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Lungenkrebs © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Lungenkrebs

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Behandlung von kleinzelligem Lungenkrebs

Letzte Aktualisierung: 16.09.2019

In Deutschland bekommen etwa 7.000 bis 8.000 Menschen im Jahr ein kleinzelliges Bronchialkarzinom (SCLC, englisch für "small cell lung cancer"). Das sind etwa 15 Prozent aller Lungenkrebspatientinnen und -patienten.
Welche Behandlung für Betroffene infrage kommt, hängt von ihrer persönlichen Gesundheit ab – und vor allem vom Krankheitsstadium. Kleinzellige Tumoren wachsen in der Regel schnell und bilden früh Metastasen. Daher haben die meisten Betroffenen bei der Diagnose einen Tumor im fortgeschrittenen Stadium. Teil der Behandlung ist in der Regel eine Chemotherapie. Auch in sehr frühen Stadien, wenn Ärzte den Tumor operieren können, erhalten Betroffene anschließend eine Chemotherapie. Für manche Patientinnen und Patienten steht auch eine Immuntherapie in Kombination mit einer Chemotherapie zur Verfügung. Neuere Ansätze mit zielgerichteter Therapie oder Immuntherapie werden in Deutschland im Rahmen von klinischen Studien erforscht.

Zum Weiterlesen

Mehr zur Stadieneinteilung nach dem TNM-System lesen Sie unter "Lungenkrebs – Diagnostik".

Es gibt vier Krankheitsstadien des kleinzelligen Lungenkrebses, die in weitere Untergruppen unterteilt sind. In welches dieser Stadien I–IV die Ärzte einen Tumor einordnen, hängt von der Ausdehnung des Tumors (T), dem Lymphknotenbefall (N) und dem Vorhandensein von Metastasen (M) ab.

In vielen Veröffentlichungen findet man eine ältere, aber immer noch gebräuchliche Form der Einteilung in zwei Stadien. Das erste Stadium bezeichnet eine begrenzte Ausdehnung der Krankheit "Limited disease"(LD), das zweite eine ausgedehnte Erkrankung "Extensive disease" (ED).

Limited disease und Extensive disease

Lungenkrebspatient im Gespräch mit einem Arzt
Etwa 30 von 100 Betroffenen mit kleinzelligem Lungenkrebs bekommen die Diagnose "Limited Disease“. © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum. Foto: Tobias Schwerdt

Frühe Stadien, lokal begrenzter Tumor oder "Limited disease"
Jeder kleinzellige Lungenkrebstumor im Stadium I–III gilt als frühes Stadium und fällt in die Kategorie "Limited disease" (LD).

"Limited disease" bedeutet, dass der Tumor auf eine Seite des Brustkorbs begrenzt ist, unabhängig davon, ob und welche Lymphknoten der Lunge befallen sind. In manchen Veröffentlichungen findet sich auch die Bezeichnung "Very limited disease" (VLD) für sehr frühe Stadien (Stadium I bis IIa).

Etwa 30 von 100 Betroffenen mit kleinzelligem Lungenkrebs haben einen Tumor in einem frühen oder sehr frühen Stadium. In diesen Stadien besteht die Chance auf eine Heilung.

Fortgeschrittene, metastasierte Stadien oder "Extensive disease"
Ärzte bezeichnen alle kleinzelligen Lungenkarzinome des Stadiums IV als fortgeschritten oder als "Extensive disease" (ED). Entscheidend für die Einordnung in diese Kategorie sind Metastasen außerhalb des betroffenen Lungenflügels, zum Beispiel in anderen Organen.

Etwa 70 von 100 Betroffenen mit kleinzelligem Lungenkrebs haben bei Diagnose einen Tumor im fortgeschrittenen Stadium. In diesem Stadium geht es vor allem darum, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und eine möglichst gute Lebensqualität zu erreichen.

