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Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Prostatakrebs: Leben mit der Erkrankung und ihren Folgen

Nach der Diagnose Prostatakrebs benötigt viele Betroffene erst einmal Zeit, um den Schock der Erkrankung und die Belastung der Therapie verkraften. Eine wesentliche Rolle können in dieser Zeit auch Beschwerden spielen, die erst durch die Therapie auftreten: Was lässt sich gegen Inkontinenz oder Impotenz tun? Was kann man gegen die Nebenwirkungen des Hormonentzugs machen?
Der nachfolgende Text bietet Patienten mit Prostatakrebs und allen Interessierten einen Überblick über die wichtigsten Fakten zum Leben mit der Erkrankung. Ziel ist es, möglichst gut in den gewohnten Alltag zurückzukehren. Das persönliche Gespräch mit den behandelnden Ärzten können Informationen aus dem Internet jedoch nicht ersetzen. Vieles hängt sehr von der persönlichen Situation ab.

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Quellen und Links

Die verwendeten Quellen sind am Ende des Textes aufgeführt. Auch der Text "Mehr wissen zum Thema Prostatakrebs" bietet Hinweise auf Adressen, Broschüren und Linktipps sowie Fachliteratur für Betroffene, Interessierte und Fachkreise.

Leben mit Prostatakrebs: Womit müssen Betroffene rechnen, womit nicht?

Wie gestaltet sich der Alltag nach der Operation oder der Bestrahlung? Wie geht man mit der Situation um, wenn die Erkrankung nicht geheilt, sondern nur wirksam in Schach gehalten werden kann? Was kann man selbst tun, um Krankheits- und Behandlungsfolgen zu lindern und Rückfällen nach Möglichkeit vorzubeugen? Diese Fragen stehen für die meisten Betroffenen in den ersten Monaten nach der Krebsdiagnose und der Behandlung im Vordergrund.

Auch wenn die Therapie erfolgversprechend verläuft, können in dieser Zeit Nebenwirkungen oder Krankheitsfolgen den Alltag beeinträchtigen: Nach einer Operation oder einer Bestrahlung kann es zum Beispiel sein, dass man zumindest zeitweilig unter Inkontinenz und/oder Impotenz leidet. Patienten, die eine hormonelle Therapie erhalten, erleben die Nebenwirkungen dieser Therapie individuell unterschiedlich: Einige kommen mit dem Hormonentzug gut zurecht. Andere leiden unter Beschwerden, die zwar oftmals harmlos sind, aber für den Betroffenen unangenehm, wie etwa Hitzewallungen.

Zu den möglichen körperlichen Folgen kommen die Auswirkungen auf die Psyche, auf Familie oder Beziehungen: Bis eine Krebserkrankung mit all ihren Folgen auch unter psychosozialen Aspekten verarbeitet ist, dauert es meist einige Zeit – wie lange, ist individuell verschieden. Besonders die Angst vor einem Rückfall kann sich auf die Lebensqualität auswirken.

Muss man die Folgen der Erkrankung und der Behandlung klaglos hinnehmen? Die Antwort lautet nein. Viele Probleme lassen sich zumindest lindern. Wichtig ist deshalb ein enger Kontakt zu den behandelnden Ärzten. Vor allem dann, wenn sich unerwartete Probleme ergeben, sollte man nicht bis zum nächsten regulären Nachsorgetermin warten.

Auch der Wunsch, selbst aktiv zu werden und möglichst viel für die eigene Gesundheit zu tun, ist nachvollziehbar. Trotzdem ist es gut, wenn man die verschiedenen Möglichkeiten mit den Ärzten abspricht: Nicht alles, was man an Tipps und gut gemeinten Ratschlägen findet, ist wirklich sinnvoll und sicher.

Nebenwirkungen an Blase und Harnröhre: Wann kommt es zu Harninkontinenz?

