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pflanzliche Medikamente, Foto: Alexander Raths - Fotolia.com

Alternative und komplementäre Methoden in der Krebstherapie: Ein Überblick

Gibt es die sanfte Medizin?

Naturheilkunde und Phytotherapie mit Pflanzen wie der Mistel, Homöopathie, aber auch Ayurveda, Zen-Meditation, Immunstärkung, Krebsdiäten oder Nahrungsergänzungsmittel: Die Bandbreite der Angebote ist riesig, wenn es um die komplementäre und alternative Krebsmedizin geht. Immer wieder belegen Umfragen: Viele Deutsche vertrauen auf Therapien, die als "sanft", "natürlich" oder "ganzheitlich" gelten.
Doch was hilft wirklich gegen einen Tumor?
Der folgende Text bietet Patientinnen und Patienten Fakten sowie Tipps, wie man bei der Suche nach der besten Krebstherapie weiterkommen kann. Bei der Zusammenstellung hat der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums Fachliteratur ausgewertet und Stellungnahmen gesichtet: sowohl von Verfechtern wie auch von Kritikern der Alternativ- und Komplementärmedizin.
Wie man sich als Krebspatientin oder Krebspatientin letztendlich entscheidet, ist jedoch etwas sehr Persönliches: Alle Fragen bespricht man deshalb am besten auch mit den behandelnden Ärzten.

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Alternativmedizin, Komplementärmedizin oder Schulmedizin: Was versteht man eigentlich darunter?

Die einen sind absolut überzeugt davon. Die anderen sprechen vom Geschäft mit der Angst oder sogar von Hokuspokus. Nur selten gehen die Meinungen zu einem Thema so weit auseinander wie bei der komplementären und alternativen Krebsmedizin – selbst unter Experten.

Zurück bleiben verunsicherte Patientinnen und Patienten. Soll man etwas zusätzlich nehmen, oder reicht die "schulmedizinische" Behandlung aus? Und: Komplementär, alternativ, ganzheitlich oder sanft, biologisch und natürlich - was heißt das eigentlich, wenn es um Krebs geht? Befragungen zeigen: Viele Menschen sind sich zwar sicher, was sie selbst mit diesen Begriffen meinen. Aber hakt man noch einmal genauer nach, zeigen sich große Unterschiede:

  • Naturheilkunde, pflanzliche Wirkstoffe, Homöopathie oder Misteltherapie aus der anthroposophischen Medizin haben für viele Menschen einen hohen Stellenwert.
  • Ayurveda, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Yoga und weitere asiatische Entspannungstechniken, insgesamt traditionelle Heilmethoden anderer Länder – auch das verstehen viele Menschen unter komplementärer oder alternativer Krebsbehandlung.
  • Krebsdiäten, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel, Entgiftungen – das sind Dinge, die Betroffene und auch ihre Angehörigen sich vornehmen, um gesünder zu leben und sich vor Rückfällen zu schützen.
  • Immunstimulationen und immunstärkende Therapien sollen die körpereigene Abwehr stärken und so angeblich auch die Heilung bei Krebs fördern.
  • Stressabbau, positives Denken, psychische Blockaden lösen – wer die Ursachen von Krebs in der Psyche sieht, wünscht sich in der Regel eine ganzheitliche Behandlung. Nicht nur der Körper soll therapiert werden, auch die Seele will berücksichtigt werden.

Selbst unter Fachleuten herrscht keine Einigkeit, was denn nun genau dazu gehört und was nicht. Lediglich über einen Punkt sind sich alle einig: Komplementärmedizin oder Alternativmedizin – das ist etwas anderes als die "Schulmedizin".

Was steht hinter den Begriffen?

Homöopathische Tropfen, Ayurveda, Naturheilverfahren - was hilft? © Ryan McVay - Thinkstock
Homöopathie, Ayurveda, Naturheilverfahren - was hilft? © Ryan McVay - Thinkstock

Komplementäre Medizin soll zusätzlich und begleitend zur normalen Behandlung eingesetzt werden. Häufig genannte Ziele komplementärer Therapien sind: Nebenwirkungen der Krebstherapie lindern, vor einem Rückfall schützen.

