von einem Krebsverdacht aufgrund des PSA-Tests und von Früherkennungsuntersuchungen. Beschwerden sind seltener der Anlass für eine weiterführende Diagnostik: Zumindest im Frühstadium macht sich ein Prostatakarzinom kaum bemerkbar. So sind etwa Probleme mit dem Wasserlassen zumindest bei kleineren Karzinomen eher selten, während sie für die gutartigen Veränderungen der Vorsteherdrüse fast als typisch gelten. Karzinome entstehen meist im äußeren Drüsenanteil, der dem Darm zugewandt ist (hier ein Bild). Anders als die nicht malignen Prostatahyperplasien drücken sie daher erst auf die Harnröhre, wenn sie schon relativ groß sind. Schmerzen verursacht ein Prostatakarzinom ebenfalls meist erst, wenn sich Tumorzellen über das Organ hinaus ausgebreitet haben: Rücken- oder Knochenschmerzen, Schmerzen beim Wasserlassen und Geschlechtsverkehr oder Blutbeimengungen zu Urin oder Samenflüssigkeit können bei der Erkrankung auftreten.

Sichere Hinweise auf ein Prostatakarzinom sind die genannten Beschwerden nicht: Ob solche Symptome tatsächlich auf ein Karzinom hinweisen, oder ob eine Entzündung der Prostata, eine gutartige Prostatawucherung, oder eine ganz andere Erkrankung hinter diesen Erkrankungszeichen steht, muss vom Arzt genauer abgeklärt werden.

  • Männer über 45 haben in Deutschland Anspruch auf eine jährliche Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs. Bei Schmerzen oder anderen Beschwerden sollte man jedoch nicht mit dem Arztbesuch warten, bis der nächste dieser Termine ansteht.

Arztsuche: Wohin gehen?

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Liegt ein auffälliger Befund nach einer Früherkennungsuntersuchung vor, veranlasst normalerweise der Arzt, der die ersten Tests durchgeführt hat, auch die weitere Abklärung. Ansprechpartner bei Beschwerden sind der Hausarzt und/oder der Facharzt für Urologie. Die Basisuntersuchungen bei Krebsverdacht und zum Ausschluss anderer Erkrankungen können ambulant durchgeführt werden, ein Krankenhausaufenthalt ist dazu in der Regel nicht erforderlich.

Wie schnell handeln?

Der Verdacht auf Prostatakrebs ist keine Notfallsituation, bei der sofort gehandelt werden müsste. Die Karzinome wachsen bei vielen Patienten eher langsam. Für die frühen Krankheitsstadien diskutieren Experten sogar, ob eine Behandlung überhaupt nötig wird oder ob Abwarten und Kontrollieren nicht ebenso möglich ist.
Viele der theoretisch möglichen Diagnoseverfahren beim Verdacht auf Prostatakarzinom sind zumindest als jeweils einzige Maßnahme wenig aussagekräftig. Selbst die Kombination mehrerer Untersuchungstechniken führt nicht bei allen Männern zu einer verlässlichen Krebsdiagnose oder andererseits dem sicheren Ausschluss eines Tumors, so aktuelle europäische Leitlinien zur Vorgehensweise für Fachleute.

Liegen keine belastenden Beschwerden vor, können sich Männer daher die Zeit nehmen, mit ihrem Arzt das Für und Wider von ausführlichen Untersuchungen zu besprechen. Auch die verschiedenen Therapieverfahren, die auf eine Krebsdiagnose folgen könnten, sollten bereits zu diesem Zeitpunkt zumindest im Überblick erfragt werden.

Praxisgebühr, Kosten für die Diagnostik

Bei reinen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen entfällt die Praxisgebühr. Sollen dagegen auffällige Befunde oder Beschwerden abgeklärt werden, müssen gesetzlich versicherte Patienten derzeit zehn Euro zahlen oder eine Überweisung der Hausarztpraxis vorlegen, wo sie bereits die Praxisgebühr entrichtet haben. Die weiteren Untersuchungskosten trägt dann die Krankenversicherung. Dies gilt auch für die Messung des PSA-Wertes (für Prostata Spezifisches Antigen): Anders als in der Früherkennung hat dieser Test bei Beschwerden und in der Abklärung eines Krebsverdachts einen festen Stellenwert. Die Kosten werden von den gesetzlichen Kassen übernommen.

Standards: Wie vorgehen?

