Schematische, anatomische Darstellung des Körpers mit mehreren leuchtenden Tumoren (Metastasen) in der Lunge.

Lungenmetastasen bei Krebs

Symptome, Diagnose, Behandlung

Aktualisiert am:

Von: Vanessa Schöner (Zellbiologin, M.Sc.)

  • Lungenmetastasen sind Tumoren in der Lunge, die normalerweise von Krebs in anderen Körperteilen stammen. Etwa 3 von 10 Menschen mit Krebs haben im Verlauf der Krankheit irgendwann Lungenmetastasen.
  • Mit einer Computertomographie können Ärztinnen und Ärzte Lungenmetastasen zuverlässig finden.
  • Die Behandlung von Lungenmetastasen hängt von verschiedenen Faktoren ab: etwa den Eigenschaften des Ursprungstumors, der Ausdehnung der Metastasierung und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Betroffenen.

Wichtig zu wissen

Idealerweise sind Spezialistinnen und Spezialisten verschiedener Fachrichtungen an der Therapieentscheidung beteiligt. Für Betroffene ist es daher wichtig, dass die Entscheidungen zur Therapie in einem spezialisierten Zentrum von erfahrenen Lungenspezialisten, Chirurgen, Strahlentherapeuten, Onkologen und Palliativmedizinern getroffen wird. Mehr Informationen dazu bieten wir im Text Krebs: Gute Krankenhäuser finden.

Tumoren können in die Lunge streuen.
Tumoren können in die Lunge streuen.
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; erstellt mit BioRender.com

Lungenmetastasen entstehen, wenn sich ein bereits vorhandener Tumor im Körper ausbreitet. Denn es können sich Tumorzellen vom Ursprungstumor ablösen. Über das Blut und die Lymphbahnen verteilen sie sich im Körper und können in andere Gewebe eindringen. Siedeln sich solche Tumorzellen in der Lunge an, bilden sie dort Lungenmetastasen.

Lungenmetastasen entstehen in der Regel nicht aus Tumoren in der Lunge. Sie stammen von einem Krebs in anderen, weiter entfernten Organen ab. Daher bezeichnen Fachleute Metastasen in der Lunge als Fernmetastasen.

Sind Lungenmetastasen Lungenkrebs?

Lungenmetastasen sind kein Lungenkrebs. Metastasen in der Lunge sind in der Regel Absiedlungen von Krebs in einem anderen Organ. 

Die Ausnahme: Breitet sich Lungenkrebs von einer Lungenseite auf die andere aus, sprechen Fachleute ebenfalls von Lungenmetastasen. Betroffene haben dann Lungenkrebs mit Lungenmetastasen.

Die Lunge ist nach der Leber das Organ, in dem sich Metastasen am zweithäufigsten bilden. Etwa 3 von 10 Menschen mit Krebs haben im Verlauf der Krankheit irgendwann Lungenmetastasen. Oft haben Betroffene zusätzliche Metastasen in anderen Organen. 

Niemand kann mit Sicherheit vorhersagen, wer Lungenmetastasen bekommt und wer nicht. Wer dennoch mehr über sein individuelles Risiko für Lungenmetastasen wissen möchte, kann mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten sprechen.

Nicht jeder Tumor bildet Lungenmetastasen

Folgende Krebsarten verursachen am häufigsten Lungenmetastasen:

  • Brustkrebs
  • Darmkrebs
  • Nierenkrebs
  • Weichteilkrebs
  • schwarzer Hautkrebs

Wichtig: Sie entstehen aber auch bei diesen Krebsarten nicht immer und können auch bei anderen Tumorarten vorkommen.

CUP-Syndrom: Lungenmetastasen ohne Ursprungstumor

Zum Weiterlesen

Mehr zum Thema finden Sie auf unserer Internetseite unter CUP-Syndrom: Metastasen bei unbekanntem Primärtumor.

