- Für eine Chemotherapie gibt es viele verschiedene Wirkstoffe. Ärztinnen und Ärzte empfehlen geeignete Medikamente abhängig von der Krebsart und der individuellen Erkrankungssituation.
- Die Nebenwirkungen einer Chemotherapie hängen von den eingesetzten Wirkstoffen ab. Sie können von Person zu Person unterschiedlich sein. Viele Nebenwirkungen lassen sich behandeln oder lindern.
- Die Chemotherapie ist eine wichtige und wirksame Behandlung gegen Krebs. Die Sorge vor Nebenwirkungen und Risiken allein ist in der Regel kein Grund, auf diese Behandlung zu verzichten: Die Risiken werden gegen den potenziellen Nutzen abgewogen.
Wichtig: Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.
Chemotherapie-Medikamente: Was sind Zytostatika?
Lexikon
Zytostatika: Medikamente, die die Zellteilung und das Zellwachstum von Tumorzellen hemmen sollen. Sie stören überwiegend Vorgänge im Zellkern, beispielsweise, indem sie die Funktionen oder die Verdopplung der Erbinformation (DNA) während der Zellteilung beeinflussen.
Zytostatika sind Medikamente, die gegen Krebszellen wirken. Patientinnen und Patienten erhalten sie bei einer Chemotherapie. Die Chemotherapie ist eine wichtige Behandlung bei Krebs.
Die Zytostatika bekommen Patientinnen und Patienten meist als Infusion, seltener als Tabletten. So verteilen sie sich im ganzen Körper und wirken überall gegen Krebszellen. Dadurch ist eine Chemotherapie auch gegen Krebszellen aktiv, die sich vom ursprünglichen Tumor abgelöst und möglicherweise Metastasen gebildet haben.
Gut zu wissen: Manchmal kann auch eine örtlich wirkende Chemotherapie infrage kommen. Mehr hierzu lesen Sie im Abschnitt "Kurz erklärt: Was ist eine Chemotherapie?" unter Chemotherapie: Mit Zytostatika gegen Krebs.
Wie wirken die Medikamente gegen Krebs?
Chemotherapie-Medikamente wirken vor allem gegen Zellen, die sich häufig teilen. Dazu gehören auch Krebszellen, die sich unkontrolliert teilen und vermehren.
Zytostatika greifen Krebszellen auf verschiedenen Wegen an:
- Manche Medikamente greifen das Erbmaterial (die DNA) in den Zellen an und verändern es.
- Andere hemmen zum Beispiel Schritte bei der Zellteilung oder der Vervielfältigung des Erbmaterials.
Die geschädigten Zellen verlieren die Fähigkeit, sich zu vermehren und sterben ab. Die abgetöteten Zellen werden vom Körper abgebaut.
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Wieso kommt es zu Nebenwirkungen?
Eine Chemotherapie schädigt nicht nur den Krebs, sondern auch gesundes Gewebe. Aber: Krebszellen teilen sich häufiger als die meisten anderen Zellen und sind von der Wirkung der Medikamente besonders stark betroffen.
Gesunde Zellen werden vor allem dann in Mitleidenschaft gezogen, wenn sie sich – wie Krebszellen – häufig teilen. Das betrifft beispielsweise die Zellen in den Haarwurzeln, der Haut und den Schleimhäuten.
Gut zu wissen
Verschiedene Chemotherapie-Medikamente wirken unterschiedlich und können auch unterschiedliche Nebenwirkungen haben. Viele Nebenwirkungen lassen sich inzwischen gut behandeln.
Auswahl geeigneter Chemotherapie-Medikamente

Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; Foto: Tobias Schwerdt
Es gibt viele verschiedene Zytostatika. Ärztinnen und Ärzte richten sich bei der Auswahl der Chemotherapie-Medikamente danach, was anderen Betroffenen in vergleichbarer Situation am besten geholfen hat. Worauf beruhen diese Empfehlungen? Medikamente werden in klinischen Studien mit vielen Patientinnen und Patienten erprobt. Fachleute entwickeln auf der Grundlage ihrer Ergebnisse Behandlungsempfehlungen.
Neben diesen statistischen Daten berücksichtigen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte aber auch immer die persönliche Gesundheitssituation.
