Yoga bei Krebs: Hilft das wirklich und ist es sicher?

Erstellt am:

Von: Teresa Glauner (Krebswissenschaftlerin, M.Sc.)

Yoga kann Menschen mit Krebs helfen, besser mit den Folgen der Erkrankung und der Behandlung umzugehen. Fachleute empfehlen Yoga vor allem gegen starke Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue). Es gibt außerdem Hinweise, dass Yoga den Schlaf, die Lebensqualität und Ängste verbessern kann. Wichtig ist: Yoga ersetzt keine Krebstherapie. Es kann die Behandlung ergänzen. Und: Sie sollten die Übungen immer an Ihre persönliche Situation anpassen. Sprechen Sie deshalb vor Beginn mit Ihrem Behandlungsteam.

Viele Menschen mit Krebs möchten mit Yoga selbst aktiv etwas für ihr Wohlbefinden tun. Yoga verbindet Körperübungen mit Atemübungen sowie Entspannung oder Meditation. Ziel ist es, Körper und Geist zu stärken. 

Ob Yoga bei Krebs tatsächlich helfen kann, wurde in vielen Studien untersucht – besonders bei Menschen mit Brustkrebs, aber auch mit Darmkrebs, Prostatakrebs und anderen Krebsarten. 

Eine Frau in einer Yoga-Haltung.
Viele fragen sich, welche Yogaform bei Krebs am besten ist. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Yogaform wirksamer ist als andere.
Bild: © puchkova954, magnific

Wobei kann Yoga helfen?

Die bisherigen Studien sprechen dafür, dass Yoga einige Beschwerden lindern kann, die durch die Krebserkrankung oder die Behandlung entstehen.

Am besten untersucht ist der Nutzen bei Fatigue. Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Yoga Fatigue vor allem nach der Behandlung lindern kann – möglicherweise aber auch währenddessen.

Für weitere Beschwerden bei Krebs gibt es ebenfalls Hinweise auf einen Nutzen. Die wissenschaftlichen Belege sind jedoch weniger eindeutig als bei Fatigue. 

Nach einer Brustkrebsbehandlung kann Yoga möglicherweise

  • die Lebensqualität verbessern,
  • bei Ein- und Durchschlafstörungen helfen,
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme lindern,
  • Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen oder Gelenkschmerzen lindern.

Nach einer Darmkrebsbehandlung kann Yoga möglicherweise

Wo reicht die Studienlage nicht aus?

Für einige Beschwerden gibt es bisher zu wenige oder widersprüchliche Studien. Deshalb können Fachleute derzeit nicht sicher beurteilen, ob Yoga bei diesen Beschwerden hilft oder nicht.

Das betrifft unter anderem:

  • Übelkeit und Erbrechen während einer Krebstherapie,
  • Schmerzen,
  • Appetitlosigkeit,
  • Stress,
  • Lymphödeme (Schwellungen durch gestauten Lymphfluss),
  • eingeschränkte Schulterbeweglichkeit,
  • Erektionsstörungen und andere urologische Beschwerden nach Prostatakrebs.

Yoga kann Krebs nicht heilen

Yoga kann eine Krebsbehandlung sinnvoll ergänzen. Es kann sie aber nicht ersetzen.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass Yoga die Überlebenszeit bei Krebs verlängert oder die Wirkung einer Krebsbehandlung verbessert. 

Im Fokus: Was Studien zu Yoga gegen Fatigue zeigen

Gut zu wissen

Möchten Sie Yoga gegen Fatigue einsetzen, sollten Sie grundsätzlich mit kleinen Verbesserungsschritten rechnen. 

Lassen Sie sich davon nicht entmutigen, sondern machen Sie regelmäßig weiter.

Krankhafte Erschöpfung und Müdigkeit, die sogenannte Fatigue, gehört zu den häufigsten Beschwerden bei und nach Krebs. 

Fatigue ist auch die Begleiterscheinung bei Krebs, bei der Yoga bisher am besten untersucht wurde. Die Studien sprechen insgesamt dafür, dass Yoga Fatigue besonders nach Abschluss der Therapie lindern kann.

