Asbestplatten, Foto: LianeM - Fotolia.com © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Asbest: Krebsrisiko noch auf lange Zeit?

Hintergründe, Quellen, Ansprechpartner, Fachinformationen

Asbest: Dieser Begriff steht für eine Gruppe sehr beständiger und nicht brennbarer Minerale mit faseriger Struktur. Sie fanden seit dem Altertum Verwendung: als widerstandsfähiges Baumaterial, zum Brandschutz, zur Isolation. Hinweise auf die Gesundheitsgefahr, die von Asbest ausgeht, gab es schon früh. Seit den 70er Jahren wurden Schutzvorschriften entwickelt, seit 1993 ist Asbest in Deutschland weitgehend verboten.
Doch noch leben viele Menschen mit einem hohen Risiko für Lungen- und Rippenfellkrebs, weil sie mit Asbest in Kontakt kamen. Betroffen sind nicht nur Berufstätige, sondern auch Heimwerker und ihre Familien.
Was man heute über Asbest weiß und wie Fachleute Ersatzstoffe beurteilen, hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengefasst. Links führen zu Ansprechpartnern, Hintergrundinformationen und genutzten Quellen.

Letzte Aktualisierung: 02.02.2015

Genutzte Quellen und Links

Die bei der Erstellung genutzten Quellen sowie Linktipps zum Weiterlesen sind nach Möglichkeit direkt im Text verlinkt sowie am Ende dieses Textes aufgeführt.

Geschichte: Welche Rolle spielte Asbest früher, welche hat das Mineral heute?

Chrysotil, weißer Asbest © ATW GmbH, über www.baua.de
Chrysotilfasern unter dem Elektronenmikroskop: Dieser "weiße" Asbest findet sich häufig in Asbestzement. © ATW GmbH, über www.baua.de

Asbest kann Krebs auslösen, vor allem Krebs des Rippen- und Brustfells, der Lunge und des Kehlkopfs: Das weiß man schon seit Jahrzehnten. Schon viel länger bekannt ist die sogenannte Asbestose, eine bindegewebige Verhärtung und Vernarbung des Lungengewebes, die das Atmen erschwert.
Erste Schutzvorschriften zum Umgang mit Asbest wurden in Deutschland in den 70er Jahren veröffentlicht. Seit 1993 ist Asbest in Deutschland verboten. Ein EU-weites vollständiges Verbot wurde allerdings erst 2005 ausgesprochen.

Fachleute rechnen allerdings damit, dass Asbest noch auf Jahrzehnte hinaus ein Risiko bleibt: Bis heute fallen jährlich viele Tonnen asbesthaltiger Müll an. Denn: Bei der Entsorgung alter asbesthaltiger Materialien, beim Abriss oder Umbau älterer Gebäude wird die gefährliche Faser freigesetzt.
Nicht wenige Menschen kommen auch als Heimwerker ungewollt mit Asbest in Kontakt: wenn sie nicht wissen, dass es gefährlich sein kann, "schnell mal eben" eine alte Zwischendecke herauszureißen, das Garagendach von Moos und Schmutz zu befreien oder alte Baustoffe privat zu lagern und weiter zu verwenden.

Bis wirklich alle Quellen einer möglichen Gesundheitsgefährdung beseitigt sind, wird es wohl noch Jahrzehnte dauern. Zwischen der eigentlichen Asbestbelastung und der Krebsentstehung können zudem viele Jahre liegen.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) rechnet damit, dass trotz des Asbestverbots vor mehr als 20 Jahren pro Jahr etwa 1.500 Menschen an den Folgen einer Asbestbelastung sterben.

 

Hintergrund: Brandschutz und Isoliermaterial seit dem Altertum

Asbest galt schon im Altertum als "Wundermineral". Asbesthaltige Produkte wurden spätestens seit dem 19. Jahrhundert weltweit genutzt, vorwiegend zur Wärmeisolation oder zum Brandschutz. Asbest fand sich in Bremsbelägen und Kupplungen, in Elektrogeräten, in Maschinen und technischen Anlagen, in Heizungen und vor allem als Baustoff in sehr vielen Gebäuden.

