Schematische, anatomische Darstellung der Prostata mit leuchtendem Tumor

Prostatakrebs: Alltag mit und nach der Erkrankung

Aktualisiert am:

Von: Nicole Dürr (Human- und Molekularbiologin, M.Sc.)

  • Nicht nur Prostatakrebs selbst kann Beschwerden verursachen, auch die Therapie der Erkrankung ist mit Nebenwirkungen verbunden. Sie können den Alltag zeitweise, manchmal auch dauerhaft beeinflussen.
  • Welche Langzeit- oder Spätfolgen bei Prostatakrebs auftreten können, ist von der Therapie und dem Erkrankungsstadium abhängig: zum Beispiel Inkontinenz, Impotenz oder auch Hitzewallungen.
  • Bei 3 von 9 Männern mit Prostatakrebs hat sich der Tumor bei der Diagnose bereits über die Prostata hinaus ausgebreitet und Metastasen gebildet. Für sie ist eine unterstützende Therapie wichtig, um die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern und Beschwerden wie Schmerzen zu lindern. 

Wichtig: Informationen aus dem Internet können Ihnen einen Überblick bieten. Sie sind aber nicht dazu geeignet, die Beratung durch einen Arzt oder eine Ärztin zu ersetzen.

Lexikon

Langzeitfolgen sind Folgen einer Behandlung, die während der Therapie beginnen und auch nach Therapieende anhalten.

Spätfolgen sind Folgen einer Therapie, die Monate bis Jahre nach Ende der Therapie auftreten.

Auch wenn eine Prostatakrebs-Therapie erfolgversprechend verläuft, können in dieser Zeit Nebenwirkungen oder Krankheitsfolgen den Alltag beeinträchtigen. Manchmal können Langzeit- und Spätfolgen der Therapie das ganze Leben begleiten.

Wann sollte ich zum Arzt gehen?

Wenn Sie anhaltende oder neue Schmerzen haben oder Nebenwirkungen der Behandlung bemerken, sollten Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin aufsuchen. Niemand muss Beschwerden einfach hinnehmen oder aushalten. Mittlerweile gibt es auch viele unterstützende Therapien (Supportivtherapien). Je nach Art der Beschwerden können Ärzte für eine Behandlung auch an spezielle Fachleute verweisen.

  • Wichtig: Warten Sie in dieser Situation nicht bis zum nächsten regulären Nachsorgetermin

Es gibt Unterstützungsangebote für den Alltag: Prostatakrebs selbst, aber auch die Therapie kann unter Umständen körperlich wie seelisch viel Kraft erfordern. Es kann Ihnen helfen, sich Unterstützung für den Alltag zu holen und sich mit anderen auszutauschen. 

Wichtig zu wissen

Im Folgenden sind häufige Nebenwirkungen oder Folgen einer Therapie bei Prostatakrebs aufgelistet. 

Ob und welche Nebenwirkungen, Langzeit- und Spätfolgen auftreten, lässt sich aber nicht sicher vorhersagen. 

Zudem hat nicht jeder Mann dieselben Beschwerden oder dieselben Nebenwirkungen nach einer bestimmten Therapie.

Kurz nach einer Operation oder Bestrahlung von Prostatakrebs haben die meisten Männer zumindest vorübergehend eine sogenannte Belastungs- oder Stressinkontinenz. Das bedeutet: Bei geringer oder auch größerer körperlicher Anstrengung kann es zu unkontrolliertem Wasserlassen kommen, also beispielsweise beim Husten oder beim Heben von Gegenständen.

Sprechen Sie mit ihrem Arzt

Scheuen Sie sich nicht, mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin über solche Beschwerden zu sprechen und nach Behandlungsmöglichkeiten einer Inkontinenz zu fragen.

Eine Inkontinenz kann beispielsweise auch im Rahmen der Reha gezielt behandelt werden. 

Wie wahrscheinlich ist es, dass Patienten eine Harninkontinenz bekommen? Das hängt von mehreren Faktoren ab: 

  • beispielsweise ihrem Alter,
  • vom jeweiligen Behandlungsverfahren
  • oder, ob die Männer bereits vor der Krebsdiagnose Probleme mit der Kontinenz hatten.