Alternative Methoden sollen eine echte Alternative zur "Schulmedizin" bieten. Viele ihre Anhänger lehnen die meisten wissenschaftlich fundierten Therapien als "gefährlich" oder "giftig" ab; insbesondere Chemotherapien und Bestrahlungen.

Schulmedizin – dieser Begriff wird zwar häufig verwendet, ist aber ebenfalls nicht genau definiert. Das Wort stammt aus dem 19. Jahrhundert. Es wurde als Gegensatz zur damals entwickelten Homöopathie und Naturheilkunde verstanden. Gemeint war damit das Wissen über die Entstehung und Behandlung von Krankheiten, das an großen Hochschulen gelehrt wurde. Bis heute wird der Begriff "Schulmedizin" eher von Kritikern und oft abwertend verwendet.

Wissenschaftlich fundierte oder evidenzbasierte Medizin: Onkologen, also Fachleute für Krebsmedizin, sprechen eher von wissenschaftlich fundierter Medizin statt von Schulmedizin. Was ist damit gemeint?

Die meisten heutigen Krebsexperten orientieren sich an einer Medizin, die auf wissenschaftlich beweisbaren Fakten aufbaut. Ihre Forderung: Wer eine Therapie entwickelt und anbietet, muss auch beweisen können, dass sie wirkt. Der Fachbegriff für diese Beweiskraft lautet Evidenz. Ebenfalls wichtig: Das Wissen darüber, wann eine Therapie wirkt und wann nicht, bei wem und bei wem nicht, und welche Nebenwirkungen möglich sind.

Die Kritik vieler wissenschaftlich arbeitender "Schulmediziner" an der komplementären oder alternativen Medizin lautet: Für die meisten populären Verfahren fehlen überprüfbare Daten. Oder die Daten reichen nicht aus, um eine Therapie wirklich beurteilen zu können.

Beweise vorlegen: Von der Krebsforschung zur evidenbasierten Leitlinie

Für schulmedizinische Verfahren sieht dies anders aus. Hier reicht es nicht zu sagen "Wer heilt, hat recht". Eine solche Aussage muss man auch beweisen können. Wie "funktioniert" ein solcher Beweis?

Was normalerweise nicht ausreicht: einzelne Erfahrungsberichte. Besser sind Daten aus kontrollierten klinischen Studien. Diese müssen öffentlich zur Verfügung stehen, etwa über die Veröffentlichung in Fachzeitschriften. Und sie müssen sich überprüfen und nachvollziehen lassen.
Solche Daten nutzen dann Experten, um daraus Leitlinien für die Krebsbehandlung zusammenzustellen. Sie sammeln in solchen Leitlinien, was zu einer Behandlung bekannt ist.

Dazu gehört nicht nur die Wirkung. Auch über die Nebenwirkungen und mögliche langfristige Folgen einer Behandlung muss man Bescheid wissen.

Die vorliegenden Daten müssen außerdem noch bewertet werden. Wie gut sind die Beweise? Wie verlässlich sind die Daten? Diese Beweiskraft nennt man Evidenz.

Die so entstandenen Leitlinien geben den Rahmen für die Krebsbehandlung vor. Daran können sich Mediziner orientieren.

Was auffällt: Für die aktuellen deutschen Leitlinien sind auch viele komplementäre und alternative Verfahren geprüft worden. Doch bei den meisten haben die Experten festgestellt: Ein Nutzen ist nicht belegbar.

Andere Länder, andere Therapien?

Noch komplizierter wird es, wenn man verschiedene Länder vergleicht: Manche komplementären Medikamente, die es in Deutschland legal in jeder Apotheke gibt, sind in anderen Ländern gar nicht zugelassen. Ein Beispiel dafür sind Mistelpräparate - in Deutschland weit verbreitet, in den USA außerhalb klinischer Studien verboten. Auch den Beruf des Heilpraktikers gibt es in vielen anderen Staaten nicht.

