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Wasserwellen, Foto: jingoba/pixabay © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Aszites bei Krebspatienten: Wasseransammlung in der Bauchhöhle

Ursachen, Untersuchungen, Behandlungsmöglichkeiten

Als Aszites oder Bauchwassersucht bezeichnet man die Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle. Sie ist immer ein Zeichen für eine ernste Erkrankung. Auch Patientinnen und Patienten mit einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung können von einem solchen "malignen Aszites" betroffen sein. Oft macht ein Aszites erst dann Probleme, wenn sich größere Flüssigkeitsmengen angesammelt haben: Der Bauchumfang nimmt sichtbar zu, ein Druckgefühl und Schmerzen können auftreten. Die wichtigste Therapie besteht darin, das Bauchwasser mittels einer Drainage abzulassen.

Dieser Text soll Betroffenen einen ersten Überblick über die Ursachen des malignen Aszites bieten, über Untersuchungen und Behandlungsmöglichkeiten. Ein Gespräch mit den behandelnden Ärzten können diese Informationen allerdings nicht ersetzen. Interessierte und Fachleute finden Linktipps und Hinweise auf vertiefende Informationen.

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Quellen und Links

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Ursachen der Bauchwassersucht: Wie entsteht Aszites?

Wie kommt es zur Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle, zum sogenannten Aszites? Bei etwa drei Viertel aller Betroffenen sind Leberschäden der Auslöser, insbesondere eine Entzündung, Vernarbung und Schrumpfung der Leber, fachlich Leberzirrhose. Bei etwa jedem zehnten Betroffenen entsteht die Wasseransammlung im Bauch aber aufgrund einer Krebserkrankung. Ist ein Tumor die Ursache, spricht man von einem "malignen Aszites". Weitere Ursachen, die zur Entstehung der Bauchwassersucht führen können, sind zum Beispiel eine verminderte Herz- oder Nierenfunktion oder Entzündungen von Bauchfell oder Bauchspeicheldrüse.

Häufigste Ursachen bei Krebs:Tumorzellen im Bauchfell und Lebermetastasen

Wie kommt es zu Aszites bei Krebspatienten? Die Ursache sind Krebszellen im Bauchfell oder in der Leber. Bei den meisten Betroffenen handelt es sich dabei um Metastasen, also Absiedlungen anderer Tumoren. Diese können an mehreren Stellen gleichzeitig auftreten. Das heißt auch: Ein Aszites ist fast immer ein Anzeichen dafür, dass eine Krebserkrankung weiter fortgeschritten ist.

Peritonealkarzinose: Das Bauchfell oder Peritoneum ist eine Art Haut, die den Bauchraum auskleidet und alle Organe darin umschließt. Verschiedene Ursachen können zu einer Schädigung des Peritoneums führen, zum Beispiel Infektionen. Bei Krebspatienten sind Tumorzellen der Auslöser für die Schädigung. In diesem Fall spricht man von einer Peritonealkarzinose.

Die Krebszellen stammen meist aus unmittelbar vom Bauchfell umschlossenen Organen, zum Beispiel aus den Eierstöcken, der Bauchspeicheldrüse, dem Magen oder Darm oder der Gebärmutter. Sie können aber auch aus entfernteren Organen eingewandert sein, zum Beispiel bei Brustkrebs, Speiseröhrenkrebs, Lungenkrebs oder Lymphknotenkrebs. Selten liegt der Ursprungstumor im Bauchfell selbst, wie bei einem peritonealen Mesotheliom, einem Bindegewebstumor.

Lebermetastasen, Leberkarzinome: Auch Metastasen und Tumoren der Leber können einen Aszites verursachen. Lebermetastasen kommen häufiger vor: Sie bestehen ausTumorzellen, die aus anderen Organen in die Leber eingewandert sind. Eher selten entsteht der Krebs in der Leber selbst: Ärzte sprechen vom Leberzellkarzinom oder hepatozellulären Karzinom.

Metastasen ohne Primärtumor: Bei etwa jedem fünften Krebspatienten können Ärzte zwar Krebszellen und Metastasen im Bauchraum, in der Leber oder in anderen Organen nachweisen – der Ursprungstumor lässt sich jedoch nicht mehr ausfindig machen. Ein Aszites kann in dieser Situation sogar das erste Anzeichen der Erkrankung sein. Ärzte sprechen von einem Krebs bei unbekanntem Primärtumor oder auf Englisch: Cancer of Unknown Primary (CUP-Syndrom).

