Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes KID, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de


Brustkrebs: Früherkennung durch Abtasten und Mammographie

Zurück zur Inhaltsübersicht

Lässt sich Brustkrebs durch geeignete Untersuchungen so früh erkennen, dass die durchschnittlichen Heilungschancen steigen? Diese Frage wird von den meisten Fachleuten heute zumindest für die Mammographie mit "ja" beantwortet.
Diese Röntgenuntersuchung der Brust ist deshalb seit einigen Jahren für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren Teil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms in Deutschland. Versicherte erhalten alle zwei Jahre eine Einladung.
Für jüngere Frauen  spricht die aktuelle Nutzen-Risiko-Bewertung nicht für regelmäßige Mammographien: Ihr Risiko ist geringer, es  wiegt die Strahlenbelastung mehrfacher Mammographien nicht auf. Für Frauen zwischen 30 und 49 Jahren und für Frauen über 70 gibt es das Angebot jährlicher Untersuchungen durch den Frauenarzt. Im Rahmen dieser Untersuchung soll der Arzt außerdem zur Selbstuntersuchung der Brust anleiten, so die gesetzlichen Vorgaben in Deutschland. 

Wie die Früherkennung abläuft, was sie Frauen nützt und wo Fragen zum Nutzen offen sind, hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammen gestellt. Links verweisen auf weitere Informationen zum Thema. Grundlage sind vor allem die Bestimmungen zum Krebsfrüherkennungsprogramm in Deutschland sowie die Leitlinie "Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland", die 2008 von der "Konzertierten Aktion Brustkrebs-Früherkennung" herausgegeben wurde.

Die folgenden Informationen zu Früherkennungsangeboten richten sich an Frauen, die keine Veränderungen in der Brust oder Beschwerden haben.

  • Ein Knoten, ein Größenunterschied oder andere auffällige Symptome in der Brust sind immer ein Anlass, zeitnah einen Termin beim Arzt auszumachen.
  • Frauen, bei denen es Hinweise auf ein vererbtes Brustkrebsrisiko gibt, brauchen eine individuelle Beratung über die für sie geeignete Früherkennung, mehr dazu im Kapitel "Risiko".

Brustkrebs-Früherkennung: Welche Untersuchungen gehören dazu?

Zurzeit gehören folgende Maßnahmen zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm in Deutschland:

Einmal jährlich für Frauen ab dem Alter von 30 und für Frauen ab 70 Jahren:

  • Der Arzt fragt nach Veränderungen oder Beschwerden in der Brust und klärt die medizinische Vorgeschichte ab (Anamnese).
  • Er zeigt, wie die Selbstuntersuchung zu Hause durchgeführt wird.
  • Er tastet die Brust und die dazugehörigen Lymphknoten ab.

Für Frauen zwischen 50 und 69 kommt noch alle zwei Jahre die Einladung zur Mammographie in einer zertifizierten Untersuchungseinrichtung hinzu.

Für Frauen, in deren Familie es Hinweise auf ein vererbbares Brustkrebsrisiko gibt, wird die Früherkennung intensiver gestaltet, mehr dazu hier.
Auch Frauen, die aus anderen Gründen ein erhöhtess Brustkrebsrisiko haben, etwa wegen bestimmter gutartiger Veränderungen, sollten ihren Arzt nach für sie  geeigneten der Untersuchungen und Zeitintervallen fragen.

Brustkrebs-Früherkennung: Wohin gehen?

Mehr zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm

Die jährlichen Untersuchungen werden von Frauenärzten bzw. Fachärzten und Fachärztinnen für Gynäkologie angeboten. Sie  führen meist gleichzeitig noch die Früherkennung auf Veränderungen am Gebärmutterhals durch.
Einen Termin kann man entweder direkt oder mit einer Überweisung vom Hausarzt vereinbaren; in beiden Fällen ist, wenn nur dieFrüherkennungsuntersuchung durchgeführt wird, bei gesetzlich versicherten Frauen keine Praxisgebühr fällig.

