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Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

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Sonne und Wolken © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Spontanheilung bei Krebs

Gibt es die unerwartete Genesung?

Kann sich ein Tumor von allein zurückbilden? Was bei einem Schnupfen der Regelfall ist - die Spontanheilung auch ohne Behandlung - geschieht bei einer Krebserkrankung nur höchst selten. Durch die Medizingeschichte ziehen sich jedoch Berichte über Krebspatienten, die entgegen aller Erwartungen und vor allem ohne Behandlung wieder gesund wurden. Manche Aussage muss sicherlich in Zweifel gezogen werden, vor allem in historischen Berichten. Das Phänomen der "unerwarteten Genesung" ist jedoch auch Thema moderner Krebsforschung. Man weiß inzwischen, dass bei einigen wenigen Krebsarten die spontane Tumorrückbildung gar nicht so selten ist und man beginnt auch die Mechanismen zu verstehen. Für die meisten Krebspatienten bietet der bisherige Forschungsstand allerdings wenig Anlass, auf eine Behandlung zu verzichten und stattdessen auf eine Spontanheilung zu hoffen. Der folgende Text des Krebsinformationsdienstes erläutert die Hintergründe.

Letzte Aktualisierung: 03.11.2010

Genutzte Quellen und Links

Genutzte Quellen sind nach Möglichkeit direkt im Text verlinkt; eine weitere Zusammenstellung findet sich zudem am Ende des Textes. Ebenfalls verlinkt sind Informationen, die weitere Hintergründe zum Thema bieten oder verwandte Aspekte beleuchten.

Kurz erklärt: Spontanremission, Spontanheilung

Remission ist nicht gleich Heilung

Remission bedeutet: keine Tumorreste mehr nachweisbar. Eine Remission ist nicht mit Heilung gleichzusetzen. Der Tumor kann wieder wachsen.

Heilung bedeutet: Auch nach mehreren Jahren sind keine Krankheitszeichen nachweisbar. Meist kann man erst nach fünf oder mehr "gesunden" Jahren von Heilung sprechen.

Wenn ein Tumor sich von allein zurückbildet, ohne dass der Patient gezielt behandelt wurde, spricht man von einer "Spontanremission". Der Tumor kann sich bei einer Remission ganz oder auch nur teilweise zurückbilden, und er kann auch jederzeit wieder zu wachsen beginnen. Aus einer Remission lässt sich eine langfristige Heilung noch nicht sicher ableiten.

Eine "Spontanheilung" ist nicht dasselbe wie eine Spontanremission: Von dieser spricht man nur, wenn der Patient dauerhaft gesund wird, das "spontan" steht auch hier für "ohne Behandlung" oder für eine Situation, in der die vorgenommene Behandlung normalerweise nicht zu einer Genesung führen würde. Von einer Heilung geht man bei vielen Tumorarten erst aus, wenn der Betroffene fünf Jahre nach der Diagnosestellung keine Krankheitszeichen aufweist.

In vielen Berichten über angebliche Spontanheilungen wird nicht deutlich, ob die Patienten nur zeitweilig "in Remission" oder tatsächlich dauerhaft geheilt waren. Unklar bleibt in vielen Dokumenten auch, welche Faktoren zum Verschwinden eines Tumors beigetragen haben könnten: Betroffene, die selbst von einer spontanen Genesung berichten, schreiben dies meist dem eigenen Bemühen zu. Andere machen dafür diverse alternative Heilverfahren verantwortlich, die den Körper zur Selbstheilung angeregt haben sollen.

Nach heutigem Wissensstand lassen sich keine Empfehlungen geben, wie eine Spontanheilung herbeizuführen wäre. Therapieangebote, die etwas anderes versprechen, werden von Fachleuten deshalb als unseriös bezeichnet.

Häufig, selten oder nie: Wie wahrscheinlich sind spontane Rückbildungen von Tumoren?