Entstehungsmechanismen im Detail: Wie kommt das Wasser in die Bauchhöhle?

Auch beim Gesunden werden vom Bauchfell kleine Mengen einer Flüssigkeit gebildet. Diese dient als "Schmiermittel" und sorgt dafür, dass die Organe nicht aneinander reiben. Zwei Drittel der Flüssigkeit gelangen üblicherweise aus dem Bauchraum zurück in die Lymphgefäße und über diese schließlich ins Blut.

Das Gleichgewicht zwischen produzierter und wieder aufgenommener Flüssigkeit ist von den Druckverhältnissen in den Gefäßen und im Bauchraum abhängig. Bei Krebspatienten kann dieses Gleichgewicht gestört sein. Die Folge: Es gelangt mehr Flüssigkeit in die Bauchhöhle als über die Gefäße wieder abtransportiert werden kann. Diese Flüssigkeitsansammlung ist der Aszites.

Wie genau es zur Entstehung eines malignen Aszites kommt, kann man noch nicht in allen Einzelheiten erklären. Als Hauptgrund vermutet man eine erhöhte Durchlässigkeit der kleinsten Blutgefäße. Wie kommt es bei Krebspatienten dazu? Tumorzellen brauchen zum Überleben Sauerstoff und Nährstoffe. Diese gelangen über Blutgefäße zu ihnen. Viele Tumoren bilden neue Blutgefäße aus. Die Botenstoffe, die sie dabei freisetzen, machen die Gefäßwände durchlässiger. Die Folge: Mehr Flüssigkeit tritt aus.

Ein weiterer Grund: Die wachsenden Tumorherde engen die Lymphgefäße in ihrer Umgebung ein. Weniger Flüssigkeit kann aus dem Gewebe wieder aufgenommen und abtransportiert werden. Tumoren oder Metastasen der Leber können sogar größere Blutgefäße verlegen. Dann kann nicht nur weniger Flüssigkeit abtransportiert werden. Auch der Druck in den Gefäßen steigt, und noch mehr Flüssigkeit wird in die Bauchhöhle abgepresst.

Symptome: Wie macht sich ein Aszites bemerkbar?

Viele Betroffene bemerken die Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum nicht sofort. Solange der Bauchumfang nur gering zunimmt, vermuten sie dahinter keine besondere Ursache. Bei manchen wird das Bauchwasser eher zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauches entdeckt. Beschwerden verursacht der Aszites meist erst dann, wenn man bereits einige Liter Flüssigkeit in der Bauchhöhle hat:

  • Der Bauch schwillt deutlich sichtbar an und wölbt sich nach außen. Der vergrößerte Bauchumfang kann die Beweglichkeit einschränken.
  • Durch die Flüssigkeitseinlagerung kommt es zu einem unangenehmen Druckgefühl oder sogar Schmerzen.
  • Werden die inneren Organe durch die Flüssigkeit eingeengt, macht sich dies durch Verstopfung oder Blähungen, ein schnelleres Sättigungsgefühl, Sodbrennen oder gar Übelkeit und Erbrechen bemerkbar. Die Folge kann eine Mangelernährung sein. Fehlen dem Körper Eiweiße, nehmen auch die Muskeln ab.
  • Auch Atemnot ist bei einem ausgeprägten Aszites möglich.
  • Bei manchen Patienten kommt es zu einem Nabel- oder Leistenbruch.
  • Bei einigen staut sich die Flüssigkeit nicht nur im Bauch: Sie kann sich auch in den Beinen sammeln oder im Genitalbereich, bei Männern zum Beispiel im Hodensack, bei Frauen im Bereich der Scham oder der Scheide. Diese Flüssigkeitseinlagerungen werden als Ödeme bezeichnet.

Eine seltene, aber sehr gefährliche Komplikation ist eine Bauchfellentzündung oder Peritonitis: Treten bei Betroffenen mit Aszites plötzlich heftige Bauchschmerzen oder hohes Fieber auf? Dann sollte man schnellstmöglich zum Arzt, besser gleich ins Krankenhaus! Diese Symptome können auf eine Infektion des Bauchfells mit Bakterien hindeuten. Eine mögliche Ursache: Veränderte Druckverhältnisse in den Gefäßen und Flüssigkeit im Gewebe erleichtert es Darmbakterien, durch die Darmwand ins Bauchfell oder die Lymphbahnen einzudringen.

Untersuchungen: Wie wird Aszites nachgewiesen? Wie findet man die Ursache heraus?

