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Kettenkarussell, Foto: Dirk Freder/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Übelkeit und Erbrechen während der Krebsbehandlung

Vorbeugen, lindern, Folgen vermeiden

Viele Krebspatienten fürchten sich davor: Übelkeit und Erbrechen zählen zu den belastenden Nebenwirkungen einiger Krebsbehandlungen. Auch die Erkrankung selbst kann zu Unwohlsein führen. Eine beruhigende Nachricht: In den letzten Jahren hat sich viel getan - wirksame Medikamente wurden entwickelt, um Übelkeit und Erbrechen während und nach einer Krebsbehandlung vorzubeugen oder zu behandeln. Diese sogenannten Antiemetika sind mittlerweile fester Bestandteil der Krebstherapie.
Was lässt sich in der Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen erreichen, was nicht?
Einen Überblick zum Thema für Betroffene bietet der Krebsinformationsdienst im folgenden Text.

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Quellen und Links

Verwendete Quellen sowie weiterführende Informationen für Interessierte und Fachleute finden sich am Ende des Textes.

Vor einer Krebstherapie: Welche Fragen stelle ich dem Arzt?

Patient und Ärztin im Gespräch © Alexander Raths - Fotolia
Vor einer Krebstherapie - informieren und vorbeugen: Welche Fragen stelle ich dem Arzt?

Als Krebspatientin oder Krebspatient muss man nicht zwangsläufig mit Übelkeit oder gar Erbrechen rechnen: Viele Betroffene bringen die Zeit der Erkrankung auch ohne diese Beschwerden hinter sich.
Es gibt jedoch einige Therapien, bei denen bekannt ist, dass sie Unwohlsein, Übelkeit und Erbrechen hervorrufen können. Viele Menschen verbinden diese Auswirkung vor allem mit der Chemotherapie. Doch auch hier gilt: Längst nicht alle zur Chemotherapie eingesetzten Zytostatika lösen Übelkeit oder Erbrechen aus, und wo es doch der Fall ist, helfen Medikamente bei der Vorbeugung.
Eine umfängliche Bestrahlung kann bei Patienten ebenfalls Unwohlsein hervorrufen. Und schließlich gibt es einige weitere Medikamente und Krankheitssituationen, die direkt oder indirekt das Risiko steigern, erbrechen zu müssen.

Wie kann man herausfinden, wie wahrscheinlich diese belastenden Beschwerden in der eigenen Situation sind? Grundsätzlich hilft vor einer anstehenden Krebsbehandlung immer ein Gespräch mit den Ärzten. Von ihnen kann man mehr über mögliche Nebenwirkungen erfahren.

Für den Arzttermin: An frühere Auslöser für Übelkeit denken

Hat man in der Vergangenheit bereits negative Erfahrungen mit Übelkeit und Erbrechen gemacht? Das sollten die Ärzte wissen: 

  • Wurde einem auf Reisen immer schnell schlecht?
  • Reagiert man in Stresssituationen, bei Angst oder anderer psychischer Belastung mit Magenproblemen, Unwohlsein oder gar Übelkeit?
  • Für Frauen: Gab es bei Regelschmerzen oder in der Schwangerschaft Probleme mit Übelkeit und Erbrechen?

Folgende Fragen können Krebspatientinnen und Krebspatienten als weitere Anregung dienen, um sich auf ein Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten: 

  • Wie wahrscheinlich ist es, dass mir durch die geplante Krebsbehandlung übel wird?
  • Wann muss ich damit rechnen? Unmittelbar nach der Krebstherapie, oder erst einige Zeit später? Wie lange kann die Übelkeit nach dem Ende der Behandlung anhalten?
  • Bekomme ich vorbeugende Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen? Helfen mir die als wirksam bekannten Standards? Oder ist bei mir eine davon abweichende Therapie notwendig?
  • Welche Medikamente gegen Übelkeit bekomme ich? Wann und wie oft? Was hilft besser, Tablette, Kapsel, Tropfen? Wenn mir übel ist, gibt es dann auch Spritzen oder Infusionen über die Vene oder Zäpfchen? 
  • Können die Medikamente gegen Erbrechen und Übelkeit selbst Nebenwirkungen haben? 
  • Was kann ich selbst tun, um vorzubeugen? Sollte ich beim Essen und Trinken während der Behandlung etwas Besonderes beachten? 
  • Helfen Entspannungsübungen oder Ablenkung?
  • Wie sieht es mit den üblichen Hausmitteln gegen Übelkeit aus?
  • Wie soll ich mich verhalten, an wen kann ich mich wenden, wenn ich trotz der Medikamente unter Übelkeit und Erbrechen leide?

Biologie: Wie kommt es zu Übelkeit und Erbrechen?

Übelkeit (lateinisch: Nausea für Seekrankheit) und Erbrechen (griechisch: Emesis) sind biologische Warn- und Schutzmechanismen: Sie sollen den Körper vor Vergiftungen, verdorbenen Lebensmitteln und vergleichbaren Schädigungen bewahren. Daher lassen sie sich kaum durch Willensanstrengung unterdrücken. Dabei ist es egal, ob einem ein übler Geruch in die Nase steigt, ob man etwas Verdorbenes zu sich genommen hat, oder ob eine Krankheit der Auslöser ist.

Auch Erbrechen als Folge einer Krebsbehandlung, etwa einer Chemotherapie oder Bestrahlung, lässt sich nicht bewusst unterdrücken. Sich "einfach mal zusammenzureißen" ist deshalb keine wirksame Abhilfe.

