Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes (KID), Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg.

Wir beantworten Ihre FragenGerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung — rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Kettenkarussell, Foto: Dirk Freder/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Übelkeit und Erbrechen während der Krebsbehandlung

Vorbeugen, Belastung reduzieren, Folgen vermeiden

Übelkeit und Erbrechen zählen zu den belastenden Nebenwirkungen einiger Krebsbehandlungen. Auch die Erkrankung selbst kann zu Unwohlsein führen. Viele Krebspatienten fürchten sich davor. Eine beruhigende Nachricht: In den letzten Jahren hat sich viel getan - wirksame Medikamente wurden entwickelt, um Übelkeit und Erbrechen während und nach einer Krebsbehandlung vorzubeugen oder um sie zu behandeln. Diese sogenannten Antiemetika sind mittlerweile fester Bestandteil der Krebstherapie. Insgesamt leiden deshalb weniger Krebspatienten als noch vor ein paar Jahren an diesen belastenden Symptomen.

Was lässt sich in der Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen erreichen, was nicht? Einen Überblick zum Thema bietet der Krebsinformationsdienst im folgenden Text. Weiterführende Informationen für Interessierte und Fachleute finden sich am Ende des Textes.

Letzte Aktualisierung: 04.02.2015

Quellen und Links

Verwendete Quellen sowie weiterführende Informationen für Interessierte und Fachleute finden sich am Ende des Textes. Bei Fragen steht der Dienst am Telefon und per E-Mail zur Verfügung.

Vor einer Krebstherapie: Welche Fragen stelle ich dem Arzt?

Patient und Ärztin im Gespräch © Alexander Raths - Fotolia
Vor einer Krebstherapie: Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin darüber, ob Ihnen durch die Behandlung übel werden könnte. © Alexander Raths - Fotolia

Längst nicht jeder Krebspatient muss mit Unwohlsein, Übelkeit oder gar Erbrechen rechnen. Es gibt jedoch einige Therapien, bei denen bekannt ist, dass sie Übelkeit und Erbrechen hervorrufen können.

Viele Menschen verbinden diese Auswirkung vor allem mit der Chemotherapie. Doch hier gilt: Längst nicht alle zur Chemotherapie eingesetzten Zytostatika lösen Übelkeit oder Erbrechen aus, und wo es doch der Fall ist, helfen Medikamente bei der Vorbeugung.

Auch eine umfängliche Bestrahlung kann bei Patienten Unwohlsein hervorrufen. Und schließlich gibt es einige weitere Medikamente und Krankheitssituationen, die direkt oder indirekt das Risiko steigern, erbrechen zu müssen.

Wie kann man herausfinden, wie wahrscheinlich diese belastenden Beschwerden in der eigenen Situation sind? Grundsätzlich hilft vor einer anstehenden Krebsbehandlung immer ein Gespräch mit dem Arzt. Von ihm kann man mehr über mögliche Nebenwirkungen erfahren. Hat man in der Vergangenheit bereits negative Erfahrungen mit Übelkeit und Erbrechen gemacht, sollte man dies im Gespräch erwähnen:

  • Wurde einem auf Reisen immer schnell schlecht?
  • Reagiert man in Stresssituationen, bei Angst oder anderer psychischer Belastung mit Magenproblemen, Unwohlsein oder gar Übelkeit?
  • Für Frauen: Gab es bei Regelschmerzen oder in der Schwangerschaft Probleme mit Übelkeit und Erbrechen?

Folgende Fragen können Krebspatienten als Anregung dienen, um sich auf ein Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten.

  • Wie wahrscheinlich ist es, dass mir durch die geplante Krebsbehandlung übel wird, oder dass ich erbrechen muss?
  • Wann muss ich damit rechnen? Kommt es unmittelbar nach der Krebstherapie zu den Beschwerden, oder erst einige Zeit später? Wie lange kann die Übelkeit nach dem Ende der Behandlung anhalten?
  • Bekomme ich vorbeugende Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen? Entsprechen die vorbeugenden Maßnahmen gegen die Übelkeit den üblichen, als wirksam bekannten Standards? Oder ist bei mir eine davon abweichende Therapie notwendig?
  • Welche Medikamente gegen Übelkeit bekomme ich? Wann genau erhalte ich sie? Wie oft? Bekomme ich sie in Form einer Tablette, als Kapsel, als Tropfen, als Spritze, als Infusion über die Vene oder als Zäpfchen? Muss ich sie selbst in der Apotheke gegen Rezept kaufen, oder sind sie bei der eigentlichen Krebstherapie mit dabei?
  • Können die Medikamente gegen Erbrechen und Übelkeit selbst Nebenwirkungen haben? Falls ja: Was lässt sich dagegen tun?
  • Was kann ich selbst tun, um vorzubeugen? Können andere Maßnahmen außer den Medikamenten gegen mögliche Übelkeit und Erbrechen durch eine Krebstherapie helfen? Wie sieht es mit den üblichen Hausmitteln gegen Übelkeit aus? Sollte ich beim Essen und Trinken während der Behandlung etwas Besonderes beachten?
  • Wie soll ich mich verhalten, an wen kann ich mich wenden, wenn ich trotz der Medikamente unter Übelkeit und Erbrechen leide? Was sollte ich selbst tun, wenn mir tatsächlich schlecht wird?

Was sollte man ganz allgemein noch wissen, wenn das Risiko für Übelkeit und Erbrechen tatsächlich hoch sein wird? Einen Überblick bieten die folgenden Abschnitte. Zum Laden und Ausdrucken steht außerdem eine kurze Zusammenfassung zur Verfügung, als Informationsblatt (PDF) "Übelkeit und Erbrechen bei der Krebsbehandlung: Vorbeugung und Therapie".

Biologie: Wie kommt es zu Übelkeit und Erbrechen?

Übelkeit (lateinisch: Nausea für Seekrankheit) und Erbrechen (griechisch: Emesis) sind biologische Warn- und Schutzmechanismen: Sie sollen den Körper vor Vergiftungen, verdorbenen Lebensmitteln und vergleichbaren Schädigungen bewahren.

Daher lassen sie sich kaum durch Willensanstrengung unterdrücken. Dies gilt unabhängig davon, ob einem ein übler Geruch in die Nase steigt, ob man etwas Verdorbenes zu sich genommen hat, oder ob eine Krankheit der Auslöser ist.

