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Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

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Objektträger, Foto: Tetra Images/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Biopsie: So werden Gewebeproben entnommen

Eine tastbare Schwellung, veränderte Blutwerte, ein geschwollener Lymphknoten – meist verbergen sich dahinter gutartige Veränderungen, eine Infektion oder eine andere eher harmlose Ursache. Solche Symptome können allerdings auch Anzeichen einer Tumorerkrankung sein. Um einen bösartigen Tumor sicher auszuschließen, ist es oft sinnvoll, Zellen oder Gewebe aus dem verdächtigen Bereich zu entnehmen und zu untersuchen. Die Entnahme einer solchen Probe nennt man Biopsie.
Der folgende Text informiert darüber, wann eine Biopsie in der Tumordiagnostik sinnvoll sein kann, welche Verfahren heute angewendet werden und unter welchen Bedingungen das gewonnene Material gelagert wird. Der Text bietet darüber hinaus Links zu einer Auswahl genutzter Quellen und zu weiterführenden Informationen.

Letzte Aktualisierung: 03.12.2012

Indikation: Wann wird eine Biopsie durchgeführt?

Entdeckt der Arzt zum Beispiel beim Abtasten, beim Röntgen oder bei anderen bildgebenden Verfahren auffallende Gewebeveränderungen, kann er ohne weitere Untersuchungen oft nicht sagen, was dahinter steckt. Manchmal lässt sich die Ursache einer Veränderung erst an entnommenem Gewebe unter dem Mikroskop erkennen. Dazu ist aber meist keine große Operation nötig - in der Regel reicht ein kleinerer Eingriff aus. Die Entnahme von Zellen oder Geweben aus einem verdächtigen Bereich nennt man Biopsie. Die entnommene Probe wird anschließend in spezialisierten Labors - meist von Fachärzten für Pathologie und ihren Mitarbeitern - feingeweblich unter dem Mikroskop untersucht. Hinzu kommen häufig noch molekularbiologische Tests. Einige Beispiele dafür, wann Ärzte Patienten zu einer Biopsie raten, sind:

  • Knoten in der Brust
  • Veränderungen der Magen-, Darm- oder Blasenschleimhaut
  • länger bestehende Schleimhautveränderungen des Gebärmutterhalses
  • auffälliger Tastbefund der Prostata und erhöhter PSA-Wert
  • Schilddrüsenknoten
  • unklare Veränderungen der Haut

Biopsien können außerdem eingesetzt werden, um neu aufgetretene Symptome bei bereits behandelten Krebspatienten abzuklären. Lässt sich beispielsweise auf einem Röntgenbild nicht unterscheiden, ob hinter einer Gewebeveränderung eine Narbenbildung, eine Entzündung oder ein neuer Tumor steckt, kann die Untersuchung von Gewebeproben weitere Informationen liefern.
Sind Gewebeveränderungen klein, ist es unter Umständen sinnvoll, gleich den gesamten verdächtigen Bereich zu entfernen und nicht nur eine Probe zu entnehmen. Dies gilt etwa für kleinere auffällige "Muttermale" und andere Hautveränderungen. Ähnlich gehen Ärzte vor, wenn sie prüfen, ob sich in Lymphknoten Tumorzellen finden lassen. Lymphknoten werden ebenfalls komplett entnommen und nicht biopsiert. Ein weiteres Beispiel sind Darmpolypen, gutartige Vorstufen des Dickdarmkrebses: Auch sie werden während einer Darmspiegelung nach Möglichkeit sofort komplett entfernt.

Untersuchungsziel: Was kann an Biopsiematerial erkannt werden?

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Die Gewebeprobe sendet der Arzt an ein Labor, das auf die Begutachtung von Biopsiematerial spezialisiert ist. Dort bereiten ein Spezialist für Gewebe- und Zelluntersuchungen, ein Pathologe, und entsprechend ausgebildete technische Assistenten die Probe auf. Welche Techniken dabei genutzt werden, ob die Gewebeprobe konserviert und in feine Schnitte zerlegt und gefärbt wird, ob sie ganz oder nur teilweise verwendet wird, hängt von der jeweiligen Fragestellung ab. Anschließend erfolgt eine feingewebliche (histologische) Untersuchung des Präparats: Mikroskopische und molekularbiologische Tests liefern Informationen über die Gewebe- und Zelleigenschaften. Erst mithilfe dieser Untersuchungsergebnisse lassen sich gutartige Gewebsveränderungen mit relativ großer Sicherheit von bösartigen unterscheiden.

  • Schlagen Ärzte eine Biopsie vor, bedeutet dies nicht automatisch, dass ein bösartiger Tumor vorliegt. Die Untersuchung einer Gewebeprobe ist aber wichtig, um die biologischen Eigenschaften einer Geschwulst aufzuklären. Sie erlaubt vor allem die Klärung der Frage, ob die Veränderung gut- oder bösartig ist.

Ursprung des Tumors

Sollte eine bösartige Erkrankung vorliegen, können Pathologen meist bereits an kleinen Gewebeproben erkennen, um welche Zellart es sich handelt. So lässt sich oft feststellen, von welchem Organ oder Gewebe die Zellen stammen. Handelt es sich bei einem Tumor in der Leber um echten Leberkrebs, der aus dem Lebergewebe entstanden ist? Oder liegen Lebermetastasen vor, deren Zellen ursprünglich etwa von einem Darmtumor stammen, der in die Leber gestreut hat? Vor allem bei Tumoren in Lunge, Leber, Gehirn oder Knochen ist diese Unterscheidung zwischen neu entstandenem Primärtumor und Metastasen eines Tumors in einem anderen Organ wichtig für die Behandlungsplanung.

