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Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Prostatakrebs: Chemotherapie und zielgerichtete Medikamente

Die Chemotherapie bietet Patienten mit einem Prostatakarzinom die Möglichkeit, auch bei einer fortgeschrittenen Erkrankung noch das Tumorwachstum zu bremsen. Sie ist allerdings mit Nebenwirkungen verbunden und lässt sich daher nicht bei allen Patienten einsetzen. Solange andere Behandlungsverfahren wirken, ist eine Chemotherapie daher keine Alternative. Doch neue Verfahren werden in Zukunft auch die Möglichkeiten der Prostatakrebsbehandlung erweitern, etwa mit zielgerichteten Medikamenten oder Immuntherapien. Viele neue Ansätze sind bislang aber nur in klinischen Studien verfügbar und helfen auch nicht allen Patienten. Einen kurzen Überblick bietet der folgende Text. Für betroffene Männer kann er Hintergründe bieten. Das Gespräch mit den behandelnden Ärzten lässt sich jedoch nicht ersetzen.

Erstellt: 01.10.2011
Zuletzt überprüft: 01.10.2011

Chemotherapie: Wann behandeln?

Die Chemotherapie ist im Rahmen der Prostatakarzinomtherapie kein Verfahren der ersten Wahl: Selbst bei einer bereits weit fortgeschrittenen Erkrankung bietet die Hormontherapie fast immer bessere Möglichkeiten, gegen Metastasen oder Lymphknoten mit Tumorbefall anzugehen.

Die Antihormonbehandlung wirkt allerdings nicht unbegrenzt. Als wichtiges Anzeichen für ein weiteres Tumorwachstum gilt ein trotz maximaler Testosteronunterdrückung steigender PSA-Wert. Der Fachbegriff für ein von Sexualhormonen unabhängiges Wachstum lautet "hormonrefraktär".

Bringt auch eine Umstellung und Erweiterung der Antihormontherapie keinen Erfolg, profitieren Patienten unter Umständen von einer Chemotherapie. Die verschiedenen Zytostatika, die bei der Prostatakrebstherapie eingesetzt werden können, haben zum Teil nicht unerhebliche Nebenwirkungen. Der Nutzen der Behandlung sollte daher sorgfältig gegen die Risiken und möglichen Einschränkungen der Lebensqualität abgewogen werden.

Männer, bei denen ein steigender PSA-Wert auf einen Rückfall nach einer Operation oder Bestrahlung hindeutet, die aber noch keine Hormontherapie hatten, finden Informationen für ihre Situation hier.

Praktische Anwendung: Wie behandeln?

Gute Erfahrungen haben Onkologen in den letzten Jahren mit so genannten Taxanen gemacht. Diese Gruppe von Zytostatika wurde ursprünglich aus Eiben isoliert. Das am häufigsten eingesetzte Taxan bei Prostatakarzinompatienten ist Docetaxel. Weitere Substanzen werden in klinischen Studien getestet.

Die Mittel, die gegen Prostatakrebs eingesetzt werden, erhalten Patienten als Infusion in eine Vene. Zytostatika in Tablettenform sind in der Regel noch nicht verfügbar, werden bei Prostatakrebspatienten aber in Studien geprüft. Je nach Behandlungsschema wird die Infusion etwa alle drei Wochen wiederholt. Mit Begleitmedikamenten lassen sich Nebenwirkungen wie etwa Übelkeit wirksam unterdrücken. Patienten erhalten je nach Art der Chemotherapie zusätzlich noch ein Kortisonpräparat.

Trotzdem sind Nebenwirkungen wie Haarausfall und Erschöpfung möglich, auch das Infektionsrisiko kann steigen, da auch Blut- und Immunzellen durch die Zytostatika geschädigt werden. Mehr zur Linderung solcher Beschwerden hat der Krebsinformationsdienst im Text "Chemotherapie" und in der Rubrik "Belastende Symptome" zusammengestellt.

Zielgerichtete Medikamente

Erst seit relativ kurzer Zeit gibt es für Männer mit metastasiertem Prostatakrebs weitere Medikamente, die selbst dann noch helfen können, wenn eine Chemotherapie nicht mehr wirkt. Ob sie auch anstelle einer "Chemo" eingesetzt werden können, müssen Betroffene auf jeden Fall mit ihren behandelnden Ärzten besprechen: Einige Mittel werden noch in Studien erprobt, und auch die bereits verfügbaren Substanzen sind nicht für jeden Patienten in jeder Situation geeignet.

Solche zielgerichteten Mittel stehen als Tabletten zur Verfügung. Obwohl sie erst angewendet werden, wenn eine Hormonentzugstherapie nicht mehr wirkt, greifen auch sie in den Hormonstoffwechsel ein: Die Substanz Abirateronacetat hemmt ein Enzym, das für die Testosteronbildung wichtig ist. Damit wird von vornherein körpereigenes Testoteron unterdrückt und nicht nur blockiert. Als begleitende Behandlung erhalten betroffene Männer ein Kortikoid ("Kortison").
Weitere Stoffe, die zum Teil noch nicht außerhalb von Studien zur Verfügung stehen, sollen ähnlich wirken.