Inkontinenz nach Operation und Bestrahlung

Wie häufig eine Inkontinenz nach einer OP oder Bestrahlung ist und was Betroffene in dieser Situation tun können, lesen Sie im Abschnitt zu den Nebenwirkungen unter Therapie bei Prostatakrebs: Radikale Prostatektomie und Bestrahlung bei Prostatakrebs. 

Hilfsmittel für den Alltag: Betroffene mit leichter bis mittlerer Inkontinenz kommen in der ersten Zeit nach der Therapie meist mit speziellen Einlagen (sogenannte Vorlagen) oder Slips aus, die den Urin auffangen. Für manche Männer kann auch ein sogenanntes Kondomurinal infrage kommen. Dabei wird der Urin in einen unauffälligen Beutel geleitet.

Welche Versorgung bei Blasenschwäche am günstigsten ist und welche Produkte sich in einer individuellen Situation am besten eignen, können Patienten mit dem Arzt und/oder einem guten Sanitätsfachgeschäft klären.

  • Übernimmt die Krankenkasse die Kosten? Der behandelnde Arzt oder die Ärztin kann eine Verordnung für Hilfsmittel ausstellen. Unabhängig davon, ob Patienten gesetzlich oder privat versichert sind, sollten sie jedoch bei ihrer Krankenkasse nachfragen, wie das genaue Verfahren ist und bei welchen Fachhändlern sie einkaufen können.

Hier finden Sie ebenfalls Unterstützung

Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann weiterhelfen: vom praktischen Tipp zur Versorgung im Alltag bis hin zum allgemeinen Erfahrungsaustausch über den Umgang mit der Inkontinenz. 

Hier können Sie nach Online-Gruppen oder Gruppen in Ihrer Nähe suchen: 

Wichtig zu wissen

Impotenz ist ein Sammelbegriff für Probleme, die das Sexleben, -empfinden und die Fortpflanzung betreffen: also Lust, Erregung, Orgasmus und Ejakulation.

Eine Impotenz beschreibt unter anderem auch, dass ein Mann auf natürlichem Wege keine Kinder zeugen kann. Die Unfruchtbarkeit kann aber verschiedene Gründe haben: beispielsweise nicht funktionsfähige Spermien oder einen fehlenden Samenerguss. 

Im allgemeinen Sprachgebrauch verbinden die meisten Menschen mit dem Begriff “Impotenz“ das Problem, eine Erektion zu bekommen oder diese für den Geschlechtsverkehr aufrecht zu erhalten – Wenn Männer davon mindestens 3 Monate betroffen sind, bezeichnen Fachleute das als eine erektile Dysfunktion.

Bin ich nach der Prostatakrebs-Therapie impotent?

Austausch mit anderen Betroffenen

Sie sind nicht alleine und müssen auch nicht alleine damit fertig werden. Sich mit anderen auszutauschen, kann helfen, neue Perspektiven einzunehmen. 

Hier geht’s zur Selbsthilfegruppe Impotenz.

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten. Das gilt auch für die Frage, ob die Impotenz dauerhaft ist. Wie hoch das Risiko ist, hängt zum einen von der Art der Behandlung ab und zum anderen von Ihrer individuellen Situation:

  • Hatten Sie beispielsweise schon vor der Behandlung Probleme mit der Potenz?
  • War eine hohe Dosis bei der Bestrahlung nötig?
  • Oder musste besonders ausgedehnt operiert werden?

Kann ich noch Kinder bekommen nach der Krebstherapie?

Haben Sie einen Kinderwunsch?

Dann sollten Sie schon bei der Behandlungsplanung mit dem Ärzteteam darüber sprechen.

Das Risiko unfruchtbar zu werden, hängt vor allem von der Art Ihrer Therapie ab:

  • Nach einer Bestrahlung ist das Risiko geringer als nach einer Operation.
  • Eine Hormontherapie behindert die Bildung gesunder Spermien sehr stark: Die Fruchtbarkeit geht normalerweise verloren; allerdings kann sich die Samenbildung bei einer Unterbrechung der Therapie wieder erholen.

Wichtig zu wissen: Selbst nach einer nervenschonenden Operation oder auch nach einer Bestrahlung mit den neuesten Bestrahlungstechniken ist es nie ganz auszuschließen, dass eine Prostatakrebs-Therapie zu Unfruchtbarkeit führt. 

Verursachen alle Therapien Erektionsprobleme?