Dafür hat Deutschland sehr strenge Kontrollen, wenn es um die Wirksamkeit pflanzlicher Arzneimittel oder die Qualität von Nahrungsergänzungsmitteln geht. Das Problem: Über das Internet kann man problemlos Produkte aus dem Ausland bestellen, die deutsche Qualitätsvorgaben unterlaufen und eigentlich illegal sind.

Informieren, aber wie? Diese Fragen helfen Ihnen weiter!

Wie kann man vorgehen, wenn man sich weiter informieren möchte? Es gibt einige Fragen, die immer wichtig sind - unabhängig davon, für welche Behandlung Sie selbst sich interessieren oder was man Ihnen anbietet.
Klären Sie zunächst folgende Punkte:

Wollen Sie die Behandlung komplementär machen, ergänzend zu Ihrer bisherigen Therapie?

 Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Der wichtigste Rat: Informieren Sie sich, bevor Sie entscheiden. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
  • Fragen Sie Ihre Ärzte danach, ob Sie überhaupt etwas zusätzlich benötigen. Bringen Sie bei diesem Gespräch Ihre eigenen Wünsche ein. Sagen Sie auch, was Sie persönlich bei der bisherigen Therapie vermissen, mehr dazu im Abschnitt "Selbst aktiv werden".
  • Was sagen die Anbieter selbst über ihre Therapie? Und wie schätzen Ihre Ärzte die Daten und Veröffentlichungen ein?
    Falls die beiden Einschätzungen nicht übereinstimmen: Wie belastbar sind die vorliegenden Beweise zum Nutzen der Behandlung? Gibt es Unterlagen zu möglichen Nebenwirkungen?
  • Sehen Ihre Ärzte Risiken? Das können etwa Wechselwirkungen mit Ihrer bisherigen Therapie oder sonstige Unverträglichkeiten sein. Diese Rücksprache schützt Sie vor bösen Überraschungen.
  • Leiden Sie unter den Folgen Ihrer Krebstherapie, unter Schmerzen oder weiteren Problemen? Sprechen Sie dies beim nächsten Arzt- oder Kliniktermin an, statt auf eigene Faust zu komplementären Verfahren zu greifen. Dann können Sie gemeinsam nach der für Sie bestmöglichen Linderung suchen.

Wollen Sie sich nur alternativ behandeln lassen? Oder lehnt der Anbeiter eines Verfahrens die „Schulmedizin“ ab?

Patientin und Arzt im Gespräch. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Besprechen Sie Ihre Fragen auch mit Ihren Ärzten. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Verlangt der Anbieter, dass Sie Ihre bisherige Therapie abbrechen, und nur noch seine Methoden anwenden? Oder sollen Sie anstelle einer Krebstherapie zum Beispiel nur bestimmte Diäten machen? Stehen Sie selbst der schulmedizinischen Behandlung kritisch gegenüber?
Bevor Sie sich entscheiden:

  • Beraten Sie sich unbedingt mit Ihren bisherigen Ärzten.
  • Holen Sie sich eine unabhängige Meinung von einem anderen Arzt oder einer anderen Ärztin ein. Ansprechpartner können das nächstgelegene Tumorzentrum oder spezialisierte Krebszentren sein. Weitere Möglichkeiten nennen Ihnen Ihre Krankenkasse oder auch der Krebsinformationsdienst.
  • Lehnt der Anbieter der Behandlung eine solche zweite Meinung ab? Oder gibt er Ihnen keine Unterlagen zur Bewertung? Achtung, das spricht gegen seine Seriosität!

Hier ist besondere Vorsicht geboten:

  • Hilfe bei allen Krebsarten, bei allen Patienten und in jedem Krankheitsstadium: Ein solches Wundermittel ist bisher nur ein Wunschtraum.
  • Wissenschaftliche Veröffentlichungen, Studien oder Therapiepläne fehlen, und es gibt nur werbende Broschüren: Seriöse Ärzte stellen Ihnen auf Wunsch gute Unterlagen zur Verfügung, damit Sie den Behandlungsvorschlag von unabhängiger Seite prüfen lassen können.
  • Barzahlung oder Vorauskasse wird von Ihnen gefordert: Auch das klingt verdächtig nach dem Geschäft mit der Angst. Lassen Sie sich nicht darauf ein.