Vor rund 70 Jahren wurden die Asbestose und Lungenkrebs bei Asbestbelastung als beruflich bedingt anerkannt. Später zeigten Studien, dass ein Pleuramesotheliom als Krebs des Brustfells sehr häufig durch Asbestkontakt der Betroffenen bedingt ist. Auch das Risiko für Kehlkopfkrebs steigt.
Das Risiko für andere Krebserkrankungen kann nicht völlig ausgeschlossen werden, gilt aber als nicht ausreichend belegt. 

Risiko: Was macht Asbest gefährlich?

Lunge © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Asbestfasern können tief in die Lunge vordringen © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Gefährlich ist Asbest durch seine Eigenschaft, Fasern freizusetzen. Werden diese eingeatmet, können sie bei entsprechender Länge und Dicke tief in die Lunge gelangen und noch in das angrenzende Gewebe vordringen. Der Fachbegriff dafür lautet "lungengängig".
Asbest ist jedoch extrem beständig: Es löst sich in Säuren oder Laugen praktisch nicht auf. Es schmilzt erst bei sehr hohen Temperaturen.

Und der Körper kann es nicht biologisch abbauen: Die Lunge und das umliegende Gewebe sind insgesamt kaum in der Lage, diese Fasern wieder abzubauen oder auszuscheiden. So wird Asbest zum Auslöser chronischer Entzündungen. Das Gewebe reagiert mit Vernarbung.

Der genaue molekulare Mechanismus, der langfristig zu Krebs führen kann, ist noch nicht in allen Details aufgeklärt. Fachleute vermuten heute, dass immunologische Prozesse eine Rolle spielen, die durch den dauernden Reiz der Faser ausgelöst werden.

Chronischer Reiz als Auslöser für Gewebeveränderungen

Als Langzeitfolge kann eine Asbestose auftreten, eine bindegewebige, aber noch gutartige Verhärtung des Lungengewebes.
Das Risiko für Lungenkrebs, also ein Bronchialkarzinom oder Brust- und Rippenfellkrebs als Mesotheliom der Pleura steigt deutlich an. In Studien wurden auch andere Mesotheliome mit Asbest in Verbindung gebracht: Beobachtet wurden Tumoren am Bauchfell und am Herzbeutel (Peritoneum- oder Perikard-Tumoren). Eingeatmete Fasern steigern außerdem das Risiko für Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom).

Gibt es individuelle Unterschiede, sind manche Menschen empfindlicher als andere? Warum manche Menschen erkranken und andere nicht, trotz nachgewiesener langjähriger Arbeit mit Asbest, lässt sich im Einzelfall nur schwer nachvollziehen. Als gesichert gilt aber: Kommen weitere Risikofaktoren hinzu, zum Beispiel Tabakrauch, steigt die Wahrscheinlichkeit der Tumorentstehung.

Asbestquellen: Lungengängige Fasern

Risiko

Asbest wird erst dann gefährlich, wenn tatsächlich Fasern freigesetzt werden.

Wie hoch das individuelle Risiko durch Asbest ist, hängt davon ab, womit man genau gearbeitet hat oder privat in Kontakt gekommen ist. Denn nicht bei jedem Asbestkontakt werden auch Fasern freigesetzt, die man einatmen könnte.

So genannter fest gebundener Asbestzement, wie er beispielsweise für Dächer oder Fassadenverkleidungen viel verwendet wurde, kann relativ harmlos bleiben. Gefährlich wird es erst, wenn er bearbeitet wird oder deutlich sichtbar verwittert.

Als besonders gefährlich gilt dagegen schwach gebundener Spritzasbest, wie er früher zur Isolation und als Brandschutz eingesetzt wurde. Auch Asbesttextilien, etwa alte Brandschutzhandschuhe, alte Dichtungen und Schnüre, Asbestplatten in alten Elektrogeräten oder Fußbodendämmungen, etwa unter alten PVC-Böden, können leicht Fasern freisetzen.

