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Eierstockkrebs © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum sizes="(min-width: 1440px) 1440px"
Eierstockkrebs

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Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)

Letzte Aktualisierung: 07.10.2020

Dieser Text bietet einen allgemeinen Überblick zu Eierstockkrebs. Bei Fragen zu Ihrer individuellen Erkrankungssituation können Sie uns gerne kontaktieren.

  • In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 7.300 Frauen an bösartigen Tumoren der Eierstöcke.
  • Frauen mit Eierstockkrebs haben zu Beginn meist keine Beschwerden, sodass der Krebs häufig erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt wird.
  • Wichtigste Behandlung ist die Operation, die meist durch eine Chemotherapie ergänzt wird.

 

 

Hinweis: Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

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Eierstockkrebs ist ein bösartiger Tumor, der in den Eierstöcken entsteht. © Krebsinformationsdienst, DKFZ, erstellt mit BioRender.com

Fachleute bezeichnen Eierstockkrebs auch als Ovarialkarzinom: Dabei handelt es sich um bösartige Tumoren der Eierstöcke.

Die Eierstöcke (Ovarien) sind Teil der weiblichen Geschlechtsorgane. Sie bestehen aus verschiedenen Gewebe- und Zellarten, aus denen sich Krebszellen entwickeln können. Daher gibt es unterschiedliche Arten von Eierstockkrebs:

  • Epitheliale Tumoren gehen von der obersten Zellschicht aus. Etwa 9 von 10 Tumoren gehören zu dieser Gruppe. Darunter zählen auch die sogenannten Borderline- Eierstocktumore. Sie können nicht klar als gut- oder bösartig eingestuft werden.
  • Keimstrangstromatumoren entstehen seltener und aus dem sogenannten Stützgewebe.
  • Keimzelltumoren können sich bereits bei Kindern und jungen Frauen bilden. Diese seltene Krebsform entsteht aus den Eizellen, die sich im Eierstock ausbilden.
Lexikon

Ovarialkarzinom: Eierstockkrebs

Ovarien: Eierstöcke

Auch im Bauchfell und in den Eileitern kann Krebs entstehen. Dabei handelt es sich nicht um Eierstockkrebs, sondern um zwei ganz andere Krebsarten: Bauchfellkrebs (Peritonealkarzinom) und Eileiterkrebs (Tubenkarzinom). Diese beiden Tumorarten werden jedoch genauso behandelt wie Eierstockkrebs.

Wichtig zu wissen

Viele Tumoren der Eierstöcke sind gutartig.

Oft treten grade bei jungen Frauen Zysten in den Eierstöcken auf. Das sind Hohlräume im Gewebe, die von einer Zellschicht umgeben und mit Flüssigkeit gefüllt sind. Sie können sehr groß werden und sind in der Regel gutartig. Aber auch bösartige Tumorabsiedelungen (Metastasen) anderer Krebsarten können sich in den Eierstöcken ansiedeln. Gutartige Eierstocktumoren und Eierstock-Metastasen sind kein Eierstockkrebs – beides wird anders behandelt.

Welche Prognose haben Patientinnen mit Eierstockkrebs?

Je früher der Tumor festgestellt wird, desto besser ist der wahrscheinliche Krankheitsverlauf, die Prognose, einer Patientin.

Die meisten Frauen mit Eierstockkrebs erhalten die Diagnose jedoch erst in fortgeschrittenen Tumorstadien. Etwa 3 von 4 Eierstocktumoren werden erst im Stadium III oder IV entdeckt. Betroffene haben dann in der Regel eine ungünstigere Prognose.

Die Anzahl der Frauen, die an Eierstockkrebs erkranken oder daran sterben, nimmt in Deutschland seit dem Jahr 2000 jedoch deutlich ab.

Wie häufig ist Eierstockkrebs?