Wie häufig spontane Tumorrückbildungen sind, lässt sich kaum beziffern. Nicht immer sind sich Experten einig, ob die Rückbildung des Tumors nicht doch als Folge einer Behandlung anzusehen ist, oder wirklich unabhängig davon, also spontan passierte. Bei manchen vielleicht unerklärlichen Verläufen mangelt es auch schlicht an den notwendigen Informationen - weil Patienten den Arzt gewechselt haben, fehlen Unterlagen über früher durchgeführte Behandlungen. Bei anderen Berichten bestehen im Nachhinein Zweifel daran, dass der ursprüngliche Krebsverdacht überhaupt berechtigt war: Der Patient war möglicherweise gar nicht krebskrank.

Unsicherheiten kommen auch durch die heute mögliche Früherkennung von frühen Stadien oder Vorstufen von Krebs zustande, die vielleicht noch vor wenigen Jahren unentdeckt geblieben wären. Ohne moderne Untersuchungsverfahren wäre niemandem aufgefallen, wenn sich ein solcher - unentdeckter - Tumor auch ohne Behandlung wieder zurückgebildet hätte oder nicht weiter gewachsen wäre. Fachleute vermuten, dass etwa das sogenannte DCIS ("duktales Karzinom in-situ") ein Beispiel dafür sein könnte - eine Brustkrebsvorstufe in den Milchgängen, bei der die veränderten Zellen (noch) nicht in angrenzendes Gewebe wachsen oder Absiedlungen bilden. Aus Studien weiß man, dass nicht alle Patientinnen mit einem DCIS tatsächlich Brustkrebs entwickeln. Da bisher allerdings nicht feststellbar ist, bei welcher Frau die Zellen weiter wachsen werden und bei welcher nicht, empfehlen die aktuellen Leitlinien, ein DCIS  grundsätzlich zu behandeln (Patientenleitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft: www.krebsgesellschaft.de/download/patientenleitlinie_brustkrebs_100223.pdf).

Kommen Spontanremissionen bei allen Krebsarten vor?

Bei einigen Krebsarten häufiger

Bei Nierenzellkarzinomen, Melanomen, Lymphomen und dem Neuroblastom von Säuglingen und Kleinkindern kommen spontane Tumorrückbildungen häufiger vor als bei anderen Krebsarten.

Zwar können spontane Rückbildungen bei allen Krebsarten vorkommen. Bei einigen Krebserkrankungen werden sie jedoch häufiger beobachtet: Für Nierenzellkarzinome, Melanome und bösartige Lymphome ist zum Beispiel bekannt, dass die Krebszellen dieser Tumoren sehr abhängig von immunologischen Besonderheiten sind. Sie gehören zu den wenigen Tumorarten, bei denen das Immunsystem - oder möglicherweise andere körpereigene Regulationssysteme - selbst große Tumormassen zum Verschwinden bringen können, für einige Zeit und bei wenigen Patienten sogar auf Dauer. Rückbildungen ohne Therapie sind jedoch nicht automatisch mit einer dauerhaften Heilung gleichzusetzen und kommen auch nicht bei allen Patienten mit den genannten Erkrankungen in Frage.

Das bekannteste Beispiel für Spontanremissionen ist das Neuroblastom bei Säuglingen und Kleinkindern, ein Tumor, der von unreifen embryonalen Nervenzellen des sympathischen Nervensystems ausgeht. Mediziner beobachten bei dieser Erkrankung eine so hohe Rückbildungsrate, dass für Kinder im frühen Säuglingsalter abwartendes Beobachten als gängige Möglichkeit anerkannt ist. Spontanremissionen treten jedoch nicht in allen Krankheitsstadien auf, der Verzicht auf eine Behandlung ist also längst nicht bei allen Patienten möglich. Manchmal sind betroffene Kinder auch schlicht zu krank, um ihnen das Warten auf eine spontane Rückbildung zuzumuten. Dann ist es sinnvoller, den Prozess durch eine milde Chemotherapie anzustoßen, mehr dazu beim Portal Kinderkrebsinfo.de unter www.kinderkrebsinfo.de/e9031/e10591/e77083/e63943/index_ger.html.

Forschung: Welche Faktoren tragen zu spontanem Tumorrückgang bei?