Behandlungs-Schemata: Kombinationen von Medikamenten
Viele Patientinnen und Patienten erhalten während der Chemotherapie nicht nur ein einzelnes Zytostatikum (Monotherapie), sondern mehrere Medikamente (Kombinationstherapie). Die Kombinationsmöglichkeiten sind vielfältig. Fachleute bezeichnen die Kombinationen auch als Behandlungs-Schemata oder Regimes.
Häufig haben die Behandlungsschemata Namen, die aus den Anfangsbuchstaben der einzelnen Medikamente zusammengesetzt sind. Beispielsweise steht FOLFOX für eine Kombinationstherapie mit den Wirkstoffen Folinsäure (FOL), 5-Fluorouracil (F) und Oxaliplatin (OX).
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Wirkstoffgruppen: Wie funktionieren Zytostatika?

Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; erstellt mit BioRender.com
Chemotherapie-Medikamente werden anhand ihrer unterschiedlichen Wirkungsweisen in verschiedene Gruppen eingeteilt.
Alkylanzien und Platinverbindungen
Wirkungsweise: Alkylanzien gehen chemische Verbindungen mit der Erbsubstanz (DNA) einer Zelle ein und schädigen so das Erbgut. Dadurch stirbt die Zelle ab. Außerdem können sich Alkylanzien mit Eiweißen verbinden, die für die Zellteilung wichtig sind. Ist die Zellteilung gestört, kann eine Zelle sich nicht weiter vermehren.
Zu den Alkylanzien gehören im weiteren Sinne auch die sogenannten Platinverbindungen. Auch diese Wirkstoffe bilden Verbindungen mit der DNA und schädigen so das Erbgut der Zelle.
Anwendungen: Alkylanzien kommen bei sehr vielen unterschiedlichen Krebsarten zum Einsatz.
Beispiele für Alkylanzien:
- Stickstofflost-Verbindungen (Cyclophosphamid, Ifosfamid, Trofosfamid, Melphalan, Chlorambucil, Bendamustin, Estramustin)
- Ethylenimin-Derivate/Aziridine (Thiotepa)
- Alkylsulfonate (Busulfan, Treosulfan)
- Nitrosoharnstoff-Derivate (Carmustin, Lomustin, Nimustin)
- Platin-Derivate (Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin)
- Sonstige Alkylanzien (Procarbazin, Dacarbazin, Temozolomid, Trabectedin)
Antimetaboliten
Wirkungsweise: Antimetaboliten ähneln natürlichen Stoffwechselbausteinen, sogenannten Metaboliten. Sie erfüllen aber die Funktion dieser Bausteine nicht. So blockieren sie beispielsweise Eiweiße, die Bausteine für die Erbsubstanz herstellen. Manche Antimetaboliten werden selbst als falsche Bausteine in die Erbsubstanz eingebaut. So hemmen sie den Zellstoffwechsel oder schädigen das Erbgut. Dadurch stirbt die Zelle ab.
Anwendungen: Diese Medikamente erhalten beispielsweise Betroffene mit Leukämien, aber auch mit vielen anderen Krebsarten. Niedrig dosierte Antimetaboliten werden auch als Lösung oder Creme zum Auftragen auf die Haut angewendet, zum Beispiel zur Behandlung von Krebsvorstufen.
Beispiele für Antimetaboliten:
- Folsäureantagonisten (Methotrexat, Pemetrexed, Pralatrexat)
- Purin-Analoga (Cladribin, Fludarabin, Mercaptopurin, Nelarabin, Pentostatin, Thioguanin)
- Pyrimidin-Analoga (5-Fluorouracil/5-FU, Tegafur, Capecitabin, Cytarabin, Gemcitabin, Azacitidin, Decitabin)
Taxane und andere Mitosehemmer
Wirkungsweise: Mitosehemmer verhindern die Teilung des Zellkerns, die sogenannte Mitose. Im Kern einer Zelle ist die Erbsubstanz in den Chromosomen gespeichert. Während der Teilung des Zellkerns werden die Chromosomen auf die Tochterzellen aufgeteilt. Für diese Aufteilung sind feine Fasern notwendig, die sogenannten Spindelfasern. Mitosehemmstoffe stören den Aufbau oder die Funktion der Spindelfasern. So kann sich der Zellkern nicht mehr teilen und die Zelle nicht weiter vermehren.
