Kaffee und Krebsrisiko: Genuss oder Schaden?
Ohne den Milchkaffee am Morgen oder die Tasse Cappuccino am Nachmittag wäre für viele Menschen die Welt nicht in Ordnung. Doch Kaffee hatte lange einen schlechten Ruf: zu viel Koffein sei schädlich für die Nerven, zu viele Röststoffe nicht gut für den Magen. Kaffee sei schlecht für den Flüssigkeitshaushalt, weil man mehr ausscheide, als man getrunken habe. Und seit einigen Jahren weiß man auch noch um die Belastung von zu heiß geröstetem Bohnenkaffee und von löslichem Pulverkaffee mit krebserzeugendem Acrylamid. Umfragen zeigen: Gesundheitsbewusste Menschen verzichten nicht selten auf das Getränk. Auch in Diätvorschlägen findet man oft den Tipp, den Konsum zumindest stark einzuschränken.
Doch ist das wirklich notwendig? Viele Krebsforscher sehen in den braunen Bohnen ernst zu nehmende Lieferanten sogenannter Antioxidantien und anderer nützlicher Pflanzenstoffe. Sie gehen sogar davon aus, dass jeder Schluck etwas zur Krebsvorbeugung beitragen könnte.
Was wirklich drin ist in der Tasse, erläutert der Krebsinformationsdienst in seinem Text "Kaffee und Krebsrisiko".
Letzte Aktualisierung: 13.12.2011
Inhaltsübersicht
Genutzte Quellen sind im Text nach Möglichkeit direkt verlinkt. Eine Auswahl genutzter Fachliteratur sowie Tipps zum Weiterlesen finden sich am Ende des Textes.
Auf den Lebensstil insgesamt achten
Kaffee - ob er gesund ist oder nicht, diese Frage hat schon manche Diskussion am Kaffeetisch ausgelöst. Generell gilt: Wie viel Kaffee jemand trinken darf, hängt nicht zuletzt vom persönlichen Gesundheitszustand ab. Wer beispielsweise erkrankt ist und Medikamente einnimmt, sollte auf jeden Fall mit den behandelnden Ärzten über den Kaffeekonsum sprechen - eine solche persönliche Beratung lässt sich durch Informationen aus dem Internet nicht ersetzen. Auf lange Sicht ist für das Krebsrisiko wichtiger, wie der persönlicher Lebensstil insgesamt aussieht - Kaffee allein ist nur einer von vielen möglichen Einflussfaktoren.
Das Wichtigste in Kürze: Kaffee - gesund oder ungesund?
Lange galt Kaffee als ungesund. Heute weiß man: So pauschal lässt sich diese Aussage nicht aufrechterhalten. Gerade was die Frage nach Kaffeekonsum und Krebsentstehung angeht, gilt das Getränk inzwischen sogar eher als Schutz. Immer mehr Wissenschaftler kommen in Studienveröffentlichungen und großen Übersichtsarbeiten zu dem Schluss:
Schutzwirkung
Einen Überblick über aktuelles Wissen bietet der Krebsinformationsdienst unter "Krebsrisikofaktoren".
Kaffee bietet Schutz vor Leberkrebs: Seine Inhaltsstoffe bremsen Veränderungen des Lebergewebes, die zur Entstehung von Karzinomen beitragen. Diese Aussage hat sich in vielen Studien bestätigt, auch wenn der Umfang der schützenden Wirkung (noch) nicht genau bezifferbar ist. Ob man Kaffee oder Extrakte daraus sogar gezielt zur Vorbeugung oder zur Behandlung von Leberkrebs einsetzen könnte, wird derzeit untersucht.
Kaffee scheint auch das Risiko zu senken, an Nierenkrebs und "weißem" Hautkrebs (Basalzellkarzinom) zu erkranken. Und zumindest für Frauen vor den Wechseljahren gibt es vielleicht auch einen schwachen Schutzeffekt vor Brustkrebs. Ähnlich könnte es neuen Erkenntnissen zufolge auch bei Krebserkrankungen der Gebärmutter, sogenannten Endometriumkarzinomen, oder auch Dickdarmkrebs aussehen.
