
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deBei der Behandlung von Tumoren im Stadium I und II steht an erster Stelle die vollständige Operation. Sie bietet eine Chance auf langfristige Heilung. Generell werden heute mehr Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom operiert als früher, aber immer noch ist dies nur bei weniger als einem Drittel der Patienten möglich. Sind die Tumoren im Wachstum weiter fortgeschritten, kommen Strahlentherapie und Chemotherapie zur Anwendung. Bei Vorliegen von Fernmetastasen dient die Behandlung in erster Linie der Vorbeugung und Linderung von krankheitsbedingten Beschwerden und der Erhaltung der Lebensqualität.
Noch nicht klar definiert ist die beste Behandlungsstrategie für Patienten mit geringem Lymphknotenbefall im Mediastinum auf der tumorbefallenen Seite. Hier stehen als Therapiemöglichkeiten eine alleinige Operation mit Nachbestrahlung, eine Operation mit vorheriger oder nachfolgender Chemotherapie oder kombinierter Chemostrahlentherapie oder aber eine alleinige Chemostrahlentherapie ohne Operation zur Auswahl. Die Wertigkeit der einzelnen Behandlungen muss noch in Studien geprüft werden. Alle Patienten in dieser Situation sollten im Rahmen von klinischen Studien behandelt werden.
Bei größeren Tumoren, die prinzipiell zwar noch operierbar sind, aber mit alleiniger Operation eine sehr ungünstige Prognose haben (fortgeschrittener Lymphknotenbefall im Mediastinum auf der tumorbefallenen Seite, Befall von Lymphknoten auf der anderen Seite des Mediastinums und geringes lungenüberschreitendes Tumorwachstum), erweist sich zunehmend eine der Operation vorgeschaltete Behandlung mit Chemotherapie oder einer Kombination von Chemo- und Strahlentherapie als vorteilhaft, eine sogenannte neoadjuvante Therapie. Ob die parallele Anwendung beider Verfahren sinnvoll ist oder die Durchführung von Chemotherapie und Strahlentherapie nacheinander, wird weiter untersucht. Nach der Operation kann eine weitere Strahlentherapie und/oder Chemotherapie den Behandlungserfolg festigen.
Örtlich weiter fortgeschrittene Tumoren mit Befall der Nachbarorgane und solche mit ausgedehnten Lymphknotenmetastasen (Stadium III B) lassen sich in den meisten Fällen nicht vollständig operieren. Hier – wie auch bei Patienten in eingeschränktem Allgemeinzustand, für die ein chirurgischer Eingriff zu belastend wäre -, kommt je nach Situation eine kombinierte Chemoradiotherapie oder eine alleinige Strahlenbehandlung in Frage. Die kombinierte Behandlung hat sich als wirksamer erwiesen und sollte bei gesundheitlich "fitten" Patienten bevorzugt werden.
Bereits zum Zeitpunkt der Krankheitsdiagnose sind bei mehr als der Hälfte der Patienten Tumorabsiedelungen (Metastasen) in anderen Organen nachweisbar, häufig im Knochengerüst (Knochenmetastasen) oder in der Leber (Stadium IV). Wesentliches Ziel der Behandlung ist die Vorbeugung und Linderung von tumor- und metastasenbedingten Beschwerden und die Vorbeugung von Komplikationen – die Palliation.
Die Bestrahlung des Tumors in der Lunge ist eine wirkungsvolle Methode, um Atemnot, Schmerzen und blutigen Auswurf zu lindern. Einzelne Metastasen, besonders solche im Gehirn, können auch operativ entfernt werden. Knochenmetastasen lassen sich ebenfalls gezielt angehen, um eine möglichst gute Lebensqualität zu erhalten. Auch die Chemotherapie hat hier heute einen festen Stellenwert, sofern der Allgemeinzustand die Behandlung erlaubt. Ihr Einfluss auf den Krankheitsverlauf ist zwar begrenzt, aber sie hat eindeutige Vorteile bezüglich der Vorbeugung von krankheitsbedingten Beschwerden und Komplikationen, also für die individuelle Lebensqualität. Die Chemotherapie beginnt am besten, solange der allgemeine Gesundheitszustand noch möglichst wenig beeinträchtigt ist und bevor tumorbedingte Symptome auftreten.
