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Brustkrebszelle, Foto: Duncan Smith/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Brustkrebs - eine Einführung: Anatomie, Häufigkeit, Tumorbiologie

Wie ist die weibliche Brust aufgebaut? In welchen Gewebeanteilen kann Brustkrebs entstehen, und vor allem: Was passiert bei der Krebsentstehung? Der folgende Text bietet eine kurze Übersicht über die häufigste Krebsform, an der Frauen in Deutschland erkranken.
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Aufbau der weiblichen Brust

Weibliche Brust © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Weibliche Brust mit Drüsengewebe und Lymphknoten © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (zum Vergrößern auf die Lupe klicken)

Die weibliche Brust (lateinisch "mamma") besteht aus, Drüsen-, Fett- und Bindegewebe. Sie wird von Adern, Lymphgefäßen und Nerven durchzogen. Diese stehen mit dem Gefäßsystem, dem Lymphsystem und der Nervenversorgung des umliegenden Gewebes in Verbindung: So gehören zum Lymphabflussgebiet der Brust auch Lymphknoten in den Achselhöhlen, über und unter dem Schlüsselbein, auf dem Brustbein und auf dem Rippenbogen unter der Brust.

Das Drüsengewebe der Brust besteht aus so genannten Drüsenlappen und kleineren Drüsenläppchen ("Lobuli"), in denen Muttermilch gebildet wird. Sie gehen in die Milchgänge ("Ductus") über, die in der Brustwarze münden.

Bindegewebe macht die Brust elastisch; ihre eigentliche Form wird aber durch das eingelagerte Fettgewebe und die Brusthaut bestimmt. Muskeln finden sich in der Brust nicht: Die Brustmuskulatur liegt vielmehr unter der Brustdrüse auf dem Brustkorb bzw. den Rippen auf.

Um die Lage einer Veränderung innerhalb der Brust exakt angeben zu können, wird diese schematisch in vier Quadranten oder Viertel eingeteilt. Dazu denkt man sich eine senkrechte und eine waagrechte Linie, die sich auf der Brustwarze kreuzen. Die meisten bösartigen Veränderungen entstehen im äußeren oberen Quadranten, also zwischen Achselhöhle und Schlüsselbein. 

Das Brustdrüsengewebe reagiert auf das zyklische Auf und Ab der weiblichen Geschlechtshormone, vor allem auf Östrogene und Gestagene. Kurz vor der Monatsblutung schwillt unter Hormoneinfluss das Gewebe zwischen den Drüsenläppchen an. Nach der Regelblutung wird die Brust wieder weicher. Eine Schwangerschaft verändert die Größe und Beschaffenheit der Brust, ebenfalls in Abhängigkeit vom Spiegel der Hormone, letzte Wachstums- und Reifungsschritte des Drüsengewebes finden sogar erst während einer Schwangerschaft statt.
Nach den Wechseljahren, in der so genannten Menopause, kommen diese Umbildungsvorgänge zum Erliegen. Das Brustdrüsengewebe bleibt aber bei den meisten Frauen auch in fortgeschrittenem Alter empfindlich gegenüber hormonellen Einflüssen. Auch Tumorzellen in der Brust wachsen bei vielen, wenn auch nicht bei allen Patientinnen abhängig von Hormonen.

Tumoren der Brust - gut- und bösartig

Die Mehrzahl der Tumoren in der Brust stellt sich bei der Untersuchung als gutartig (benigne) heraus. Dabei kann es sich um Bindegewebsgeschwülste handeln, um flüssigkeitsgefüllte Zysten und ähnliche Veränderungen, mehr dazu im Text "Gutartige Brustveränderungen".

Bösartige Tumoren gehen fast immer vom Drüsenanteil der Brust aus. "Lobuläre" Karzinome entstehen in den Drüsenläppchen, häufig an mehreren Stellen in der Brust gleichzeitig oder sogar in beiden Brüsten.  "Duktale" Karzinome entwickeln sich in den Milchgängen, sie gehen von deren innerster Zellschicht (Epithel) aus. 

  • So genannte invasive Tumoren sind Ansammlungen von Krebszellen, die bei ihrem Wachstum die Gewebegrenzen überschritten haben und aus dem Drüsengewebe oder den Milchgängen in angrenzendes Gewebe eingewachsen sind. Werden sie nicht behandelt, ist das Risiko hoch, dass sie weiter wachsen, und dass es zu Metastasen kommen kann.
  • Als so genannte in-Situ-Karzinome werden Tumoren bezeichnet, die noch auf die Milchgänge begrenzt sind (duktales Carcinoma in situ, DCIS). Sie galten lange als Brustkrebsvorstufe oder Frühform.
    Heute weiß man, dass sich ein Teil dieser Tumoren anscheinend nicht weiterentwickelt. Damit wäre eine Behandlung betroffener Frauen eigentlich sogar unnötig.
    Es besteht jedoch das geringe Risiko, dass sich daraus invasiver Brustkrebs entwickelt, es kann sogar, wenn auch selten, passieren, dass eine Frau an Metastasen erkrankt, ohne dass in der Brust selbst ein Weiterwachsen des DCIS zu sehen wäre.
    Bisher gibt es keine Möglichkeit zu erkennen, welches DCIS harmlos bleiben wird und welches nicht. Daher wird heute auch Frauen mit einem duktalen in-Situ-Karzinom zu einer Behandlung geraten.