Auch Erbrechen als Folge einer Krebsbehandlung, etwa einer Chemotherapie oder Bestrahlung, lässt sich nicht bewusst unterdrücken. Sich "einfach mal zusammenzureißen" ist deshalb keine wirksame Abhilfe.

Mechanismus: Was passiert beim Erbrechen?

Übelkeit © Jupiterimages – Thinkstock
© Jupiterimages – Thinkstock

Erbrechen wird durch einen komplexen Reflexvorgang ausgelöst. Schädliche Substanzen im Magen-Darm-Trakt werden von sogenannten Rezeptoren wahrgenommen. Diese Information wird über den Vagusnerv zum Brechzentrum im Gehirn weitergeleitet.

Befindet sich die schädliche Substanz im Blut, wie es beispielsweise bei einer Chemotherapie der Fall ist, läuft die Übermittlung etwas anders: Arzneimittel und Giftstoffe werden von Rezeptoren direkt im Zentralnervensystem erkannt, in der sogenannten Chemorezeptoren-Triggerzone, und sofort ins sogenannte Brechzentrum im Gehirn weitergeleitet. Dort wird das eigentliche Erbrechen ausgelöst.

Unter dem Begriff "Brechzentrum" fassen Fachleute alle Bereiche im Gehirn zusammen, die an der weiteren Informationsverarbeitung von Impulsen im Zusammenhang mit Erbrechen beteiligt sind.

Vom Brechzentrum aus werden aufeinander abgestimmt Reize an verschiedene Muskeln weitergeleitet, etwa an Muskeln in Speiseröhre, Magen, Dünndarm, Bauchmuskulatur sowie an die Muskeln im Mund und Rachen. Diese reagieren prompt: Vor und während des Erbrechens erschlafft der Magen. Der Dünndarm zieht sich zusammen. Dadurch wird sein Inhalt in den Magen gepresst, der dadurch überdehnt wird. Weitere Muskeln ziehen sich koordiniert zusammen und erschlaffen wieder, etwa die Bauch- und Atemmuskulatur: Durch rhythmisches Aufstoßen gelangt der Mageninhalt über Speiseröhre und Mund nach draußen.

Durch dieses koordinierte Zusammenspiel verschiedenster Muskeln ist auch dafür gesorgt, dass während des Erbrechens der Körper keinen weiteren Schaden nimmt. Ein Beispiel: Stimmritze sowie Nasen- und Rachenraum sind beim Brechvorgang verschlossen, damit möglichst kein Mageninhalt in die Luftröhre gelangt.

Was passiert noch, wenn es zum Erbrechen kommt? Die meisten Menschen kennen das nur zu gut: Man spürt, dass etwas nicht stimmt, und zunächst breitet sich ein "flaues" Gefühl im Magen aus. Wird das Unwohlsein stärker, reagiert der ganze Körper: Man ist blass, schwitzt, und das Herz schlägt schneller. Wird die Übelkeit zu stark, erbricht man.

Auslöser bei Krebs: Welche Faktoren lösen Unwohlsein bei Krebspatienten aus?

Übelkeit und Erbrechen können als Folge von Krebsbehandlungen wie etwa einer Chemotherapie oder einer Strahlentherapie auftreten. Auch nach einer Narkose etwa bei einer Operation wird es Patienten manchmal schlecht. Und schließlich gibt es eine Reihe weiterer Medikamente, die ebenfalls Auslöser sein können. Dazu zählen beispielsweise einige Schmerzmittel.

Über welchen Mechanismus lösen diese Therapien Übelkeit aus? Bei den Medikamenten zur Chemotherapie handelt es sich überwiegend tatsächlich um eine Reaktion, wie sie der Körper auch etwa auf giftige oder verdorbene Nahrungsmittel zeigen würde. In diese Kategorie fallen auch einige Medikamente, die nicht zur Behandlung von Krebs, sondern etwa einer Herzschwäche oder gegen Anfallsleiden eingesetzt werden.

Bei einer Bestrahlung vermuten Fachleute verschiedene Ursachen: Liegt das Strahlenfeld beispielsweise im Bauchraum, ist dort oft die Magen-Darmschleimhaut gereizt und entzündet. Dies kann zu Unwohlsein bei Betroffenen führen. Unter Umständen wird die Übelkeit aber auch durch Giftstoffe hervorgerufen, die aufgrund des Zellzerfalls während einer umfangreichen Strahlentherapie entstehen, etwa einer Ganzkörperstrahlentherapie.

Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide setzen direkt am zentralen Nervensystem an, manche stimulieren als Nebenwirkung auch das Brechzentrum. Manche Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antiphlogistika reizen und schädigen die Magen-Darm-Schleimhaut und können auf diesem Weg zu Unwohlsein führen.

Wann kann die Tumorerkrankung selbst Auslöser von Übelkeit und Erbrechen sein?

Neben diesen behandlungsbedingten Ursachen für Übelkeit und Erbrechen kann auch die Tumorerkrankung selbst ein Grund dafür sein - insbesondere bei Krebspatienten mit fortgeschrittener Erkrankung. Bei ihnen kommen nicht selten mehrere Ursachen zusammen: Dazu zählen etwa eine durch den Tumor verlegte Magen-Darm-Passage oder Druck auf den Magen, etwa durch Lebermetastasen oder Flüssigkeitsansammlung im Bauch.

Stoffwechselstörungen hervorgerufen durch Medikamente, Infektionen, schlecht funktionierende Nieren oder Giftstoffe des Tumors begünstigen unter Umständen ebenfalls Übelkeit und Erbrechen.

Aber auch starke Hustenanfälle, allgemein starke Erschöpfung, Verstopfung oder Schmerzen können Übelkeit und Erbrechen auslösen. Durch einen erhöhten Hirndruck, der etwa bei Hirntumoren oder Hirnmetastasen auftreten kann, wird das Brechzentrum im Gehirn unter Umständen ebenfalls stimuliert. Auch Stress, Aufregung oder Angst begünstigen bei nicht wenigen Menschen Übelkeit und Erbrechen.

Risikoeinschätzung: Lässt sich das individuelle Risiko im Vorfeld ermitteln?

Informieren Sie sich

Viele Krebspatienten leiden an Übelkeit. Viele andere trifft dieses Problem dagegen überhaupt nicht. Fragen Sie Ihren Arzt, wie wahrscheinlich Übelkeit und Erbrechen in Ihrer Situation tatsächlich sind.