Das Risiko für langfristige Gesundheitsschäden hängt außerdem von der Größe, Länge und bis zu einem gewissen Grad auch von der Menge der freigesetzten Fasern ab.
Ob diese tatsächlich "lungengängig" sind, und wenn ja, wie viel jeweils eingeatmet wird, lässt sich pauschal allerdings kaum beantworten. Einerseits erkranken längst nicht alle Menschen mit Fasern in der Lunge. Andererseits kann rein theoretisch schon ein einmaliger Kontakt mit Asbest gefährlich werden, wenn er zur Aufnahme von Fasern in den Körper führt. 

Asbest: Auch für andere Gewebe ein Risiko?

Schwierig war in der Vergangenheit die Beurteilung, ob Asbest auch andere Tumorarten verursachen kann: Gelangen die Fasern überhaupt über den Atemtrakt hinweg ins Gewebe? Und wenn ja, wie wirken sie dort? Oder können Fasern auch über Hautkontakt tiefer ins Gewebe vordringen?
Bisher gibt es kaum Belege dafür, dass sich Asbest im Körper wirklich weiter ausbreiten kann und dann ein messbar hohes Risiko besteht. Ganz ausgeschlossen ist dies jedoch nicht.

Wie gefährlich die Aufnahme von Fasern über den Verdauungstrakt sein könnte, lässt sich ebenfalls kaum angeben: Da die Aufnahme über den Mund in der Regel auch mit dem Einatmen von Fasern einhergeht, lässt sich der tatsächlich verantwortliche Weg kaum sicher bestimmen.
Wenn überhaupt, dann scheinen nur größere Mengen an Fasern relevant zu sein, die über die Atemluft in den Mund gelangten und dann verschluckt werden. Ob verschluckte Fasern tatsächlich das Risiko zum Beispiel für Darm- oder Magenkrebs steigern, ist bisher nicht eindeutig geklärt.

Wegen der möglichen Belastung des Verdauungstrakts wurde in vielen Ländern eine Frage intensiv untersucht: Geht von Asbestleitungen für Trinkwasser eine Gefahr aus? Denn: Weltweit wurden über viele Jahre Wasserleitungen aus asbesthaltigem Beton gebaut. Auch natürliche Asbestlagerstätten im Einzugsbereich der Trinkwassergewinnung waren als Quelle denkbar.

Die Ergebnisse entsprechender Studien zeigen aber fast durchgängig keinen Zusammenhang zwischen der Asbestaufnahme und Tumoren des Verdauungstraktes. Heute achten die Wasserwerke außerdem darauf, dass Trinkwasser nicht zu sauer ist und die Leitungen angreift: So werden keine Fasern aus eventuell noch vorhandenen Asbestzementleitungen gelöst.

Beruflich bedingte Krebserkrankungen

Menschen, deren Erkrankung eindeutig auf eine beruflich bedingte Asbestbelastung zurückzuführen ist, werden von den Berufsgenossenschaften und den weiteren in der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zusammengeschlossenen Organisationen betreut.

  • Als Berufskrankheiten können Asbestose und Pleuramesotheliom anerkannt werden.
  • Lungenkrebs wird als beruflich bedingt anerkannt, wenn er in Verbindung mit einer Asbestose auftritt oder eine langjährige hohe Faserbelastung bestand.
  • Dies gilt auch für Kehlkopfkrebs in Verbindung mit Asbestose oder langjähriger Faserbelastung.
  • Ist der Asbestkontakt bewiesen, gelten auch Mesotheliome des Peritoneums (Bauchfell) und des Perikards (Herzbeutel) als anerkennbare Berufskrankheiten.

Ansprechpartner bei Verdacht ist der Werks- oder Betriebsarzt. Auch die behandelnden Ärzte können weiterhelfen.
Mit versicherungsrechtlichen Informationen helfen die zuständigen Berufsgenossenschaften weiter. Einen Überblick bietet auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Vorschriften: Welche Gesetze oder Verordnungen regeln den Umgang mit Asbest?

Die Herstellung und Verwendung von Asbest sind in Deutschland wie in der EU verboten. Für die Sanierung und Entsorgung von mit Asbest belasteten Gebäuden, Anlagen oder Geräten gelten strenge Schutzmaßnahmen. Grundlage sind die aktuelle Gefahrstoffverordnung und entsprechende EU-Regelungen.