Anwendungen: Mitosehemmer erhalten vor allem Patientinnen und Patienten mit Leukämien, malignen Lymphomen oder mit Brustkrebs. Aber auch für Betroffene mit anderen Tumoren kommen diese Medikamente manchmal infrage.
Beispiele für Mitosehemmer:
- Vinca-Alkaloide und deren Derivate (Vinblastin, Vincristin, Vindesin, Vinorelbin, Vinflunin)
- Taxane (Paclitaxel, Docetaxel, Cabazitaxel)
- Halichondrin-B-Analoga (Eribulin)
Topoisomerase-Hemmer
Wirkungsweise: Die Erbsubstanz (DNA) liegt im Kern einer Zelle in einer spiralförmigen Struktur vor, die aus 2 ineinander verdrehten DNA-Strängen besteht. Diese Struktur kann wie ein Seil noch weiter verdrillt werden, um die DNA auf engstem Raum unterzubringen.
Damit die Erbsubstanz vor der Zellteilung vervielfältigt werden kann, muss diese Verdrillung im betreffenden Abschnitt wieder gelockert werden. Hierzu werden die DNA-Stränge vorübergehend getrennt und später wieder zusammengefügt. Diese Aufgabe übernehmen bestimmte Eiweiße, die Topoisomerasen.
Topoisomerase-Hemmer sorgen dafür, dass die DNA nicht wieder zusammengefügt werden kann. Die Zelle kann sich nicht mehr teilen und stirbt ab.
Anwendungen: Vor allem Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen erhalten Topoisomerase-Hemmer. Meist bekommen sie diese in Kombination mit anderen Chemotherapie-Medikamenten.
Beispiele für Topoisomerase-Hemmer:
- Topoisomerase-I-Hemmer (Topotecan, Irinotecan)
- Topoisomerase-II-Hemmer (Etoposid, Etoposidphosphat, Mitoxantron)
Zytostatisch wirkende Antibiotika
Wirkungsweise: Üblicherweise kennt man Antibiotika als Medikamente gegen bakterielle Infektionen. Einige Antibiotika wirken aber auch als starke Zellgifte und werden zur Behandlung von Krebs eingesetzt. Diese Antibiotika wirken auf verschiedenen Wegen: Sie stören zum Beispiel die Vervielfältigung oder die Reparatur der Erbsubstanz (DNA). Außerdem können sie die DNA oder die Membranhülle der Zelle beschädigen. Die Zelle stirbt dann ab.
Anwendungen: Zytostatische Antibiotika wirken gegen viele unterschiedliche Krebsarten. Viele Patientinnen und Patienten erhalten sie in Kombination mit anderen Chemotherapie-Medikamenten.
Beispiele für zytostatisch wirkende Antibiotika:
- Actinomycine (Dactinomycin)
- Anthrazykline (Daunorubicin, Idarubicin, Doxorubicin, Epirubicin)
- Bleomycin
- Mitomycin C
- synthetische Antibiotika (Mitoxantron, Amsacrin)
Nebenwirkungen und ihre Behandlung
Gerade weil Zytostatika so hochwirksame Arzneimittel sind, müssen Patientinnen und Patienten bei einer Chemotherapie mit Nebenwirkungen rechnen.
Gut zu wissen
Heute gibt es sehr oft Möglichkeiten, die belastenden Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu lindern.
Wieso kommt es zu Nebenwirkungen?
- Chemotherapie-Medikamente wirken nicht nur gegen den Krebs: Auch gesunde Zellen sind betroffen, weil die Wirkstoffe auch bei ihnen die Zellteilung stören können. Das betrifft vor allem Zellen, die sich häufig teilen und vermehren. Dazu gehören zum Beispiel die Zellen der Blutbildung, Zellen in den Haarwurzeln sowie Schleimhautzellen wie die im Mund oder dem Verdauungsapparat.
- Manche Chemotherapie-Medikamente haben auch eine unmittelbar hautreizende oder ätzende Wirkung.
