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Mundtrockenheit nach Bestrahlung – was tun?

Wie kann man vorbeugen? Wie kann man Beschwerden lindern?

Bei einer Strahlenbehandlung von Krebs im Mund oder Rachen lässt es sich nicht immer vermeiden: Nicht nur der Tumor, sondern auch eine oder mehrere Speicheldrüsen liegen im Strahlengang. Die Folge: Das Gewebe wird geschädigt, die Speichelproduktion lässt mehr oder weniger stark nach. Fachleute sprechen von "strahlenbedingter Xerostomie", seltener auch von "Hyposalivation" oder "Oligosialie". Für Betroffene ist das unangenehm: Der Mund fühlt sich trocken und klebrig an, die Zunge brennt, Mundgeruch tritt auf, der Geschmackssinn kann sich verändern. Bei ausgeprägter Mundtrockenheit fallen Schlucken und manchmal auch Sprechen schwer. Auch Zahnschäden sind auf Dauer möglich. Wichtig zu wissen: Nicht jeder Patient mit einer Kopf-Hals-Bestrahlung ist betroffen – moderne Bestrahlungstechniken erlauben heute bei vielen Betroffenen eine schonendere Behandlung. Ob es zu Mundtrockenheit kommt und wie ausgeprägt diese ist, hängt davon ab, wo genau bestrahlt wird und mit welcher Strahlendosis.

Lässt sich vorbeugen? Was kann man tun, wenn sich bereits eine Xerostomie entwickelt hat? Der folgende Text des Krebsinformationsdienstes bietet Betroffenen und Angehörigen Hintergrundinformationen.

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Quellen und Links

Interessierte und Fachleute finden am Ende des Textes eine Auswahl weiterführender Informationen und Quellen.

Bestrahlung von Gesicht und Hals: Warum bleibt der Speichel weg?

Liegen bei einer Kopf-Hals-Bestrahlung Speicheldrüsen im Strahlenfeld, können diese geschädigt werden. Dann wird zu wenig Speichel gebildet. Betroffene beschreiben, dass sich ihr Mund trocken und klebrig anfühlt, die Zunge brennt und der Mund schmerzt. Einfach nur mehr zu trinken, reicht auf Dauer nicht aus: Ohne Speichel fallen das Kauen, das Schlucken und manchmal auch das Sprechen schwer. Patienten leiden nicht selten auch unter Mundgeruch. Oft leidet das Geschmacksempfinden, und langfristig können Entzündungen und Infektionen der Mundschleimhaut und Karies auftreten.

Wo liegen die Speicheldrüsen?

Ob es zu diesen Beschwerden nach einer Strahlentherapie kommt und wie ausgeprägt die Mundtrockenheit ist, hängt unter anderem davon ab, wo ein Patient bestrahlt wird und welche Speicheldrüsen im Bestrahlungsgebiet liegen.

In der Mundhöhle befinden sich sechs große Speicheldrüsen, drei auf jeder Kopfseite: die beiden Ohrspeicheldrüsen, die beiden Unterkieferspeicheldrüsen sowie die zwei Unterzungenspeicheldrüsen. Daneben gibt es noch eine Vielzahl kleinerer Speicheldrüsen in Lippen, Gaumen, Wangen und Zunge. Insgesamt produzieren die Speicheldrüsen etwa 0,5 bis 2 Liter Speichel pro Tag, je nachdem wie stark sie etwa durch Kaubewegungen oder Speisen stimuliert werden. Ohrspeicheldrüsen und Unterkieferspeicheldrüse sind für den überwiegenden Teil der Speichelmenge verantwortlich.

  • Besonders empfindlich gegenüber Strahlen ist die Ohrspeicheldrüse.

Hintergründe: Welche Rolle spielt die Strahlendosis?

Mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Krebspatient mit einer Xerostomie rechnen muss und wie schwer die Schädigung ist, das hängt aber nicht nur davon ab, ob eine Speicheldrüse zwangsweise mitbestrahlt werden muss, um den Tumor zu erreichen. Einen Einfluss hat auch die Strahlendosis.

Zur Behandlung von Tumoren in Mund, Zunge oder Rachen sind allerdings meist Strahlendosen notwendig, bei denen auch die Speicheldrüsen in Mitleidenschaft gezogen werden.
Die Bestrahlung "sanfter" zu machen, um die Speicheldrüsen zu schonen, ist für die meisten Betroffenen aber nicht sinnvoll – das würde ihr Rückfallrisiko drastisch steigern. Lassen sich die Drüsen auch durch modernste Bestrahlungstechniken nicht schonen, kann sich die Speichelbildung in einer betroffenen Drüse bis zum Ende der Bestrahlung stark verringern. Als Spätfolge einer konventionellen Strahlentherapie kann sich die Speicheldrüsenfunktion noch bis zu ein bis zwei Jahre nach einer Strahlentherapie weiter verschlechtern.