  • Ein Kontakt sollte durch aktive und passive Sicherung ausgeschlossen sein: zum Beispiel staubdichtes Arbeiten und den Einsatz von professionellen Absaugeinrichtungen.

Details regelt die Technische Regel Gefahrstoffe "Asbest - Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten".
Weitere Regeln betreffen den Abbau asbesthaltiger Mineralien und weitere mögliche Arbeitsplatzsituationen. Sie sind online abrufbar bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz (BAUA), unter www.baua.de, Stichwort Asbest.

Die Bundesländer haben Asbestrichtlinien, die ebenfalls Vorgaben für die Bewertung eines Risikos und die Sanierung machen. Auch die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz bietet entsprechende Informationen.

Die wissentliche Verletzung der Vorschriften im Umgang mit Asbest ist eine Straftat. Viele Asbestkontakte passieren heute aber vermutlich unfreiwillig: Weil niemand bekannt ist, dass man am Arbeitsplatz in der ein oder anderen Situation mit Asbest in Kontakt kommen könnte. Hier helfen nur entsprechende Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen, so die Behörden.

Ansprechpartner im Betrieb sind die jeweiligen Vorgesetzten, die Sicherheitsbeauftragten, Werks- und Betriebsärzte und auch die zuständige Berufsgenossenschaft.

Ansprechpartner bei privatem Asbestkontakt, Bauen und Wohnen

Die vorgeschriebenen Auflagen zum Umgang mit Asbest legen auch fest: Privat darf man streng genommen nichts sanieren, reparieren oder entsorgen, das möglicherweise Asbest enthält. Denn: Für Heimwerker ist Asbest ein hohes Risiko – sie verfügen normalerweise nicht über die Möglichkeit, die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen einzuhalten.

Auch zuhause geschehen die meisten Asbestkontaminationen allerdings eher unfreiwillig, weil die Asbestquelle nicht als solche erkannt wird. Typische Beispiele: Beim Reinigen von Asbestdächern oder Fassadenplatten, beim unsachgemäßen Öffnen und Entfernen zum Beispiel einer alten Nachtspeicherheizung oder beim Herausreißen eines alten PVC-Bodens werden Fasern freigesetzt.

Wo man sich nicht absolut sicher ist, sollte man im privaten Bereich auf jeden Fall Fachleute hinzuziehen, bevor man aktiv wird. Erste Ansprechpartner sind die Bau- und/oder Umweltbehörden am Wohnort. Sie nennen zertifizierte Sachverständige zur Einschätzung einer möglichen Gefährdung. Und sie können auf Betriebe verweisen, die Asbest sanieren dürfen.

Diese professionelle Beratung kann auch entlasten: Wie gefährlich eine Asbestquelle tatsächlich ist, lässt sich für Laien gar nicht so leicht prüfen. Denn nicht immer ist eine sofortige Sanierung überhaupt notwendig: Asbest, von dem man nichts sieht und von dem keine Fasern nach außen dringen können, ist unter Umständen  ungefährlich.

Daher gilt auch: Es kann je nach Situation billiger und leichter umzusetzen sein, die Faserfreisetzung durch eine sichere Versiegelung zu vermeiden, als erst die Faserbelastung zu messen und dann eine Asbestquelle komplett zu entfernen.

Auch bei Haushaltsgeräten lohnt sich die Fasermessung oft nicht: Man sollte sie im Zweifelsfall lieber bei einer zuständigen Sammelstelle abgeben. Auf keinen Fall dürfen eventuell asbesthaltige Geräte wie etwa alte Heizöfchen einfach in den Müll oder Sperrmüll.

Vorsorge, Nachsorge: Was tun nach Asbestkontakt?