- Übelkeit und Erbrechen als mögliche Nebenwirkungen entstehen zum Teil noch über eine weitere Reaktion: Möglicherweise schädliche Stoffe lösen einen Reflex aus, sie so schnell wie möglich wieder loszuwerden.
Nicht jede Krebspatientin und jeder Krebspatient hat die gleichen Nebenwirkungen
Welche Nebenwirkungen auftreten, ist vor allem von den verwendeten Chemotherapie-Medikamenten abhängig. Auch die Kombination der Substanzen spielt eine Rolle. Außerdem wichtig zu wissen: Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf ein Arzneimittel. Welche Nebenwirkungen auftreten, kann von Person zu Person unterschiedlich sein.
Nutzen und Risiken abwägen
Vor und während der Therapie müssen Betroffene sich nicht scheuen, mit den Ärztinnen und Ärzten über Befürchtungen zu sprechen und Fragen zu stellen:
- Mit welchen Nebenwirkungen muss ich bei der Therapie rechnen?
- Welche Risiken gehe ich ein, wenn ich mich aus Angst vor Therapiefolgen nicht behandeln lasse?
- Falls Nebenwirkungen während der Therapie sehr belastend sind: Was lässt sich dagegen tun? Kann ich ein anderes Medikament erhalten? Welche Folgen hätte es, eine Therapie abzubrechen?
Haare, Haut, Nägel, Schleimhäute und Blutgefäße

Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; Foto: Tobias Schwerdt
Vorübergehender Haarausfall, Hautprobleme, Schleimhautentzündungen und Reizungen von Blutgefäßen gehören zu den möglichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie.
Haarausfall
Einige Chemotherapie-Medikamente führen zu Haarausfall. Betroffen sind eventuell nicht nur die Kopfhaare, sondern auch Körperhaare, Augenbrauen und Wimpern.
Was tun bei Haarausfall? Gesetzlich versicherte Patientinnen, bei denen Haarausfall wahrscheinlich ist, erhalten schon vor Therapiebeginn ein Rezept für eine Perücke. Ob dies auch für Männer möglich ist, müssen Betroffene vorab mit der Krankenkasse klären: Nicht alle Versicherungen übernehmen die Kosten.
Kann eine Kühlung der Kopfhaut während der Chemotherapie-Sitzung durch eine Kühlhaube den Haarausfall vermindern? Dazu gibt es noch keine eindeutigen Studienergebnisse. In manchen Behandlungszentren wird eine Kopfhautkühlung angeboten. Allerdings werden die Kosten in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.
Nach dem Ende der Chemotherapie fangen die Haare in der Regel wieder an zu wachsen.
Weitere Informationen hierzu finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema Haarausfall bei Krebs und
- im Informationsblatt Haarausfall durch Krebsbehandlung (PDF).
Veränderungen an Haut und Nägeln
Durch eine Chemotherapie kann es zu Rötung, Trockenheit und Schuppung der Haut kommen. Auch Juckreiz, Verfärbungen oder Hautausschläge sind möglich. Bei einigen Betroffenen werden die Nägel rissig oder brüchig oder lösen sich sogar ab. Die meisten Hautveränderungen bilden sich nach Ende der Therapie zurück. Verfärbungen der Haut können eventuell bestehen bleiben.
Das kann helfen: Experten empfehlen, gereizte Haut möglichst zu schonen und zu pflegen. Welche Produkte und Maßnahmen für die Hautpflege während der Chemotherapie sinnvoll sind, können Patientinnen und Patienten mit ihrem Behandlungsteam besprechen.
Weitere Informationen hierzu finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema Nebenwirkungen der Haut durch Therapien gegen Krebs und
- im Informationsblatt Medikamentöse Tumortherapien: Nebenwirkungen an Haut und Nägeln (PDF).
Schleimhautentzündungen
Manche Chemotherapie-Medikamente führen zu Schleimhautentzündungen. Insbesondere im Mund kann dies sehr schmerzhaft und unangenehm sein.
Das kann helfen: Regelmäßiges Zähneputzen mit einer weichen Zahnbürste hilft, die Mundhygiene zu verbessern. Aber auch eine sehr gute Pflege kann Entzündungen im Mund nicht immer verhindern. Bei starken Schmerzen erhalten Betroffene örtlich wirkende Schmerzmittel.