Lexikon
Leitlinien sind für Fachleute gedacht. Sie sollen einen Überblick über sinnvolle Diagnose- und Therapiemethoden vermitteln. Dazu werden in Leitlinien die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien nicht nur zusammengefasst, sondern auch bewertet.

Eine aktuelle ärztliche Leitlinie zur Abklärungsdiagnostik bei Verdacht auf ein Prostatakarzinom liegt im Frühjahr 2008 in deutscher Sprache nicht vor. Der Krebsinformationsdienst hat sich daher bei der Zusammenstellung der folgenden Diagnoseübersicht für Patienten und Interessierte an Leitlinien europäischer und internationaler Organisationen für Fachleute orientiert. Dazu gehören die Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Urologie vom März 2007 (European Association of Urology, www.uroweb.org) und Texte des Netzwerks der Tumortherapiezentren in den USA (www.nccn.org). Wo es um Besonderheiten bezüglich der Situation von Krebspatienten in Deutschland geht, hat der Krebsinformationsdienst auch ältere deutsche Leitlinien herangezogen, die zum Beispiel von den Berufs- und Fachverbänden der deutschen Urologen unter Beteiligung weiterer wissenschaftlicher Organisationen und von Patientenvertretern herausgegeben wurden (für Fachleute: www.leitlinien.net). Zur Information über neuere Verfahren hat der Krebsinformationsdienst Fachveröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften durchgesehen. Um ihren Stellenwert einschätzen zu können, wurde geprüft, ob diese Weiterentwicklungen noch in klinischen Studien getestet werden oder bereits Teil der Routineuntersuchungen bei Krebsverdacht sind.

Diagnostische Schritte - ein Überblick: Was gehört dazu?

Wichtig ist die Messung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) in einer Blutprobe. In der Früherkennung bei Männern ohne Beschwerden ist der Stellenwert dieser Untersuchung umstritten (mehr dazu im Kapitel "Früherkennung"). In der Abklärung eines Krebsverdachts gehört die Messung des PSA-Spiegels jedoch zur Routine. Auch eine Tastuntersuchung vom Enddarm aus ist Teil der Abklärung.
Beide Untersuchungen reichen zur Diagnosesicherung allerdings nicht aus. Daher kann bei Verdacht auf ein Karzinom eine Ultraschalluntersuchung hinzukommen, die ebenfalls vom Enddarm aus durchgeführt wird, die transrektale Sonographie.
Wirklich gesichert wird die Diagnose erst durch die Entnahme von Prostatagewebe bei einer Biopsie und den Nachweis von Tumorzellverbänden in dieser Probe unter dem Mikroskop. Bisher lässt sich diese Methode nicht ersetzen: Viele neue Untersuchungsmethoden, darunter zum Beispiel molekulargenetische Tests, werden zwar in klinischen Studien geprüft. Ihre Sicherheit ist jedoch noch nicht ausreichend belegt.

Weitere Untersuchungsverfahren veranlasst der Arzt nur, wenn sich der Krebsverdacht nach der Biopsie erhärtet. Dazu gehört, je nach Situation, zum Beispiel eine Knochenuntersuchung mittels einer Szintigraphie. Diese und weitere Diagnosemethoden sollen zeigen, ob sich Tumorzellen über die Prostata hinaus in andere Körperregionen abgesiedelt haben: Sie zählen zur sogenannten Ausbreitungsdiagnostik.
Aus den Ergebnissen lässt sich dann die eigentliche Diagnose erstellen. Sie beinhaltet Angaben über die Art und die Ausbreitung oder das Stadium der Tumorerkrankung, und auch das biologische Verhalten des Tumors wird berücksichtigt. Diese Informationen sind wesentlich für die Planung einer Therapie.

Körperliche Untersuchung und Tastuntersuchung

Die Untersuchung beginnt mit der Frage nach dem Allgemeinzustand, nach Beschwerden oder früheren Erkrankungen. Mit einer körperlichen Untersuchung wird der Arzt auch versuchen, andere mögliche Ursachen für Beschwerden auszuschließen. Dabei achtet er zum Beispiel auf geschwollene Lymphknoten im Beckenbereich. Diese sind allerdings meist erst zu fühlen, wenn sie sehr stark vergrößert sind.

