Oberkörper eine Frau mit leuchtendem Tumor an der Brust

Brustkrebs: Therapie bei Metastasen

Aktualisiert am:

Von: Dr. Frauke Focke (Dipl.-Biologin)

  • Metastasierter Brustkrebs bedeutet: Die Erkrankung hat sich über die Brust hinaus im Körper ausgebreitet: zum Beispiel in die Knochen, die Leber, die Lunge oder das Gehirn. Eine Heilung ist dann nicht mehr möglich.
  • Dennoch gibt es viele wirksame Therapien. Ziel der Behandlung ist es, die Erkrankung möglichst gut zu kontrollieren und Ihre Lebensqualität so weit wie möglich zu erhalten.
  • Welche Behandlung für Sie infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab: zum Beispiel von den Eigenschaften Ihres Tumors, den betroffenen Organen und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand.

Hinweis

Dieser Text bietet Informationen zu fortgeschrittenem Brustkrebs mit Metastasen in anderen Organen.

Informationen zur Therapie von frühem Brustkrebs, der auf die Brust begrenzt ist, finden Sie unter Brustkrebs: Therapie von örtlich begrenzten Tumoren.

Für mehr Informationen und andere Erkrankungssituationen: Gerne können Sie unsere Ärztinnen und Ärzte kostenfrei kontaktieren.

Wichtig: Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

Wenn Brustkrebs sich in andere Organe ausgebreitet hat, dann ist die Erkrankung nicht mehr heilbar. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass die Lebenserwartung stark eingeschränkt ist. Viele Patientinnen können über längere Zeit gut mit der Erkrankung leben. 

Die Prognose ist aber je nach Erkrankungssituation sehr unterschiedlich. Sie hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von den Eigenschaften des Tumors und davon, welche Organe betroffen sind. Auch der allgemeine Gesundheitszustand spielt eine Rolle für die individuelle Lebenserwartung.

Fragen Sie Ihre Ärztinnen und Ärzte

Diese kennen Ihre persönliche Erkrankungssituation und alle Befunde am besten. Sie können einschätzen, welche Faktoren für Sie wichtig sind und welche Entwicklung bei Ihrer Erkrankung wahrscheinlich ist.

Grafische Darstellung einer Brust mit einem Tumor. Darunter Tumorzellen mit 1) Hormonbindestellen 2) HER2-Eiweiß 3) ohne diese Merkmale 4) mit beiden Merkmalen
Je nach ihren biologischen Eigenschaften unterscheiden Fachleute verschiedene Haupttypen von Brustkrebs und seinen Metastasen.
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; erstellt mit BioRender.com

Wenn Metastasen gefunden wurden, sind in der Regel weitere Untersuchungen notwendig. Mit den Ergebnissen können die Ärzte die Erkrankung besser beurteilen und die Behandlung individuell planen. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt von der individuellen Situation ab.

Dazu gehören bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie (CT) und eine Knochenszintigraphie. Diese Untersuchungen zeigen, wie weit und in welche Organe sich der Krebs ausgebreitet hat.

Die Ärztin oder der Arzt entnimmt außerdem eine Gewebeprobe (Biopsie) aus einer Metastase. An dieser prüfen Fachleute, welche Eigenschaften die Tumorzellen haben und ob diese sich vom ursprünglichen Brusttumor unterscheiden. Eine wichtige Frage ist zum Beispiel, ob die Tumorzellen Hormonrezeptoren oder das Eiweiß HER2 tragen. Denn dann gibt es darauf abgestimmte Medikamente.

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden dabei 3 Haupttypen:

Manchmal sind Brustkrebszellen sowohl Hormonrezeptor- als auch HER2-positiv.

Bei manchen Patientinnen untersuchen die Ärzte noch andere molekularbiologische Eigenschaften der Tumorzellen. Diese zeigen, welche weiteren zielgerichteten Medikamente oder Immuntherapien wirksam sein können. Diese Untersuchung kann an Gewebe des Ursprungstumors oder der Metastase, manchmal auch an einer Blutprobe stattfinden.

Die Behandlung bei metastasiertem Brustkrebs zielt darauf ab, die Erkrankung möglichst gut zu kontrollieren. Das bedeutet, die Therapie soll: 

  • die Lebenszeit verlängern,
  • Symptome lindern und
  • die Lebensqualität verbessern oder erhalten.

