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Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Behandlung bei Prostatakrebs: Chemotherapie, weitere Arzneimittel

Wenn Hormonentzug nicht ausreicht: Medikamentöse Therapie bei fortgeschrittener Erkrankung

Was tun, wenn die Hormontherapie nicht mehr ausreicht? Eine Chemotherapie bietet Patienten mit einem Prostatakarzinom die Möglichkeit, bei einer fortgeschrittenen Erkrankung das Tumorwachstum zu bremsen. Das kann Beschwerden lindern und die Lebenszeit verlängern. Heilen kann die Behandlung Betroffene aber nicht. Die Therapie hat außerdem Nebenwirkungen und kommt daher nicht für jeden infrage.

Gibt es Alternativen zur "Chemo"? Neuere Therapieansätze bauen auf Medikamente, die gezielt in den Stoffwechsel der Tumorzellen oder auch in das Immunsystem eingreifen. Ihr Nutzen wird derzeit in Studien untersucht, Standard sind sie nicht.

Der nachfolgende Text bietet Betroffenen und ihren Angehörigen einen Überblick über die medikamentöse Behandlung bei Prostatakrebs. Das Gespräch mit den behandelnden Ärzten kann der nachfolgende Text nicht ersetzen. Interessierte und Fachkreise finden zudem Hintergründe, Linktipps und Hinweise auf Fachpublikationen.

Wegen des besonderen Stellenwerts informiert über die Therapie mit antihormonellen Medikamenten ein eigener Text.

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Quellen und Links

Der Krebsinformationsdienst hat zur Erstellung des Textes im Wesentlichen zurückgegriffen auf die S3-Behandlungsleitlinie deutscher Fachgesellschaften. Die bei der Erstellung genutzten Quellen sind nach Möglichkeit direkt im Text genannt. Eine Übersicht findet sich zudem unter "Prostatakrebs: Behandlungsplanung – eine Übersicht über die Therapiemöglichkeiten".

Chemotherapie bei Prostatakarzinom: Für wen kommt sie infrage?

Bei einer Chemotherapie handelt es sich um eine systemische Behandlung. Das heißt: Das Medikament, das Zytostatikum, wirkt im ganzen Körper. Es richtet sich gegen alle Zellen, nicht nur die Krebszellen. Es verhindert, dass diese wachsen und sich teilen.

Da Tumorzellen sich meist deutlich häufiger teilen als gesunde Zellen, bremst die Chemotherapie aber vor allem den Krebs aus. Das gilt für den Tumor in der Prostata ebenso wie für bereits entstandene Metastasen, also Absiedlungen in anderen Organen.

Für wen kommt eine Chemotherapie infrage?

Die Chemotherapie kommt für Patienten infrage, die unter einem metastasierten Prostatakarzinom leiden. Sie kann in Kombination mit einer Hormonentzugstherapie eingesetzt werden, oder erst wenn der Hormonentzug nicht mehr wirkt.

Wurde die Erkrankung festgestellt, nachdem sich schon Metastasen in den Knochen oder anderen Organen gebildet haben? Dann ist eine Kombination aus einer Antihormontherapie und einer Chemotherapie sinnvoll. Die Kombination kann die Krankheit in Schach halten und das Überleben verlängern. Zudem lindert die Therapie krankheitsbedingte Beschwerden.

Gegen eine Chemotherapie sprechen bei manchen Patienten die Nebenwirkungen der Behandlung. Wichtig ist daher, in welchem Allgemeinzustand man sich befindet. Die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie ist immer eine Einzelfallentscheidung, die man zusammen mit den behandelnden Ärzten treffen muss. Außer den Nebenwirkungen spielen auch etwaige Begleiterkrankungen sowie der persönliche Wunsch eine Rolle.

Klinische Studien deuten darauf hin, dass sich ein metastasiertes Prostatakarzinom auch gut durch die frühzeitige Kombination der klassischen Hormonentzugstherapie mit dem vergleichsweise neuen Medikament Abirateron eindämmen lässt.