Auch gibt es Organe, in denen Tumoren aus verschiedenen Geweben hervorgehen können. Ein Beispiel: Die meisten Tumoren im Magen gehen von den Schleimhautzellen der Mageninnenwand aus und sind sogenannte Adenokarzinome. Es gibt jedoch auch Tumoren des Lymphgewebes im Magen, die sogenannten MALT-Lymphome. Weichgewebstumoren oder Sarkome des Magens können vom Muskelgewebe ausgehen (Leiomyosarkome) oder als gastrointestinale Stromatumoren aus anderen Zellen des Binde-und Stützgewebes entstehen.
Diese unterschiedlichen Tumorformen müssen auch unterschiedlich behandelt werden.

Differenzierungsgrad des Tumors

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Darüber hinaus können Pathologen anhand einer Gewebeprobe auch bestimmen, wie sehr sich die Tumorzellen von gesundem Gewebe der gleichen Herkunft unterscheiden. Gesunde Zellen sind reif, sie sind in der Lage, die für ihr Gewebe typischen Aufgaben zu erfüllen. Der Fachausdruck dafür lautet ausdifferenziert. Tumorzellen bilden diese Eigenschaften oft nicht mehr aus, wegen ihrer häufigen Teilungen bleiben sie mehr oder weniger "unreif". Für diesen Reife- oder Differenzierungsgrad existieren international übliche Eingruppierungen, das sogenannte "Grading". Es gibt an, inwieweit das Tumorgewebe im Vergleich zu normalem Gewebe verändert ist, und liefert so Hinweise auf die biologischen Eigenschaften und die Aggressivität des Tumors. Mit Hilfe dieser Angaben können die Erfolgsaussichten einer Behandlung besser abgeschätzt werden.

Typische Merkmale bestimmter Krebsformen

Manche Krebsformen haben charakteristische Merkmale, die sie besonders angreifbar für das eine oder andere Therapieverfahren machen. In molekularbiologischen Tests werden daher auch solche Eigenschaften anhand des Biopsiematerials überprüft. Zellen einer bestimmten Brustkrebsform sowie manche Magenkarzinome tragen beispielsweise auf ihrer Oberfläche vermehrt so genannte HER-2-Rezeptoren. In hoher Anzahl fördern diese "Antennen" das schnelle und unkontrollierte Wachstum des Tumors. Sie können aber durch einen Antikörper blockiert werden, wodurch das Wachstum des Tumors gehemmt wird. Der Antikörper ist seit einiger Zeit als Medikament zugelassen. Bei Patientinnen und Patienten, bei denen diese Veränderungen nicht vorliegen, ist eine Antikörperbehandlung jedoch unwirksam. Die Ergebnisse der Untersuchung des bei der Biopsie gewonnenen Materials sind in diesem Fall entscheidend für die richtige Therapiewahl.

Praktische Informationen: Wohin gehen für eine Biopsie?

In der Regel kann die Zell- oder Gewebeentnahme ambulant in einer Arztpraxis erfolgen. Häufig reicht eine örtliche Betäubung aus. Nur selten, bei aufwändigeren Eingriffen, ist eine Kurznarkose notwendig. Auch dann können viele Patienten eine Biopsie ambulant durchführen lassen; sie sollten dann aber nicht ohne Begleitung nach Hause gehen oder selbst Auto fahren.
Hausärzte, die oft nicht über die notwendige Ausstattung verfügen, überweisen zu einem Facharzt, beispielsweise einem Chirurgen. Die meisten Hautärzte und viele Frauenärzte können kleinere Biopsien selbst durchführen. Viele Internisten und einige weitere Fachärzte verfügen über eine Zusatzqualifikation und die Ausrüstung, die ihnen die Entnahme von Gewebeproben zum Beispiel bei einer Magen- oder Darmspiegelung ermöglicht. Einige Biopsieverfahren sollten allerdings nur in besonders qualifizierten Zentren mit entsprechender Geräteausstattung und Erfahrung durchgeführt werden. Das gilt etwa bei Verdacht auf ein Weichteilsarkom.

Ein stationärer Krankenhausaufenthalt kann allerdings auch bei eigentlich wenig belastenden Biopsien notwendig werden, wenn der Gesundheitszustand des Betroffenen schlecht ist, oder wenn aufgrund von Vorerkrankungen auch bei kleinen Eingriffen ein hohes Risiko für Komplikationen besteht. Wichtig ist auch, ob eine Narkose notwendig ist und wie gut ein Patient diese voraussichtlich vertragen wird.
Vor den meisten Biopsien wird Blut entnommen. Das kann oft schon beim Hausarzt geschehen. Durch die Untersuchung der Blutprobe wird unter anderem sichergestellt, dass der Patient keine Probleme mit der Blutgerinnung hat. Beim vorbereitenden Gespräch fragt der Arzt auch danach, ob man gerinnungshemmende Medikamente einnimmt. Je nach Medikament und Art des Eingriffs kann es sein, dass der Arzt empfiehlt, die Einnahme vor der Biopsie zu unterbrechen oder kurzfristig auf ein anderes Medikament umzusteigen. So soll sichergestellt werden, dass es bei einer Biopsie nicht zu stärkeren Blutungen kommt.
Ob, und wenn ja, welche weiteren Voruntersuchungen notwendig sind, darüber werden Patienten rechtzeitig vorab informiert.

Wie lange dauert eine Biopsie? Was muss man danach beachten?

Die Dauer einer Biopsie hängt von der jeweiligen Technik sowie vom Organ oder Körperteil ab, das die verdächtige Veränderung aufweist. Wie viel Zeit Patienten einplanen müssen und ob sie nach einem ambulanten Eingriff am gleichen Tag wieder zur Arbeit können, sollte mit dem behandelnden Arzt vorab besprochen werden. Er klärt auch über mögliche Komplikationen auf und erläutert, ob es bestimmte Verhaltensmaßregeln für die Tage nach der Biopsie gibt.