Dabei empfiehlt das Behandlungsteam Ihnen in der Regel eine Therapie, die im ganzen Körper wirkt. Manchmal ist es auch möglich, einzelne Metastasen örtlich zu behandeln

Sollte der Ursprungstumor in der Brust noch vorhanden sein, dann wird er in der Regel nicht örtlich behandelt. Denn es hat sich gezeigt, dass das die Lebenserwartung nicht verbessert. Sollte er belastende Symptome wie Schmerzen verursachen, dann kann eine Entfernung dennoch infrage kommen.

Die Therapie wird an Ihre individuelle Situation angepasst. Bei ihrer Empfehlung berücksichtigen die Ärzte verschiedene Faktoren, zum Beispiel:

  • die biologischen Eigenschaften Ihrer Tumorzellen
  • wie aggressiv der Krebs wächst
  • wo und wie viele Metastasen vorhanden sind
  • welche Symptome im Vordergrund stehen
  • ob Sie vor oder nach den Wechseljahren sind
  • ob und welche Behandlungen Sie bisher erhalten haben
  • ob Sie Begleiterkrankungen haben
Eine junge Frau sitzt einem Arzt am Schreibtisch gegenüber.
Gemeinsam mit Ihren Ärzten entscheiden Sie, welche Therapie in Ihrer persönlichen Situation am besten geeignet ist. [Symbolbild]
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; Foto: Tobias Schwerdt

Auch Ihre Erwartungen und Wünsche spielen eine Rolle bei der Wahl der Therapie. Scheuen Sie sich also nicht, Ihre Sichtweise mit einzubringen. Gemeinsam mit dem Ärzteteam entscheiden Sie, was in Ihrer persönlichen Situation die beste Behandlung ist.

Unterstützende Behandlungen: Je nach Bedarf bekommen Sie zusätzlich sogenannte supportive Therapien. Diese sollen belastende Symptome oder Therapienebenwirkungen lindern – richten sich also nicht direkt gegen den Brustkrebs oder seine Metastasen.

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Wie lange dauert die Behandlung?

Bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung gibt es keinen festgelegten Zeitpunkt für ein Ende der Therapie. Die Behandlung wird so lange fortgesetzt, wie sie wirkt oder bis zu starke Nebenwirkungen auftreten.

Was passiert, wenn die Behandlung nicht (mehr) wirkt?

Wenn die Erkrankung trotz einer Therapie weiter fortschreitet, dann prüft das Ärzteteam, welche weiteren Medikamente für Sie infrage kommen. Häufig ist es möglich, auf andere Wirkstoffe zu wechseln und mit diesen die Therapie fortzusetzen.

Kann ich an einer klinischen Studie teilnehmen?

Je nach Erkrankungssituation kommt eventuell eine klinische Studie für Sie infrage. Ob Sie daran teilnehmen möchten oder nicht, entscheiden Sie nach sorgfältiger Abwägung selbst. Antworten auf häufige Fragen zu klinischen Studien finden Sie unter Klinische Studien bei Krebs: Ihre Fragen – unsere Antworten.

Wie wird überprüft, ob die Therapie wirkt?

Während der Behandlung werden Sie regelmäßig untersucht. Dafür nutzen die Ärzte in der Regel bildgebende Verfahren. Hinzukommen können je nach Ihrer persönlichen Situation weitere Untersuchungen wie die Bestimmung von Tumormarkern im Blut.

Der Abstand der Untersuchungstermine ist individuell unterschiedlich. Er kann wenige Wochen bis mehrere Monate betragen. Der genaue Zeitpunkt richtet sich nach der Therapie, die Sie erhalten, nach Größe und Ort der Metastasen und danach, wie Ihre Erkrankung verläuft. Die Abstände können sich auch im Laufe der Erkrankung immer wieder ändern. 

Wichtig

Wenn Sie zwischen zwei Untersuchungen neue Symptome bei sich feststellen, zögern Sie nicht, Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufzusuchen – denn solche Beschwerden sollten zeitnah abgeklärt werden.

Wenn die Tumorzellen Bindestellen für Hormone haben, dann sind sie empfindlich gegenüber einer Antihormontherapie. Patientinnen bekommen dann in der Regel antihormonelle Medikamente. Welche das sind, hängt davon ab, ob und welche vorherige Behandlung sie erhalten haben. Weitere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle, beispielsweise Begleiterkrankungen.

