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Fatigue bei Krebspatienten: Was tun bei starker Erschöpfung?

Erscheinungsformen, Ursachen, Behandlung und lindernde Maßnahmen

Müdigkeit während einer anstrengenden Krebstherapie – das erscheint den meisten Menschen als ganz normal. Doch bei nicht wenigen Krebspatienten kommt es zu einer besonders ausgeprägten Form der Erschöpfung. Sie bessert sich selbst durch Ausschlafen oder körperliche Schonung nicht. Diese besondere Form der Müdigkeit bei Krebs trägt den Namen tumorbedingte Fatigue.
Was unterscheidet Fatigue von normalem Schlafmangel? Was kann man selbst tun? Wie helfen Ärzte und andere Fachleute? Antworten auf diese Fragen bietet der folgende Text.

Erstellt: 04.05.2016
Zuletzt überprüft: 04.05.2016

Quellen

Für Interessierte und Fachkreise sind Links zu weiterführender Information und eine Auswahl der genutzten Quellen beigefügt, am Ende des Textes.

Das Wichtigste in Kürze: Akute und chronische Fatigue bei Krebs

Eine Krebserkrankung kostet Kraft: Man muss körperlich und seelisch mit der Diagnose zurechtkommen, und man muss mehr oder weniger anstrengende Therapien verkraften. Müdigkeit und Abgeschlagenheit während dieser Zeit halten die meisten Menschen daher für etwas ganz Normales.

Doch was tun, wenn die Kraftlosigkeit immer stärker wird und sich auch durch Schlaf, durch viel Ruhe und Schonung nicht bessert? Wenn man kaum noch in der Lage ist, selbst einfache, alltägliche Verrichtungen hinter sich zu bringen?

  • Diese besonders schwere Form der Erschöpfung bezeichnen Fachleute als Fatigue, vom französischen Wort für Müdigkeit, ausgesprochen "Fatieg".

Ist eine solche Fatigue ein Anzeichen dafür, dass man die Therapie nicht verträgt? Oder ist sie gar ein erster Hinweis darauf, dass die Erkrankung fortschreitet?

Ganz ausschließen lässt sich beides nicht. Doch die Statistiken zeigen: Eine Fatigue kann auch Patienten betreffen, deren Erkrankung unter Kontrolle ist und die gar keine Krebsbehandlung mehr haben. Sie kann sogar Menschen treffen, die eigentlich als geheilt gelten.

Für Fachleute ist dies ein Hinweis darauf, dass hinter der ungewöhnlichen Erschöpfung mehrere verschiedene Ursachen stehen können. Ein weiteres Indiz dafür, dass Fatigue nicht gleich Fatigue ist: Manche Betroffenen fühlen sich vor allem körperlich schwach und möchten möglichst viel ruhen. Andere Betroffene beschreiben ihre Erschöpfung eher als psychisches Problem. Sie sind antriebslos, können sich zu nichts aufraffen, und selbst einfache Anforderungen erscheinen ihnen wie unüberwindliche Hindernisse. Weitere Symptome können ungewöhnliche Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit sein.

Unterschiede gibt es außerdem bei der Dauer: 

  • Bei und kurz nach der Krebstherapie: Bei vielen Betroffenen treten die Probleme während und kurz nach einer Krebsbehandlung auf, als akute Fatigue. Ist die Therapie abgeschlossen, bessern sich die Symptome innerhalb einiger Wochen oder weniger Monate. 
  • Noch lange nach der Therapie: Es gibt jedoch auch Patienten, die noch Monate oder sogar Jahre später mit Erschöpfung zu kämpfen haben, einer chronischen Fatigue.

Diese Unterschiede machen auch klar: Ein Pauschalrezept für alle Krebspatienten mit Fatigue gibt es nicht. Um herauszufinden, was hilft und was nicht, brauchen Betroffene und ihre Ärzte Geduld. Zur Suche gehören nicht nur medizinische Untersuchungen, sondern auch die Erfassung, was genau die momentane Situation von bisher gewohnter "normaler" Erschöpfung oder Müdigkeit unterscheidet.