Wovon hängt die Wahrscheinlichkeit ab, mit der Übelkeit und Erbrechen überhaupt auftreten können? Das Risiko für Übelkeit und Erbrechen durch Therapie oder Erkrankung können Experten bei den meisten Krebspatienten schon bei der Therapieplanung grob abschätzen.

So gilt beispielsweise für Patienten, die nur operiert werden und deren Erkrankung weder weit fortgeschritten ist noch die Verdauungsorgane betrifft: Ihr Risiko, unter Übelkeit oder gar Erbrechen zu leiden, ist insgesamt gering, und es beschränkt sich weitgehend nur auf den Zeitraum kurz vor und kurz nach der Operation. Auch wer eine Strahlentherapie an Brust oder Gliedmaßen erhält, muss nicht mit einem erhöhten Risiko für Übelkeit und Erbrechen rechnen.

Anders sieht es bei Krebspatienten aus, die eine Chemotherapie, eine Ganzkörperbestrahlung oder eine Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie erhalten werden.

Woran können sich Fachleute bei einer Chemo- und Strahlentherapie orientieren?

Ärzte greifen bei der Planung einer medikamentösen Krebstherapie auf Daten aus den Zulassungsverfahren der einzelnen Medikamente zurück. Arzneimittel lassen sich nach der Häufigkeit einteilen, mit der - ohne eine vorbeugende Behandlung - Erbrechen und Übelkeit als Nebenwirkung auftreten.
Krebsspezialisten unterscheiden insgesamt vier Risikogruppen:

  • Hohes Risiko: Übelkeit und/oder Erbrechen bei fast allen Patienten, in Zahlen: bei mehr als 90 von 100 Patienten
  • Mäßiges Risiko: sehr oft, bei 30 bis 90 von 100 Patienten
  • Niedriges Risiko: eher selten, bei 10 bis 30 von 100 Patienten
  • Minimales Risiko: selten, bei weniger als 10 von 100 Patienten

Diese Einteilung in Risikogruppen gilt nicht nur für einzelne Chemotherapie-Medikamente, sie wird auch für die gängigen Kombinationen verschiedener Zytostatika verwendet.

Ein Beispiel für Chemotherapie-Medikamente, die besonders starke Übelkeit hervorrufen, sind sogenannte Platin-Derivate, etwa Cisplatin. Zytostatika, die kaum Übelkeit erzeugen, sind dagegen unter anderem sogenannte Vinca-Alkaloide wie Vincristin, Vinblastin und Vindesin. Ein mäßiges Risiko besteht beispielsweise bei Daunorubicin oder Etoposid.

Aber: Die Ausprägung von Übelkeit und Erbrechen lässt sich nicht ausschließlich am Wirkstoff eines Arzneimittels festmachen. Wie hoch die Dosis ist, die man erhält, und wie lange die Therapie dauert, beeinflussen ebenfalls das Risiko für Übelkeit und Erbrechen.

Mit dem gleichen System wird auch abgeschätzt, wie hoch das Risiko für Übelkeit bei einer Strahlentherapie ist. Ein hohes Risiko für Übelkeit und Erbrechen während einer Bestrahlung haben vor allem Patienten, die eine Ganzkörperbestrahlung erhalten. Ein mäßiges Risiko hat man bei einer Bestrahlung im Bauchraum oder einer sogenannten Halbkörperbestrahlung, die den Bauchraum mit betrifft. Wer hingegen nur lokal bestrahlt wird, etwa an der Brust oder an Armen oder Beinen, muss kaum mit Übelkeit und Erbrechen rechnen.

  • Experten sprechen von der "emetogenen Potenz" einer Behandlung.

Die Abschätzung der emetogenen Potenz der Behandlung ergänzen Ärzte bei der Therapieplanung um die Daten ihrer Patienten: Welche Krankheit liegt genau vor? Ist es eine Patientin oder ein Patient? Wie ist das Alter, wie der körperliche Zustand? Wie umfangreich wird die Therapie sein – genügen zum Beispiel wenige Chemotherapie-Zyklen, oder ist eine länger anhaltende, sehr intensive Behandlung geplant?

Bei einigen Medikamenten spielt auch die Zubereitungsform eine Rolle: So kann es zum Beispiel einen Unterschied machen, ob man ein Medikament als Tablette einnehmen muss, oder ob im Zweifelsfall auch Zäpfchen mit dem gleichen Wirkstoff zur Verfügung stehen.

Welche persönlichen Faktoren beeinflussen das Auftreten von Übelkeit und Erbrechen?

Die objektiven Faktoren wie emetogene Potenz und Therapieplanung allein sind jedoch nicht ausschlaggebend: Nicht alle Patienten vertragen eine Behandlung gleich gut oder gleich schlecht. Dem einen Patienten wird schnell übel und er muss relativ bald nach Therapiebeginn erbrechen. Ein anderer übersteht die gleiche Behandlung ohne Probleme und bewahrt sich sogar seinen Appetit.

Woran kann man sich selbst orientieren? Die meisten Menschen wissen aus Erfahrung, ob sie bei entsprechenden Reizen eher zu Übelkeit neigen oder eher unempfindlich sind. Wie war es zum Beispiel auf Reisen, bei längeren Autofahrten oder bei einer Schiffsfahrt auf dem Meer? Reagiert man sehr sensibel auf Gerüche?

Bei Frauen: Hat man während früherer Schwangerschaften häufig erbrochen, oder war sogar schon die monatliche Periodenblutung eine Zeit, in der man leicht unter Unwohlsein litt? Eine wichtige Rolle spielen auch Angst und Stress während der Therapie.

Diese Punkte sollten mit den Ärzten am besten ebenfalls noch vor Therapiebeginn durchgesprochen werden. Sie können bei der Risikoeinschätzung helfen.

Zeitliches Auftreten von Übelkeit und Erbrechen: Gibt es Unterschiede?

Anhand des zeitlichen Auftretens während einer Krebsbehandlung unterscheidet man verschiedene Arten von Übelkeit und Erbrechen. Dies gilt insbesondere für Patienten, die eine medikamentöse Krebstherapie erhalten: Bei manchen Patienten treten Nebenwirkungen relativ rasch auf, innerhalb der ersten 24 Stunden nach Therapiebeginn.