Aber auch wenn ein Hormonentzug nicht mehr wirkt, kann eine Chemotherapie sinnvoll sein. Ob man diese sofort beginnt, auch wenn keine Beschwerden vorliegen, oder erst dann wenn auch die neueren Hormonentzugstherapien nicht mehr wirken oder die Metastasen zu Beschwerden führen, muss im Einzelfall entschieden werden.

Wie läuft die Behandlung ab? Kann sie zur Heilung führen?

Infusionen zur Chemotherapie Foto: Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Die Chemotherapie kann man ambulant erhalten. Die Infusion dauert etwa eine Stunde. Foto: Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Die meisten Männer mit einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom beginnen mit einer Antihormontherapie. Ist die Kombination mit einer Chemotherapie sinnvoll und gewünscht, sollte diese spätestens innerhalb von vier Monaten nach Beginn der Antihormontherapie einsetzen.

Als Chemotherapie erhält man dann alle drei Wochen eine Infusion mit dem Medikament, dass das Zellwachstum im Körper bremst, ein Zytostatikum. Es verhindert, dass der Tumor weiter wachsen kann. Die Infusion dauert etwa eine Stunde und ist ambulant im Krankenhaus oder einer Praxis möglich.

In der Regel wird die Chemotherapie fortgeführt, bis die Erkrankung trotz der Therapie fortschreitet oder bis Nebenwirkungen auftreten, die ein Ende oder auch den Abbruch der Therapie nahelegen.

Vom Krebs Heilen kann eine Chemotherapie Betroffene allerdings nicht. Das bedeutet: Für Männer, deren Tumor auf die Prostata begrenzt ist, und die sich auch durch eine Operation oder eine Bestrahlung behandeln ließen, ist eine Chemotherapie normalerweise nicht sinnvoll.

Mit welchen Medikamenten wird die Chemotherapie durchgeführt?

Die meisten Patienten mit Prostatakrebs bekommen für die Chemotherapie ein Zytostatikum aus der Gruppe der Taxane, zum Beispiel die Substanz Docetaxel. Taxane sind Medikamente, die den Teilungsvorgang von Zellen stören und so verhindern, dass sich die Zellen vermehren. Bis die Wirkung einsetzt, dauert es eine Zeitlang.

Männer, die unter Beschwerden aufgrund ihrer Erkrankung leiden, benötigen zumindest zu Beginn weitere Therapien: Das können Schmerzmittel sein, oder bei Knochenmetastasen Arzneimittel, die in den Knochenstoffwechsel eingreifen, oder auch eine Bestrahlung.

Ein Steroidhormon in Tablettenform, auch "Kortison" genannt, ist ebenfalls als Begleitmedikament möglich. Es lindert krankheitsbedingte Beschwerden wie Schmerzen, Appetitlosigkeit oder Müdigkeit. Das wiederum kann die Lebensqualität verbessern.

Nebenwirkungen der Chemotherapie: Mit welchen Beschwerden muss man rechnen? Was kann man dagegen tun?

Während einer Chemotherapie mit Taxanen ist es nicht unwahrscheinlich, dass Nebenwirkungen auftreten. Die bei Prostatakrebs eingesetzten Medikamente haben zum Beispiel einen starken Einfluss auf die Blutbildung im Knochenmark. Außerdem kann die Therapie die Nerven der Füße und Hände in Mitleidenschaft ziehen.

Darüber hinaus sorgen mitunter Haarausfall und Irritationen der Haut, der Nägel sowie des Magen-Darm-Trakts für Probleme. Nebenwirkungen, die bei der Behandlung mit Taxanen auftreten können, sind in den nachfolgenden Absätzen aufgezählt.