Wenn man unter Zeitdruck steht, ist es nicht immer leicht, sich schnell zu informieren und zu entscheiden. Wir vom Krebsinformationsdienst sind für Sie da: Wir helfen Ihnen mit Fakten weiter und wir nennen Ihnen neutrale Anlaufstellen, zum Beispiel für eine zweite Meinung.

Wenn man sich zunächst selbst ein genaueres Bild machen möchte, worauf kann man noch achten?

Wer ist der Anbieter? Welche Zulassung hat er? Welche Nachweise zu seiner Qualifikation kann er vorlegen?

Zur Praxis - wohin führt dieses Schild? © Cevahir, Fotolia
Arzt, Heilpraktiker, Klinik oder Firma - wohin führt dieses Schild? Fragen Sie nach! © Cevahir, Fotolia

Wer tatsächlich hinter einem Angebot steht, ist auf den ersten Blick nicht immer eindeutig erkennbar. Hier zwei Beispiele:

Arzt, Heilpraktiker oder Firma?

Frau M. sucht begleitend zu ihrer Brustkrebstherapie nach einer komplementären Behandlung. Über Bekannte erfährt sie von Dr. R. Er bietet ihr am Telefon eine Immunstimulation an. Erst als sie zum vereinbarten Termin kommt, liest sie auf dem Praxisschild: Trotz des Doktortitels ist Dr. R. kein Arzt, sondern Heilpraktiker. Seinen Doktortitel hat er als Jurist gemacht.
Frau M. reicht das nicht aus. Sie möchte lieber von Ärzten behandelt werden, auch wenn ihre Bekannten gute Erfahrungen mit dem Heilpraktiker gemacht haben.

Klinik oder Firma? Deutschland oder anderes Land?

Herr A. bestellt für seine kranke Mutter Mittel gegen Krebs, die es in Deutschland anscheinend noch nicht gibt. Gefunden hat er sie auf der Internetseite einer Krebsklinik in den USA. Erst als er die Lieferung vom Zoll abholt, stellt er fest: Sie kommt in Wirklichkeit von einer chinesischen Firma  - und keineswegs von einem renommierten amerikanischen Krankenhaus.
Die nächste böse Überraschung wartet beim Auspacken auf ihn: Das Päckchen enthält laut englischer Aufschrift lediglich Vitamintabletten und Eiweißpulver. Beides hätte er in jedem Supermarkt für wesentlich weniger Geld bekommen - noch dazu mit der Garantie, dass der Hersteller nach deutschem Recht für die Qualität bürgen muss.

Welchen Preis nennt man Ihnen? Wer trägt die Kosten für die Behandlung?

Unangenehm, aber leider recht häufig: wenn man sich für eine komplementäre oder alternative Therapie entschieden hat und erst später erfährt, dass die eigene Krankenversicherung die Kosten nicht übernimmt.

Was kann dahinter stecken?

Die gesetzlichen Krankenkassen sind verpflichtet, mit den Beiträgen aller Versicherten möglichst gut umzugehen. Sie haben zwar einen gewissen Spielraum: Manche komplementäre Verfahren können sie aus Kulanz gegenüber ihren Versicherten bezahlen. Die Vorgabe lautet aber streng genommen: Übernommen wird nur, was als Untersuchungs- oder Therapieverfahren eine Prüfung auf Wirksamkeit durchlaufen hat. Auch viele private Versicherungen orientieren sich am wissenschaftlich nachgewiesenen Nutzen.

Was ist damit gemeint?

Zum Nachweis des Nutzens gehören vorklinische und klinische Studien. Diese müssen veröffentlicht sein, und sie müssen qualitativ hochwertig sein. Wie solche Studien ablaufen, erklärt der Krebsinformationsdienst in seinen Texten zur "Krebsforschung". Das Informationsblatt "Klinische Studien" bietet einen kurzen Überblick, als PDF zum Laden und Ausdrucken.