Möglicherweise existiert eine solche günstige Wirkung noch für weitere Tumorarten. Außer bei Leberkrebs reichen die vorhandenen Daten jedoch zurzeit noch nicht aus, um einen das Risiko mindernden Effekt wirklich abschließend zu beurteilen.
Kein Risiko für häufigere Krebsarten
Sicher ist aber: Kaffee ist kein Risikofaktor für die meisten häufigeren Krebsarten. Lungenkrebs, Prostatakrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Eierstockkrebs entstehen bei Kaffeetrinkern definitiv nicht häufiger als bei "Kaffee-Abstinenzlern".
Risiken nicht auszuschließen
Offen ist die Frage nach dem Blasenkrebsrisiko: Zwar erkranken Vieltrinker, die mehr als zehn Tassen pro Tag konsumieren, tatsächlich häufiger.
Ob dies aber auf den Kaffee zurückzuführen ist, lässt sich bisher nicht abschließend beantworten – es gibt auch Studien, in denen sich kein Risiko nachweisen ließ Ein sehr hoher Kaffeekonsum bietet Forschern zudem oft Hinweise darauf, dass die betroffenen Probanden einen insgesamt nicht gesundheitsfördernden Lebensstil haben.Menschen, die viel Kaffee trinken, nehmen zudem oft insgesamt viel zu wenig Flüssigkeit zu sich. Dies führt dazu, dass Schadstoffe, die über die Harnwege ausgeschieden werden, konzentrierter in die Blase gelangen und meist auch länger darin bleiben. Auch chronische Infekte, die die Blasenschleimhaut schädigen, sind bei Menschen häufiger, die zu wenig trinken.
Kaffee kann das Risiko für Speiseröhrenkrebs steigern - vielleicht, wenn man ihn viel zu heiß trinkt. Auch andere zu heiße Getränke können schaden und zu einer chronischen Schädigung der Schleimhaut führen. Wer mit saurem Aufstoßen oder Sodbrennen auf Kaffee oder andere Lebensmittel und Getränke reagiert, sollte beim Arzt die Ursache abklären und behandeln lassen. Auf Dauer sind sonst Schädigungen der Schleimhaut möglich, und diese gelten als Krebsvorstufe.
Nicht alle Studien untereinander vergleichbar
In vielen Befragungen wurde gezählt, wie viele Tassen Kaffee die Studienteilnehmer am Tag tranken. Das Problem: Oft ist nicht genau angegeben, wie groß diese Tassen waren. Das erschwert die Vergleichbarkeit der Studien. Man kann auch nur schlecht in Zahlen angeben, wie "gesund" Kaffee genau ist.
Bei der Aussagekraft vieler Studien zur Kaffeewirkung gibt es eine gewisse Einschränkung: So lassen sich nur wenige Untersuchungen unmittelbar untereinander vergleichen. Oft ist unklar, wie viel Kaffee die Probanden tatsächlich getrunken haben, weil die Angabe der Tassengröße fehlt. Manchmal sind auch die sonstigen Lebensumstände der "Vieltrinker" ungenau erfasst.
Daher lassen sich die Kaffeewirkung und vor allem der schützende Effekt bisher kaum in eindeutigen Zahlen und Prozenten angeben. Zumindest die Aussage, dass Kaffee für die meisten Tumorarten keinen Risikofaktor darstellt und vor Leberkrebs schützen kann, gilt aber als gesichert.
Wenig weiß man darüber, welche Wirkungen Kaffee bei Menschen haben kann, die bereits an Krebs erkrankt sind. Zurzeit kann man nicht belegen, ob Kaffee bei ihnen tumorhemmend wirkt. Genauso wenig lässt sich beurteilen, ob Kaffee Rückfälle oder Metastasen fördern könnte.
Sicher ist dagegen: Die Inhaltsstoffe des Getränks, vom Koffein bis hin zu anderen Substanzen, vertragen sich mit vielen Medikamenten nicht besonders gut. Die Wirkung von Arzneimitteln kann verändert werden. Ihrerseits führen einige Medikamente dazu, dass die Koffeinwirkung viel länger anhält als gewohnt.
