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Brustkrebszelle, Foto: Duncan Smith/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Brustkrebs: Zielgerichtete Therapien, Targeted Therapies

Krebszellen gezielt blockieren

Gibt es neue Medikamente, die gegen Brustkrebs wirken? Welche Rolle spielen Antikörper? Was hat es mit den sogenannten zielgerichteten Arzneimitteln auf sich?
Antworten auf die wichtigsten Fragen zu zielgerichteten Therapien bei Brustkrebs hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengefasst. Für Frauen, die von einem Mammakarzinom betroffen sind, kann der Text eine erste Orientierung bieten. Das Gespräch mit den behandelnden Ärzten lässt sich jedoch nicht ersetzen. Das gilt insbesondere dann, wenn es um Studien mit neuen Wirkstoffen geht.
Interessierte und Fachkreise finden am Textende Links und Hinweise auf Fachliteratur.

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Quellen und Links

Die für diesen Text genutzten Quellen sind am Ende aufgeführt. Links führen zu weiteren Texten mit vertiefenden Informationen.
Achtung: Wegen der vielen Anfragen zum Thema an den Krebsinformationsdienst werden in diesem Text ausnahmsweise nicht nur Substanznamen, sondern auch eine Auswahl an Markennamen genannt. Die folgenden Informationen erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Nennung von Markennamen bedeutet weder eine Wertung noch eine Empfehlung, noch können Texte im Internet die individuelle Beratung und Therapieplanung durch behandelnde Ärzte ersetzen.

Kurz erklärt: Zielgerichtete Therapien bei Brustkrebs

Neben Operation und Bestrahlung können brustkrebskranke Frauen heute auch auf eine Reihe von Medikamenten gegen ihre Erkrankung hoffen: Für viele Patientinnen spielt die Hormontherapie die wichtigste Rolle. Eine Chemotherapie kann dazu beitragen, ein hohes Rückfallrisiko zu senken. Außerdem bremst sie das Wachstum von Metastasen bei einer fortgeschrittenen Erkrankung.

Relativ neu sind sogenannte zielgerichtete Wirkstoffe gegen Brustkrebs:

  • Diese Substanzen blockieren gezielt Vorgänge in Krebszellen, die für das Wachstum von Tumorgewebe wichtig sind.

Die Zielstrukturen der Medikamente bezeichnen Fachleute auch als "Targets" (von englisch: target = Ziel). Deshalb wird diese Form der Therapie auch "targeted therapy" und auf Deutsch "zielgerichtete Therapie" genannt. Seltener gebräuchlich ist die Bezeichnung  "molekulare" oder "molekularbiologische" Therapie.

  • Solche Medikamente nützen jedoch nicht allen betroffenen Frauen: Die Zielstrukturen, gegen die sie sich richten, müssen sich im Tumorgewebe tatsächlich nachweisen lassen. Sonst kann die Therapie nicht wirken. 

Wie für jede andere Behandlung gilt außerdem: Der Nutzen muss größer sein als der Schaden durch Nebenwirkungen. Daher stehen die meisten zielgerichteten Substanzen bisher nur für Frauen zur Verfügung, deren Erkrankung fortgeschritten ist und bei denen Metastasen festgestellt wurden.
Außerdem gilt:

  • Zielgerichtete Medikamente ersetzen andere Behandlungsverfahren bei den allermeisten Frauen nicht. Sie können sie je nach Situation aber ergänzen.

Zugelassene Arzneimittel: Welche Mittel sind beim Mammakarzinom verfügbar?