Die eher seltenen Tumoren, die sich aus Hautzellen oder dem Bindegewebe der Brust entwickeln, zählen im engeren Sinn nicht zu den in diesem Text behandelten Mammakarzinomen: Bei ihnen kann es sich um eine der verschiedenen Hautkrebsformen handeln, oder um einen Bindegewebstumor, ein so genanntes Sarkom.

Tumorentstehung und Tumorbiologie: Krebs - was ist das eigentlich?

Krebserkrankungen werden untergliedert in die

  • so genannten soliden Tumoren. Zu ihnen zählt auch Brustkrebs. Bei soliden Tumoren bilden sich aus den einzelnen Tumorzellen Geschwülste, die zumindest in frühen Krankheitsstadien auf ein Organ oder eine Körperregion begrenzt sind.
  • Weitere Krebsformen sind die so genannten systemischen Krebsarten, die Leukämien und Lymphome. Hier stammen die Tumorzellen aus dem blutbildenden Knochenmark, das den gesamten Körper mit Blut- und Immunzellen versorgt, sie finden sich im Blut und/oder im lymphatischen System. Nicht damit zu verwechseln ist der Lymphknotenbefall durch Krebszellen, die sich von soliden Tumoren abgelöst haben.

Bösartige oder "maligne" Tumoren haben sich, anders als gutartige oder "benigne" Geschwülste, der normalen Wachstumskontrolle des Organismus entzogen. Sie vermehren sich in der Regel ungebremst.
Wie die anderen soliden Tumoren können auch Brustkrebszellen in umliegendes Brustgewebe, die Haut der Brust oder die darunter liegende Muskulatur eindringen, sie verdrängen und zerstören. Einzelne Tumorzellen können sich aus dem Gewebeverband lösen, über das Blut oder die Lymphbahnen in andere Körperregionen gelangen und dort Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden.

Veränderte Erbinformation

Heute weiß man, dass der Krebsentstehung Veränderungen in der Erbinformation vorausgehen.
Bei manchen Frauen mit Mammakarzinom finden sich diese Veränderungen nicht nur in Brustzellen, sondern in allen Zellen des Körpers, sie können deshalb auch vererbt werden. Bisher sind zwei solche vererbbaren Anlagen bekannt, die das Erkrankungsrisiko deutlich steigern: die Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2. Sie finden sich allerdings nur bei wenigen Patientinnen. Vermutlich gibt es weitere beteiligte Erbinformationen, deren Auswirkung auf das Risiko noch nicht vollständig bekannt ist, mehr dazu im Kapitel "Risiko".

Bei den meisten Patientinnen mit einem Mammakarzinom entsteht ein solcher genetischer "Fehler" erst im Lauf des Lebens. Zunächst ist auch nur eine einzelne Zelle des Brustdrüsengewebes betroffen, die Erbinformation im Körper bleibt ansonsten unverändert. Sind die Fehler in dieser einzelnen Zelle nicht so schwerwiegend, dass sie abstirbt, entgeht sie den körpereigenen Kontrollmechanismen, kann sie sich trotz ihrer genetischen Veränderungen weiter teilen. So gibt diese Zelle ihre neuen Eigenschaften an ihre Tochterzellen weiter, die sich selbst weiter vervielfältigen und schließlich einen Tumor bilden.

Das entstandene Krebsgewebe weist oft noch viele Ähnlichkeiten mit normalem Brustgewebe auf. Es gibt jedoch auch Tumoren, die mit zunehmendem Wachstum ihre gewebetypischen Eigenschaften mehr und mehr verlieren, neue aufweisen oder zunehmend an Funktionalität einbüßen. Der Vergleich mit gesundem Gewebe - unter dem Mikroskop und mit molekularbiologischen Methoden - spielt in der Diagnostik von Brustkrebs eine wichtige Rolle, mehr im Kapitel "Untersuchung".

Auslöser der Genveränderung häufig unbekannt

Welche Ursachen den Anstoß für eine im Lauf des Lebens erworbene Genveränderung geben, ist in allen Details für Krebs allgemein wie auch für Brustkrebs noch nicht bekannt.

Äußere Einflüsse wie Tabakrauch, die ultravioletten Strahlen der Sonne, bestimmte Schimmelpilze auf Lebensmitteln, einige Virusinfektionen oder manche Chemikalien sind zwar allgemein als Krebsrisikofaktoren bekannt. Bei der Entstehung von Brustkrebs sind diese Faktoren aber überwiegend nicht beteiligt - hier scheinen eher hormonelle Einflüsse eine Rolle zu spielen, mehr dazu im Kapitel "Risiko".