Erektionsprobleme (erektile Dysfunktion) können tatsächlich eine Folge verschiedener Therapien sein: nach der Bestrahlung, Operation, aber auch nach einer Hormonentzugstherapie. Manchmal treten die Erektionsprobleme sofort nach der Therapie auf oder aber zeitlich verzögert. 

Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, Erektionsprobleme zu behandeln: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, welche Optionen in Ihrer Situation am vielversprechendsten ist und was die Vor- und Nachteile sein können. 

Wichtig zu wissen

Die Krankenkasse übernimmt keine Kosten für sogenannte Phosphodiesterasehemmer (PDE-5-Hemmer). Das sind Potenzmittel wie Sildenafil, Vardenafil oder Tadalafil. 

Kann ich ohne Prostata noch einen Orgasmus haben?

Ja. Der Orgasmus kann sich aber anders anfühlen, wenn nach der Therapie beispielsweise kein Samenerguss mehr möglich ist oder Erektionsprobleme bestehen. Das verhindert aus medizinischer Sicht keinen Orgasmus, kann sich aber auf das eigene Empfinden eines Orgasmus auswirken.

Wie spreche ich mit meiner Partnerin/meinem Partner darüber?

Gut zu wissen

Es gibt verschiedene Beratungsangebote: Sie und Ihre Partnerin oder Ihr Partner können sich beispielsweise auch einzeln beraten lassen.

Oft ist es hilfreich, möglichst offen über Wünsche und Ängste zu sprechen – auch wenn das vielleicht anfangs Überwindung kostet. 

Es gibt Beratungsangebote für Paare. Manchmal kann eine dritte neutrale Person dabei helfen, die Gedanken und Wünsche zu ordnen und passende Worte zu finden: zum Beispiel in einer Krebs- oder Familienberatungsstelle oder im Rahmen einer Paar- oder Sexualtherapie. Wenn Sie lieber anonym bleiben möchten, können Sie sich auch in Foren mit anderen austauschen. 

  • Wichtig zu wissen: Vorab sollten Sie klären, ob und welcher Höhe für die Beratung oder Therapie Kosten anfallen. Gespräche in einer Krebsberatungsstelle und auch die Beratung von Pro Familia sind beispielsweise kostenfrei.

Prostatakrebs-Patienten, die eine Hormontherapie erhalten, können je nach Art der Therapie ganz unterschiedliche Nebenwirkungen haben. Dazu gehören etwa: 

  • ein verringertes Interesse an Sex (Libidoverlust)
  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche,
  • Stimmungsschwankungen
  • ein verändertes Körperbild
  • Gewichtszunahme und Muskelabbau
  • Knochenschwund und Blutarmut (Anämie)

Zum Weiterlesen

Was hier helfen kann, können Sie im Text Hormontherapie bei Prostatakrebs im Abschnitt zu den Nebenwirkungen nachlesen.

Bei einigen Patienten sind die Reaktionen auf die hormonelle Umstellung sehr stark ausgeprägt. Ob Medikamente gegen diese Beschwerden sinnvoll sind, sollten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen. 

  • Gut zu wissen: Eventuell hilft auch eine Umstellung auf andere Formen der hormonellen Therapie – Nachteile anderer Medikamente müssen dann aber gegen die Linderung der Beschwerden abgewogen werden.

Verschwinden die Nebenwirkungen mit dem Ende der Hormontherapie?

Es kann eine Weile dauern, bis sich Nebenwirkungen nach einer zeitlich begrenzten Hormonentzugstherapie bessern. Diese Phase bezeichnen Fachleute als Testosteronerholungszeit: Die Testosteronwerte im Blut erreichen dabei wieder ihren Normalwert. 

Wie lange das genau dauert, hängt von verschiedenen Faktoren ab: zum Beispiel dem Alter oder auch der Art und Dauer der Hormonentzugstherapie.

Es gibt auch Männer, bei denen sich der Testosteronspiegel im Blut nicht mehr auf den Normalwert erholt. Für manche Männer kann es dann sinnvoll sein, einen Testosteronmangel durch Medikamente auszugleichen.

Was ist ein Lymphödem?

Ein Lymphödem entsteht, wenn sich Wasser im Gewebe ansammelt.

Dadurch können unterschiedliche Körperbereiche anschwellen: bei Männern mit Prostatakrebs betrifft das vor allem die Beine, den Genitalbereich oder die Leistengegend.

