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Krebs im Alter: Behandlung und Versorgung individuell planen

Welche Rolle spielt die Lebenserwartung bei der Behandlungswahl?

Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt in fast allen Industrieländern. Doch mit dem Alter steigt auch das Krebsrisiko. Die aktuellen Krebsstatistiken für Deutschland zeigen: Unter den 2012 erstmals Erkrankten waren über 90.000 Patienten achtzig Jahre und älter.
Welche Rolle spielt das Alter für die Wahl der Behandlung, welchen Einfluss haben Begleiterkrankungen? Kann man Hochbetagten überhaupt noch eine Therapie zumuten? Und wer trifft wichtige Entscheidungen, wenn eine Patientin oder ein Patient dies selbst nicht mehr  schafft?

Der folgende Text bietet Betroffenen und Angehörigen einen ersten Überblick über Behandlungs- und Versorgungsmöglichkeiten sowie Tipps für das Gespräch mit den behandelnden Ärzten. 

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Linktipps und Quellen

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Krebs und Alter: Ein Überblick über die Situation in Deutschland

Walkendes Paar © pershinghks/Thinkstock
Viele ältere Menschen halten sich bewusst fit © pershinghks/Thinkstock

Krebs kann in jedem Alter auftreten. Die Mehrzahl der Patienten in Deutschland ist jedoch bereits im Rentenalter, wenn die Diagnose gestellt wird.
Viele Betroffene fühlen sich in diesem Lebensabschnitt gesundheitlich noch fit und sind voller Pläne.

Die Statistiken zeigen aber auch: Im Alter haben die meisten Menschen tatsächlich mit der ein oder anderen gesundheitlichen Einschränkung zu kämpfen. Die Wahrscheinlichkeit für Bluthochdruck und weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Nierenprobleme steigt bereits ab dem Alter von 60 stark an. Viele haben Gelenk- und Knochenprobleme, etwa Arthritis oder Osteoporose. Nicht wenige ältere Menschen in Deutschland sind zuckerkrank.
Die Folge: Betroffene benötigen entsprechende Medikamente, oft mehrere gleichzeitig.

Je älter Betroffene werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese gesundheitlichen Einschränkungen im Alltag auswirken und sie auf Hilfe angewiesen sind. Dies gilt vor allem dann, wenn sich auch eine Demenz abzuzeichnen beginnt.

Doch wie sieht es aus, wenn Krebs erst in tatsächlich fortgeschrittenem Alter auftritt? Wenn andere Erkrankungen die Gesundheit bereits eingeschränkt haben und die Lebenserwartung spürbar begrenzt ist?

Die Statistiken der Krebsregister zeigen: Der Anteil der Krebspatienten ist nicht klein, bei denen erst mit 80 oder 85 Jahren und mehr ein Tumor festgestellt wird. Etwa ein Fünftel der insgesamt rund 478.000 Neuerkrankungen betraf  im Jahr 2012 diese Altersgruppe.

  • Welche Konsequenzen haben diese Fakten für Betroffene?

Therapieplanung: Geburtsdatum und biologisches Alter

Wächst Krebs im Alter wirklich langsamer und bleibt harmlos? Für diese Annahme gibt es bisher keinen belastbaren Beleg. Bei der Behandlungsplanung zählt nur, wie es Betroffenen tatsächlich geht.

Nicht selten werden Ärzte mit der Angst konfrontiert, einem alten Menschen würde bei der Behandlung zu viel zugemutet: Eine so große Operation, eine belastende Chemotherapie – muss das wirklich sein, in diesem Alter? So oder ähnlich lautet eine typische Frage Betroffener und auch vieler Angehöriger. Oft wird diese Frage auch damit begründet, dass Krebs bei "Senioren" sowieso nicht so aggressiv und ganz langsam wächst – deshalb sei doch gar keine Behandlung notwendig.
Doch ist diese Sorge wirklich immer begründet? Auch hier raten Mediziner dazu, genau hinzusehen, bevor man eine Behandlung allein aus Altersgründen ablehnt.