Außerdem spielt für die Kostenübernahme die Zulassung des Anbieters eine Rolle. Man muss also fragen:

  • Hat der Arzt eine Kassenzulassung? Oder darf er nur Privatpatienten behandeln?
  • Bietet der Arzt bestimmte Therapien nur gegen private Rechnung an? Verlangt er sogar Vorkasse?
  • Kann das Krankenhaus oder die Rehaklinik mit den Kassen abrechnen?
  • Oder hat man es mit einer Firma zu tun, die ein Produkt verkauft?

Diese Angaben müssen Ärzte und Kliniken und auch Firmen öffentlich machen, auf Nachfrage oder zum Beispiel im Impressum ihrer Internetseiten. Wenn man sich nicht sicher ist, sollte man auf jeden Fall vorab mit der Krankenkasse Rücksprache halten.

Weitere Hintergründe bietet der Krebsinformationsdienst am Telefon, per E-Mail, oder auch in seinem kurz gefassten Informationsblatt "Arzt- und Kliniksuche", als PDF zum Laden und Ausdrucken.

Selbst aktiv werden: Was will ich wirklich?

Frau schaut nachdenklich.  Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Was ist Ihnen ganz persönlich wichtig? Diese Frage hilft im Gespräch mit Ihren Ärzten. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Überlegen Sie außerdem für sich ganz persönlich, warum Sie eine komplementäre Behandlung möchten. Folgende Fragen helfen Ihnen dabei, Ihre Motive und Ihre Wünsche besser zu klären:

  • Wollen Sie selbst aktiv werden, statt nur "behandelt" zu werden?
  • Befürchten Sie, dass die Ärzte von sich aus nicht alles tun, was für Ihre Heilung notwendig ist?
  • Haben Sie Angst vor einem Rückfall und möchten etwas dagegen unternehmen?
  • Haben Sie Bedenken gegenüber der "Schulmedizin"? Machen Sie sich Sorgen, dass die schulmedizinische Behandlung Ihnen schaden könnte?
  • Geht es Ihnen sehr schlecht, und Sie möchten keine Chancen auf Heilung verpassen?

Wenn Sie eine dieser Fragen mit "ja" beantworten – dann scheuen Sie sich nicht, das Thema auch bei Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin anzusprechen. Der Austausch über alternative oder komplementäre Behandlungen wird leichter, wenn Ihre Ärzte verstehen, warum Sie etwas Zusätzliches möchten.

Angehörige und Freunde – helfen wollen, aber wie?

Angehörige: Vater und Tochter im Gespräch Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Unterstützen Sie Ihre kranken Angehörigen. Aber respektieren Sie auch ihre Wünsche. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

In vielen Telefonaten und E-Mails an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigt sich: Auch Angehörige und Freunde von Krebspatienten interessieren sich für komplementäre und alternative Medizin. Sie möchten helfen, sie möchten dafür sorgen, dass der oder die Betroffene so gut wie möglich versorgt wird. Und sie kämpfen mit ihren eigenen Ängsten: um den Ehe- oder Lebenspartner, den Vater oder die Mutter, um Freund oder Freundin.

Bevor man Betroffenen eine komplementäre oder alternative Behandlung empfiehlt, sollte man sich jedoch ebenfalls gründlich informieren. Dabei können die in den vorigen Abschnitten aufgeführten Fragen helfen.

Was tun, wenn man als Angehöriger oder Freund im Unklaren ist über die beste Behandlung, selbst aber keine Möglichkeit zu einem Arztgespräch hat? Dann kann der Krebsinformationsdienst Hintergründe bieten, am Telefon oder per E-Mail. Informieren kann man sich auch auf den Internetseiten: Eine Auswahl von Links mit wichtigen Fakten sowie weitere Ansprechpartner sind am Ende dieses Textes aufgeführt.