Rezidiv (Rückfall)

Kommt der Krebs nach einer Behandlung wieder, bezeichnen Ärzte dies als Rezidiv. Entsteht der Tumor am gleichen Ort wie der Ursprungstumor ist es ein Lokalrezidiv. Tritt er an einer anderen Stelle auf, nennt man ihn Fernmetastase. Je nach Art des Rückfalls können die Ärzte entweder mit der Absicht zu heilen behandeln oder versuchen, die Symptome zu lindern.

Die meisten Betroffenen mit kleinzelligem Lungenkrebs haben bei Diagnose einen Tumor im fortgeschrittenen Stadium (Extensive disease). Das bedeutet, er hat bereits Metastasen im anderen Lungenflügel oder in anderen Organen gebildet. In dieser Situation geht es vor allem darum, die Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern. Außerdem versuchen die Ärzte, den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen. Heilbar ist die Krankheit im fortgeschrittenen Stadium in der Regel nicht mehr.

Da sich die Zellen beim kleinzelligen Lungenkrebs sehr schnell teilen, reagiert der Tumor besonders empfindlich auf eine Chemotherapie. Deshalb ist sie in der Regel ein wichtiger Teil des Behandlungsplans.

Chemotherapie

Krebspatientin bei der Chemotherapie © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Die Chemotherapie ist die wichtigste Behandlung für Betroffene mit kleinzelligem Lungenkrebs.

Als Standardtherapie erhalten Betroffene eine Kombination aus zwei Medikamenten. Das eine Medikament enthält Platin, wie etwa Cisplatin oder Carboplatin. Das andere ist meist Etoposid. Es können aber auch andere Chemotherapeutika infrage kommen. Die Kombination richtet sich auch nach dem Gesundheitszustand des Betroffenen.

Die Standardtherapie enthält vier bis sechs Zyklen. Betroffene erhalten an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine Infusion mit Chemotherapeutika. Danach schließt sich eine Pause von zweieinhalb Wochen an. In der Pause soll sich das gesunde Gewebe von der Chemotherapie erholen. Danach beginnt der nächste Zyklus.

Alternativ kann man auch Chemotherapeutika ohne Platin erhalten. Dann greifen Ärzte auf sogenannte Anthrazykline zurück. Da diese aber Herz und Leber angreifen können, müssen die Ärzte bei einer solchen Therapie die Organe kontrollieren.

Zusätzliche Bestrahlung

Der eigentliche Tumor (Primärtumor) und einzelne Metastasen lassen sich bestrahlen. Die Strahlentherapie kommt als Ergänzung zur Chemotherapie infrage. Die persönlichen Beschwerden entscheiden mit darüber, ob eine Bestrahlung sinnvoll ist.

Vor allem Frauen und Patienten unter 70 Jahren mit einem Resttumor profitieren von einer Primärtumorbestrahlung.

Voraussetzung für die Bestrahlung ist, dass der Tumor und die Metastasen gut auf die Chemotherapie angesprochen haben. Betroffene müssen außerdem so gesund sein, dass sie die zusätzliche Belastung gut verkraften können.

Nach dem Gesundheitszustand richtet sich auch, ob die Ärzte die Bestrahlung gleichzeitig mit der Chemotherapie durchführen oder danach.

Dosis und Häufigkeit der Bestrahlung richten sich nach der individuellen Situation der Betroffenen.

Die vorbeugende Bestrahlung des Gehirns soll verhindern, dass sich winzige Tumorreste im Gehirn festsetzen und Hirnmetastasen bilden. Ob Patienten mit kleinzelligem Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium überhaupt von einer solchen Hirnbestrahlung profitieren, ist derzeit nicht klar. Die Ergebnisse aus verschiedenen Studien widersprechen sich.

