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Chemotherapie © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Durchführung: Wie läuft eine Chemotherapie ab?

Zytostatika können als Tablette eingenommen oder als Injektion und Infusion gegeben werden, es gibt sogar einige als Salbe oder Lotion. Diese Anwendungsformen sind allerdings nicht beliebig untereinander austauschbar: Nur für wenige Krankheitssituationen stehen derzeit beispielsweise Zytostatika zum Einnehmen zur Verfügung. Und die Chemotherapie "zum Einreiben" ist nur für Tumoren der Haut möglich. Die meisten Krebspatienten erhalten eine Chemotherapie über eine Infusion in eine Vene.
Der folgende Text soll einen Überblick über die verschiedenen Darreichungsformen vermitteln und einige häufig gebrauchte Begriffe erläutern. Welche Mittel im Einzelfall wie zur Anwendung kommen, müssen Patienten mit ihren behandelnden Ärzten besprechen. Das Informationsblatt des Krebsinformationsdienstes "Behandlungswahl: Was muss ich wissen?" bietet einen allgemeinen Überblick über die wichtigsten Fragen an den Arzt zur Vorbereitung auf ein solches Gespräch. 

Letzte Aktualisierung: 11.12.2012

Quellen und Links

Als Quellen wurden aktuelle Leitlinien sowie Lehrbücher der Krebsmedizin und der Arzneimitteltherapie genutzt. Links führen zu ergänzenden Informationen, weitere Links und Quellenhinweise sind im Kapitel  "Mehr wissen: Links, Adressen, Broschüren" aufgeführt.

Darreichungsformen: Infusion, Tablette, Salbe?

Die meisten Patienten erhalten die Medikamente heute mittels Infusion in eine Vene. Die Zytostatika gelangen aus den Venen ins Herz und werden von dort in den ganzen Körper gepumpt. Auf diese Weise werden auch winzige Tumoren oder im Körper verstreute Krebszellen erreicht, die mit  Röntgenaufnahmen oder bei einer Operation nicht sichtbar sind. Dieser Ansatz, der sich nicht nur auf die lokale Behandlung eines Tumors beschränkt, wird als "systemisch" bezeichnet.

Nur vergleichsweise selten geben Ärzte Zytostatika nicht intravenös. Ein Beispiel ist die Behandlung mancher Formen von Krebsmetastasen im Zentralnervensystem. Um das Gehirn zu erreichen, das gut gegen Fremdstoffe im Blut geschützt ist, ist auch die "intrathekale" Gabe möglich: Geeignete  Zytostatika werden direkt ins Nervenwasser gegeben, das Gehirn und Rückenmark umgibt.

Intraarteriell, also in eine Arterie statt in eine Vene, werden Zytostatika bei der sogenannten regionalen Chemotherapie gegeben: Damit bezeichnet man eine Behandlung, bei der die Chemotherapie gerade nicht systemisch wirken soll, sondern nur oder überwiegend in der vom Tumor befallenen Körperregion oder dem betroffenen Organ.
Es gibt allerdings nur wenige Anwendungsgebiete: Ein Beispiel ist die Behandlung von Lebermetastasen. Voraussetzung ist ein kleinerer oder größerer operativer Eingriff, um einen Infusionskatheter direkt  in der Leberarterie zu platzieren. Ob allerdings eine solche regionalen Behandlung betroffenen Patienten wirklich besser hilft als eine systemische Chemotherapie über einen Venenzugang, muss individuell geprüft werden.

Zytostatika zum Einnehmen: Bislang noch selten

Zum Einnehmen als Tablette, zur sogenannten oralen Aufnahme, sind nur die wenigsten Zytostatika geeignet.
Einige Substanzen würden den Magen nicht unverändert passieren. Damit sie im ganzen Körper "systemisch" wirken können, bestehen orale Zytostatika daher oft aus einer chemischen Vorstufe des eigentlichen Wirkstoffs. Sie passiert den Verdauungstrakt unbeschadet. Erst bei  der Verstoffwechselung in der Leber wird der eigentliche Wirkstoff freigesetzt und tritt von dort ins Blut über.

