Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Risikofaktoren und Auslöser: Wie entsteht Magenkrebs?

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Die Mechanismen, die im Einzelnen zu einer Krebserkrankung des Magens führen, sind noch weitgehend unbekannt. Vermutlich sind wie bei fast allen anderen Krebserkrankungen verschiedene Einflüsse gemeinsam beteiligt. Entzündungsprozesse scheinen insgesamt eine große Rolle zu spielen. Einige Faktoren, die darauf hindeuten, sind aus Studien bekannt, in denen die Daten von Patienten und Gesunden verglichen wurden. Dazu gehörten beispielsweise die Ernährungsgewohnheiten oder Vorerkrankungen wie etwa Magengeschwüre. Längst nicht alle Patienten weisen jedoch das gleiche Risikoprofil auf, und manchmal sind selbst Menschen betroffen, die keinerlei Risikofaktoren in ihrer Vorgeschichte aufweisen.

  • Für Magenkrebspatienten ist es persönlich oft unbefriedigend, dass ihnen niemand sagen kann, was nun genau ihre Erkrankung ausgelöst hat. Der Erfolg einer Behandlung oder das Risiko eines Rückfalls werden dadurch jedoch nicht beeinflusst.

Ernährungsgewohnheiten

Beim Thema Ernährung spielen eher langjährige Gewohnheiten eine Rolle als kurzfristige "Diätsünden". Dies haben sogenannte epidemiologische Studien ergeben, in denen große Bevölkerungsgruppen untersucht werden.

Im März 2006 veröffentlichte Daten aus der europaweiten Ernährungsstudie EPIC deuten darauf hin, dass ein hoher Fleischverzehr eine Rolle spielen kann (hier eine Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2006/
dkfz_pm_06_33.php
). Die an der EPIC-Untersuchung beteiligten Forscher zeigten jedoch auch, dass Fleisch vor allem dann ein wesentliches Risiko ist, wenn gleichzeitig eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori vorliegt. Verantwortlich ist vermutlich die vergleichsweise hohe Zufuhr von Eisen, die das Bakterienwachstum stimuliert. Eisenarmes Geflügelfleisch beeinflusst das Risiko dagegen nicht.

Auch geräuchertes oder dunkel gegrilltes Fleisch ist kritisch, wenn es sehr oft verzehrt wird. Beim Räuchern und Grillen entstehen krebserregende Substanzen durch unvollständige Verbrennung von organischem (pflanzlichen oder tierischem) Material.

Patienten zeigen außerdem eher als Gesunde in ihrer Vorgeschichte einen Mangel an frischem Obst und Gemüse auf dem Speiseplan. Reichlicher Verzehr von frischem Obst und Gemüse scheint das Erkrankungsrisiko dagegen zu senken.

Ein Risiko ist der häufige Verzehr stark gesalzener und gepökelter Speisen, und verstärkt die Auswirkung von zu wenig Obst und Gemüse. Beim Pökeln werden Nitrat- und Nitritsalze verwendet, die bei Erwärmung oder im Magen zusammen mit anderen Nahrungsbestandteilen Nitrosamine bilden können. Nitrosamine werden als stark krebserregend (kanzerogen) eingestuft. Trotzdem sehen Krebsforscher die Rolle von Nitrosaminen heute als nicht mehr so eindeutig belegbar an wie noch vor einigen Jahren. Sie diskutieren heute eher zu viel normales Salz (Kochsalz) als Risikofaktor.

Weniger Pökelung, weniger Salz, weniger Schadstoffe im Essen

Insgesamt führen Wissenschaftler den Rückgang bei den Magenkrebszahlen wesentlich darauf zurück, dass heute Einsalzen, Pökeln oder Räuchern als Konservierungsmethoden weitgehend vom Tiefkühlen oder Erhitzen und Einmachen in Dosen oder Gläsern abgelöst wurden. Mit besseren Konservierungsmethoden seltener wurde auch die  Verunreinigung der Nahrung durch krankmachende Bakterien oder Schimmelpilze.

Doch auch andere Risiken, die mit dem persönlichen Lebensstil verknüpft sind, können beteiligt sein:

  • Übermäßiger Alkoholkonsum verursacht eine akute Entzündung der Magenschleimhaut (Gastritis). Bei längerem übermäßigen Konsum kann diese Entzündung chronisch werden und zu einer dauerhaften Schädigung der Schleimhaut führen. Dies fördert die Entstehung von Magengeschwüren, die ihrerseits mit einem höheren Risiko verknüpft zu sein scheinen.
  • Rauchen: Die im Zigarettenrauch vorhanden kanzerogenen Substanzen werden im Speichel gelöst und gelangen so in den Magen.