Kaffee als Getränk: Auf die tägliche Trinkmenge achten
Ist Kaffee ein "Flüssigkeitsräuber"? Mit der Flüssigkeitsbilanz sieht es bei Kaffeetrinkern nicht so schlecht aus, wie lange befürchtet.
Die Inhaltsstoffe wirken zwar "diuretisch": Sie regen den Körper zu vermehrter Ausscheidung von Wasser und Salzen über die Nieren an. Wer das Getränk regelmäßig konsumiert, gewöhnt sich allerdings bis zu einem gewissen Grad daran, die entwässernde Wirkung lässt nach. Kaffee darf also ruhig mitgezählt werden, wenn man die tägliche Trinkmenge abschätzt, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.
Trotzdem sollte man darauf achten, Kaffee nicht als Durstlöscher oder vorrangige Flüssigkeitsquelle zu nutzen. Dazu ist Wasser besser geeignet.
Andere gesundheitliche Aspekte hängen von der individuellen Situation ab: Ob Kaffee beispielsweise gegen Kopfschmerzen hilft oder vielmehr einen Migräneanfall fördert, ob Patienten mit Diabetes, Rheuma, Magen-Darm-Leiden, Gicht, Osteoporose oder sonstigen chronischen Erkrankungen Kaffee trinken dürfen, müssen Betroffene mit ihrem Arzt besprechen.
- Die gleiche Empfehlung gilt für Krebspatienten und -patientinnen: Die behandelnden Ärzte können zum Thema Kaffee beraten und auf mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten achten.
Hintergrund: Kaffee - Was kommt in die Tasse?
Nach Wasser ist Kaffee das weltweit am häufigsten konsumierte Getränk. Entsprechend kritisch wird seine Qualität zumindest in der Europäischen Union kontrolliert. Nur selten werden bei handelsüblichen Marken zu viele Schadstoffe gefunden, etwa das beim Rösten mit zu hoher Temperatur entstehende Acrylamid oder Spuren von Schimmelpilzgiften.
Ob aus einer Schadstoffbelastung von Kaffee ein messbares Krebsrisiko entstehen kann, ist anhand der derzeit vorliegenden Daten unklar bis unwahrscheinlich. In einer Übersichtsarbeit von 2011 zum Thema Acrylamid kommen Wissenschaftler beispielsweise zu dem Schluss: Acrylamid aus Kaffee und anderen Quellen erhöht das Krebsrisiko wohl nicht wesentlich. Unklar bleibt lediglich die Frage nach dem Risiko für Nierenkrebs. Allerdings: Betrachtet man alle seine Inhaltsstoffe zusammen, scheint Kaffee auch vor Nierenkrebs eher zu schützen.
Koffein: Anregender Inhaltsstoff
Wie viel Koffein, wie viele pflanzliche Schutzstoffe sind in Kaffee enthalten? Das hängt von der Sorte und der Zubereitung ab.
Kaffeebohnen sind die Samen des Kaffeebaumes; für die Produktion wichtig sind die Arten Coffea arabica und Coffea canephora (Robusta) . Die getrockneten und vom Fruchtfleisch befreiten Samen werden geröstet. Erst dabei entstehen viele Substanzen, die Geschmack, Geruch und biologische Wirkung von Kaffee ausmachen. Die Forschung befasst sich intensiv mit allen davon.
Ein wesentlicher Inhaltsstoff ist Koffein. Dabei handelt es sich chemisch um ein sogenanntes Alkaloid aus der Gruppe der Methylxanthine. Dessen Wirkung wird generell als "anregend" bezeichnet: auf das Nervensystem, die Herzfrequenz, den Blutdruck, auf die Magenfunktion und die Darmtätigkeit sowie auf viele weitere Stoffwechselvorgänge.
Hinzu kommen Aroma- und Röststoffe. Vor allem Letztere entstehen ähnlich wie Karamell beim Erhitzen der in den Bohnen enthaltenen Zucker und Eiweiße. Enthalten sind außerdem Mineralstoffe, Fettsäuren und ihre chemischen Verbindungen, pflanzliche Phenole und sogar Vorstufen von B-Vitaminen. Was davon in der Tasse ankommt, hängt allerdings stark von der Aufbereitung des Rohkaffees und von der individuellen Art der Kaffeezubereitung ab.