Mechanismus: Was passiert beim Erbrechen?

Foto: Länger anhaltende Übelkeit kann sehr belastend sein © Jupiterimages – Thinkstock
Länger anhaltende Übelkeit ist sehr belastend. © Jupiterimages – Thinkstock

Erbrechen wird durch einen komplexen Reflexvorgang ausgelöst. Schädliche Substanzen im Magen-Darm-Trakt werden von besonderen Rezeptoren wahrgenommen. Über den Vagusnerv gelangt diese Information zum sogenannten Brechzentrum im Gehirn. Unter diesem Begriff fassen Fachleute alle Bereiche im Gehirn zusammen, die an der weiteren Informationsverarbeitung von Impulsen im Zusammenhang mit Erbrechen beteiligt sind. Dort wird das eigentliche Erbrechen ausgelöst. 
Befindet sich die schädliche Substanz im Blut, wie es beispielsweise bei einer Chemotherapie der Fall ist, läuft die Übermittlung viel direkter: Arzneimittel und Giftstoffe gelangen direkt an Rezeptoren im Zentralnervensystem, die Meldung wird sofort an das Gehirn weitergeleitet.

Vom Brechzentrum aus werden aufeinander abgestimmt Reize an verschiedene Muskeln weitergeleitet, etwa an Muskeln in Speiseröhre, Magen, Dünndarm, Bauchmuskulatur sowie an die Muskeln im Mund und Rachen.
Diese reagieren prompt: Vor und während des Erbrechens erschlafft der Magen. Der Dünndarm zieht sich zusammen. Dadurch wird sein Inhalt gegen den Magen gepresst. Weitere Muskeln ziehen sich koordiniert zusammen und erschlaffen wieder, etwa die Bauch- und Atemmuskulatur: Durch rhythmisches Aufstoßen gelangt der Mageninhalt über Speiseröhre und Mund nach draußen.

Ein weiteres Ziel dieses komplexen Ablaufs: Möglichst keinen Mageninhalt einatmen!
Das koordinierte Zusammenspiel verschiedenster Muskeln sorgt auch dafür, dass während des Erbrechens der Körper keinen weiteren Schaden nimmt: Stimmritze sowie Nasen- und Rachenraum sind beim Brechvorgang verschlossen, damit möglichst kein Mageninhalt in die Luftröhre gelangt.

Was passiert noch, wenn es zum Erbrechen kommt?
Die meisten Menschen kennen das nur zu gut: Man spürt, dass etwas nicht stimmt, und zunächst breitet sich ein "flaues" Gefühl im Magen aus. Wird das Unwohlsein stärker, reagiert der ganze Körper mit: Man ist blass, schwitzt, und das Herz schlägt schneller. Umgekehrt können deshalb zum Beispiel auch Herzprobleme und Blutdruckkrisen oder auch eine Migräne zu Übelkeit führen.

Auslöser bei Krebs: Welche Faktoren lösen Unwohlsein bei Krebspatienten aus?

Übelkeit und Erbrechen können als Folge einer Chemotherapie oder einer Strahlentherapie auftreten. Auch nach einer Narkose bei einer Operation wird es Patienten manchmal schlecht. Und schließlich gibt es eine Reihe weiterer Medikamente, die ebenfalls Auslöser sein können. Dazu zählen beispielsweise einige Schmerzmittel.

Welche Mechanismen kennt man?

  • Bei den meisten Medikamenten, so auch der Chemotherapie, handelt es sich überwiegend um eine Reaktion, wie sie der Körper auch auf giftige oder verdorbene Nahrungsmittel zeigen würde - und die er durch Erbrechen loswerden will. Ähnlich wirken auch einige andere Arzneimittel.
  • Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide sind ein Beispiel für eine andere Wirkung: Sie setzen direkt am zentralen Nervensystem an, manche stimulieren als Nebenwirkung direkt das Brechzentrum.
  • Schmerzmittel wie die nichtsteroidalen Antiphlogistika - ein Beispiel ist "Aspirin" - reizen und schädigen die Magen-Darm-Schleimhaut: Sie können auf diesem Weg zu Unwohlsein führen.

Bei einer Bestrahlung vermuten Fachleute verschiedene mögliche Ursachen:

  • Liegt das Strahlenfeld beispielsweise im Bauchraum, ist dort oft die Magen-Darmschleimhaut gereizt und entzündet. Dies kann zu Unwohlsein bei Betroffenen führen.
  • Bei sehr hoch dosierten Bestrahlungen wird die Übelkeit aber auch durch körpereigene Abbauprodukte und Entzündungsfaktoren hervorgerufen, wenn während einer umfangreichen Strahlentherapie sehr viele Zellen gleichzeitig zerfallen.
  • Durch eine Schädelbestrahlung kann das Brechzentrum im Gehirn beeinträchtigt werden, also die verschiedenen Teile des Gehirns, die an der Auslösung von Erbrechen beteiligt sind.

Wann kann die Tumorerkrankung selbst Auslöser von Übelkeit und Erbrechen sein?

Nicht immer ist die Therapie die Ursache für Übelkeit und Erbrechen. Ganz allgemein begünstigen Stress, Aufregung oder Angst bei nicht wenigen Menschen Übelkeit und Erbrechen.