Weitere Informationen hierzu finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema Entzündungen und Infektionen bei Krebs und
- im Informationsblatt Schleimhautentzündungen bei Krebspatienten: Vorbeugen und lindern (PDF).
Venen- und Gewebereizungen
Chemotherapie-Medikamente können die Wände der Blutgefäße reizen oder schädigen. Eine Venenentzündung macht sich durch ein schmerzhaftes Brennen bemerkbar. Diese Gefahr besteht auch, wenn die Infusion korrekt gegeben wird.
Falls die Infusion mit einem Chemotherapie-Medikament fälschlicherweise nicht in die Vene, sondern in das Gewebe daneben läuft, sprechen Ärztinnen und Ärzte von einem "Paravasat". Häufig sind Paravasate schmerzhaft. Sie können Reizungen, Entzündungen und Gewebeschäden verursachen. Bei Schmerzen oder Schwellungen in der Nähe der Einstichstelle sollten Betroffene daher umgehend Bescheid sagen, damit jemand vom Behandlungsteam die Infusion stoppen kann.
Das kann helfen: Um das Risiko für Venenreizungen und fehlerhafte Infusionen zu senken, erhalten die meisten Krebspatientinnen und -patienten vor einer Chemotherapie heute einen sogenannten Portkatheter oder kurz "Port". Er ermöglicht einen dauerhaften Zugang in eine zentral gelegene Vene.
Weitere Informationen hierzu finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema "Port zur Chemotherapie: Wie pflegen, wann entfernen?".
Infektanfälligkeit und Blutarmut

Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ
Eine Chemotherapie kann die Immunfunktion einschränken und so die Gefahr von Infektionen erhöhen. Auch die Bildung von roten Blutkörperchen kann betroffen sein: Das kann zu einer Blutarmut führen.
Infektanfälligkeit
Eine Chemotherapie kann die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen. Der Grund dafür: Die Chemotherapie schädigt das Knochenmark und stört so die Bildung von Immunzellen. Wenn es zu wenige Immunzellen gibt, steigt die Infektionsgefahr.
Das kann helfen: Ist die Immunfunktion sehr stark eingeschränkt, müssen Patientinnen und Patienten besonders auf eine sorgfältige Hygiene achten, um die Infektionsgefahr zu verringern.
Nach Ende der Therapie geht die Infektanfälligkeit in der Regel von allein zurück. Dies kann allerdings einige Wochen dauern.
Weitere Informationen hierzu finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema Entzündungen und Infektionen bei Krebs und
- auf unseren Seiten mit Hygienetipps zu den Themen Kochen und Lebensmittel, Haustiere, sowie Pflanzen, Kompost und Müll.
Blutarmut
Eine Chemotherapie kann die Blutbildung im Knochenmark stören und so zu einem Mangel an roten Blutkörperchen führen. Das nennt man Blutarmut (Anämie). Rote Blutkörperchen sind für den Sauerstofftransport im Körper zuständig. Gibt es zu wenige davon, führt das zu Sauerstoffmangel in Organen und Geweben.
Für Betroffene macht sich die Blutarmut durch Symptome wie Müdigkeit, Blässe, Konzentrationsschwierigkeiten und verminderte Leistungsfähigkeit bemerkbar.
Das kann helfen: Ist eine Blutarmut sehr ausgeprägt, erhalten Betroffene beispielsweise Medikamente, die die Blutbildung anregen.
Weitere Informationen hierzu finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema Anämie bei Krebs.
Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)

Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; Foto: Tobias Schwerdt
Eine langanhaltende Müdigkeit oder Erschöpfung, bei der Erholung oder Schlaf nur bedingt helfen, bezeichnen Fachleute als "Fatigue". Fatigue ist eine sehr häufige Begleiterscheinung bei Krebs. Sie ist in der Regel nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen.
Das kann helfen: Wie eine Fatigue behandelt wird, ist individuell unterschiedlich. Medikamente können gegen körperliche Auslöser und Schmerzen helfen. Beratung ist bei Schlafstörungen und Ernährungsproblemen hilfreich. Angepasste körperliche Aktivität kann das allgemeine Wohlbefinden verbessern. Psychologische Unterstützung hilft bei einer Fatigue, Bewältigungsstrategien für den Alltag zu entwickeln.
