
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de Etwa 85 Prozent aller Patienten mit Magenkrebs erleben Gewichtsverlust als eines der ersten Anzeichen der Erkrankung. Jeder dritte Betroffene hat zum Zeitpunkt der Diagnose bereits etwa ein Zehntel seines Körpergewichts verloren.
Während der Behandlung ist eine Gewichtszunahme kaum zu erreichen. Auch langfristig erreichen nur die wenigsten Betroffenen wieder ihr Ausgangsgewicht.
Solange sie es aber zumindest schaffen, im Bereich des medizinisch vertretbaren "Normalgewichts" zu bleiben, müssen daraus nicht unbedingt gesundheitliche Probleme entstehen.
Die Anpassung an die neue Ernährungssituation ist jedoch keine Angelegenheit, die von heute auf morgen zu schaffen wäre. Magenkrebspatienten brauchen dabei Hilfe von Fachleuten - Informationen aus dem Internet können eine solche persönliche Beratung kaum ersetzen. Sowohl Patienten wie auch betreuende Angehörige müssen daher in engem Kontakt mit ihren behandelnden Ärzten und Ernährungsfachleuten versuchen, Probleme langfristig und mit viel Geduld anzugehen. Insbesondere eine Rehabilitationsmaßnahme kann ein erster Schritt in die Anpassungsphase sein.
Nach einer Magenkrebsoperation wandert die zerkaute Nahrung nach dem Schlucken durch einen verkürzten Verdauungstrakt. Trotz der Versuche, aus Darmanteilen ein Reservoir zu bilden, gelangt die Nahrung fast immer zu schnell in den Darm. Das hat zum einen Auswirkungen auf die Durchmischung mit Verdauungssäften und die Gründlichkeit der Verdauung. Zum anderen reagiert auch das Nervensystem des Darms darauf, wenn zu schnell zu viel "ankommt", was eventuell auch ungenügend zerkleinert oder vorverdaut ist. Diese zu schnelle Nahrungspassage kann ein sogenanntes Dumping-Syndrom auslösen. Man unterscheidet entsprechend der Länge des Zeitraums, der zwischen Nahrungsaufnahme und Auftreten der Beschwerden vergangen ist, ein Frühdumping-Syndrom von einem Spätdumping-Syndrom. Dumping tritt häufiger nach einer totalen Magenentfernung auf, kann aber auch auf eine Teilresektion folgen.
Es tritt sofort oder bis fünfzehn Minuten nach der Nahrungsaufnahme infolge Überdehnung des neuen Ersatzmagens und des Dünndarms durch die Nahrungsmenge auf. Auch tritt durch den Reiz der Nahrungsmittel viel Flüssigkeit aus dem Blut in den Dünndarm über, um den Unterschied im Wassergehalt auszugleichen. Symptome sind zuerst ein Druckgefühl im Oberbauch oder Schluckauf, Blässe, Übelkeit, später eventuell auch Erbrechen. Durch die Verminderung der Flüssigkeitsmenge im Blutkreislauf kann es sogar zu einem Kreislaufkollaps kommen.
Spätdumping macht sich etwa ein bis vier Stunden nach der Nahrungsaufnahme bemerkbar. Durch die zu schnelle Aufnahme größerer Kohlenhydratmengen kommt es zu einer Überzuckerung des Blutes (Hyperglykämie). Die Bauchspeicheldrüse schüttet zur Gegenregulation vermehrt das blutzuckersenkende Hormon Insulin aus.
Dann schwingt das Pendel in die andere Richtung zu weit aus: Auf die Überzuckerung folgt eine Unterzuckerung (Hypoglykämie). Die Symptome sind denen beim Frühdumping-Syndrom ähnlich, zusätzlich stellen sich starke Müdigkeit, Schweißausbruch und ein starkes Hungergefühl ein. Mit dem Hungergefühl signalisiert der Organismus, dass der zu niedrige Blutzuckerspiegel durch neue Nahrung ausgeglichen werden muss.