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Rund 1 von 75 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Eierstockkrebs. © Krebsinformationsdienst, DKFZ, erstellt mit BioRender.com

Eierstockkrebs macht etwa ein Drittel der bösartigen Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane aus. Jedes Jahr erkranken in Deutschland ungefähr 7.300 Frauen an bösartigen Tumoren der Eierstöcke. Betroffene erhalten ihre Diagnose durchschnittlich mit 68 Jahren und damit in einem höheren Lebensalter.

Mehr zur Epidemiologie von Eierstockkrebs lesen Sie auf der Internetseite des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD) des Robert Koch-Instituts (RKI).



Eierstockkrebs entsteht wie fast jede Krebserkrankung aufgrund von Veränderungen im Erbgut, den Genen. Sie führen dazu, dass sich normale Körperzellen in bösartige Krebszellen verwandeln, die unkontrolliert und zerstörend wachsen.

Die meisten Genveränderungen entstehen im Laufe des Lebens zufällig, manche können jedoch auch vererbt werden. Darüber hinaus gibt es bestimmte Risikofaktoren, die Eierstockkrebs begünstigen.

Risikofaktoren für Eierstockkrebs

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Bestimmte genetische Veränderungen können vererbt werden und die Entstehung von Eierstockkrebs begünstigen. © Arek Socha, Pixabay

Ob eine Frau in ihrem Leben einmal an Eierstockkrebs erkranken wird oder nicht, kann niemand vorhersagen. Expertinnen und Experten vermuten, dass dafür verschiedene Faktoren zusammenwirken müssen. In der Forschung sind jedoch Faktoren bekannt, die statistisch betrachtet das Risiko einer Erkrankung erhöhen.

Als Risikofaktoren für Eierstockkrebs gelten:

  • ein höheres Alter
  • Kinderlosigkeit
  • Unfruchtbarkeit
  • eine Hormontherapie nach der letzten Regelblutung im Leben (Menopause)
  • Übergewicht
  • erbliche Veränderungen in bestimmten Genen

Wichtig zu wissen: Es gibt auch hormonelle Faktoren, die einen schützenden Effekt haben.

Lexikon

Mutation: dauerhafte genetische Veränderung

BRCA1 und 2: BReast CAncer Gen 1 und 2; Gene die das Risiko für bestimmte Tumorarten erhöhen

Menopause: letzte Regelblutung im Leben

Erbliches Risiko: Bei etwa 1 von 4 Patientinnen ist der Eierstockkrebs erblich bedingt. Trägerinnen bestimmter erblicher Veränderung haben ein erhöhtes Risiko an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Wenn Frauen mehrere nahe Verwandte haben, die an diesen Krebsarten erkrankt sind, tragen sie möglicherweise eine Genveränderung in bestimmten Risikogenen. Dazu gehören zum Beispiel die Gene BRCA1 und BRCA2.

Familiäres Risiko: Eierstockkrebs kann in der Familie auch vermehrt auftreten, ohne dass eine konkrete Genmutation bekannt ist oder nachgewiesen werden kann.

Vorbeugung von Eierstockkrebs

Wichtig zu wissen

Auch Frauen, die stets gesund leben und beeinflussbare Risikofaktoren meiden, können an Eierstockkrebs erkranken.

Es gibt auch schützende Faktoren, die das Risiko für Eierstockkrebs senken. Dazu gehören:

  • viele Geburten,
  • längere Stillzeiten,
  • die Anti-Baby-Pille, da sie den Eisprung hemmt und
  • eine Sterilisation, die die Eileiter verschließt.

Doch einige oder gar alle dieser schützenden Faktoren kommen eventuell nicht für jede Frau infrage. Und auch Frauen, die beeinflussbare Risikofaktoren meiden und sehr gesund leben, können Eierstockkrebs bekommen.



Früherkennung bei Eierstockkrebs?

Wichtig zu wissen

Es gibt kein gesetzliches Programm zur Früherkennung von Eierstockkrebs.

In Deutschland gibt es kein gesetzliches Angebot zur Früherkennung von Eierstockkrebs. Denn: Bisher konnte nicht gezeigt werden, dass Früherkennungsuntersuchungen die Sterblichkeitsrate von Patientinnen mit Eierstockkrebs senken – weder eine Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke durch die Scheide noch die Bestimmung spezieller Tumormarker.