In Deutschland und innerhalb der EU sind für die Behandlung von Brustkrebs derzeit eine ganze Reihe zielgerichtete Wirkstoffe als Arzneimittel zugelassen. Weitere Stoffe werden betroffenen Frauen in klinischen Studien zur Verfügung gestellt und auf ihre Wirksamkeit hin erprobt. Fast immer wird die Behandlung mit anderen Verfahren kombiniert, zum Beispiel mit einer Chemotherapie. Hier die wichtigsten Stoffe, über aktuelle Neuzulassungen informiert der Krebsinformationsdienst am Telefon oder per E-Mail:

  • Trastuzumab (Markenname Herceptin®) ist zugelassen als ergänzende Behandlung für Frauen nach der Operation, wenn ihr Befund auf ein höheres Rückfallrisiko hindeutet. Weitere Voraussetzung: Das Tumorgewebe trägt Strukturen, die auf ein aggressives Wachstumsverhalten hindeuten.
    Außerdem können Frauen mit Herceptin®  behandelt werden, deren Tumor bereits Metastasen gebildet hat. Voraussetzung für die Therapie ist auch bei ihnen der Nachweis der Zielstrukturen für den Wirkstoff im Tumorgewebe.
    Patientinnen erhalten Trastuzumab als Infusion in eine Vene. Seit 2013 ist das Arzneimittel auch zur Injektion unter die Haut verfügbar.
    Neu ist außerdem eine Weiterentwicklung, bei der ein Zellgift an den Antikörper Trastuzumab gekoppelt ist (Trastuzumab-Emtansin, Kadcycla®). Dieses Mittel ist aber nur für Frauen mit fortgeschrittener Erkrankung geeignet.
    In der klinischen Prüfung sind Stoffe, die Trastuzumab nachgebildet sind. Der Grund für diese Forschung: Langfristig soll sich die Verfügbarkeit verbessern, und auch der Preis soll sinken.
  • Lapatinib (Markenname Tyverb®) kann Frauen mit fortgeschrittener Erkrankung und Metastasen helfen. Auch hier ist Voraussetzung, dass der Tumor die entsprechenden Zielstrukturen trägt. Lapatinib kann als Tablette eingenommen werden. Auch hier gilt: Bei den meisten Patientinnen kommen weitere Medikamente hinzu.
  • Pertuzumab (Markenname Perjeta®) kann nur von Frauen angewendet werden, deren Erkrankung metastasiert ist und deren Tumorgewebe entsprechende Zielstrukturen für das Mittel aufweist. Weitere Voraussetzungen für eine Behandlung sind, dass die Frauen noch keine anderen zielgerichteten Medikamente oder eine Chemotherapie erhalten haben und nicht operiert werden können.
    Pertuzumab erhält man etwa alle drei Wochen als Infusion in die Vene. Die Behandlung wird immer in Kombination mit Trastuzumab und einer taxanhaltigen Chemotherapie angewendet.
  • Everolimus (Markenname Afinitor®) blockiert ein Eiweiß, das eine Rolle bei wichtigen Stoffwechselvorgängen in Tumorzellen spielt. Es wird bei Frauen mit hormonempfindlicher metastasierter Erkrankung eingesetzt, wenn eine alleinige antihormonelle Behandlung mit einem Aromatasehemmer nicht mehr wirkt.
    Es wird dann in Kombination mit dem Aromatasehemmer Exemestan gegeben und steigert die Empfindlichkeit der Krebszellen für dieses Medikament.
  • Bevacizumab (Markenname Avastin®) wird in Deutschland ebenfalls für Frauen mit Metastasen eines Mammakarzinoms eingesetzt,  allerdings nur, wenn ihr Tumor nach Einschätzung der Ärzte nicht besser auf andere Mittel anspricht. Warum diese Einschränkung: Nachdem viele Forscher und Ärzte zunächst große Hoffnungen in diese Substanz gesetzt hatten, zeigte sich, dass sie nicht so gut wirkt wie einige der neueren Stoffe. In anderen Ländern hat dies dazu geführt, dass Bevacizumab bei Brustkrebspatientinnen nicht mehr angewendet wird.
    Um betroffenen Frauen die Chance auf Wirkung nicht ganz zu versperren, ist Bevacizumab  in Deutschland weiter als Infusionslösung zur Behandlung bei fortgeschrittener Brustkrebserkrankung zugelassen. Die Therapie wird mit einer Chemotherapie kombiniert.

Sie haben Fragen zu neueren Medikamenten? Wir sind für Sie da.