Angehörige oder Freunde sollten sich selbst allerdings zwei wichtige Fragen stellen:

  • Weiß ich wirklich, was der Patient oder die Patientin selbst möchte?
  • Kann ich es akzeptieren, dass mein Partner, mein Verwandter oder Freund Heilmittel ablehnt, die ich selbst als sinnvoll einschätze?

Weitere Tipps und Hintergründe bietet der Text "Angehörige und Freunde – helfen und helfen lassen".

Sie haben Fragen zur alternativen Krebsmedizin? Wir sind für Sie da.

Für Interessierte und Fachkreise: Wo stehen KAM-Verfahren in der wissenschaftlichen Krebsmedizin?

Junge Frau am Mikroskop © uchschen, Thinkstock
Mikroskop: Der Blick auf die Krebszelle © uchschen, Thinkstock

Was macht den Unterschied zwischen Erfahrungsmedizin und wissenschaftlich fundierter Medizin aus? Auf den ersten Blick scheint die Antwort darauf einfach: Wissenschaftlich fundierte Medizin setzt Forschung voraus, veröffentlichte Studien und ausreichende Evidenz zu Nutzen und Nebenwirkungen.

Was Kritiker der Schulmedizin einwenden: Es gibt auch manche "schulmedizinische" Verfahren, bei denen die aktuell vorliegenden Daten nicht allen modernen Anforderungen genügen, sondern auf Erfahrung aufbauen.

Dies trifft durchaus zu: Bei vielen Methoden auch der "Schulmedizin" greifen Ärzte und Ärztinnen auf jahrhundertealte gute Erfahrungen zurück. Beispiele sind etwa einige pflanzliche Arzneimittel oder Methoden der klassischen Naturheilkunde.
Die Begründung: Solche Verfahren gelten zumindest als weitgehend sicher, weil über lange Zeit kaum Nebenwirkungen oder Zwischenfälle beobachtet wurden.

Der große Unterschied zu alternativ und komplementär eingesetzten Verfahren ist aber ein anderer:
In den aktuellen Leitlinien zur Krebstherapie wird klar und deutlich offen gelegt, worauf Therapiestandards aufbauen: Die Evidenz wird benannt, es wird auch auf fehlende Daten ganz offen hingewiesen, und wo eine Empfehlung nur auf Erfahrung aufbaut statt auf moderne Studien, wird dies auch gesagt.
Was jedoch auch gilt: Nachträglich werden immer mehr "altbekannte" Heilmethoden durch Studien auf ihren Nutzen hin überprüft.

Mehr Zeit, mehr Zuwendung in der Komplementärmedizin?

Ein weiterer Punkt, der häufig benannt wird: Viele Ärzte oder Heilpraktiker, die komplementäre und alternative Verfahren zur Krebstherapie einsetzen, nehmen sich besonders viel Zeit für ihre Patienten.

Und: Sie nehmen die subjektiven Krebsvorstellungen der Betroffenen und ihre Ängste ernster als viele "Schulmediziner". Schaut man genauer hin, passen nicht wenige alternative Ansätze ziemlich genau zu weit verbreiteten Annahmen über Krebs – auch wenn diese gar nicht den aktuellen Kenntnissen entsprechen. Hier zwei Beispiele:

  • Zur Vorstellung, das Immunsystem habe versagt, passen immunstimulierende Pflanzenextrakte - deren Nutzen allerdings noch nicht einmal gegen einen Schnupfen belegt sind.
  • Wer Stress und psychische Probleme als wichtigste Krebsursache vermutet, freut sich, wenn ein Seminar zum positiven Denken den absoluten Schutz vor Rückfällen verspricht – obwohl auch dafür der Beweis aussteht.

Kann es gelingen, beide Welten zu vereinen?

Eine Lösung sehen Experten in der sogenannten "integrative Medizin". Auch für dieses häufig genutzte Schlagwort gilt allerdings: Was darunter jeweils verstanden wird, hängt vom konkreten Beispiel ab. Eine allgemeingültige Definition fehlt.