Bei Prostatakrebs kann sich ein Lymphödem entwickeln, wenn

  • sich der Krebs in die Lymphknoten ausgebreitet hat,
  • viele Lymphknoten bei der OP entfernt wurden,
  • große Körperbereiche mit den dort befindlichen Lymphkoten bestrahlt wurden.

Welche Beschwerden kann ein Lymphödem verursachen? 

  • Schmerzen in den Gelenken
  • Beschwerden beim Laufen
  • wunde Körperstellen
  • Gliedmaßen können sich schwer anfühlen und eingeschränkt beweglich sein

Was hilft bei einem Lymphödem? Eine sogenannte manuelle Lymphdrainage bei speziell ausgebildeten Physiotherapeuten kann das angestaute Wasser im Gewebe entfernen. In der Regel tragen Patienten auch mehrere Wochen Bandagen und später Kompressionsstrümpfe tragen. Auch Bewegungsübungen sind wichtig, damit das Gewebe auch weiterhin entstaut bleibt. Zur Therapie bei einem Lymphödem gehört außerdem eine tägliche Hautpflege.

  • Gut zu wissen: Die Strümpfe werden individuell angepasst, damit sie gut sitzen und nicht verrutschen.

Ausführlichere Infos zu möglichen Symptomen, der Behandlung sowie hilfreiche Tipps für das Leben mit einem Lymphödem finden sie auf unserer Website unter Lymphödem bei Krebs.

Mittlerweile gibt es für Prostatakrebs-Patienten viele unterstützende Behandlungen. Sie können die Folgen der Erkrankung selbst und Nebenwirkungen der Krebstherapie verringern und die Lebensqualität der Betroffenen erhalten oder verbessern. 

Diese unterstützenden Therapien gibt es bei Prostatakrebs: 

  • (Vorbeugende) Medikamente können gegen Übelkeit, Erbrechen und gegebenenfalls auch bei Durchfall helfen, beispielsweise während einer Chemotherapie.
  • Gegen Schmerzen verschiedenen Ursprungs gibt es schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente: zum Beispiel bei einer Mundschleimhautentzündung während der Chemo.
  • Feuchtigkeitsspendende und entzündungshemmende Cremes helfen bei Juckreiz und Entzündungen.
  • Kühlkissen für Hände und Füße während der Chemotherapie können Nagelveränderungen vorbeugen.
  • Bewegungstraining kann bei Nervenschäden (Neuropathie) Bewegungseinschränkungen oder Funktionsverluste vermeiden.
  • Eine vorbeugende medikamentöse Behandlung ist bei einer geringen Knochendichte beziehungsweise bei Osteoporose und einem hohen Knochenbruch-Risiko möglich.
  • Medikamente und/oder eine Bluttransfusion können bei Bedarf bei Beschwerden einer Blutarmut (Anämie) eingesetzt werden.
  • Um Brustdrüsenwachstum (Gynäkomastie) und Brustschmerzen (Gynäkodynie) vorzubeugen, kann eine Bestrahlung vor der Hormontherapie helfen.

Gut zu wissen: Manchmal können Ärzte bei belastenden Nebenwirkungen auch die Dosis der Krebsmedikamente verringern. Dadurch können weniger Nebenwirkungen auftreten oder sie lassen sich ganz vermeiden, ohne eine Therapie ganz abbrechen zu müssen. 

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt

Eine Supportivtherapie ist dafür da, die Lebensqualität zu verbessern und Beschwerden zu behandeln. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wenn Sie während der Behandlung oder auch in der Zeit danach Beschwerden haben. 

Wie viel Zeit bleibt mir noch?

Wichtiger Hinweis

Zeitangaben zu Überlebenszeiten sind rein statistische Angaben, die einen Durchschnittswert darstellen.

Der Krankheitsverlauf ist bei jedem Mann ganz individuell und kann nicht sicher vorausgesagt werden. 

Genau beziffern lässt sich die persönliche Lebenserwartung nach der Krebsdiagnose nicht. Metastasierter Prostatakrebs ist zwar nicht mehr heilbar, das Fortschreiten der Erkrankung lässt sich oftmals aber noch mehrere Jahre bremsen. 