Die Unfähigkeit, Urin vollständig zurückhalten zu können, eine sogenannte Inkontinenz, tritt bei nicht wenigen Patienten mit Prostatakrebs auf, kurz nach einer Operation oder Bestrahlung. Genaue Zahlenangaben sind schwierig: Wer tatsächlich betroffen ist und wer nicht, hängt vom jeweiligen Behandlungsverfahren und dem individuellen Befund ab. Hatte man bereits vor der Krebsdiagnose Probleme mit der Kontinenz, kann sich dies ebenfalls erschwerend auswirken. Über das Risiko berät man sich deshalb am besten schon bei der Planung der Therapie mit den behandelnden Ärzten.

Inkontinenz nach Operation

Bei der Prostatektomie, der chirurgischen Entfernung der Prostata, müssen Teile der inneren Blasenschließmuskulatur mit entfernt werden. Dies ist der wichtigste Auslöser für Inkontinenz. Über kurz oder lang kann aber bei vielen Patienten der erhaltene äußere Schließmuskel die Verschlussfunktion allein übernehmen. Intensives Training der Beckenmuskulatur ist daher Teil der Rehabilitation. Man kann viele Übungen aber auch problemlos zu Hause durchführen.

Bei sehr ausgedehnten Operationen kann auch die Schließmuskelfunktion des Darms betroffen sein.

Inkontinenz nach Bestrahlung

Nach einer Bestrahlung kann es zu Gewebeveränderungen kommen, die die Fähigkeit zum Wasserlassen unter Umständen ebenfalls behindern. Bei sehr ausgedehnten Bestrahlungen ist nicht nur die Schließmuskulatur, sondern auch das Blasengewebe selbst betroffen. Das Problem sind anfängliche Entzündungsreaktionen, unter ungünstigen Umständen beeinträchtigen später mehr oder minder ausgeprägte Vernarbungen die Funktion des Organs: Die Blase wird weniger elastisch, der Fachbegriff dafür lautet Sklerosierung. Sie reagiert dann schon auf relativ geringe Urinmengen mit dem Reiz zum Wasserlassen, eventuell auch mit Krämpfen und unwillkürlichem Urinabgang.

Blasenkatheter während beziehungsweise nach der Therapie

Solange die Harnröhre nach einer Operation noch nicht verheilt ist oder während einer Bestrahlung die Gefahr des Zuschwellens besteht, hilft ein Blasenkatheter. Diesen entfernen die Ärzte aber so früh wie möglich wieder, um die Gefahr einer Infektion zu mindern.

Hilfsmittel für den Alltag

Selbst unmittelbar nach der Therapie sind nur die wenigsten Patienten völlig inkontinent. Selbst wenn man zunächst den Abgang von Urin gar nicht steuern kann, ist die längerfristige Chance auf Rückgewinnung der Blasenkontrolle aber gut. Welche Versorgung bei weitgehender Blasenschwäche am günstigsten ist, sollte man mit dem Arzt und/oder in einem guten Sanitätsfachgeschäft klären. In Frage kommen Slips, Vorlagen oder eine sichere Harnableitung über ein sogenanntes Kondomurinal in einen unauffälligen Beutel.

Die meisten Männer leiden in zeitlichem Zusammenhang mit Operation oder Bestrahlung zwar nicht unter völliger Inkontinenz. Sie belastet aber zumindest zeitweilige eine sogenannte Belastungs- oder Stressinkontinenz, also Harnabgang nur beim Husten, Pressen oder beim Heben von Gegenständen und anderer körperlicher Anstrengung. Betroffene mit leichter bis mittlerer Inkontinenz kommen in der ersten Zeit nach der Therapie normalerweise mit Vorlagen aus, die den unwillkürlich abgehenden Urin auffangen.

Kostenübernahme für Hilfsmittel?

Die behandelnden Ärzte können ein Rezept über solche Produkte ausstellen. Gesetzlich wie privat Versicherte sollten sich dann bei ihrer Krankenkasse erkundigen, ob sie an einen bestimmten Lieferanten gebunden sind, und wenn ja, mit welchem Sanitätshaus oder Versandhandel ein Liefervertrag besteht. Einfachere Produkte sind zuzahlungsfrei, für andere muss man den Mehrpreis selbst zahlen.
Über geeignete Produkte beraten sowohl Ärzte wie auch spezialisierte Mitarbeiter, sogenannte Hilfs- und Heilmittelberater, bei den Krankenkassen und den beauftragten Sanitätshäusern oder Lieferfirmen.
Wer weiß, womit er gut zurechtkommt, findet im Notfall heute auch in Drogeriemärkten und größeren Supermärkten ein umfangreiches Angebot. Dann kann man die Kosten aber nicht mit der Krankenversicherung abrechnen.