Viele verschiedene Auslöser, viele verschiedene Behandlungsansätze

Fatigue - Erschöpfung bei Krebs belastet © Stockbyte - Thinkstock Images
Fatigue bei und nach einer Krebserkrankung kann sehr belasten - vor allem, wenn die Ursache unklar bleibt. © Stockbyte - Thinkstock Images

Was sich gegen Fatigue tun lässt, hängt deshalb ganz von der persönlichen Situation ab:

Körperliche Beschwerden lindern: Ganz wichtig ist die Behandlung möglicher körperlicher Auslöser, etwa Schmerzen und andere Beschwerden.

Begleiterkrankungen behandeln: Auch auf Begleiterkrankungen achten die Ärzte: etwa eine bisher nicht erkannte Schilddrüsenerkrankung, Herz- oder Lungenprobleme und weitere Krankheiten, die die körperliche Belastbarkeit einschränken könnten.

Schlaf überprüfen: Die Schlafqualität ist ebenfalls ein wichtiges Thema bei der Abklärung: Wer nicht gut schläft, bleibt tagsüber müde.

Psychosoziale Unterstützung: Wenn die seelische und psychische Belastung die Lebensqualität und den Antrieb mindern, kann eine psychosoziale Beratung und eventuell eine psychotherapeutische Begleitung helfen. Vielen Betroffenen helfen Entspannungstechniken dabei, besser zur Ruhe zu kommen und sich so auch schneller zu erholen.

Training: Was auf den ersten Blick widersinnig klingt: Bewegung hilft gegen Erschöpfung. Studien haben gezeigt, dass ein angepasstes, auf die persönliche Situation abgestimmtes Training die Symptome einer Fatigue lindert.

Woran man eine Fatigue erkennt: Körperliche, geistige und emotionale Erschöpfung

Die Erscheinungsformen einer tumorbedingten Erschöpfung sind sehr vielfältig. Es gibt nur vergleichsweise wenige Symptome, von denen fast alle Betroffenen während und nach einer Krebserkrankung berichten. Dazu gehören Müdigkeit und körperliche Schwäche. Bei anderen ist es eine allgemeine Antriebslosigkeit, unter Umständen kommen Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit hinzu.
Die Erschöpfung kann sich ohne Vorwarnung zeigen – von jetzt auf nachher muss man unterbrechen, was man gerade tut -, oder sie kann schleichend einsetzen. Sie zeigt sich auch dann, wenn man sich körperlich und geistig überhaupt nicht angestrengt hat. Man wünscht sich Ruhe, doch auch ausreichend Schlaf und Ruhepausen helfen nicht gegen die Müdigkeit.
Selbst alltägliche Verrichtungen wie Aufstehen, Waschen und Anziehen können dann schon zu viel sein.
Umso schwerer fällt es Betroffenen, ihre Therapie oder Rehabilitationsmaßnahmen durchzustehen oder gar nach der Erkrankung wieder zurück in Alltag und Beruf zu gehen.

Trotz dieser Kennzeichen gilt: Müdigkeit und Erschöpfung sind etwas sehr Subjektives. Daher fällt es vielen Betroffenen gar nicht so leicht zu erklären, was eigentlich so anders ist als vor ihrer Erkrankung. Man sollte sich aber nicht scheuen, Veränderungen bei der körperlichen oder geistigen Belastbarkeit bei den behandelnden Ärzten anzusprechen. Sie können dann gezielt klären, welche Ursachen infrage kommen können.

Assessment: Wie Fachleute Fatigue erfassen

Zunächst versuchen Ärzte und je nach Situation auch weitere Fachleute in einem Gespräch herauszufinden, wie sehr man durch die Müdigkeit und Abgeschlagenheit belastet ist. Dann setzt die Suche nach möglichen Ursachen ein.
Folgende Fragen sind zur Vorbereitung eines solchen Gesprächs wichtig:

  • Seit wann fühle ich mich ungewöhnlich erschöpft?
  • Wie stark ist meine Müdigkeit?
  • Was ist anders als vor meiner Krebserkrankung?
  • Bin ich dauernd müde? Oder gibt es Tageszeiten oder Situationen, in denen ich besonders erschöpft bin?
  • Wie macht sich die Müdigkeit körperlich bemerkbar?
  • Hat die Erschöpfung Einfluss auf meine Stimmung? Bin ich traurig oder leicht reizbar?
  • Habe ich das Gefühl, dass ich mich schlecht konzentrieren kann und mir Dinge nicht merke?
  • Wie wirkt sich meine Erschöpfung auf meinen Alltag aus? Gibt es Dinge, die ich aktuell nicht schaffe?
  • Wann und wie lange schlafe ich? Lege ich tagsüber Ruhepausen ein, und was mache ich in dieser Zeit, falls ich nicht schlafe?

