© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Prostatakrebs: Leben mit der Erkrankung und ihren Folgen

Nach einer Krebsdiagnose benötigen die meisten Patienten Zeit - um mit dem Schock der Erkrankung leben zu lernen, um sich von der Behandlung zu erholen, und um wieder in den gewohnten Alltag zurückzukehren. Dies fällt Männern mit einem Prostatakarzinom besonders dann schwer, wenn die Erkrankung oder ihre Behandlung zu anhaltenden Symptomen oder Nebenwirkungen führen.
Der folgende Text soll Betroffenen und Interessierten einen Überblick über die wichtigsten Fakten bieten. Das persönliche Gespräch mit den behandelnden Ärzten können Informationen aus dem Internet jedoch nicht ersetzen: Was sich gegen Folgen wie Inkontinenz, Impotenz oder die Nebenwirkungen des Hormonentzugs tun lässt, hängt zu sehr von der individuellen Situation ab.
Die verwendeten Quellen sind nach Möglichkeit direkt im Text verlinkt.

Erstellt: 30.07.2008
Zuletzt überprüft: 30.07.2008

Leben mit Krebs: Das Wichtigste in Kürze

Die meisten Patienten mit Prostatakarzinom sind fünf Jahre nach der Diagnosestellung noch am Leben: Berechnet man das durchschnittlich fortgeschrittene Alter der Betroffenen mit ein, so liegt die sogenannte relative Überlebensrate bei über 90 Prozent, so die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (www.gekid.de) und das Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut in der Broschüre "Krebs in Deutschland 2011/2012".
Doch wie gestaltet sich der Alltag nach der Diagnose Krebs, auch wenn die Aussichten auf Heilung gut sind? Welche Probleme kommen auf Patienten zu, deren Erkrankung zwar nicht geheilt, aber wirksam in Schach gehalten werden kann? Was können betroffene Männer selbst tun?

In den ersten Monaten stehen oft belastende Behandlungsfolgen im Vordergrund, insbesondere Inkontinenz und Impotenz. Die Nebenwirkungen einer hormonellen Therapie erleben Patienten unterschiedlich: Einige kommen mit dem Hormonentzug gut zurecht. Andere leiden unter zwar harmlosen, aber unangenehmen Beschwerden wie etwa Hitzewallungen.

Bis eine Krebserkrankung mit all ihren Folgen auch unter psychosozialen Aspekten verarbeitet ist, dauert es meist einige Zeit, wie lange, ist individuell verschieden. Auch die Angst vor einem Rückfall kann sich auf die Lebensqualität auswirken.

Der Wunsch, selbst aktiv zu werden und möglichst viel für die eigene Gesundheit zu tun, ist nachvollziehbar. Doch ob zum Beispiel eine ausgewogene Ernährung, Nahrungsergänzungen oder Sport und Bewegung das Rückfallrisiko tatsächlich senken können, gilt aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht als belegt.

Harninkontinenz

Die Unfähigkeit, Urin vollständig zurückhalten zu können, tritt bei nicht wenigen Patienten mit Prostatakrebs auf, kurz nach einer Operation oder Bestrahlung. Genaue Zahlenangaben hierüber sind schwierig: Sie hängen vom jeweiligen Behandlungsverfahren und dem individuellen Befund  ab. Hatte ein Mann bereits vor der Krebsdiagnose Probleme mit der Kontinenz, kann sich dies ebenfalls erschwerend auswirken. Eine Übersicht über die laut vorliegender Studien jeweils zu erwartenden Nebenwirkungsraten finden betroffene Männer in den Kapiteln "Operation" und "Bestrahlung".

Solange die Harnröhre nach einer Operation noch nicht verheilt ist oder während einer Bestrahlung die Gefahr des Zuschwellens besteht, brauchen alle Patienten einen Blasenkatheter. Dieser wird aber so früh wie möglich wieder entfernt, um die Gefahr von Infektionen zu mindern.
Bei der Prostatektomie müssen Teile der inneren Blasenschließmuskulatur mit entfernt werden. Dies wird zum wichtigsten Auslöser für Inkontinenz. Nach und nach kann aber bei vielen Patienten der erhaltene äußere Schließmuskel die Verschlussfunktion allein übernehmen. Intensives Training der Beckenmuskulatur ist daher Teil der Rehabilitation, kann aber auch problemlos zu Hause durchgeführt werden.
Nach einer Bestrahlung kommt es  zu Gewebeveränderungen, die die Fähigkeit zum Wasserlassen ebenfalls behindern können. Hier ist unter Umständen nicht nur die Schließmuskulatur, sondern auch das Blasengewebe selbst betroffen, durch anfängliche Entzündungsreaktionen und später durch mehr oder minder ausgeprägte Vernarbungen. Die Blase reagiert dann schon auf relativ geringe Urinmengen mit dem Reiz zum Wasserlassen, eventuell auch mit Krämpfen und unwillkürlichem Urinabgang.