Das Mammographie-Screening alle zwei Jahre, also die Röntgen-Reihenuntersuchung für gesunde Frauen ohne Symptome, darf nur von spezialisierten Zentren durchgeführt werden: Die Mitarbeiter dieser Mammographie-Einheiten haben eine besondere Ausbildung durchlaufen und müssen die Qualität ihrer Arbeit regelmäßigen Prüfungen unterziehen. Zum Mammographie-Screening muss man sich nicht anmelden, alle Frauen der betroffenen Altersgruppe werden angeschrieben und in die nächstgelegene Mammographie-Einheit eingeladen.

Wann gehen?

Für Frauen, die noch ihre Periode haben, ist ein Termin kurz nach der Regelblutung in der ersten Zyklushälfte sinnvoll: Dann ist die Brust meist noch weich.
Bei Frauen, die zur Empfängnisverhütung die "Pille" oder Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden einnehmen, ist die Brust oft zyklusunabhängig dichter: Dies kann die Untersuchungen beeinflussen. Für sie sind als Zeitpunkt ebenfalls die Tage kurz nach der monatlichen Abbruchblutung empfehlenswert. Frauen, die durchgängig ein Hormonpräparat einnehmen, so dass es nicht zur einer monatlichen Blutung kommt, sollten ihren Arzt nach dem günstigsten Zeitpunkt fragen.
Nach den Wechseljahren kann der Termin ansonsten frei gewählt werden.

Pflicht zur Früherkennung?

Die Teilnahme am gesetzlichen Früherkennungsprogramm ist freiwillig. Für Frauen, die nach dem  31. März 1987 geboren wurden, gibt es jedoch eine Beratungspflicht: Sie müssen sich vom Arzt über die Angebote zur Brustkrebs-, Darmkrebs- und Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung informieren lassen, mehr dazu mehr dazu hier. Die Altersgruppe, für die Beratungspflicht gilt, ist damit also noch zu jung für die Brustkrebs-Früherkennung, für sie gilt aktuell nur das Angebot der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs bzw. die entsprechende Beratung.
 
Mehr zur Krebsfrüherkennung allgemein hat der Krebsinformationsdienst auch in der Broschüre "Schutz vor Krebs" zusammen gestellt, hier auch als PDF-Datei zum Laden und Ausdrucken.

Welche Sicherheit bietet die Brustkrebs-Früherkennung?

Durch die Befragung nach Allgemeinzustand, bisheriger gesundheitlicher Entwicklung und Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme oder auch Krebserkrankungen in der Familie macht sich der Arzt ein Bild über die individuelle Risikosituation einer Frau.
Wie sich eventuell vorhandene Risikofaktoren, wie sich Alter, Schwangerschaften oder die Einnahme von Hormonen auswirken, sollte im Gespräch vermittelt werden.
Ärzte können sich bei dieser individuellen Risikoeinschätzung an Tabellen orientieren, die beispielsweise die aktuelle S3-Leitlinie zur Brustkrebs-Früherkennung von 2008 bietet, für Fachleute online unter www.senologie.org/download/pdf/s3_brustkrebsfrueherkennung_2008.pdf?SenologieOrg=129934b6cb5b91cb9afc954c0b4bf553.

Regelmäßige Selbstuntersuchung zu Hause

Die Selbstuntersuchung der Brust ist als Früherkennungsmaßnahme wenig geeignet. Die Studienlage zeigt, dass sie die Sterblichkeitsraten an Brustkrebs nicht  senken kann: Tastbare Tumoren gelten nicht mehr als klein im Sinn der Früherkennung.

Trotzdem ist die Empfehlung zum  regelmäßigen Selbstabtasten zu Hause Teil des Früherkennungsprogramms: Die Selbstuntersuchung geht schnell und kann in die gewohnte Körperpflege integriert werden. Sie trägt vor allem dazu bei, den eigenen Körper besser kennen zu lernen und Veränderungen schneller wahrzunehmen.