Bei manchen Patienten entdecken Ärzte Metastasen in der Lunge, finden aber den dazugehörigen Ursprungstumor nicht. Fachleute sprechen dann von "Krebs bei unbekanntem Primärtumor". In Deutschland ist die Abkürzung "CUP" für das englische "cancer of unknown primary" üblich.

Wichtig zu wissen

Am besten sprechen Sie über Ihre individuelle Prognose mit ihren behandelnden Ärzten. Diese haben alle Informationen und können die Lage am besten einschätzen. Informationen aus dem Internet können dieses Arztgespräch nicht ersetzen.

Lungenmetastasen sprechen meist für eine fortgeschrittene Krebserkrankung. Die Prognose ist daher oft schlecht. Wie die Krankheit verläuft, ist aber von Person zu Person sehr unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Um welche Krebsart handelt es sich beim Ursprungstumor? Verschiedene Krebsarten haben auch unterschiedliche biologische Eigenschaften. Daher können Ärzte manche Lungenmetastasen besser behandeln als andere.
  • Wie viele Metastasen sind vorhanden und wo liegen sie? Eine einzelne Lungenmetastase ist beispielsweise oft mit einer besseren Prognose verbunden als mehrere Metastasen.
  • Wie viel Zeit ist seit der ursprünglichen Diagnose vergangen? Treten die Lungenmetastasen erst mehrere Jahre nach der ursprünglichen Diagnose auf, ist die Prognose meistens besser.

Sind Lungenmetastasen heilbar?

Wenn die Lungenmetastasen durch eine Operation komplett entfernt werden können, besteht die Chance auf Heilung. Oft ist das jedoch nicht möglich. Oder es entstehen zu einem späteren Zeitpunkt neue Metastasen.

Wenn die Krebserkrankung nicht mehr heilbar ist, versuchen Ärztinnen und Ärzte die Erkrankung zu verlangsamen und belastende Beschwerden zu lindern. Manchmal können Betroffene dadurch noch über einen längeren Zeitraum ein weitgehend normales Leben führen.

Hilfe finden

Das Wissen über eine fortgeschrittene Krebserkrankung kann Betroffene und Angehörige sehr belasten.

Lungenmetastasen verursachen meistens anfangs keine Symptome: Nur etwa 15 bis 20 von 100 Menschen mit Lungenmetastasen haben Beschwerden. Ob und welche Symptome auftreten, ist davon abhängig, wo die Tumoren in der Lunge sitzen und wie ausgedehnt sie sind. 

Die meisten Metastasen sitzen im Randbereich der Lunge (peripher). Sie verursachen in der Regel keine Symptome. 

Sitzt die Metastase tiefer in der Lunge (zentral), können Symptome auftreten. Denn dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Metastase wichtige Bereiche der Atemwege zusammendrückt oder in die Bronchien einwächst. 

Mögliche Symptome sind:

  • Husten
  • Brustschmerzen
  • Bluthusten (Hämoptysen)
  • Lungenentzündung (Pneumonie)

Gut zu wissen

Atembeschwerden treten nur in ganz bestimmten Erkrankungssituationen auf. Beispielsweise, wenn sehr viele Metastasen in der Lunge sind oder wenn die Metastasen die zentralen Atemwege einengen.

Atemnot kann auch auftreten, wenn sich Metastasen in dem die Lunge umgebenden Brustfell (Pleura) gebildet haben.

Lungenmetastasen verursachen anfangs meist keine Symptome. Daher suchen Ärztinnen und Ärzte selten speziell nach Lungenmetastasen. In der Regel entdecken sie Lungenmetastasen im Rahmen genauerer Untersuchungen nach der Diagnose des Ursprungstumors (Ausbreitungsdiagnostik). Oder die Metastasen werden bei der Nachsorge einer Tumorerkrankung gefunden, beispielsweise, wenn Symptome abgeklärt werden. 

Folgende Untersuchungen kommen infrage:

  • Röntgenuntersuchung
  • Computertomographie (CT)
  • Lungenspiegelung
  • Biopsie

Welche dieser Untersuchungen durchgeführt werden und in welcher Reihenfolge, hängt vom Anlass der Untersuchung und der individuellen Situation ab. Arzt und Betroffene besprechen Nutzen und Risiken der jeweiligen Untersuchungen im Aufklärungsgespräch. 