Die Beschwerden müssen aber nicht zwangsläufig bei jedem stärker werden oder anhalten: Bei manchen Patienten stellt sich noch bis zu eineinhalb Jahre später eine Besserung ein. Hat sich bis dahin nichts verändert, bleibt die Mundtrockenheit jedoch bei fast allen Betroffenen dauerhaft ein Problem.

Wie entsteht die Schädigung?

Was genau im betroffenen Gewebe passiert, können Forscher bislang noch nicht abschließend erklären: Möglicherweise beeinträchtigen die energiereichen Strahlen einen Teil der Drüsenzellen direkt in ihrer Funktion. Oder das Gewebe reagiert verzögert, weil das Erbmaterial in den Zellen geschädigt wurde, die geschädigten Zellen absterben und die normale Zellerneuerung ausbleibt. Nicht auszuschließen ist auch, dass die Speicheldrüsen erst durch Abbauprodukte des Gewebes geschädigt werden, das bei der Behandlung zerstört wurde.
Deutlich ist: Die Zellen der Speicheldrüsen sind wesentlich empfindlicher gegenüber Strahlung als beispielsweise die Mundschleimhäute, die zwar kurzfristig bei den meisten Patienten leiden, sich aber fast immer gut regenerieren.

Welche Funktionen hat Speichel?

Speichel besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Es sind jedoch noch weitere Stoffe im Speichel gelöst. Dazu zählen beispielsweise Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Fluor aber auch Bikarbonat, Phosphat, Harnsäure, Harnstoff sowie zahlreiche Eiweiße, etwa der Schleimstoff Muzin, Antikörper und Verdauungsenzyme. Folgende Funktionen hat der Speichel:

  • Er befeuchtet die Mundschleimhäute.
  • Er schützt und reinigt die Mundhöhle – Eiweiße und Antikörper verhindern übermäßiges Vermehren von Krankheitserregern.
  • Er schützt die Zähne – Fluorid regeneriert den Zahnschmelz, in Speisen enthaltene Säuren werden neutralisiert.
  • Er macht Speisen gleitfähig.
  • Er enthält Enzyme, die bereits im Mund Stärke in der Nahrung in kleine Teile zerlegen.
  • Er macht Geschmacksempfinden möglich.
  • Er macht Lippen und Zunge beweglich und ermöglicht dadurch das Sprechen.

Vorbeugung: Wie schützt man die Speicheldrüsen, Mund und Zähne?

Während einer Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich sind die behandelnden Strahlentherapeuten die richtigen Ansprechpartner bei Fragen. Sie können Auskünfte über vorbeugende Maßnahmen geben, aber auch Abhilfe schaffen, wenn erste Beschwerden auftreten.

Moderne Bestrahlungstechniken: Lässt sich die Mitbestrahlung der Speicheldrüsen vermeiden?

In den letzten Jahren hat sich die Strahlentherapie weiterentwickelt. Strahlentherapeuten können das Strahlenfeld mittlerweile immer zielgenauer an Tumorform und Tumorgröße anpassen und somit kleiner halten. Außerdem gibt es Möglichkeiten, die Strahlung so zu leiten, dass die meiste Energie tatsächlich nur im Tumor ankommt. Ein Vorteil: Gesundes Gewebe rund um den Tumor wird dadurch weniger stark in Mitleidenschaft gezogen.

  • So versuchen Ärzte heute, wenn irgend möglich, einen Tumor sozusagen an den Speicheldrüsen des Patienten "vorbei" zu treffen.

Ob eine zielgenaue Bestrahlung möglich ist, hängt jedoch von der jeweiligen Krankheitssituation ab. Manchmal lässt sich auch mit ausgefeilten Techniken der Tumor nicht erreichen, ohne zum Beispiel die empfindlichen Ohrspeicheldrüsen zu treffen. Nicht bei jedem Patienten überwiegt der Nutzen: Bei manchen Betroffenen kann es sinnvoll sein, das Bestrahlungsfeld größer zu halten. So leidet zwar gesundes Gewebe mit. Doch das Risiko für einen Rückfall sinkt, weil möglichweise bereits verstreute Krebszellen mit erreicht werden.

  • Betroffene sollten deshalb mit ihren Strahlentherapeuten sprechen, welche Bestrahlungstechnik in ihrer Situation infrage kommt. Mit ihnen können Patienten auch Nutzen und Risiken verschiedener Vorgehensweisen erörtern.

Ein Beispiel für eine schonendere, weil gezieltere Bestrahlungstechnik ist die sogenannte dreidimensionale Konformationsbestrahlung. Dabei wird das Strahlenfeld möglichst exakt der Tumorgröße angepasst. Studien zeigen: So kann zumindest statistisch das Risiko für Patienten verringert werden, nach einer Strahlentherapie an einer ausgeprägten Mundtrockenheit zu leiden.