Um das Dumping-Syndrom zu beherrschen, ist die wichtigste Maßnahme das langsame Essen vieler kleiner, über den Tag verteilter Portionen. Obwohl auch Magenkrebspatienten viel trinken müssen, ist es besser, die Nahrung nicht beim Essen selbst zu verdünnen, sondern nur vor oder eine Zeit nach den Mahlzeiten zu trinken. Ein bißchen Ruhe nach dem Essen hilft meist ebenfalls. Ob Patienten dabei eher liegen oder sitzen sollten, hängt davon ab, ob sie unter einem Rückfluss von Nahrung über die Speiseröhre, Aufstoßen oder Sodbrennen leiden. Gegen das Spätdumping, das einige Zeit nach einer Operation insgesamt seltener wird, hilft der vorsichtige Umgang mit Süßem und anderer sehr kohlenhydratreicher Nahrung.
Ob Fett nur noch eingeschränkt verdaut wird, hängt von der Art der Operation und der Form des Ersatzmagens ab. Oft ist allerdings aufgrund der eingeschränkten Durchmischung mit Verdauungssäften Fett ein Nahrungsbestandteil, der nicht vollständig verwertet werden kann. Patienten, bei denen dies der Fall ist, leiden unter Blähungen, sie neigen zu Durchfall mit fettigen Stühlen, und sie scheiden die eigentlich wertvollen und dringend gebrauchten Kalorien zu schnell wieder aus.
Eine Gewichtszunahme erreichen Patienten daher normalerweise nicht dadurch, dass sie einfach fetter essen; viel wichtiger ist die ausgewogene Zusammenstellung kalorienreicher, aber nicht belastender Ernährung. Damit auf Fett nicht ganz verzichtet werden muss, helfen Verdauungsenzyme, die der Arzt verschreibt.
Wie alle anderen Krebspatienten sollten auch Betroffene nach einer Magenkrebserkrankung nicht auf eigene Faust zu Vitaminpräparaten greifen. Gerade weil bei ihnen die Aufnahme und Verwertung der Stoffe eingeschränkt sein kann, sind rezeptfreie Mittel oder Vitamine als Nahrungsergänzungsmittel für sie nicht geeignet.
Normalerweise produziert die Magenschleimhaut einen Stoff, mit dessen Hilfe Vitamin B12 aus der Nahrung aufgenommen wird. Fehlt der Magen, ist dieser Stoff nicht mehr vorhanden, so dass Vitamin B12 von da an regelmäßig gespritzt werden muss, um überhaupt ins Blut gelangen zu können. Vitamin B12 ist nötig für die Bildung der roten Blutkörperchen. Ein anhaltender Mangel führt zu Blutarmut (perniziöse Anämie) und kann neben anderen Beschwerden auch Funktionsstörungen der Nerven verursachen wie Missempfindungen oder sogar Lähmungen, weil Vitamin B12 für die Funktion der Nerven wichtig ist. Da die Leber über einige Reserven an Vitamin B12 verfügt, tritt ein Mangel nicht sofort auf.
Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin, das bei anhaltenden Störungen der Fettverwertung nur ungenügend aufgenommen werden kann. Mangel an Vitamin D kann zu Knochenerweichung (Osteomalazie) führen. Immerhin wird diese Erkrankung bei rund der Hälfte aller Magenkarzinompatienten als Spätfolge gesehen.
Nach heutigem Kenntnisstand kann keine Krebserkrankung durch eine Diät oder eine Veränderung der Lebensmittelauswahl oder Zubereitung beeinflusst werden. Keine der in Broschüren, Büchern oder über das Internet propagierten Diäten gegen Krebs ist wissenschaftlich geprüft oder hat klinischen Studien standgehalten. Einige sind sogar deutlich gefährlich, weil sie zu einer Mangelernährung führen, die sich gerade Magenkrebspatienten auf keinen Fall leisten können. Dazu gehören alle Formen von Fasten- oder Saftkuren, aber auch andere sogenannte "ausleitende" Verfahren. Auch viele Diäten, bei denen bestimmte Lebensmittel wie Fleisch, Fett oder Kaffee ganz verboten sind, gehen von wissenschaftlich nicht nachvollziehbaren Theorien zum Zusammenhang von Krebs und Ernährung aus. Lebensmittel, die für Krebspatienten regelrecht "giftig" sein sollen, gibt es schon gar nicht.