Fachleute können außerdem standardisierte Erfassungsinstrumente nutzen. Dazu gehören Fragebögen oder Skalen, mit denen man genauer beschreibt, wie müde man sich fühlt. Auch eine Art Tagebuch kann helfen, besondere Auslöser zu identifizieren.

Wichtig ist auch der körperliche Zustand. Ob eine Blutabnahme, Röntgen, Ultraschall oder andere diagnostische Verfahren notwendig sind, hängt aber von der individuellen Situation ab: Bei den meisten Krebspatienten, die gerade eine Therapie durchlaufen oder in der Nachsorge in engmaschiger Betreuung sind, reichen die letzten Befunde zur Beurteilung aus. Das heißt, es müssen keine neuen Untersuchungen gemacht werden.

Liegt die Krebserkrankung schon längere Zeit zurück, wird der behandelnde Arzt prüfen, ob es auffällige gesundheitliche Veränderungen gibt, und dann entsprechende Untersuchungen veranlassen.

Abgrenzung von anderen Erkrankungen

Ein Problem bei der Abklärung: Viele der aufgeführten Symptome einer Fatigue können auch bei Depressionen auftreten. Gerade bei Krebspatienten, bei denen es kaum nachvollziehbare körperliche Gründe gibt, fällt es selbst Fachleuten nicht immer leicht, Fatigue von einer Depression zu unterscheiden.

Man sollte deshalb Verständnis dafür haben, wenn Ärzte dieses Thema bei der Suche nach Ursachen ansprechen - auch wenn man sich selbst nicht als deprimiert oder traurig wahrnimmt. Gegebenenfalls kann es auch sinnvoll sein, einen Psychotherapeuten oder Psychologen zur Abklärung der möglichen Ursachen hinzuzuziehen.

Ursachen einer Fatigue: Individuelle Suche nach Auslösern

Akute Fatigue

Bei vielen Betroffenen lässt sich eine Fatigue auf die Nebenwirkungen der Krebstherapie zurückführen: Eine Operation, eine Bestrahlung, eine Chemotherapie oder Immuntherapie und andere medikamentöse Therapien kosten den Körper Kraft. Von diesen Belastungen muss man sich zunächst erholen.
Nebenwirkungen der Behandlung, aber auch  Schmerzen, Appetitlosigkeit oder Übelkeit, Fieber oder Infektionen und weitere Belastungen stören diese körperliche Erholung und können ihrerseits zu Fatigue beitragen.
Ein wichtiges Beispiel: Haben eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung die Neubildung von Blutzellen im Knochenmark beeinträchtigt? Dann kann die Zahl der roten Blutkörperchen absinken, der Erythrozyten: Folge sind eine schlechtere Sauerstoffversorgung und damit eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit.

Die Krebstherapie kann Patienten noch auf einem weiteren Weg belasten: Untersuchungs- und Behandlungstermine müssen eingehalten werden, und für fast alle Betroffenen verändert sich insgesamt der Tagesrhythmus. Man isst, schläft und bewegt sich nicht mehr wie gewohnt. Schlafmangel, aber auch Muskelabbau durch längere Bettruhe und geringe Aktivität führen zu geringerer Belastbarkeit.

Insgesamt fordern die psychischen Belastungen der Erkrankung bei vielen Betroffenen ihren Preis: Sorgen und Ängste können zu Schlafproblemen führen. Sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie es weitergeht, kostet Kraft, auch im geistigen und emotionalen Sinn.

  • Die gute Nachrichtig für Betroffene: Bei den meisten Patienten mit Symptomen einer akuten Fatigue bessert sich die Situation innerhalb von etwa drei Monaten nach dem Ende der Krebsbehandlung.