Ansprechpartner: Ärzte und Kliniken

Bei vielen Krebspatienten ist die Grunderkrankung schon länger bekannt, wenn sich ein Aszites bemerkbar macht. Die meisten Betroffenen sind bereits bei einem Arzt in Behandlung, der dann die nötigen Untersuchungen einleitet. Bei nicht wenigen Betroffenen, bei denen freie Flüssigkeit in der Bauchhöhle neu auftritt, ist der Grund dafür zunächst nicht bekannt. Nicht immer steckt eine Krebserkrankung dahinter, auch eine Lebererkrankung kann der Auslöser sein. Ist die Ursache des Bauchwassers unklar, sind Fachärzte für Innere Medizin und Gastroenterologie die erste Anlaufstelle. Bei Bedarf ziehen sie für weitere Untersuchungen spezialisierte Kollegen heran oder überweisen an ein Krankenhaus.

Ziel der ersten Untersuchungen ist nicht nur, den Aszites an sich nachzuweisen: Vor allem will man herausfinden, was die Ursache ist. Stellt man fest, dass hinter dem Aszites eine Krebserkrankung steht, die vorher nicht bekannt war? Dann sollte man unbedingt einen erfahrenen Facharzt oder eine Klinik aufsuchen, die auf die jeweilige Tumorart spezialisiert ist. Hilfe bei der Suche nach entsprechenden Ärzten und auf Krebsbehandlung spezialisierte Kliniken bieten unsere Texte in der Rubrik "Wegweiser".

Körperliche Untersuchung

Hat sich mehr als ein halber oder ein Liter Flüssigkeit in der Bauchhöhle angesammelt, können die Ärzte diese bereits bei der körperlichen Untersuchung nachweisen. Sie klopfen dazu den Bauch ab und achten darauf, ob sich das entstehende Geräusch anders anhört als beim Gesunden: Ist Flüssigkeit in der Bauchhöhle vorhanden, hört sich der "Klopfschall" gedämpft an. Ist viel "Bauchwasser" vorhanden, können die untersuchenden Ärzte auch eine Wellenbewegung der Flüssigkeit auslösen und ertasten.

Ultraschalluntersuchung

Eine Ultraschalluntersuchung kann helfen, einen Aszites zu entdecken. Ärzte können schon geringe Flüssigkeitsmengen von etwa 50 bis 100 Millilitern im Bauchraum nachweisen: Auf den Bildern ist die Flüssigkeit schwarz.

Aszitespunktion

Aszites, ©rob3000/fotolia
Der menschliche Bauch im Längsschnitt: Eine Wasseransammlung in der Bauchhöhle nennt man Aszites. ©rob3000/fotolia

Um den Grund für die Flüssigkeitsansammlung im Bauch herauszufinden, wird die Aszites-Flüssigkeit im Labor untersucht. Dazu entnehmen die behandelnden Ärzte mit einer Hohlnadel eine Probe. Diese Untersuchung nennt man Punktion oder Parazentese.

Die Untersuchung ist zwar nicht angenehm, aber auch nicht sehr schmerzhaft, da sie meist bei örtlicher Betäubung durchgeführt wird. Verursacht das Bauchwasser Beschwerden, nehmen die Ärzte nicht nur eine Probe, sondern lassen möglichst viel der vorhandenen Flüssigkeit während der Untersuchung ab. Das kann sehr entlastend sein.

Die Parazentese lässt sich bei vielen Betroffenen ambulant durchführen. Je nach Situation kann es jedoch auch sinnvoll sein, dass man für einige Tage stationär im Krankenhaus aufgenommen wird. Wie bei allen medizinischen Eingriffen klären die Ärzte zunächst über den Ablauf sowie den Nutzen und mögliche Risiken der Untersuchung auf. Die Untersuchung gilt als nebenwirkungsarm. Bei sehr wenigen Patienten treten Blutungen auf. Noch seltener kommt es zu einer Infektion der Wunde oder gar des Bauchfells.

Was passiert bei der Punktion?

Vor der Untersuchung wird man gebeten, zur Toilette zu gehen und die Blase zu entleeren, damit diese bei dem Eingriff nicht im Weg ist. Während der Untersuchung liegt man auf dem Rücken, falls möglich mit leicht erhöhtem Oberkörper.

