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Brustkrebszelle, Foto: Duncan Smith/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Brustkrebs beim Mann

Gibt es tatsächlich männliche Patienten mit Mammakarzinom?

Brustkrebs bei Männern – gibt es das überhaupt? Die Antwort der Experten lautet ja, wenn auch vergleichsweise selten. Das Problem der Betroffenen: Brustkrebs gilt als typische Frauenerkrankung. Daher wird diese Tumorform bei Männern oft relativ spät entdeckt. Das kann die Heilungschancen beeinträchtigen. Die Behandlung orientiert sich weitgehend an den Leitlinien, die heute für das Mammakarzinom der Frau gelten. 
Der Krebsinformationsdienst bietet für betroffene Männer, ihre Familien und Freunde einen kurzen Überblick sowie Links zu weiteren Informationen.

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Quellen und Links

Genutzte Quellen sind am Ende der Seite aufgeführt oder direkt im Text verlinkt. Eine Grundlage bilden außerdem die Quellen der Texte zum Mammakarzinom der Frau.

Häufigkeit: Wie viele Männer in Deutschland sind betroffen?

Brustkrebs bei Männern ist selten: Für das Jahr 2014 wurden in den deutschen Krebsregistern 651 neu erkrankte Patienten erfasst. Experten rechnen damit, dass diese Zahl auch nicht über 700 pro Jahr ansteigen wird. Wie viele Männer insgesamt zurzeit mit der Erkrankung leben, kann für Deutschland aktuell nur geschätzt werden. 

Im Vergleich dazu: Bei Frauen ist Brustkrebs die häufigste Krebsart überhaupt, mit jährlich über 70.000 Neuerkrankungen.  

Diese und weitere Statistiken sind über die Datenbanken der Krebsregister unter  www.krebsdaten.de abrufbar.

Risikofaktoren: Welche Auslöser kennt man?

Menschenmenge (Grafik) © rob z - stock.adobe.com
Brustkrebs bei Männern ist selten © rob z - stock.adobe.com

Zwar kennt man einige wichtige Faktoren, die das Risiko steigern. Wie bei vielen anderen Krebsarten gilt aber auch für Brustkrebs: Nicht bei allen betroffenen Männern lassen sich diese Risikofaktoren auch nachweisen. Das bedeutet: Als Betroffener muss man damit rechnen, dass sich unter Umständen nicht klären lässt, was die Erkrankung letztendlich ausgelöst hat.

Was ist genauso wie bei Frauen, was anders?

  • Man weiß, dass das Risiko mit dem Alter zu steigen scheint: Der Durchschnitt liegt bei rund 70 Jahren, auch wenn Männer grundsätzlich in jedem Alter erkranken können.  
  • Übergewicht, Bewegungsmangel und zu viel Alkohol wirken sich aus – unter anderem über die Beeinflussung des Hormonspiegels.
  • Eine große Rolle scheinen sogenannte Brustkrebsgene zu spielen: Man weiß heute, dass es einige ererbte oder spontan aufgetretene Genveränderungen gibt, die bei Frauen und auch Männern das Brustkrebsrisiko steigern.

Genetisch bedingte Risiken

Dazu gehören vor allem Veränderungen in den sogenannten BRCA-Genen (englisch breast cancer genes). Man weiß heute aber: Es gibt noch einige weitere, noch nicht in allen Details bekannte erbliche Faktoren. 

Bekannt ist noch ein weiterer Zusammenhang zwischen Risiko und Genen:

  • Ein fast so hohes Brustkrebsrisiko wie Frauen haben Männer mit dem sogenannten Klinefelter-Syndrom, die ein oder mehrere zusätzliche weibliche X-Chromosomen aufweisen.

Hormone, Lebensstil, Umweltfaktoren

Auch hormonelle Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen: Männer produzieren wie Frauen das Geschlechtshormon Östrogen, wenn auch normalerweise in weitaus geringeren Mengen. 

Ein ungewöhnlich hoher Östrogenspiegel kann bei Männern mit sehr starkem Übergewicht auftreten. Lebererkrankungen wie etwa einer Leberzirrhose oder "Leberschrumpfung" beeinflussen den Hormonspiegel ebenfalls. Als Risiko nennen Fachleute auch Erkrankungen, die den Testosteronspiegel erniedrigen. 