Bester Zeitpunkt zur Selbstuntersuchung ist die Woche nach Beginn der Regelblutung. Dann ist das Drüsengewebe weich. Frauen nach den Wechseljahren wählen am besten immer den gleichen Tag im Monat. Wie die Brust und das dazugehörige Lymphgewebe abgetastet werden sollte, können die Frauenärztin oder der Frauenarzt zeigen.  Ausführliche Anleitung mit Bild und Text geben auch viele kostenlos erhältliche Broschüren oder Videos.

Tastuntersuchung beim Arzt

Bei der Früherkennung achtet der Arzt auf den Zustand der Brusthaut und der Brustwarze und vergleicht die Größe und das Aussehen beider Brüste. Zur Untersuchung tastet er Brust und Brustwarze und die Lymphknoten bis unter die Achsel und das Schlüsselbein ab. Dabei liegt die untersuchte Frau einmal, einmal sitzt oder steht sie und hebt die Arme über den Kopf.

Für den Nutzen der Brustuntersuchung durch den Arzt gilt eine vergleichbare Einschätzung wie für die Selbstuntersuchung: Tastbare Tumoren gelten nicht mehr als klein im Sinn der Früherkennung. Die Daten aus wissenschaftlichen Studien belegen zudem, dass die Rate der erkannten Tumoren stark von der Erfahrung der untersuchenden Ärzte abhängt. Auch kann der Arzt allein aufgrund der Tastuntersuchung nicht zuverlässig zwischen Krebs und gutartigen Brustveränderungen unterscheiden.

In vielen Studien wirkte sich die regelmäßige Untersuchung im Rahmen der Früherkennung dementsprechend auch nicht auf die Sterblichkeitsrate an Brustkrebs aus. Nur in wenigen Untersuchungen zeigten sich leichte Vorteile zum Beispiel für Frauen  im Alter zwischen 40 und 50, die noch keine regelmäßige Mammographie erhalten, deren Brustkrebsrisiko aber schon langsam ansteigt. Für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, die regelmäßig zur Mammographie gehen, ermöglicht die Tastuntersuchung unter Umständen die Entdeckung der sehr wenigen Tumoren, die sich aufgrund ungünstiger Umstände nicht in der Mammographie darstellen lassen.

Zurzeit ist die Tastuntersuchung Bestandteil des gesetzlichen Früherkennungsprogramms, auch wenn ihr Nutzen  nicht abschließend beurteilt werden kann und vermutlich gering ist. Tastet der Arzt eine Veränderung, sollte diese, so die aktuelle Leitlinie zur Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland, auf jeden Fall mit anderen Verfahren weiter abgeklärt werden.

Mammographie-Screening

Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust. Sie eignet sich zur Brustkrebsfrüherkennung, weil sie schon sehr kleine, nicht tastbare Tumoren in einem frühen Stadium sichtbar machen kann.
Seit Anfang 2004 ist das Mammographie-Screening in Deutschland Bestandteil des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms. Die Reihenuntersuchung wird gesunden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren in besonders hierfür eingerichteten Screening-Zentren angeboten, in einigen Regionen Deutschlands sind auch mobile Untersuchungseinheiten unterwegs ("Mammobil").
Normalerweise muss man sich zur Teilnahme am Screening nicht anmelden, sondern erhält alle zwei Jahre eine Einladung. Der vorherige oder anschließende Besuch beim Frauenarzt ist zur Früherkennungs-Mammographie nicht nötig, Frauen können aber eine Kopie der Ergebnisse für ihren Arzt anfordern.
Die Strahlenbelastung des regelmäßigen Röntgens wurde intensiv geprüft: Die deutsche Strahlenschutzkommission beurteilt das Risiko im Vergleich zum Nutzen für die infrage kommende Altersgruppe als vertretbar.