Konkret zeigen sie:

  • Im Vergleich zur üblichen Versorgung ohne besonderes Bewegungsprogramm kann Yoga die Fatigue nach einer Chemotherapie oder Strahlentherapie, aber auch währenddessen verringern.
  • Die Wirkung von Yoga auf Fatigue ist meist nicht sehr stark, aber durchaus spürbar. Diese eher kleineren Effekte sind wissenschaftlich nachweisbar. 

Im Vergleich zu anderen Bewegungsangeboten wie Ausdauer- oder Krafttraining zeigt sich allerdings kein klarer Vorteil von Yoga. Die Studien sprechen eher dafür, dass Bewegung allgemein hilft – unabhängig davon, ob sie als Yoga oder als klassisches Training durchgeführt wird.

In den Studien bleibt weiterhin offen,

  • ob die Wirkung langfristig anhält,
  • ob Yoga bei allen Krebsarten gleichermaßen wirkt,
  • wie genau Yoga durchgeführt werden sollte, das heißt beispielsweise wie oft pro Woche, wie lange oder welche Yogaform geübt werden sollte.

 

Gut zu wissen

Die wichtigsten Erkenntnisse stammen aus großen Übersichtsarbeiten. Dabei werten Forscher die Ergebnisse vieler Einzelstudien gemeinsam aus. Viele der eingeschlossenen Studien waren randomisierte kontrollierte Studien. Diese Studienform gilt als besonders aussagekräftig.

Trotzdem gibt es Einschränkungen, beispielsweise:

  • Viele Studien untersuchten nur wenige Patientinnen und Patienten.
  • Die Vergleichsgruppen unterschieden sich.
  • Fatigue wurde mit verschiedenen Messmethoden erfasst.

Deshalb halten Fachleute Yoga bei Krebserkrankungen prinzipiell für gut anwendbar. Allerdings gibt es nicht für alle positiven Wirkungen gleich starke wissenschaftliche Nachweise.

Weitere Forschung

Die Wirkung von Yoga bei Krebs wird weiterhin untersucht.

Ein Beispiel dafür: Auf einem Fachkongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) Ende Mai 2026 wurden vorläufige Ergebnisse einer Studie mit 410 Krebsüberlebenden ohne Metastasen vorgestellt. Die meisten Teilnehmenden waren Frauen, viele hatten Brustkrebs überstanden.

  • Eine Gruppe erhielt die übliche Nachsorge.
  • Die andere machte zusätzlich ein 4-wöchiges Yoga-Programm mit langsamen körperlichen Bewegungen, Atemübungen und Entspannungstechniken – angeleitet und zu Hause. Im Durchschnitt kamen sie auf etwa 180 Minuten Yoga pro Woche.

Das vorläufige Ergebnis: Die Yoga-Gruppe berichtete über Verbesserungen bei Fatigue, Stimmung, Angst und Schlaf.

Wichtig zu wissen

Die Ergebnisse sind noch vorläufig. Das heißt: Sie wurden bisher nicht unabhängig wissenschaftlich begutachtet. Deshalb lassen sich daraus noch keine sicheren Schlussfolgerungen ziehen. Sie zeigen jedoch, dass nicht-medikamentöse Angebote für Menschen mit belastenden Folgen nach abgeschlossener Krebshandlung interessant sein können.

Ist Yoga bei Krebs sicher?

Grundsätzlich gilt Yoga während oder nach einer Krebserkrankung und -behandlung als sicher. 

In Studien wurden keine schweren Nebenwirkungen beobachtet. Leichte Beschwerden wie Muskelkater oder vorübergehende Schmerzen traten nur selten auf.

Trotzdem ist nicht jede Übung für jede Person geeignet: Je nach Erkrankung, Behandlung oder körperlichen Einschränkungen müssen Übungen angepasst oder vermieden werden – zum Beispiel bei Knochenmetastasen, Lymphödemen, Bluthochdruck oder nach einer Operation.

Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam

Wenn Sie Yoga während oder nach einer Krebsbehandlung ausüben möchten, sprechen Sie zuvor mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Gemeinsam können Sie klären,

  • ob Yoga in Ihrer Situation geeignet ist,
  • welche Übungen angepasst werden sollten,
  • ob Sie auf bestimmte Übungen vorübergehend verzichten, sollten.