Die meisten Beobachtungen an den im vorigen Abschnitt genannten, wenigen Tumorarten lassen sich nicht einfach auf andere Tumoren übertragen. Warum es bei manchen Patienten zu einer unerwarteten Genesung kommt, warum bei anderen zumindest zeitweilig keine Symptome mehr auftreten, ist noch nicht genau bekannt.

Fachleute diskutieren unterschiedliche biologische Abläufe, die dazu beitragen könnten. So könnte es zum Beispiel dazu kommen, dass die oft sehr unreifen, wenig "differenzierten" Tumorzellen doch noch zu normalen Zellen heranreifen. Ein viel diskutiertes Modell geht davon aus, dass Tumorzellen dadurch auch eine weitere Eigenschaft normaler Zellen entwickeln: die zum "programmierten Zelltod", auch "Apoptose" genannt. Dabei handelt es sich um das natürliche Absterben geschädigter oder gealterter Zellen.

Als Auslöser für Spontanremissionen kommen beispielweise auch Immunreaktionen infrage, die im Verlauf einer Infektion auftreten. Während normalerweise Krebszellen der Kontrolle des Immunsystems entgehen ("Immun-Editing"), könnte eine Infektion sie für die körpereigene Abwehr wieder "sichtbar" machen. Noch sind die Mechanismen nicht genau verstanden, die hierbei möglicherweise eine Rolle spielen.

Ein anderes Modell befasst sich mit der Unterbindung der Blutzufuhr des Tumors: Ab einer gewissen Größe einer Krebsgeschwulst reichen umliegende Blutgefäße nicht mehr aus, um den Tumor optimal mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen. Von den Krebszellen gehen dann Signale aus, die die Aderneubildung anregen, die sogenannte Angiogenese; ist der Tumor daraufhin von eigenen Blutgefäßen durchzogen, wächst er weiter. Es ist bekannt, dass Tumoren manchmal diesen Anschluss an die Blutversorgung nicht schaffen. Sie sterben ab.
Auch hormonelle Veränderungen können eine Rolle bei einer Tumorrückbildung spielen: Tumoren wie Brustkrebs oder Prostatakrebs sind von Sexualhormonen abhängig, von Östrogenen und Gestagenen bei Frauen, von Testosteron bei Männern. So wäre es zum Beispiel theoretisch möglich, dass bei Frauen, die in die Wechseljahre kommen und deren körpereigene Hormonproduktion nach und nach ausbleibt, hormonabhängige Krebsvorstufen wieder verschwinden könnten. Bei den vorgestellten Mechanismen handelt es sich noch um theoretische Modelle. Die Hoffnung ist: Je besser man die zugrundeliegenden Faktoren kennt, die bei einigen Patienten zu einer Spontanheilung führen, umso näher rücken Möglichkeiten, dieses Wissen für die Entwicklung neuer, gezielter Medikamente gegen Tumorzellen zu nutzen.

Welche Rolle spielt die Psyche?

Auch sogenannte "psychoneuroimmunologische" Mechanismen sind Gegenstand der Diskussion: Hier setzt die Forschung an Zusammenhängen zwischen psychologischen Faktoren und messbaren Veränderungen des Immunsystems an. Nach diesem Modell würden soziale Unterstützung, die individuelle Herangehensweise an die Krankheitsverarbeitung, Persönlichkeitsfaktoren oder ein spiritueller Wandel zur Heilung beitragen. Bisher lassen sich jedoch noch keine zuverlässige Aussagen über psychologische Aspekte bei Spontanheilungen machen. Noch fehlt der Beleg, dass sich das Immunsystem tatsächlich gezielt durch die Psyche beeinflussen lässt und dies auch gegen Krebs hilft. Dementsprechend gibt es auch keine Tipps oder Verhaltensmaßregeln, mit denen Patienten selbst aktiv werden können. Weitere Informationen zu psychischen Einflüssen bei der Krebsentstehung bietet der Krebsinformationsdienst hier.

Selbst aktiv werden: Lässt sich eine Spontanremission oder gar eine Spontanheilung fördern?