Haben Sie metastasierten Prostatakrebs, sind verschiedene Faktoren mitbestimmend, um Ihre Lebenserwartung einzuschätzen, unter anderem 

  • Ihr allgemeiner Gesundheitszustand,
  • ob die Metastasen bereits bei Diagnosestellung da waren oder erst in der Rückfallsituation entstanden sind,
  • wo sich in Ihrem Körper Metastasen gebildet haben,
  • wie weit sich der Krebs ausgebreitet hat und wie aggressiv der Krebs wächst (Gleason-Score)
  • wie hoch der Wert des Prostata-spezifisches Antigen im Blut (PSA-Wert) ist und wie der PSA-Wert unter der Therapie verläuft.

Fragen zur Prognose

Wenn Sie Fragen zu Ihrem möglichen Krankheitsverlauf oder der Prognose Ihrer Erkrankung haben, sollten Sie das Gespräch mit Ihren Ärzten suchen. 

Sie kennen Ihre Befunde, den Krankheitsverlauf und Ihren aktuellen Gesundheitszustand und können die Situation deshalb am ehesten einschätzen.

Welche Nebenwirkungen hat die Therapie bei Metastasen?

Das hängt von Ihrer genauen Therapie ab: Bei Metastasen erhalten Sie in der Regel eine dauerhafte Hormonentzugstherapie. Je nach Wirkstoff allein oder in Kombination mit weiteren Hormontherapien oder anderen Krebstherapien. Davon abhängig sind auch die möglichen Nebenwirkungen. 

Abhängig von ihrer individuellen Erkrankungssituation und möglichen Nebenwirkungen erhalten Sie womöglich zusätzlich eine Supportivtherapie. Ziel dieser unterstützenden Therapie ist es, körperliche Symptome wie Schmerzen und psychische Beschwerden wie Angst, Unruhe oder Depressionen durch die Therapie und den Krebs frühzeitig zu erkennen und zu lindern. Das soll die Lebensqualität erhalten oder verbessern. 

Die Palliativversorgung ("Palliative Care") ist ein weiteres wichtiges Angebot. Es steht aber nicht nur Ihnen als Patient offen, sondern auch Ihren Angehörigen. Ziel ist es, die körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnisse aller Parteien wahrzunehmen und zu berücksichtigen. Dabei hilft ein speziell geschultes Team. 

  • Wichtig zu wissen: Sie können mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin besprechen, wie eine palliativmedizinische Versorgung in ihrer Situation aussehen kann und ob Sie diese Unterstützungsmöglichkeit schon von Beginn an nutzen möchten.

Zum Weiterlesen

Weiterführenden Informationen und Anlaufstellen finden Sie unter Palliative Versorgung bei Krebs: Organisation und Ansprechpartner.

Woran merke ich, dass meine Therapie wirkt?

Ob eine Therapie wirkt, kann man selbst nicht direkt "spüren". Es empfiehlt sich dennoch, gut auf die Signale des eigenen Körpers zu achten und beispielsweise neu auftretende oder anhaltende Beschwerden während einer Therapie, aber auch danach direkt bei seinem Ärzteteam anzusprechen. 

Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte können das Ansprechen einer Therapie aber überwachen. Dabei helfen zum Beispiel regelmäßige Kontrollen verschiedener Blutwerte (zum Beispiel den PSA-Wert und den Wert der alkalischen Phosphatase) und bildgebende Untersuchungen wie eine Computertomographie, Knochenszintigraphie oder PSMA-PET/CT. 

  • Ob die Therapie wirksam ist, sieht man nicht sofort: Es kann mehrere Wochen bis Monate dauern, bis in den bildgebenden Untersuchungen das Ansprechen der Behandlung zu sehen ist.

Wie häufig sind die Kontrolluntersuchungen?

Das hängt von Ihrer individuellen Erkrankungssituation ab: also von den Eigenschaften des Tumors selbst, aber auch der Art der Therapie.

Ich habe starke Hitzewallungen, kann ich die Antihormontherapie abbrechen?

Ja, grundsätzlich können Sie eine Antihormontherapie abbrechen. Wichtig ist jedoch, dies immer vorher mit Ihrem behandelnden Arzt zu besprechen und die Therapie nicht eigenständig zu beenden.

Fachleute empfehlen meist, die Antihormontherapie trotz Nebenwirkungen fortzuführen – selbst dann, wenn man noch eine weitere Krebstherapie erhält. Das hat mehrere Gründe: Die Hormontherapie kann weiterhin gegen verbliebene Krebszellen wirken. Zudem haben Forschende bisher kaum untersucht, wie sich das Absetzen einer Hormontherapie bei metastasiertem Prostatakrebs auswirkt. Es laufen allerdings Studien, die neue Wege suchen, Nebenwirkungen der Therapie zu verringern und die Lebensqualität zu verbessern.