Kurz nach der Therapie

Selbst unmittelbar nach der Therapie sind nur die wenigsten Patienten völlig inkontinent, und auch dann ist die Chance auf Rückgewinnung der Blasenkontrolle gut. Welche Versorgung bei weitgehender Blasenschwäche am günstigsten ist, sollte mit dem Arzt und/oder in einem guten Sanitätsfachgeschäft geklärt werden. In Frage kommen Vorlagen oder eine sichere Harnableitung über ein sogenanntes Kondomurinal in einen unauffälligen Beutel.
Die meisten Männer leiden in zeitlichem Zusammenhang mit Operation oder Bestrahlung eher unter Harnabgang nur beim Husten, Pressen oder beim Heben von Gegenständen und anderer körperlicher Anstrengung (Stressinkontinenz). Sie kommen in der ersten Zeit nach der Therapie normalerweise mit Vorlagen aus, die unwillkürlich abgehenden Urin auffangen. Über geeignete Produkte beraten Apotheken und Sanitätshäuser. Wer weiß, womit er gut zurecht kommt, findet heute auch in Drogeriemärkten und größeren Supermärkten ein umfangreiches Angebot.

Schon die Verfügbarkeit von Hilfsmitteln weist darauf hin, dass Inkontinenz nicht mehr das absolute Tabuthema wie noch vor wenigen Jahren ist. Männer, die Schwierigkeiten mit dem Zurückhalten des Urins haben, sollten sich auf keinen Fall im Stillen mit dem Problem arrangieren und auf Besserung hoffen, sondern frühzeitig über mögliche Lösungen mit dem Arzt sprechen. Auch eine Rehabilitationsmaßnahme bietet eine gute Gelegenheit, sich umfassend über das Thema zu informieren. Mit geeigneten Übungen, zum Beispiel dem so genannten Beckenbodentraining, oder auch einer elektrischen Muskelstimulation lässt sich oft innerhalb einiger Wochen eine deutliche Besserung erzielen. Ist eher eine gereizte Blase der Auslöser und das Problem dauernder Harndrang (Dranginkontinenz), helfen auch Medikamente. Betroffene Patienten sollten ihren Arzt nach weiteren Informationen fragen.

Was tun bei anhaltenden Beschwerden?

Bleibt die Inkontinenz trotz unterstützender Maßnahmen langfristig bestehen, gestaltet sich die Suche nach Abhilfe nicht einfach. Zwar gibt es diverse Ansätze der chirurgischen Rekonstruktion des Blasenschließmuskels oder anderer operativer Möglichkeiten, den Harnfluss wieder kontrollieren zu können. Solche Operationen sind jedoch selbst an großen Kliniken keine Routine, und sie sind nicht bei jedem Patienten durchführbar. In klinischen Studien werden weitere neue Verfahren getestet, eine dauerhafte schwere Inkontinenz zu beheben.
Der behandelnde Urologe kann zu einer Abklärung an ein entsprechendes Zentrum überweisen. Dort werden die Ursachen der Inkontinenz noch einmal genau geprüft. Die Ärzte können darauf aufbauend ein möglichst individuelles Behandlungskonzept entwickeln.

Die Deutsche Kontinenzgesellschaft bietet unter www.kontinenz-gesellschaft.de weitere Auskünfte, ebenso die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. unter www.inkontinenz-selbsthilfe.com