Blutbildveränderungen

Das kann passieren: Medikamente aus der Gruppe der Taxane wirken sich auf die Bildung einiger wichtiger Blutzellen im Körper aus. Durch die Behandlung kann die Zahl der weißen Blutkörperchen sinken. Ärzte sprechen in diesem Fall von einer Neutropenie. Eine Neutropenie schränkt die Funktion des Immunsystems ein und begünstigt so Infektionen.
Auch die Zahl der roten Blutkörperchen und der Blutplättchen kann abfallen, eine sogenannte Anämie beziehungsweise Thrombozytopenie. Infolge können zum Beispiel Kurzatmigkeit oder Kopfschmerzen beziehungsweise Zahn- und Nasenbluten auftreten.

Das lässt sich dagegen tun: Während der Therapie mit Taxanen ist eine regelmäßige Kontrolle des Blutbilds unverzichtbar. Sind die Nebenwirkungen schwerwiegend, kommt eine Unterbrechung der Therapie oder eine Verringerung der Dosis infrage. Auch Begleitmedikamente, die die Blutbildung anregen, können unter Umständen helfen.

Nervenschäden

Das kann passieren: Eine Chemotherapie mit Taxanen kann die Nerven angreifen. Besonders betroffen sind die Nerven, die außerhalb des Gehirns und Rückenmarks liegen, zum Beispiel die Nerven der Füße und Hände. Die Folge können Taubheitsgefühle bis hin zu Schmerzen in den Armen und Beinen sein. Auch das Feingefühl kann gestört sein. Mitunter fühlt man sich auch beim Gehen unsicher. All das deutet auf eine sogenannte Neuropathie hin.

Das lässt sich dagegen tun: Bei vielen Patienten verläuft die Neuropathie mild. Nach Ende der Chemotherapie können die Beschwerden auch wieder zurückgehen. Sind die Symptome stark ausgeprägt, kann es aber unter Umständen notwendig sein, die Chemotherapie abzubrechen.

Haarausfall, Nagelschäden und Hautprobleme

Mann im Badezimmer vor dem Spiegel © Radius Images / Getty Images
Viele Patienten leiden unter Hautprobleme und Haarausfall während der Chemotherapie. © Radius Images

Das kann passieren: Da Taxane die Zellteilung stören, wirken sie besonders auf die Gewebe, die sich im Körper häufig erneuern und regenerieren. Das kann zu Problemen an Haaren, Haut und Nägeln führen. Zehn von 100 behandelten Patienten fallen daher während der Behandlung die Haare aus. Davon betroffen sind nicht nur die Kopfhaare, sondern auch die Augenbrauen, die Schamhaare und die Haare im Achselbereich.
Die Haut kann auf die Therapie mit Rötungen, Trockenheit, Schuppen oder Juckreiz reagieren. An den Nägeln kann es zu Verfärbungen, Verdickungen oder zum Ablösen des Nagels vom Nagelbett kommen.
Ob Hautreaktionen und Nagelveränderungen während der Therapie auftreten, hängt unter anderem davon ab, mit welchem Taxan man behandelt wird.

Das lässt sich dagegen tun: Ob man als Mann bei Haarausfall, einer sogenannten Alopezie, eine Perücke auf Rezept erhält, müssen Betroffene im Einzelfall mit ihrer Krankenkasse klären: Nicht alle Versicherungen übernehmen die Kosten. Da der Haarausfall vorübergehend ist, wachsen die Haare nach Ende der Therapie wieder nach. Wenn die Haut und die Schleimhäute empfindlich auf die Therapie reagieren, sollte man beim Waschen lauwarmes Wasser anstatt eiskaltem oder sehr heißem verwenden, die Haut beim Abtrocknen nur sanft abtupfen statt sie abzureiben. Besondere Vorsicht gilt bei der Pflege im Intimbereich, um kleine Verletzungen und Infektionen zu vermeiden. Ob fetthaltige Cremes, zum Beispiel Babycreme, zum Schutz geeignet sind, sollte man zur Sicherheit mit den behandelnden Ärzten besprechen. Unter Umständen stört das Fett den Eigenschutz der Schleimhäute.