Bei anderen kommt es etwas verzögert zu diesen Symptomen, erst nach mehr als 24 Stunden. Dies hängt von den Krebsmedikamenten ab, die man bekommt. Wann die vorbeugenden Medikamente eingenommen werden sollen und wie lange, stimmen die behandelnden Ärzten deshalb auf die Art der jeweiligen Krebsbehandlung ab.

Manchen Patienten wird sogar schon vor der Behandlung schlecht. Wie lässt sich das erklären? Betroffen sind besonders oft Menschen, die während einer früheren Behandlung schon einmal schlechte Erfahrungen mit Übelkeit gemacht hatten. Fachleute sprechen von antizipatorischer, also "vorwegnehmender" oder "vorausahnender" Übelkeit. Kann man diesen Teufelskreis durchbrechen?

Die Erfahrung zeigt: Je besser Erbrechen und Übelkeit durch Medikamente vorgebeugt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein solcher Reflex überhaupt erst ausbildet.

Was tun, wenn man bereits unter dieser Form von Übelkeit und Erbrechen leidet? Möglicherweise können dann neben den Arzneimitteln gegen Übelkeit und Erbrechen auch psychoonkologische Unterstützungsmöglichkeiten, etwa Entspannungsverfahren weitere Abhilfe schaffen.

Folgen von häufigem Erbrechen: Was sollte man als Betroffener wissen?

Wichtig zu wissen

Regelmäßiges und häufiges Erbrechen führt zu einem starken Verlust an Flüssigkeit und wichtigen Mineralstoffen. Betroffene sollten sich in dieser Situation immer an ihren Arzt wenden.

Die meisten Menschen empfinden den Moment des Erbrechens als unangenehm und belastend. Der saure Mageninhalt hinterlässt einen schlechten Geschmack im Mund, die Schleimhäute sind gereizt, und die Magensäure kann die Zähne angreifen.

Erbricht man innerhalb eines kürzeren Zeitraums immer wieder, kann dies zu einem starken Verlust an Flüssigkeit und lebenswichtigen Mineralstoffen führen. Austrocknung und Mangel an wichtigen Salzen ziehen bei lang anhaltendem schwerem Erbrechen Stoffwechselentgleisungen, Mangelernährung und Gewichtsverlust nach sich. Auch die Verdauung kann dadurch ins Stocken geraten.

Eine weitere, besonders gefürchtete Komplikation: Gelangt Erbrochenes in die Luftröhre, kann es zu gefährlichen Lungenentzündungen kommen. Insgesamt schränkt länger anhaltende Übelkeit die Lebensqualität stark ein, selbst wenn das eigentliche Erbrechen unterdrückt werden kann.

  • Sollte Ihnen während einer Krebsbehandlung ständig schlecht sein, sagen Sie es Ihrem behandelnden Arzt. Er kann etwas für Sie tun.

Vorbeugung und Behandlung: Was lässt sich erreichen?

Erbrechen muss nicht sein!

Ärzte verordnen schon vorab Medikamente, die Übelkeit verhindern. Sie helfen auch bei der Suche nach Ansprechpartnern, wenn Betroffene starke Angst vor der Behandlung haben und deshalb erbrechen müssen.

Eine beruhigende Nachricht für Krebspatienten: Es gibt mittlerweile zahlreiche wirksame Medikamente, mit denen man Übelkeit und Erbrechen vorbeugen und behandeln kann. Verschiedene Expertengremien haben diese Erkenntnisse in den letzten Jahren in ärztlichen Empfehlungen und Leitlinien zusammengefasst.

In den Leitlinien zur Krebsmedizin wird auch klargestellt: Je genauer Patienten über diese mögliche Nebenwirkung der Krebsbehandlung Bescheid wissen, und je mehr sie über die Möglichkeiten der Vorbeugung und Therapie erfahren, desto besser: Informierte Patienten fühlen sich vorbereitet und sind deshalb besser in der Lage, mit Nebenwirkungen umzugehen.

  • Wissen kann bei manchen Patienten gegen Angst und so indirekt auch gegen Übelkeit helfen.

Betroffene sollten sich daher nicht scheuen, ihre Sorgen vor der Belastung durch die Therapie anzusprechen. Sie sollten sich von ihrem Arzt erläutern lassen, welche Möglichkeiten zur Abhilfe sie haben.

Welche medikamentöse Unterstützung ist möglich?

Lexikon

Antiemetikum (Mehrzahl Antiemetika): Mittel gegen Übelkeit

Verfügbar sind Arzneimittel mit unterschiedlichen Wirkmechanismen. Fachleute sprechen von sogenannten Antiemetika. Sie werden abhängig von der zu erwartenden Stärke und dem voraussichtlichen zeitlichen Verlauf von Übelkeit und Erbrechen eingesetzt.

Solche Medikamente gegen Übelkeit sind in der Regel fester Bestandteil einer Chemotherapie sowie bei Strahlentherapien mit hohem Risiko für auftretendes Unwohlsein. Rund um eine Operation erhält man Arzneimittel eher erst dann, wenn Übelkeit und Erbrechen akut auftreten.

Bei Patienten mit höherem Risiko werden mehrere Arzneimitteln mit starker Wirkung eingesetzt. Wie die optimale Kombination jeweils aussieht, haben Fachleute in Leitlinien zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen dokumentiert. Eine solche Kombinationstherapie mit höchster Wirkstärke bekommen beispielsweise Patienten, die eine Chemotherapie mit Cisplatin erhalten.

Zu den Medikamenten mit höchster Wirkstärke zählen beispielsweise sogenannte 5-HT3-Serotonin-Rezeptorantagonisten oder NK1-Rezeptorantagonisten: Sie hemmen die Reizweiterleitung, die zum Erbrechen führt. Ergänzend zu diesen Arzneimitteln kommen außerdem sogenannte Kortikosteroide zum Einsatz. Wie sie genau bei Übelkeit und Erbrechen wirken, ist noch nicht abschließend geklärt, aber sie können helfen.

Daneben gibt es noch Antiemetika mit geringerer Wirkstärke: Dazu zählen beispielsweise sogenannte Dopaminrezeptor (D2)-Antagonisten, die direkt auf das Brechzentrum im Gehirn wirken. Bei therapiebedingtem Erbrechen sind sie nicht die Mittel der ersten Wahl für Krebspatienten. Sie spielen dagegen bei chronischer Übelkeit und chronischem Erbrechen eine Rolle, die im Verlauf einiger Erkrankungsformen Betroffene sehr belasten können.