Wichtig ist: Yoga sollte keine Schmerzen verursachen und nicht überfordern. Beginnen Sie langsam, führen Sie die Übungen korrekt und wenn möglich unter Anleitung aus. Stimmen Sie auch eine Steigerung mit Ihrem Behandlungsteam ab.

Wie finde ich ein passendes Angebot?

Fragen Sie während der Krebsbehandlung oder Rehabilitation zunächst Ihr Behandlungsteam nach geeigneten Angeboten. Viele Krebszentren und Reha-Kliniken bieten inzwischen Yoga an.

Wenn Sie selbst einen Kurs suchen,

  • wählen Sie möglichst einen Kurs für Menschen mit Krebs oder eine qualifizierte Yogalehrerin beziehungsweise einen qualifizierten Yogalehrer mit entsprechender Weiterbildung,
  • informieren Sie die Kursleitung über Ihre Erkrankung und mögliche Einschränkungen,
  • halten Sie gegebenenfalls Rücksprache mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin, wenn Sie nicht mehr onkologischer Behandlung oder Nachsorge sind.

Gut zu wissen: Auch Krebsberatungsstellen und Selbsthilfegruppen bieten teilweise spezielle Yoga-Kurse für Menschen mit Krebs an. Manche Angebote finden auch online statt.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Ob eine Krankenkasse die Kosten übernimmt, hängt vom jeweiligen Angebot und von Ihrer persönlichen Situation ab.

Fragen Sie direkt bei Ihrer Krankenkasse nach:

  • welche Kurse gefördert werden,
  • ob eine teilweise Kostenübernahme möglich ist,
  • welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

Auch Krebsberatungsstellen oder das Netzwerk OnkoAktiv können über mögliche Förderangebote für Bewegung bei oder nach Krebs informieren.

Zum Weiterlesen

Quellen und Links (Auswahl)

S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Behandlung onkologischer PatientInnen, Langversion 2.0, 2024, AWMF-Registernummer: 032/055OL; Stand 09/2020 (aufgerufen am 30.07.2026). 

Englischsprachige Kurzfassung einer noch nicht vollständig veröffentlichten Studie, die auf dem Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) 2026 vorgestellt wurde: Choi Y, Lin PJ, Sun H, Mattick LJ, Chakrabarti A, Melnik M, et al. YOCAS yoga, mood disturbance, and insomnia: a URCC NCORP RB nationwide, phase III, randomized, controlled trial with cancer survivors. J Clin Oncol. 2026;44(16 Suppl):12004. doi:10.1200/JCO.2026.44.16_suppl.12004.

QR Code WhatsApp Kanal Krebsinformationsdienst

Dieser Artikel war für Sie hilfreich?

Wenn Sie auch künftig aktuelle Krebs-News und neue Hintergrundinformationen erhalten möchten, abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal.

So bleiben Sie direkt informiert – wissenschaftlich fundiert und unabhängig.

Unserem Kanal folgen

Geprüft

durch unsere Fachredaktion,
bestehend aus Expertinnen und Experten aus Medizin, Naturwissenschaften sowie Psychoonkologie und Recht.

Fragen Sie uns. Wir sind für Sie da.

Ärztinnen und Ärzte beantworten Ihre Fragen zu Krebs am Telefon oder per E-Mail – kostenfrei.
Unsere Informationen sind verständlich, aktuell, wissenschaftlich fundiert und qualitätsgesichert.

Ärztlicher Telefondienst

Telefonisch erreichen Sie uns unter 0800 420 30 40 täglich von 8 bis 20 Uhr. Ihr Anruf ist innerhalb Deutschlands kostenlos.

Wir rufen Sie gerne zurück

Sie haben uns nicht erreicht? Oder wollen in einem festen Zeitraum mit uns telefonieren? Dann
können Sie mit unseren Ärztinnen und Ärzten einen Rückruf vereinbaren.

  • Pflichtfelder Bitte hinterlegen Sie eine Telefonnummer unter der Sie persönlich gut zu erreichen sind, wählen Sie unter "Uhrzeit" den Zeitraum, in dem Sie zurückgerufen werden möchten und stimmen Sie unseren Datenschutzbestimmungen zu.

Ärztlicher E-Mail-Service

Schriftliche Anfragen senden Sie bitte entweder