Eine Ganzhirnbestrahlung kann Nebenwirkungen haben, etwa Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen. Als Alternative empfehlen manche Experten das Gehirn regelmäßig mit einer Kernspinuntersuchung (MRT) zu kontrollieren. So kann frühzeitig eine Therapie erfolgen, wenn Hirnmetastasen neu auftreten.

Neue Ansätze

Ein neuer Ansatz ist in der Europäischen Union 2019 zugelassen worden: Dabei kombinieren Ärzte die Standardchemotherapie mit dem immuntherapeutischen Medikament "Atezolizumab". Das ist ein sogenannter Immun-Checkpointhemmer.



Zum Weiterlesen

Welche Vorteile gibt es, wenn man an einer Studie teilnimmt? Wie findet man eine passende Studie? Antworten auf diese Fragen finden Sie unter "Klinische Studien bei Krebs: Häufige Fragen, wichtige Antworten".

Der kleinzellige Lungenkrebs kommt trotz Chemotherapie bei vielen Patientinnen und Patienten wieder. Ein Großteil der Betroffenen mit einem kleinzelligen Lungenkrebs bekommt deshalb nach einer Weile ein Rezidiv oder Rückfall.
Die behandelnden Ärzte empfehlen die Therapie dann abhängig von folgenden Kriterien:

  • Gesundheitszustand
  • Art und Ausdehnung des Tumors
  • vergangene Zeit bis zu dem Auftreten des Rezidivs

Zur Wahl stehen wie bei der Erstbehandlung verschiedene Chemotherapien und eine Bestrahlung. Für manche Patienten kommt eine Operation infrage. Es gibt auch neuere Ansätze mit zielgerichteten und immuntherapeutischen Medikamenten für Rezidive des kleinzelligen Lungenkrebses. Diese Therapien stehen Patientinnen und Patienten in Deutschland zurzeit nur im Rahmen klinischer Studien zur Verfügung.

Die meisten Betroffenen mit kleinzelligem Lungenkrebs haben selbst im frühen Stadium keinen Tumor, der sich operativ entfernen lässt. Sie bekommen in der Regel eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie, auch Radiochemotherapie genannt. Nur wenige Betroffene haben einen Tumor, den die Ärzte operativ entfernen können.

Strahlen- und Chemotherapie

Linearbeschleuniger zur Strahlentherapie © VILevi - thinkstockphotos
Linearbeschleuniger zur Strahlentherapie © VILevi - thinkstockphotos

Chemotherapie
In der Regel kombinieren Ärzte bei der Chemotherapie zwei Wirkstoffe: Cisplatin und Etoposid. Die Standard-Chemotherapie dauert vier bis sechs Zyklen. Pro Zyklus ist an drei aufeinanderfolgenden Tagen eine Infusion mit Chemotherapeutika vorgesehen. Danach folgt eine Pause über zweieinhalb Wochen. In dieser Zeit soll sich das gesunde Gewebe von der Chemotherapie erholen.

Ältere Patientinnen und Patienten oder Betroffene mit gesundheitlichen Einschränkungen können auch Carboplatin und Etoposid oder andere Wirkstoffkombinationen erhalten. Ihre Nebenwirkungen lassen sich in der Regel besser vertragen.

Strahlentherapie
Meistens beginnt die Strahlentherapie schon während der Chemotherapie. Die Strahlentherapie kann aber auch im Anschluss an die Chemotherapie beginnen, wenn die Belastung durch die zeitgleiche Behandlung für die Betroffenen zu groß ist.

Standard ist eine sogenannte "hyperfraktionierte akzelerierte Strahlentherapie": Dabei bekommen Patienten zwei Mal pro Tag eine relativ geringe Dosis von je 1,5 Gray (Gy). Über 15 Bestrahlungstage in drei Wochen summiert sich die Dosis auf 45 Gy. Alternativ können Ärzte auch eine "konventionelle Fraktionierung" empfehlen: Betroffene erhalten dann über fünf bis sechs Wochen pro Bestrahlungstag eine Dosis von 1,8-2 Gy. Die Gesamtdosis am Ende der Strahlentherapie beträgt 50-60 Gy. Die Bestrahlung erfolgt in der Regel an den Wochentagen mit einer Pause am Wochenende.