Die meisten Karzinome entstehen zwar auf der dem Darm zugewandten Seite der Prostata, bei der Tastuntersuchung oder digital-rektalen Untersuchung (DRU) vom Enddarm aus kann der Arzt jedoch in der Regel erst größere Veränderungen tasten. Die Untersuchung ist trotzdem wichtig, weil auch gutartige Vergrößerungen, die meist das  ganze Organ betreffen, für Beschwerden verantwortlich sein können und weiter abgeklärt werden müssen. Eine besondere Vorbereitung, etwa eine Darmreinigung, ist für die DRU nicht nötig. Die Tastuntersuchung sollte erst nach einer Blutentnahme für den PSA-Test durchgeführt werden, um dessen Ergebnisse nicht zu verfälschen.

PSA-Messung

Das prostataspezifische Antigen, abgekürzt PSA, ist ein Eiweiß, das von Zellen der Prostata gebildet wird. Es ist Bestandteil des Prostatasekrets und dient der Verflüssigung des Samens. In geringen Mengen tritt das PSA auch ins Blut über – so lässt es sich mit einem Labortest aus einer Blutprobe nachweisen. Dafür entnimmt der Arzt aus der Armvene einige Milliliter Blut.
Den Normalwert für gesunde Männer geben die meisten Experten mit null bis vier Nanogramm (ng) pro Milliliter Blut an. Dabei liegen die Werte bei jungen Männern innerhalb dieser Spanne eher im unteren, bei älteren eher im oberen Bereich.
Eine Prostatakrebserkrankung bei PSA-Werten unter vier Nanogramm ist wenig wahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.
Bösartige Tumoren der Prostata, die wie zum Beispiel die Prostatasarkome gar kein PSA bilden, sind extrem selten.

Ist ein Mann tatsächlich an einem Karzinom erkrankt, finden sich in seinem Blut meist höhere Werte. Blutspiegel von vier bis zehn Nanogramm und manchmal noch darüber können aber immer noch auf eine Entzündung oder andere gutartige Veränderungen im Prostatagewebe hindeuten; auch Harnwegsinfekte machen sich bei Männern manchmal durch einen erhöhten PSA-Spiegel bemerkbar. Die Prostata schüttet zudem bei Druck, körperlicher Anstrengung oder Geschlechtsverkehr ebenfalls PSA aus. Die Blutabnahme sollte daher nicht nach der Tastuntersuchung erfolgen und zum Beispiel auch nicht unmittelbar nach einer Fahrt mit dem Fahrrad.

  • Da so viele Faktoren den Test stören können, sollte die Untersuchung bei auffälligem Ergebnis mehrmals wiederholt werden. Erst wenn der PSA-Wert mindestens zwei Mal erhöht ist und nicht wieder absinkt, empfehlen Experten weitere Maßnahmen.

PSA-Wert erhöht: Wie wahrscheinlich ist Krebs?

Eine exakte Abschätzung ist anhand des PSA-Wertes allein nicht möglich, so die Europäische Gesellschaft für Urologie in ihren Leitlinien:

  • Bei Werten unter einem Nanogramm PSA pro Milliliter Blut entwickelt sich bei etwa zehn von 100 Männern trotzdem ein Karzinom in der Prostata. Dieses würde bei den meisten Patienten aber selbst mit weiterführenden Untersuchungen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht entdeckt werden. Wenn die Werte nicht deutlich weiter steigen, haben diese sehr kleinen Tumoren auch keine Auswirkungen auf die Gesundheit. Es gibt jedoch seltene Fälle, bei denen Männer mit niedrigen PSA-Werten trotzdem an einer besonders aggressiven Tumorform erkrankt sind. Warum dies so ist und wie sich die Karzinomzellen dieser Patienten biologisch von denen der meisten anderen unterscheiden, weiß man noch nicht.
  • Bei Werten von 2 - 4 ng/ml müssen zwischen 23 und 27 von hundert Männern damit rechnen, dass tatsächlich ein - wenn auch kleines - Karzinom die PSA-Quelle ist: Vier Nanogramm pro Milliliter gelten daher derzeit häufig als Anlass für weitere Untersuchungen. Die Diskussion um diesen Grenzwert kann jedoch nicht als abgeschlossen bezeichnet werden, so die europäische Fachgesellschaft.
  • Bei Werten von 4 - 10 ng/ml wird eine Prostatakarzinom-Diagnose wahrscheinlicher: Vier von zehn Männern müssen bei weiter führenden Untersuchungen damit rechnen, dass tatsächlich Tumorgewebe entdeckt wird.
  • Steigt der Wert weiter und/oder liegt er bereits bei den ersten Messungen über 10 ng/ml, haben mindestens sieben von zehn Männern ein Prostatakarzinom, das sich bei den weiter führenden Untersuchungen auch klinisch sicher nachweisen lässt.