Was gilt für Risikopatientinnen? Auch für Frauen mit erblich bedingtem Risiko empfehlen Fachleute keine Früherkennungsuntersuchung.

Eierstockkrebs bleibt in frühen Stadien häufig lange Zeit unbemerkt. Der Tumor verursacht oft erst Beschwerden, wenn er bereits in Becken und Bauchhöhle gewachsen ist.

Folgende Symptome können auf Eierstockkrebs hinweisen:

  • Völlegefühl
  • Blähungen
  • unklare Bauchschmerzen
  • unüblich häufiges Wasserlassen
  • Veränderungen des Stuhlgangs
  • Verdauungsbeschwerden
  • zunehmender Bauchumfang oder Atembeschwerden durch Wasseransammlung im Bauchraum (Aszites)
  • unklare Gewichtsabnahme

Wichtig zu wissen: Einige dieser Symptome können nicht nur auf Eierstockkrebs hinweisen, sondern auch auf vergleichsweise harmlose Erkrankungen. Treten die Beschwerden jedoch immer wieder auf oder bleiben dauerhaft bestehen? Dann empfiehlt sich ein Besuch beim Haus- oder Frauenarzt – vor allem für Frauen, die über 50 Jahre alt sind.

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Mithilfe eines Spekulums, eines röhrenförmigen Instruments, untersuchen Gynäkologinnen und Gynäkologen ihre Patientinnen. © Praisaeng, Shutterstock

Bei Verdacht auf Eierstockkrebs machen die Frauenärztinnen und Frauenärzte in der Regel folgende Untersuchungen:

Anamnese: Zunächst befragen sie die Patientin nach Vorerkrankungen, Beschwerden und möglichen Risikofaktoren.

Körperliche Untersuchung: Daraufhin tastet die Ärztin oder der Arzt die Bauchdecke der Patientin von außen und von innen über die Scheide ab. Zusätzlich werden die inneren Geschlechtsorgane betrachtet, mithilfe eines röhrenförmigen Instruments (Spekulums).

Vaginaler Ultraschall: Mit Hilfe eines Ultraschalls durch die Scheide werden die Eierstöcke nach auffälligen Veränderungen untersucht. Bei der Untersuchung führt die Ärztin oder der Arzt eine spezielle stabförmige Ultraschallsonde in die Scheide ein. Der transvaginale Ultraschall ist in der Regel schmerzfrei.

Bildgebende Verfahren: Zusätzlich zum Ultraschall können bei speziellen Fragestellungen weitere Untersuchungen gemacht werden, die Ärztinnen und Ärzten einen Blick ins Körperinnere ermöglichen. Darunter:

Operation ermöglicht endgültige Diagnose

Durch die vorangegangenen Untersuchungen erhalten Ärztinnen und Ärzte einen ersten Eindruck davon, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat. Für die endgültige Krebsdiagnose und Stadieneinteilung ist in der Regel jedoch eine Operation notwendig. Dabei kann der Tumor entnommen und feingeweblich untersucht werden.

Wichtig zu wissen

Erst die feingewebliche Analyse bestätigt die Krebsdiagnose.

Feingewebliche Untersuchung: Die bei der Operation entnommenen Gewebeproben werden im Labor auf ihre biologischen Eigenschaften hin untersucht. Dadurch können Fachleute feststellen, ob der Tumor gut- oder bösartig ist und um welche biologische Unterform es sich handelt. Erst die feingewebliche Analyse bestätigt die Krebsdiagnose.



Zertifizierte Krebszentren

Adressen zertifizierter gynäkologischer Krebszentren finden Sie auf der Internetseite OncoMAP.

Mehr zur Arzt- und Kliniksuche lesen Sie unter Krebsärzte, Krebskliniken: Wie findet man Spezialisten? oder im Informationsblatt "Arzt- und Kliniksuche: Gute Ansprechpartner finden" (PDF).