Wie sich Risikofaktoren auf die Krebsentstehung auswirken, hängt auch von der Zeitspanne ab, in der ein Mensch ihnen ausgesetzt ist, zudem kann es oft viele Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis sich ein Tumor bildet. Hinzu kommt auch der Einfluss des Alters selbst: Im Lauf des Lebens nimmt die Fähigkeit des Körpers ab, entstandene "Fehler" und Schäden zu korrigieren.
Krebsforscher gehen heute deshalb von einer wachsenden „Instabilität“ des Erbmaterials aus. Dies führt dazu, dass viele Krebserkrankungen mit steigendem Alter wahrscheinlicher werden, so auch Brustkrebs: Zwar kann sich auch bei jungen Frauen ein Mammakarzinom entwickeln. Bei ihnen werden dann aber nicht selten angeborene Genveränderungen als Auslöser gefunden.

Häufigkeit: Zahlen und Statistiken zu Brustkrebs

Brustkrebs ist in Deutschland und generell in Ländern der industrialisierten Welt die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Im Jahr 2012 wurde die Diagnose bei 69.550 Patientinnen erstmals gestellt. Hinzu kommen noch etwa 5.500 Tumoren "in situ", also Vor- oder Frühformen von Brustkrebs. Diese Zahlen stammen von den deutschen Krebsregistern (www.gekid.de) und dem Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut (www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Brustkrebs/brustkrebs_node.html). Das Durchschnittsalter, in dem Frauen an Brustkrebs erkranken, liegt unter dem für Krebs allgemein. Fast drei von zehn Frauen sind jünger als 55 Jahre alt, wenn sie die Diagnose erhalten.

In vielen Ländern liegt die Rate der Brustkrebsfälle höher als in Deutschland, dazu zählen beispielsweise Belgien, die Niederlande, USA, Großbritannien, und weitere Industrienationen. Deutlich seltener als in Deutschland erkranken, bezogen auf die Industrieländer, Frauen in Schweden, Schweiz, Österreich und Tschechien. Für diese Unterschiede machen Fachleute vor allem den unterschiedlichen Lebensstil verantwortlich, mehr dazu im Kapitel "Risiko".

In den letzten Jahren gab es bei der Rate der Brustkrebserkrankungen starke Schwankungen. Dazu hat vor allem die Einführung der Mammographie zur Früherkennung beigetragen: Danach stieg die Zahl der diagnostizierten Tumoren stark an - viele Frauen erfuhren deutlich früher von ihrer Erkrankung, als dies in den Jahren vorher der Fall gewesen war. Diskutiert wird daher auch, ob alle diese im Frühstadium erkannten Tumoren tatsächlich den Betroffenen langfristig geschadet hätten. Seit 2009 ist dieser Trend jedoch wieder rückläufig.

Trotz der gestiegenen Erkrankungsraten sterben deutlich weniger Frauen an Brustkrebs als noch vor zehn Jahren.

Sonderfall: Brustkrebs bei Männern

Männer können, wenn auch eher selten, ebenfalls von Brustkrebs betroffen sein: Auf etwa 100 Erkrankungen bei Frauen kommt eine bei einem Mann. In Deutschland wird die Diagnose jährlich rund 620mal gestellt. Oft sind angeborene genetische Faktoren die Auslöser. Die Diagnose und Behandlung erfolgen, soweit möglich, nach den gleichen Grundsätzen wie bei Frauen. Die folgenden Kapitel können daher auch für männliche Patienten Informationen liefern.
Auf die besonderen Probleme, die Männer mit Mammakarzinom haben können, geht der Text "Brustkrebs bei Männern" ein.

Sonderfall: Brustkrebs in der Schwangerschaft

Noch gibt es sehr wenige aktuelle Daten dazu, wie häufig Brustkrebs tatsächlich während einer Schwangerschaft auftritt - eine psychisch wie körperlich für betroffene Frauen enorm belastende Situation.
Eine Behandlung ist allerdings in der Regel trotz der Schwangerschaft möglich; so gefährdet zum Beispiel eine Operation das ungeborene Kind nur wenig. 
Eine Fachorganisation, die "German Breast Group"-Studiengruppe,  hat eine Untersuchung zum Thema Brustkrebs in der Schwangerschaft begonnen. In ihr soll zum Beispiel die tatsächliche Zahl betroffener Frauen genauer erfasst werden als bisher. Auch über die besten Therapiemöglichkeiten wollen die Studienverantwortlichen mehr Klarheit finden. Im Internet sind weitere Informationen unter www.germanbreastgroup.de/de/studien/bcp.php abrufbar. Die Seite richtet sich jedoch vorrangig an Fachleute, zum Beispiel die behandelnden Ärzte.