Sie warnen davor, sich starr nur am Geburtsdatum zu orientieren: Aufschlussreicher ist das sogenannte biologische Alter, wenn es um die Behandlungsplanung geht.  Worauf sollte man insgesamt achten? Die folgenden Faktoren sind besonders wichtig.

Voraussichtlicher Krankheitsverlauf und Behandlungsbeginn

Was auf Betroffene zukommt, zeichnet  sich anhand der Untersuchungen und Befunde ab. Daraus lässt sich in etwa abschätzen, wie aggressiv die Krankheit wirklich verläuft und wie schnell eine Therapie beginnen muss.
Tumoren wachsen bei älteren Menschen keineswegs immer langsamer als bei Jüngeren. Schmerzen und andere belastende Symptome können sich auch bei ihnen sehr rasch entwickeln - und müssen dann auch baldmöglichst behandelt werden.

Es gibt jedoch einige Situationen, in denen älteren Krebspatienten tatsächlich keine Therapie angeboten wird – zumindest keine sofortige Therapie.
Ein Beispiel sind früh erkannte, kleine Prostatatumoren: Betroffene Männer können sich auch dafür entscheiden, zunächst nur regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen zu gehen. Solange ihre Krankheit ihnen keine Beschwerden bereitet und sich nicht rasch weiter entwickelt, kann man eine Behandlung aufschieben. Dadurch entstehen Betroffenen auch langfristig keine Nachteile, so der derzeitige Kenntnisstand.

Therapiemöglichkeiten, Lebensqualität und Lebenserwartung

Sollte man auch bei betagten Krebspatienten unbedingt alles versuchen, um eine Heilung zu erreichen? Auch hier gibt es keine pauschale Antwort. Wichtig zur Einschätzung sind der allgemeine Gesundheitszustand und damit indirekt auch die weitere Lebenserwartung. 

Fühlt man sich als Betroffener fit und zeigen auch die allgemeinen Untersuchungsbefunde ein ähnliches Bild? Dann werden Ärzte ältere Patienten in der Regel kaum anders behandeln als jüngere Menschen.
Von dieser Empfehlung gibt es nur wenige Ausnahmen: Sie kommen zum Beispiel zustande, wenn es um sehr langfristige Folgen einer Krebserkrankung geht, die ältere Patienten rein statistisch nicht betreffen würden.

Anders sieht es aus, wenn bei Betroffenen zum hohem Alter eine schlechte gesundheitliche Verfassung hinzu kommt:
Könnte ihre Krebserkrankung nur um den Preis vieler Nebenwirkungen geheilt werden, ohne dass sich ihr Leben dadurch messbar verlängert? Dann steht  die Lebensqualität im Vordergrund, nicht die Heilung mit allen Mitteln.
Was bedeutet dies? Patienten und Ärzte können sich gemeinsam entscheiden, nicht jede infrage kommende Therapiemöglichkeit zu nutzen; man verzichtet auf besonders langwierige, organisatorisch aufwändige und körperlich belastende Therapiemöglichkeiten.

Wichtig ist die Abwägung, was auf absehbare Zeit mehr Probleme bereiten wird: die Erkrankung mit ihren Folgen? Oder die Behandlung mit ihren Nebenwirkungen und Belastungen?
Solche bewussten Einschränkungen bei der Behandlung oder der völlige Verzicht auf eine Therapie sind jedoch eine sehr persönliche Entscheidung. Sie kann jeder Patient nur ganz individuell mit den Ärzten und gegebenenfalls gemeinsam mit Angehörigen treffen.

Anpassung der Krebstherapie an die gesundheitliche Situation

Liegen bereits andere Erkrankungen vor? Bei vielen älteren Patienten müssen  die Ärzte dann auch die Durchführung der Behandlung an die gesundheitliche Situation anpassen, von der Auswahl der Therapieverfahren bis hin zur Dosierung von Medikamenten.