Braucht man diese Mittel unbedingt?

Wichtig

Ohne Rücksprache mit dem Arzt sollte man während einer Krebsbehandlung keine Mittel gegen Übelkeit einnehmen. Die Tablette gegen Reisekrankheit, die man noch vom letzten Urlaub im Arzneischrank hat, hilft hier nicht weiter!

Für Menschen, die mit Sorge und Angst vor Nebenwirkungen in die Therapie gehen, stellt sich diese Frage vermutlich erst gar nicht. Doch wenn man eher unempfindlich ist, lässt sich dann unter Umständen ganz auf die vorbeugenden Mittel gegen Übelkeit verzichten?

Die Antwort der Experten darauf lautet: Nein, Vorbeugung ist wichtig. Je höher die Übelkeit erzeugende Wirkung einer Krebsbehandlung ist, umso intensiver sollte die vorbeugende Behandlung mit Antiemetika sein. Die Übelkeit als Nebenwirkung mancher Zytostatika lässt sich willentlich nicht mehr in Schach halten.

Und ist es erst einmal zu häufigem Erbrechen gekommen, wird die Behandlung schwieriger. Hinzu kommt die Gefahr, dass sich ein sogenanntes antizipatorisches Erbrechen entwickelt – der Körper "lernt", beispielsweise schon den Geruch im Krankenhaus mit Übelkeit zu verknüpfen.

Kommt es trotz Vorbeugung zu Übelkeit oder Erbrechen, kann der Arzt aber auf jeden Fall höher dosierte, weitere oder andere Medikamente dagegen verordnen. Daher sollte man sich bei Beschwerden sofort mit ihm in Verbindung setzen und nicht bis zum nächsten regulären Termin leiden.

Muss man mit Nebenwirkungen durch die antiemetische Behandlung rechnen?

Die meisten Patienten vertragen die Behandlung gut, vor allem im Vergleich zu der Belastung, die eine unbehandelte Übelkeit verursachen würde. Doch es gilt auch: Arzneimittel gegen Übelkeit können ebenfalls unerwünschte Wirkungen haben. Wie diese genau aussehen, hängt vom jeweiligen Arzneimittel und dessen Dosierung ab. Pauschale Aussagen sind schwierig. Je nach Arzneimittel kann es beispielsweise zu Kopfschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, Müdigkeit und Schläfrigkeit, innerer Unruhe und Schlaflosigkeit oder Schluckauf kommen.

  • Betroffene sollten sich deshalb immer im Vorfeld bei ihrem Arzt erkundigen, ob sie mit Nebenwirkungen der Arzneimittel gegen Übelkeit rechnen müssen und wenn ja, mit welchen.

In welcher Form bekommt man Mittel gegen Übelkeit?

Tabletten eignen sich nicht immer

Muss jemand regelmäßig erbrechen, eignen sich Kapseln und Tabletten unter Umständen weniger. Betroffene sollten dann Rücksprache mit ihrem Arzt halten.

Um Erbrechen rund um eine Operation zu verhindern, ist bei vielen Patienten gar keine medikamentöse Vorbeugung notwendig: Man wird stattdessen gebeten, nüchtern zu bleiben.
Tritt trotzdem Übelkeit auf, sollte man dies sofort Ärzten und Pflegeteam sagen, damit wirksame Abhilfe geschaffen werden kann. Arzneimittel stehen dann je nach Situation und Wirkstoff als Tabletten, Kapseln, Tropfen, Infusion in die Vene oder Zäpfchen zur Verfügung.

Bei länger andauernden Krebstherapien ist Fasten als Vorbeugung dagegen nicht sinnvoll. In welcher Form man die Vorbeugung mit Medikamenten dann durchführt, hängt von der aktuellen Situation und der geplanten Krebstherapie ab: Viele Patienten erhalten eine Chemotherapie per Infusion.

Unmittelbar vor einer Chemotherapie bekommen Betroffene deshalb Mittel gegen Übelkeit oft als kurze Infusion über die Vene oder als Infusionen über einen längeren Zeitraum. Es ist ebenfalls möglich, dass man eine Tablette oder Kapsel zum Schlucken erhält.

Ähnlich sieht die Vorbeugung aus, wenn man etwa eine Ganzkörperbestrahlung erhält, bei der das Risiko für Übelkeit und Erbrechen besonders hoch ist. Auch dann stehen Mittel gegen Erbrechen als kurze Infusion, Kapsel oder Tablette zur Verfügung. Betroffene erhalten diese dann vor einer Bestrahlungssitzung und innerhalb von 24 Stunden danach.

Wichtig bei einer ambulanten Behandlung: Erhält man die Medikamente zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen mit nach Hause, sollte man sich genau erklären lassen, wann und wie viel man benötigt. Tritt trotzdem Übelkeit auf, sollte man nur dann die Dosierung verändern, wenn es der Arzt ausdrücklich erlaubt hat. Besser ist es, die Probleme möglichst bald zu besprechen und Ärzte oder Pflegeteam um Abhilfe zu bitten.

Welche weiteren unterstützenden Maßnahmen gibt es?

Wenn Stress und Angst die Übelkeit verstärken, können nichtmedikamentöse Ansätze wie zum Beispiel Entspannungstechniken oder entlastende psychologische Beratungsgespräche hilfreich sein. In Studien hat sich gezeigt, dass verhaltenstherapeutische Ansätze Betroffenen Erleichterung verschaffen.

Wichtig ist es auch, für eine ruhige Umgebung zu sorgen, soweit dies möglich ist. Helfen diese Maßnahmen nicht, können betroffene Patienten mit ihren Ärzten besprechen, ob angstlösende Medikamente Erleichterung bringen könnten.

Wie sieht es mit Hausmitteln oder komplementären Mitteln aus?

Mit dem Arzt sprechen

Wer gerne Hausmittel gegen Übelkeit und Erbrechen anwenden möchte, sollte dies mit seinem Arzt besprechen.

Hausmittel wie etwa Tees, das Kauen von Ingwer und Nahrungsergänzungsmittel gegen Übelkeit können die Behandlung allenfalls unterstützen, nicht aber ersetzen.

Erste Daten aus Studien deuten darauf hin: Akupunktur kann als ergänzende Behandlung möglicherweise Erbrechen und Übelkeit während einer Chemotherapie lindern. Bezüglich der Kostenübernahme einer Akupunktur-Behandlung sollten Betroffene im Vorfeld einer Behandlung mit ihrer Krankenkasse sprechen.