Hinzu kommt die schwierige Dosierung oraler Zytostatika: Wie schnell eine Substanz über Magen oder Darm aufgenommen wird, hängt stark vom individuellen Stoffwechsel ab, und natürlich spielen auch die Nahrungsaufnahme oder die Trinkmenge eine Rolle. Medikamente, die über das Blut gegeben werden, lassen sich dagegen viel genauer dosieren. Patienten erhalten mit jeder Infusion eine für sie individuell abgestimmte Zusammenstellung und Dosierung der Zytostatika. Auch die Geschwindigkeit, mit der die Medikamente über den "Tropf" in den Körper gelangen, lässt sich regeln. Dabei berücksichtigt man nicht nur das Gewicht des Patienten, sondern beispielsweise auch, wie gut die Nieren funktionieren.
All dies ist bei oralen Zytostatika viel schwerer zu steuern.

Andere Anwendungsformen

Schließlich gibt es einige wenige Zytostatika in Form von Cremes oder Lösungen zum Auftragen auf die Haut. Sie werden zum Beispiel bei kleinen, oberflächlichen Hauttumoren angewendet. Auch die Behandlung von Hautmetastasen mit einer Chemotherapie in Salbenform ist bei manchen Patienten möglich. Eine solche "lokale Chemotherapie" ist allerdings nicht für alle betroffenen Patienten geeignet - ob andere Verfahren nicht besser wirken, muss daher immer individuell geprüft werden.

Venenzugang: Jedes Mal neu legen oder Port implantieren?

Ein Port ist ein kleines Reservoir aus sterilem Material, das bei einem ambulanten chirurgischen Eingriff unter die Haut eingesetzt wird, oft in der Nähe des Schlüsselbeins. Von diesem Reservoir aus besteht über einen dünnen Schlauch eine Verbindung mit einer großen Vene.
Ist der Port nach rund einer Woche erst einmal eingeheilt, muss nicht mehr jedes Mal eine Vene angestochen werden, um die Zytostatika-Infusionen zu legen: Nur noch das Reservoir wird mit einer speziellen Nadel durch die Haut anpunktiert. Mehr zur Handhabung und Pflege des Portsystems hat der Krebsinformationsdienst im Kapitel "Port zur Chemotherapie: Wie pflegen, wann entfernen?" zusammengestellt.

Behandlungschemata: Monotherapie, Kombinationstherapie, Zyklen

Zytostatika können einzeln gegeben werden, dann spricht man von einer Monotherapie. Häufig werden aber auch mehrere Substanzen kombiniert, um ihre unterschiedlichen Effekte auf die Tumorzellen zu addieren. Solche Kombinationen, die sich in klinischen Studien als besonders wirksam herausgestellt haben, sind bei vielen Tumorarten üblich.
Je nach Situation können noch Hilfsmedikamente hinzu kommen, sogenannte Adjuvantien oder Additiva. Sie verstärken die Wirkung der Zytostatika, ohne selbst für die Zellen giftig zu sein.
Außerdem gehören heute Mittel zur Vorbeugung und Linderung von Nebenwirkungen zu jeder Chemotherapie dazu, vor allem Arzneimittel gegen Übelkeit.

Zeitliche Planung wichtig

In welchen zeitlichen Abständen die einzelnen Substanzen oder die Kombinationen gegeben werden, ist nicht beliebig wählbar. Bei der Planung richten sich die Krebsmediziner nach Erkenntnissen aus der Wissenschaft: Wie lange wirken die Zytostatika im Körper, wann werden sie wieder ausgeschieden, und wie? Wie lange braucht der Körper, um sich von der Behandlung zu erholen? Über welchen Zeitraum sollte die Chemotherapie angewendet werden?