Ein Beispiel dafür sind erneut ältere Männer mit Prostatakrebs: Kommt eine Operation nicht infrage, etwa wegen einer schweren Herzerkrankung? Dann kann eine Bestrahlung eine weitgehend gleichwertige Alternative sein, mit guten langfristigen Heilungschancen. Ähnlich sieht es für Patientinnen und Patienten mit einer Form von hellem Hautkrebs aus, einem Plattenepithelkarzinom: Auch sie können eventuell bestrahlt statt operiert werden.

Notwendige Anpassungen bei Arzneimitteln kommen sogar vergleichsweise häufig vor:
Patienten mit einer oder mehreren weiteren Erkrankungen waren in der Regel bereits vor ihrer Krebsdiagnose auf Medikamente angewiesen. Daher müssen die Ärzte auch mögliche Wechselwirkungen dieser Wirkstoffe mit der Krebstherapie kennen.
Hinzu kommt: Viele Menschen weisen im höheren Alter Veränderungen im Stoffwechsel oder leichte Einschränkungen der Organfunktion auf. Diese stellen für sich genommen noch keine Krankheit dar. Bei einer Krebstherapie müssen sie aber berücksichtigt werden.
Ein Beispiel: Patienten, die Blutverdünner zur Vorbeugung eines Schlaganfalls erhalten, müssen diese Arzneimittel unter Umständen vor Gewebeentnahmen oder Operationen absetzen. Oder sie werden auf andere Mittel umgestellt und streng überwacht, um ungewollte Blutungen zu vermeiden.
Ein weiteres Beispiel: Viele ältere Menschen haben Einschränkungen der Nieren oder Leberfunktion, von denen sie im Alltag bisher nichts bemerkt haben. Manche Krebsmedikamente müssen bei ihnen dann aber anders dosiert werden als bei jüngeren Menschen

Unterstützung beim Gesundwerden

Nicht nur die Planung der eigentlichen Krebstherapie ist wichtig, auch die Zeit danach sollte man berücksichtigen.
Ältere Patienten benötigen unter Umständen länger, um sich zu erholen. Ein langer Krankenhausaufenthalt kann an sich schon dazu führen, dass die Leistungsfähigkeit weiter zurückgeht. Betroffenen fällt es unter Umständen schwer, gleich im Anschluss an die Therapie in ihren bisherigen Alltag zurückzukehren.

Welche Gründe kann es dafür geben, worauf achten die Ärzte besonders?

Rein statistisch werden mit steigendem Alter Probleme bei der Abwehr von Infektionen wahrscheinlich. Auch die Wundheilung verläuft unter Umständen verlangsamt. Beides ist jedoch nicht zwangsläufig eine typische "Alterserscheinung". Nicht selten verbirgt sich dahinter eine bisher nicht erkannte Mangelernährung, die durch die Krebserkrankung selbst noch weiter verstärkt werden kann. Betroffenen kann dann eine gezielte Ernährungstherapie helfen, unter Umständen sogar noch vor Behandlungsbeginn.

Auch die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit, etwa die Muskelkraft, ist bei älteren Menschen nicht selten eingeschränkt: Längere Bettruhe kann unter diesen Voraussetzungen mehr schaden als nützen. Gegensteuern lässt sich mit Physiotherapie – in der Regel schon im Krankenhaus. Auch langfristig bleiben angepasste Bewegung und gegebenenfalls sogar Sport wichtig.

Kostenfaktor Alter? Wird bei alten Menschen überhaupt noch alles bezahlt?

Es gibt noch eine weitere Befürchtung, die Ärzte gelegentlich von ihren Patienten oder deren Angehörigen zu hören bekommen: an älteren Krebspatienten würde gespart, und die Versicherungen würden bei alten Menschen nicht mehr alles zahlen, was bei jungen Erwachsenen selbstverständlich ist.

  • Grundsätzlich ist das Geburtsdatum allein bei der Entscheidung für oder gegen eine Krebstherapie aber nicht ausschlaggebend.
  • Die Versicherungen geben in Deutschland keine Altersgrenzen für die Krebsbehandlung vor.

Es gibt jedoch eine Einschränkung, auf die betagte Krebspatienten unter Umständen auch in Deutschland stoßen können, vor allem dann, wenn ihr Allgemeinzustand bereits vor der Krebserkrankung eingeschränkt war: die Teilnahme an klinischen Studien, in denen neue Krebsmedikamente erstmals getestet werden.