Was hilft gegen Hitzewallungen?

  • Es gibt Medikamente, die gegen Hitzewallungen helfen können. Wie alle Medikamente können sie aber auch Nebenwirkungen haben. Sprechen Sie daher am besten mit Ihrem Arzt darüber.
  • Ob Akupunktur weiterhelfen kann, ist anhand der derzeitigen Studienlage noch nicht beurteilbar.
  • Es gibt Hinweise aus einer Studie mit 10 Prostatakrebspatienten, dass Salbeiextrakt-Tabletten gegen Hitzewallungen helfen könnten. Zudem berichten Fachleute aus der Praxis, dass es ebenfalls helfen kann, Salbei-Tee trinken und den Körper äußerlich mit Salbei einzureiben. 

Was kann ich für mich selbst tun?

Die gute Nachricht ist: Auch wenn Ihr Krebs fortgeschritten ist und Sie Metastasen haben, können Sie etwas für sich tun. Für Sie gelten dieselben Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil, wie für Männer, die ihre Therapie hinter sich haben und als geheilt gelten. 

Nahrungsergänzungsmittel, Low Carb und Co.: das sagen Fachleute

Nahrungsergänzungsmittel und Krebsdiäten sind keine "Wundermittel" bei Metastasen.

Fachleute raten Männern mit Prostatakrebs davon ab, Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen oder Spurenelementen wie Vitamin oder E Selen ohne Absprache mit dem behandelnden Arzt einzunehmen. 

  • Empfehlenswert ist das Gespräch mit dem Arzt/ der Ärztin: Sie wissen, wann eine zusätzliche Einnahme beispielsweise von Vitamin D oder Kalzium notwendig ist und wann Betroffene besser darauf verzichten sollten.

Wie ist der Stand der Forschung? Es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass eine spezielle Ernährungsweise (etwa Low Carb) oder Nahrungsergänzungsmittel zur Heilung beitragen oder den Krankheitsverlauf beeinflussen.

Sie sind nicht alleine

Eine Krebserkrankung und die damit verbundenen Krankheitsfolgen zu bewältigen, braucht Zeit. 

Wichtig: Sie müssen das nicht ganz alleine schaffen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich dabei helfen zu lassen. 

Die Diagnose Prostatakrebs erleben viele Männer als massiven Einschnitt in ihr Leben. Denn das Selbstverständnis und Selbstwertgefühl kann sich aufgrund der Folgen der Therapie völlig verändern: Wichtige Themen sind für viele Betroffene der Einfluss auf die Sexualität und der Umgang mit einer Inkontinenz. 

Nach der Behandlung kann zudem die Angst vor einem Rückfall oder dem Fortschreiten der Erkrankung sehr belastend sein – an manchen Tagen weniger, an manchen mehr.

Bei der Bewältigung der Krankheit können geschulte Fachleute unterstützen: in Akut- und Rehakliniken oder kostenfrei und unkompliziert in psychosozialen Krebsberatungsstellen. Wenn Menschen stark und anhaltend belastet sind, können spezialisierte Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten unterstützen. 

Die Fachleute helfen beispielsweise bei Fragen

  • wie man mit den psychischen Belastungen einer Krebserkrankung umgehen kann,
  • wie man mit der Partnerin / dem Partner über belastende Themen spricht,
  • was man gegen Ängste tun kann,
  • was die Lebensqualität verbessern kann.

Auch der Austausch mit anderen Prostatakrebspatienten kann hilfreich sein: von praktischen Alltags-Tipps bis hin zum allgemeinen Erfahrungsaustausch über den Umgang mit der Erkrankung und ihren Folgen.

Bewegung ist auch gut für die Knochen

Fachleute empfehlen Bewegung auch, um die Knochengesundheit zu erhalten und zu verbessern – das gilt insbesondere für Männer, die dauerhaft eine Hormontherapie bekommen. 

Der eigene Lebensstil trägt viel zur Erholung nach einer Prostatakrebs-Erkrankung bei. Wer körperlich fit ist, kein deutliches Übergewicht hat und nicht raucht, erholt sich nach einer Operation oder einer Bestrahlung schneller und verkraftet auch andere belastende Therapien besser. 