Kaffee - kein Risiko
Kein Risiko für Magenkrebs geht nach derzeitigen Kenntnisstand von Kaffee oder schwarzem Tee aus.

Vorerkrankungen

Einige Magenkrankheiten erhöhen das statistische Risiko für Magenkrebs. Auch hier gilt aber, wie bei den Lebens- und Ernährungsgewohnheiten: Längst nicht alle Patienten, die solche Risikofaktoren aufweisen, erkranken an einem Tumor. Bei Magenkarzinompatienten finden sich in der Vorgeschichte vor allem chronische Entzündungen, die die Schleimhaut verändern.

  • Vergleichsweise häufig waren sie an chronischen Magengeschwüren erkrankt oder litten an chronischer Gastritis Typ B, bei der sich die Schleimhaut dauerhaft verändert ("atrophiert" ).

Heute weiß man, dass die meisten Patienten bei solchen Entzündungen mit Helicobacter-pylori-Bakterien infiziert sind, die sich im Magen in der Nähe des Magenausganges (Pylorus) angesiedelt haben. Wie genau der Zusammenhang zwischen Infektion und Krebsentstehung aussieht, weiß man bis heute nicht; neue Studien belegen aber den Zusammenhang der bakteriellen Erkrankung mit dem Verzehr von viel Fleisch. Vor allem rotes Fleisch liefert viel Eisen, von dem das Bakterienwachstum abhängig ist. Viele Menschen sind mit Helicobacter infiziert, ohne dass sie Anzeichen dauerhafter Entzündungen zeigen oder sich krank fühlen. Ob die Behandlung der Helicobacter-Infektion deshalb bei jedem Infizierten notwendig ist und langfristig zu einer Senkung des Magenkrebsrisikos beiträgt, beurteilten Fachleute bis zur Veröffentlichung neuer Daten zum Magenkrebsrisiko im März 2006 deshalb unterschiedlich. Bei Beschwerden raten die meisten Ärzte aber zu einer Therapie gegen die Infektion.

  • Vor der Entdeckung der Rolle der Helicobacter-Bakterien waren große Operationen wegen chronischer Magengeschwüre nicht selten. Die Nachbeobachtungsdaten von Gruppen von Patienten, deren Magen teilweise entfernt wurde, zeigen etwa zehn Jahre nach der Operation einen Anstieg des Magenkrebsrisikos.

Weit seltener sind andere Formen der Schleimhautentzündung, die das Risiko von Magenkrebs ebenfalls erhöhen.

  • Dazu gehört die chronisch atrophische Gastritis Typ A, eine Autoimmunerkrankung. Bei den betroffenen Patienten richtet sich das Immunsystem gegen die eigene Magenschleimhaut, was zu Entzündungsreaktionen führt.
  • Beim ebenfalls seltenen Ménétrier-Syndrom handelt sich um eine chronische Magenschleimhautentzündung mit Ausbildung von Polypen und Zysten, die zu einer Rückbildung und Verkümmerung der Magenschleimhaut (Schleimhautatrophie) führt.

Polypen der Magenschleimhaut

Magenpolypen
In der Regel gutartig

Nur die selten auftretenden adenomartigen Magenpolypen gelten als Krebsvorstufe. Alle anderen Typen von Magenschleimhautpolypen zählen zu den gutartigen Magentumoren und haben mit Krebs nichts zu tun.

Vererbung und Gene

Veränderungen der Erbsubstanz sind als Ursache für die Entstehung von Magenkrebs noch nicht so weit erforscht, dass bestimmte Auffälligkeiten ganz sicher bestimmten Schritten in der Krankheitsentstehung zugeordnet werden könnten. Bislang müssen sich die Forscher bei ihren Aussagen oft damit begnügen, mögliche Zusammenhänge zu beschreiben, ohne die Ursachen genau zu kennen:

  • Verwandte ersten Grades von Magenkrebskranken haben statistisch ein höheres Risiko, ohne dass man dies derzeit sicher auf die gemeinsamen Erbanlagen zurückführen könnte. Verwandte ersten Grades sind Eltern, Kinder und Geschwister.
  • Bei Patienten mit einem vererbten Antikörper-Mangelsyndrom, der Hypogammaglobulinämie, scheint Magenkrebs ebenfalls häufiger zu sein. Dass hier die unvollständige Reaktion des Immunsystems auf Krankheitserreger wie Helicobacter eine Rolle spielt, kann nur vermutet werden.
  • Menschen mit einer vererbten Anlage zu einer seltenen Darmkrebsform (HNPCC-Syndrom) tragen vielleicht auch ein höheres Magenkrebsrisiko.



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Seite drucken   ganzes Thema drucken    Zuletzt aktualisiert: 30.03.2006