Andere Ansätze aus der Komplementärmedizin versprechen dagegen mehr, als sie tatsächlich halten können. Wer solche ergänzenden oder komplementären Maßnahmen trotzdem möchte, sollte dies mit seinen Ärzten abstimmen: Von einigen Produkten, die gegen Übelkeit oft empfohlen werden, sind unerwünschte und mitunter sogar riskante Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten bekannt.

Können Cannabinoide gegen Übelkeit helfen?

Cannabinoide aus der Marihuana-Pflanze haben nach heutigem Wissensstand keinen Vorteil gegenüber den Standardarzneimitteln, die während der Krebstherapie gegen Erbrechen eingesetzt werden. Um mehr über ihre Wirksamkeit zu erfahren, ist zurzeit noch weitere Forschung notwendig. Bisher weiß man auch zu wenig über mögliche Wechselwirkungen mit anderen Mitteln gegen Übelkeit oder gar den eigentlichen Krebsmedikamenten.

Trotzdem sind sie nicht völlig ausgeschlossen in der Krebstherapie. Wenn alle anderen Arzneimittel nicht (mehr) wirken, können Cannabinoide bei Krebspatienten mit Chemotherapie-bedingter Übelkeit oder mit fortgeschrittener Erkrankung zum Einsatz kommen. Pauschale Empfehlungen in Leitlinien oder anderen wissenschaftlich fundierten Quellen gibt es nicht. Daher sollten Betroffene die Möglichkeiten der Behandlung immer in einem Gespräch mit ihrem behandelnden Arzt klären.

Wichtig zu wissen: In Deutschland ist bislang kein künstlich hergestelltes Cannabinoid als Arzneimittel gegen Übelkeit und Erbrechen bei Krebs zugelassen. Trotzdem können Ärzte ein entsprechendes Mittel verordnen, zum sogenannten "off-label-use" – also für einen Anwendungsbereich, für den die Mittel eigentlich nicht zugelassen sind. Ebenfalls möglich: Die Ärzte können Cannabinoide als individuell zubereitetes Rezepturarzneimittel verordnen, das in der Apotheke aufbereitet wird.

Wie sieht es mit den Kosten aus? Gesetzliche Krankenkassen sind nicht verpflichtet, die Behandlung zu finanzieren. Betroffene sollten deshalb immer im Vorfeld klären, wer die Kosten dafür trägt.

Versorgung zu Hause: Wie kann man Betroffene unterstützen?

Was tun, wenn ein Krebspatient trotz aller Vorbeugung und Behandlung häufig erbricht? Diese Situation ist nicht nur für Betroffene belastend. Angehörige oder enge Freunde fühlen sich in dieser Situation meist ebenso hilflos.

Wie kann man einen Menschen unterstützen, dem oft übel ist? Was kann man ganz konkret tun, um Erbrechen zu lindern? Besonders wichtig in dieser Situation ist es, auf Wünsche und Bedürfnisse des Betroffenen einzugehen. Denn diese unterscheiden sich von Patient zu Patient. Ein Patentrezept gibt es nicht.

  • Ganz allgemein hilft es vielen Patienten, wenn für eine ruhige Umgebung und eine bequeme Lagerung gesorgt ist.
  • Von ihnen als unangenehm empfundene Gerüche sollte man meiden, und regelmäßiges Lüften empfinden viele Betroffene als erleichternd.
  • Nach dem Erbrechen ist eine gute Mundspülung sehr wichtig: Sie steigert nicht nur das Wohlbefinden, sie sorgt auch dafür, dass die Magensäure Schleimhäute und Zähne möglichst wenig angreift. Wenn irgend möglich, sollte man trotz Übelkeit die Zahnpflege nicht vernachlässigen, mehr dazu im Text "Mundpflege bei Krebs".
  • Geht Erbrechen mit Schmerzen einher, sollte man den Arzt darüber informieren. Er kann die Ursachen dafür abklären.
  • Bei anhaltender Übelkeit und Erbrechen müssen meist auch Ernährung und Flüssigkeitszufuhr entsprechend angepasst werden – auch dies ist ein wichtiges Thema für das Arztgespräch. Auch Ernährungsberater können Tipps geben, was einem in dieser Situation besser bekommt. Hintergründe bieten die Texte zu "Ernährung bei Krebs".

Für alle hier genannten Tipps gilt: Sie spiegeln vorwiegend Erfahrungswissen von Fachleuten wider. Es gibt bislang nur wenige gute und wissenschaftlich orientierte Studien zu diesen Maßnahmen. Informationen, die von denen des Krebsinformationsdienstes abweichen, können deshalb ebenso richtig und geeignet sein.

Anhang: Übelkeit und Erbrechen bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen

Für Krebspatienten kann es sehr belastend sein, wenn ihnen bei einer fortschreitenden Krebserkrankung ständig übel ist und häufiges Erbrechen hinzu kommt. Die Lebensqualität wird dadurch stark eingeschränkt.

Wer unter anhaltender Übelkeit leidet, sollte dies möglichst bald seinen Ärzten mitteilen. Bei einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung ist häufiger weniger die Krebstherapie alleine Ursache für Übelkeit und Erbrechen, sondern oft der Tumor selbst und der allgemein schlechte Gesundheitszustand von Betroffenen.

Auf individuelle Wünsche und Bedürfnisse eingehen

Ansprechpartner sorgfältig auswählen

Grundsätzlich ist es sehr wichtig, sich in dieser Situation an Ärzte und Pflegefachleute zu wenden, die Erfahrung im Umgang mit belastenden Symptomen bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen haben.

Übelkeit und Erbrechen in dieser Krankheitsphase zu lindern, ist deshalb ebenfalls etwas sehr Individuelles. Es gibt dafür keine pauschalen Lösungen und Behandlungsstrategien. Fachleute stimmen eine lindernde Behandlung und eine pflegerische Betreuung und Versorgung immer auf die Situation des Einzelnen ab.

Neben einer ärztlichen Behandlung ist für Menschen, die regelmäßig von Übelkeit und Erbrechen und weiteren belastenden Symptomen geplagt sind, eine gute pflegerische Betreuung wichtig – vor allem dann, wenn die Versorgung nicht im Krankenhaus, sondern zuhause erfolgt. Wo man Unterstützung findet, ist im Text "So wird häusliche Krankenpflege organisiert: Ansprechpartner" aufgeführt.