Auch die Tumorerkrankung selbst kann ein Grund dafür sein - insbesondere bei Krebspatienten mit fortgeschrittener Erkrankung. Bei ihnen kommen nicht selten mehrere Ursachen zusammen: Der Tumor kann den Verdauungstrakt betreffen oder beeinträchtigen, etwa durch Lebermetastasen oder Flüssigkeitsansammlung im Bauch. Patienten mit Hirntumoren oder Hirnmetastasen können unter erhöhtem Hirndruck leiden, dann wird das Brechzentrum im Gehirn unter Umständen ebenfalls stimuliert. Infektionen können den Stoffwechsel stören, ebenso schlecht funktionierende Nieren oder Giftstoffe des Tumors - auch diese Faktoren begünstigen Übelkeit und Erbrechen.
Bei Schwerkranken können aber selbst Hustenanfälle, allgemein starke Erschöpfung, Verstopfung oder Schmerzen zu Übelkeit und Erbrechen führen.

Risikoeinschätzung: Lässt sich das individuelle Risiko im Vorfeld ermitteln?

Wovon hängt die Wahrscheinlichkeit ab, mit der Übelkeit und Erbrechen überhaupt auftreten können? Das Risiko können Experten bei den meisten Krebspatienten schon bei der Therapieplanung grob abschätzen.

  • Ein vergleichsweise geringes Risiko haben die meisten Patienten, die nur operiert werden und deren Erkrankung weder weit fortgeschritten ist noch die Verdauungsorgane betrifft. Bei ihnen ist die Gefahr weitgehend auf die Zeit rund um die Operation beschränkt.
  • Ebenfalls gering ist das Risiko bei Patienten, die eine begrenzte Strahlentherapie erhalten, etwa bei Brustkrebs oder bei anderen Erkrankungen, bei denen der bestrahlte Körperbereich klein ist und weder Kopf noch Verdauungstrakt betrifft.
  • Anders sieht es bei Krebspatienten aus, die eine Chemotherapie, eine Ganzkörperbestrahlung oder eine Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie erhalten werden: Ihr Risiko wird vor Behandlungsbeginn erfasst, und je nach Situation ist bei ihnen auch eine vorbeugende Behandlung gegen Erbrechen sinnvoll.

Woran können sich Fachleute bei der Planung einer Chemotherapie orientieren?

Ärzte greifen bei der Planung einer medikamentösen Krebstherapie auf Daten aus den Zulassungsverfahren der einzelnen Medikamente zurück. Arzneimittel lassen sich nach der Häufigkeit einteilen, mit der - ohne eine vorbeugende Behandlung - Erbrechen und Übelkeit als Nebenwirkung auftreten. Insbesondere bei einer Chemotherapie sprechen Fachleute von der "emetogenen Potenz" der Behandlung.

Krebsspezialisten unterscheiden insgesamt vier Risikogruppen von Medikamenten zur Chemotherapie. Diese Einteilung gilt auch für die gängige Kombination verschiedener Zytostatika zur Chemotherapie, und sie lässt sich auf andere Behandlungsverfahren übertragen:

  • Hohes Risiko: Übelkeit und/oder Erbrechen bei fast allen Patienten, in Zahlen: bei mehr als 90 von 100 Patienten 
  • Mäßiges oder moderates Risiko: sehr oft, bei mehr als 30 bis zu 90 von 100 Patienten 
  • Niedriges Risiko: eher selten, bei 10 bis 30 von 100 Patienten 
  • Minimales Risiko: selten, bei weniger als 10 von 100 Patienten

Beispiele für Chemotherapie-Medikamente, die besonders starke Übelkeit hervorrufen, sind etwa Cisplatin, oder auch Mittel wie Carmustin. Ein mäßiges Risiko besteht beispielsweise bei Daunorubicin, selbst Carboplatin und Oxaliplatin haben ein geringeres Risiko als Cisplatin. Zytostatika, die kaum Übelkeit erzeugen, sind dagegen beispielsweise sogenannte Vinca-Alkaloide wie etwa Vincristin.

Andere Medikamente mit mittlerer bis geringer, aber vorhandener emetogener Potenz sind beispielsweise einige moderne zielgerichtete Mittel auf Antikörperbasis, oder auch Interferon.

Aber: Die Ausprägung von Übelkeit und Erbrechen lässt sich nicht ausschließlich am Wirkstoff eines Arzneimittels festmachen. Wie hoch die Dosis ist, die man erhält, und wie lange die Therapie dauert, beeinflussen ebenfalls das Risiko.

Welche Anhaltspunkte gibt es für die Planung einer Bestrahlung?

Mit dem gleichen System zur "emetogenen Potenz" wird auch abgeschätzt, wie hoch das Risiko für Übelkeit bei einer Strahlentherapie ist.
Ein hohes Risiko für Übelkeit und Erbrechen während einer Bestrahlung haben vor allem Patienten, die eine Ganzkörperbestrahlung erhalten. Ein mäßiges Risiko hat man bei einer Bestrahlung, die den Bauchraum mit betrifft. Wer hingegen nur lokal bestrahlt wird, etwa an der Brust oder an Armen oder Beinen, muss kaum mit Übelkeit und Erbrechen rechnen.

Allgemeine Therapieplanung

Die Abschätzung der emetogenen Potenz der Behandlung ergänzen Ärzte bei der Therapieplanung um die Daten ihrer Patienten:
Welche Krankheit liegt genau vor? Ist es eine Patientin oder ein Patient? Wie ist das Alter, wie der körperliche Zustand? Wie umfangreich wird die Therapie sein und wie lange wird das Risiko für Erbrechen insgesamt anhalten?