Auslöser einer akuten Fatigue kann allerdings auch der Tumor selbst sein. Plötzliche und ungewohnte starke Erschöpfung gilt deshalb ebenso wie auffällige Schmerzen oder andere Symptome als Warnzeichen, dass etwas im Körper nicht stimmt.
Eine Fatigue kann beispielsweise entstehen, wenn Stoffwechselprodukte des Tumors normale Abläufe im Körper stören. Ganz allgemein kostet das Wachstum der Krebszellen Energie, die Muskeln und Organen dann fehlt. Ein Hinweis darauf ist beispielsweise eine Gewichtsabnahme, obwohl man normal gegessen hat.
Hier schafft am schnellsten die Behandlung der Krebserkrankung Abhilfe.

Chronische Fatigue

Viel schwieriger ist die Suche nach den Ursachen einer chronischen Fatigue. Konkrete medizinische Auslöser für eine extreme Erschöpfung noch Monate und Jahre nach abgeschlossener Krebsbehandlung lassen sich nur bei vergleichsweise wenigen Betroffenen finden. Anhand des bisherigen Forschungsstandes gehen Fachleute aber auch hier davon aus: Mehrere verschiedene Auslöser kommen infrage und wirken bei vielen Patienten auch zusammen.

Als mögliche Ursachen gelten bisher unterschätzte Langzeitfolgen der Krebstherapie. Infrage kommen auch Begleiterkrankungen, die nicht zwangsläufig etwas mit der Tumorerkrankung zu tun haben müssen.

  • Was Betroffene oft nicht wissen: Bewegungsmangel und zu viel Schonung können eine chronische Fatigue verstärken, anstatt sie zu bessern – man läuft Gefahr, in einen regelrechten Teufelskreis zu geraten.

Eine wichtige Rolle scheinen seelische und soziale Belastungen zu spielen. Zur Frage, welche Rolle Depressionen als Auslöser einer Fatigue und umgekehrt Fatigue als Auslöser einer Depression spielen, ist noch Forschung notwendig. Klar ist allerdings: Einen Zusammenhang gibt es.

Behandlung und Linderung: Auf die individuelle Situation anpassen

Die Symptome der tumorbedingten Fatigue sind sehr vielfältig, und die Ursachen sind teilweise noch nicht erforscht. Was einem Patienten mit akuter Fatigue hilft, muss nicht unbedingt sinnvoll für einen Patienten mit chronischer Fatigue sein. Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung und Fatigue benötigen andere Unterstützung als Patienten, die rein körperlich im Großen und Ganzen wieder gesund sind.

  • Die Behandlung wird sich immer an der individuellen Situation orientieren.

Bei der Suche nach den Auslösern werden die Ärzte zunächst die Auswirkungen der Krebstherapie prüfen: Wichtig ist dies vor allem für Patienten mit einer akuten Fatigue. Denn bei ihnen bessern sich die Symptome oft mit dem Ende der Krebstherapie – auch wenn keine weiteren Maßnahmen erfolgen und man nicht gezielt gegen die Fatigue behandelt.

Wichtig ist aber die Frage, ob es andere Auslöser gibt, gegen die man etwas tun kann: Halten starke Schmerzen oder Übelkeit und Erbrechen vom Schlafen ab? Liegt ein Infekt vor, der dem Körper die Kraft nimmt?
Gegen diese Probleme gibt es wirksame Abhilfe, mehr dazu unter "Belastende Symptome und was man dagegen tun kann".

Blutarmut: Therapie nicht unbedingt erforderlich

Eine weitere mögliche Nebenwirkung einiger Krebstherapien stand lange im Vordergrund, wenn es um das Thema Fatigue ging: Blutarmut, fachsprachlich Anämie.

Sie kann entstehen, wenn eine Chemotherapie oder eine umfängliche Bestrahlung das Knochenmark schädigen, und die Produktion von Blutzellen ins Stocken kommt. Auch die Tumorerkrankung selbst kann eine solche Anämie auslösen.
Sind zu wenige Erythrozyten vorhanden, also zu wenige rote Blutkörperchen? Eine Auswirkung dieser Anämie kann Sauerstoffmangel im Köper sein. Damit ist auch die körperliche Belastbarkeit zeitweilig eingeschränkt.

  • Heute weiß man, dass sich die meisten Patienten auch ohne Therapie erholen, sowie die Krebsbehandlung abgeschlossen ist. Die normale Blutbildung erholt sich.