Bei der Therapiewahl berücksichtigen die behandelnden Ärzte vor allem

  • das Tumorstadium: Wie weit hat sich der Tumor ausgebreitet? Wie verändert sind die Krebszellen? Haben sich bereits Metastasen gebildet?
  • die Tumorart: Welche feingewebliche Unterform liegt vor?
  • den allgemeinen Gesundheitszustand: Gibt es noch weitere Erkrankungen, die bei der Behandlungsplanung berücksichtigt werden müssen?

Mehr zur Behandlungswahl lesen Sie auch im Informationsblatt "Behandlungswahl: Was muss ich wissen?" (PDF)

Stadieneinteilung von Eierstockkrebs

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Das Tumorstadium bei Eierstockkrebs wird nach der TNM- oder der FIGO-Klassifikation eingeteilt. © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Ärztinnen und Ärzte bestimmen das Tumorstadium erst nach der Operation und der feingeweblichen Untersuchung. Daher dient die Operation bei Eierstockkrebs sowohl der Diagnose als auch der Therapie – es handelt sich also um eine sogenannte Staging-Operation.

In welchem Tumorstadium sich der Krebs befindet, gibt die sogenannte Stadieneinteilung an. Damit beschreiben Ärztinnen und Ärzte, wie weit sich ein Tumor im Körper ausgebreitet hat. Patientinnen erhalten den Befund in einem Arztbrief für die persönlichen Unterlagen: Eierstockkrebs wird darin international einheitlich entweder nach der FIGO-Klassifikation oder dem TNM-System eingeteilt.

Wichtig zu wissen

Fast bei jeder 3. Patientin, deren Tumor Ärzte zunächst als örtlich begrenzt eingeschätzt haben, finden sich später versteckte Metastasen. Der Tumor ist dann nicht mehr örtlich begrenzt, sondern fortgeschritten.

Eierstockkrebs wird unterteilt, je nachdem, wie stark der Tumor sich ausgebreitet hat:

  • Ein örtlich begrenzter Tumor (Stadium I–II) wächst nur in einem Eierstock oder beiden Eierstöcken oder beschränkt sich nur auf die Geschlechtsorgane im Becken.
  • Ein fortgeschrittener Tumor (Stadium III–IV) hat sich auf andere Organe im Becken beziehungsweise in der Bauchhöhle ausgedehnt oder hat in weiter entfernt liegende Organe des Körpers gestreut.

Neben der Ausbreitung des Tumors wird auch untersucht, wie sehr verändert die Krebszellen sind. Das sogenannte Grading gibt an, wie sehr sich Krebszellen von normalem Gewebe unterscheiden: Je schlechter differenziert ein Tumor ist, desto mehr unterscheidet er sich vom Normalgewebe und desto bösartiger ist er.

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Fortgeschrittener Eierstockkrebs bildet Fernmetastasen häufig in Gehirn, Lunge, Leber, Milz, Lymphknoten und Knochen. © Krebsinformationsdienst, DKFZ, erstellt mit BioRender.com

Außerdem schauen Ärztinnen und Ärzte, ob sich bei der Patientin bereits Metastasen gebildet haben –Tochtergeschwülste, die sich vom Ausgangstumor im Eierstock abgelöst und über die Lymphbahnen oder das Blut im Körper verteilt haben. Diese Krebszellen können sich so in anderen Geweben oder Organen ansiedeln und dort weiterwachsen.

Fortgeschrittener Eierstockkrebs bildet Fernmetastasen häufig:

  • in der Lunge
  • in der Leber
  • in der Milz
  • im Gehirn
  • in den Knochen
  • in entfernten Lymphknoten


Operation

Besonderheit: Staging-Operation

Die Operation bei Eierstockkrebs dient der Behandlung und der Diagnose. Sie hilft bei der Bestimmung des Tumorstadiums, dem sogenannten Staging.

Bei dem Eingriff handelt es sich in der Regel um eine große Operation im Bauchraum, die unter Vollnarkose erfolgt.