Impotenz, nachlassendes Interesse an Sexualität

Beeinträchtigungen des Sexuallebens sind bei und nach Tumorerkrankungen keine Seltenheit. Sie treten nicht nur bei Prostatakrebspatienten auf und sie haben nicht immer nur organische Gründe. Die psychischen Aspekte der Erkrankung wirken sich belastend aus, nicht nur auf den Patienten, sondern auch auf die Partnerschaft.
Männer mit einem Prostatakarzinom sind jedoch in besonderem Maß betroffen: Bei ihnen kann die Therapie die körperliche Fähigkeit zur Erektion bzw. zum Geschlechtsverkehr massiv beeinträchtigen; Impotenz ist auch bei schonendster Operation und mit den neuesten Bestrahlungstechniken nie ganz auszuschließen.
Selbst wenn Erektion und Geschlechtsverkehr möglich bleiben, verändert sich der Orgasmus: Nach der Operation und meist auch nach einer Bestrahlung der Prostata bildet sich keine Samenflüssigkeit mehr.
Als Folge einer hormonellen Behandlung empfinden viele Patienten ein deutlich nachlassendes Interesse an Sexualität. Besteht eine Inkontinenz, belastet dies betroffene Männer meist zusätzlich in der Partnerschaft. Viele Betroffene sind zudem in einer Lebensphase, in der die Sexualität aufgrund von altersbedingten Veränderungen und Vorerkrankungen von vornherein schneller zu beeinträchtigen ist als bei jungen Männern.

Die Möglichkeiten, Probleme anzugehen, sind vielfältig, wenn auch nie für alle Patienten umsetzbar. Einige Verfahren zur Behandlung von Potenzstörungen werden von den Krankenversicherungen bezahlt. Bei anderen ziehen die gesetzlichen wie zunehmend auch die privaten Kassen eine Trennlinie: zwischen dem medizinisch Notwendigen und den so genannten Lifestyle-Arzneimitteln oder -Hilfsmitteln. Deren Kosten werden nicht übernommen.
Betroffene Männer brauchen eine Beratung, die auf ihre individuelle Situation und die jeweilige Ursache der Impotenz eingeht. Erster Ansprechpartner ist der Urologe, der gegebenenfalls auch auf weitere Stellen verweist. Die folgenden Informationen können daher nur ein kurzer Einstieg als Vorbereitung auf ein solches Gespräch sein.

Nach Operation

Viele Patienten verlieren nach der radikalen chirurgischen Entfernung der Prostata die Erektionsfähigkeit. Nerven und Blutgefäße, die für die Gliedsteife verantwortlich sind, wurden durchtrennt, um Tumorgewebe möglichst umfassend entfernen zu können. Auch die neueren so genannten nervenschonenden Operationstechniken führen nicht bei jedem Patienten zum Erhalt der Potenz.
Sind Nerven und Blutgefäße zumindest teilweise erhalten, kann es nach der Operation Wochen bis Monate dauern, bis eine spontane Erektion wieder zustande kommt und auch erhalten werden kann. Ein Orgasmus ist eventuell trotzdem möglich. Bei einigen Patienten lohnt sich der Versuch einer medikamentöse Unterstützung, etwa mit den Substanzen Sildenafil ("Viagra ®"), Vardenafil ("Levitra ®") und vergleichbaren Präparaten. Die Krankenkassen übernehmen derzeit die Kosten dafür in der Regel nicht. Vor allem ältere Patienten sollten ihren Arzt wegen möglicher Risiken dieser Arzneimittel für Herz und Kreislauf ansprechen.
Der Versuch, den Verlust der Potenz durch die möglichst frühzeitige Routinegabe solcher Medikamente zu verhindern, ist noch kein Standard. Zu den Erfolgschancen liegen bisher nur erste Daten und nur wenige Zahlen vor. Noch lässt sich nicht beziffern, wer von dieser Therapie profitiert und wem sie möglicherweise nichts nützt oder sogar Nachteile bringt. 
Bei vollständiger Durchtrennung der Nervenbündel sind diese Substanzen mit großer Wahrscheinlichkeit unwirksam. Auch Mittel, die in die Schwellkörper des Penis injiziert werden, helfen dann oft nicht. Um dann unter Umständen doch Geschlechtsverkehr zu ermöglichen, gibt es mechanische Erektionshilfen, etwa Vakuumpumpen oder Implantate. Über Details informiert der Urologe.

Nach Bestrahlung

Auch eine Strahlenbehandlung kann zu einer Erektionsschwäche führen (mehr zu den in Studien dokumentierten Raten hier). Die Wirkung zeigt sich oft erst mit einiger Verzögerung, so wie auch der therapeutische Effekt auf das Tumorgewebe und den PSA-Wert erst innerhalb von Monaten bis Jahren vollständig abschätzbar ist.
Betroffene Männer können mit dem Arzt die Anwendung von Medikamenten zur Behandlung von Erektionsstörungen diskutieren (Sildenafil, Vardenafil, weitere Medikamente, siehe auch "Operation"). Lässt sich dadurch keine Erektion erzielen oder kommen die Mittel wegen ihrer Nebenwirkungen nicht infrage, berät der Urologe über weitere Möglichkeiten, etwa mechanische Erektionshilfen.