Am Arbeitsplatz

Eine Asbestkontamination am Arbeitsplatz muss der zuständigen Berufsgenossenschaft (www.dguv.de/de/Berufsgenossenschaften-Unfallkassen-Landesverb%c3%a4nde/BGen/index.jsp) gemeldet werden. Diese ist auch Ansprechpartner für die Frage, wer für einen ungewollten Kontakt die Verantwortung trägt.
Arbeitnehmern, die einer relevanten und als gefährlich eingestuften Asbestbelastung ausgesetzt waren, wird eine lebenslange ärztliche Überwachung durch spezialisierte Fachärzte angeboten.

Innerhalb der Organisation der Berufsgenossenschaften ist die "Gesundheitsvorsorge" (GVS, online unter http://gvs.bgetem.de) zuständig, früher die "Zentrale Erfassungsstelle für Asbeststaubgefährdete Arbeitnehmer" (ZAs). Sie nennt ärztliche Ansprechpartner am Wohnort oder in der Nähe, die die notwendigen Untersuchungen durchführen.
Dazu gehören die regelmäßige Befragung nach dem Gesundheitszustand, die körperliche Untersuchung, eine Untersuchung von Atemwegen und Lunge sowie Röntgenaufnahmen des Brustkorbs. Ist ein Befund unklar, sollten eine Computertomografie und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zur Abklärung hinzu kommen. Ob diese Untersuchungen jährlich oder erst im Abstand von höchstens drei Jahren wiederholt werden müssen, hängt vom Alter und der vermutlichen Belastung ab.

Alle Kosten trägt der Unfallversicherungsträger, bei Bedarf auch Reisekosten zur Untersuchung oder ein Verdienstausfall.

Die GVS bleibt auch verantwortlich, wenn ein Arbeitnehmer den Beruf oder den Arbeitgeber wechselt oder in Rente geht. Kommt tatsächlich der Verdacht auf, dass sich eine Asbestose, ein Mesotheliom oder eine Lungenkrebserkrankung entwickelt, ist dies nach einer beruflich bedingten Asbestbelastung meldepflichtig, auch wenn die Diagnose durch einen anderen Arzt gestellt wird.

Privat: Zu Hause, in der Nachbarschaft

Die Klärung, ob denn nun tatsächlich ein Risiko bestand, ob Fasern eingeatmet wurden und ob dies Folgen haben könnte, ist im privaten Bereich oft sehr schwierig: Nicht selten stellt sich erst im Nachhinein heraus, dass bei einer Reparatur oder einer Sanierung überhaupt mit Asbest gearbeitet wurde.

Rechtliche Konsequenzen hat dies nur, wenn dadurch Dritte gefährdet wurden: Hat jemand privat mit Asbest hantiert und dabei zum Beispiel Helfer oder Nachbarn geschädigt, kann er dafür unter Umständen zur Verantwortung gezogen werden.

  • Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt, der eventuell an einen Spezialisten für Umwelt- und/oder Arbeitsmedizin überweist.

Das weitere Vorgehen orientiert sich an den Empfehlungen für Arbeitnehmer nach Asbestkontakt. Insbesondere bei Kindern und jüngeren Menschen ist das Risiko lebenslang wiederholter Röntgenaufnahmen aber ebenfalls nicht gering. Man muss es gegen die vermutliche tatsächliche Belastung durch Asbest abwägen.

Asbestersatzfasern: Wie sind sie zu beurteilen?

Als Ersatz für Asbest sind seit einigen Jahrzehnten Glasfaser-, Keramik- oder Mineralfaserprodukte auf dem Markt (Glaswolle, Steinwolle, Keramikfasern). Auch diese Produkte waren zunächst als Krebs fördernd denkbar. Denn: Das Risiko hängt weniger vom Material an sich ab als von der Fasergröße und der Abbaubarkeit im Körper.

Bei der Produktion moderner Werk- und Baustoffe wurde daher darauf geachtet, dass die gefährlichen Fasergrößen möglichst nicht entstehen und die Fasern abbaubar sind. Viele Experten gehen daher davon aus, dass zumindest die jüngste Generation von Asbestersatzfasern bei Beachtung der geltenden Sicherheitsauflagen kein Risiko darstellt.