Mit einem höheren Risiko leben Frauen, die als Mann geboren wurden und Hormone zur Geschlechtsangleichung einnehmen.
Diskutiert wird noch, ob Bodybuilder, die über längere Zeit nicht zugelassene Hormone zur Leistungssteigerung verwenden, ebenfalls ein gesteigertes Brustkrebsrisiko tragen.

Radioaktive Strahlung gilt bei Männern wie bei Frauen als Risiko – aber nur wenn sie direkt das Brustgewebe betroffen hat. Das gilt zum Beispiel für Männer, die früher in ihrem Leben Bestrahlung des Oberkörpers erhalten haben, in der Regel wegen einer früheren Krebserkrankung. 

  • Wer als Kind oder junger Erwachsener eine solche Behandlung erhalten hat, sollte das dem Hausarzt sagen und auf Veränderungen der Brust auch selbst achten. 

Welche Rolle weitere äußerliche Risikofaktoren spielen, ist anhand der vorliegenden Daten eher unklar: Fachleute diskutieren sehr hohe Temperaturen im Beruf als Risiko, ebenso den Kontakt mit Erdöl oder Abgasen. Der tatsächliche Einfluss dieser Dinge ist jedoch nicht in Zahlen zu benennen.

Symptome: Was ist bei Männern anders als bei Frauen?

Brustkrebs bei Männern macht sich ebenso bemerkbar wie bei Frauen:

  • Meist tastet man selbst einen Knoten oder eine andere Veränderung im Brustgewebe. 

Als Warnsignal gelten aber auch:

  • Flüssigkeitsabsonderung aus der Brustwarze,
  • kleine Entzündungen oder Wunden, die nicht abheilen, oder
  • eine Einziehung oder "Delle" der Brusthaut oder der Brustwarze.

Wohin gehen zur Abklärung?

Hat man den Verdacht, dass etwas nicht stimmt? Wohin kann man als Mann gehen, wenn man diese Symptome bei sich feststellt. Während Frauen sich meist an Gynäkologen wenden, können Männer zunächst zum Beispiel bei ihrem Hausarzt oder ihrer Hausärztin vorstellig werden. Wenn diese den Verdacht nicht zweifelsfrei entkräften können, überweisen sie an ein Brustzentrum oder an die Ambulanz einer vergleichbar spezialisierten Klinik. Dort werden zur Abklärung die gleichen Untersuchungen durchgeführt wie bei betroffenen Frauen: Ultraschall, Mammographie und gegebenenfalls eine Gewebeuntersuchung.

Diagnose: Wie wird der Krebsverdacht abgeklärt?

Bildgebende Verfahren
Auch die Abklärung solcher Veränderungen sieht ähnlich aus wie bei Frauen:

  • Ultraschalluntersuchungen können erste Informationen bieten.
  • Die wichtigste Untersuchung ist aber auch für Männer die Mammographie, die Röntgenuntersuchung der Brust.

Bei der Mammografie zeigen sich zum Beispiel Kalkablagerungen, die als Hinweis auf Veränderungen gelten, und Verlegungen oder Veränderungen des Drüsengewebes.

Was kann die Untersuchung stören?
Beide bildgebenden Verfahren sind bei männlichen Patienten oft nicht so aussagekräftig wie bei Frauen: Das Gewebe ist bei den meisten Männern wesentlich dichter, Veränderungen heben sich schlechter von der gesunden Umgebung ab.

Biopsie
Eine Krebsdiagnose wird daher erst gestellt, nachdem Ärzte per Biopsie eine Gewebeprobe aus der Brust entnommen und untersucht haben. Welche Eigenschaften das Gewebe unter dem Mikroskop aufweist, bietet wichtige Anhaltspunkte für die Frage, ob Krebs vorliegt oder nicht.

In weiteren Tests wird untersucht, ob der Tumor auf Geschlechtshormone mit Wachstum reagiert, und ob er für Brustkrebs typische molekularbiologische Besonderheiten aufweist.

Suche nach Metastasen
Besteht der Verdacht, dass ein Tumor bereits gestreut haben könnte?
Dann kommen weitere Untersuchungen dazu. Sie sind notwendig, um Absiedlungen in Lymphknoten, in Knochen oder anderen Organen auszuschließen und eine Behandlung besser planen zu können. Ein Beispiel sind Computertomographien.