Nicht nur das Koffein gilt als "bioaktiv". Auch von einem Teil der anderen heute bekannten Inhaltsstoffe kennt man eine oder mehrere Auswirkungen auf den Organismus. Wie wirken die enthaltenen Substanzen? Wie wirkt Kaffee insgesamt?
Gehaltvolle Bohnen: Auswirkungen auf die Gesundheit
Auch wenn Kaffee als gesundheitsfördernd gilt: Eine gesunde Ernährung kann das Getränk nicht ersetzen.
Vor allem Inhaltsstoffe, die als sogenannte Antioxidantien wirken, werden heute auf ihre gesundheitliche Wirkung hin untersucht. Ihnen wird nachgesagt, dass sie sogenannte freie Radikale an ihrer schädigenden Wirkung auf die Zellstrukturen hindern und so beispielsweise Fehler an der Erbsubstanz DNA verhüten.
Von diesen pflanzlichen Substanzen findet sich in Kaffee eine ganze Menge, etwa die bereits erwähnten Phenole. Kaffee kann eine Ernährung mit viel Obst und Gemüse zwar auf keinen Fall ersetzen. Doch der quantitative Beitrag von Kaffee zur Gesundheit ist nicht zu unterschätzen: U.S.-Studien zeigten, dass bei Amerikanern wichtige Stoffe für die Gesundheit bis zu einem Fünftel über Kaffee aufgenommen werden. Lediglich die Vitamine im Kaffee, etwa das Vitamin E, spielen für die tägliche Versorgung mengenmäßig praktisch keine Rolle.
Die Kritik an diesen Aussagen folgte allerdings gleich hinterher: Aus den entsprechenden Studien könne man keineswegs ablesen, wie wichtig das Getränk sei. Sichtbar werde vielmehr, wie wenig Obst und Gemüse der Durchschnittsamerikaner täglich verzehre, wenn die Zufuhr sogenannter sekundärer Pflanzenstoffe hauptsächlich über Kaffee erfolge.
Noch mehr drin in der Tasse
Es gibt Hinweise darauf, dass Kaffee auch in den Energiestoffwechsel eingreift: Der Konsum wirkt sich unter anderem regulierend auf die Insulinwirkung aus. Die Regelkreise, in die das Hormon Insulin eingebunden ist, beeinflussen nicht nur den Zuckerstoffwechsel, sondern auch die Erneuerung von Geweben und Zellen.
Dies hört sich zwar zunächst positiv an. Man geht aber heute davon aus, dass entsprechende Botenstoffe und Wachstumsfaktoren auch das Wachstum von Tumorgewebe anregen könnte, vor allem bei Menschen, die deutlich zu viel wiegen: Ihr Körper spricht häufig nicht mehr so gut auf das Hormon Insulin an, was zum Beispiel zur Zuckerkrankheit (Diabetes) führen kann. Diese chronische Stoffwechselschieflage, das sogenannte metabolische Syndrom, steigert nach neueren Erkenntnissen auch das Krebsrisiko.
Kaffee scheint allen diesen Prozessen entgegen zu wirken, und die risikomindernde Wirkung ist bei Menschen mit starkem Übergewicht am deutlichsten ausgeprägt.
Lange nahm man an, dass vor allem das Koffein für diese krebsschützende Wirkung bei übergewichtigen Kaffeetrinkern verantwortlich sei. Für das Koffein spricht, dass laut einiger Studien die Schutzwirkung ausbleibt, wenn Menschen nur koffeinfreien Kaffee trinken.
Neuere Studien deuten allerdings auch auf eine Wirkung anderer pflanzlicher Schutzstoffe hin, die im Einzelnen noch nicht identifiziert wurden. Dies schließen Forscher aus Vergleichen zwischen Kaffee- und Teekonsumenten: Frauen, die vier Tassen Kaffee und mehr pro Tag trinken, haben laut einer großen Studie ein geringeres Risiko für Krebs der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumkarzinom), eine der Krebserkrankungen, die unter anderem durch Übergewicht gefördert wird. Bei Teetrinkerinnen, die oft die gleiche Menge an Koffein oder anderen Methylxanthinen wie Kaffeetrinkerinnen aufnehmen, findet sich ein solcher Schutzeffekt nicht. Also müssen außer Koffein weitere Stoffe dafür verantwortlich sein, die tatsächlich nur in Kaffee vorkommen.