Weitere Informationen hierzu finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema "Fatigue bei Krebs: Was tun bei Müdigkeit und Erschöpfung?" und
- im Informationsblatt Fatigue: Erschöpfung und Müdigkeit bei Krebs (PDF).
Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust

Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; Foto: Tobias Schwerdt
Übelkeit und Erbrechen sind typische Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Außerdem kann eine Krebserkrankung und -therapie zu Mangelernährung und Gewichtsverlust führen.
Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit
Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit gehören zu den häufigen Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Aber nicht alle Chemotherapie-Medikamente lösen diese Symptome aus.
Das kann helfen: Durch Auswahl und Zusammenstellung der Medikamente lässt sich das Risiko für das Auftreten von Übelkeit und Erbrechen etwas verringern. Ganz vermeiden lässt es sich aber nicht immer. Deshalb erhalten viele Patientinnen und Patienten schon vorab Medikamente, die Übelkeit vorbeugen und Erbrechen möglichst verhindern.
Weitere Informationen hierzu finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema Übelkeit und Erbrechen während der Krebsbehandlung und
- im Informationsblatt Übelkeit und Erbrechen bei der Krebsbehandlung: Vorbeugen und behandeln (PDF).
Gewichtsverlust
Eine Krebserkrankung selbst kann zu ungewolltem Gewichtsverlust führen. Aber auch Nebenwirkungen der Krebstherapien wie Appetitlosigkeit, Geschmacksveränderungen, Geruchsempfindlichkeit, und Erbrechen machen es Betroffenen schwer, genug zu essen.
Das kann helfen: Bei Ernährungsproblemen kann eine Beratung helfen. Auch Ernährungstherapien sind möglich, zum Beispiel mit Zusatznahrung oder Nährstoffinfusionen. Welche Behandlung infrage kommt, hängt immer von der individuellen Situation ab.
Weitere Informationen hierzu finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema Ernährung bei Krebs und
- im Informationsblatt Ernährung bei Krebs: Was ist wichtig? (PDF).
Nervenschäden

Bild: © Krebsinformationsdienst; DKFZ
Manche Chemotherapie-Medikamente können Nerven schädigen. Solche Nervenschädigungen (Neuropathien) führen zu Schmerzen und Gefühlsstörungen, beispielsweise in den Händen und Füßen. Je nachdem, welche Nerven betroffen sind, treten manchmal auch Hör-, Seh- und Gleichgewichtsstörungen auf.
Nervenschäden in Händen und Füßen (Periphere Neuropathie)
Eine mögliche Nebenwirkung mancher Chemotherapie-Medikamente sind Nervenschäden. Diese machen sich durch Gefühlsminderungen oder Missempfindungen wie Taubheit, Kribbeln und "Ameisenlaufen" in Füßen oder Händen bemerkbar. Auch Schmerzen oder Muskelschwäche können auftreten.
Das kann helfen: Eine ausgeprägte Nervenschädigung ist schwer zu behandeln und heilt auch nach Ende der Therapie eventuell nur langsam ab. Nicht selten bleiben Beeinträchtigungen auch länger bestehen. Gehen die Nervenschäden mit Schmerzen einher, gibt es aber wirksame Arzneimittel.
Treten belastende Symptome auf, können Betroffene mit dem Behandlungsteam besprechen, ob ein Wechsel auf weniger nervenschädigende Präparate oder eine Anpassung der Dosierung möglich ist.
Bei bestimmten Chemotherapie-Medikamenten empfehlen manche Fachleute Kälte oder Kompression an Händen und Füßen anzuwenden, um Nervenschäden dort vorzubeugen. Hierzu werden kühlende oder besonders eng anliegende Handschuhe und Strümpfe verwendet.
Weitere Informationen hierzu finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema Neuropathie bei Krebspatienten und
- im Informationsblatt Nervenschäden bei Krebs: Erkennen und lindern (PDF).
Hörverlust, Sehminderung, Gleichgewichtsstörungen
Sind die Hirnnerven von Schädigungen betroffen, kann sich das dadurch bemerkbar machen, dass man schlechter hört oder sieht. Auch störende Ohrgeräusche (Tinnitus) oder Gleichgewichtsstörungen sind möglich.