Eine Ausnahme sind Betroffene mit fortschreitender Erkrankung: Lässt sich bei ihnen eine Anämie nicht anders lindern, können sie Bluttransfusionen oder sogenannte Wachstumsfaktoren erhalten. Diese Arzneimittel stimulieren die Neubildung von Erythrozyten, sie werden als "Erythropoese-stimulierende" Wirkstoffe bezeichnet.
Die Therapie kann jedoch erhebliche Nebenwirkungen haben, vor allem die Bildung gefährlicher Blutgerinnsel. Deshalb werden die Wachstumsfaktoren heute nur noch dann eingesetzt, wenn es keine andere Abhilfe gegen die Anämie gibt, und nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen.

Auf Begleiterkrankungen achten

Eine schwere Erschöpfung kann auch durch Herz- oder Lungenerkrankungen ausgelöst werden, oder eine Schilddrüsenunterfunktion. Auch auf solche mögliche Ursachen werden die Ärzte bei der Abklärung achten.

Angepasstes Bewegungstraining

Anstrengen statt schonen: Dieses Konzept scheint bei schwerer Erschöpfung zunächst eher merkwürdig.
Bewegung hat sich jedoch als wirksames Mittel gegen Fatigue erwiesen. Studien belegen: Wer aktiv ist, fühlt sich leistungsfähiger und ist weniger erschöpft. Krebspatienten sollten deshalb mit ihren behandelnden Ärzten klären, ob körperliche Aktivität möglich ist.

Wichtig ist die Frage, wie viel körperliche Aktivität angemessen und welche Form von Bewegung sinnvoll ist. Grundsätzlich gilt: Jedes Bewegungsprogramm sollte man auf die eigenen Bedürfnisse und Möglichkeiten anpassen. Damit man nicht gleich zu Anfang die Lust verliert oder sich versehentlich überfordert, raten Fachleute: Lieber sanft beginnen und sich langsam steigern. Am besten startet man mit Übungen unter fachkundiger Anleitung, etwa in einer Krebssportgruppe.

Weiterführende Informationen sowie wichtige Adressen hat der Krebsinformationsdienst im Text "Sport und Bewegung: Unterstützung für Krebspatienten" und im Informationsblatt "Bewegung und Sport bei Krebs" (PDF) zusammengefasst.

Kräfte einteilen im Alltag

Vielen Betroffenen helfen bereits kleine Verhaltensänderungen im Alltag. Sind die eigenen Energiereserven begrenzt, sollte man sie gut einteilen.

So banal dies klingt – im Alltag fällt es vielen Menschen schwer, aus dem bisher gewohnten Tagesablauf auszubrechen. Trotzdem sollte man Aktivitäten möglichst so über den Tag verteilen, dass sie sich ohne größere Anstrengung erledigen lassen. Auch wenn man es bisher nicht gewohnt war, Mittagspause zu machen oder sich gar tagsüber hinzulegen: Eine anstrengende Krebstherapie kann der Anlass dafür sein.

Wie man wieder zu Kräften kommt und in den Alltag zurückfindet, ist ein wichtiges Thema der Rehabilitation. Auch einige psychosoziale Krebsberatungsstellen bieten mittlerweile sogenannte Fatigue-Trainings an, in denen Betroffene zum Umgang mit den Belastungen einer Fatigue geschult werden.

Schlafhygiene, Entspannungsübungen und Ablenkung

Viele Menschen kannten dieses Problem schon vor ihrer Krebserkrankung: Man hat zwar lange genug gelegen, aber trotzdem das Gefühl, das der Schlaf nicht erholsam war.
Ein gestörter Schlaf kann Fatigue auslösen oder sie verstärken. Noch länger im Bett zu bleiben, ist dann nicht unbedingt hilfreich: auch zu viel Schlaf kann zu Fatigue beitragen.

  • Fachleute raten Betroffenen, auf einen möglichst regelmäßigen Schlaf- und Wachrhythmus sowie einen gut strukturierten Tagesablauf zu achten. 

Wenn es gar nicht anders geht, können die behandelnden Ärzte kurzfristig schlafanstoßende Mittel verordnen. Auf Dauer sind sie jedoch für die wenigsten Menschen eine Lösung. Vorsichtig sollte man mit frei verkäuflichen Mitteln sein: Manche können zu unerwünschten Wechselwirkungen mit Krebsmedikamenten führen.