Biopsieverfahren: Worin unterscheiden sie sich?

Keine Biopsie ohne Gewebeuntersuchung

Entnommenes Gewebe wird immer feingeweblich untersucht, auch wenn eine Veränderung vollständig entfernt wurde.

Welches Biopsieverfahren in welcher Situation für Patienten am sinnvollsten ist, lässt sich nur in einem individuellen Gespräch mit dem behandelnden Arzt klären. Je nachdem welches Organ betroffen ist und welche Fragestellung geklärt werden soll, können unterschiedliche Biopsiemethoden notwendig sein. Die folgende Aufzählung verschiedener Methoden dient als Hintergrundinformation.

Manchmal reicht es für eine Diagnose aus, Proben mit nur wenigen, einzelnen Zellen zu begutachten. Fachleute sprechen dann von "Zytologie". Oft kann ein genauer Befund aber nur an einem Zellverband, also an einem vollständigen Gewebestück, beurteilt werden. Die Untersuchung von Gewebe bezeichnen Fachleute als "Histologie". Je nachdem ob Zellen oder Gewebe entnommen werden, kommen unterschiedliche Verfahren in Frage. Ungeachtet dessen, welche Methode zum Einsatz kommt: Jede Gewebeprobe wird nach der Entnahme aufgearbeitet und feingeweblich untersucht.

Nadelbiopsien: Feinnadel-, Stanz- und Vakuumbiopsie

Um einzelne Proben aus einem verdächtigen Bereich zu gewinnen, wird eine Biopsie häufig mit Hilfe von Hohlnadeln durchgeführt. Im Inneren der Nadel finden sich nach dem Herausziehen einzelne Zellen oder ein kleiner Gewebezylinder. Diese Methode ist weniger belastend und birgt weniger Risiken als eine "offene" Operation. Sie hinterlässt in der Regel, wenn überhaupt, nur sehr kleine Narben. Vor dem Einstechen der Nadel kann zumindest die Haut mit einer lokalen Betäubung schmerzunempfindlich gemacht werden.

Feinnadelaspirationsbiopsie (auch Feinnadelbiopsie oder Feinnadelpunktion genannt): Wird eine Biopsie mithilfe einer Feinnadel (Punktionskanüle) durchgeführt, sprechen Fachleute auch von einer Punktion. Sie erfolgt mit dünnen Hohlnadeln. Die Zellen werden durch die Kanüle angesaugt und anschließend zytologisch untersucht. Die Punktion ist besonders für die Untersuchung von nicht sehr festen Geweben wie etwa dem Knochenmark oder zur Gewinnung von Zellen aus Körperflüssigkeiten geeignet. Weitere Einsatzgebiete sind zum Beispiel tumorverdächtige Knoten in der Schilddrüse, in der Lunge oder in der Bauchspeicheldrüse.

Stanzbiopsie: Reichen einzelne Zellen für die Diagnose nicht aus, sondern sind Informationen über den Aufbau eines Zellverbandes in verändertem Gewebe notwendig, so führt der Arzt meist eine Stanzbiopsie durch. Dieses Verfahren ist beispielsweise zur Abklärung von Veränderungen in der Brust oder Prostata üblich. Dabei werden mit einer dickeren Nadel mehrere Zylinder zusammenhängenden Gewebes aus dem verdächtigen Bereich heraus gestanzt. Die Ärzte arbeiten dabei nur selten "blind": Bei einer Punktion etwa der Brust oder der Prostata nutzen sie für eine bessere Treffsicherheit bildgebende Verfahren, darunter Ultraschall, Röntgenstrahlen oder die Magnetresonanztomographie (MRT). Feinnadelbiopsien und Stanzbiopsien können in der Regel ambulant durchgeführt werden, allerdings meist nur in spezialisierten Praxen oder Klinikambulanzen.

Vakuumbiopsie: Im Gegensatz zur Stanzbiopsie erlaubt die Vakuumbiopsie die computergesteuerte und sehr exakte Entnahme von mehr Gewebe. Viele Praxen und Klinikambulanzen verfügen heute über die entsprechende technische Ausrüstung.
Die Vakuumbiopsie wird vor allem bei Patientinnen mit Brustkrebsverdacht empfohlen, bei denen sich auf den Mammographie-Aufnahmen Mikrokalk zeigt. Die Haut wird örtlich betäubt. Dann lenkt ein angeschlossener Computer die Biopsienadel gezielt an die verdächtige Stelle, zur Orientierung dient das Mammographie-Bild. Unter Unterdruck (Vakuum) wird Gewebe durch eine seitliche Öffnung in die Nadel gesaugt, abgetrennt und nach außen transportiert. Der Vorgang wird wiederholt, bis mehrere Proben entnommen sind.

Exzisionsbiopsie

Unterschied Exzision und Inzision

Exzisionsbiopsie: Vollständiges Herausschneiden einer Gewebeveränderung

Inzisionsbiopsie: Herausschneiden eines Teils einer Gewebeveränderung

Auffällige Veränderungen werden oft komplett herausgeschnitten, vor allem, wenn sie leicht zugänglich und klein sind. Fachleute sprechen von einer Exzisionsbiopsie (Exzision: Ausschneidung), im Gegensatz zur Inzisionsbiopsie, bei der nur ein Teil der Veränderung entnommen wird.