Fachleute empfehlen, auch während der Prostatakrebs-Therapie körperlich aktiv zu sein: Studien belegen, dass sich körperliche Aktivität während einer Therapie positiv auswirkt:  Zum einen auf die allgemeine körperliche Fitness und dadurch auch auf Alltagsaktivitäten. Zum anderen vertragen Männer die Therapie dadurch besser.

Wie der Lebensstil das Rückfallrisiko und den Krankheitsverlauf beeinflusst, untersuchen Forschende noch:

  • In Studien wird der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Rückfallrisiko untersucht.
  • Einig sind sich Fachleute, dass ein hoher Körperfettanteil wahrscheinlich das Risiko erhöht, an fortgeschrittenem Prostatakrebs zu erkranken. Ob Abnehmen die Heilungsaussichten von Prostatakrebs-Patienten verbessert, wissen Forschende bislang aber nicht.
  • Andere Studienergebnisse weisen darauf hin, dass sich die Prognose bei regelmäßiger Bewegung verbessern könnte.

Kurkuma, Granatapfel oder Low Carb: Auf Nahrungsergänzungsmittel und Diäten besser verzichten

Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass spezielle Diäten oder Ernährungsformen gegen Prostatakrebs helfen. Fachleute empfehlen Männern mit Prostatakrebs allgemein eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel. In der Regel reicht eine ausgewogene Ernährung nämlich aus, um alle benötigten Nährstoffe und Spurenelemente für den Körper aufzunehmen

Zu einer ausgewogenen Ernährung gehören:

Gut zu wissen: Bei Gewichtsverlust ohne erkennbaren Grund können die behandelnden Ärztinnen und Ärzte durch ein Screening feststellen, ob ein Mangel an Nährstoffen vorliegt. 

Nahrungsergänzungsmittel beeinflussen den Erkrankungsverlauf bei Prostatakrebs nicht. Im Internet stoßen Krebspatienten früher oder später dennoch auf viele Tipps oder Ratschläge, mit denen sie angeblich ihre Krebserkrankung aktiv beeinflussen können, zum Beispiel: mit Vitaminen und Spurenelementen in hohen Dosen wie etwa Vitamin C oder Selen oder "Superfoods" wie Kurkuma. Für einige Stoffgruppen lassen sich sogar Risiken durch die Einnahme nicht ausschließen.

Wichtig zu wissen

Die meisten angepriesenen Produkte sind keine Arzneimittel, sondern Nahrungsergänzungsmittel. Sie sind ausdrücklich nicht zur Therapie zugelassen und sind rechtlich gesehen Lebensmittel. 

Warum Nahrungsergänzungsmittel bei Krebs in der Regel verzichtbar sind und manchmal sogar schaden können, erfahren Sie im Text  Nahrungsergänzungsmittel bei Krebs.

Zum Weiterlesen

Hilfreiche Tipps hierzu finden Sie auch in unserem Informationsblatt "Für Angehörige von Krebspatientinnen und -patienten: Helfen und sich helfen lassen " (PDF), etwa zum Umgang miteinander oder wie die eigenen Kräfte bewahrt und der Alltag organisiert werden kann. 

Wenn ein nahestehender Mensch die Diagnose Prostatakrebs erhält, ist das auch für Angehörige und enge Freunde ein großer Schock und oftmals mit persönlichen Herausforderungen verbunden: Man möchte so gut es geht unterstützen, ist aber vielleicht selbst unsicher, wie man mit der Situation umgehen soll. 

Es gibt spezielle Hilfe und Unterstützungsangebote: 

  • In vielen Kliniken gibt es während eines stationären Aufenthalts psychoonkologische Gesprächsangebote und Beratung durch den Kliniksozialdienst.
  • Krebsberatungsstellen begleiten nicht nur die Krebserkrankten, sondern auch die Angehörigen und Freunde.
  • Familien- und Paarberatungsstellen wie zum Beispiel pro familia können ebenfalls gute Anlaufstellen sein.
  • Selbsthilfegruppen speziell für Angehörige geben die Möglichkeit, sich mit anderen Menschen in einer ähnlichen Situation auszutauschen. Der Bundesverband Prostatakrebs-Selbsthilfe hat beispielsweise ein Online-Forum, bei dem auch Angehörige aktiv sind.