Vor der eigentlichen Punktion "schallen" die Ärzte den Bauch mit einem Ultraschallgerät. So können sie feststellen, wo genau sie die Punktionsnadel am besten einführen können. Die entsprechende Stelle markieren sie mit einem Stift auf der Haut. Dann erhält man zunächst ein Lokalanästhetikum zur Betäubung der Haut und des äußeren Bauchfells gespritzt. Um die etwas dickere Punktionsnadel einzustechen, setzen die Ärzte bei Bedarf auch einen kleinen Schnitt mit einem Skalpell.

Wo wird der Einstich gesetzt?

Üblicherweise wählen Ärzte das linke untere Viertel des Bauches als Einstichstelle, da sich hier am häufigsten Flüssigkeit ansammelt. Wenn nur wenig Flüssigkeit in der Bauchhöhle vorhanden ist, kontrollieren die Ärzte während der Untersuchung mit einem Ultraschallgerät, ob die Punktionsnadel an der richtigen Stelle liegt, um keine Organe zu verletzen. Bei größeren Aszites-Mengen wird nach der eigentlichen Probenentnahme dann noch ein Katheter über die Nadel eingeführt und das Bauchwasser in einen sogenannten Drainagebeutel oder in eine dafür vorgesehene Flasche abgelassen.

Wie oft muss die Untersuchung wiederholt werden?

Auch wenn die Ursache des Aszites schon bekannt ist, kann eine erneute Untersuchung notwendig werden. Das ist zum Beispiel der Fall,

  • wenn es einem plötzlich schlechter geht,
  • man Fieber bekommt
  • oder man unter neu einsetzenden Bauchschmerzen leidet.

Grund für die Beschwerden könnte eine Infektion sein: Die Ärzte untersuchen, ob in der entnommenen Probe Keime zu finden sind.

Untersuchung der Aszites-Flüssigkeit im Labor

Die Flüssigkeit, die bei der Punktion entnommen wird, wird anschließend im Labor untersucht. Man will wissen:

  • Wie viele Zellen findet man im Bauchwasser? Sind Tumorzellen darunter? Und falls ja: von welcher Krebsart stammen sie?
  • Lassen sich Bakterien nachweisen? Hat man eine Infektion, wegen der man behandelt werden muss?
  • Wie hoch ist der Eiweißgehalt der Flüssigkeit?
  • Ist der Aszites klar, blutig oder "chylös"? Eine chylöse, milchig-trübe Färbung hat das Bauchwasser, wenn es viele Fette oder Fett-Eiweiß-Verbindungen enthält. Daraus lassen sich ebenfalls Rückschlüsse auf die Ursache des Aszites ziehen.
  • Zur Unterscheidung von Aszites bei Krebs und aufgrund anderer Ursachen kann auch der Cholesterinspiegel in der Flüssigkeit bestimmt werden.
  • Lassen sich in der Aszites-Flüssigkeit bestimmte Tumormarker nachweisen? Auch das kann ein Hinweis auf Krebs als Ursache sein.

Weitere Tests zur Klärung des Krankheitsstadiums

Bei vielen Krebspatienten ist die Grunderkrankung schon länger bekannt, wenn sich ein Aszites bemerkbar macht. Bei anderen Patienten kann die Flüssigkeit in der Bauchhöhle hingegen ein erster Hinweis darauf sein, dass überhaupt eine Krebserkrankung vorliegt.

Besteht der Verdacht auf eine bisher nicht entdeckte Krebserkrankung? Dann sind weitere Untersuchungen zur Abklärung notwendig. Eine Übersicht bietet die Rubrik "Untersuchungsverfahren in der Onkologie".

Therapie: Wie wird Aszites behandelt? Was lindert die Beschwerden?

Ein Aszites kann sehr belastend sein und das nicht nur körperlich: Sein Auftreten ist bei Krebspatienten immer ein Zeichen für eine fortgeschrittene Erkrankung. Auch wenn die behandelnden Ärzte versuchen, das Tumorwachstum aufzuhalten oder zu verlangsamen, ist für viele Betroffene eine dauerhafte Heilung in dieser Situation nicht mehr möglich. Im Vordergrund der Behandlung steht daher die Symptomlinderung: Durch das Ablassen des Bauchwassers sollen Beschwerden wie Druckgefühl, Atemnot, Schmerzen, Übelkeit und Unbeweglichkeit gebessert werden.

Die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten im Überblick:

  • Chemotherapie oder zielgerichtete Medikamente, die sich gegen die Tumorerkrankung an sich richten
  • Aszitespunktion oder Parazentese
  • Dauerdrainagesysteme: Verweilkatheter und Shunts
  • Diuretika, oft auch als "Wassertabletten" bezeichnet
  • Chemotherapie direkt in die Bauchhöhle
  • In klinischen Studien werden weitere Behandlungsansätze erforscht.