Studien zeigen, dass sich vor allem bei der Altersgruppe der 50 bis 69jährigen Frauen die Sterblichkeit durch Mammographie-Reihenuntersuchungen senken lässt. Wie hoch dieser Effekt tatsächlich ausfällt, gilt jedoch trotz vieler Daten als noch nicht abschließend gesichert. Auch zur Qualität der verfügbaren Angebote gibt es Diskussionen. Der Krebsinformationsdienst hat zum Pro und Kontra des Mammographie-Screenings  einen Text zusammengestellt, mehr dazu hier. Wie die Untersuchung im Detail abläuft, ist hier erläutert.
Weitere Informationen bieten ein Merkblatt des Gemeinsamen Bundesausschusses unter www.g-ba.de/downloads/17-98-2232/2010-07-15_Merkblatt-Mammographie.pdf, die Internetseiten der Kooperationsgemeinschaft Mammographie unter www.mammo-programm.de sowie viele Broschüren. Eine davon wurde von der Kooperationsgemeinschaft Mammographie und dem Deutschen Krebsforschungszentrum erarbeitet, mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe.

Kennzahlen: Wie verlässlich ist das Mammographie-Screening?

Kennzahlen Mammographie-Screening

Eine Arbeitsgruppe aus Experten, die die regelmäßige Röntgenuntersuchung der Brust befürworten, und aus Experten, die den Nutzen der Untersuchung eher kritisch sehen, hat im Februar 2010 wichtige Daten zur Verlässlichkeit der Untersuchung zusammengestellt. Sie können als Tabelle bei der Kooperationsgemeinschaft Mammographie abgerufen werden, als PDF-Datei in einem neuen Fenster unter www.mammo-programm.de/cms_upload/pressefotos_14/kennzahlen_tab2_web.pdf.

Weitere Untersuchungen:
Stellenwert in der Früherkennung nicht belegt

Findet sich bei der Früherkennung eine Veränderung oder tastet eine Frau etwas Auffälliges sind weitere Untersuchungen eventuell sinnvoll. Dazu gehören beispielsweise die Ultraschalldiagnostik oder die Kernspin- bzw. Magnetresonanztomographie.
Bei gesunden Frauen ohne besondere Anhaltspunkte für Brustveränderungen ersetzen diese beiden Untersuchungen die reguläre Krebsfrüherkennungsdiagnostik jedoch nicht. Insbesondere die Mammographie lässt sich bisher nicht durch strahlungsärmere Verfahren ersetzen.

Gutartige Brustveränderungen: Früherkennung nach Maß

Bei der Früherkennung werden häufig auch gutartige Veränderungen entdeckt, die der Arzt bei Bedarf auch weiter kontrolliert. Ein besonderes Brustkrebs-Risiko und damit auch besondere Empfehlungen zur Früherkennung bestehen jedoch nur bei den wenigsten dieser Befunde: Frauen, bei denen eine Sonderform der Mastopathie festgestellt wurde, die atypische duktale Hyperplasie, benötigen eine individuell auf ihren Befund angepasste regelmäßige Nachkontrolle.

Erbliche Vorbelastung: Früherkennungsuntersuchungen häufiger und umfangreicher

Frauen mit familiär vererbbarem Brustkrebsrisiko finden Informationen für ihre Situation im Text "Krebsrisikofaktoren: Vererbung". Wurde eine Genveränderung nachgewiesen, benötigen sie, unabhängig vom Alter, eine intensivere Überwachung.

Früherkennung nach Brustkrebs: Teil der Nachsorge

Frauen, die bereits einmal an Brustkrebs erkrankt waren, haben ein höheres Risiko als gesunde Frauen, einen zweiten Tumor auch in der anderen Brust zu entwickeln. Bei ihnen gehört die regelmäßige Untersuchung auf Veränderungen zur Nachsorge, mehr dazu hier.



Wir beantworten Ihre Fragen: Rufen Sie uns an  |  Schreiben Sie uns eine E-Mail

Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 06.02.2010