Bei den allgemein gegen Übelkeit eingesetzten Medikamenten handelt es sich oft um andere Arzneimittel als die, die zum Beispiel die typische Chemotherapie-bedingte Übelkeit lindern. Betroffene erhalten diese nach einem Schema in regelmäßigen zeitlichen Abständen. Wer Schwierigkeiten mit dem Schlucken hat, oder wer häufiger erbrechen muss, für den eignen sich unter Umständen Antiemetika in Form von Zäpfchen, als Spritze unter die Haut oder als Infusion über die Vene besser. Insgesamt fehlen noch wissenschaftliche Daten, welche Arzneimittel bei einer fortgeschrittenen Erkrankung am besten wirksam sind.

Und noch andere Maßnahmen können helfen: Auch kleine, wenig belastende Eingriffe sind bei dem einen oder anderen sinnvoll: Ein Beispiel ist etwa das Umleiten des Darminhalts über eine durchgängige Schlinge oder das Einsetzen eines Röhrchens, um eine enge Stelle im Darm zu überbrücken.

Wo findet man psychosoziale Unterstützung?

Neben den genannten medizinischen und pflegerischen Versorgungsmöglichkeiten gibt es weitere Unterstützungsmöglichkeiten, bei denen das seelische Wohlbefinden im Vordergrund steht. Patienten, die mit den belastenden Symptomen einer Krebserkrankung leben müssen, sind in ihrer Lebensqualität oft stark eingeschränkt.

Um mit diesen Belastungen besser umgehen zu können, kann es helfen, auf psychosoziale oder psychoonkologische Unterstützung durch geschulte Fachleute zurückzugreifen. Der Krebsinformationsdienst hält für Krebspatienten und ihre Angehörigen eine bundesweite Liste mit regionalen Krebsberatungsstellen und mit Adressen niedergelassener Psychoonkologen bereit.
Hinweise auf weitere Unterstützungsmöglichkeiten bieten auch die Texte zur "Krankheitsverarbeitung".

Weitere Informationen: Linktipps, Fachinformationen, Quellen (Auswahl, Stand Dezember 2014)

Fragen zu Übelkeit und Erbrechen bei Krebs? Wir sind für Sie da
Haben Sie Fragen zu Übelkeit und Erbrechen bei Krebs? Dann rufen Sie uns an! Der Krebsinformationsdienst steht für Ihre Fragen zur Verfügung: täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40 oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de. Bei einem Klick öffnet sich eine gesicherte Verbindung.

Fachinformationen und Quellen für Interessierte und Fachkreise

krebsinformationsdienst.med: Wissen gezielt nutzen – ein Angebot für Fachkreise
Sie sind Arzt, beruflich Pflegende, Psychologe, Sozialarbeiter oder Apotheker und haben Fragen zu Übelkeit und Erbrechen bei Krebs? Mit dem Angebot krebsinformationsdienst.med unterstützen wir Sie bei Ihrer Arbeit, mit aktuellen, qualitätsgesicherten und individuell zugeschnittenen Informationen. krebsinformationsdienst.med steht Ihnen von Montag bis Freitag zur Verfügung:

  • am Telefon unter der kostenfreien Rufnummer 0800 – 430 40 50, von 8.00 bis 20.00 Uhr
  • per E-Mail an kid.med@dkfz.de, beim Klick öffnet sich ein Kontaktformular, das Ihnen eine gesicherte Verbindung bietet

Leitlinien und Fachgesellschaften
Informationen zu Chemotherapie-bedingter Übelkeit und Erbrechen bietet die Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin der Deutschen Krebsgesellschaft (ASORS), unter www.onkosupport.de. Ein Beispiel ist die kurz gefasste interdisziplinäre Leitlinie zum Thema, im Internet abrufbar unter www.onkosupport.de/e974/e2538/e2539/e2719/AntiemetProphylaxeGuidelineKurzv_DKG2008.pdf: Jordan , Bokemeyer C, Langebrake C, Link H. (2008). Antiemetische Prophylaxe gemäß MASCC- und ASCO-Guidelines.

Im Rahmen des deutschen Leitlinienprogrammes Onkologie werden in den nächsten zwei bis drei Jahren zu zehn wichtigen Themen aus dem Bereich der supportiven Therapie Handlungs- und Therapieempfehlungen erarbeitet. Ein Thema ist auch "Antiemese". Weiterführende Informationen dazu finden sich auf der Seite der S3-Leitlinie "Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen" unter www.s3supportiv.de. Unter dem Stichwort "Kooperationspartner" sind die beteiligten Fachgesellschaften und Institutionen aufgeführt.

In einigen weiteren deutschen Leitlinien zu einzelnen Krebsarten finden Fachleute ebenfalls Informationen zu Übelkeit und Erbrechen aufgrund der jeweiligen tumorspezifischen Therapie. Die Leitlinien sind unter anderem abrufbar auf den Internetseiten der Arbeitsgemeinschaften der Wissenschaftlichen Fachgesellschaften (AWMF) unter www.awmf.org/leitlinien/leitlinien-suche.html.

Die Leitlinie der Multinational Association of Supportive Care in Cancer (MASCC) in englischer Sprache von 2013 findet sich unter www.mascc.org/antiemetic-guidelines: Gralla R.J, Roila F, Tonato M, Herrstedt J. (2013). MASCC/ESMO Antiemetic Guideline 2013. Multinational Association of Supportive Care in Cancer.
Auf den Internetseiten der MASCC ist eine deutsche Übersetzung der antiemetischen Leitlinien der MASCC von 2011 abrufbar unter www.mascc.org/assets/Guidelines-Tools/mascc_antiemetic_german_2014.pdf.

Das Netzwerk der amerikanischen Krebszentren (National Comprehensive Cancer Network – NCCN) gibt ebenfalls Empfehlungen in englischer Sprache heraus: "Antiemesis" Version 2.2014. "Palliative Care" Version 1.2014 fasst weiterführende Informationen zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen bei fortgeschrittener Erkrankung zusammen. Für registrierte Nutzer sind diese unter www.nccn.org/professionals/physician_gls/f_guidelines.asp#supportive kostenlos einsehbar.