Unter den verfügbaren wirksamen Zytostatika sind Platinsalze (Cisplatin und Carboplatin) ein "Rückgrat" der Chemotherapie. Mit Platin können andere Substanzen kombiniert werden – schon länger eingesetzte Medikamente wie Ifosfamid, Mitomycin C, Vinblastin, Etoposid oder neuere Substanzen wie die Taxane, Vinorelbin oder Gemcitabin. Zweierkombinationen von Platin mit einem der neueren Zytostatika gelten als die derzeit effektivste Therapie. Auch Kombinationen ohne Platin sind möglich und wahrscheinlich kaum weniger wirksam, aber besser verträglich. Insbesondere bei älteren Patienten mit Begleiterkrankungen oder bei Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand, wird die Behandlung mit einem einzelnen der neueren Medikamente - meist Gemcitabin oder Vinorelbin - bevorzugt, um die Nebenwirkungen gering zu halten.
Meist werden zunächst sechs Zyklen Chemotherapie gegeben, falls der Tumor auf die Behandlung anspricht. Bei Unwirksamkeit bricht man die Behandlung früher ab, um die Patienten nicht unnötig zu belasten. Bei gutem Allgemeinzustand sollte ein Wechsel auf eine andere Chemotherapie erfolgen. Wenn der Tumor auf keine Chemotherapie anspricht, sind die Möglichkeiten begrenzt. Medikamente mit einem neuen Wirkungsmechanismus, die die Weiterleitung von Wachstumssignalen in den Tumorzellen bremsen, können hier bei einem Teil der Patienten noch eine Chance bieten, den Tumor und seine Symptome für gewisse Zeit zu kontrollieren. Insbesondere lebenslange Nichtraucher scheinen von diesem Therapieansatz deutlich und in erheblich größerem Maße als Raucher zu profitieren.
Der zu erwartende Nutzen einer Chemotherapie bei fortgeschrittener Erkrankung muss für jeden Einzelfall individuell und sorgfältig gegenüber den unerwünschten Wirkungen der Zytostatika und den Beeinträchtigungen der Lebensqualität abgewogen werden. Falls sich nach zunächst erfolgreicher Erstbehandlung mit Operation oder Strahlentherapie im weiteren Verlauf Metastasen entwickeln, gelten ähnliche Grundsätze wie bei fortgeschrittener Erkrankung.
Eine dauerhafte Heilung ist nur bei vollständiger Tumorzerstörung
möglich. Am ehesten gelingt dies durch die Operation. Die besten
Chancen bestehen bei Tumoren im Stadium I und II, wenn noch keine
Lymphknoten befallen sind. In örtlich fortgeschritteneren Stadien
ohne Möglichkeit der Operation lässt sich die Erkrankung durch
kombinierte Chemo- und Strahlentherapie für gewisse Zeit, bei einem
kleineren Teil der Patienten auch längerfristig, kontrollieren.
Trotz
zunächst vollständiger Tumorentfernung oder Rückbildung kommt es im
späteren Verlauf häufig zu einem Rückfall, entweder in der Lunge oder
durch Entwicklung von Metastasen in anderen Körperregionen. Hier wie
auch bei schon zum Diagnosezeitpunkt fortgeschrittener Erkrankung lässt
sich der Tumor bei einem Teil der Patienten durch eine Chemotherapie
zurückbilden und zeitweise im Wachstum bremsen. Eine dauerhafte Heilung
ist dann jedoch nicht möglich.
Die modernen Behandlungskonzepte haben auch bei fortgeschrittener Krebserkrankung ohne Aussicht auf Heilung deutliche Verbesserungen gebracht: Krankheitsbedingte Symptome werden günstig beeinflusst, und die Lebensqualität bleibt länger erhalten.