Suchen die Ärzte aktiv nach Lungenmetastasen?

Nicht bei allen Tumorarten empfehlen Fachleute eine Ausbreitungsdiagnostik, also die Suche nach Metastasen. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass 

  • Lungenmetastasen bei der entsprechenden Tumorart selten vorkommen,
  • oder die Prognose sich durch eine sehr frühzeitige Entdeckung der Metastasen nicht verbessert.

Röntgen

Mann steht mit freiem Oberkörper und Bleischürze um den Unterleib vor einem Röntgengerät.
Für die Aufnahme stehen Patientinnen und Patienten mit nacktem Oberkörper vor dem Röntgengerät. Filter und eine Bleischürze reduzieren die Strahlenbelastung. Sie schützen insbesondere die empfindlichen Geschlechtsorgane.
Bild: © serhii_bobyk, Freepik

Eine Röntgenuntersuchung (Röntgenthorax) ist die einfachste Untersuchung, um Metastasen in der Lunge nachzuweisen. Daher erhalten Patientinnen und Patienten sie oft zuerst.

Die Aufnahme

  • geht schnell,
  • ist verhältnismäßig wenig belastend
  • und kostengünstig.

Was kann die Röntgen-Untersuchung leisten? Auf dem Röntgenbild sehen die Ärztinnen und Ärzte Gewebeveränderungen ab einer Größe von 1 Zentimeter. Liefert die Röntgenuntersuchung Hinweise auf Lungenmetastasen, klären Fachleute den Befund mit einer Computertomographie ab. 

Computertomographie (CT)

Mann, der gerade in einem Computertomographen liegt.
Ein Computertomograph ist keine enge Röhre, sondern eher ein großer Ring mit Öffnungen an beiden Seiten.
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; Foto: Tobias Schwerdt

Die Computertomographie (CT) ist die empfindlichste Untersuchung, um Lungenmetastasen zu finden. Besteht bereits ein Verdacht auf Lungenmetastasen, klären ihn die Ärztinnen und Ärzte in der Regel mit einer CT ab. 

Was kann eine CT-Untersuchung leisten? Eine Computertomographie erkennt auffällige Veränderungen ab einer Größe von 6 Millimetern. Damit ist sie etwas empfindlicher als eine normale Röntgenuntersuchung. Bei kleinen Veränderungen ist durch die CT nicht immer erkennbar, ob es sich tatsächlich um Metastasen handelt. Daher bestätigen Ärztinnen und Ärzte den Befund meist mit einer Biopsie.

Eine Biopsie ist nicht immer möglich

Bei sehr kleinen Befunden ist eine Biopsie technisch oft nicht möglich. Fachleute empfehlen dann meistens, die Veränderungen in regelmäßigen Abständen durch weitere CTs zu kontrollieren.

Diese Zeit des Wartens kann für Betroffene belastend sein.

Biopsie

Eine Hand mit blauem Handschuh hält eine in Paraffin eingebettete Gewebeprobe vor ein Mikroskop. Im Hintergrund zeigt ein Bildschirm ein histologisches Bild.
Spezialisierte Labore für Pathologie untersuchen die Gewebeproben auf krebstypische Veränderungen.
Bild: © Komsan Loonprom, Shutterstock

Um den Verdacht auf Lungenmetastasen zu bestätigen, führen die Ärzte in der Regel eine Biopsie durch. Dabei entnehmen sie eine kleine Menge des auffälligen Gewebes. 

Was kann eine Biopsie leisten? Eine Biopsie ist die sicherste Möglichkeit, um festzustellen, ob es sich bei Gewebeveränderungen tatsächlich um Lungenmetastasen handelt. Bestätigt sich der Verdacht, können die Ärztinnen und Ärzte mit der Behandlung beginnen.