Die - nach derzeitigem vorläufigem Kenntnisstand - unbedenklichen Baustoffe sind entsprechend gekennzeichnet. Die Hersteller verwenden dazu in Deutschland meist das RAL-Gütezeichen, weitere Informationen bietet das Deutsche Institut für Gütesicherheit und Kennzeichnung e.V. (www.ral.de).

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Zum Weiterlesen: Hintergrundinformationen zum Thema, Adressen und Links (Auswahl, Stand 1/2015)

Wer sich ganz allgemein über Asbest informieren möchte oder eine Asbestquelle zu Hause oder in der Nachbarschaft vermutet, findet im Internet viele, aber nicht immer sachkundige Links.
Der Krebsinformationsdienst hat daher hier eine Auswahl von offiziellen Ämter- und Behördeninformationen zusammengestellt. Sie bieten einen Einstieg in die eigene Recherche und verweisen ihrerseits auf weitere Ansprechpartner.

Für Privatpersonen sind wegen konkreter Abhilfe bei Asbestbelastungen die Bau- und/oder Umweltbehörden am Wohnort zunächst die wichtigsten Ansprechpartner. Sie informieren über die vorgeschriebene fachgerechte Entsorgung und nennen weitere Ansprechpartner, die zur Messung einer Faserbelastung oder zur Sanierung berechtigt sind.

Über Asbest am Arbeitsplatz informieren andere Institutionen. Sie verweisen zudem auf geeignete Ansprechpartner, wenn es um den betrieblichen Gesundheitsschutz geht oder Fragen zum Thema Berufserkrankung auftreten:

- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), www.baua.de,
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), www.dguv.de und
- die jeweils zuständige Berufsgenossenschaft, www.dguv.de/de/Berufsgenossenschaften-Unfallkassen-Landesverb%c3%a4nde/BGen/index.jsp

Weitere Quellen für Interessierte und Fachkreise (Auswahl, 1/2015)
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA" macht zu Jahresbeginn 2015 auf eine aktuelle Veröffentlichung aufmerksam, die einen Überblick über die Situation in Deutschland bietet: das "Nationale Asbest-Profil". Sie liegt allerdings nur in englischer Sprache vor, unter www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/Gd80.html. Dort findet sich jedoch auch eine deutschsprachige Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen. Eine Pressemitteilung mit Zahlen und Fakten bietet die BAuA zudem unter www.baua.de/de/Presse/Pressemitteilungen/2015/01/pm006-15.html. Solche Asbest-Profile sind auch für weitere Länder der Europäischen Union verfügbar.

Mehrere medizinische Leitlinien gehen auf das Thema Asbest, die Beurteilung möglicher Gefährdungen sowie die Diagnose und Therapie möglicher Folgeerkrankungen ein. Einen Überblick bietet die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) unter www.awmf.org/leitlinien. Die Eingabe des Stichworts "Asbest" in die Suchmaschine führt zu einer Auswahl relevanter Texte.

Weitere relevante Leitlinien bietet die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (www.dgaum.de). Allerdings werden zurzeit nicht alle Asbest-oder Ersatzstoff-bezogenen Texte kontinuierlich aktualisiert oder sind online frei zugänglich. 

Die gesetzlichen Regelungen zum Umgang mit Asbest sind in folgenden Dokumenten dargelegt:
- BAUA: Technische Regeln Gefahrstoffe "Asbest" unter www.baua.de/cln_137/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/TRGS/TRGS-517.html und "Abbau von Asbest" unter www.baua.de/nn_53698/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/TRGS/pdf/TRGS-519.pdf, weiter
- BAUA: Technische Regel Gefahrstoffe "Mineralwolle" unter www.baua.de/nn_5846/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/TRGS/pdf/TRGS-521.pdf
- Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz: "Asbest im Bausektor", verfügbar in allen EU-Sprachen, in deutsch unter http://osha.europa.eu/de/publications/factsheets/51 (PDF)


In englischer Sprache ist eine Beurteilung der Gefährung von Asbestfasern durch die IARC verfügbar, die International Agency for Research on Cancer. Diese Behörde arbeitet im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO. Der Text richtet sich an Fachleute und ist als PDF unter http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol100C/mono100C-11.pdf online.