Wie wirksam ist die Therapie?

Ein Problem ist: Kann der zugrunde liegende Krebs nicht dauerhaft geheilt werden, läuft auch das Bauchwasser immer wieder nach. Was kann man tun? Mit den behandelnden Ärzten sollte man als Krebspatientin oder Krebspatient folgende Fragen klären:

  • Welche Therapien stehen mir in meiner Situation zur Verfügung?
  • Müssen die die Therapien wiederholt werden?Wie lange können sie angewendet werden?
  • Welche Nebenwirkungen haben sie? Wie belastend sind sie kurzfristig und auf längere Zeit?
  • Was kann ich selbst tun? Muss ich bei der Ernährung auf etwas achten? Wer hilft mir, mit der Belastung umzugehen?

Hilfe bei der Vorbereitung auf ein solches Arztgespräch kann das Informationsblatt "Behandlungswahl: Was muss ich wissen?" (PDF) bieten.

Bauchwasser ablassen: Therapeutische Aszitespunktion oder Parazentese

Die wirksamste Maßnahme gegen die durch den Aszites verursachten Beschwerden ist, das Bauchwasser über einen Schlauch abzulassen. Mit den Ärzten sollte man besprechen, ob die Behandlung ambulant gemacht werden kann oder man sich dafür besser stationär ins Krankenhaus aufnehmen lassen sollte.

Die Punktion verläuft immer gleich, egal ob die Flüssigkeit zur Untersuchung oder zur Therapie entnommen wird: Man liegt auf dem Rücken. Die Haut wird gesäubert und betäubt. Die Ärzte führen eine Nadel in die Bauchhöhle ein und schließen einen Schlauch mit einer Art "Wasserhahn" an. Über diesen wird das Bauchwasser in einen sogenannten Drainagebeutel oder eine sterile Flasche abgelassen. Ein Ventil verhindert, dass die Flüssigkeit wieder zurückläuft.

Welche Nebenwirkungen hat die Aszitespunktion?

Manchmal kann der rasche Flüssigkeitsverlust Kreislaufbeschwerden verursachen. Doch viele Betroffene verkraften es, wenn bis zu etwa fünf Liter Bauchwasser auf einmal abgelassen werden.

Probleme kann es geben, wenn die Aszitesflüssigkeit sehr schnell wieder nachläuft: Muss man sehr häufig punktiert werden, verliert man eventuell zu viel Flüssigkeit, Mineralstoffe oder Eiweiße. Dann erhält man bei Bedarf Infusionen, um das verloren gegangene Flüssigkeitsvolumen und Salze, sogenannte Elektrolyte, zu ersetzen. Und was ist mit dem Eiweiß? Ob bei Krebspatienten auch der Eiweiß-Ersatz sinnvoll sein kann, zum Beispiel durch Infusionen mit dem Bluteiweiß Albumin, dazu gibt es nur wenige Studien. Die behandelnden Ärzte können, wenn nötig, hierzu beraten.

Als weitere Nebenwirkungen sind Blutungen, Verletzungen innerer Organe oder eine Bauchfellinfektion möglich. Insgesamt gilt die Aszitespunktion jedoch als relativ sicher und nebenwirkungsarm.

Wie lange hält die Wirkung an?

Eine Besserung der Symptome durch die Punktion kann man üblicherweise für einige Tage oder sogar Wochen erwarten. Da bei einer fortgeschrittenen Krebserkrankung die Aszites-Flüssigkeit mehr oder weniger rasch nachläuft, muss die Punktion bei vielen Patienten dann wiederholt werden.

Dauerdrainagen: Wann sind sie sinnvoll?

Auch wenn eine Aszitespunktion nur ein kleiner Eingriff ist: Muss die Punktion häufig wiederholt werden, kann das sehr belastend sein. Wenn das Bauchwasser sehr rasch wieder nachläuft und sich die Beschwerden mit Medikamenten nicht bessern lassen, kann man daher ein Dauerdrainagesystem erhalten. Ob ein solches infrage kommt, sollte man mit seinen Ärzten besprechen. Folgende Möglichkeiten sind zurzeit üblich:

  • Eine Ableitung der Aszitesflüssigkeit nach außen, über einen dauerhaft in der Bauchhöhle verbleibenden Schlauch mit Ventil: ein sogenannter perkutaner intraperitonealer Verweilkatheter
  • Eine Ableitung der Aszitesflüssigkeit in die Blutgefäße: ein sogenannter peritoneovenöser Shunt (PVS)