Probleme nicht verschweigen

Schon die Verfügbarkeit von Hilfsmitteln in jedem größeren Supermarkt weist darauf hin, dass Inkontinenz nicht mehr das absolute Tabuthema wie noch vor Jahren ist. Männer, die Schwierigkeiten mit dem Zurückhalten des Urins haben, sollten sich auf keinen Fall im Stillen mit dem Problem arrangieren und auf Besserung hoffen, sondern frühzeitig über mögliche Lösungen mit Arzt oder Ärztin sprechen.

Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann weiterhelfen: vom praktischen Tipp zur Versorgung im Alltag bis hin zum allgemeinen Erfahrungsaustausch über den Umgang mit der Erkrankung und ihren Folgen.

Beckenbodentraining oder Medikamente?

Die Rehabilitation in einer dafür vorgesehenen Klinik oder Ambulanz bietet eine gute Gelegenheit, sich umfassend über das Thema Inkontinenz zu informieren. Mit geeigneten Übungen, zum Beispiel dem sogenannten Beckenbodentraining, oder auch einer elektrischen Muskelstimulation lässt sich oft innerhalb einiger Wochen eine deutliche Besserung erzielen.

Ist der Auslöser eher eine gereizte Blase und das Problem dauernder Harndrang, also eine Dranginkontinenz? Dann helfen unter Umständen auch Medikamente. Betroffene Patienten sollten ihre Ärzte nach weiteren Informationen fragen.

Was tun bei anhaltenden Beschwerden?

Bleibt die Inkontinenz trotz unterstützender Maßnahmen langfristig bestehen? Klappt die Versorgung auch im Alltag nicht gut? Unter Umständen können operative Methoden helfen, den Harnfluss wieder besser zu kontrollieren. Solche chirurgischen Eingriffe sind jedoch keine Routine, und sie sind nicht bei jedem Patienten durchführbar. Ein Teil der operativen Verfahren wie auch andere Methoden zur Behebung der Inkontinenz werden überhaupt erst in klinischen Studien getestet.
Die behandelnden Urologen können zu einer Abklärung an ein entsprechend spezialisiertes Zentrum überweisen. Ansprechpartner findet man in der Regel auch in den großen Krebszentren. Dort werden die Ursachen der Inkontinenz noch einmal genau geprüft.

  • Eine pauschale Lösung gibt es selten, wichtiger ist ein möglichst individuelles Behandlungskonzept.

Bei der Suche nach Experten kann der Erfahrungsaustausch in Selbsthilfegruppen eine wichtige Rolle spielen. Auch die Deutsche Kontinenzgesellschaft bietet unter www.kontinenz-gesellschaft.de weitere Auskünfte, ebenso die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. unter www.inkontinenz-selbsthilfe.com.

Partnerschaft, Sexualität, Kinderwunsch: Wie wirkt sich die Erkrankung aus?

Beeinträchtigungen des Sexuallebens sind bei und nach Tumorerkrankungen keine Seltenheit. Sie treten nicht nur bei Prostatakrebspatienten auf. Und sie haben nicht immer nur organische Gründe: Die psychischen Aspekte der Erkrankung wirken sich belastend aus, nicht nur auf Betroffene selbst, sondern auch auf die Partnerschaft.
Männer mit einem Prostatakarzinom sind jedoch in besonderem Maß betroffen. Bei ihnen kann die Therapie die körperliche Fähigkeit zur Erektion beziehungsweise zum Geschlechtsverkehr massiv beeinträchtigen. Fachleute sprechen von einer erektilen Dysfunktion. Eine Impotenz ist selbst bei schonendster Operation und mit den neuesten Bestrahlungstechniken nie ganz auszuschließen. Viele Betroffene sind zudem in einer Lebensphase, in der die Sexualität aufgrund altersbedingter Veränderungen und Vorerkrankungen von vornherein leichter zu beeinträchtigen ist als bei jungen Männern.