Beispiele für häufig eingesetzte antihormonelle Wirkstoffe sind

  • Aromatasehemmer wie Anastrozol oder Letrozol
  • Fulvestrant
  • GnRH-Analoga wie Goserelin (bei Frauen vor den Wechseljahren)
  • Elacestrant (bei Frauen mit einer bestimmten Veränderung in den Krebszellen)

Hinzu kommen meist weitere zielgerichtete Medikamente. Je nach den biologischen Eigenschaften der Tumorzellen und der Vorbehandlung kommen unterschiedliche Wirkstoffe infrage. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Zellteilungshemmer wie Palbociclib, Ribociclib oder Abemaciclib
  • Everolimus
  • Capivasertib
  • Inavolisib

Wenn die Antihormontherapie nicht (mehr) wirkt, können Patientinnen auch eine Chemotherapie erhalten.

Zum Weiterlesen

Wie die Antihormontherapie, die zielgerichtete Therapie und die Chemotherapie ablaufen und welche Nebenwirkungen möglich sind, lesen Sie unter 

Antihormontherapie bei Brustkrebs

Brustkrebs: Zielgerichtete Therapien und Immuntherapie

Chemotherapie bei Brustkrebs

Was bedeutet "HER2-positiv"?

Auf der Oberfläche der Brustkrebszellen befinden sich große Mengen des Eiweißes HER2. Dieses Eiweiß leitet Wachstumssignale in die Krebszelle weiter.

Wenn HER2 auf den Tumorzellen vorhanden ist, dann empfehlen Fachleute zielgerichtete Medikamente. Diese unterbrechen gezielt die Wachstumssignale, die über HER2 in die Zelle gelangen.

Dafür kommen unterschiedliche Wirkstoffe infrage. Patientinnen erhalten manchmal auch mehrere dieser Wirkstoffe in Kombination.

Ein Teil der Wirkstoffe bindet außen an der Zelle an HER2. Dazu gehören:

  • Trastuzumab
  • Pertuzumab

Andere Wirkstoffe dringen in die Zelle ein und blockieren dort die Weiterleitung der Wachstumssignale. Dazu gehören:

  • Lapatinib
  • Tucatinib
  • Neratinib

Kombiniert mit der zielgerichteten Therapie gegen HER2 erhalten Patientinnen häufig eine Chemotherapie.

Außerdem gibt es Medikamente, bei denen die Chemotherapie direkt an einen zielgerichteten Wirkstoff gekoppelt ist. Sie bringen den Chemo-Wirkstoff zielgenau zu den Brustkrebszellen. Beispiele sind 

  • Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd)
  • Trastuzumab-Emtansin (T-DM1)

Tragen die Brustkrebszellen sowohl Hormonbindestellen als auch HER2, dann beginnt die Therapie in der Regel mit einem Wirkstoff gegen HER2 und einer Chemotherapie. Wenn diese Therapie gut wirkt, folgt nach Abschluss der Chemo eine Antihormontherapie. Auch diese wird mit zielgerichteten Medikamenten gegen HER2 kombiniert.

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Mehr zu Ablauf und Nebenwirkungen der Therapie lesen Sie unter

Triple-negativ bedeutet: Die Brustkrebszellen besitzen weder Bindestellen für die Hormone Östrogen und Progesteron, noch ist auf ihrer Oberfläche das Eiweiß HER2 zu finden.

Patientinnen erhalten dann in der Regel eine Chemotherapie. Die Chemotherapie kann auch direkt an ein zielgerichtetes Medikament gekoppelt sein. Beispiele für solche Wirkstoff-Kombinationen sind

  • Sacituzumab-Govitecan (SG)
  • Datopotamab-Deruxtecan (Dato-DXd)

Je nach den biologischen Eigenschaften der Tumorzellen können noch andere Medikamente eingesetzt werden:

  • zielgerichtete Medikamente wie Olaparib oder Bevacizumab
  • eine Immuntherapie mit Wirkstoffen wie Pembrolizumab oder Atezolizumab

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Mehr zu Ablauf und Nebenwirkungen der Therapie lesen Sie unter

Chemotherapie bei Brustkrebs

Brustkrebs: Zielgerichtete Therapien und Immuntherapie

Bei fortgeschrittenem Brustkrebs steht eine Behandlung im Vordergrund, die im ganzen Körper wirkt. Manchmal ist es dennoch sinnvoll, Metastasen auch örtlich zu behandeln – vor allem, wenn es nur wenige sind und wenn sie erst lange Zeit nach der ursprünglichen Erkrankung aufgetreten sind. 