Ein weiterer Antikörper kann bei Knochenmetastasen helfen. Er zählt aber nicht zu den Brustkrebsmedikamenten im engeren Sinn und wird auch bei anderen Krebsarten eingesetzt.

Die Forschung schreitet jedoch schnell voran - daher kann sich die Auswahl der zugelassenen Medikamente gegen Brustkrebs rasch ändern.

  • Fragen zu solchen Neuentwicklungen beantwortet der Krebsinformationsdienst am Telefon, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr unter 0800 - 420 30 40, oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de (der Link führt zu einem Kontaktformular).

Behandlungswahl - wie entscheiden?

Die genannten modernen Medikamente werden zwar als "zielgerichtet" bezeichnet. Trotzdem wirken sie nicht nur auf das Tumorgewebe. Die Behandlung kann daher auch Nebenwirkungen haben. Dazu gehören beispielsweise Übelkeit und Verdauungsprobleme. Möglich sind aber auch Schäden an gesunden Geweben, die ähnliche Merkmale wie das Tumorgewebe aufweisen. Ein Beispiel für solche Nebenwirkungen sind Hautentzündungen, ein anderes Schäden am Herzmuskelgewebe - mehr dazu in den folgenden Textabschnitten.  

Allerdings muss längst nicht jede Patientin mit schwerwiegenden Problemen rechnen. Und aufgrund der unterschiedlichen Wirkung verursachen auch nicht alle zielgerichteten Arzneimittel die gleichen Nebenwirkungen.

Als Patientin sollte man daher für sich ganz persönlich mit den Ärztinnen und Ärzten klären:

  • Welchen Nutzen kann ich von der Therapie erwarten?
  • Welche Nebenwirkungen treten auf und welche will ich dafür in Kauf nehmen?
  • Womit muss ich rechnen, wenn ich mich gegen die Behandlung mit zielgerichteten Medikamenten entscheide?
  • Gibt es Behandlungsalternativen, die mir einen ähnlichen Nutzen erbringen?
  • Gibt es eine Studie mit anderen neuen Wirkstoffen, die für mich passt, wenn die zugelassenen Medikamente nicht wirken oder ich sie nicht vertrage?

Klinische Studien: Weitere Ansätze in der Prüfung

Fortschritte bei der medikamentösen Behandlung von Brustkrebs haben sich in den letzten Jahren vor allem bei Patientinnen mit HER2-positivem Tumor ergeben. Doch auch verschiedene andere neue Therapiemöglichkeiten sind derzeit in der Diskussion. In klinischen Studien muss die Wirksamkeit geprüft werden und gegen die Nebenwirkungen abgewogen werden. 

Dabei handelt es sich aber nicht immer nur um Prüfungen mit ganz neuen Medikamenten. Es gibt auch sogenannte Therapieoptimierungsstudien: Dabei werden die bereits bekannten und bewährten Medikamente neu kombiniert. Oder man setzt bereits zugelassene Arzneimittel in anderen Krankheitssituationen ein als bisher, um zu prüfen, ob sie auch dann helfen können.

Wie solche Prüfungen allgemein ablaufen, hat der Krebsinformationsdienst in seinen Texten zur "Krebsforschung" erläutert. Einen kurz gefassten Überblick bietet das Informationsblatt "Klinische Studien" (PDF).

Zum Weiterlesen: Linktipps, Fachveröffentlichungen, Quellen

Bei Fragen steht der Krebsinformationsdienst am Telefon unter 0800 - 420 30 40 zur Verfügung, oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de (beim Klick öffnet sich ein datensicheres Kontaktformular).

Das "Leitlinienprogramm Onkologie" der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) bietet die Patientenleitlinie "Brustkrebs: Die Ersterkrankung und DCIS - eine Leitlinie für Patientinnen". Der Text kann unter http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Patientenleitlinien.8.0.html geladen werden. Dort findet sich auch die Patientenleitlinie "Brustkrebs II - Die fortgeschrittene Erkrankung, Rezidiv und Metastasierung".