Droht Übelkeit, achten die Ärzte auch auf alle weiteren Medikamente, die Patientinnen und Patienten benötigen: Ein Mittel, das als Tablette den Magen reizt, steht vielleicht auch in einer anderen Zubereitungsform zur Verfügung, etwa als Kapsel, die sich erst im Darm auflöst.
Bei Patienten, denen es bereits schlecht ist, müssen Ärzte und Pflegefachleute darauf achten, dass sie trotz Erbrechen wie geplant mit allen Arzneimitteln versorgt sind: Wer Tabletten nicht lange genug "unten behält", ist dann mit einer Spritze, mit Infusionen, Zäpfchen oder Arzneipflastern besser versorgt.

Welche persönlichen Faktoren beeinflussen das Auftreten von Übelkeit und Erbrechen?

Die objektiven Faktoren wie emetogene Potenz und Therapieplanung allein sind jedoch nicht ausschlaggebend: Nicht alle Patienten vertragen eine Behandlung gleich gut oder gleich schlecht. Der einen Patientin wird schnell übel und sie muss relativ bald nach Therapiebeginn erbrechen. Ein anderer übersteht die gleiche Behandlung ohne Probleme und bewahrt sich sogar seinen Appetit.
Woran kann man sich selbst orientieren?

Die meisten Menschen wissen aus Erfahrung, ob sie bei entsprechenden Reizen eher zu Übelkeit neigen oder eher unempfindlich sind. Wie war es zum Beispiel auf Reisen, bei längeren Autofahrten, auf dem Karussel oder bei einer Schiffsfahrt auf dem Meer? Reagiert man sehr sensibel auf Gerüche? Wie gut verträgt man Alkohol? Frauen sind insgesamt etwas häufiger betroffen als Männer, vor allem dann, wenn siewährend früherer Schwangerschaften häufig erbrachen oder auch rund um die monatliche Periodenblutung unter Unwohlsein litten.
Nicht zu unterschätzen: Eine wichtige Rolle spielen auch Angst und Stress während der Therapie.

Diese Punkte sollte man mit den Ärzten am besten ebenfalls noch vor Therapiebeginn durchgehen. Sie können bei der Risikoeinschätzung helfen.

Zeitliches Auftreten von Übelkeit und Erbrechen: Gibt es Unterschiede?

Anhand des zeitlichen Auftretens während einer Krebsbehandlung unterscheidet man verschiedene Arten von Übelkeit und Erbrechen. Bei manchen Patienten treten Nebenwirkungen relativ rasch auf, innerhalb der ersten 24 Stunden nach Therapiebeginn. Bei anderen kommt es etwas verzögert zu diesen Symptomen, erst nach mehr als 24 Stunden.
Wann die Symptome auftreten, hängt von den Krebsmedikamenten ab, die man bekommt. Deshalb planen die Ärzte auch die vorbeugenden Medikamente genau passend zur geplanten Krebstherapie.

Manchen Patienten wird sogar schon vor der Behandlung schlecht. Wie lässt sich das erklären?

Betroffen sind besonders oft Menschen, die während einer früheren Behandlung schon einmal schlechte Erfahrungen mit Übelkeit gemacht hatten. Fachleute sprechen von antizipatorischer, also "vorwegnehmender" oder "vorausahnender" Übelkeit.
Kann man diesen Teufelskreis durchbrechen? Die Erfahrung zeigt: Je besser Erbrechen und Übelkeit durch Medikamente vorgebeugt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein solcher Reflex überhaupt erst ausbildet.

Was tun, wenn man bereits unter antizipatorischer Übelkeit und Erbrechen leidet? Möglicherweise können dann neben den Arzneimitteln gegen Übelkeit und Erbrechen auch psychoonkologische Unterstützungsmöglichkeiten, etwa Entspannungsverfahren, weitere Abhilfe schaffen.

Folgen von häufigem Erbrechen: Was sollte man als Betroffener wissen?

Die meisten Menschen empfinden zunächst nur das eigentliche Erbrechen als unangenehm: Es ist anstrengend, und der saure Mageninhalt hinterlässt einen schlechten Geschmack im Mund. Doch Erbrechen kann auch weitere Folgen haben: Die Schleimhäute werden gereizt, und die Magensäure kann die Zähne angreifen.

Ärzte und Pflegefachleute haben noch ein weiteres Problem im Blick: Erbricht man innerhalb eines kürzeren Zeitraums immer wieder, kann dies zu einem starken Verlust an Flüssigkeit und lebenswichtigen Mineralstoffen führen. Austrocknung und Mangel an wichtigen Salzen ziehen bei lang anhaltendem schwerem Erbrechen Stoffwechselentgleisungen, Mangelernährung und Gewichtsverlust nach sich.
Eine weitere, besonders gefürchtete Komplikation: Gelangt Erbrochenes in die Luftröhre, kann es zu gefährlichen Lungenentzündungen kommen.
Insgesamt schränkt länger anhaltende Übelkeit die Lebensqualität stark ein, selbst wenn das eigentliche Erbrechen unterdrückt werden kann.

  • Ihnen ist während einer Krebsbehandlung ständig schlecht? Sagen Sie es Ihrem behandelnden Arzt. Er kann etwas für Sie tun.

Vorbeugung und Behandlung: Was lässt sich erreichen, was nicht?