Dafür kann es mehrere Gründe geben:

  • Einer davon gehört in den Bereich der Ethik: Bei vielen klinischen Studien ausgenommen sind Menschen mit Demenz, die nicht verstehen, worum es bei den Tests geht. Sie können  deshalb auch keine eigenständige Entscheidung treffen, ob sie sich den Risiken einer Studie aussetzen oder nicht.
  • Ein weiterer Grund: Sehr frühe Studien mit Mitteln, über die man noch kaum etwas weiß, werden häufig an Probanden getestet, die vor ihrer Krebserkrankung gesund waren. Das macht es für Krebsforscher leichter nachzuvollziehen, was die neuen Medikamente im Stoffwechsel auslösen.

Krebsforscher und Krebsmediziner wissen jedoch, dass solche Daten dann für die Praxis nur bedingt nutzbar sind. Deshalb gibt es in immer mehr Studien keine Altersbegrenzung mehr. Andere Studien werden sogar gezielt mit Patienten durchgeführt, die älter sind oder unter der ein oder anderen gesundheitlichen Einschränkung leiden.

Zur Vorbereitung auf Arztgespräche: Wichtige Fragen für Patienten und Angehörige

Entscheiden: Muss man alles selbst regeln, oder kann man Verantwortung abgeben?

Krebspatienten haben in jedem Alter das Recht, selbst über ihre Behandlung zu entscheiden. Auch wenn Angehörige oder Freunde mit einbezogen sind, so gilt trotzdem: Wichtig ist, was die Betroffenen selbst möchten. 

  • Kein Patient ist jedoch verpflichtet, selbst zu entscheiden: Betroffene können ihre Ärzte bitten, die Verantwortung für die Behandlungsplanung ganz oder zumindest zeitweilig zu übernehmen.

Wie geht man vor, wenn man diese Aufgabe auf Verwandte oder Freunde übertragen möchte?
Auch diese Regelung ist möglich. Falls man als Patient selbst nicht alle Entscheidungen treffen und nicht alles Organisatorische regeln möchte, sollte man das allen mitteilen, die an der Behandlung beteiligt sind. Dann wissen Krankenhäuser, Ärzte und auf Wunsch auch die Krankenkasse, wen sie ihrerseits ansprechen können.

Wer diese Möglichkeiten ganz genau regeln will, sollte entsprechende Vollmachten schriftlich erteilen, in einer sogenannten Vorsorgevollmacht. Darin legt man fest, was die beauftragte Person tun kann, und was sie gegebenenfalls auch nicht übernehmen darf. Entsprechende Vordrucke halten Ärzte, die Kliniksozialdienste und Krankenkassen sowie viele weitere Organisationen bereit.

Diese Vollmacht ist nicht zu verwechseln mit einer sogenannten Patientenverfügung oder einem Patiententestament. Darin legt man fest, wie man behandelt und betreut werden möchte, wenn man seinen Willen nicht mehr selbst äußern kann. Auch dazu beraten die oben genannten Ansprechpartner.

Wohin man sich mit solchen Fragen wenden kann, hat der Krebsinformationsdienst außerdem in seinem Informationsblatt "Sozialrechtliche Ansprechpartner" zusammengestellt, als PDF zum Laden und Ausdrucken.

Angehörige: Verantwortung teilen, Unterstützung suchen

Viele ältere Menschen sind es gewohnt, ihre Familie oder andere ihnen nahestehende Personen bei wichtigen Entscheidungen mit einzubeziehen.

  • Können und wollen Angehörige diese Verantwortung aber überhaupt tragen?

Diese Frage ist auf jeden Fall erlaubt: Angehörige sehen sich nicht selten im Konflikt zwischen dem Wunsch, sich um erkrankte Eltern oder andere nahestehende ältere Menschen zu kümmern, und der Angst vor der Verpflichtung, für einen anderen  wesentliche Entscheidungen treffen zu müssen. Dies gilt selbst dann, wenn  bereits viel Betreuung und Unterstützung geleistet wird: Die Diagnose Krebs verändert die Situation noch einmal, sie führt zu neuen Herausforderungen und Belastungen.