Erfahrungsmedizin und evidenzbasierte Medizin müssen insgesamt kein Widerspruch sein. Traditionelles Wissen wird in der modernen wissenschaftlichen Medizin keinesfalls unterschätzt. Allerdings sollten selbst lange bewährte Methoden immer wieder der Überprüfung unterzogen werden, ob sie noch zeitgemäß sind oder ob sie sich weiter verbessern lassen.

Erfahrung oder Studiendaten: Von der Kräutermedizin zur Naturstoff-Forschung

Heilkräuter in Medikamenten-Dosierer © Sonja Birkelbach/Fotolia
Heilkräuter als Grundlage für moderne Medikamente? © Sonja Birkelbach/Fotolia

Das zeigt sich beispielsweise an der klassischen Phytotherapie. Sie hat sich weiterentwickelt: Statt der Verwendung ganzer Pflanzen werden heute zunehmend nur die tatsächlich wirksamen Inhaltsstoffe genutzt, um eine kontrollierbare und standardisierte Wirkung zu erzielen.

Hinzu kommt: Laborversuche und Tierstudien oder auch Einzelfallberichte reichen heute nicht mehr zur Arzneimittelzulassung aus. Gefordert werden kontrollierte klinische Studien.

Hier drei Beispiele:

  • Ohne wissenschaftlich fundierte Forschung würde man bei Schmerzen heute noch Weidenrindentee trinken. Der Hauptwirkstoff Salicylsäure hat allerdings starke Nebenwirkungen für den Magen und die Blutgerinnung.
    Heute bekämpft man Schmerzen und Entzündungen dagegen mit einem besser kontrollierbaren und besser verträglichen Präparat, der Acetylsalicylsäure (ASS).
  • Gegen Tumorschmerzen gäbe es Opiumtinktur statt moderner standardisierter Morphinmedikamente: Sie sind besser dosierbar, weil sie immer die gleiche Menge Wirkstoff enthalten. Bei richtiger Anwendung fühlt man sich weniger oder gar nicht benebelt.
  • Krebspatienten müssten ohne Forschung an Naturstoffen auf viele wichtige Mittel zur Chemotherapie verzichten: Sie werden aus Pflanzen gewonnen, wären als ungereinigter Presssaft oder Auszug jedoch nicht einsetzbar. Dazu gehören beispielsweise das Zytostatikum Vincristin, das auf Immergrün-Extrakte zurückgeht, sowie die Taxane, deren Wirkstoffe aus Eiben stammen.

Ein ganz neues Feld tatsächlich "biologischer" Verfahren tut sich mit den modernen zielgerichteten Medikamenten auf: Je mehr man über das Verhalten und die besonderen Eigenschaften von Tumorgewebe weiß, desto zielgerichteter sind die Möglichkeiten, das Wachstum von Krebszellen mit biologisch aktiven Molekülen zu bremsen, mehr dazu im Text "Moderne zielgerichtete Arzneimittel".

Patientenzentriert handeln: Supportivtherapie und psychosoziale Begleitung statt dem Geschäft mit der Angst

Angst vor Nebenwirkungen, Angst vor einem Rückfall, nicht ausreichende Berücksichtigung der seelisch-psychischen Aspekte von Krebs – diese Sorgen Betroffener werden heute in der evidenzbasierten Medizin wesentlich ernster genommen als noch vor einigen Jahrzehnten.

Die Lebensqualität wird heute als wichtiges Kriterium in klinischen Studien weit stärker gewichtet. Und zu den wichtigen Fragen der Linderung von Nebenwirkungen, einer individuellen supportiven Therapie sowie zur psychosozialen Begleitung onkologischer Patienten liegen evidenzbasierte Leitlinien vor – sie helfen allen, die an der Versorgung Krebskranker beteiligt sind, gemeinsam mit den Betroffenen individuelle Lösungen zu finden.

Weitere Informationen, genutzte Quellen: Mehr wissen über alternative und komplementäre Krebsmedizin

Für Fachkreise: Linktipps, Fachgesellschaften, wissenschaftliche Literatur

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