Betroffenen Männern hilft eine Beratung, die auf ihre individuelle Situation und die jeweilige Ursache der Impotenz eingeht. Erste Ansprechpartner sind Urologen, die gegebenenfalls auch auf weitere Stellen verweisen. Die nachfolgenden Informationen können daher nur ein kurzer Einstieg als Vorbereitung auf ein solches Gespräch sein.

Veränderter Orgasmus und nachlassendes sexuelles Interesse

Selbst wenn Erektion und Geschlechtsverkehr möglich bleiben, kann sich der Orgasmus verändern: Nach der Operation und auch nach einer Bestrahlung der Prostata kann es sein, dass sich keine Samenflüssigkeit mehr bildet.
Bei Patienten, die eine hormonelle Behandlung erhalten, bleibt die Samenflüssigkeit zwar erhalten. Doch der Hormonentzug bewirkt nicht selten etwas anderes: Sie empfinden ein deutlich nachlassendes Interesse an Sexualität.
Besteht eine Inkontinenz, belastet dies betroffene Männer meist zusätzlich in der Partnerschaft.

Verlust der Erektionsfähigkeit nach Operation

Viele Patienten verlieren nach der radikalen chirurgischen Entfernung der Prostata die Erektionsfähigkeit. Nerven und Blutgefäße, die für die Gliedsteife verantwortlich sind, wurden durchtrennt, um Tumorgewebe möglichst umfassend entfernen zu können. Auch die neueren sogenannten nervenschonenden Operationstechniken garantieren nicht bei jedem Patienten den Erhalt der Potenz.
Sind Nerven und Blutgefäße zumindest teilweise erhalten, kann es nach der Operation Wochen bis Monate dauern, bis eine spontane Erektion wieder zustande kommt und auch ausreichend lange erhalten werden kann. Ein Orgasmus ist eventuell trotzdem möglich.

Bei einigen Patienten lohnt sich der Versuch einer medikamentösen Unterstützung. Die Krankenkassen übernehmen derzeit die Kosten dafür nicht. Vor allem ältere Patienten sollten ihren Arzt aber wegen möglicher Risiken dieser Arzneimittel für Herz und Kreislauf ansprechen. Und: Bei vollständiger Durchtrennung der Nervenbündel sind diese Substanzen mit großer Wahrscheinlichkeit unwirksam.
Um dann unter Umständen doch Geschlechtsverkehr zu haben, können Mittel in die Schwellkörper des Penis injiziert werden, die die Blutgefäße unmittelbar erweitern und so zur Erektion führen. Es gibt aber auch mechanische Erektionshilfen, etwa Vakuumpumpen oder Implantate. Über Details informieren die behandelnden Urologen.

Erektionsschwäche nach Bestrahlung

Auch eine Strahlenbehandlung kann zu einer Erektionsschwäche führen. Die Wirkung zeigt sich oft erst mit einiger Verzögerung, so wie auch der therapeutische Effekt der Strahlentherapie auf das Tumorgewebe und den PSA-Wert erst innerhalb von Monaten bis Jahren vollständig abschätzbar ist.
Betroffene Männer können mit dem Arzt die Anwendung von Medikamenten zur Behandlung von Erektionsstörungen diskutieren. Lässt sich dadurch keine Erektion erzielen oder kommen die Mittel wegen ihrer Nebenwirkungen nicht infrage, beraten die Ärzte über weitere Möglichkeiten, etwa mechanische Erektionshilfen.

Sexualität bei Hormontherapie

Die Hormontherapie mindert bei vielen Patienten die sexuelle Lust. Betroffene haben zudem nicht selten Erektionsprobleme, das heißt, Erektionen sind seltener, kommen langsamer zustande und/oder sind weniger stabil. Außerdem kann man Schwierigkeiten haben, zum Orgasmus zu gelangen.
Ob in diesem Fall eine Umstellung der hormonell wirksamen Mittel auf Substanzen mit anderen Nebenwirkungen möglich ist, muss vor allem unter medizinischen Gesichtspunkten mit dem Arzt besprochen werden.