Für manche Betroffene sind Entspannungsverfahren wie die "progressive Muskelrelaxation", autogenes Training, Yoga oder Meditation entlastend.
In Studien wurde auch geprüft, ob gezielte Ablenkungen von den Symptomen einer Fatigue die Lebensqualität steigert, etwa durch Musik hören, Lesen oder die Beschäftigung mit einem Hobby. Wie wirksam diese Maßnahmen sind, konnte allerdings nicht abschließend geklärt werden.

Ausgewogene Ernährung und Ernährungsberatung

Eine Krebserkrankung und ihre Behandlung können in Sachen Ernährung einiges durcheinanderbringen. Während und noch einige Zeit nach einer Therapie leiden viele Patienten unter Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und Problemen bei der Nahrungsaufnahme. Bei anderen Patienten kann auch der Flüssigkeitshaushalt durcheinander geraten, was nicht selten auch zu Verschiebungen im Mineralstoffwechsel führt.

Ist man unsicher, ob man sich wirklich ausgewogen ernährt? Dann kann man den behandelnden Arzt um eine Ernährungsberatung oder eine entsprechende Überweisung bitten. Qualifizierte Ernährungsberatung gibt es auch in vielen Krebszentren und in den Reha-Kliniken. Die Krankenkassen können ebenfalls Ansprechpartner nennen.

Diäten, Aufbaupräparate, Vitamine und Mineralstoffe

Hat die Ernährung auch einen Einfluss, wenn es keine offensichtliche Mangelversorgung gibt? Gibt es eine Diät, die gegen Fatigue hilft, oder Nahrungsergänzungsmittel, die die Leistungsfähigkeit steigern?

Zu diesem Thema ist viel geforscht worden, bisher jedoch mit eher enttäuschenden Ergebnissen: Es gibt keine "Aufbaumittel", deren Nutzen einwandfrei belegt wäre, und die gleichzeitig nicht schaden. Fatigue lässt sich auch nicht mit Mega-Dosen von Vitaminen oder Mineralstoffen kurieren, ganz abgesehen davon, dass es zu unerwünschten Wechselwirkungen mit der Krebstherapie kommen könnte.

Trotzdem stößt man im Internet auf entsprechende Angebote gegen Fatigue. Hier raten Fachleute zur Vorsicht: Nahrungsergänzungsmittel dürfen per Gesetz in Deutschland keine wirksamen Stoffe enthalten, von denen ein therapeutischer Effekt zu erwarten wäre. Das wird bei vielen Produkten, die man online oder im Versandhandel bestellen kann, aber verschwiegen. Kommt das Produkt aus dem Ausland, so kann es Probleme mit der Qualität geben, von gefährlichen Inhaltsstoffen, etwa Aufputschmitteln, bis hin zu Verunreinigungen.

Mehr zum Thema bietet der Text "Nahrungsergänzungsmittel", auch unter dem Stichwort "Vitamine und Mineralstoffe" gibt es weitere Informationen.

Psychoonkologische und psychosoziale Hilfen: Unterstützung finden

Krebs belastet nicht nur den Körper, sondern auch die Seele. Sorgen, Angst und Schlaflosigkeit verstärken bei nicht wenigen Betroffenen die Symptome einer Fatigue, vor allem wenn die Erschöpfung chronisch ist und sich kaum körperliche Ursachen dafür finden lassen. Die anhaltende Schwäche kann sich wiederum auf die Stimmung auswirken.

Doch hier gibt es eine Grauzone: Mit einer Krebserkrankung und ihren Folgen zu leben, gilt auch als ein Risikofaktor für eine Depression. Nach wie vor bleibt es selbst für Fachleute manchmal schwer, eine chronische Fatigue und eine Depression sicher voneinander abzugrenzen.

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass diese Unterscheidung bei der Behandlung einer Fatigue möglicherweise keine so große Rolle spielt:

  • Vor allem Patienten mit einer chronischen Fatigue profitieren nicht nur von der Behandlung der rein körperlichen Ursachen, sondern auch von psychoonkologischer Beratung.
  • Psychologische Hilfe kann auch Betroffenen mit einer akuten Fatigue helfen, bis sich ihre Symptome bessern.