Weitere Untersuchungen

Je nach individueller Erkrankungssituation können auch weitere Untersuchungen infrage kommen, beispielsweise eine

Zum Weiterlesen

Weitere Informationen zu allen üblichen Untersuchungen bei Verdacht auf Krebs oder Metastasen finden Sie unter Diagnose Krebs: Untersuchungen und Methoden der Diagnostik.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Lungenmetastasen zu behandeln. Möglich sind

  • lokale Therapien, die gezielt auf den behandelten Körperbereich wirken. Das sind zum Beispiel Operation, Strahlentherapie und minimal-invasive Verfahren wie Radiofrequenzablation, Mikrowellenablation und Kryotherapie.
  • systemische Therapien mit Medikamenten, die im ganzen Körper wirken, beispielsweise Chemotherapie, zielgerichtete Therapie oder Immuntherapie.

Wichtig zu wissen

Ärztinnen und Ärzte können auch mehrere Behandlungsmethoden miteinander kombinieren.

Wann kommt bei Lungenmetastasen welche Therapie in Frage?

Welche Art der Behandlung bei Lungenmetastasen infrage kommt, hängt stark von der individuellen Erkrankungssituation ab. Im Idealfall sind Spezialistinnen und Spezialisten verschiedener Fachrichtungen an der Therapieentscheidung beteiligt. Sie besprechen den Fall in einer sogenannten Tumorkonferenz (Tumorboard) und entscheiden, welche Behandlung am besten geeignet ist.

Bei der Wahl der Therapie spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • die ursprüngliche Krebsart
  • die Anzahl und Lage der Metastasen
  • ob es auch Metastasen in den Lymphknoten gibt
  • ob weitere Organe von Metastasen befallen sind (zum Beispiel die Leber oder das Gehirn)
  • wie die Lungenfunktion und der Gesundheitszustand der Betroffenen sind
  • die Wünsche der Patientin oder des Patienten

Manchmal ist eine lokale Therapie mit dem Ziel der Heilung möglich. Ist das nicht der Fall, können Medikamente, die im ganzen Körper wirken, helfen. Sie sollen das Fortschreiten der Erkrankung bremsen und Symptome lindern.

Eine lokale Therapie ist oft üblich, wenn:

  • das Ziel der Behandlung die Heilung ist.
  • der Ursprungstumor nicht weiter wächst.
  • es sich um eine einzelne oder wenige Lungenmetastasen handelt.
  • keine oder nur einzelne Metastasen außerhalb der Lunge vorhanden sind.

Eine Therapie mit Medikamenten ist oft üblich, wenn:

  • das Ziel der Behandlung ist, Beschwerden zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verzögern.
  • sehr viele Metastasen vorliegen.
  • weitere Metastasen in anderen Organen als der Lunge vorhanden sind.
  • sie andere Therapien ergänzen.

Wichtig zu wissen

Die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Therapie ist nicht einfach. Die genannten Kriterien sollen nur helfen, sich zu orientieren. Je nach individueller Situation kann die von den Ärztinnen und Ärzten empfohlene Behandlung davon abweichen.

Operation

Lexikon

Thorakoskopie: Eingriff zur Untersuchung des Brustraums. Die Abkürzung ist VATS (engl. für "videoassistierte Thoraxoperation").

Bei der Thorakoskopie betrachten Ärzte mit einer Kamera über einen kleinen Schnitt im Brustkorb die Lunge und das Rippenfell. Gleichzeitig können sie gezielt Gewebeproben entnehmen oder Tumoren entfernen.

Bei einer Operation versuchen Ärzte die Metastasen vollständig "im Gesunden" zu entfernen. Das bedeutet, dass im Rand des entfernten Gewebes keine Tumorzellen mehr nachweisbar sind. Dann besteht eine Chance auf Heilung. 

Die Operation erfolgt dabei

Ärztinnen und Ärzte versuchen bei der Operation möglichst viel gesundes Lungengewebe zu erhalten. Denn dadurch bleibt auch die Lungenfunktion nach dem Eingriff möglichst gut. Außerdem ist es so eventuell möglich, bei einem Rückfall erneut zu operieren. 