Eine Chemotherapie läuft nach einem festgeschriebenen Schema ab, das heißt: Die Patienten bekommen eine bestimmte Medikamentenkombination in mehr oder weniger festen Abständen. Spricht der Arzt von einem "Schema", das sechs "Zyklen" vorsieht, so bedeutet dies - um ein Beispiel zu nennen -, dass über einen Zeitraum von mehreren Wochen sechsmal eine Chemotherapie erfolgt, dazwischen liegt jeweils eine Pause von einigen Tagen bis Wochen ohne Medikamentengabe.

Meist werden diese Behandlungs-Schemata mit den Abkürzungen der verwendeten Substanzen bezeichnet. So steht FEC beispielsweise für die Kombination von Fluoruracil, Epirubicin und Cyclophosphamid, FOLFOX für eine Abfolge von Folinsäure, Oxaliplatin und Fluoruracil.

Dosierung: Wie berechnen?

Dosierautomat für die Chemotherapie © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Dosierpumpe für die Chemotherapie-Infusion © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Wie hoch wird eine Chemotherapie dosiert, welche Menge an Zytostatika erhält ein Patient? Auch dies orientiert sich an Ergebnissen klinischer Studien, die vor der Zulassung des jeweiligen Medikaments durchgeführt wurden.  Bei Medikamentenkombinationen wird die Dosierung entsprechend angepasst, je nachdem, welche Mengen sich in Studien als wirksam und gleichzeitig verträglich erwiesen haben.

Entscheidend für die Dosierung ist aber auch, was ein Betroffener individuell voraussichtlich verträgt. Die Berechnung erfolgt anhand der Körperoberfläche eines Patienten. Diese wird aus Gewicht und Körpergröße berechnet.
Sind bei einem Patienten Nieren- oder Leberfunktionsstörungen bekannt, werden auch der verlangsamte Abbau und/oder die verzögerte Ausscheidung der Arzneimittel in die Planung mit einbezogen.

Dosis sowie Abstände der Medikamentengabe sind jedoch keine ganz festgelegten Größen: Leidet ein Patient sehr unter Nebenwirkungen oder erholt er sich in den Therapiepausen nur schlecht, ist es bis zu einem gewissen Grad notwendig und möglich, die Dosierung auch im Laufe der Behandlung noch individuell an seine Situation anzupassen.

Wohin gehen: Chemotherapie ambulant oder stationär?

Heute wird die Mehrzahl der Chemotherapien ambulant durchgeführt. Die meisten Patienten müssen also nicht extra in ein Krankenhaus eingewiesen werden, sondern gehen nach der Behandlung wieder nach Hause. Dies ist unter anderem möglich geworden, weil schwere Nebenwirkungen wie Übelkeit im Vergleich zu früher besser behandelbar sind.
Viele Krankenhäuser bieten die Chemotherapie heute über ihre Ambulanzen an. Auch niedergelassene Fachärzte für Krebsmedizin verfügen oft über die entsprechenden Einrichtungen in ihren Praxen: Zur Durchführung einer ambulanten Zytostatika-Therapie sind neben den Ambulanzen der onkologischen Zentren Fachärzte berechtigt, die sich in "Medikamentöser Tumortherapie" weitergebildet haben.

Sehr intensive Therapien erfordern allerdings nach wie vor einen Krankenhausaufenthalt, zum Beispiel weil regelmäßig die Nierenfunktion kontrolliert werden muss oder andere Überwachungen notwendig sind.
Auch Patienten, die während der Therapie voraussichtlich besonders infektionsgefährdet sein werden, oder deren Gesundheitszustand von vornherein schlecht ist, werden stationär behandelt.

Kriterien, die bei der Suche nach Ansprechpartnern für die Krebsbehandlung eine Rolle spielen können, hat der KID im Informationsblatt "Arzt- und Kliniksuche" (PDF) zusammengestellt.