Lebensqualität: Wie viel Kaffee darf es sein? Was gilt für Krebspatienten?
Wie viel Kaffee darf man trinken? Das hängt vom persönlichen Gesundheitszustand ab. Manche Menschen vertragen mehr, manche weniger. Der Hausarzt kann Auskunft geben.
Medikamente sollten nicht mit Kaffee eingenommen werden, außer der Arzt hat es ausdrücklich erlaubt.
Dies gilt auch für Krebspatienten: Die Aufnahme der Wirkstoffe im Magen und im weiteren Verdauungstrakt könnte behindert werden. Manche Mittel verstärken ihrerseits die Koffeinwirkung. Welche Wirkung die Inhaltsstoffe von Kaffee auf Menschen haben, die regelmäßig Medikamente einnehmen, ist seit einiger Zeit sogar ein wichtiges Forschungsthema. Dies zeigt ein Blick in internationale Studienregister.
Mehr zu möglichen Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln, Getränken und Lebensmitteln hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zusammengestellt.
Den meisten Menschen ist nicht nur der Kaffeegenuss als solcher wichtig: Sie schätzen vor allem die anregende Wirkung des Koffeins. Dabei ist die Dosis wichtig: Viel hilft bei Kaffee nicht automatisch viel, wenn man wach bleiben möchte. Fachleute empfehlen, lieber öfter kleinere Mengen zu trinken als mehrere große Tassen auf einmal.
Wann der richtige Zeitpunkt für die letzte Tasse Kaffee des Tages ist, um gut schlafen zu können, hängt vom individuellen körperlichen Zustand ab. Auch das Alter und sogar die Gene spielen eine Rolle dabei, wie man auf Kaffee und das enthaltene Koffein reagiert. Daher gibt es auch zu dieser Frage weder für Gesunde noch für Krebspatienten pauschale Empfehlungen.
Tee, andere koffeinhaltige Getränke: Wie verträglich sind sie?
Viele Menschen gehen davon aus, dass Tee gesünder als Kaffee sei. Besondere Wirkungen werden vor allem dem sogenannten grünen Tee zugeschrieben, der aus unfermentierten, direkt nach dem Pflücken weiterverarbeiteten Teeblättern hergestellt wird. Doch was ist wirklich dran?
Auch hier gilt: Pauschale Aussagen lassen sich kaum treffen. Werden bei Kaffee meist die Risiken überschätzt, sind es bei Schwarz- oder Grüntee die vermutlich zu hoch angesetzten Hoffnungen auf eine positive gesundheitliche Wirkung.
Im Oktober 2011 fand beispielsweise im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft eine internationale Tagung zu grünem Tee statt. Die Forscher waren sich weitgehend einig: Zwar gibt es eine Vielzahl von Hinweisen auf gesundheitsfördernde Effekte der sogenannten Epigallocatechine (EGCG). Der Gehalt an diesen Substanzen ist in Grüntee besonders hoch. Auch die Senkung des Krebsrisikos durch diese Stoffe wird diskutiert.
Doch noch ist viel mehr Forschung notwendig. Vor allem die Rolle von Tabletten mit konzentriertem EGCG lasse sich noch nicht beurteilen (eine Pressemitteilung des MDC unter http://mdc-berlin.de/de/news/2011/20111027-weltweit__ber_100_klinische_studien_mit_gr/index.html).
Koffeinhaltige Erfrischungsgetränke sehen viele Fachleute eher kritisch: Zum einen enthalten viele Limonaden sehr viel Zucker. Bei sogenannten Energy Drinks, Getränken, die einen sehr hohen Koffeingehalt aufweisen und meist noch weitere leistungsfördernde Zusätze enthalten, besteht nach Ansicht des Bundesinstituts für Risikobewertung auch die Gefahr, zu viel davon zu trinken. Das Bundesinstitut verwies 2009 zum Beispiel auf jugendliche Discobesucher und stellte fest: Gegen Durst sind diese Getränke auf keinen Fall geeignet. Und gesundheitliche Risiken seien bei Überdosierung nur schwer abzuschätzen, so das BfR in seiner Stellungnahme. Vor allem Übermüdung und Erschöpfung würden überdeckt.