Die Exzisionsbiopsie liefert Zellen im größeren Gewebeverbund, unter Umständen auch mit benachbartem Bindegewebe, Muskeln, Nervengewebe und Blutgefäßen. Der Eingriff erfolgt  ambulant unter lokaler Betäubung, wenn es der Gesundheitszustand des Patienten erlaubt. Je nach Ausmaß kann bei dieser Art der Gewebeentnahme auch eine Kurznarkose erforderlich sein.

Ein Beispiel für eine Exzisionsbiopsie ist die so genannte Konisation, bei der Krebsvorstufen und frühe Tumorstadien am Gebärmutterhals (In-situ Karzinom)  kegelförmig herausgeschnitten werden. Hierfür verwendet der Operateur heute in der Regel eine elektrische Hochfrequenzschlinge ("Loop-Exzision"). Die "Messerkonisation" mit dem Skalpell wenden Ärzte nur noch in Ausnahmefällen an. Die Biopsie zur Diagnosestellung ist, wenn alles erkrankte Gewebe entfernt wurde, hier gleichzeitig auch die Therapie.

Ebenfalls vollständig ausgeschnitten werden kleinere Hautveränderungen, die sich gut und voraussichtlich ohne große Narbenbildung vollständig entfernen lassen, und Hautveränderungen, bei denen der Verdacht auf ein malignes Melanom besteht.

Knipsbiopsie

Als Knipsbiopsie bezeichnet man umgangssprachlich die Gewebeentnahme mit einer kleinen Zange. Sie führen Frauenärzte beispielsweise durch, um ein kleines, verdächtiges Gewebsstück aus dem Gebärmutterhals zu entnehmen. 

Endoskopische Biopsie

Endoskopische Biopsie: Beispiele

Um Gewebeproben aus Magen, Darm oder Blase zu gewinnen, muss die Bauchhöhle nicht eröffnet werden. Die Biopsie erfolgt mit Hilfe eines weichen biegsamen Schlauchs, dem Endoskop. Den mit einer winzigen Kamera und einer Lichtquelle ausgestatteten Schlauch führt der Arzt vorsichtig in Magen, Darm oder Blase ein. Über einen Bildschirm kann er die Schleimhäute in diesen Hohlorganen genauestens betrachten und so die Biopsie entsprechend steuern.
Endoskopische Eingriffe sind fast immer ambulant durchführbar. Wie die Vorbereitung aussieht, etwa die Darmreinigung vor einer Darmspiegelung, erfahren Patienten beim Vorgespräch.
Während einer Magenspiegelung ist es wichtig, den Würgereiz zu unterdrücken. Patienten erhalten daher ein betäubendes Spray in Mund und Rachen, bevor das Endoskop eingeführt wird. Die Darmspieglung ist an sich ohne Betäubung möglich – die Entnahme von Gewebeproben ist nicht schmerzhaft. Bei beiden Untersuchungen bevorzugen viele Patienten aber eine leichte Narkose, um von der Untersuchung an sich möglichst wenig mitzubekommen. Bei der Blasenspiegelung wird ein betäubendes Gel auf das Endoskop aufgetragen, da die Harnröhre eng und empfindlich ist.
Ein Arbeitskanal innerhalb des Endoskops ermöglicht es dem Arzt bei diesen Untersuchungen, kleine Instrumente durch den Schlauch einzuführen und so Gewebeproben zu entnehmen. Bei Geschwüren in Magen und Harnblase werden Proben mit einer kleinen Zange abgezwickt (Knipsbiopsie). Ragt die Veränderung dagegen aus der Gewebsoberfläche hervor, kann der Arzt sie auch unter Zuhilfenahme einer elektrischen Hochfrequenzschlinge vollständig abtrennen. Ein Beispiel ist die Entfernung von Polypen im Dickdarm: Da Darmpolypen als Krebsvorstufe gelten, ist hier die Biopsie oder Polypektomie gleichzeitig auch die Therapie, weil das veränderte Gewebe meist ganz entfernt werden kann.

Zellabstrichuntersuchung

Während die meisten Biopsien erst bei Vorliegen einer auffälligen Veränderung durchgeführt werden, so erfolgt die Zellabstrichuntersuchung des Gebärmutterhalses (Pap-Test, Exfoliativzytologie) als Maßnahme der "Krebsvorsorge". Im Rahmen der gesetzlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchung streicht der Arzt mit einem Bürstchen oder Spatel locker aufsitzende, einzelne Zellen von der Schleimhaut des Gebärmutterhalses ab und überträgt sie auf einen Objektträger. Der Eingriff ist völlig schmerzlos. Nur wenn der Pathologe krankhaft veränderte Zellen in der Probe findet, muss unter Umständen eine kleine Gewebeprobe entnommen werden.

Kürettage

Um bösartige Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut auszuschließen, führt der Arzt eine so genannte Ausschabung durch, die Kürettage, auch Abrasio genannt. Hierfür schabt er mit einem löffelartigen Instrument vorsichtig die Schleimhaut der Gebärmutter zur feingeweblichen Untersuchung aus. Der Eingriff dauert zwischen fünf und zehn Minuten und kann unter Kurznarkose oder örtlicher Betäubung ambulant oder unter Umständen auch während eines kurzen Krankenhausaufenthaltes erfolgen.  

Wächterlymphknotenbiopsie

Als Wächterlymphknoten oder auch "Sentinel-Node" bezeichnet man den oder die ersten Lymphknoten im Lymphabflussgebiet eines Tumors. Man geht davon aus, dass wandernde Tumorzellen sich zunächst in diesen Lymphknoten ansiedeln. Bei der Wächterlymphknotenbiopsie wird dieser Lymphknoten zunächst markiert. In einer Operation entfernen Ärzte die markierten Lymphknoten vollständig - es genügt nicht, nur eine Probe daraus zu entnehmen. Ein Pathologe untersucht anschließend das Gewebe auf Tumorzellen. Ist der Wächterlymphknoten tumorfrei, sind höchstwahrscheinlich auch nachgeschaltete Lymphknoten frei von Tumorzellen. Einsatzgebiete der Wächterlymphknotenbiopsie sind zum Beispiel Brustkrebs oder das Melanom, schwarzer Hautkrebs.