Rat für Angehörige: Denken Sie auch an sich selbst

Es ist wichtig, auch auf sich selbst achtzugeben, wenn eine nahestehende Person Krebs hat. Selbstfürsorge ist nicht egoistisch. 

Wichtig: Nur wer für sich selbst gut sorgt, kann auch für andere da sein. 

Tipps für die Partnerschaft: Nähe und Intimität neu entdecken

Miteinander reden ist wichtig

Teilen Sie Ihrem erkrankten Partner mit, was Sie bewegt: Sprechen Sie über Ihre Wünsche und sprechen Sie auch eigene Unsicherheiten und Ängste an. Wir geben im Folgenden Tipps für eine offene und verständnisvolle Kommunikation.

Bei vielen Paaren verändert eine Krebsdiagnose zumindest vorübergehend die Beziehung und oft auch die körperliche Nähe zueinander. Das ist sehr nachvollziehbar, denn die Krebsdiagnose eines Angehörigen stellt erst einmal vieles auf den Kopf. Die Krankheit erfordert viel Aufmerksamkeit und Kraft und sie bringt Ängste und Sorgen mit sich. 

Auch die Behandlung selbst kann ein Grund dafür sein, wieso sich Nähe und Liebesleben verändern können: 

  • Der Körper verändert sich – Eine OP oder Bestrahlung bei Prostatakrebs kann beispielsweise eine Erektion vorübergehend oder dauerhaft erschweren oder verhindern. Darunter kann auch das Selbstvertrauen leiden.
  • Lustgefühl und Selbstbild können sich verändern – Eine Hormontherapie verändert den Hormonhaushalt eines Mannes. Das kann ein Grund für fehlende Lust, aber auch für Stimmungsschwankungen, ein verändertes Selbstbild und Selbstbewusstsein sein.
  • Das Orgasmus-Erleben verändert sich – Ist ein Samenerguss nicht mehr möglich, kann sich das ungewohnt anfühlen. 

Sich trotzdem Nähe und Intimität in einer Beziehung zu wünschen, ist verständlich. Sie können auch ganz unterschiedlich gelebt werden.

Wichtig zu wissen: Sie können Intimität und Nähe in der Partnerschaft ganz neu zu entdecken. Manchmal kann es hilfreich sein, dafür Unterstützungsangebote anzunehmen. 

Wie kann ich mit meinem erkrankten Partner über Sex sprechen, ohne ihn unter Druck zu setzen?

  • Führen Sie das Gespräch in Ruhe und nicht zwischen Tür und Angel, nicht direkt nach einem Arzttermin oder in einer angespannten Situation.
  • Beginnen Sie das Gespräch als eine Einladung:
    "Ich habe etwas auf dem Herzen und würde gerne mit dir darüber sprechen. Ist jetzt ein guter Moment?“
  • Machen Sie von Beginn an deutlich, dass Sie keine schnelle Lösung oder Änderung erwarten: 
    "Es geht nicht darum, sofort eine Lösung zu finden. Ich wäre nur sehr froh darüber, wenn wir vielleicht darüber sprechen könnten."
  • Kommunizieren Sie das, was Sie bewegt, in klaren, aber liebevollen "Ich-Botschaften": 
    "Ich möchte ehrlich sein, dich damit jetzt aber nicht unter Druck setzen: Ich vermisse deine Nähe".
  • Fragen Sie Ihren Partner nach seiner Wahrnehmung:
  • "Wie erlebst Du das? Wie geht es Dir damit? Was würdest Du Dir wünschen?"
  • Zeigen Sie Verständnis für die besondere Situation:
    "Ich sehe, dass sich für dich in den letzten Wochen und Monaten vieles verändert hat."
  • Es kann hilfreich sein zusammen Dinge auszuprobieren: 
    "Vielleicht können wir gemeinsam herausfinden, mit welcher Art von Nähe wir uns beide wohl fühlen?"
  • Geben Sie ihrem Partner Raum, wenn er noch nicht bereit für ein Gespräch ist: 
    "Ich merke, dass dir das Thema schwerfällt. Das verstehe und akzeptiere ich. Ich will dich nicht drängen – mir war nur wichtig, dass du auch weißt, wie es mir geht und ich auch für dich da bin. Wir können darüber reden, wenn du auch bereit dazu bist.“

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