Ziel der Operation ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Wie Ärztinnen und Ärzte genau vorgehen, hängt davon ab, ob die Erkrankung örtlich begrenzt ist oder ob sich der Tumor bereits weiter ausgebreitet hat. Dies untersuchen Ärztinnen und Ärzte während der Operation genau – die Operation als sogenannte Staging-Operation dient also auch der Diagnose.

Wichtig zu wissen: Da es sich bei der Operation von Eierstockkrebs um eine Staging-Operation handelt, klären Ärztinnen und Ärzte die Patientinnen bereits vor der Operation über mögliche weitere Behandlungsschritte auf, ohne dass sicher feststeht, ob sie notwendig sind.

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Bei einer Operation entfernen Ärztinnen und Ärzte das Tumorgewebe, das anschließend feingeweblich untersucht wird. © I AM NIKOM, Shutterstock

Bei Patientinnen mit frühem Eierstockkrebs wird der vom Tumor befallene Eierstock entfernt. Wenn der Tumor die Kapsel des Eierstocks noch nicht befallen hat und sich später rausstellt, dass die Krebszellen nicht stark verändert sind, kann eine Operation als Behandlung ausreichen. Sind beide Eierstöcke der Patientin von einem Tumor befallen, werden auch beide Eierstöcke entnommen.

Etwa bei jeder 3. Patientin, deren Tumor Ärztinnen und Ärzte zunächst als örtlich begrenzt eingeschätzt haben, finden sie später versteckte Metastasen. Der Eierstockkrebs ist dann nicht mehr örtlich begrenzt, sondern fortgeschritten. Bei etwa 3 von 4 Frauen mit Eierstockkrebs ist der Tumor bei Diagnose in einem fortgeschrittenen Stadium.

Zum Weiterlesen

Bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs empfehlen Expertinnen und Experten, den Tumor in der Operation, wenn möglich komplett zu entfernen. Der Eingriff kann daher umfangreicher ausfallen: Das Operationsteam entfernt unter Umständen auch befallene umliegende Organe oder Organteile – zum Beispiel Teile des Darms – oder Lymphknoten im kleinen Becken und neben der Hauptschlagader (Aorta).

Zusätzlich erhalten Patientinnen, deren Tumor fortgeschritten ist, im Anschluss an die Operation in der Regel eine Chemotherapie.

Folgen der Operation

Der Eingriff kann zu Verwachsungen im Bauchraum führen, was mit Beschwerden einhergehen kann.

Infolge der Operation können sich Narben im Bauchraum bilden, sogenannte Verwachsungen. Bei manchen Patientinnen bleiben sie unbemerkt, bei anderen führen sie mitunter zu Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Verdauungsproblemen. Werden bei der Operation mehrere Lymphknoten entnommen, können außerdem Lymphödeme auftreten.

Chemotherapie

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Eine Chemotherapie soll bei Patientinnen mit Eierstockkrebs im fortgeschrittenen Stadium das Krebswachstum hemmen. Bild: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs erhalten in der Regel nach der Operation zusätzlich noch eine Chemotherapie. Dafür bekommen sie Medikamente – sogenannte Zytostatika – verabreicht, die das Zellwachstum oder die Zellteilung hemmen. Da Krebszellen sich besonders häufig teilen, wirkt eine "Chemo" vor allem gegen Tumorzellen.

Ziele der Chemotherapie bei Eierstockkrebs:

  • den Tumor zu verkleinern, gegebenenfalls ganz abzutöten oder zumindest daran zu hindern, weiter zu wachsen.
  • Metastasen, die bereits im Körper gestreut haben abzutöten.

Nebenwirkungen der Chemotherapie: Da die Medikamente der Chemo im gesamten Körper (systemisch) wirken, können sie auch gesunde Körperzellen angreifen. Besonders schnell teilende Zellen von Haut, Haaren, Schleimhäuten und blutbildende Zellen im Knochenmark sind betroffen. Dies hat für Patientinnen oftmals Nebenwirkungen.