Große Hoffnungen setzen Patienten auf die sogenannte intermittierende Hormontherapie, bei der zeitweilig auf Medikamente verzichtet wird. In den Pausen ohne Therapie bilden sich die Nebenwirkungen zurück. Die Methode ist inzwischen relativ verbreitet, als Alternative zur kontinuierlichen Hormontherapie. Langzeitergebnisse stehen aber noch aus: Es steht also noch nicht fest, ob die Unterbrechung der Therapie nicht langfristig die Wirksamkeit beeinträchtigt.

Kinderwunsch nach Prostatakrebs?

Sehr viele betroffene Männer haben zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose die Familienplanung bereits abgeschlossen. Wer aber noch Kinder möchte, muss sich der Tatsache bewusst sein: fast alle Formen der Behandlung beeinträchtigen die Zeugungsfähigkeit in der Regel sehr stark. Das liegt nicht nur daran, dass sich Operation, Bestrahlung oder Hormontherapie auf das sexuelle Interesse und die Fähigkeit zum Geschlechtsverkehr auswirken können.
Bei der Operation werden beispielsweise die Samenbläschen und Teile der Samenleiter mit entfernt. Das führt dazu, dass kein Samenerguss mehr erfolgt, obwohl ein betroffener Mann noch einen Orgasmus erleben kann und seine Hoden weiter Spermien produzieren. Weniger betroffen sind Patienten nach einer Bestrahlung: Zwar kann auch eine Strahlentherapie die Funktion der Samenleiter und Samenbläschen bei einem Teil der Betroffenen stören, doch das Risiko ist niedriger als nach einer Operation. Eine antihormonelle Therapie behindert die Bildung gesunder Spermien sehr stark: Die Fruchtbarkeit geht normalerweise verloren; allerdings kann die Samenbildung sich bei einer Unterbrechung der Therapie wieder erholen.

  • Männer, die noch Kinder möchten, sollten sich schon bei der Behandlungsplanung bei ihren Ärzten über das Risiko der Unfruchtbarkeit informieren.

Geklärt werden sollte bei einem solchen Gespräch auch, ob das Einfrieren von Sperma vor Behandlungsbeginn sinnvoll ist. Ist die Behandlung des Prostatakarzinoms bereits abgeschlossen? Bei einigen Männern, die ansonsten unfruchtbar sind, lassen sich eventuell aus den Hoden oder Nebenhoden noch gesunde Spermien entnehmen und für eine künstliche Befruchtung aufbereiten.

Weitere Hintergründe bietet der Text "Kinderwunsch nach Krebs".

Von Hitzewallungen bis Herzbeschwerden: Welche Nebenwirkungen kann der Hormonentzug haben?

Was sonst fast nur Frauen in den Wechseljahren kennen, belastet viele Männer unter einer antihormonellen Therapie: Plötzliches Hitzegefühl, Schweißausbrüche, aber auch Stimmungsschwankungen sind Folgen des Hormonentzugs. Bis zu einem gewissen Grad setzt einige Zeit nach Beginn der Medikamenteneinnahme eine Gewöhnung ein, die Nebenwirkungen werden schwächer. Ansonsten hilft oft schon eine veränderte Lebensweise weiter: angepasste Kleidung, viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung, die bestimmte Auslöser von Hitzewallungen zeitweilig vermeidet. Dazu gehören bei vielen Männern Kaffee oder Alkohol, besonders heiße Speisen oder scharfe Gewürze.

Bei einigen Patienten sind die Reaktionen auf die hormonelle Umstellung sehr stark ausgeprägt. Ob dann Medikamente sinnvoll sind, die die Häufigkeit der Hitzewallungen beeinflussen oder die Schweißbildung reduzieren, und eventuell eine kurzfristige Medikation zur Stimmungsaufhellung, sollte mit dem Arzt besprochen werden. Eventuell hilft auch eine Umstellung auf andere Formen der hormonellen Therapie – Nachteile anderer Medikamente müssen dann aber gegen die Linderung der Beschwerden abgewogen werden.