Nebenwirkungen und Risiken: Kann eine Biopsie zu Komplikationen führen?

Zellstreuung bei der Biopsie

Das Risiko einer Tumorzellstreuung spielt nur bei wenigen Tumorarten eine Rolle.

Die Gewinnung einer Gewebeprobe ist unabhängig von dem angewendeten Verfahren ein relativ kleiner Eingriff. Abgesehen von der manchmal erforderlichen Kurznarkose gelten Biopsien als nur wenig belastend. An der Stelle der Gewebeentnahme kann es zu Blutergüssen oder kurzzeitig zu Blutungen kommen, weshalb die Bestimmung der Gerinnungswerte aus einer Blutprobe vor den meisten Biopsien durchgeführt wird. Möglichen Infektionen wird durch die Einnahme von Antibiotika vorgebeugt. Andere mögliche Komplikationen sind abhängig von Art und Ort des Eingriffs. Wie diesen vorgebeugt werden kann und ob besondere Maßnahmen nach der Biopsie notwendig sind, wie zum Beispiel körperliche Schonung, darüber informiert der behandelnde Arzt.

Nach der Entfernung von Wächterlymphknoten  kann sich die Lymphflüssigkeit aufstauen, was zu Gewebeschwellungen führt. Weitere Informationen zu solch einem Lymphödem hat der Krebsinformationsdienst im Text "Lymphödeme bei Krebspatienten: Verhindern, erkennen, behandeln" zusammengestellt.

Verschleppung von Tumorzellen

Immer wieder befürchten Patienten, dass durch die Gewebeentnahme Tumorzellen an einen anderen Ort im Körper verschleppt werden, wo sie sich erneut ansiedeln. Bisherige Untersuchungen zeigen aber, dass verschleppte Tumorzellen an einer anderen Stelle im Körper nur bei wenigen Tumorarten anwachsen können.

Biopsien scheinen zum Beispiel bei Brustkrebs und Prostatakrebs kein Risiko darzustellen: Obwohl bei diesen beiden Krebsarten die meisten Biopsien in der Diagnostik durchgeführt werden, gibt es keine Hinweise darauf, dass verschleppte Tumorzellen für den weiteren Krankheitsverlauf eine Rolle spielen.

Beim "schwarzen Hautkrebs", dem malignen Melanom, wurde die Gefahr der Tumorzellverschleppung ebenfalls lange diskutiert. In Studien zeigte sich zwar, dass Patienten nach einer nur teilweisen Gewebeentnahme keine schlechtere Prognose hatten als Patienten nach sofortiger kompletter Entfernung eines verdächtigen Hautstücks. Dennoch entfernen Ärzte bei Melanomverdacht nach Möglichkeit sofort den gesamten Bereich und nicht nur eine Probe. Hauptgrund ist, dass ein Pathologe so den kompletten Tumor auf seine Eigenschaften hin prüfen kann, und weniger die Angst vor einer Tumorzellverschleppung.

Bei Verdacht auf ein Pleuramesotheliom, einer bösartigen Erkrankung des Brust- oder Rippenfells, führen Ärzte eine Thorakoskopie durch. Bestätigt sich die Krebsdiagnose, wird der Patient in einigen Ländern, zum Beispiel in den USA, an den Punktionsstellen bestrahlt. Man erhofft sich, so eventuell verschleppte Krebszellen abzutöten. Experten in Europa diskutieren jedoch, ob eine solche vorsorgliche Bestrahlung den weiteren Krankheitsverlauf des Patienten überhaupt beeinflusst. Daher ist die Nachbestrahlung bei Patienten mit Pleuramesotheliom nicht grundsätzlich empfohlen.

Ein Beispiel für eine Tumorart, bei der das Risiko einer Tumorzellverschleppung dagegen nicht ausgeschlossen ist, ist das Weichteilsarkom: Bei der Nadelbiopsie bleiben unter Umständen Zellen im Einstichkanal hängen. Sie könnten dazu führen, dass der Tumor nach einiger Zeit an dieser Stelle wiederkehrt. Solche verschleppten Tumorzellen siedeln sich jedoch anscheinend nur in Ausnahmefällen an. Um die Gefahr einer Tumorzellstreuung zu verringern, wird bei Verdacht auf ein Weichteilsarkom die Nadel zur Gewinnung der Gewebeprobe nicht direkt eingestochen, sondern durch eine hohle, möglichst dünne Führungsnadel gezogen. Sollte sich eine Geschwulst als bösartig erweisen, wird außerdem der Einstichkanal bei einer nachfolgenden Operation mit entfernt. So sinkt das Risiko für sogenannte Stichkanalmetastasen weiter.

Ärzte klären Patienten mit Krebsverdacht vor der Gewebeentnahme über mögliche Risiken und Vorbeugungsmaßnahmen auf.

Sicherheit: Wie zuverlässig sind die Ergebnisse einer Biopsie?

Bildgebende Verfahren

Sie helfen Ärzten dabei, verdächtiges Gewebe gezielt zu entnehmen.

