Ein Tropf im Vordergrund, im Hintergrund ist verschwommen ein Mann zu sehen.

Chemotherapie-Medikamente: Wirkstoffe und Nebenwirkungen

Aktualisiert am:

Von: Catharina Goedecke (Chemikerin, Dipl.)

  • Für eine Chemotherapie gibt es viele verschiedene Wirkstoffe. Ärztinnen und Ärzte empfehlen geeignete Medikamente abhängig von der Krebsart und der individuellen Erkrankungssituation.
  • Die Nebenwirkungen einer Chemotherapie hängen von den eingesetzten Wirkstoffen ab. Sie können von Person zu Person unterschiedlich sein. Viele Nebenwirkungen lassen sich behandeln oder lindern.
  • Die Chemotherapie ist eine wichtige und wirksame Behandlung gegen Krebs. Die Sorge vor Nebenwirkungen und Risiken allein ist in der Regel kein Grund, auf diese Behandlung zu verzichten: Die Risiken werden gegen den potenziellen Nutzen abgewogen.

Wichtig: Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

Lexikon

Zytostatika: Medikamente, die die Zellteilung und das Zellwachstum von Tumorzellen hemmen sollen. Sie stören überwiegend Vorgänge im Zellkern, beispielsweise, indem sie die Funktionen oder die Verdopplung der Erbinformation (DNA) während der Zellteilung beeinflussen.

Zytostatika sind Medikamente, die gegen Krebszellen wirken. Patientinnen und Patienten erhalten sie bei einer Chemotherapie. Die Chemotherapie ist eine wichtige Behandlung bei Krebs.

Die Zytostatika bekommen Patientinnen und Patienten meist als Infusion, seltener als Tabletten. So verteilen sie sich im ganzen Körper und wirken überall gegen Krebszellen. Dadurch ist eine Chemotherapie auch gegen Krebszellen aktiv, die sich vom ursprünglichen Tumor abgelöst und möglicherweise Metastasen gebildet haben.

Gut zu wissen: Manchmal kann auch eine örtlich wirkende Chemotherapie infrage kommen. Mehr hierzu lesen Sie im Abschnitt "Kurz erklärt: Was ist eine Chemotherapie?" unter Chemotherapie: Mit Zytostatika gegen Krebs.

Wie wirken die Medikamente gegen Krebs?

Chemotherapie-Medikamente wirken vor allem gegen Zellen, die sich häufig teilen. Dazu gehören auch Krebszellen, die sich unkontrolliert teilen und vermehren.

Zytostatika greifen Krebszellen auf verschiedenen Wegen an:

  • Manche Medikamente greifen das Erbmaterial (die DNA) in den Zellen an und verändern es.
  • Andere hemmen zum Beispiel Schritte bei der Zellteilung oder der Vervielfältigung des Erbmaterials.

Die geschädigten Zellen verlieren die Fähigkeit, sich zu vermehren und sterben ab. Die abgetöteten Zellen werden vom Körper abgebaut.

Zum Weiterlesen

Wieso kommt es zu Nebenwirkungen?

Eine Chemotherapie schädigt nicht nur den Krebs, sondern auch gesundes Gewebe. Aber: Krebszellen teilen sich häufiger als die meisten anderen Zellen und sind von der Wirkung der Medikamente besonders stark betroffen.

Gesunde Zellen werden vor allem dann in Mitleidenschaft gezogen, wenn sie sich – wie Krebszellen – häufig teilen. Das betrifft beispielsweise die Zellen in den Haarwurzeln, der Haut und den Schleimhäuten.

Gut zu wissen

Verschiedene Chemotherapie-Medikamente wirken unterschiedlich und können auch unterschiedliche Nebenwirkungen haben. Viele Nebenwirkungen lassen sich inzwischen gut behandeln.

Eine Ärztin steht vor einem Patienten in einer Chemotherapie Ambulanz und spricht.
Bei Fragen zur Therapie können die behandelnden Ärztinnen und Ärzte weiterhelfen [Symbolbild].
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; Foto: Tobias Schwerdt

Es gibt viele verschiedene Zytostatika. Ärztinnen und Ärzte richten sich bei der Auswahl der Chemotherapie-Medikamente danach, was anderen Betroffenen in vergleichbarer Situation am besten geholfen hat. Worauf beruhen diese Empfehlungen? Medikamente werden in klinischen Studien mit vielen Patientinnen und Patienten erprobt. Fachleute entwickeln auf der Grundlage ihrer Ergebnisse Behandlungsempfehlungen.

Neben diesen statistischen Daten berücksichtigen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte aber auch immer die persönliche Gesundheitssituation.