Zum Weiterlesen: Linktipps und Quellen
Welche Rolle ganz allgemein der Lebensstil und die Ernährung für Gesunde und für Krebspatienten spielen, hat der Krebsinformationsdienst in folgenden Texten zusammengestellt:
Lebensstil und Krebsrisiko
Ernährung in der Krebsvorbeugung
Ernährung für Patienten mit Krebs
www.waswiressen.de
Das Portal "Was wir essen" informiert im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz über viele ernährungsbezogene Fragen. Auch zu Kaffee bietet das Portal Hintergrundwissen: Wie das Getränk "in die Tasse" kommt, erläutert ein Text unter www.waswiressen.de/abisz/kaffee.php. Zu gesundheitlichen Aspekten haben Experten in einem Forum sehr viele Informationen bereitgestellt, von der Frage nach Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel und den Blutdruck bis hin zum Einfluss der Zubereitungsmethode auf die Kaffeewirkungen. Einen Überblick erhält man durch Eingabe des
Stichwortes "Kaffee" in die Suchmaschine der Seite. Eigene, neue Fragen kann man nach Registrierung unter der Rubrik "Foren" ebenfalls stellen. Das Portal bietet auch eine Übersicht zu Tees, unter www.waswiressen.de/abisz/tee.php, und zu koffeinhaltigen Erfrischungsgetränken unter www.waswiressen.de/abisz/erfrischungsgetraenke.php.
www.dge.de
Hintergrundinformationen bietet auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sie erläutert zum Beispiel, welche Rolle
sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe aus Kaffee für die Gesundheit spielen. Ist Kaffee ein 'Flüssigkeitsräuber'? Nein, sagt die DGE in einer Stellungnahme. Insgesamt hat die Fachgesellschaft Stellungnahmen zu fast allen Fragen rund um das Thema Kaffee und Gesundheit abgegeben. Die Texte sind über die Suchmaschine der Seite mit dem Stichwort "Kaffee" zugänglich.
www.bvl.bund.de
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit koordiniert gemeinsam mit den Bundesländern die Überwachungsprogramme für Lebensmittel. Ein Beispiel ist die regelmäßige Prüfung von Stichproben importierter Produkte wie Kaffee. Das BVL veröffentlicht zudem entsprechende Berichte über EU-weite Beanstandungen. Laut der Listen von Oktober und November 2011 gab es bei Kaffee keine Beanstandungen.
www.bfr.bund.de
Das Bundesinstitut für Risikobewertung bietet eine Sammlung von teils älteren Hinweisen auf Schadstoffe oder Verunreinigungen in Lebensmitteln und informiert zum Beispiel zum Gehalt an Acrylamid oder Pilzgiften in Kaffee. Gibt man das Stichwort "Kaffee" in die Suchmaschine der Seite ein, erhält man einen Überblick. Das BfR informiert auch zu koffeinhaltigen Erfrischungsgetränken oder Tees, sofern in der Vergangenheit Risiken bekannt wurden.
www.efsa.europa.eu
Mit der Acrylamid-Belastung vor allem von löslichem Kaffee befasst sich auch die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA. In einer Pressemitteilung vom Frühjahr 2011 weist die EFSA darauf hin, dass manche Produkte wieder mehr Acrylamid enthalten, dass Ersatzkaffee aus Getreiden aber zum Teil noch höher belastet ist als Bohnenkaffee.
Literatur für Interessierte und Fachkreise (Auswahl)
Die folgende wissenschaftliche Literatur ist überwiegend in englischer Sprache verfasst und meist nicht frei zugänglich. Sie kann in Bibliotheken eingesehen werden oder über entsprechende Fachdienste bestellt werden.
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Higdon JV, Frei B (2006): Coffee and Health: A Review of Recent Human Research, Critical Reviews in Food Science and Nutrition, 46:2, 101-123, doi 10.1080/10408390500400009
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Zou J et al. (2011): Coffee consumption and risk of cancers: a meta-analysis of cohort studies. BMC Cancer 11(96), doi:10.1186/1471-2407-11-96
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