Eine beruhigende Nachricht für Krebspatienten: Es gibt mittlerweile zahlreiche wirksame Medikamente, mit denen man Übelkeit und Erbrechen vorbeugen und behandeln kann. Aktuell gehen Experten davon aus: Erbrechen durch die Tumortherapie lässt sich bei bis zu acht von zehn Betroffenen durch eine gute Vorbeugung ganz verhindern. Mit den modernen Arzneimitteln lässt bei den anderen Patientinnen und Patienten zumindest eine Besserung erreichen.

Studien zeigen außerdem: Je besser man über diese begleitenden Behandlungsmöglichkeiten informiert ist, desto eher ist man selbst in der Lage, mit den Nebenwirkungen der Krebstherapie umzugehen. Auch wenn dies nicht immer und jederzeit gelingen wird: Wer weniger Angst hat, kann sich in vielen Situationen leichter entspannen und damit der Übelkeit besser begegnen.

Eine Liste mit möglichen Fragen für das Arztgespräch findet sich am Anfang dieses Textes.
Zum Laden und Ausdrucken steht auch ein Informationsblatt zur Verfügung: "Übelkeit und Erbrechen bei der Krebsbehandlung: Vorbeugung und Therapie" (PDF).

Therapieplanung: Welche Arzneimittel helfen? Welche anderen Möglichkeiten gibt es?

Vorbeugung und Behandlung setzen vor allem auf moderne und wirksame Arzneimittel, die gezielt gegen Übelkeit entwickelt und zugelassen wurden. Hausmittel oder alternative und komplementäre Verfahren ersetzen diese modernen Medikamente derzeit nicht, sie können sie allenfalls ergänzen. Eine wichtige Rolle können außerdem Entspannungstechniken spielen, bei Bedarf auch eine begleitende psychologische Unterstützung.

Bei sehr schwerem Erbrechen, das sich anders nicht lindern lässt, können die behandelnden Ärzte einige weitere Arzneimittel einsetzen, die ansonsten nicht an erster Stelle in der Therapieplanung stehen - etwa weil sie selbst starke Nebenwirkungen haben, oder weil man noch vergleichsweise wenig über ihre Wirkung weiß.

Was kann man sich von den einzelnen Möglichkeiten versprechen? Hier ein Überblick.

Moderne Antiemetika: Wie werden sie eingesetzt?

Fachleute sprechen bei Mitteln gegen Übelkeit und Erbrechen von sogenannten Antiemetika. Verfügbar sind Arzneimittel mit unterschiedlichen Wirkmechanismen. Welches jeweils am besten geeignet ist, hängt von der zu erwartenden Stärke und dem voraussichtlichen zeitlichen Verlauf von Übelkeit und Erbrechen ab. Bei sehr hohem Risiko sind auch Kombinationen mehrerer Arzneimittel möglich.

Solche Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen sind in der Regel fester Bestandteil einer Chemotherapie sowie bei Strahlentherapien mit hohem Risiko für auftretendes Unwohlsein. Das heißt: Man bekommt sie schon vorbeugend, wenn relativ sicher ist, dass die Behandlung Übelkeit auslösen wird. Bei anderen Therapien, etwa rund um eine Operation, sieht das anders aus: Hier erhält man Arzneimittel eher erst dann, wenn Übelkeit und Erbrechen tatsächlich auftreten.

  • Zu den Medikamenten mit höchster Wirkstärke zählen sogenannte Rezeptorantagonisten: Sie hemmen die Reizweiterleitung, die zum Erbrechen führt. Die Fachbegriffe lauten 5-Hydroxytryptamin-3-Rezeptoranagonisten, abgekürzt 5-HT3-RA, und Neurokinin-1-Rezeptorantagonisten (NK1-RA).
  • Ergänzend zu diesen Arzneimitteln kommt außerdem Dexamethason infrage, ein sogenanntes Kortikosteroid ("Cortison"). Wie diese Kortikoide genau bei Übelkeit und Erbrechen wirken, ist noch nicht abschließend geklärt, aber sie können helfen.
  • Daneben gibt es noch Antiemetika mit geringerer Wirkstärke: Dazu zählen beispielsweise sogenannte Dopaminrezeptor (D2)-Antagonisten, die direkt auf das Brechzentrum im Gehirn wirken. Bei therapiebedingtem Erbrechen sind sie nicht die Mittel der ersten Wahl für Krebspatienten. Sie spielen eher bei chronischer Übelkeit und chronischem Erbrechen eine Rolle, wenn diese im Verlauf der Erkrankung Betroffene sehr belasten.

Bei schwerer Übelkeit und Erbrechen, das sich anders nicht lindern lässt, können auch Medikamente helfen, die beruhigend und entspannend wirken. Zur Verfügung stehen sogenannte Neuroleptika und ähnliche Mittel, die in den Nervenstoffwechsel eingreifen, klassische Beruhigungsmittel wie die Benzodiazepine, oder auch sogenannte H1-Blocker, die viele Menschen als Mittel gegen Allergien kennen.

Erst wenn die zugelassenen Antiemetika und auch "Kortison" nicht vertragen werden oder nicht wirken, kommen laut der aktuellen Leitlinien verschreibungsfähige Cannabinoide oder Medizinalhanf in Betracht. Zu ihrer Anwendung gibt es bisher allerdings keine ausdrückliche Fachempfehlung: Noch sind Fragen zur Wirkung offen.

Braucht man diese Mittel unbedingt?