Mammakarzinom: Was tun, wenn sich die Diagnose bestätigt?

Die ersten Tage organisieren
Die Diagnose einer Krebserkrankung trifft viele betroffene Männer unerwartet: Brustkrebs macht zunächst kaum Beschwerden, die meisten Patienten fühlen sich gesund. Auch für ihre Familien und Freunde ist es oft zunächst sehr schwer zu verkraften.
Trotz dieses Schocks müssen Betroffene in den ersten Tagen viel planen und organisieren.

Wie man in dieser Zeit den Überblick behalten kann, wer weiterhilft, und worauf man achten sollte, hat der Krebsinformationsdienst in der

Sich austauschen mit Betroffenen
Eine Möglichkeit, sich früh mit anderen Betroffenen auszutauschen und von deren Erfahrung zu profitieren, bieten auch Selbsthilfeorganisationen.

Kliniksuche: Brustzentren und weitere Spezialzentren
Brustkrebs bei Männern ist vergleichsweise selten. Andererseits steht in Deutschland sehr viel Spezialwissen zur Verfügung, da sich die Behandlung bei Männern kaum von der von Frauen unterscheidet.
Eine gute Anlaufstelle für die ausführliche Untersuchung und die weitere Behandlung sind zertifizierte Brustzentren. Es gibt sie in allen Bundesländern, meist angesiedelt an Universitätskliniken, großen städtischen oder regionalen Krankenhäusern oder auch den sogenannten Onkologischen Spitzenzentren.

  • Einen Überblick, was sich hinter diesen Bezeichnungen verbirgt und wo man diese Einrichtungen finden kann, bietet der Krebsinformationsdienst im Text "Kliniksuche".
  • Zum Laden und Ausdrucken steht auch das Informationsblatt "Arzt- und Kliniksuche" zur Verfügung" (PDF).

Um die Brustkrebstherapie zu verbessern, zum Beispiel durch schonendere Behandlungsabläufe oder durch neue Medikamente, werden in Deutschland wie in anderen Ländern sogenannte klinische Studien durchgeführt. Ob das nächstgelegene Zentrum eventuell auch an klinischen Studien teilnimmt, kann man bei der Anmeldung erfragen.

Was bieten solche Studien? Wie kann man die Vor- und Nachteile abwägen, falls man die Teilnahme angeboten bekommt?

Bei Verdacht auf eine familiäre Belastung beziehungsweise vererbbare Risikogene ist das Deutsche Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs eine wichtige Anlaufstelle. Dieser Verbund von 17 universitären Zentren will Betroffene bundesweit optimal betreuen, mehr unter www.konsortium-familiaerer-brustkrebs.de.

Behandlung: Welche Möglichkeiten bieten Operation, Bestrahlung, Medikamente?

Auch die Therapie unterscheidet sich für Männer wenig von der für Frauen:

Tumorgewebe chirurgisch entfernen
In einer Operation werden sowohl tumorverdächtige Bereiche wie auch benachbarte Lymphknoten aus der Achselhöhle entnommen. Warum diese zusätzliche Gewebeentnahme? Über solche Lymphknoten können sich Tumorzellen am ehesten im Körper ausbreiten.

Ob es ausreicht, nur den Tumor zu entfernen, oder ob der gesamte Drüsenkörper und die Brustwarze in einer sogenannten Mastektomie entfernt werden müssen, hängt von der Ausbreitung des Tumors ab.
Da bei Männern von vornherein viel weniger Brustgewebe vorhanden ist als bei Frauen, lässt sich die Entfernung der gesamten Brust allerdings oft nicht vermeiden. Trotzdem beurteilen viele betroffene Männer das kosmetische Ergebnis als gut.

Rückfälle verhüten – adjuvante Therapie
Je nachdem, wie der Befund nach der Operation eingeschätzt wird und wie hoch das Risiko für einen Rückfall trotz Operation ist, erhalten betroffene Männer weitere Therapien. Dazu gehören Bestrahlung, Chemotherapie und/oder weitere, sogenannte zielgerichtete Arzneimittel.

  • Diese adjuvanten oder unterstützenden Maßnahmen richten sich gegen Tumorzellen, die möglicherweise unsichtbar im Körper verblieben sind.