Für betroffene Männer kann es psychisch sehr belastend sein, wenn der PSA-Wert zwar erhöht ist, bei der anschließenden Biopsie aber kein Tumorgewebe gefunden wird. Für sie bedeutet dies zunächst Abwarten und, vor allem bei weiter hohen PSA-Werten, auch eine erneute Gewebsentnahme.
Daher versuchen die Ärzte, aus dem Bluttest weitere Informationen abzuleiten. Es gibt mehrere Messwerte, die als relevant bekannt sind. Wie aufschlussreich sie tatsächlich sein können, ist jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Standards, wie der Arzt bei der Abklärung vorzugehen hätte, gibt es derzeit deshalb nicht, so die Europäische Gesellschaft für Urologie.
Hinweise auf einen Tumor können unter anderem geben

  • die Entwicklung des PSA-Wertes von Untersuchung zu Untersuchung und die Geschwindigkeit, mit der die Werte ansteigen. Steigt der Wert um mehr als 0,75 ng/ml pro Jahr, deutet dies eher auf ein Karzinom hin.
  • die Anteile des sogenannten freien und gebundenen PSAs: Das Molekül kann an andere Blutbestandteile gebunden sein oder frei im Blut vorkommen. Je kleiner der Anteil an freiem PSA ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für ein Karzinom. Als Grenzwert gilt heute meist ein Anteil von weniger als 20 Prozent.

Transrektaler Ultraschall (transrektale Sonographie, TRUS)

Die Sonographie der Prostata kann einer Biopsie vorausgehen. Es lassen sich jedoch nicht alle Karzinome im Ultraschallbild darstellen, so dass auch diese Untersuchung keine sichere Krebsdiagnose ermöglicht. Sie ist hauptsächlich notwendig, um die Gewebeentnahme bei der Biopsie zu steuern. Eine besondere Vorbereitung ist in der Regel nicht erforderlich, wenn die Untersuchung nicht gleich mit einer Biopsie verbunden wird. Der Arzt führt die Ultraschallsonde in den Enddarm ein und kann dann auf einem angeschlossenen Bildschirm Größe, Form und auffällige Veränderungen in der Dichte der Prostata beurteilen.
Technische Weiterentwicklungen beruhen unter anderem auf einer computergestützten Analyse der Bilder. Da noch nicht klar ist, ob sie tatsächlich mehr Nutzen für den Patienten bedeuten, sind diese Verfahren noch kein Standard und müssen bei Routineuntersuchungen nicht zum Einsatz kommen.

Biopsie

Selbst wenn alle drei bisher genannten Untersuchungsmethoden deutliche Hinweise auf ein Karzinom erbracht haben, bestätigt sich nur bei drei von vier Männern nach einer Biopsie die Krebsdiagnose. Trotz dieser Restunsicherheit ist die Entnahme von mehreren Gewebeproben aus der Prostata die derzeit einzig verlässliche Methode zum Nachweis eines Karzinoms. Zwar wird intensiv an anderen Verfahren gearbeitet. Die "biopsiefreie Prostatadiagnostik" gilt unter Fachleuten aber derzeit noch als unrealistisch.

Die Biopsie kann ambulant durchgeführt werden, da nur selten Komplikationen auftreten; ein Krankenhausaufenthalt ist in der Regel nicht erforderlich. Um Entzündungen vorzubeugen, erhalten Männer Antibiotika zum Einnehmen.

Eine Narkose oder eine umfangreiche lokale Schmerzbetäubung galten lange Zeit nicht als erforderlich und sind auch heute noch nicht Standard. Die Autoren der aktuellen europäischen Leitlinie geben jedoch zu bedenken, dass immer mehr Männer mit vergleichsweise geringen Krankheitszeichen heute mit mehreren Biopsien rechnen müssen, bis ein eindeutiges Ergebnis vorliegt. Auch wird heute die Entnahme einer höheren Anzahl von Gewebeproben empfohlen als noch vor einigen Jahren, es muss also mehrfach gestochen werden. Daher, so die Leitlinie, sollten Ärzte die Vor- und Nachteile einer örtlichen Betäubung mit ihren Patienten besprechen.