Eine weitere Leitlinie in englischer Sprache ist die der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie: Basch E, Prestrud AA, Hesketh PJ, Hesketh PJ, Kris MG, Feyer PC, Somerfield MR, Chesney M, Clark-Snow RA, Flaherty AM, Freundlich B, Morrow G, Rao KV, Schwartz RN, Lyman GH; American Society of Clinical Oncology. Antiemetics: American Society of Clinical Oncology Clinical Practice Guideline Update. J. Clin. Oncol. 2011 Nov 1; 29(31):4189-4198. DOI: 10.1200/JCO.2010.34.4614. Der Artikel ist im Internet frei abrufbar unter http://jco.ascopubs.org/content/29/31/4189.long.

Evidenzbasierte Übersichtsarbeiten, weitere Fachartikel
Dorman S, Perkins P. Droperidol for treatment of nausea and vomiting in palliative care patients. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 10. Art. No.: CD006938. DOI: 10.1002/14651858.CD006938.pub2.

Ezzo J, Richardson MA, Vickers A, Allen C, Dibble S, Issell BF, Lao L, Pearl M, Ramirez G, Roscoe JA, Shen J, Shivnan JC, Streitberger K, Treish I, Zhang G. Acupuncture-point stimulation for chemotherapy-induced nausea or vomiting. Cochrane Database of Systematic Reviews 2006, Issue 2. Art. No.: CD002285. DOI: 10.1002/14651858.CD002285.pub2.

Gralla RJ, Bosnjak SM, Hontsa A, Balser C, Rizzi G, Rossi G, Borroni ME, Jordan K. A phase III study evaluating the safety and efficacy of NEPA, a fixed-dose combination of netupitant and palonosetron, for prevention of chemotherapy-induced nausea and vomiting over repeated cycles of chemotherapy. Ann Oncol. 2014 Jul;25(7):1333-9. DOI: 10.1093/annonc/mdu096.

Garcia MK, McQuade J, Haddad R, Patel S, Lee R, Yang P, Palmer JL, Cohen L. Systematic review of acupuncture in cancer care: a synthesis of the evidence. J Clin Oncol. 2013 Mar 1;31(7):952-60. DOI: 10.1200/JCO.2012.43.5818. 

Jordan K, Gralla R, Jahn F, Molassiotis A. International antiemetic guidelines on chemotherapy induced nausea and vomiting (CINV): content and implementation in daily routine practice. Eur J Pharmacol. 2014 Jan 5;722:197-202. DOI: 10.1016/j.ejphar.2013.09.073.

Kris MG, Tonato M, Bria E, Ballatori E, Espersen B, Herrstedt J, Rittenberg C, Einhorn LH, Grunberg S, Saito M, Morrow G, Hesketh P. Consensus recommendations for the prevention of vomiting and nausea following high-emetic-risk chemotherapy. Support Care Cancer. 2011 Mar;19 Suppl 1:S25-32. DOI: 10.1007/s00520-010-0976-9.

Literatur zu Übelkeit und Erbrechen bei fortgeschrittener Erkrankung
Benze G, Geyer A, Alt-Epping B, Nauck F. Behandlung von Übelkeit und Erbrechen mit 5HT3-Antagonisten, Steroiden, Antihistaminika, Anticholinergika, Somatostatinanaloga,Benzodiazepinen und Cannabinoiden bei Palliativpatienten. Schmerz. 2012 Sep;26(5):481-99. DOI: 10.1007/s00482-012-1235-4.

Darvill E, Dorman S, Perkins P. Levomepromazine for nausea and vomiting in palliative care. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 4. Art. No.: CD009420. DOI: 10.1002/14651858.CD009420.pub2.

Dong ST, Butow PN, Costa DS, Lovell MR, Agar M. Symptom Clusters in Patients With Advanced Cancer: A Systematic Review of Observational Studies. J Pain Symptom Manage. 2014 Apr 3. pii: S0885-3924(14)00150-X. DOI: 10.1016/j.jpainsymman.

Dorman S, Perkins P. Droperidol for treatment of nausea and vomiting in palliative care patients. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 10. Art. No.: CD006938. DOI: 10.1002/14651858. CD006938.pub2.

Glare P, Miller J, Nikolova T, Tickoo R. Treating nausea and vomiting in palliative care: a review. Clin Interv Aging. 2011;6:243-59. DOI: 10.2147/CIA.S13109.

Harris DG. Nausea and vomiting in advanced cancer. Br Med Bull. 2010;96:175-85. DOI: 10.1093/bmb/ldq031.

Perkins P, Dorman S. Haloperidol for the treatment of nausea and vomiting in palliative care patients. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue 2. Art. No.: CD006271. DOI: 10.1002/14651858.CD006271.pub2.

Rangwala F, Zafar SY, Abernethy AP. Gastrointestinal symptoms in cancer patients with advanced disease: new methodologies, insights, and a proposed approach. Curr Opin Support Palliat Care. 2012 Mar;6(1):69-76. DOI: 10.1097/SPC.0b013e32834f689d.

Wiffen PJ, Derry S, Moore RA. Impact of morphine, fentanyl, oxycodone or codeine on patient consciousness, appetite and thirst when used to treat cancer pain. Cochrane Database of Systematic Reviews 2014, Issue 5. Art. No.: CD011056. DOI: 10.1002/14651858.CD011056.pub2.

Neben den genannten Artikeln zu Übelkeit und Erbrechen bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen hat der Krebsinformationsdienst noch Fachbücher aus dem Bereich Palliativmedizin und palliativer Pflege herangezogen.

Informationen zur antiemetischen Arzneimitteltherapie
Informationen zu Wirkstoffen von Krebsmedikamenten und Medikamenten gegen Übelkeit können angemeldete Nutzer im Internet unter www.fachinfo.de einsehen. Weitere Arzneimittelinformationen finden sich unter www.pharmnet.bund.de, aktuelle Hinweise des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte unter www.bfarm.de. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bietet auf www.ema.europa.eu ebenfalls Hinweise zur Wirkung von Medikamenten an, Standardsprache ist Englisch, teilweise finden sich auch deutschsprachige Übersetzungen. Entsprechende Texte finden sich unter der Rubrik "Find medicine", Stichwort "Human Medicines", Stichwort "European Public Assessment Reports".

Auf den Internetseiten des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erfahren Interessierte unter www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Pharmakovigilanz/DE/RV_STP/m-r/metoclopramid.htmlmehr zu "Metoclopramidhaltige Arzneimittel: Umsetzung des Durchführungsbeschlusses der EU-Kommission" vom 23.04.2014.