Bei Hormontherapie

Die Hormontherapie mindert meistens die sexuelle Lust. Viele Männer haben dann Erektionsprobleme, das heißt, Erektionen sind seltener, kommen langsamer zustande und/oder sind weniger stabil (erektile Dysfunktion). Es kann schwierig sein, zum Orgasmus zu gelangen.
Ob eine Umstellung der hormonell wirksamen Mittel auf Substanzen mit weniger Nebenwirkungen möglich ist, muss vor allem unter medizinischen Gesichtspunkten mit dem Arzt besprochen werden; meist bietet sich diese Lösung nicht an. Große Hoffnungen setzen Patienten deshalb auf die so genannte intermittierende Hormontherapie, bei der zeitweilig auf Medikamente verzichtet wird. In den Pausen ohne Therapie bilden sich die Nebenwirkungen zurück. Die Methode ist inzwischen relativ verbreitet, als Alternative zur kontinuierlichen Hormontherapie. Langzeitergebnisse stehen aber noch aus, so dass sie auf keinen Fall bereits als Therapiestandard anzusehen ist.

Hitzewallungen, weitere Symptome des Hormonentzugs

Was sonst fast nur Frauen in den Wechseljahren kennen, belastet auch viele Männer unter einer antihormonellen Therapie: Plötzliches Hitzegefühl, Schweißausbrüche, aber auch Stimmungsschwankungen sind Folgen des Hormonentzugs. Bis zu einem gewissen Grad setzt einige Zeit nach Beginn der Medikamenteneinnahme eine Gewöhnung ein, die Nebenwirkungen werden schwächer. Ansonsten hilft oft schon eine veränderte Lebensweise weiter: angepasste Kleidung, viel Bewegung und eine ausgewogene Ernährung, die bestimmte Auslöser von Hitzewallungen zeitweilig vermeidet. Dazu gehören bei vielen Männern Kaffee oder Alkohol, besonders heiße Speisen oder scharfe Gewürze.
Bei einigen Patienten sind die Reaktionen auf die hormonelle Umstellung sehr stark ausgeprägt. Ob dann Medikamente sinnvoll sind, die die Häufigkeit der Hitzewallungen beeinflussen oder die Schweißbildung reduzieren, und eventuell eine kurzfristige Medikation zur Stimmungsaufhellung, sollte mit dem Arzt besprochen werden. Eventuell hilft auch eine Umstellung auf andere Formen der hormonellen Therapie - Nachteile andere Medikamente müssen dann aber gegen die Linderung der Beschwerden abgewogen werden.

Strahlenfolgen: Veränderungen an Harnröhre, Blase oder Enddarm

Akute entzündliche Reaktionen der Enddarm- und Blasenschleimhaut auf die Bestrahlung sind relativ häufig. Bei den meisten Patienten sind sie aber zum einen nur schwach ausgeprägt, zum anderen heilen sie auch innerhalb weniger Monate nach Ende einer Strahlentherapie folgenlos ab. Die Symptome, die bei etwa jedem dritten Patienten auftreten, ähneln denen einer Blasenentzündung (Zystitis, hier: Strahlenzystitis). Selten ist auch etwas Blut im Urin. Die Behandlung sieht krampf- und schmerzlindernde Mittel vor, außerdem hilft viel Trinken. Kommt tatsächlich noch eine Infektion der Blase durch Keime hinzu, erhalten betroffene Männer Antibiotika. Schwillt die bestrahlte Prostata stark an, kann es vorübergehend notwendig werden, zum Wasserlassen Katheter zu verwenden oder einen Dauerkatheter zu legen.
Bei 20 bis 30 von hundert Patienten reagiert auch der Enddarm mit Entzündungsreaktionen; dann kann der Stuhlgang vorübergehend schmerzhaft sein, auch leichte Blutungen oder Durchfälle sind möglich. Kortisonzäpfchen und bei Bedarf Mittel gegen eine gesteigerte Darmaktivität lindern die Beschwerden.
Mit chronischen, anhaltenden Beschwerden müssen heute aufgrund einer verbesserten Bestrahlungsplanung nur noch vergleichsweise wenige Patienten rechnen. Wie hoch der Prozentsatz ist, hängt allerdings von individuellen Faktoren wie etwa der Tumorgröße oder der notwendigen Strahlendosis ab, vor allem aber vom jeweils angewendeten Verfahren (eine Übersicht im Kapitel "Bestrahlung").
Aus Studien ist bekannt, dass nach konventioneller perkutaner Bestrahlung etwa vier bis acht von 100 Männern noch längere Zeit zu Durchfall und/oder Missempfindungen im Enddarm neigen oder unter Entzündungen und Veränderungen der Blase oder der Harnröhre leiden. Bei der intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT) scheint die Rate an Langzeitkomplikationen niedriger zu sein, für die Brachytherapie sind die Angaben uneinheitlich.