Das kann helfen: Ist eine Einschränkung beim Hören ausgeprägt und anhaltend, kommt die Versorgung mit Hörgeräten infrage. Bei Gleichgewichtsstörungen helfen beispielsweise Bewegungsübungen und Physiotherapie, Einschränkungen im Alltag zu vermindern.
Weitere Informationen hierzu finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema Neuropathie bei Krebspatienten: Beschwerden lindern.
Beeinträchtigung des Gehirns
Die meisten Chemotherapie-Medikamente erreichen das Gehirn nicht: Die sogenannte Blut-Hirn-Schranke schützt das Gehirn vor chemischen Substanzen. Manche Wirkstoffe können allerdings die Blut-Hirn-Schranke überwinden oder beeinträchtigen und so Nebenwirkungen am Gehirn verursachen. Es kommt dann beispielsweise zu Verwirrtheit, Unruhe, Bewusstseinsstörungen oder Schläfrigkeit.
Weitere Informationen hierzu finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema Neuropathie bei Krebspatienten.
Verstopfung
Bei Schädigungen von Nerven im Verdauungstrakt kann es zum Beispiel zu Verstopfung kommen.
Das kann helfen: Gegen eine Verstopfung helfen beispielsweise verschiedene Methoden zur Anregung der Darmtätigkeit oder Abführmittel.
Weitere Informationen hierzu finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema Verstopfung bei Krebs: Vorbeugung und Behandlung.
Fruchtbarkeit, Kinderwunsch, Wechseljahre

Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ
Eine Chemotherapie gilt für Männer und Frauen als Gefahr für die Fruchtbarkeit. Ei- und Samenzellen reagieren empfindlich auf die Medikamente, und manche Frauen kommen durch die Krebstherapie verfrüht in die Wechseljahre.
Unfruchtbarkeit
Sowohl bei Frauen als auch bei Männern besteht das Risiko, nach einer Chemotherapie keine Kinder mehr zeugen zu können. Wie groß dieses Risiko für einen selbst ist, sollte man vorab mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten besprechen.
Individuelle Beratung: Betroffene mit Kinderwunsch sollten frühzeitig mit ihren Ärzten besprechen, welche Möglichkeiten es gibt, ihre Fruchtbarkeit eventuell zu erhalten.
Weitere Informationen finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema Kinderwunsch nach Krebs.
Fruchtschädigung (Schädigung von Eizellen, Spermien und ungeborenen Kindern)
Keimzellen, also Ei- und Samenzellen, reagieren empfindlich auf eine Chemotherapie. Ein ungeborenes Kind kann insbesondere in der Frühschwangerschaft durch eine Chemotherapie geschädigt werden. Bei Männern sind manchmal auch einige Zeit nach Therapieende noch beschädigte Spermien vorhanden.
Schwanger und Chemotherapie – geht das? Während einer Schwangerschaft sind nicht alle Krebstherapien möglich. Ob eine Chemotherapie überhaupt infrage kommt und welche Medikamente geeignet sind, sollten betroffene Patientinnen mit ihren Ärztinnen oder Ärzten besprechen.
Verhütung: Während einer Chemotherapie und einige Zeit danach sollten Frauen und Männer auf eine gute Verhütung achten. Die behandelnde Ärztin oder der Arzt kann über geeignete Verhütungsmethoden aufklären.
Vorzeitige Wechseljahre
Eine Chemotherapie kann Eierstöcke schädigen und damit die Hormonproduktion bremsen. Manche Frauen kommen dadurch verfrüht in die Wechseljahre.
Weitere Informationen finden Sie
- auf unserer Internetseite zum Thema Hitzewallungen & Co: Wechseljahresbeschwerden bei Krebs.
Langzeitfolgen und Spätfolgen
Die meisten Nebenwirkungen einer Chemotherapie klingen nach der Behandlung innerhalb von einigen Wochen ab. Bleiben Symptome aber noch nach mehreren Wochen oder Monaten bestehen, spricht man von Langzeitfolgen der Behandlung. Spätfolgen treten hingegen verzögert auf und können sich nach Monaten oder sogar erst nach Jahren bemerkbar machen.