Durchführung

Zur Gewebeentnahme wird meist vom Enddarm, gelegentlich auch vom Damm aus eine Stanznadel in unterschiedliche Teile des Organs eingestochen. Dies geschieht heute mit einem automatisierten Gerät, das sehr schnell arbeitet. Der Arzt führt die Einstiche unter Ultraschallsicht aus und kontrolliert den Weg der Nadel.
In der Regel werden fünf Gewebeproben aus jedem Prostatalappen entnommen, wenn notwendig, auch mehr: Waren bei der Tastuntersuchung oder der Ultraschalluntersuchung Veränderungen aufgefallen, werden diese Bereiche zusätzlich gezielt biopsiert. Je größer die Anzahl der Proben ist, desto höher wird die diagnostische Sicherheit, vor allem bei einer stark vergrößerten Vorsteherdrüse.
Das entnommene Gewebe wird zur weiteren Aufarbeitung an Speziallabors geschickt, was einige Tage in Anspruch nimmt. Die Untersuchung des Materials mit mikroskopischen und molekularbiologischen Methoden liefert Ärzten über die eigentliche Tumordiagnose hinaus eine Reihe von weiteren Informationen über das biologische Verhalten des Tumors. Diese Daten sind wichtig für die Behandlungsplanung.

Konnte in den Biopsieproben kein Tumorgewebe nachgewiesen werden, stellt sich die Frage nach einer Wiederholung der Untersuchung. Bleiben die anderen auffälligen Befunde bestehen und steigt zum Beispiel der PSA-Wert sogar noch weiter an, raten Experten zu einer erneuten Biopsie nach einer Wartezeit, die mit dem Arzt besprochen werden muss. Bleibt eine weitere Untersuchung wieder ohne Ergebnis, kann nur individuell entschieden werden, wie weiter vorzugehen ist: Eine Standardempfehlung gibt es nicht, so die europäische Leitlinie.

Diagnostik ohne Biopsie?
Neue Verfahren in klinischen Studien

Tumorzellen haben zwar noch viele Eigenschaften des Gewebes, aus dem sie ursprünglich stammen. Trotzdem kennt man heute dank neuer molekularbiologischer Untersuchungsmethoden immer mehr Abweichungen, die typisch für Prostatakarzinomzellen sind.
Noch hat keiner der Tests auf solche Veränderungen aber seinen Stellenwert in der Routinediagnostik gefunden: Zwar ist die Technik der Durchführung als solche oft schon ausgereift. Doch ob ein positiver Befund tatsächlich auf Krebs hindeutet oder ein negatives Ergebnis eine Tumorerkrankung sicher ausschließt, muss erst noch in klinischen Studien gezeigt werden.

In der Zwischenzeit können weder andere Tumormarker als das PSA, neue Urin- oder Bluttests auf bestimmte Genveränderungen noch Analysen der Eiweißzusammensetzung von Körperflüssigkeiten, sogenannte Proteinprofile, die Standarddiagnostik ersetzen.

Obwohl der Nutzen solcher Tests noch nicht feststeht, bieten nicht wenige Hersteller sie bereits als Zusatzuntersuchung an, außerhalb von klinischen Studien: Entschließt sich ein Patient für die Durchführung, muss er sich über die vielen noch bestehenden Unsicherheiten in der Deutung des Ergebnisses im Klaren sein. Er kann in der Regel auch nicht damit rechnen, dass seine Krankenversicherung die Kosten übernimmt.

Um die Diagnosestellung sicherer zu machen, werden auch sogenannte bildgebende Verfahren intensiv beforscht. Dazu gehört beispielsweise die Positronenemissionstomographie, die in der Prostatadiagnostik mit dem Marker Cholin und nicht wie sonst meist üblich mit Traubenzucker durchgeführt wird ("Cholin-PET", mehr dazu hier). Diese Untersuchung ist jedoch kein Standard, solange noch Fragen zum Stellenwert und zum tatsächlichen Nutzen offen sind.
Dies gilt auch für eine Kombination von Computertomographie und Positronenemissionstomographie, kurz PET-CT (hier eine ausführlichere Erläuterung). Standard ist die Methode ebenfalls nicht. Sie kann allenfalls herangezogen werden, um widersprüchliche Ergebnisse anderer Untersuchungen zu ergänzen. Die Kostenübernahme muss individuell mit der Krankenversicherung abgeklärt werden.

Auch andere Untersuchungen wie etwa eine Magnetresonanztomographie (MRT) gehören eher zur weiterführenden Ausbreitungsdiagnostik, nachdem sich ein Krebsverdacht schon bestätigt hat. Die auch als Kernspintomographie bezeichneten Untersuchung muss daher nicht bei allen Patienten durchgeführt werden, solange aus anderen Untersuchungen ein klarer Befund hervorgeht. In Studien wird geprüft, welchen Stellenwert eine so genannte endorektale MRT haben könnte, zum Beispiel bei hohem PSA, aber negativem Biopsiebefund: Hier wird die Magnetspule wie bei der Ultraschalluntersuchung der Prostata in den Enddarm eingeführt.