Mit Hausmitteln und der Selbstbehandlung sollten Betroffene zurückhaltend sein. Meist hilft nur die individuelle Abklärung und Betreuung beim Arzt weiter. Ansprechpartner für die Behandlung von Strahlenschäden kann dabei der behandelnde Urologe sein wie auch ein Facharzt für Radiologie.

Ob Patienten nach einer Strahlentherapie mit einem gesteigerten Langzeitrisiko für Krebserkrankungen der Blase oder des Enddarms rechnen müssen, lässt sich derzeit noch nicht sicher beurteilen. Es gibt Studien, dass dies zumindest für die Brachytherapie nicht ausgeschlossen werden kann.

Lymphödem

Patienten, bei denen viele Lymphknoten im Becken entfernt wurden oder bei denen Tumorzellen die Lymphabflussgebiete verlegen, tragen ein gewisses Risiko für ein Lymphödem. Auch nach einer Bestrahlung können Schwellungen auftreten, die durch den behinderten Rückfluss von Gewebsflüssigkeit verursacht werden. Eine ausführliche Übersicht über Vorsichtsmaßnahmen, Symptome und Therapie hat der Krebsinformationsdienst im Kapitel "Belastende Symptome" zusammengestellt.

Schmerzen

Begleiterscheinung einer fortgeschrittenen Erkrankung an Prostatakrebs können Schmerzen sein. So sind neu auftretende oder ungewohnte Knochenschmerzen beispielsweise ein Hinweis auf Knochenmetastasen, sie sollten Anlass für einen Arztbesuch sein.
Schmerzen gehören aber nicht zwangsläufig zu einer Krebserkrankung hinzu: Viele Männer mit Prostatakrebs haben nie Beschwerden. Treten Schmerzen auf, so sollten sie unbedingt behandelt werden - sie müssen nicht hingenommen werden. Ausführliche Informationen zum Thema Schmerz und Schmerzlinderung finden Betroffene im Kapitel "Belastende Symptome".

Psychologische Aspekte: Zum Alltag zurückkehren

Nach der Diagnose einer Krebserkrankung setzen sich fast alle Betroffenen mit einer Vielzahl von Gefühlen und Gedanken auseinander. Die Erkrankung wird oft als massiver Einschnitt erlebt: alles bisher Gewohnte und viele zukünftigen Ziele scheinen in Frage gestellt. Die Angst vor einem Rückfall oder dem Fortschreiten der Erkrankung belastet, an manchen Tagen weniger, an manchen mehr. Auch die Behandlungsfolgen, besonders die Einschränkungen der Sexualität oder Inkontinenz, können Auswirkungen auf Selbstverständnis und Selbstwertgefühl bei Prostatakrebspatienten haben.

Die Bewältigung solcher Krankheitsfolgen braucht Zeit, eigenen Willen und eine verständnisvolle Umwelt. Wie Betroffene die Auseinandersetzung mit den psychischen Aspekten einer Krebserkrankung meistern können, was man gegen belastende Angst tun und worauf es beim Thema Lebensqualität ankommt, hat der Krebsinformationsdienst im Kapitel "Krankheitsverarbeitung" zusammengestellt. Diese Texte richten sich ausdrücklich auch an Angehörige, die von einer Krebserkrankung in der Familie zwangsläufig immer mitbetroffen sind.