In manchen Fällen müssen die Ärztinnen und Ärzte jedoch größere Teile des Lungengewebes entfernen. Zum Beispiel, wenn zentrale Lungenmetastasen in der Nähe großer Blutgefäße liegen. In seltenen Fällen wird dann ein ganzer Lungenlappen (Lobektomie) oder ein kompletter Lungenflügel (Pneumektomie) entfernt.

Kann ich operiert werden?

Ob bei Ihnen eine OP infrage kommt, erfahren Sie von Ihren behandelnden Ärzten. Diese informieren Sie auch darüber, wie die Operation abläuft und ob Sie mit langfristigen Folgen rechnen müssen.

Wichtig zu wissen: Fachleute empfehlen im Rahmen der Operation von Lungenmetastasen, zusätzlich benachbarte Lymphknoten im Brustraum zu entfernen. Es gibt Hinweise aus wissenschaftlichen Studien, dass sich dadurch die Prognose der Betroffenen verbessern kann. 

Was ist, wenn beide Lungenflügel betroffen sind? Auch wenn beide Lungenflügel betroffen sind, ist eine Operation prinzipiell möglich. Oft operieren die Ärztinnen und Ärzte dann jedoch erst eine Lungenseite. Wenn sich die oder der Betroffene nach einigen Wochen erholt hat, folgt die OP der anderen Lungenhälfte. Das genaue Vorgehen hängt davon ab, wie es den Betroffenen allgemein geht.

Was passiert nach der OP? Direkt nach der OP kontrollieren Ärztinnen oder Ärzte die Wundheilung. Sie fragen nach Schmerzen oder anderen Beschwerden. Außerdem empfehlen Fachleute langfristig regelmäßige Verlaufskontrollen durch eine Computertomographie.

Manche Betroffene erhalten nach der OP zusätzlich noch eine Chemotherapie. Sie soll eventuell verbliebene Tumorzellen abtöten. Ob eine solche ergänzende Therapie sinnvoll ist, hängt von der Art des Ursprungstumors ab.

Welche Komplikationen können nach einer Operation auftreten? 

  • Lungenentzündung
  • Ansammlung von Flüssigkeit zwischen der Lunge und dem Brustkorb (Pleuraerguss)
  • Lungenflügel entfaltet sich gar nicht oder nicht richtig (Atelektase)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Fisteln

OP-Folgen treten nach etwa 15 von 100 Operationen von Lungenmetastasen auf.

Zum Weiterlesen

Detailliertere Informationen zur Durchführung und zu Nebenwirkungen von Operationen finden Sie im Text Operationen (OP): Chirurgie bei Krebs.

Radiofrequenzablation (RFA)

Gut zu wissen

Es gibt erste Hinweise darauf, dass die RFA bei kleinen Lungenmetastasen eine gleichwertige Alternative zur Operation darstellen könnte. Fachleute müssen das aber noch weiter erforschen.

Ziel der Radiofrequenzablation ist entweder die Heilung oder die Hemmung des Wachstums der Metastasen. Sie kommt hauptsächlich zum Einsatz, wenn eine Operation nicht möglich ist.

Die Radiofrequenzablation zerstört Tumorzellen mit starker Hitze. Die Hitze gelangt über eine Art Nadel direkt in den Tumor. Das schont das umliegende Gewebe.

Wie läuft die Radiofrequenzablation ab? Vor der Behandlung bestimmen die Ärztinnen und Ärzte die genaue Lage der Lungenmetastasen mit einer Computertomographie. Dadurch können sie die Nadel zielgenau einführen. Der Eingriff ist mit örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose möglich. Die Behandlung dauert, je nach Anzahl und Größe der Metastasen, etwa 30 bis 90 Minuten. 

Welche Komplikationen können bei der Radiofrequenzablation auftreten? 