Familienmitglieder können Hilfe in Anspruch nehmen, wenn sie nicht wissen, wie sie mit dieser Verantwortung umgehen sollen: Erste Ansprechpartner sind die Ärzte. Diese können auch darüber informieren, ob es in der Klinik weitere Beratungsmöglichkeiten gibt.
Infrage kommen die Mitarbeiter des Kliniksozialdienstes: Sie  beraten dazu, wie sich der Alltag rund um die Erkrankung leichter gestalten lässt und wo es weitere Hilfsmöglichkeiten gibt.
An vielen Krankenhäusern gibt es zudem das Angebot psychologischer Beratung.

Die regionalen Krebsberatungsstellen sind ebenfalls für Angehörige zugänglich, sie können sowohl bei sozialrechtlichen Fragen helfen wie auch bei der Bewältigung der Situation an sich: Eine Liste bietet der Krebsinformationsdienst in der Rubrik "Wegweiser: Adressen".

  • Wichtig für Patienten wie Angehörige: Viele Entscheidungen werden leichter, wenn man über ausreichende Informationen verfügt.

Wissen kann die Angst nehmen, etwas falsch zu machen oder etwas Wichtiges zu verpassen.

Behandlungswahl: Was sollte man wissen, bevor man sich entscheidet?

Wie schnell ein Tumor wächst und wie die Erkrankung verlaufen wird, lässt sich bisher bei keiner Krebsart allein anhand des Alters eines Patienten sicher voraussagen. Woran orientieren sich die Ärzte bei ihren Behandlungsvorschlägen?

Sie nutzen einerseits die individuellen Befunde. Zum anderen können sie auf ärztliche Empfehlungen zurückgreifen, die von Experten anhand der jeweils besten verfügbaren Fachliteratur zusammengestellt werden.
Diese Leitlinien gibt es zu sehr vielen Krebserkrankungen, inzwischen häufig auch in einer Fassung für Betroffene.
Zugang im Internet bieten verschiedene Fachgesellschaften, auch der Krebsinformationsdienst hat bei seinen Informationen zu einzelnen Tumorarten die verfügbaren Texte verlinkt.

Die folgende Auswahl von Fragen kann es Patienten und einbezogenen Angehörigen oder Freunden erleichtern, sich auf eine Entscheidung gemeinsam mit den Ärzten vorzubereiten.

Allgemeinzustand und Therapie:

  • Wie schätzen die Ärzte den allgemeinen Zustand ein? Gibt es Anzeichen für Gebrechlichkeit? Welche Behandlung würde man als Patient vermutlich gut verkraften? Welche nicht? 
  • Welche Vorerkrankungen liegen vor, die einer Krebsbehandlung im Weg stehen könnten? Kann man zum Beispiel eine Narkose verkraften, falls eine Operation nötig wird? 
  • Gibt es Anzeichen für Mangelernährung?  Wenn ja, was kann man dagegen tun?  
  • Gibt es Anzeichen dafür, dass die Erholung lange dauern wird? Welchen Einfluss hätte längere Bettlägerigkeit? Was kann man zur Unterstützung tun?

Krankheitsstadium und Therapie:

  • Ist der Tumor noch im Frühstadium erkannt worden? Bringt die Behandlung einen messbaren Zugewinn an Lebenszeit oder eine Heilung? Wie sieht die Therapie dann aus? 
  • Oder wäre auch mit einer umfangreichen Behandlung kein längerer Krankheitsaufschub zu erzielen? Welche Therapie ist dann möglich, um Schmerzen oder andere Krankheitsfolgen zu lindern?
  • Wie würde sich die Krankheit weiter entwickeln, wenn man auf eine Behandlung ganz verzichten würde?