Doch viele Nebenwirkungen der Chemotherapie lassen sich behandeln oder können durch entsprechende Vorbereitung und Unterstützung gelindert oder ganz vermieden werden. Darüber hinaus klingen die meisten nach Ende der Behandlung innerhalb einiger Wochen wieder ab.

  • Weiteres Informationsmaterial finden Sie auch unter Unsere Broschüren im Abschnitt "Informationsblätter: Therapienebenwirkungen und Krankheitsfolgen".

Weitere Therapien

Nur selten bekommen Patientinnen mit Eierstockkrebs eine Strahlentherapie. Neben Operation und Chemotherapie gibt es jedoch weitere Behandlungsformen, die für Patientinnen mit Eierstockkrebs infrage kommen:

  • zielgerichtete Therapien – diese Medikamente ändern gezielt biologische Abläufe, die notwendig dafür sind, dass die Krebszellen wachsen und die Erkrankung fortschreitet. Patientinnen können zielgerichtete Therapien zusätzlich zur Chemotherapie erhalten.
  • supportive Behandlungsverfahren – diese unterstützenden Therapiemaßnahmen lindern belastende Symptome und verbessern die Lebensqualität.


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Im Anschluss an die Behandlung von Eierstockkrebs sind regelmäßige Nachsorgetermine notwendig. Bild: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, DKFZ

Nach Ende der eigentlichen Therapie stehen für Patientinnen mit Eierstockkrebs weitere regelmäßige Arzt- oder Kliniktermine an. Diese sogenannten Nachsorgeuntersuchungen erfolgen zunächst in kurzen, dann in größeren Abständen.

Sowohl die Krebserkrankung selbst als auch die Therapie können sich körperlich und seelisch auf Patientinnen auswirken. Darüber hinaus besteht das Risiko, dass der Tumor zurückkommt und Patientinnen einen Rückfall erleiden.

Ziele der Nachsorge von Eierstockkrebs sind:

  • Therapienebenwirkungen zu erkennen und zu behandeln.
  • notwendige Rehabilitationsmaßnahmen einzuleiten.
  • Patientinnen bei Bedarf psychoonkologisch zu betreuen.
  • einen Krankheitsrückfall (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen.
  • die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern.
Sie haben Beschwerden?

Warten Sie nicht bis zum nächsten Nachsorgetermin – gehen Sie besser gleich zum Arzt.

Zur Nachsorgeuntersuchung gehören in der Regel:

  • eine Befragung nach Beschwerden und Symptomen (Anamnese),
  • eine gynäkologische körperliche Untersuchung, bestehend aus einer Tastuntersuchung und einer Spiegeluntersuchung mit Spekulum
  • eine Tastuntersuchung des Enddarms sowie
  • ein Ultraschall über die Scheide.

Mehr zur Nachsorge lesen Sie unter Nachsorge bei Krebspatienten.

Verlaufskontrollen: Wenn eine Heilung nicht möglich ist

Kann der Eierstockkrebs nicht geheilt werden? Dann ist eine gute ärztliche und pflegerische Betreuung sehr wichtig. Dabei helfen regelmäßige Verlaufskontrollen.

Ziele der regelmäßigen Verlaufskontrollen sind:

  • die Lebensqualität der Patientin möglichst lange zu erhalten und
  • durch geeignete Therapien wenn möglich, das Fortschreiten des Eierstockkrebses zu bremsen.

Wie auch bei der Nachsorge oder der Rehabilitation dienen die Verlaufskontrollen dazu, belastende Beschwerden frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Neben dem körperlichen Befinden sollten Patientinnen bei den Terminen auch seelische Beschwerden ansprechen.

Belastungen ansprechen

Sprechen Sie nicht nur körperliche Beschwerden, sondern auch seelische Belastung an.

Psychosoziale Begleitung: Die Situation mit einer bereits fortgeschrittenen Erkrankung konfrontiert zu werden, ist für die meisten Menschen extrem belastend. Der betreuende Arzt kann bei der Suche nach einem Psychotherapeuten oder einer Beratungsstelle helfen.