  • Kollaps der Lunge (Pneumothorax)
  • atemabhängige Schmerzen
  • Fieber
  • Ansammlung von Flüssigkeit zwischen Lunge und Brustkorb (Pleuraerguss)
  • Blutungen

Ob und welche Folgen auftreten, ist von der Lage der Lungenmetastasen abhängig.

Um schwerwiegende Nebenwirkungen wie Blutungen oder einen Pneumothorax auszuschließen, erhalten die Betroffenen unmittelbar nach dem Eingriff eine Computertomographie.

Kryotherapie und Mikrowellenablation als Alternative zur Radiofrequenzablation?

Kryotherapie und Mikrowellenablation laufen ähnlich ab wie eine RFA. 

  • Bei der Kryotherapie setzen Ärzte extreme Kälte ein, um die Tumorzellen zu zerstören.
  • Bei der Mikrowellenablation zerstört elektromagnetische Energie die Zellen.

Da die RFA bei Lungenmetastasen sehr gut erprobt ist, entscheiden sich die Ärztinnen und Ärzte meistens für diese Therapie.

Strahlentherapie

Ziel der Strahlentherapie bei Lungenmetastasen ist es normalerweise, das Wachstum der Metastasen zu stoppen oder zu verlangsamen. In manchen Erkrankungssituationen ist aber auch eine Heilung möglich. Aktuell ist Strahlentherapie besonders dann eine Option, wenn eine Operation nicht möglich ist.

Wenn Ärzte Lungenmetastasen bestrahlen, setzen sie am häufigsten eine stereotaktische Strahlentherapie von außen ein. Dabei wird der Tumor aus mehreren Richtungen punktgenau mit energiereicher Strahlung bestrahlt. Das Tumorgewebe ist dadurch einer sehr hohen Strahlendosis ausgesetzt, während das gesunde Gewebe geschont wird. Die Strahlung schädigt so vor allem die Krebszellen.

Wie läuft die stereotaktische Bestrahlung ab? Vor der Behandlung erfassen die Ärztinnen und Ärzte die Lage der Metastasen ganz genau über eine Computertomographie. So stellen sie sicher, dass die Strahlen den Tumor exakt treffen. 

Die Bestrahlung selbst dauert pro Termin nur wenige Minuten. Sie erfolgt meistens ambulant und ist schmerzfrei. Es sind mehrere Sitzungen nötig. Diese finden über wenige Wochen verteilt statt. 

Zum Weiterlesen

Weitere Informationen zur Strahlentherapie finden Sie in unseren Texten zu Strahlentherapie und Nuklearmedizin.

Wichtig zu wissen

Bestrahlungsfolgen treten bei zentral liegenden Lungenmetastasen häufiger auf als bei Metastasen im Randbereich der Lunge.

Welche Bestrahlungsfolgen können bei der Strahlentherapie auftreten? Dank der hohen Genauigkeit treten eher selten starke Nebenwirkungen auf. 

Mögliche Bestrahlungsreaktionen oder Spätfolgen sind beispielsweise

  • Hautrötungen
  • Übelkeit
  • Fieber
  • Entzündungen im Lungengewebe (Pneumonitis)
  • Vernarbungen im Lungengewebe (Lungenfibrose)
  • Blutungen

Medikamentöse Therapien

Ist eine Heilung nicht mehr möglich, kann eine medikamentöse Therapie das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und die Lebensqualität verbessern. Dazu gehören:

Welche medikamentöse Therapie mit welchem Wirkstoff sinnvoll ist, hängt vom Ursprungstumor, dessen biologischen Eigenschaften und der individuellen Situation ab.

Gut zu wissen

In den letzten Jahren gab es große Fortschritte im Bereich der medikamentösen Therapien. Diese neuen Therapiemöglichkeiten ermöglichen es Betroffenen länger mit der Erkrankung zu leben als früher.