Dazu gehören eine Strahlentherapie und bei höherem Rückfallrisiko eine Chemotherapie. Bei sehr vielen Männern ist eine antihormonelle Therapie sinnvoll, weil ihr Tumor östrogenabhängig wächst. Wird ihnen dieser Wachstumsreiz entzogen, sinkt die Rückfallgefahr.
Weisen die Tumorzellen bestimmte Merkmale auf? Wichtig ist zum Beispiel der Nachweis des sogenannten HER-2-neu-Rezeptors. Dann kann auch eine Therapie mit Antikörpern infrage kommen. Sie richtet sich gegen besondere Merkmale mancher Brustkrebszellen, die für ein rasches Wachstum stehen.

Fortgeschrittene Erkrankung – Metastasen bremsen
Medikamentöse Behandlungen helfen oft auch dann, wenn ein Rückfall festgestellt wird oder der Tumor bereits bei Diagnosestellung Metastasen gebildet hat. 

Dabei spielen außer der Chemotherapie und der Hormontherapie sogenannte zielgerichtete Medikamente eine wachsende Rolle: In den letzten Jahren ist eine ganze Reihe weiterer moderner Arzneimittel zugelassen worden. Viele andere werden in klinischen Studien geprüft.
Immer mehr Patienten können dank solcher Medikamente und der klassischen Therapie länger und besser mit der Erkrankung leben, selbst dann, wenn eine endgültige Heilung nicht möglich ist.

Rehabilitation und Nachsorge: Wer hilft beim Gesundwerden?

Sozialrechtliche und psychoonkologische Beratung noch im Krankenhaus und danach
Angebote für betroffene Männer beschränken sich nicht auf die rein medizinische Therapie: Noch während des Klinikaufenthaltes können Krebspatienten Kontakt zu Psychoonkologen aufnehmen, die bei der Krankheitsbewältigung helfen.

Wer bereits wieder zu Hause ist, kann sich an die regionalen Krebsberatungsstellen wenden. Ihr Angebot richtet sich in der Regel auch an Angehörige.
Wer eine längerfristige Unterstützung und Begleitung möchte, findet bei niedergelassenen Psychoonkologen gute Ansprechpartner.

Wichtig ist auch der Kontakt zum Kliniksozialdienst. Geschulte Mitarbeiter beraten zu sozialrechtlichen Fragen, von der Rückkehr in den Alltag und an den Arbeitsplatz bis zum Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung. Sie helfen auch bei den ersten Anträgen, die noch während der Erstbehandlung anstehen. Einer davon ist der Antrag auf eine stationäre oder ambulante Rehabilitation.

Reha nach der Erstbehandlung
Nach der ersten Behandlung haben betroffene Männer zudem fast immer Anspruch auf eine Rehabilitationsmaßnahme. Darauf haben sich in Deutschland viele Kliniken spezialisiert, es gibt jedoch auch einige Angebote zur ambulanten Rehabilitation.
Die "Reha" dient dazu, sich körperlich zu erholen und die Rückkehr in den gewohnten Alltag vorzubereiten. Dazu tragen Angebote der psychoonkologischen und der sozialrechtlichen Beratung bei. Meist kann man sich auch zu gesunder Ernährung und vielen weiteren Themen informieren und beraten lassen. 

Wichtig ist ein angepasstes Trainings- und Bewegungsprogramm: Man weiß heute, dass Sport die Lebensqualität steigert und auch zur körperlichen Erholung beitragen kann.

Nachsorge
Wie die Nachsorge aussieht, hängt davon ab, welche weitere Behandlung betroffene Männer benötigen und wie hoch die Ärzte ihr Rückfallrisiko einschätzen. 

Als Patient sollte man den regelmäßigen Kontakt zum Arzt oder zur Klinikambulanz aber auch nutzen, um ganz allgemein den eigenen Gesundheitszustand zu besprechen und mögliche Folgen der Erkrankung und Behandlung rechtzeitig abzuklären. Die Termine bieten zudem Gelegenheit, sich beraten zu lassen, wenn die Krankheit und ihre Folgen seelisch stark belasten.

Zum Weiterlesen: Informationen und Anlaufstellen für Betroffene, Fachinformationen (Auswahl)