Bei fortgeschrittener Erkrankung: Beschwerden lindern

Die Therapie eines fortgeschrittenen hormonrefraktären Prostatakarzinoms orientiert sich an den Symptomen. Betroffene Patienten sollten wissen, dass es voraussichtlich nicht gelingen wird, alle Krebszellen in ihrem Körper abzutöten.
Was mit einer Chemotherapie erreicht werden kann, ist ein Wachstumsstopp und eine Linderung vorhandener Beschwerden. Wie ausgeprägt die dadurch erzielte Lebensverlängerung ausfällt, ist individuell unterschiedlich. In Studien konnten Zeiträume von mehr als eineinhalb Jahren erzielt werden, allerdings nicht bei allen Patienten.

Angesichts der Nebenwirkungen vieler Zytostatika sollten Patienten gemeinsam mit ihren Ärzten auch die Alternativen zu einer Chemotherapie besprechen. Stehen zum Beispiel Knochenmetastasen im Vordergrund, bieten sich je nach Situation auch die alleinige oder zusätzliche gezielte Bestrahlung und die medikamentöse Behandlung mit so genannten Bisphosphonaten an. Sie senken die Bruchgefahr der Knochen und lindern tumorbedingte Knochenschmerzen. Hat ein Patient mehrere Knochenmetastasen, kann eventuell auch die Behandlung des ganzen Körpers mit einem radioaktiven Stoff sinnvoll sein, die so genannte Radionuklid-Therapie mit Isotopen, zum Beispiel Strontium.
Bis die Wirkung einsetzt, ist in jedem Fall eine Schmerztherapie einzuleiten, unabhängig davon, ob sich ein Patient für oder gegen eine Bestrahlung oder Chemotherapie entscheidet.  

Steigt der PSA-Wert unter hormoneller Therapie an, ohne dass sich ein erneutes Tumorwachstum gleichzeitig durch Beschwerden bemerkbar macht, spielen bei der Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie auch der Allgemeinzustand und eventuell vorhandene Begleiterkrankungen eine Rolle. Anhand der bisher vorliegenden Studiendaten zum Erfolg der Chemotherapie lässt sich der günstigste Zeitpunkt, zu dem sie beginnen sollte, nicht sicher eingrenzen.

Ein einzelner angestiegener PSA-Wert gilt als auf keinen Fall ausreichend für eine Entscheidung; vollzieht sich ein Anstieg auch in größeren zeitlichen Abständen nur sehr langsam, kann unter Umständen noch zugewartet werden.

Studien: Klinische Forschung mit neuen Verfahren

Insgesamt ist die Behandlung eines fortgeschrittenen Prostatakarzinoms eine große therapeutische Herausforderung, und für viele Patienten unbefriedigend. In klinischen Studien werden neue Verfahren getestet, zum Beispiel neue Wirkstoffe wie etwa Platinverbindungen oder neue Kombinationen bereits bewährter Mittel in niedriger Dosierung. Immuntherapeutische Verfahren sind ebenfalls Thema der klinischen Forschung: Diese spezifischen Vakzinetherapien haben mit den landläufigen Vorstellungen zur "Stärkung der Abwehrkräfte" oder gar den frei verkäuflichen Mitteln zur Immunstimulation allerdings nichts zu tun.

Die Teilnahme an einer Therapiestudie bietet auch in fortgeschrittenen Stadien weitere Optionen. Sie kann allerdings auch Risiken beinhalten, da über neue Therapieverfahren noch nicht so viele Informationen vorliegen wie über geprüfte Standards. Ob die Teilnahme an einer Studie in Betracht kommt, hängt auch davon ab, ob für einen betroffenen Mann gerade eine passende Studie "offen" und auch für seine Situation angemessen ist. Hier hilft nur die Rücksprache mit den behandelnden Ärzten weiter. Zur Vorbereitung auf ein solches Gespräch hat der Krebsinformationsdienst ein kurz gefasstes Informationsblatt "Klinische Studien" als PDF-Datei zusammengestellt. Ausführliche Informationen zur Krebsforschung allgemein bietet ein gleichnamiger Text.

Psychische Belastung: Was tun, wenn die Krankheit weiter fortschreitet?

Auch die psychische Belastung, die die Suche nach weiteren Therapiemöglichkeiten und das schwierige Abwägen von Alternativen mit sich bringen, kann groß sein. Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom finden in der Rubrik "Krankheitsbewältigung" eine Zusammenstellung von Texten zu verschiedenen psychologischen Aspekten. Für Betroffene wie für ihre Familien sind die regionalen Krebsberatungsstellen eine gute Anlaufstelle, um sich weiter zu informieren und beraten zu lassen. Ist die Situation sehr belastend und wird längerdauernde Unterstützung gewünscht, können auch Psychoonkologen weiterhelfen. Adressen von Krebsberatungsstellen und Psychoonkologen bietet der Krebsinformationsdienst im Bereich "Wegweiser: Adressen". Ein kurz gefasster Überblick ist in einem Informationsblatt "Psychoonkologie" als PDF-Datei verfügbar.