Kommt eine Strahlentherapie nicht infrage, können Ärzte auch eine alleinige Chemotherapie empfehlen.

Vorbeugende Ganzhirnbestrahlung
Patientinnen und Patienten, deren Tumor gut auf eine Strahlenchemotherapie anspricht, empfehlen Experten unter Umständen eine vorbeugende Bestrahlung des Gehirns. Diese soll verhindern, dass Hirnmetastasen auftreten. Die Bestrahlung senkt dieses Risiko, kann aber nicht sicher verhindern, dass Hirnmetastasen entstehen.

Operation

Zum Weiterlesen

Was machen Ärzte bei einer Operation in der Lunge? Wie kann man sich auf die Operation vorbereiten? Mehr dazu finden Sie im unter "Behandlungsverfahren bei Lungenkrebs: Welche Möglichkeiten gibt es?"

Voraussetzung für eine Operation ist, dass der Tumor klein ist und keine oder nur wenige Lymphknoten zwischen den beiden Lungenflügeln befallen sind.

Wenn die Ärzte den Tumor operieren, empfehlen sie anschließend eine Chemotherapie. So lassen sich winzige Tumorreste und Mikro-Metastasen zerstören. Ziel ist es, einen Rückfall möglichst zu verhindern. Eine Operation allein verlängert das Überleben in der Regel nicht.



Quellen zum Weiterlesen (Auswahl)

Der Krebsinformationsdienst hat für die Erstellung des Textes im Wesentlichen auf die S3-Behandlungsleitlinie deutscher Fachgesellschaften zurückgegriffen. Weitere Fachliteratur ist zudem unter "Mehr Wissen zum Thema Lungenkrebs" aufgeführt.

Leitlinien

Die S3-Leitlinie "Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms" wurde im Februar 2018 von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und der Deutschen Krebsgesellschaft sowie weiteren Fachgesellschaften herausgegeben und ist zu finden unter: www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020-007OL.html.

Die Leitlinie "Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten" geht auch auf die Situation von Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung ein. Sie ist als PDF-Dokument abrufbar unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/032-051OL.html. Sie wurde im Januar 2014 veröffentlicht und wird verantwortet von der Deutschen Krebsgesellschaft und weiteren Fachgesellschaften.

Die S3-Leitlinie "Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung" geht auf Grundprinzipien der palliativmedizinischen Versorgung ein. Sie wurde 2015 herausgegeben vom Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF) und ist abrufbar unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/128-001OL.html. Federführende Fachgesellschaft war die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP).

Die S3-Leitlinie "Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen" wurde 2017 als redaktionell überarbeitete Fassung vom Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF) herausgegeben. Darin geht es um die durch die Tumortherapie verursachten Symptome und deren Linderung. Sie ist abrufbar unter: www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/supportive-therapie/.

Arzneimittelinformationen

Als Quelle für Aussagen zu Medikamenten hat der Krebsinformationsdienst aktuelle Fachinformationen der Hersteller herangezogen (über www.fachinfo.de; für Fachkreise zugänglich). Frei zugänglich sind Arzneimittelinformationen in deutschen Datenbanken (vor allem www.pharmnet.bund.de), aktuelle Hinweise des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte unter www.bfarm.de sowie die Informationen der EU-Arzneimittelbehörde EMA unter www.ema.europa.eu/ema/. Zum Stellenwert neuer Arzneimittel bietet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen evidenzbasierte Berichte ("Frühe Nutzenbewertung nach AMNOG bzw. §35a, SGB V), mehr unter www.iqwig.de/de/projekte-ergebnisse/publikationen/iqwig-berichte.1071.html.

Erstellt: 22.08.2019

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