Beschwerden in Mund, Magen, Darm

Das kann passieren: Nebenwirkungen der Chemotherapie, die den Magen und den Darm betreffen, sind Erbrechen und Übelkeit. Auch Verstopfung, Durchfall, Bauchschmerzen oder Entzündungen der Schleimhäute im Magen, in der Speiseröhre und auch im Mund sind nicht ausgeschlossen.

Das lässt sich dagegen tun: Gegen Übelkeit und Erbrechen helfen Medikamente. Ist die Mundschleimhaut entzündet, kann eine Mundspülung mit einem Arzneimittel sinnvoll sein. Bei Schmerzen kommen schmerzmittelhaltige Pflaster infrage.

Überempfindlichkeitsreaktionen

Das kann passieren: Zusatzstoffe, sogenannte Emulgatoren, in einigen Arzneimitteln, die zur Chemotherapie eingesetzt werden, können unter Umständen akute Reaktionen im Körper auslösen, zum Beispiel eine Hautrötung, aber auch eine Verengung der Atemwege, Atembeschwerden oder ein Abfallen des Blutdrucks. Und auch die Wirkstoffe in den Arzneimitteln selbst können zu Irritationen im Körper führen.

Das lässt sich dagegen tun: Durch die Einnahme von Begleitmedikamenten kann man verhindern, dass es während der Chemotherapie im Körper zu allergischen Reaktionen kommt. Überempfindlichkeitsreaktionen lassen sich so vermeiden. Treten dennoch Beschwerden auf, sollte die Behandlung erst einmal unterbrochen werden. Unter Umständen kann es helfen, auf ein anderes Arzneimittel zur Chemotherapie umzusteigen. Auch eine Desensibilisierung, also ein schrittweise Gewöhnung an das Arzneimittel ist möglich.

Selbst aktiv werden bei Nebenwirkungen

Wer ergänzend zur Chemotherapie auf pflanzliche Medikamente, Naturheilverfahren oder andere als wenig belastend verstandene Methoden setzen möchte, sollte dies mit seinen Ärzten besprechen. Die Chemotherapie ersetzen können alternativmedizinische Verfahren jedoch nicht.

Wie andere Männer mit Prostatakrebs und den Folgen umgegangen sind, kann man in Selbsthilfe-Gruppen erfahren. Mehr zu diesen Themen bietet der Text "Prostatakrebs: Leben mit der Erkrankung und ihren Folgen"

Neue Therapieansätze: Was bewirken zielgerichtete Medikamenten oder eine Immuntherapie?

Sowohl sogenannte "zielgerichtete" Therapien als auch Therapieansätze, die in das Immunsystem eingreifen, haben für die Behandlung bei einem Prostatakarzinom bisher keinen Stellenwert. Sie gelten als experimentelle Verfahren, deren Nutzen nicht sicher belegt ist.

Was steckt dahinter? Zielgerichtete Therapien können den Stoffwechsel der Tumorzellen blockieren. Bei einigen Krebsarten zeigt das gute Wirkung in der Behandlung. Nicht so bei Prostatakrebs. Zwar deuten Ergebnisse aus der Grundlagenforschung und frühen klinischen Studien an, dass das Prostatakarzinom aufgrund seiner Eigenschaften ein Kandidat für eine zielgerichtete Therapie, oder auch eine Immuntherapie sein könnte. Die bei anderen Tumorarten sonst üblichen zielgerichteten Therapien haben sich in Studien aber bislang als wenig erfolgreich erwiesen. Das heißt, die Substanzen konnten die Überlebenszeit der Studienteilnehmer nicht nachweislich verlängern.

Einige neuere Verfahren der zielgerichteten Therapie oder auch der Immuntherapie werden derzeit bei Prostatakrebs in klinischen Studien getestet.

Zum Weiterlesen: Linktipps und Quellen (Auswahl)