Ein weiteres Problem des Hormonentzugs ist die Gefahr, dass der künstlich herbeigeführte Testosteronmangel das Risiko für Herzkreislaufbeschwerden erhöht. Studien konnten zeigen, dass Männer unter Hormonentzug öfter Beschwerden mit den Herzkranzgefäßen aufweisen und häufiger einen Herzinfarkt erleiden als andere Prostatakrebspatienten. Eindeutig ist die Studienlage dazu jedoch nicht: Betroffen scheinen vor allem Männer zu sein, die bereits vor der Therapie an Herzproblemen leiden. Bei Herzproblemen sollten Patienten ihren Arzt vor dem Hormonentzug darauf hinweisen.
Wissenschaftler gehen zudem dem möglichen Zusammenhang zwischen einer Hormonentzugstherapie und dem Auftreten einer Demenz nach.

Veränderungen an Harnröhre, Blase und Enddarm: Worauf sollte man bei einer Strahlentherapie achten?

Akute entzündliche Reaktionen der Enddarm- und Blasenschleimhaut auf die Bestrahlung betreffen relativ viele Patienten mit Prostatakrebs. Bei den meisten Betroffenen sind sie aber zum einen nur schwach ausgeprägt, zum anderen heilen sie auch innerhalb weniger Monate nach Ende einer Strahlentherapie folgenlos ab. Wer betroffen ist, hängt unter anderem von individuellen Faktoren wie etwa der Tumorgröße oder der notwendigen Strahlendosis ab, vor allem aber vom jeweils angewendeten Verfahren. Eine Übersicht bietet der Krebsinformationsdienst unter "Bestrahlung bei Prostatakrebs".

Blasenbeschwerden

Die Symptome ähneln denen einer Blasenentzündung, fachsprachlich Zystitis beziehungsweise Strahlenzystitis genannt. Selten ist auch etwas Blut im Urin. Zur Behandlung kann der Arzt krampf- und schmerzlindernde Mittel verschreiben, außerdem hilft viel Trinken. Kommt tatsächlich noch eine Infektion der Blase durch Keime hinzu, helfen Antibiotika. Schwillt die bestrahlte Prostata stark an, kann es vorübergehend notwendig sein, zum Wasserlassen einen Katheter zu verwenden oder einen Dauerkatheter zu tragen.

Entzündung des Enddarms

Je nach Bestrahlungsform ist auch der Enddarm betroffen. Das sogenannte Rektum reagiert mit Entzündungsreaktionen, unter Umständen auch die innere und äußere Afterregion. Dann kann der Stuhlgang vorübergehend schmerzhaft sein, auch leichte Blutungen oder Durchfälle sind möglich. Kortisonzäpfchen und bei Bedarf Mittel gegen eine gesteigerte Darmaktivität lindern die Beschwerden.
Mit chronischen, anhaltenden Beschwerden müssen heute aufgrund einer verbesserten Bestrahlungsplanung nur noch vergleichsweise wenige Patienten rechnen. Dann ist eine gute Beratung wichtig, vor allem wenn es zu Problemen mit der Schließmuskelkontrolle kommt. Ansprechpartner sind außer den behandelnden Ärzten Strahlentherapeuten in den großen Krebszentren, die sich auf die Behandlung von langfristigen Strahlenschäden spezialisiert haben. Sie können eventuell auch Ernährungsfachleute mit einbeziehen und Berater für den Umgang mit einer Inkontinenz.

Vorsicht beim Einsatz von Hausmitteln

Patienten sollten ihren Arzt fragen, bevor sie bei Problemen zu Hausmitteln greifen, etwa gegen Blasenbeschwerden, Durchfall oder Entzündungen. Meist hilft nur die individuelle Abklärung und Betreuung beim Arzt weiter. Ansprechpartner für die Behandlung von Strahlenschäden kann dabei der behandelnde Urologe sein wie auch ein Facharzt für Radiologie.