Für Menschen, die mit Sorge und Angst vor Nebenwirkungen in die Therapie gehen, stellt sich diese Frage vermutlich erst gar nicht. Doch was, wenn man eher unempfindlich ist, sozusagen "hart im Nehmen"? Wenn man dem Körper nicht noch mehr Medikamente zumuten möchte? Lässt sich dann auf die vorbeugenden Mittel verzichten?

Die Antwort der Experten darauf lautet: Nein!

Vorbeugung ist bei einer Krebstherapie mit übelkeitsauslösenden Medikamenten sehr wichtig. Die Übelkeit als Nebenwirkung lässt sich willentlich nur sehr bedingt in Schach halten. Vor allem gilt: Leidet man erst einmal unter Übelkeit, lässt sie sich deutlich schlechter lindern, man benötigt mehr Medikamente.
Je höher die Übelkeit erzeugende Wirkung einer Krebsbehandlung ist, umso intensiver sollte deshalb die vorbeugende Behandlung mit Antiemetika sein.

Was die Fachleute ebenfalls unbedingt vermeiden möchten: sogenanntes antizipatorisches Erbrechen. Dabei "lernt" der Körper, beispielsweise schon den Gedanken an Chemotherapie oder den Geruch im Krankenhaus mit Übelkeit zu verknüpfen.

Muss man mit Nebenwirkungen durch die antiemetische Behandlung rechnen?

Die meisten Patientinnen und Patienten vertragen die Behandlung gut - vor allem im Vergleich zu der Belastung, die eine unbehandelte Übelkeit verursachen würde.
Doch es gilt auch: Arzneimittel gegen Übelkeit können ebenfalls unerwünschte Wirkungen haben. Wie diese genau aussehen, hängt vom jeweiligen Arzneimittel und dessen Dosierung ab. Pauschale Aussagen sind schwierig. Je nach Arzneimittel kann es beispielsweise zu Kopfschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, Müdigkeit und Schläfrigkeit, innerer Unruhe und Schlaflosigkeit oder Schluckauf kommen.

Man sollte sich deshalb erkundigen, ob man mit Nebenwirkungen der Arzneimittel gegen Übelkeit rechnen muss und wenn ja, mit welchen.

In welcher Form bekommt man Mittel gegen Übelkeit?

Um Erbrechen rund um eine Operation zu verhindern, ist bei vielen Patienten gar keine medikamentöse Vorbeugung notwendig: Man wird stattdessen gebeten, nüchtern zu bleiben.
Tritt trotzdem Übelkeit auf, sollte man dies sofort Ärzten und Pflegeteam sagen, damit wirksame Abhilfe geschaffen werden kann. Arzneimittel stehen dann je nach Situation und Wirkstoff als Tabletten, Kapseln, Tropfen, Infusion in die Vene, Zäpfchen oder Pflaster zur Verfügung.

Bei länger andauernden Krebstherapien würde längeres Fasten dem Körper nur schaden und auch nicht gegen die meisten Formen von Unwohlsein helfen. Unmittelbar vor einer Chemotherapie bekommen viele Betroffene deshalb Mittel gegen Übelkeit als Infusion über eine Vene. Einige Arzneimittel stehen als Tablette oder Kapsel zum Schlucken zur Verfügung, die man bei hohem Risiko noch für zwei weitere Tage einsetzen kann.

Ähnlich sieht die Vorbeugung aus, wenn man eine Ganzkörperbestrahlung erhält, bei der das Risiko für Übelkeit und Erbrechen besonders hoch ist. Auch dann helfen vorbeugende Arzneimittel als kurze Infusion, Kapsel oder Tablette. Betroffene erhalten diese dann vor einer Bestrahlungssitzung und innerhalb von 24 Stunden danach.

  • Wichtig bei einer ambulanten Behandlung:

Erhält man die Medikamente zur Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen mit nach Hause, sollte man sich genau erklären lassen, wann und wie viel man benötigt. Achtung: Viel hilft nicht unbedingt viel! Tritt trotzdem Übelkeit auf, sollte man deshalb nur dann die Dosierung verändern und mehr einnehmen, wenn es der Arzt ausdrücklich erlaubt hat. Besser ist es, die Probleme möglichst bald zu besprechen und Ärzte oder Pflegeteam um Abhilfe zu bitten.

Entspannungsverfahren, Hausmittel, Komplementärmedizin, Cannabis: Welche weiteren Maßnahmen gibt es?

Wenn Stress und Angst die Übelkeit verstärken, können nichtmedikamentöse Ansätze helfen. Dazu zählen vor allem Entspannungstechniken. Wichtig ist es auch, für eine ruhige Umgebung zu sorgen, soweit dies möglich ist.

Ist der Druck sehr groß, besteht in fast allen Kliniken die Möglichkeit, entlastende psychologische Beratungsgespräche zu vereinbaren. Außerhalb der Klinik sind Krebsberatungsstellen und bei Bedarf auch niedergelassene Psychoonkologen mögliche Anlaufstellen. In Studien hat sich gezeigt, dass verhaltenstherapeutische Ansätze Betroffenen Erleichterung verschaffen.

Helfen diese Maßnahmen nicht, bleibt die Angst weiter groß und hält das Erbrechen an? Dann sollte man sich nicht scheuen, mit den Ärzten zu besprechen, ob angstlösende Medikamente Erleichterung bringen könnten.

Wie sieht es mit Hausmitteln oder komplementären Mitteln aus?