Therapiemöglichkeiten bei Rückfall oder Fortschreiten der Erkrankung

Entstehen erneut oder weitere Metastasen in der Lunge, kommen grundsätzlich wieder alle oben erläuterten Behandlungsverfahren infrage. Die Ärztinnen und Ärzte prüfen in einer Tumorkonferenz erneut alle Möglichkeiten. Dann entscheiden sie abhängig von der individuellen Situation des Betroffenen, welche Option am besten geeignet ist. 

  • Gut zu wissen: Bei manchen Patientinnen und Patienten ist erneut eine Behandlung mit dem Ziel der Heilung möglich.

Lungenmetastasen sind meist ein Zeichen dafür, dass Ihre Krebserkrankung bereits fortgeschritten ist. Die Diagnose Lungenmetastasen ist daher für Sie und Ihre Angehörigen möglicherweise sehr belastend. Dennoch können Sie unter Umständen über einen längeren Zeitraum ein weitgehend normales Leben führen – selbst wenn die Erkrankung nicht mehr heilbar ist.

Unterstützende, palliative Therapie

Auch wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist, können Sie bei Lungenmetastasen weiterhin behandelt werden. Diese sogenannte palliative Therapie kann:

  • Beschwerden lindern,
  • Ihre Lebensqualität verbessern und
  • Ihre Lebenszeit verlängern.

Welche unterstützende (supportive) Therapie für Sie geeignet ist, hängt von Ihrer individuellen Erkrankungssituation ab. Sie können beispielsweise

  • Medikamente wie Schmerzmittel oder Hustenstiller einnehmen. Bei starker psychischer Belastung können auch Antidepressiva helfen.
  • Hilfsmittel für zu Hause bekommen wie etwa ein Sauerstoffgerät, um Ihnen das Atmen zu erleichtern.
  • palliative Bestrahlungen, Operationen oder medikamentöse Therapien erhalten. Diese können Ihre Beschwerden lindern und das Tumorwachstum verlangsamen.

Zum Weiterlesen

Was können Betroffene selbst tun?

Vorher informieren

Sprechen Sie über Alltagsthemen wie Sport und Ernährung mit Ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten. Sie können mit Ihnen Vorteile und Risiken abwägen.

Viele Betroffene fragen sich, ob sie im Alltag selbst etwas tun können, um so gut wie möglich mit der Erkrankung zu leben. Tatsächlich können Sie in verschiedenen Bereichen selbst aktiv werden:

  • Ernährung – Viele Betroffene mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung leiden unter Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Wichtig ist deshalb: Essen Sie was Ihnen schmeckt und was Sie gut vertragen. So kann Ihr Körper Kraft sammeln. Wenn Ihr Gewicht normal und Ihr Gesundheitszustand stabil ist, ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung empfehlenswert. Bei starkem Gewichtsverlust kann eine Ernährungstherapie eingeleitet werden.
  • Bewegung – Oft spricht nichts gegen körperliche Aktivität. Sport und Bewegung können Ihr Wohlbefinden verbessern und Ihre Belastbarkeit erhöhen. Wichtig ist dabei, dass Sie Art und Intensität der Bewegung an Ihren persönlichen Gesundheitszustand anpassen.
  • Achtsamkeit – Gezielte Entspannung kann Ihre Lebensqualität verbessern. Sie kann Ängste, Niedergeschlagenheit und auch Fatigue mindern. Geeignete Methoden sind beispielsweise Yoga oder Meditation.

Mit einer metastasierten Erkrankung umgehen – Unterstützung finden

Eine schwere Erkrankung wie Krebs mit Lungenmetastasen löst oft Ängste und Sorgen aus. Dann kann es sinnvoll sein, psychosoziale oder psychoonkologische Hilfe zu suchen.

Unterstützung finden Sie zum Beispiel bei Krebsberatungsstellen, spezialisierten psychotherapeutischen Praxen oder direkt in Ihrer behandelnden Klinik. Vielleicht empfinden Sie auch einen persönlichen Austausch mit anderen Krebspatientinnen und -patienten als hilfreich. Entsprechende Kontakte können Sie zum Beispiel in Selbsthilfegruppen oder Foren knüpfen.

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