Ziel der örtlichen Behandlung kann sein:

  • Schmerzen zu lindern
  • Einschränkungen bei der Beweglichkeit zu verbessern
  • Komplikationen zu verhindern, zum Beispiel Knochenbrüche bei Knochenmetastasen

Je nach Lage, Größe und Anzahl der Metastasen und den Symptomen, die sie verursachen, kommen verschiedene Behandlungen infrage, zum Beispiel:

  • eine örtliche Bestrahlung
  • eine Operation
  • eine Radionuklid-Therapie (Behandlung mit radioaktiven Substanzen, die sich im Tumorgewebe anreichern)
  • eine sogenannte Ablation (Zerstörung des Tumorgewebes) mit Hitze oder Kälte
  • eine örtliche Chemotherapie

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Ausführliche Informationen zu Metastasen in verschiedenen Organen lesen Sie in den Texten

Zur Behandlung einer fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung gehört auch eine begleitende Therapie. Diese soll Symptome der Erkrankung und Nebenwirkungen der Tumortherapie mindern, sowie insgesamt die Lebensqualität verbessern. Ziel ist es zum Beispiel

  • Schmerzen zu lindern
  • Blutarmut zu vermeiden oder zu mindern
  • Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall vorzubeugen oder zu behandeln
  • Nebenwirkungen an der Haut und an Schleimhäuten vorzubeugen oder zu behandeln

Dafür setzten die Ärzte verschiedene Medikamente und andere Verfahren ein.

Bei Knochenmetastasen können Patientinnen außerdem knochenstabilisierende Medikamente wie Bisphosphonate oder Denosumab bekommen. Diese können helfen, Knochenschmerzen zu lindern und Komplikationen wie Knochenbrüche zu verhindern.

Neben der unterstützenden Therapie können weitere Maßnahmen wichtig sein. Dazu zählen zum Beispiel Physiotherapie, Ernährungsberatung, psychologische Unterstützung oder eine sozialrechtliche Beratung.

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Ausführliche Informationen zu verschiedenen belastenden Symptomen und Therapiefolgen sowie ihrer Behandlung finden Sie unter Nebenwirkungen und Spätfolgen bei Krebs.

Wie Sie Ihr Leben trotz Brustkrebserkrankung gestalten können, erfahren Sie im Text Leben mit Brustkrebs.

Tipps für die seelische Bewältigung einer Krebserkrankung und Anlaufstellen für eine psychologische Unterstützung finden Sie unter Krebs und Psyche.

Zu verschiedenen rechtlichen und finanziellen Themen informieren wir unter Recht und finanzielle Absicherung bei Krebs.

Irgendwann kommt vielleicht der Zeitpunkt, an dem sich der Krebs nicht mehr wirksam behandeln oder aufhalten lässt. 

In dieser Phase entscheiden Betroffene gemeinsam mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten, welche medizinischen Maßnahmen noch sinnvoll und gewünscht sind. Häufig steht nicht mehr die Behandlung der Krebserkrankung im Vordergrund, sondern die Linderung von Beschwerden und der Erhalt der Lebensqualität – zum Beispiel durch eine gute Schmerztherapie oder die Behandlung belastender Symptome.

Neben körperlichen Beschwerden gewinnen dann auch seelische, soziale und spirituelle Themen an Bedeutung. Viele Patientinnen setzen sich in dieser Zeit intensiver mit ihren Wünschen, Bedürfnissen und offenen Fragen auseinander. Dazu gehört auch die Entscheidung, welche unterstützenden Maßnahmen sie sich am Lebensende wünschen und welche nicht.

Ziel ist es, die verbleibende Zeit selbstbestimmt, würdevoll und möglichst beschwerdearm zu gestalten.

Zum Herunterladen und Ausdrucken

Informationen zur Versorgung bei weit fortgeschrittener Krebserkrankung und zu Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie im Informationsblatt „Fortgeschrittene Krebserkrankung: Behandlung, Pflege und Betreuung“ (PDF)

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