Wenn der Tumor nicht in seiner gesamten Ausdehnung entfernt werden kann
und die Gefahr besteht, dass durch weiteres Wachstum des Karzinoms
irgendwann die Nahrungspassage versperrt wird, sind Operationen zum
Offenhalten des Verdauungstraktes eine zwar sehr belastende, aber zu
diskutierende Möglichkeit für Magenkrebspatienten. Dabei kann es auch bei fortgeschrittenen Erkrankungssituationen
erforderlich sein, Teile des Magens zu entfernen, vor allem dann, wenn
eine Chemotherapie nicht möglich ist oder nicht wirkt. Solche
Operationen müssen im Einzelfall jedoch immer auf ihre Vor- und
Nachteile hin besprochen werden. Sie sind grundsätzlich nur möglich,
wenn es der Allgemeinzustand des Patienten erlaubt.
Patienten wie Ärzte geraten bei der Abwägung der Vor- und Nachteile einer Operation unter großem Zeitdruck, wenn eine plötzliche Blutung oder ein Magendurchbruch auftritt. Ob dann ein Teil des Magens entfernt werden soll, um die lebensbedrohliche Situation überhaupt beherrschen zu können, und wie die Ärzte vorgehen sollen, muss dann unter Umständen sehr kurzfristig entschieden werden. Weniger aufwändig, aber wie Eingriffe mit dem Skalpell nicht immer machbar, ist eine Laserbehandlung, die mit Hilfe eines Endoskops durchgeführt wird. Das energiereiche Laserlicht erzeugt örtlich am Tumorgewebe hohe Temperaturen, wodurch ein Teil des Tumorgewebes zerstört wird. Außerdem kann man mit dieser Methode kleinere Gefäße, die bluten, wieder verschließen. Ist die Speiseröhrenmündung vom Verschluß bedroht, kann mit Hilfe eines Endoskops eine röhrenförmige Prothese (Tubus) oder ein metallisches Metallgeflecht (Stent) eingesetzt werden, um die Engstelle offen zu halten. Diese Maßnahme ermöglicht bis zu einem gewissen Punkt eine Nahrungsaufnahme trotz Tumorwachstum.
Wenn alle Maßnahmen nicht zum Ziel führen und die freie Nahrungspassage bedroht ist, kann es notwendig werden, dass mithilfe einer sogenannten PEG, einer perkutanen endoskopischen Gastrostomie, eine Ernährungsfistel gelegt wird. Dabei wird durch die Bauchhaut ein künstlicher Verbindungsweg, eine sogenannte Fistel, in den Magen oder den Dünndarm gelegt und ein kleiner Kunststoffschlauch im Darm verankert.
Die PEG kann über einen längeren Zeitraum liegen bleiben, ihre Lage wird dann regelmäßig kontrolliert. Über diese Sonde wird spezielle Sondennahrung direkt in den Magen oder in den Dünndarm gegeben. Das aus der Bauchhaut herausragende Ende der Sonde ist verschließbar und kann unsichtbar unter der Kleidung getragen werden. Die Beweglichkeit des Patienten schränkt eine PEG kaum ein.
Die Pflege einer PEG können Angehörige lernen. Meist ist die Versorgung eines Magenkrebspatienten mit Unterstützung eines Pflegedienstes jedoch einfacher, auch der betreuende Arzt muss regelmäßig als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, entsprechende Hilfsmittel auf Rezept verordnen und die Behandlung überwachen.