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Nach einer Operation bei Eierstockkrebs können unter anderem Bauchschmerzen auftreten. © lunopark, Shutterstock

Eierstockkrebs und dessen Behandlung können für betroffene Patientinnen mit belastenden Symptomen, Nebenwirkungen oder Spätfolgen einhergehen. Nach der Operation benötigen Patientinnen oft längere Zeit, um sich von diesem, in der Regel großen, chirurgischen Eingriff zu erholen.

Durch die Operation können Narben im Bauchraum, sogenannte Verwachsungen, entstehen. Dies kann zu Beschwerden führen, wie etwa:

  • Bauchschmerzen,
  • Verdauungsproblemen oder
  • einem Bauchwandbruch, der sich als schmerzhafte Vorwölbung äußert.

Darüber hinaus können nach der Therapie von Eierstockkrebs folgende Beschwerden auftreten:

  • Wechseljahresbeschwerden: Wenn jüngere Frauen, die vor der Operation noch Regelblutungen hatten, beide Eierstöcke entfernt bekommen, werden sie vorzeitig und plötzlich in die Wechseljahre versetzt. Denn: Die Eierstöcke fehlen nun als Produzenten von Östrogen. Daher können Wechseljahresbeschwerden auftreten. Patientinnen die stark unter ihnen leiden, können gemeinsam mit ihren behandelnden Ärzten eine Hormontherapie abwägen.
  • Verändertes Sexualleben: Körperliche Veränderungen und seelische Belastungen können sich auf das Sexualleben der Patientinnen auswirken. Ein Gespräch mit dem Partner, der Partnerin oder dem behandelnden Arzt kann helfen. Mehr zum Thema lesen Sie unter Sexualität und Krebs oder in der Broschüre "Weibliche Sexualität und Krebs" (PDF).
  • Fatigue: Bei Müdigkeit und Erschöpfung können Bewegung und Sport helfen. Patientinnen sollten körperliche Aktivität dabei an ihre individuelle Leistungsfähigkeit anpassen. Mehr zu Fatigue lesen Sie auch im Informationsblatt "Fatigue: Erschöpfung und Müdigkeit bei Krebs" (PDF). Tipps für körperliche Aktivität finden Sie im Informationsblatt "Sport und Bewegung nach Krebs" (PDF).
  • Mangelernährung: Eine ausgewogene und gesunde Ernährung oder eine Ernährungstherapie können helfen, einer Mangelernährung vorzubeugen oder zu behandeln.


Quellen und weiterführende Informationen

Fachgesellschaften

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die die Fachgebiete Frauenheilkunde und Geburtshilfe stärken und fördern möchte. Sie engagiert sich für die Gesundheit von Frauen und vertritt diese und ihre gesundheitlichen Bedürfnisse in diversen politischen Gremien.

Fachliteratur (Auswahl)

Die S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren ist abrufbar beim Leitlinienprogramm Onkologie. Herausgegeben wurde die Handlungsempfehlung für Ärztinnen und Ärzte von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF), der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und der Deutschen Krebshilfe (DKH). Federführende Fachgesellschaft war die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG). Aufgerufen am 22.09.2020.

Für Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs kann die S3-Leitlinie "Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung" der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin e. V relevant sein. Aufgerufen am 22.09.2020.

Zur begleitenden Behandlung von Therapienebenwirkungen unterstützt die S3-Leitlinie "Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen". Federführende Fachgesellschaften waren die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG) vertreten durch die Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin, die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. (DGHO) und die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V. (DEGRO). Aufgerufen am 22.09.2020.

Aktuelle statistische Daten bietet das Zentrum für Krebsregisterdaten. Eine Zusammenfassung bietet die Broschüre "Krebs in Deutschland" der epidemiologischen Krebsregister e. V. (GEKID) und des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD) im Robert Koch-Institut. Eine Übersicht zu Erkrankungszahlen und Risikofaktoren von Eierstockkrebs erhalten Sie auf der Internetseite zu Eierstockkrebs des ZfKD. Aufgerufen am 22.09.2020.

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Erstellt: 07.10.2020

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