Voraussetzung für ein verlässliches Ergebnis einer Biopsie ist, dass die Gewebeprobe tatsächlich aus dem fraglichen Bereich entnommen wurde. Ist die verdächtige Veränderung nicht wie etwa bei Hautkrebs von außen sichtbar, oder lässt sie sich nicht völlig zweifelsfrei durch die Haut tasten, arbeiten Ärzte unter Kontrolle mittels bildgebender Verfahren: So können sie das betreffende Organ und häufig auch den verdächtigen Bereich sehen und das Instrument für die Biopsie unter Sichtkontrolle einsetzen. Die Gefahr sinkt, dass versehentlich andere Organe, Blutgefäße oder Nerven verletzt werden.

Je nach Organ werden unterschiedliche zusätzliche Diagnoseverfahren zur Orientierung genutzt: Bei einem Knoten in der Brust erfolgt der Eingriff beispielsweise unter Ultraschallkontrolle oder unter Röntgensicht mittels Mammographie. Nicht tastbare Veränderungen, die sich zum Beispiel nur auf Röntgenbildern zeigen, werden vor der Biopsie markiert, etwa mit einem Metalldraht, der im Röntgenbild bei der gesteuerten Biopsie ebenfalls sichtbar ist.
Konnte genügend Gewebe entnommen werden, reicht in der Regel eine einzelne Biopsie für eine sichere Diagnose aus.

Bei manchen Tumorarten müssen allerdings zur Abklärung auf jeden Fall mehrere Proben entnommen werden. Dies gilt zum Beispiel dann, wenn der Verdacht auf ein Prostatakarzinom vorliegt. Der Grund hierfür: Zwar lässt sich die Prostata in bildgebenden Verfahren gut darstellen und auch von der benachbarten Harnröhre und weiteren Strukturen abgrenzen. Viele Gewebeveränderungen in der Prostata selbst sind jedoch für den Arzt nicht sichtbar. Auch beim gängigsten Biopsieverfahren unter Ultraschallkontrolle vom Enddarm aus müssen Ärzte daher nicht selten "blind" Gewebeproben aus verschiedenen Bereichen der Drüse entnehmen, um mit größerer Wahrscheinlichkeit auf eventuell vorhandenes Tumorgewebe zu treffen. Prostataexperten arbeiten daher mit Hochdruck daran, die bildgebenden Verfahren weiterzuentwickeln. Ziel ist es, Gewebeveränderungen in der Prostata besser von gesunden Bereichen abgrenzen zu können und unnötige, weil eher ungezielte Einstiche in Zukunft zu vermeiden.

Ergebnisse: Wie lange dauert es, bis ein Befund vorliegt?

Wie lange es dauert, bis der Befund einer Biopsie vorliegt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Soll ein Krebsverdacht abgeklärt werden, liegen die Ergebnisse bei Routineuntersuchungen in der Regel nach zwei bis drei Tagen vor. Muss die Probe eingeschickt werden, kommt die Zeit des Versands hinzu. Je nach Krebsart können weitere, unterschiedlich umfangreiche mikroskopische und/oder molekularbiologische Untersuchungen für die Diagnosestellung oder den Ausschluss einer Tumorerkrankung nötig werden. Der Arzt kann Auskunft geben, wie lange man voraussichtlich auf seine Ergebnisse warten muss.
Bei manchen Tumorarten wird die Probe auch an ein hochspezialisiertes Labor mit besonders viel Erfahrung geschickt, ein so genanntes Referenzlabor. Ist eine Diagnose nicht ganz eindeutig, wird sogar ein zweites Referenzlabor um eine Beurteilung gebeten. Deshalb kann es je nach Situation auch einige Zeit dauern, bis Patienten die endgültigen Ergebnisse der Biopsie erhalten.

Schnellschnittuntersuchung

Eine Ausnahme ist die Schnellschnittdiagnostik: Mit ihr lässt sich die Ausbreitung eines Tumors während eines operativen Eingriffs bestimmen (intraoperatives Staging). Dies ist zum Beispiel in Situationen besonders wichtig, in denen es um die Vermeidung sehr belastender Eingriffe geht. Innerhalb weniger Minuten wird eine entnommene Gewebeprobe von einem Pathologen aufgearbeitet. Er kann dann zum Beispiel sagen, ob ein Tumor schon vollständig entfernt wurde und ob die Ränder der Probe schon „im Gesunden“ liegen, oder ob noch weiteres bösartiges Gewebe zurückgeblieben ist. So kann eine Biopsie beispielsweise gleich in einen größeren Eingriff übergehen, und das Ergebnis der Gewebeanalyse wird bei der Planung und Durchführung der laufenden Operation noch berücksichtigt.

Im Vergleich zur herkömmlichen histologischen Untersuchung birgt dieses Verfahren allerdings eine höhere Fehlerquote: Nicht ausgeschlossen ist, dass sich im Schnellschnitt anhand weniger Schnittebenen zunächst als gutartig beurteiltes Gewebe bei endgültiger Aufarbeitung doch als bösartig erweist oder umgekehrt. Aus diesem Grund erfordern Schnellschnittuntersuchungen besonders viel Erfahrung des Pathologen. Auch ersetzt eine Schnellschnittuntersuchung nicht die üblichen Tests: Eine genaue Aufarbeitung und Beurteilung des gewonnenen Materials erfolgt zusätzlich nach dem Eingriff. Nicht jede Erkrankung und jedes Gewebe ist für eine Schnellschnittuntersuchung geeignet.

Rechtliche Aspekte: Wem gehört das Biopsiematerial?