Organisation der Behandlung

  • Ist die Therapie nur im Krankenhaus möglich? Oder kann man auch ambulant behandelt werden? Oder ist beides vorgesehen, zunächst eine stationäre Behandlung, dann eine ambulante? 
  • Wie lässt sich die Behandlung gebrechlicher oder dementer Patienten organisieren? Ist die notwendige Unterstützung und Betreuung in einem normalen Krankenhaus möglich, kann ein Patient zum Beispiel dort bei Bedarf gefüttert werden?
  • Wie wird eine ambulante Therapie organisiert, wenn Betroffene alleine den Weg dorthin nicht schaffen? 
  • Ist nach der eigentlichen Behandlung eine Rehabilitation möglich?

Folgende Texte des Krebsinformationsdienstes  können Patienten und Angehörige bei diesen Fragen erste Anhaltspunkte bieten:

Zum Laden und Ausdrucken stehen zudem viele Themen als PDF zur Verfügung, etwa eine Checkliste zur Behandlungswahl: "Unsere Broschüren".

Versorgung rund um die Therapie und danach: Wie kann man gute Hilfe organisieren?

Viele ältere Menschen in Deutschland leben noch in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus, und viele benötigen keine oder nur wenig Unterstützung. Das zeigen aktuelle Erhebungen.

Eine schwere Erkrankung kann dies jedoch nachhaltig verändern: Aufgrund altersbedingter Veränderungen bauen Patienten zum Beispiel bei längerer Bettruhe schnell Muskelmasse ab, sie erholen sich insgesamt langsamer. Betroffene, die bisher noch geistig beweglich waren, erleiden durch eine schwere Erkrankung und deren Behandlung mitunter deutliche Einschränkungen der Denk- und Merkfähigkeit. Längere Bettlägerigkeit steigert auch das Risiko für weitere gesundheitliche Probleme.

Mit den Ärzten sollte man daher auch möglichst früh die Versorgung in der Zeit der Erholung besprechen. Es gibt eine ganze Reihe von Unterstützungsmöglichkeiten: von der häuslichen Krankenpflege als Leistung der Krankenkasse bis hin zu vielen Hilfsmitteln oder dem Aufenthalt in einer spezialisierten Rehabilitationsklinik.

Auch die Frage sollte man besprechen, ob möglicherweise über die Krankenpflege hinaus eine längerfristige Pflegebedürftigkeit und Ansprüche aus der Pflegeversicherung entstehen können.

Als Ansprechpartner stehen für Patienten und ihre Angehörige im Krankenhaus außer den Ärzten die Kliniksozialdienste zur Verfügung. Sie helfen bei der Organisation der notwendigen Versorgung. An größeren Zentren gibt es zudem oft Einrichtungen der sogenannten Übergangs- oder Brückenpflege.

Diese Fragen können bei der Planung weiterhelfen:

Unterstützung beim Einkaufen © Peter Maszlen, Fotolia
Versorgung im Alltag: Für ältere Krebspatienten gibt es Unterstützung. © Peter Maszlen, Fotolia
  • Wie lange dauert voraussichtlich der Krankenhausaufenthalt?
  • Wie wirkt sich die vorgesehene Behandlung auf die Lebensqualität aus? Mit welchen körperlichen Einschränkungen ist kurzfristig, mit welchen auf Dauer zu rechnen?
  • Wie lange benötigt der Patient intensive Pflege und wie muss diese Pflege aussehen?
  • Welche Möglichkeiten der Rehabilitation kommen in Frage, welche nicht? Ist die Rehabilitation ambulant oder stationär möglich?
  • Ist absehbar, dass auf längere Zeit Pflegebedarf entstehen wird? Sollten entsprechende Leistungen aus der Pflegeversicherung beantragt werden und wer ist dafür Ansprechpartner?

Bei Senioren, die im betreuten Wohnen oder einem Alters- oder Pflegeheim leben:

  • Kann die bisherige Einrichtung die notwendige Pflege in der Erholungszeit leisten? Oder muss für eine gewisse Zeit eine andere Lösung gefunden werden?
  • Muss die derzeitige Pflegestufe angepasst werden?

Zum Weiterlesen: Adressen, Links und Quellen (Auswahl, Stand 1/2016)