In Krankenhäusern und vor allem in Reha-Kliniken gibt es in der Regel geeignete Beratungsangebote: Geschulte Mitarbeiter bieten Unterstützung zur Bewältigung der Krankheitssituation, in Einzelgesprächen oder in der Gruppe. Sie können außerdem bei vielen konkreten Sorgen weiterhelfen, etwa, wenn es um die Rückkehr an den Arbeitsplatz geht. Für ambulant betreute Krebspatienten sind auch die regionalen psychosozialen Krebsberatungsstellen eine gute Anlaufstelle.

Ist die seelische Belastung durch eine Fatigue stark ausgeprägt? Dann sollte man bei einer chronischen Erschöpfung auch eine Psychotherapie zur Unterstützung in Betracht ziehen. Die Fachliteratur zeigt: Im Zusammenhang mit Fatigue haben sich verhaltenstherapeutische Ansätze bewährt.
Psychotherapeutische Unterstützung findet man hauptsächlich bei niedergelassenen Psychotherapeuten. Die Therapie erfolgt auf Grundlage regelmäßiger Gespräche und ist meist längerfristig angelegt. Ob Antidepressiva sinnvoll sind, gehört ebenfalls zu den Fragen, bei denen die Fachleute weiterhelfen können.

Sozialrechtliche Fragen: Anlaufstellen finden

Eine akute Fatigue steht meist im zeitlichen Zusammenhang mit der Krebserkrankung und der Therapie. Sie bessert sich innerhalb weniger Monate.

Doch was tun, wenn die Fatigue chronisch wird und weiter anhält, auch wenn die Krebserkrankung selbst überwunden ist? Manche betroffene Patienten sind durch Fatigue in ihrer Leistungsfähigkeit so eingeschränkt, dass sie ihre Aufgaben im Alltag oder ihren Beruf nur noch bedingt oder gar nicht mehr erfüllen können.

Dann stellt sich nicht nur die Frage nach dem persönlichen Umgang mit dieser Situation. Betroffene benötigen auch ganz konkrete Hilfe zu sozialrechtlichen Fragen, etwa wenn es um die Situation im Beruf oder Unterstützung zu Hause geht. Wo erhält man eine gute und unabhängige Beratung zu diesen Themen? Eine Übersicht hat der Krebsinformationsdienst in seinem Informationsblatt "Sozialrechtliche Fragen bei Krebs: Anlaufstellen" (PDF) zusammengestellt. 

Selbsthilfegruppen: Betroffene unterstützen sich gegenseitig

Oft hilft es Betroffenen schon, mit anderen Menschen in der gleichen Situation zu sprechen: Welche Erfahrungen haben sie gemacht, was hat ihnen geholfen?

Wer sich mit anderen zum Thema Fatigue oder zu anderen krebsgezogenen Fragen austauschen möchte, für den bietet die Krebs-Selbsthilfe viele Möglichkeiten. Es gibt Gruppen, die sich auf einzelne Tumorarten spezialisiert haben, aber auch Patientenorganisationen, die nicht an eine bestimmte Erkrankung oder ein konkretes Problem gebunden sind: hier eine Übersicht über bundesweite Dachverbände, bei denen man Adressen vor Ort oder Online-Angebote findet.

Bei fortgeschrittener Krebserkrankung: Fatigue lindern, Lebensqualität erhalten

Für Patienten mit weit fortgeschrittener Krebserkrankung sind Müdigkeit und Erschöpfung ein besonderes Problem. Gerade dann, wenn andere Symptome wie etwa Schmerzen gut unter Kontrolle gebracht werden können, bleibt das Nachlassen der Leistungsfähigkeit das sichtbarste Zeichen der Erkrankung.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass man gegen die schnelle Ermüdbarkeit nichts tun könnte. Wie bei jeder Form von Fatigue sollte man zunächst für sich selbst klären, ob man offensichtliche Auslöser oder Ursachen im Alltag erkennen kann.
Gibt es Situationen, die besonders anstrengen? Oder ist das Nachlassen der Kräfte eher ein schleichender Prozess? Ebenso wichtig ist das Gespräch mit den Ärzten: Sie können anhand der medizinischen Befunde erläutern, welche Rolle die aktuelle Krankheitssituation spielt, und welchen Einfluss die notwendige Krebstherapie hat. 

Pauschale Lösungen gibt es allerdings auch für Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren nicht. Insgesamt liegen zur Behandlung von Fatigue in dieser Situation bisher nur wenige gute, eindeutige und aussagekräftige Forschungsergebnisse vor.