Internationale Studiengruppen sammelten in den vergangenen Jahren verfügbare Daten über Spontanheilungen. Gesucht wurde nach jeder Art von Auffälligkeiten, die mit der "unerwarteten Genesung" der Patienten hätte in Zusammenhang stehen können. In Deutschland waren dies beispielsweise Gruppen des Klinikums Nürnberg oder des Universitätsklinikums Heidelberg. Nach der Auswertung dieser Daten kamen die beteiligten Forscher zu dem Schluss: Empfehlungen, wie eine Spontanheilung zu fördern wäre, lassen sich daraus nicht ableiten.

Die Forschungen haben zudem gezeigt: Alternative Therapieansätze, zum Beispiel solche, die eine Stärkung des Immunsystems bewirken sollen, bieten ebenfalls keine Erfolgsaussichten. Dafür spricht zum Beispiel, dass spontane Tumorrückbildungen auch bei Erkrankungen mit deutlich gestörtem Immunsystem vorkommen, zum Beispiel bei Non-Hodgkin-Lymphomen oder vereinzelt sogar bei AIDS-Patienten mit Tumorerkrankungen.

Unseriöse Angebote

Nach heutigem Wissensstand ist nicht bekannt, wie eine Spontanheilung herbeizuführen wäre. Therapieangebote, die etwas anderes versprechen, sollten sehr sorgfältig geprüft werden.

Menschen, die selbst eine unerwartete Genesung erlebt haben, bringen dies meist mit dem eigenen Schicksal, dem eigenen Bemühen in Zusammenhang. Die Schilderungen dieser Menschen sind oft höchst eindrucksvoll. Sie machen aber auch deutlich, dass es nicht "den richtigen Weg zur Heilung" gibt, sondern dass jeder seinen eigenen, einzigartigen Weg eingeschlagen hat. Welche Formen der Krankheitsbewältigung heute als günstig gelten, warum aber starre Rezepte wie etwa das "positive Denken" sich nicht bewährt haben, hat der Krebsinformationsdienst in seinem Text "Krankheitsbewältigung" zusammengestellt. Über Möglichkeiten der Unterstützung informiert der Text "Psychologische Unterstützung".

  • Die Tatsache, dass es – wenn auch selten – unerwartete Genesung gibt, kann Patienten und Angehörigen Hoffnung geben.
  • Patienten sollten jedoch nicht in Erwartung einer Spontanheilung mit ihrer Behandlung abwarten oder gar ganz auf eine Therapie verzichten.

Weitere Informationen und Unterstützung: Krebsberatungsstellen

Krebsberatungsstellen gibt es in den meisten größeren Städten und regionalen Zentren. Patienten können sich an sie wenden, wenn sie sich wegen des Verlaufs ihrer Erkrankung Sorgen machen und wissen möchten, was sie selbst beitragen können. Eine Adress-Datenbank zu bundesweiten Angeboten hat der Krebsinformationsdienst hier bereitgestellt.

Quellen und Hintergrundinformationen für Interessierte und Fachkreise

Die folgenden Publikationen stellen nur eine Auswahl genutzter Quellen und Hintergrundinformationen dar. Die meisten Veröffentlichungen zum Thema Spontanheilung sind Fallberichte, daneben gibt es Schilderungen aus Patientensicht. Neuere größere Studien zum Thema gibt es nur sehr wenige. Die Grundlagenforschung befasst sich unter vielen Aspekten mit den Selbstheilungskräften des Körpers; mögliche Mechanismen, die in der Immunabwehr eine Rolle spielen, sind nur ein Beispiel. Fachveröffentlichungen liegen überwiegend in englischer Sprache vor, sie richten sich an vorinformierte Leser und sind meist nur über wissenschaftliche Bibliotheken oder kostenpflichtige Onlinedienste zugänglich.

Kappauf H (2003) Wunder sind möglich. Spontanheilung bei Krebs. Freiburg. Herder-Verlag. ISBN-13: 978-3451281082.
Das Buch ist über den Buchhandel erhältlich.

Barasch MI (2008) Remarkable Recoveries: Research and Practice from a Patient's Perspective. Hematology/Oncology Clinics of North America 22: 755-766.

Sengupta N et al. (2010) Cancer immunoediting and "spontaneous" tumor regression. Pathology – Research and Practice 206: 1-8.