Ausbreitungsdiagnostik

Die Laboruntersuchungen der Biopsieproben enthalten in der Regel Angaben, die über die reine Aussage "Krebs: ja oder nein" hinausgehen. Anhand der mikroskopischen und molekularbiologischen Untersuchungen können die Spezialisten dem untersuchenden Arzt bereits Angaben über das wahrscheinliche Verhalten und die Biologie des Tumors machen (mehr dazu auch im Kapitel "Befunde kennen und verstehen"). Hat ein Patient Beschwerden, unterscheiden sich seine Tumorzellen unter dem Mikroskop sehr stark von gesunden Zellen oder ist der Tumor groß, wird intensiver nach Tumorabsiedelungen gesucht als bei Männern mit sehr kleinen Tumoren, vergleichsweise niedrigem PSA-Wert und ohne Beschwerden.

Die europäischen Experten gehen heute davon aus, dass die gezielte Suche nach Fernmetastasen bei beschwerdefreien Patienten frühestens bei  einem PSA-Wert von 20 ng/ml und darüber beginnen sollte. Dies gilt insbesondere für die Durchführung einer Skelettszintigraphie.
Wichtig für Patienten ist vor Behandlungsbeginn aber auch die Frage, ob das Karzinom die bindegewebige Prostatakapsel noch nicht überschritten hat oder sich Zellen in den Lymphbahnen und -knoten finden, die die Prostata umgeben.

Tumor auf die Prostata begrenzt?

Das Drüsengewebe der Prostata ist von einer bindegewebigen Kapsel umschlossen, das zunächst auch das Wachstum von Karzinomen begrenzt. Hat ein Tumor diese Kapsel durchbrochen, ist dies eventuell schon in der transrektalen Ultraschalluntersuchung erkennbar (TRUS, siehe oben). Wurde Tumorgewebe in mehr als ein oder zwei Prostatabiopsie-Stanzen gefunden, kann dies ebenfalls ein Hinweis auf ein größeres und die Kapsel überschreitendes Karzinom sein.
Als weiterführende Untersuchung liefert die Magnetresonanztomographie (MRT, auch Kernspintomographie) ebenfalls Hinweise. Mit ihr kann eventuell beurteilt werden, ob ein Tumor bereits die bindegewebige Kapsel der Prostata überschritten hat. Sie liefert bis zu einem gewissen Grad auch Hinweise auf auffällige Lymphknoten im Becken, was auf eine Tumorzellstreuung hindeutet.
Die  Ergebnisse des MRT beinhalten aber einen relativ hohen Unsicherheitsfaktor. Ein sicherer Nachweis eines die Kapsel überschreitenden Karzinoms und/oder einer Tumorzellstreuung in die Lymphknoten und -bahnen des Beckens erfordert jedoch einen operativen Eingriff. Er wird oft nur bei Patienten durchgeführt, die sich bereits für eine Operation als Therapie entschieden haben.

Tumorgewebe im Körper gestreut?

Hinweise auf eine fortgeschrittene Krebserkrankung sind Anlass für die Suche nach Tumorgewebe, das sich schon deutlich über die Prostata ausgebreitet und eventuell auch in anderen Körperregionen gebildet hat. Dazu gehören zum Beispiel Knochenschmerzen oder sehr hohe PSA-Werte.

Zum Nachweis eines Skelettbefalls würden sich zum Beispiel Bluttests eignen, die Veränderungen im Knochenstoffwechsel anzeigen. Viel aussagekräftiger und daher heute Standard ist jedoch die sogenannte Knochenszintigraphie. Eine ausführliche Beschreibung dieses Untersuchungsverfahrens hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.

Ob eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs (Röntgen-Thorax) notwendig ist, hängt von der weiteren geplanten Therapie ab. Sie kann dazu dienen, den Allgemeinzustand eines Patienten besser einschätzen zu können.

Die Ergebnisse aller Untersuchungen werden zum sogenannten Befund zusammengestellt. Welche Fachbegriffe dabei eine Rolle spielen und wie die verschiedenen Stadien einer Prostatakrebsbehandlung bezeichnet werden, schildert das Kapitel "Prostatakrebs: Befunde kennen und verstehen".



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 13.05.2008