Verweilkatheter statt häufiger Punktionen

Der Verweilkatheter oder Dauerkatheter ist ein Silikonschlauch. Er wird durch die Haut (perkutan) der Bauchdecke in die Bauchhöhle (intraperitoneal) eingebracht. Das Bauchwasser kann bei Bedarf über ein Ventil in einen Beutel oder eine Flasche abgelassen werden. Um den Schlauch in den Körper einzuführen und unter der Haut zu befestigen, ist eine kleine Operation mit örtlicher Betäubung notwendig. Eine Vollnarkose benötigen die wenigsten Betroffenen. Falls nötig, kann man aber ein Beruhigungsmittel erhalten.

Welche Vor- und Nachteile hat ein Verweilkatheter?

Der Verweilkatheter hat ein Ventil, über das bei Bedarf das Bauchwasser abgelassen werden kann – fast wie bei einem Wasserhahn. In die Klinik muss man dazu nicht jedes Mal: Nach einer entsprechenden Schulung schaffen viele Patienten das Ablassen selbst, oder man lässt sich von geschulten Angehörigen oder auch von Pflegefachleuten im Rahmen der häuslichen Krankenpflege helfen.

Die Anlage des Katheters gilt insgesamt als nebenwirkungsarm. Allerdings treten Infektionen des Bauchfells bei etwa zwei bis drei von hundert behandelten Patienten auf. Möglich sind außerdem Verstopfungen des Schlauches oder ein versehentliches Herausreißen des Katheters.

Shunts kommen nur für wenige Patienten infrage

Was ist der Unterschied zwischen einem Verweilkatheter und einem Shunt? Bei einem Shunt wird die Flüssigkeit nicht nach außen abgeleitet. Stattdessen sorgen die Ärzte durch eine Operation dafür, dass das Bauchwasser aus der Bauchhöhle über die Blutgefäße ablaufen kann:

  • Beim peritovenösen Shunt (PVS) wird ein Schlauch aus der Bauchhöhle in die große Hohlvene eingeführt. Diese verläuft durch die Bauchhöhle und führt das Blut schließlich durch die Brusthöhle zum Herzen. Ein Ventil sorgt dafür, dass die Flüssigkeit nur in eine Richtung fließen kann und kein Blut in die Bauchhöhle zurückläuft.
  • Bei Lebertumoren oder Lebermetastasen: Der transjuguläre intrahepatische portosystemische Shunt (TIPS) stellt eine Verbindung zwischen Blutgefäßen innerhalb der Leber her. So kann ein Rückstau des Blutes umgangen werden, wenn das Tumorgewebe wichtige Blutgefäße verlegt.

Welche Risiken sind mit einer Shunt-Anlage verbunden?

Ein Shunt kommt nur für wenige Patienten infrage. Am häufigsten wird er in der Krebsmedizin bei Frauen mit Eierstockkrebs eingesetzt. Die Risiken einer Shunt-Anlage sind deutlich höher als bei einem Verweilkatheter, weil der Eingriff insgesamt aufwendiger ist. Wegen des hohen Eiweißgehalts des Bauchwassers bei Krebspatienten können die Shunts verstopfen, was eine erneute Operation notwendig macht. Auch die Infektionsgefahr ist höher.
Wenn das Bauchwasser zurück in den Körper geleitet wird, verteilen sich damit nicht auch Krebszellen weiter? Die Sorge scheint relativ unbegründet zu sein. Bisherige Studien lassen keine Rückschlüsse darauf zu, dass durch den Shunt Tumorzellen im Körper gestreut werden könnten.

Diuretika: Aszites mit "Wassertabletten" ausschwemmen?

Diuretika werden umgangssprachlich auch "Wassertabletten" genannt. Sie führen zu einer gesteigerten Salzausscheidung über die Nieren. Mit dem Salz wird vermehrt Flüssigkeit ausgeschieden. Auch das Wasser in der Bauchhöhle kann so ausgeschwemmt werden.

Diuretika erhalten vor allem Patienten mit Aszites aufgrund einer Leberzirrhose. Es gibt nur wenige Studien, die untersuchen, ob diese Medikamente auch bei Krebspatienten mit Aszites wirksam sind. Zumindest bei manchen Patienten mit Lebermetastasen lindern die "Wassertabletten" jedoch offenbar die Symptome. Ob Diuretika infrage kommen und welche Medikamente sich im Einzelnen eignen, sollte man mit den behandelnden Ärzten besprechen.

Mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen?

Wenn man Diuretika erhält, muss man regelmäßig den Blutdruck, die Herzfunktion und den Salzhaushalt kontrollieren lassen. Diuretika können den Flüssigkeits- und Salzhaushalt des Körpers stören. Als Folge können Symptome auftreten wie Herzrhythmusstörungen oder eine gestörte Nierenfunktion, niedriger Blutdruck oder Übelkeit und Erbrechen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Durst, Müdigkeit der Muskelschwäche. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, werden die Diuretika gerade zu Beginn der Therapie erst einmal niedrig dosiert. Werden sie gut vertragen, kann die Dosis gesteigert werden. Es darf aber nur etwa ein halber bis ein Liter Flüssigkeit pro Tag zusätzlich zur regulären Flüssigkeitsausscheidung ausgeschwemmt werden. Die Therapie ist daher weniger schnell wirksam als eine Aszitespunktion.

Intraperitoneale Chemotherapie: Nur nach chirurgischer Tumorentfernung erfolgversprechend

Wozu Chemotherapie-Medikamente in der Bauchhöhle?

Chemotherapie-Medikamente erhält man normalerweise als Infusion in eine Vene oder in Tablettenform. Sie wirken dann "systemisch", also im gesamten Körper. Patienten, bei denen eine solche Chemotherapie grundsätzlich wirksam ist, können eventuell auch eine "lokale" Chemotherapie erhalten, die nur im Bauchraum wirkt: Zunächst wird das Bauchwasser möglichst vollständig abgelassen. Anschließend leiten die Ärzte die Chemotherapielösung über einen Schlauch in die Bauchhöhle ein. Die Hoffnung ist, dass man eine höhere Medikamenten-Dosis erhalten kann, die Nebenwirkungen der Chemotherapie jedoch nicht im selben Maße zunehmen.

Warum ist die Therapie nur für wenige Patienten geeignet?

Das Problem ist: Der Wirkstoff erreicht meist nur die oberflächlichen Zellschichten des Bauchfells. Krebszellen können sich bei einer Peritonealkarzinose aber auch tiefer im Gewebe verbergen. Die Therapie wirkt daher nicht sehr nachhaltig und muss eventuell wiederholt werden.

In Studien wurde geprüft, wie sich die Therapie verbessern lässt. Heute weiß man: Chemotherapie-Medikamente in der Bauchhöhle sind meist nur dann erfolgversprechend, wenn es in einer vorangehenden Operation gelingt, das Tumorgewebe nahezu vollständig zu entfernen.

Etwas besser als eine alleinige Chemotherapie wirkt eine Therapie, bei der das Gewebe zusätzlich erwärmt wird, eine sogenannte hypertherme intraoperative intraperitoneale Chemotherapie (HIPEC): Die Tumorherde werden während einer Operation so weit wie möglich entfernt. Direkt im Anschluss wird die Bauchhöhle mit einer auf 41 bis 43 Grad Celsius erhitzten Kochsalz-Lösung gespült. Die hohe Temperatur soll die Krebszellen bereits schädigen. Dann wirddas Chemotherapeutikum über einen Schlauch zugeführt.
Insgesamt gilt: Die Behandlung ist sehr aufwendig und belastend. Auch sprechen nicht alle Tumoren gut auf eine Chemotherapie an. Daher kommt diese Behandlung nur für wenige Patientinnen oder Patienten mit Aszites infrage.

Aus der Forschung: zielgerichtete Therapien, klinische Studien, Immuntherapien

Was sind zielgerichtete Therapien?

Sogenannte zielgerichtete Therapien richten sich gegen Abläufe in den Tumorzellen, die zur Tumorentstehung führen oder Tumoren wachsen lassen. Krebspatienten erhalten zum Zeitpunkt, da der Aszites entdeckt wird, möglicherweise bereits zielgerichtete Therapien: Diese richten sich gegen den Tumor und die Metastasen.

In klinischen Studien untersuchen Krebsforscher, ob bestimmte zielgerichtete Medikamente auch direkt zu einer Verminderung des Bauchwassers führen können. Außerhalb klinischer Studien sind sie bislang nicht erhältlich: Wie erfolgversprechend diese Medikamente sind, ist noch nicht abschließend geklärt.

Was sind Immuntherapien?