Ingwer hilft gegen Übelkeit - bei Krebs reicht das nicht aus © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Ingwer hilft gegen Übelkeit - bei Krebs reicht die Wirkung aber meist nicht aus © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Hausmittel wie etwa Kaugummikauen oder das Kauen von Ingwer können die Behandlung der Übelkeit unterstützen, nicht aber ersetzen.
Vorsichtig sein sollte man mit Heiltees oder auch pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln: Pflanzliche Inhaltsstoffe sind keineswegs automatisch "sanft" und "harmlos": Gerade einige wirksame Inhaltsstoffe können auch zu unerwünschten Wechselwirkungen mit der Krebstherapie führen.

Erste Daten aus Studien deuten darauf hin: Akupunktur kann als ergänzende Behandlung möglicherweise Erbrechen und Übelkeit während einer Chemotherapie vorbeugen. Wegen der Kostenübernahme einer Akupunktur-Behandlung sollten Betroffene vor einer Behandlung mit ihrer Krankenkasse sprechen.

Andere Ansätze aus der Komplementärmedizin versprechen dagegen mehr, als sie tatsächlich halten können. Wer solche ergänzenden oder komplementären Maßnahmen trotzdem möchte, sollte dies mit seinen Ärzten abstimmen: Von einigen Produkten, die gegen Übelkeit oft empfohlen werden, sind unerwünschte und mitunter sogar riskante Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten bekannt.

Cannabinoide: Helfen Hanfextrakte oder entsprechende Medikamente gegen Übelkeit?

In Deutschland ist derzeit die Anwendung von Cannabis-Wirkstoffen sowie Medizinalhanf bei schwerer Übelkeit legal möglich. Im Januar 2017 hat der Deutsche Bundestag auch klargestellt: Wenn Ärzte sich begründete Hoffnungen machen, die Verordnung von Cannabis oder Cannabis-Wirkstoffen könnte ihren Patientinnen oder Patienten helfen, können die Krankenkassen die Kosten tragen. Nachfragen sollte man sicherheitshalber allerdings trotzdem, denn bei der ersten Verordnung sollte die Zustimmung der Kasse vorliegen. Diese Regelungen sind am 10. März 2017 in Kraft getreten.

  • Alle Cannabis-Zubereitungen und Cannabinoid-Arzneimittel fallen unter das Betäubungsmittelgesetz, das heißt, sie können nur über ein sogenanntes BtM-Rezept verordnet werden.
  • Selbst Cannabis für den Eigenbedarf anzubauen, das bleibt weiter ein rechtlicher Graubereich. Auch das Einführen von Cannabis-Produkten nach Deutschland, etwa Hanf-Zigaretten aus der Schweiz oder Produkte aus den Niederlanden, ist durch das Arzneimittelgesetz nicht abgedeckt.

Verfügbar sind Arzneimittel mit den wichtigsten Inhaltsstoffen, den Cannabinoiden, als Kapsel oder Tropfen, und sogenannter Medizinalhanf, also Teile von Cannabispflanzen.

Welche Mittel kommen bei Übelkeit infrage, und wann?
Getrocknete Hanfblüten, gelegentlich auch die Blättchen rund um die Blüte, sind auch als Marihuana bekannt. Haschisch ist das daraus hergestellte und gepresste Harz. Ab Mitte März 2017 können Ärzte bei Bedarf ein Rezept über sogenannten Medizinalhanf ausstellen, und Apotheken dürfen dann Cannabis-Pflanzenteile abgeben, ohne dass wie bisher dazu eine Sondergenehmigung erforderlich ist.
Die Wirkung von Medizinalhanf lässt sich wie bei vielen anderen Naturprodukten vergleichsweise schlecht kontrollieren. Eine Rolle spielt auch, wie man Hanfprodukte zu sich nimmt: als Tee oder Aufguss, geraucht oder in anderer Form.

Zur Therapie stehen aber auch Auszüge zur Verfügung, die nur die wirksamen Stoffe der Hanfpflanzen in standardisierter Menge enthalten. Außerdem werden chemisch ähnliche Substanzen hergestellt.
Solche Stoffe bezeichnet man als natürliche oder synthetische Cannabinoide. Deren Hauptwirkstoff ist Tetrahydrocannabinol (THC). Ärzte können diese Cannabinoide auf Rezept verordnen, die dann in der Apotheke als Kapsel oder Tropfen zubereitet werden. Ein zugelassenes Fertigpräparat gegen Übelkeit sowie Importpräparate aus dem Ausland mit Cannabinoiden sind ebenfalls verfügbar.

Was können sich Betroffene von Cannabis erwarten?
Noch sind viele Fragen zur Behandlung mit Cannabis und Cannabinoiden offen. Einige Studien zeigen aber, dass sich Übelkeit und Erbrechen, insbesondere bei einer Chemotherapie, gut lindern lassen. Ob die Wirkung bei Übelkeit und Erbrechen besser, schlechter oder genauso gut ist wie bei konventionellen Mitteln, diese Frage ist dagegen noch nicht ausreichend geklärt.
Die Unterschiede scheinen nicht nur von Patient zu Patient zu bestehen: So gibt es beispielsweise Betroffene, bei denen die herkömmlichen Mittel nicht ausreichend greifen - ihnen können Cannabinoide unter Umständen Erleichterung bieten.

Bei der Diskussion kommt das Problem der Nebenwirkungen hinzu: Viele Menschen reagieren auf die Wirkstoffe mit ausgeprägter Schläfrigkeit. Möglich sind aber auch Bewusstseinsveränderungen, die zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit oder sogar Angstzuständen schwanken können.

