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Recherche des Monats: Tageslicht-PDT bei Aktinischen Keratosen

Neue Form der Photodynamischen Therapie gegen Hautkrebsvorstufen

Sonne und warme Temperaturen. Endlich ist Sommer und wir können uns wieder länger im Freien aufhalten. Doch die UV-Strahlung kann auch schaden: Sie kann Krebsvorstufen und weißen Hautkrebs hervorrufen. Je älter man wird, umso höher ist das Risiko, dass sich an lichtexponierten Körperstellen aktinische Keratosen, Spinaliome und Basaliome bilden. Mithilfe von Tageslicht sollen nun gerade diese Krebsarten beziehungsweise deren Vorstufen behandelt werden. Von Hautärzten wird immer häufiger die sogenannte Tageslicht-PDT angeboten. Dabei handelt es sich um eine neue Form der herkömmlichen Photodynamischen Therapie, kurz PDT. Anstelle von Licht aus künstlichen Quellen wird natürliches Tageslicht genutzt.
Was ist dran an der neuen Behandlungsmethode? Ist sie in ihrer Wirksamkeit mit dem bisherigen Standard vergleichbar? Und wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus? Die Antworten auf diese Fragen hat krebsinformationsdienst.med anhand einer Anfrage in der "Recherche des Monats" für Sie zusammengestellt.



Fazit: Gute Wirksamkeit bei geringen Nebenwirkungen

Verschiedene Expertengruppen kommen in ihren aktuellen Empfehlungen zu dem Ergebnis: Eine Photodynamische Therapie mit Tageslicht ist geeignet, um Patienten mit multiplen aktinischen Keratosen (Feldkanzerisierung) zu behandeln.
In verschiedenen, zum Teil randomisierten Studien zeigte eine Behandlung mit der Tageslicht-PDT vergleichbare Ergebnisse wie eine Behandlung mit einer herkömmlichen PDT. Beurteilt wurde wie deutlich die Hautveränderungen nach einem festgelegten Zeitraum abnahmen.
Die große Mehrzahl der mit einer Tageslicht-PDT behandelten Patienten empfand diese als weniger schmerzhaft als eine Therapie mit einer herkömmlichen PDT. Die bekannten Entzündungsreaktionen an der Haut, wie Rötungen und Krustenbildung, traten bei beiden PDT-Formen auf: Häufigkeit und Ausprägung dieser Nebenwirkungen waren vergleichbar. Auch mit den kosmetischen Ergebnissen beider Therapieformen waren die Patienten zufrieden.

Studienlage: Tageslicht-PDT versus herkömmliche PDT

Photosensitizer

Bei einem Photosensitizer handelt es sich um einen "lichtsensibilisierenden" Stoff. Im Rahmen einer Photodynamischen Therapie wird dieser zunächst auf die zu behandelnde Hautareale aufgetragen. Bei der nachfolgenden Belichtung werden die veränderten (Tumor-) Zellen dann durch eine phototoxische Reaktion geschädigt und gehen zugrunde.

Mehrere Studien haben die Behandlung von aktinischen Keratosen mit einer Tageslicht-PDT untersucht. Zwei aktuelle Übersichtsarbeiten fassen die Ergebnisse von zwei großen Phase-III-Studien zusammen. Beide Studien untersuchten Wirkung und Nebenwirkungen einer Tageslicht-PDT und einer herkömmlichen PDT im direkten Vergleich: Behandelt wurden mit dem jeweiligen Verfahren zwei symmetrische Hautareale desselben Patienten, also im intraindividuellen Vergleich. Als Photosensitizer wurde Methylaminolevulinat, kurz MAL, verwendet.

Wirksamkeit

In einer multizentrischen, europäischen Phase-III-Studie (COMET 2, n = 96) heilten 70 Prozent der aktinischen Keratosen nach einer Tageslicht-PDT komplett ab, nach einer herkömmlichen PDT waren es 74 Prozent.
In einer multizentrischen, australischen Phase-III-Studie (COMET 1, n = 90) lagen die Abheilungsraten mit knapp 90 Prozent und 93 Prozent bei beiden Methoden insgesamt höher. Beurteilt wurden die Hautveränderungen 12 Wochen nach der Therapie.
Auch die Autoren zweier monozentrischer Studien aus Dänemark (n = 29) und Italien (n = 35) berichten von ähnlichen Ergebnissen im intraindividuellen Vergleich. Die italienische Studiengruppe beobachtete jedoch abhängig vom Ausmaß der aktinischen Keratosen einen Unterschied bei den Abheilungsraten: Waren die Hautveränderungen dicker und größer, erreichte die Tageslicht-PDT nur noch etwa die Hälfte des Effekts einer herkömmlichen PDT. Generell ist der Nutzen einer PDT größer, je begrenzter, beziehungsweise oberflächlicher die Läsionen sind.

Nebenwirkungen

Rötungen und Krusten entwickelten sich in ähnlichem Ausmaß sowohl nach einer Tageslicht- als auch nach einer herkömmlichen PDT. Übereinstimmend war in allen Studien die Therapie mit einer Tageslicht-PDT für die Patienten deutlich weniger schmerzhaft als mit einer herkömmlichen PDT. Nach ihrer Zufriedenheit befragt, würde sich die Mehrzahl der Patienten erneut für eine Tageslicht-PDT entscheiden. Die Patienten bewerteten die kosmetischen Ergebnisse sowohl für die Tageslicht- als auch für die herkömmliche PDT mit gut bis sehr gut.

Ausblick

Offen sind bisher vor allem Fragen dazu, wie die Tageslicht-Dosis genauer bemessen werden kann. Beobachtet wurde, dass beispielsweise ein bedeckter Himmel oder kühleres Wetter keine Hindernisse für die Durchführung einer Tageslicht-PDT darstellen.
Auch die Nachbeobachtungszeiten der bisher durchgeführten Studien sind mit einigen Monaten bisher kurz, Langzeitergebnisse fehlen. Lediglich in der australischen Phase-III-Studie wurden die Patienten nach 6 Monaten erneut einbestellt und der Befund kontrolliert: Bei gut 95 Prozent der abgeheilten aktinischen Keratosen war es weder nach der Tageslicht- noch nach der herkömmlichen PDT zu Rezidiven gekommen.
Verschiedene nationale und internationale Expertengruppen haben die Tageslicht-PDT bereits in ihre Empfehlungen zur Therapie von aktinischen Keratosen aufgenommen - davon einzelne auch in Europa. Für Deutschland sind konsentierte Aussagen vor allem mit der Aktualisierung der Leitlinien zu den nicht melanozytären Hauttumoren und deren Vorstufen 2018 zu erwarten.
Ob die Kosten für die Behandlung von den Krankenkassen übernommen werden, sollte sowohl für die herkömmliche PDT als auch für die Tageslicht-PDT zuvor erfragt werden.





Herausgeber: Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) │ Autoren/Autorinnen: Fachkreise-Redaktion des Krebsinformationsdienstes. Lesen Sie mehr über die Verantwortlichkeiten in der Redaktion.

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