Zu den zielgerichteten Therapien gehören auch die sogenannten Immuntherapien. Sie sollen das Immunsystem bei der Bekämpfung von Krebszellen unterstützen. Die Hauptaufgabe des Immunsystems besteht darin, Infektionen abzuwehren sowie alte und defekte Zellen zu beseitigen. Krebszellen sind defekte körpereigene Zellen; sie sind jedoch so verändert, dass das Immunsystem sie manchmal nicht mehr erkennt. Bei einigen fortgeschrittenen Tumorarten können immunologisch wirksame Arzneimittel helfen, andere Immuntherapien, etwa die meisten "Tumorimpfungen", werden noch in Studien geprüft.

Gibt es Immuntherapien gegen Aszites?

Wie lässt sich die Bildung von "Bauchwasser" vermindern? Zum Beispiel durch Medikamente, die sich gezielt gegen die Krebszellen im Bauchfell richten. Diesen Ansatz verfolgt die sogenannte spezifische intraperitoneale Immuntherapie: Der Antikörper Catumazomab (Removab®) wird hierbei direkt in die Bauchhöhle eingebracht. Erzerstört Krebszellen im Bauchfell und hilft so, die Bildung von Aszites zu verhindern. Die Zeit bis zur nächsten Aszitespunktion kann dadurch verlängert werden. Die Behandlung kommt nur für wenige Patienten infrage: Die Tumorzellen müssen bestimmte Merkmale aufweisen.

  • Achtung: Seit der Insolvenz des Herstellers ist das Medikament nicht mehr erhältlich! Die Zulassung für Europa wurde im Juni 2017 zurückgezogen!

Leben mit Aszites: Wer hilft, mit den Belastungen durch die Erkrankung umzugehen?

Mit Aszites zu leben, bedeutet nicht nur, mit den oft belastenden Symptomen durch das Bauchwasser zu leben. Wer einen krebsbedingten Aszites hat, lebt auch in dem Bewusstsein, dass die Grunderkrankung bereits sehr fortgeschritten und meist nicht mehr heilbar ist. Hinzu kommt möglicherweise die Belastung durch häufige Aszitespunktionen oder durch eine Dauerdrainage.

Wer kann einem helfen, mit dieser Situation umzugehen?

Ärzte: Erste Ansprechpartner sind die behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Mit ihnen kann man wichtige Fragen besprechen: Welche Therapie kommt infrage? Welche Vor- und Nachteile haben die verschiedenen Behandlungsmethoden? Kann man zuhause behandelt werden oder muss man immer wieder ins Krankenhaus? Ist zum Beispiel eine Dauerdrainage möglich und sinnvoll? Kann man selbst oder können Angehörige die Drainage und Pflege zu Hause übernehmen? Gibt es etwas, dass man bei der Ernährung beachten sollte?

Palliative Care-Team: Bei der Betreuung schwer kranker Menschen können auch sogenannte Teams der "spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV)" helfen. Hierbei handelt es sich um speziell geschulte Ärzte und Pflegekräfte. Sie sind rund um die Uhr erreichbar. Palliativmediziner können auch beraten, ob und wann eine Unterbringung in einem Hospiz sinnvoll sein kann.

Psychosoziale Krebsberatungsstellen: Die Krebsberatungsstellen unterstützen Patienten und Angehörige beim Umgang mit der Erkrankung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beantworten Fragen zu Sozialleistungen oder dem Sozialrecht oder vermitteln an weitere Anlaufstellen. Oft arbeiten sie Hand in Hand mit Selbsthilfegruppen oder niedergelassenen Psychotherapeuten. Bei der Suche wohnortsnaher Beratungsangebote hilft unser Online-Adress-Verzeichnis psychosozialer Krebsberatungsstellen.

Psychoonkologen: Vielleicht benötigt man auch jemanden, mit dem man über die eigenen Sorgen und Ängste sprechen kann? Psychoonkologen sind Psychologen oder Ärzte, die viel Erfahrung bei der Betreuung von Krebspatienten haben. Sie können auf Wunsch zu einem "Palliative Care-Team" hinzugezogen werden. Krebsberatungsstellen helfen bei der Vermittlung. Wenn es der eigene Gesundheitszustand zulässt, kann man sich an ambulant arbeitende Psychotherapeuten wenden. Einen Überblick über Ansprechpartner und Hilfen bei der Krankheitsverarbeitung bieten Texte in der Rubrik "Leben mit Krebs".

Weitere Informationen: Linktipps, Fachinformationen, genutzte Quellen