Wegen dieser offenen Fragen hat der Bundestag auch beschlossen: Ärzte, die ihre Patienten bei einer Therapie begleiten, werden zukünftig anonymisierte Daten an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte übermitteln. So soll langfristig das Wissen zu dieser Therapie wachsen.

Versorgung zu Hause: Wie kann man Betroffene unterstützen?

Was tun, wenn ein Krebspatient trotz aller Vorbeugung und Behandlung häufig erbricht? Diese Situation ist nicht nur für Betroffene belastend. Angehörige oder enge Freunde fühlen sich in dieser Situation meist ebenso hilflos.

  • Ganz allgemein hilft es vielen Patienten, wenn für eine ruhige Umgebung und eine bequeme Lagerung gesorgt ist. Andere möchten dagegen eher abgelenkt werden.
  • Als unangenehm empfundene Gerüche sollte man meiden, und regelmäßiges Lüften empfinden viele Betroffene als erleichternd.
  • Nach dem Erbrechen ist eine gute Mundspülung sehr wichtig: Sie steigert nicht nur das Wohlbefinden, sie sorgt auch dafür, dass die Magensäure Schleimhäute und Zähne möglichst wenig angreift. Wenn irgend möglich, sollte man trotz Übelkeit die Zahnpflege nicht vernachlässigen, mehr dazu im Text "Mundpflege bei Krebs".
  • Geht Erbrechen mit Schmerzen einher, sollte man den Arzt darüber informieren. Er kann die Ursachen dafür abklären.
  • Bei anhaltender Übelkeit und Erbrechen müssen meist auch Ernährung und Flüssigkeitszufuhr entsprechend angepasst werden – auch dies ist ein wichtiges Thema für das Arztgespräch. Auch Ernährungsberater können Tipps geben, was einem in dieser Situation besser bekommt. Hintergründe bieten die Texte zu "Ernährung bei Krebs".

Für alle hier genannten Tipps gilt: Sie spiegeln vorwiegend Erfahrungswissen von Fachleuten wider. Es gibt bislang nur wenige gute und wissenschaftlich orientierte Studien zu diesen Maßnahmen. Informationen, die von denen des Krebsinformationsdienstes abweichen, können deshalb ebenso richtig und geeignet sein.

Anhang: Übelkeit und Erbrechen bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen

Für Krebspatienten kann es sehr belastend sein, wenn ihnen bei einer fortschreitenden Krebserkrankung ständig übel ist und häufiges Erbrechen hinzu kommt. Die Lebensqualität wird dadurch stark eingeschränkt.
Wer unter anhaltender Übelkeit leidet, sollte dies möglichst bald seinen Ärzten mitteilen. Bei einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung ist weniger die Krebstherapie Ursache für Übelkeit und Erbrechen: Bei vielen Betroffenen sind der Tumor selbst und der allgemein schlechte Gesundheitszustand die Auslöser.

Auf individuelle Wünsche und Bedürfnisse eingehen

Übelkeit und Erbrechen in dieser Krankheitsphase zu lindern, ist deshalb etwas sehr Individuelles. Es gibt dafür keine pauschalen Lösungen und Behandlungsstrategien. Fachleute stimmen eine lindernde Behandlung und eine pflegerische Betreuung und Versorgung immer auf die Situation ab.
Neben einer ärztlichen Behandlung ist für Menschen, die regelmäßig von Übelkeit und Erbrechen und weiteren belastenden Symptomen geplagt sind, eine gute pflegerische Betreuung wichtig – vor allem dann, wenn die Versorgung nicht im Krankenhaus, sondern zuhause erfolgt. Wo man Unterstützung findet, hat der Krebsinformationsdienst im Text "So wird häusliche Krankenpflege organisiert: Ansprechpartner" aufgeführt.

Welche Therapie hilft?

Bei den allgemein gegen Übelkeit eingesetzten Medikamenten handelt es sich oft um andere Arzneimittel als die, die zum Beispiel die typische Chemotherapie-bedingte Übelkeit lindern. Betroffene erhalten diese nach einem Schema in regelmäßigen zeitlichen Abständen.
Wer Schwierigkeiten mit dem Schlucken hat, oder wer häufiger erbrechen muss, kommt meist auch mit Tabletten nicht gut klar. Dann eignen sich Antiemetika in Form von Zäpfchen, als Spritze unter die Haut oder als Infusion über die Vene besser.

Lässt sich die Übelkeit mit den gängigen Mitteln nicht ausreichend unterdrücken, sollte man nicht einfach die Dosis steigern. Die zuständigen Ärzte werden eher versuchen, auf andere Wirkstoffe auszuweichen. Eine wichtige Rolle spielen bei schwerem Erbrechen, das sich nicht anders lindern lässt, auch beruhigende und entspannende Medikamente.

Wo findet man psychosoziale Unterstützung?

Neben den genannten medizinischen und pflegerischen Versorgungsmöglichkeiten gibt es weitere Unterstützungsmöglichkeiten, bei denen das seelische Wohlbefinden im Vordergrund steht. Patienten, die mit den belastenden Symptomen einer Krebserkrankung leben müssen, sind in ihrer Lebensqualität oft stark eingeschränkt.

Um mit diesen Belastungen besser umgehen zu können, kann es helfen, auf psychosoziale oder psychoonkologische Unterstützung durch geschulte Fachleute zurückzugreifen.

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