Steigt das Risiko für Blasen- und Enddarmkrebs durch die Bestrahlung?

Ob Patienten nach einer Strahlentherapie mit einem gesteigerten Langzeitrisiko für Krebserkrankungen der Blase oder des Enddarms rechnen müssen, lässt sich derzeit nicht sicher beurteilen.

Entnommene Lymphknoten: Wann kann ein Lymphödem entstehen?

Prostatakrebspatienten, bei denen die Ärzte viele Lymphknoten im Becken entfernt haben oder bei denen Tumorzellen die Lymphabflussgebiete verlegen, tragen ein gewisses Risiko für ein Lymphödem. Auch nach einer Bestrahlung kann es zu Schwellungen kommen, die durch den behinderten Rückfluss von Gewebsflüssigkeit verursacht werden. Eine ausführliche Übersicht über Vorsichtsmaßnahmen, Symptome und die Behandlung von Lymphödemen hat der Krebsinformationsdienst unter "Lymphödem bei Krebspatienten" zusammengestellt.

Ungewohnte Beschwerden: Worauf können Schmerzen hindeuten?

Schmerzen gehören nicht zwangsläufig zu einer Krebserkrankung hinzu: Viele Männer mit Prostatakrebs haben nie Beschwerden. Neu auftretende Schmerzen sind zunächst ein Warnsignal und sollten daher Anlass für einen Arztbesuch sein: Wichtig ist dann die Abklärung der Ursache. Eine Möglichkeit sind Knochenmetastasen, falls die Erkrankung sich durch die bisherige Therapie nicht wirksam stoppen ließ.
Treten Schmerzen auf, so sollten sie unbedingt behandelt werden – sie müssen nicht hingenommen werden. Ausführliche Informationen zum Thema Schmerz und Schmerzlinderung finden Betroffene unter "Schmerztherapie bei Krebspatienten".

Gute Ansprechpartner finden: Wer hilft bei psychologischen Problemen?

Die Diagnose Krebs erleben viele Betroffene als massiven Einschnitt: Bisher Gewohntes und viele zukünftigen Ziele scheinen in Frage gestellt. Nach der Behandlung kann die Angst vor einem Rückfall oder dem Fortschreiten der Erkrankung sehr belastend sein – an manchen Tagen weniger, an manchen mehr. Auch die Behandlungsfolgen, besonders die Einschränkungen der Sexualität oder die Inkontinenz, können Auswirkungen auf das Selbstverständnis und das Selbstwertgefühl haben.

Die Bewältigung solcher Krankheitsfolgen braucht Zeit. Wie man mit den psychischen Belastungen einer Krebserkrankung umgehen kann, was sich gegen Ängste tun lässt und was die Lebensqualität verbessert, hat der Krebsinformationsdienst unter "Krankheitsverarbeitung" zusammengefasst.
Die verlinkten Texte richten sich ausdrücklich auch an Angehörige und gute Freunde, die von einer Krebserkrankung fast immer mit betroffen sind.

Selbst aktiv werden: Was weiß man über alternative oder komplementäre Behandlungsmethoden?

In Umfragen unter Patienten erzielen pflanzliche Medikamente, Naturheilverfahren oder andere als wenig belastend verstandene Verfahren immer wieder einen hohen Beliebtheitsgrad. Doch was heißt "alternativ", was bedeutet "komplementär"? Selbst Fachleute tun sich schwer mit einer pauschalen Einschätzung der "alternativen" Krebsbehandlung: Ihnen fehlt von vornherein eine einheitliche Definition, was denn nun genau unter dem Begriff zu verstehen sei.
In der aktuellen Leitlinie der deutschen medizinischen Fachgesellschaften zur Behandlung und Nachsorge von Prostatakrebs haben alternative Verfahren wie etwa die Misteltherapie, Enyzme, Krebsdiäten, Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel keinen Stellenwert. Daran ist keineswegs die pauschale Ablehnung dieser Verfahren oder gar die Kosteneinsparung im Gesundheitswesen verantwortlich: Für die meisten Verfahren fehlt ein Wirksamkeitsnachweis. Selbst vermeintlich etablierte Methoden wie etwa die Misteltherapie gelten aufgrund moderner Forschung heute als umstritten.