Zur Übersicht

Die Frage nach den Rechten an entnommenem Tumormaterial, nach dem Eigentümer von aufgearbeiteten Präparaten und Proben ist nicht ganz einfach zu beantworten. Moderne Untersuchungsverfahren haben ihr jedoch eine neue Bedeutung verliehen: Es gibt immer mehr Tests, die sich auch noch an konserviertem oder anderweitig aufbewahrtem Gewebe durchführen lassen, manche davon sogar noch Jahre nach der Probenentnahme. Entsprechende Tests sind oft Voraussetzung für die Behandlung mit sogenannten zielgerichteten Medikamenten. Wichtig kann dies für Patienten mit einem Rückfall werden, die mit solchen neuen Medikamenten behandelt werden sollen: Haben sie Zugriff auf noch vorhandenes Material, erspart ihnen dies eventuell eine erneute Probenentnahme. Eine pauschale Auskunft, ob solche nachträglichen Untersuchungen sinnvoll sind, oder ob bei einem Rückfall nicht auch die Diagnostik vollständig neu geplant werden muss, lässt sich jedoch nicht geben.

Entnommenes Tumorgewebe ist zunächst Eigentum des Patienten und nicht des behandelnden Arztes, des Pathologen oder der Klinik. Der Patient kann sich dieses daher jederzeit aushändigen lassen, um zum Beispiel die Meinung eines zweiten Pathologen einzuholen. Wie aber sieht es mit aufbewahrtem Material aus?

  • Frisches, eingefrorenes oder in Paraffin konserviertes, aber ansonsten nicht weiter bearbeitetes Gewebe bleibt das Eigentum des Patienten. Es wird aber in der Regel von einer Klinik oder einem Labor für ihn aufbewahrt.
  • Nicht als Tumorgewebe gelten aus der Probe angefertigte Schnittpräparate, die zur mikroskopischen Untersuchung auf Objektträger aufgetragen wurden. Da das Tumormaterial verarbeitet wurde, gehören sie nach §950 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB, www.gesetze-im-internet.de/bgb/) nicht mehr dem Patienten, sondern sind Eigentum des pathologischen Instituts, das die Schnitte angefertigt hat. Für eine Zweitbegutachtung können sie vom Patienten allerdings jederzeit angefordert werden, eventuell gegen Zahlung einer Gebühr. Sie eignen sich aber nicht für die Durchführung neuer Untersuchungen.
  • Rechtlich oft nicht eindeutig ist die Situation, wenn ein Patient der Entnahme und Weiterverarbeitung von Gewebe zu wissenschaftlichen Zwecken zugestimmt hat. Da in der Krebsforschung sogenannte Tumorbanken immer wichtiger werden, kommt diese Situation häufiger als noch vor einigen Jahren vor.

Lagerung von Gewebeproben

Frisches, nicht aufbereitetes Tumorgewebe wird zur Aufbewahrung in flüssigem Stickstoff schockgefroren und bei minus 80 Grad Celsius gelagert. Eine früher gängige und auch heute noch mögliche Aufbewahrungsmethode ist es, Tumorgewebe in Paraffinblöcken einzubetten und zu konservieren. Es gibt in Deutschland bisher keine verpflichtenden Vorgaben für die Dauer der Aufbewahrung in Tumorbanken der pathologischen Institute. Die Lagerung wird daher unterschiedlich gehandhabt und kann zwischen zwei und 30 Jahre betragen. Nur für konservierte Schnittpräparate gilt: Diese muss das zuständige pathologische Institut mindestens zehn Jahre lagern.

  • Da die Langzeitlagerung von Tumorproben erst vor wenigen Jahren eingeführt wurde, sind vor längerer Zeit entnommene Gewebeproben möglicherweise nicht mehr verfügbar.

Untersuchungen noch später möglich

Einige Untersuchungen zur genauen Beurteilung einer Krebserkrankung können noch Jahre später an fachgemäß gelagertem Tumormaterial erfolgen: So ist zum Beispiel der Nachweis der als HER-2 bezeichneten Zelloberflächenmoleküle, die gehäuft bei einer bestimmten Brustkrebsform und bei manchen Patienten mit Magenkrebs vorkommen, auch an eingefrorenen Tumorproben möglich; er "funktioniert" sogar häufig noch an in Paraffin eingebettetem, älterem Material.

Forschung: Wozu dienen Tumor- und Biobanken?

Tumormaterial, das im Rahmen der Behandlung von Krebspatienten entnommen und bereits untersucht wurde, kann für mögliche spätere klinisch-diagnostische Untersuchungen in einer so genannten Tumorbank aufbewahrt werden. Die oft zeitlich begrenzte Lagerung des Tumormaterials übernimmt hier in der Regel das pathologische Institut, das auch die Gewebeprobe aufgearbeitet und untersucht hat.

Tumormaterial für die Wissenschaft: Nicht ohne Einwilligung des Spenders

Biobanken dienen vorwiegend wissenschaftlichen Zwecken

Hat ein Patient restliches Gewebematerial gespendet, tritt er damit auch seine Rechte ab.

Ist nicht alles Material für diagnostische Zwecke notwendig, so kann das Restgewebe unter bestimmten Bedingungen auch der Krebsforschung zur Verfügung gestellt werden. Allerdings muss der Patient dazu seine Einwilligung geben.

In Deutschland nimmt die Zahl der Tumorbanken zu. Noch stehen sie allerdings nicht flächendeckend zur Verfügung. Die bislang vorhandenen Einrichtungen unterscheiden sich aber in ihrem Angebot: So richtet sich beispielsweise das privat gegründete Projekt PATH ausschließlich an Brustkrebspatientinnen (Patienteneigene Tumorbank der Hoffnung, www.stiftungpath.org). Das aufbewahrte Material dient hier nicht nur der Forschung: Patientinnen, die ihr Tumormaterial bei "PATH" eingelagert haben, können dies jederzeit für klinische Untersuchungen anfordern.