Alternative und komplementäre Behandlung

In Umfragen erzielen pflanzlichen Medikamente, Naturheilverfahren oder andere als wenig belastend verstandene Verfahren immer wieder einen  hohen Beliebtheitsgrad. Doch was heißt "alternativ", was bedeutet "komplementär"? Selbst Fachleute tun sich schwer mit einer pauschalen Einschätzung der "alternativen" Krebsbehandlung: Ihnen fehlt von vornherein eine einheitliche Definition, was denn nun genau unter dem Begriff zu verstehen sei.
In den aktuellen Leitlinien zur Behandlung und Nachsorge von Prostatakrebs haben alternative Verfahren wie etwa die Misteltherapie, Enyzme, Krebsdiäten, Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel keinen Stellenwert. Dafür ist keineswegs die pauschale Ablehnung dieser Verfahren oder gar die Kosteneinsparung im Gesundheitswesen verantwortlich: Für die meisten Verfahren fehlt ein Wirksamkeitsnachweis. Selbst vermeintlich etablierte Methoden wie etwa die Misteltherapie gelten aufgrund moderner Forschung heute als umstritten.
Für Patienten mit Prostatakarzinom, die sich für solche Verfahren interessieren, bieten weitere Texte sowohl Hintergrundinformationen wie auch Kriterien, die eine persönliche Entscheidung leichter machen können, Stichwort "Alternative Therapie".
Individuelle Fragen zu komplementärer Medizin allgemein und einzelnen Verfahren im Besonderen beantwortet der Krebsinformationsdienst am Telefon oder per E-Mail.

Lebensstil, Ernährung, Bewegung

Mit Messer und Gabel gegen Krebs vorgehen und durch täglichen Sport Metastasen verhindern? Zwar trägt der individuelle Lebensstil viel zum gesundheitlichen Allgemeinzustand bei: Wer körperlich fit ist, kein deutliches Übergewicht hat und nicht raucht, erholt sich nach einer Operation schneller und verkraftet auch andere belastende Therapien besser.

Was Patienten mit Prostatakarzinom hilft, tatsächlich auch ihr Rückfallrisiko zu senken, ist dagegen weit weniger klar: Bisher ist zum Beispiel nicht einmal die Rolle ernährungsbedingter Risikofaktoren bei der Entstehung dieser Tumorart schlüssig belegt. Noch weniger gesichertes Wissen existiert zur Frage, wie man eine bereits bestehende Erkrankung beeinflussen kann. In Studien wird unter anderem der Zusammenhang zwischen Rückfallrisiko und Gewicht untersucht, auch zu Fragen der Ernährung und Bewegung gibt es sehr viel Forschung. Erste Studienergebnisse zu Prostatakrebs zeigen, dass sich bei Patienten mit Prostatakrebs, die Prognose verbessern könnte, wenn sie sich regelmäßig bewegen. Allgemein anerkannte, durch wissenschaftliche Studien gesicherte Empfehlungen, Prostatakrebspatienten sollten dies tun oder jenes lassen, existieren bisher jedoch nicht. In Selbsthilfegruppen oder in Internetforen wird dies zurzeit oft ganz anders dargestellt: Dort werden vermeintliche Expertenempfehlungen zitiert, dieses Lebensmittel unbedingt zu meiden und dafür ein anderes möglichst täglich mehrmals zuzubereiten, Vitamine in hohe Dosen zu konsumieren und insgesamt unbedingt auf Nahrungsergänzung oder Krebsdiäten zu setzen.

Nahrungsergänzung, Krebsdiäten

Inwieweit hier die Angst vor der Erkrankung der wesentliche Ratgeber ist, oder die vermeintlich "wissenschaftliche" Aufmachung vieler werbender Angebote den kritischen Blick trübt, lässt sich nur schwer beurteilen.
Dass Diäten mit viel Kurkuma, Produkte mit Granatapfel, "Heilpilzen" usw. oder hoch dosierte Vitamine und Mineralstoffe tatsächlich helfen, ist wissenschaftlich nicht belegt. Die meisten sehr populären Produkte sind nicht einmal echte Arzneimittel, sondern so genannte Nahrungsergänzungsmittel, die rechtlich kaum einen anderen Stellenwert als normale Lebensmittel auch haben.
Für einige Stoffgruppen sind selbst Risiken nicht auszuschließen: Vor allem die viel gepriesenen Vitamintabletten können unter Umständen die Sterblichkeit sogar bei Gesunden steigern, mehr dazu hier. Auch von mehr oder weniger rigorosen Krebsdiäten halten Experten nichts: Die meisten wurden nie in Studien überprüft, einige zeigten sich als gefährlich.