Für Patienten mit Prostatakarzinom, die sich für alternative Verfahren interessieren, bietet der Krebsinformationsdienst sowohl Hintergrundinformationen wie auch Kriterien, die eine persönliche Entscheidung leichter machen können: unter "Alternative und komplementäre Methoden".
Individuelle Fragen zu komplementärer Medizin allgemein und zu den einzelnen Verfahren im Besonderen beantwortet der Krebsinformationsdienst am Telefon unter 0800 - 420 30 40 oder per E-Mail, beim Klick auf den Link öffnet sich ein gesichertes Kontaktformular.

Fit bleiben im Alltag: Welche Rolle spielen Ernährung und Bewegung für Betroffene?

Der individuelle Lebensstil trägt viel zum gesundheitlichen Allgemeinzustand bei. Das wirkt sich auch nach einer Krebserkrankung aus: Wer körperlich fit ist, kein deutliches Übergewicht hat und nicht raucht, erholt sich nach einer Operation oder einer Bestrahlung schneller und verkraftet auch andere belastende Therapien besser.

Weit weniger klar ist, was Patienten mit Prostatakarzinom ganz konkret hilft, ihr Rückfallrisiko zu senken: Die Rolle ernährungsbedingter Risikofaktoren ist bei der Entstehung dieser Tumorart noch nicht ausreichend belegt. Noch weniger belastbares Wissen existiert darüber, wie man eine bereits bestehende Erkrankung beeinflussen kann.
In Studien wird unter anderem der Zusammenhang zwischen Rückfallrisiko und Übergewicht untersucht. Womöglich wirkt sich der Energiehaushalt aus, also das Zusammenspiel von Ernährung und Bewegung – auch dazu gibt es sehr viel Forschung. Studienergebnisse zu Prostatakrebs zeigen, dass sich bei Patienten mit Prostatakrebs die Prognose verbessern könnte, wenn sie sich regelmäßig bewegen. Einig sind sich Fachleute, dass ein hoher Körperfettanteil wahrscheinlich das Risiko erhöht, an fortgeschrittenem Prostatakrebs zu erkranken. Ob man aber durch Abnehmen die eigenen Heilungsaussichten verbessern kann, steht noch nicht fest.

Nahrungsergänzungsmittel, Krebsdiäten

Die meisten Krebspatienten stoßen früher oder später auf Tipps, oft gut gemeint, mit denen sie angeblich ihre Erkrankung selbst aktiv beeinflussen können. Auch in Internetforen werden vermeintliche Expertenempfehlungen zitiert: zum Beispiel zu Vitaminen in hohen Dosen, Nahrungsergänzungsmitteln, "Superfoods" oder Krebsdiäten. Doch was ist wirklich dran? Dass zum Beispiel Diäten mit viel Kurkuma, Produkte mit Granatapfel oder hoch dosierte Vitamine und Mineralstoffe helfen, ist wissenschaftlich nicht belegt – auch wenn die Werbung etwas ganz anderes behauptet. Die meisten sehr populären Produkte sind nicht einmal echte Arzneimittel, sondern sogenannte Nahrungsergänzungsmittel. Sie haben rechtlich kaum einen anderen Stellenwert als normale Lebensmittel, und sind ausdrücklich nicht zur Therapie zugelassen.
Für einige Stoffgruppen lassen sich sogar Risiken durch die Einnahme nicht ausschließen: Vor allem die viel gepriesenen Vitamintabletten können unter Umständen die Sterblichkeit bei Gesunden steigern, mehr dazu unter "Vitamine und Spurenelemente". Auch von mehr oder weniger rigorosen Krebsdiäten halten Fachleute nichts: Die meisten wurden nie in Studien überprüft, einige zeigten sich als gefährlich.

Zum Weiterlesen: Linktipps und Quellen (Auswahl)