Viele Patientinnen und Patienten erhalten während der Chemotherapie nicht nur ein einzelnes Zytostatikum (Monotherapie), sondern mehrere Medikamente (Kombinationstherapie). Die Kombinationsmöglichkeiten sind vielfältig. Fachleute bezeichnen die Kombinationen auch als Behandlungs-Schemata oder Regimes.

Häufig haben die Behandlungsschemata Namen, die aus den Anfangsbuchstaben der einzelnen Medikamente zusammengesetzt sind. Beispielsweise steht FOLFOX für eine Kombinationstherapie mit den Wirkstoffen Folinsäure (FOL), 5-Fluorouracil (F) und Oxaliplatin (OX).

Fragen Sie uns!

Haben Sie Fragen zur Chemotherapie? Wenn Sie mehr Informationen brauchen, helfen Ihnen unsere Ärztinnen und Ärzte gerne kostenfrei weiter:

6 Wirkmechanismen von Chemotherapie-Wirkstoffen: Schädigung des Erbguts und der Zellmembran sowie Störung von Erbgut-Vervielfältigung, Erbgut-Reparatur, Zellteilung und Zellstoffwechsel
Chemotherapie-Wirkstoffe können beispielweise das Erbgut in Krebszellen schädigen, seine Vervielfältigung stören oder die Zellteilung blockieren.
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; erstellt mit BioRender.com

Chemotherapie-Medikamente werden anhand ihrer unterschiedlichen Wirkungsweisen in verschiedene Gruppen eingeteilt.

Gerade weil Zytostatika so hochwirksame Arzneimittel sind, müssen Patientinnen und Patienten bei einer Chemotherapie mit Nebenwirkungen rechnen.

Gut zu wissen

Heute gibt es sehr oft Möglichkeiten, die belastenden Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu lindern.

Wieso kommt es zu Nebenwirkungen?

  • Chemotherapie-Medikamente wirken nicht nur gegen den Krebs: Auch gesunde Zellen sind betroffen, weil die Wirkstoffe auch bei ihnen die Zellteilung stören können. Das betrifft vor allem Zellen, die sich häufig teilen und vermehren. Dazu gehören zum Beispiel die Zellen der Blutbildung, Zellen in den Haarwurzeln sowie Schleimhautzellen wie die im Mund oder dem Verdauungsapparat.
  • Manche Chemotherapie-Medikamente haben auch eine unmittelbar hautreizende oder ätzende Wirkung.
  • Übelkeit und Erbrechen als mögliche Nebenwirkungen entstehen zum Teil noch über eine weitere Reaktion: Möglicherweise schädliche Stoffe lösen einen Reflex aus, sie so schnell wie möglich wieder loszuwerden.

Nicht jede Krebspatientin und jeder Krebspatient hat die gleichen Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen auftreten, ist vor allem von den verwendeten Chemotherapie-Medikamenten abhängig. Auch die Kombination der Substanzen spielt eine Rolle. Außerdem wichtig zu wissen: Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf ein Arzneimittel. Welche Nebenwirkungen auftreten, kann von Person zu Person unterschiedlich sein.

Nutzen und Risiken abwägen

Vor und während der Therapie müssen Betroffene sich nicht scheuen, mit den Ärztinnen und Ärzten über Befürchtungen zu sprechen und Fragen zu stellen:

  • Mit welchen Nebenwirkungen muss ich bei der Therapie rechnen?
  • Welche Risiken gehe ich ein, wenn ich mich aus Angst vor Therapiefolgen nicht behandeln lasse?
  • Falls Nebenwirkungen während der Therapie sehr belastend sind: Was lässt sich dagegen tun? Kann ich ein anderes Medikament erhalten? Welche Folgen hätte es, eine Therapie abzubrechen?

Haare, Haut, Nägel, Schleimhäute und Blutgefäße

Eine Frau probiert vor dem Spiegel eine Mütze auf. Man sieht keine Kopfhaare.
Manche Patientinnen und Patienten haben Haarausfall durch eine Chemotherapie [Symbolbild].
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; Foto: Tobias Schwerdt

Vorübergehender Haarausfall, Hautprobleme, Schleimhautentzündungen und Reizungen von Blutgefäßen gehören zu den möglichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie.

Infektanfälligkeit und Blutarmut

Hand hält ein Fieberthermometer, das 39,2 °C anzeigt.
Während einer Chemotherapie ist die Infektanfälligkeit manchmal erhöht [Symbolbild].
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Eine Chemotherapie kann die Immunfunktion einschränken und so die Gefahr von Infektionen erhöhen. Auch die Bildung von roten Blutkörperchen kann betroffen sein: Das kann zu einer Blutarmut führen.

Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)

Erschöpfter Mann stützt den Kopf auf
Nach einer Krebserkrankung oder einer Chemotherapie können Müdigkeit und Erschöpfung noch länger anhalten [Symbolbild].
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; Foto: Tobias Schwerdt

Eine langanhaltende Müdigkeit oder Erschöpfung, bei der Erholung oder Schlaf nur bedingt helfen, bezeichnen Fachleute als "Fatigue". Fatigue ist eine sehr häufige Begleiterscheinung bei Krebs. Sie ist in der Regel nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen.

Das kann helfen: Wie eine Fatigue behandelt wird, ist individuell unterschiedlich. Medikamente können gegen körperliche Auslöser und Schmerzen helfen. Beratung ist bei Schlafstörungen und Ernährungsproblemen hilfreich. Angepasste körperliche Aktivität kann das allgemeine Wohlbefinden verbessern. Psychologische Unterstützung hilft bei einer Fatigue, Bewältigungsstrategien für den Alltag zu entwickeln.

Weitere Informationen hierzu finden Sie

Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust

Ältere Frau sitzt am Esstisch und hat keinen Apetit beim Essen.
Keinen Appetit? Übelkeit ist eine typische Nebenwirkung während einer Chemotherapie [Symbolbild].
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; Foto: Tobias Schwerdt

Übelkeit und Erbrechen sind typische Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Außerdem kann eine Krebserkrankung und -therapie zu Mangelernährung und Gewichtsverlust führen.

Nervenschäden

Hände öffnen den Drehverschluss einer Wasserflasche.
Chemotherapie-bedingte Nervenschäden bei Krebs: Schon das Öffnen einer Flasche kann schwerfallen [Symbolbild].
Bild: © Krebsinformationsdienst; DKFZ

Manche Chemotherapie-Medikamente können Nerven schädigen. Solche Nervenschädigungen (Neuropathien) führen zu Schmerzen und Gefühlsstörungen, beispielsweise in den Händen und Füßen. Je nachdem, welche Nerven betroffen sind, treten manchmal auch Hör-, Seh- und Gleichgewichtsstörungen auf.

Fruchtbarkeit, Kinderwunsch, Wechseljahre

Bauch einer schwangeren Frau
Eine Chemotherapie kann einen zukünftigen Kinderwunsch erschweren [Symbolbild].
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Eine Chemotherapie gilt für Männer und Frauen als Gefahr für die Fruchtbarkeit. Ei- und Samenzellen reagieren empfindlich auf die Medikamente, und manche Frauen kommen durch die Krebstherapie verfrüht in die Wechseljahre.

Langzeitfolgen und Spätfolgen

Die meisten Nebenwirkungen einer Chemotherapie klingen nach der Behandlung innerhalb von einigen Wochen ab. Bleiben Symptome aber noch nach mehreren Wochen oder Monaten bestehen, spricht man von Langzeitfolgen der Behandlung. Spätfolgen treten hingegen verzögert auf und können sich nach Monaten oder sogar erst nach Jahren bemerkbar machen.

Beispiele: 

  • Zu langanhaltenden Nebenwirkungen und Spätfolgen einer Chemotherapie gehören unter anderem Nervenschäden, Unfruchtbarkeit oder Erschöpfung.
  • Weitere mögliche Langzeit- und Spätfolgen sind Beeinträchtigungen der Nieren- oder Lungenfunktion, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen, Schmerzen oder eine Schädigung der Herzmuskelzellen und Herzkranzgefäße, die sich in einer Herzmuskelschwäche oder einem erhöhten Herzinfarktrisiko äußern.

Patientinnen und Patienten, bei denen ein erhöhtes Risiko für Langzeitschäden oder Spätfolgen einer Chemotherapie bestehen, werden bei den Nachsorgeterminen gezielt untersucht.

Weitere Informationen finden Sie

Zweitkrebs

Langfristig kann nach einer Chemotherapie auch das Risiko erhöht sein, an einem anderen Krebs zu erkranken. 

Von diesem Risiko sind vor allem Menschen betroffen, die in sehr jungem Alter behandelt werden: Krebs braucht häufig Jahre oder Jahrzehnte, bis er entsteht.

Dennoch überwiegt in aller Regel der Nutzen der Behandlung das mögliche Risiko einer Zweitkrebserkrankung.

Regelmäßige Nachsorge-Untersuchungen und Krebs-Früherkennungsuntersuchungen helfen dabei, eine mögliche Zweitkrebs-Erkrankung frühzeitig zu erkennen.

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