Beispiele:
- Zu langanhaltenden Nebenwirkungen und Spätfolgen einer Chemotherapie gehören unter anderem Nervenschäden, Unfruchtbarkeit oder Erschöpfung.
- Weitere mögliche Langzeit- und Spätfolgen sind Beeinträchtigungen der Nieren- oder Lungenfunktion, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen, Schmerzen oder eine Schädigung der Herzmuskelzellen und Herzkranzgefäße, die sich in einer Herzmuskelschwäche oder einem erhöhten Herzinfarktrisiko äußern.
Patientinnen und Patienten, bei denen ein erhöhtes Risiko für Langzeitschäden oder Spätfolgen einer Chemotherapie bestehen, werden bei den Nachsorgeterminen gezielt untersucht.
Weitere Informationen finden Sie
- im Informationsblatt Langzeitüberlebende: Wie mit Spätfolgen von Krebs umgehen? (PDF).
Zweitkrebs
Langfristig kann nach einer Chemotherapie auch das Risiko erhöht sein, an einem anderen Krebs zu erkranken.
Von diesem Risiko sind vor allem Menschen betroffen, die in sehr jungem Alter behandelt werden: Krebs braucht häufig Jahre oder Jahrzehnte, bis er entsteht.
Dennoch überwiegt in aller Regel der Nutzen der Behandlung das mögliche Risiko einer Zweitkrebserkrankung.
Regelmäßige Nachsorge-Untersuchungen und Krebs-Früherkennungsuntersuchungen helfen dabei, eine mögliche Zweitkrebs-Erkrankung frühzeitig zu erkennen.
Quellen und Links für Interessierte und Fachkreise
Im Folgenden finden Sie eine Auswahl an hilfreichen Links zum Weiterlesen und Quellen, die für die Erstellung dieses Textes genutzt wurden.
Quellen und weiterführende Informationen
Leitlinienprogramm Onkologie
Wann wird eine Chemotherapie empfohlen, wann nicht? Das fassen Fachleute heute in sogenannten Leitlinien zur Krebstherapie zusammen. Eine Zusammenstellung medizinischer Leitlinien unterschiedlicher Fachgesellschaften bietet das Leitlinienprogramm Onkologie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Krebshilfe (DKH).
Patientenleitlinien
Von einigen der Fachleitlinien im Leitlinienprogramm Onkologie existieren inzwischen auch Fassungen für Patienten in allgemein verständlicher Sprache.
DGHO
Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) geht auf ihren Seiten auf den Stellenwert der Chemotherapie ein. Sie stellt Fachleitlinien und Hintergrundinformationen bereit.
Arzneimittel: Herstellerinformationen, Studien, Nutzenbewertungen
Als Quelle für Aussagen zu Medikamenten hat der Krebsinformationsdienst aktuelle Fachinformationen der Hersteller herangezogen (über https://www.fachinfo.de/ für Fachkreise zugänglich). Außerdem greift der Krebsinformationsdienst auf frei zugängliche Informationen zu, wie
- Arzneimittelinformationen in deutschen Datenbanken, vor allem im Arzneimittel-Informationssystem des Bundes PharmNet.Bund,
- aktuelle Hinweise des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI),
- die Informationen der europäischen Arzneimittelbehörde EMA.
Zu neueren Arzneimitteln werden als Quelle auch Nutzenbewertungen gemäß § 35a des SGB V herangezogen. Die bisher vorliegenden Berichte sind abrufbar beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) unter dem Stichwort "Projekte", dann "Projekte & Ergebnisse". Auch der Gemeinsame Bundessausschuss (G-BA) bietet Informationen zu Arzneimitteln. In der Regel handelt es sich dabei um Änderungen der Arzneimittel-Richtlinie.
Fachbücher
Hein L, Fischer J W. Taschenatlas Pharmakologie. Georg Thieme Verlag; 9. Auflage, 2026.
Aktories, K, Flockerzi, V, Förstermann, U, Hofmann, F B. Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH; 13. Auflage. 2022.
Geprüft
durch unsere Fachredaktion,
bestehend aus Expertinnen und Experten aus Medizin, Naturwissenschaften sowie Psychoonkologie und Recht.