Andere Gewebesammlungen umfassen dagegen Probenmaterial unterschiedlicher Tumorarten. Das aufbewahrte Material dient meist dazu, wissenschaftliche Fragestellungen in der Krebsforschung zu klären. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Biobanken: Biobanken gewinnen für die medizinisch-wissenschaftliche Forschung immer mehr an Bedeutung. Laut Definition des Deutschen Ethikrates (www.ethikrat.org) handelt es sich um Sammlungen von Proben menschlicher Körpersubstanzen, wie Gewebe, Blut oder Erbmaterial (DNA).
Die Gewebeproben, wie zum Beispiel Tumormaterial, sind mit persönlichen Daten, wie Geschlecht oder Alter, aber auch mit gesundheitsbezogenen Angaben zum Spender verknüpft. Dies ist für die Forschung wichtig: Aus einer umfassenden Sammlung verschiedener Gewebeproben einer Krebsart und Hintergrundinformationen zum dazugehörigen Spender können wichtige Erkenntnisse zu möglichen Ursachen der Erkrankung gewonnen werden. Je mehr Faktoren bekannt sind, die zur Entstehung einer Krebserkrankung beitragen, desto gezielter können neue Vorbeugungsmaßnahmen getroffen und neue Diagnose- und Therapiemethoden entwickelt werden. Um die Anonymität des Spenders zu wahren, werden die Gewebeproben nicht mit seinem Namen versehen, sondern mit einem Nummerncode. Die Identität des Spenders kann so nur von einem bestimmten, streng limitierten Personenkreis aufgedeckt werden.

Stellungnahme des Deutschen Ethikrates zu Biobanken

Zum Schutz der Patienten fordert der Ethikrat gesetzliche Regelungen zum Umgang mit gespendetem Gewebematerial.

Bevor Patienten einwilligen, entnommenes Gewebe der Wissenschaft zu spenden, klärt der Arzt sie über Ziele und Nutzen möglicher experimenteller Untersuchungen auf. Dies ist allerdings nur in einem begrenzten Umfang möglich: Eventuell ergeben sich zukünftig neue Forschungsaspekte, an die zum Zeitpunkt der Biopsie noch niemand gedacht hat. Zum Schutz des Patienten fordert der Deutsche Ethikrat in einer Stellungnahme daher klare gesetzliche Regelungen für die Forschung mit Biobanken. Bislang gibt es in Deutschland keine entsprechenden rechtlichen Vorgaben.
Unter anderem schlägt der Rat vor, ein sogenanntes Biobankgeheimnis einzuführen. Dies soll garantieren, dass die Proben, solange sie vorhanden sind, tatsächlich nur der Wissenschaft zur Verfügung stehen. Darüber hinaus soll allen Personen eine Schweigepflicht auferlegt werden, die mit der Gewebeprobe arbeiten und die persönlichen Angaben des Spenders kennen. Ebenfalls  müsse untersagt sein, dass Dritte außerhalb des Wissenschaftsbereichs Zugriff auf personenbezogene Proben und/oder Daten haben. Die vollständige Stellungnahme zu Biobanken ist als PDF-Datei auf der Internetseite des Ethikrates (www.ethikrat.org) abrufbar, unter www.ethikrat.org/dateien/pdf/stellungnahme-humanbiobanken-fuer-die-forschung.pdf.

Spender trägt zur Forschung für die Allgemeinheit bei

Nicht immer profitiert der Spender persönlich von Forschungsergebnissen, die anhand seiner Gewebeprobe gewonnen wurden. Doch trägt er möglicherweise dazu bei, dass anderen, zukünftigen Krebspatienten aufgrund der neuen Erkenntnisse besser geholfen werden kann.

Weiterführende Informationen und Quellen

Die folgenden Linktipps stellen eine Auswahl genutzter Quellen dar. Nicht aufgeführt sind Lehrbücher und weitere Grundlagenliteratur zur Biopsie. Die genannten Internetseiten bieten Interessierten die Möglichkeit, sich weiter einzulesen.

Für Interessierte und Fachkreise

Medizinische Leitlinien:
Medizinische Leitlinien bieten eine Orientierungshilfe für Ärzte. Sie enthalten unter anderem Empfehlungen, wie man bei Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung vorgehen kann und zeigen auf, in welcher Situation eine Biopsie in der Diagnostik sinnvoll sein kann. Leitlinien sind im Internet unter www.leitlinien.net.de zu finden. Mit der Stichwortsuche lassen sich Empfehlungen zu einem bestimmten Krankheitsbild abrufen. Informationen zum Stellenwert von Gewebeentnahmen stehen meist unter dem Abschnitt "Diagnostik". Die meisten medizinischen Leitlinien richten sich an Fachleute, einige wurden aber bereits für Patienten erstellt. Diese stehen unter dem Menüpunkt "Leitlinien für Patienten" zum Abruf bereit.

Portal zur Pathologie, Bundesverband Deutscher Pathologen:
Verschiedene Informationen zum Thema Pathologie bietet der Bundesverband Deutscher Pathologen e.V. Unter www.pathologie.de können sich Interessierte über die Arbeit von Pathologen informieren, den Fachärzten für Zell- und Gewebeuntersuchungen. Außerdem finden sich Links zu verschiedenen Organisationen der Pathologen.

Deutscher Ethikrat: Stellungnahme zu Biobanken:
Die Stellungnahme zu Biobanken ist als PDF-Datei auf der Internetseite des Ethikrates (www.ethikrat.org) abrufbar, unter www.ethikrat.org/dateien/pdf/stellungnahme-humanbiobanken-fuer-die-forschung.pdf.

Informationsplattform biotechnologie.de:
Die Initiative biotechnologie.de des Bundesministeriums für Bildung und Forschung informiert unter anderem zu Biobanken, unter  www.biotechnologie.de/BIO/Navigation/DE/Hintergrund/themendossiers,did=45394.html.