Zur Linderung setzen Fachleute deshalb vorwiegend auf Erfahrungswissen. Und sie werden wie bei allen Patienten mit Fatigue prüfen, ob sich an erkennbaren Auslösern möglicherweise etwas ändern lässt.

  • Hat man viel abgenommen und deshalb an Kraft eingebüßt? Dann kann es sinnvoll sein, die Ärzte um eine Ernährungsberatung zu bitten. Eventuell hilft auch eine unterstützende Ernährungstherapie, mehr dazu im Text "Was tun bei Gewichtsverlust?". 
  • Ob man auf müde machende, aber wichtige Medikamente verzichten kann, lässt sich nur ganz individuell klären – nicht in jeder Situation gibt es geeignete Ersatzmedikamente.
  • Die belastende Situation, mit einer fortgeschrittenen Erkrankung zu leben, kostet nicht nur körperlich viel Kraft. Daher gehört zum Behandlungskonzept auch alles, was an psychosozialer und psychoonkologischer Unterstützung zur Verfügung steht.

Fachleute raten Betroffenen ganz allgemein dazu, ihr ganz persönliches Gleichgewicht zwischen Aktivität und Ruhe zu finden. Das kann auch bedeuten, Prioritäten neu zu setzen: So sollte man energieaufwändige Aktivitäten nur dann erledigen, wenn man sich am fittesten fühlt – auch wenn dies bedeutet, den eigentlich gewohnten Tagesablauf dementsprechend umzustellen. Anstrengungen, die nicht dringend notwendig sind, dürfen auch einfach mal wegfallen. Wichtig ist es, auch tagsüber regelmäßig Pausen und Ruhephasen einzulegen.

Nicht auf Hilfe verzichten

Reicht die Kraft im Alltag trotzdem nicht aus? Dann sollte man sich nicht scheuen, mit dem behandelnden Arzt darüber zu sprechen. Viele Möglichkeiten der Unterstützung können die Krankenkassen teilweise oder ganz finanzieren. Das können zum Beispiel verordnungsfähige Hilfsmittel sein, etwa ein Badewannenlift oder ein Duschhocker, oder ein Rollator, um weiter mobil zu bleiben. Wichtig ist auch die Frage, ob die Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst sinnvoll wäre.

Körperliche Aktivität trotz schwerer Krebserkrankung?

Inwieweit Bewegung gegen Fatigue bei Patienten mit einer fortgeschrittenen Erkrankung hilft, ist nicht abschließend belegt. Diese Frage ist jedoch derzeit ein wichtiges Forschungsthema.
In einigen kleineren, bereits veröffentlichten Studien gibt es Hinweise darauf: Angepasstes Bewegungstraining lindert unter Umständen auch bei Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen die Fatigue.

Wer aktiv werden möchte, sollte vorher Rücksprache mit seinem Arzt halten – er wird prüfen, ob es Gründe dagegen gibt. So sollte man beispielsweise bei Knochenmetastasen alles vermeiden, was zu einem Knochenbruch führen könnte. An größeren Krebszentren in Deutschland gibt es inzwischen gezielte Sportangebote unter medizinischer Betreuung, die zum Teil auch für Patienten mit Metastasen oder anderweitig fortgeschrittener Erkrankung offen stehen.

Ist die gewohnte körperliche Aktivität nicht möglich, und Sport tabu? Unter Umständen kann gezielte Physiotherapie eine Möglichkeit sein, zumindest ein gewisses Maß an körperlicher Belastbarkeit und Beweglichkeit zu erhalten oder zurückzugewinnen.

Weitere Informationen: Linktipps, Fachinformationen, Quellen (Auswahl, Stand 5/2016)

Fragen zu extremer Erschöpfung während einer Krebserkrankung? Wir sind für Sie da
Der Krebsinformationsdienst ist täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 - 420 30 40 zu erreichen, oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de (bei einem Klick öffnet sich ein Kontaktformular, das eine gesicherte Verbindung bietet). 

Bitte beachten Sie: Der Krebsinformationsdienst kann ausschließlich zu krebsbezogenen Fragen informieren. Sollten Sie Fragen zu Fatigue haben, aber nicht an Krebs erkrankt sein, bitten wir Sie darum, sich an Ihren Hausarzt zu wenden.

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