Eine Weiterentwicklung der Konformationsbestrahlung ist die sogenannte intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT). Patienten erhalten die Bestrahlung aus mehreren Richtungen, so dass nur auf den Tumor die volle Dosis auftrifft: Aus Studien gibt es Hinweise, dass durch diese Bestrahlungsform Häufigkeit und Schweregrad einer Mundtrockenheit nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich verringert werden können.

Speicheldrüsenfunktion: Kann man mit Medikamenten vorbeugen?

Auch ein zellschützendes Medikament steht zur Verfügung, das sogenannte Amifostin.
Wichtig zu wissen: Es handelt sich dabei nicht um eine Standardtherapie. Fachleute empfehlen die Gabe von Amifostin zur Vorbeugung strahlenbedingter Mundtrockenheit nicht außerhalb klinischer Studien – noch gibt es zu viele widersprüchliche Ergebnisse aus Studien und noch sind Fragen zu Nutzen und Wirkung offen. Die Vorbeugung eignet sich auch nicht für jeden Patienten, der im Gesicht, Hals oder Kopf bestrahlt wird. Empfohlen wird: Das Medikament sollten nur angewandt werden, wenn mindestens drei Viertel des Speicheldrüsenvolumens im Bestrahlungsfeld liegen und eine Schädigung daher wahrscheinlich nicht zu vermeiden ist. Das Arzneimittel kann außerdem als Nebenwirkung zu Übelkeit und Erbrechen führen. Das kann die Anwendung erschweren oder unmöglich machen.

Insgesamt ist die medikamentöse Vorbeugung in ihrer Wirkung den im vorherigen Abschnitt beschriebenen speicheldrüsenschonenden Bestrahlungsverfahren unterlegen.
Lässt sich aber eine Mitbestrahlung einer oder mehrerer großer Speicheldrüsen nicht vermeiden, dann kann Amifostin vor einer Bestrahlungssitzung als Infusion in die Vene gegeben werden.

Diskutiert wird unter Fachleuten außerdem der Einsatz von speichelstimulierenden Medikamenten schon während der Bestrahlung – möglicherweise sind die Drüsen weniger empfindlich, wenn sie gerade sehr aktiv sind. Derzeit ist der Nutzen aber noch unklar. Deshalb empfehlen Fachleute nicht, speichelstimulierende Arzneimittel während einer Bestrahlung einzusetzen.

Welche weiteren Möglichkeiten werden geprüft?

Weitere Verfahren, um Speicheldrüsen, die im Strahlengang liegen, zu schützen, sind bisher noch am Anfang. So versuchen Ärzte beispielweise, die betroffenen Drüsen vorab in einer Operation zu entfernen und an einer anderen Stelle im Körper vorübergehend zu implantieren, etwa im Unterarm. Diese Methode zählt jedoch noch nicht zum Standard und wird nur in wenigen Kliniken durchgeführt. Zu den Erfolgschancen liegen derzeit noch vergleichsweise wenige Daten vor.

Vor der Strahlentherapie: Warum sollte man den Zahnarzt aufsuchen?

Vor Behandlungsbeginn steht für Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren wenn irgend möglich auch ein Zahnarztbesuch an. Er kann gegebenenfalls bestehende Zahn- und Zahnfleischprobleme beheben. Ein Beispiel ist Parodontose: Zahnfleischtaschen oder -entzündungen können sonst zur Infektionsquelle während einer Strahlentherapie werden. Tritt eine Xerostomie auf, verstärkt sich das Risiko – die reinigende Funktion des Speichels fällt weg.

Normalerweise befindet sich im Speichel Fluor. Es schützt den Zahnschmelz. Wird zu wenig Speichel produziert, kann dies auch durch das fehlende Fluor zu vermehrter Karies führen. Der Zahnarzt fertigt daher eine Zahnschiene aus Kunststoff an, auf die man regelmäßig fluoridhaltiges Gel aufträgt. Fachleute sprechen von einer Fluoridierungsschiene.

  • Sowohl während als auch nach einer Bestrahlung sind Zahnärzte wichtige Ansprechpartner, um Spätschäden an Zähnen und Zahnfleisch zu vermeiden.

Mundpflege: Warum ist sie bei und nach der Behandlung so wichtig?

Was können Patienten selbst tun? Ein verringerter Speichelfluss erhöht das Risiko für Entzündungen und Infektionen der Mundschleimhaut und angrenzender Gewebe. Deshalb raten Fachleute Patienten, die aufgrund eines Tumors im Mund und Rachen bestrahlt wurden, ihre Mundhöhle gut zu beobachten. Gibt es Anzeichen für kleine Verletzungen oder wunde Stellen? Dann sollte man möglichst sofort mit den Strahlentherapeuten Kontakt aufnehmen.

Schon während der Behandlung und auch langfristig danach ist eine sehr gute und regelmäßige Mund- und Zahnpflege wichtig. Damit können Patienten Entzündungen und Infektionen im Mund vorbeugen. Betroffene sollten ihre behandelnden Ärzte oder Pflegefachkräfte nach einer Anleitung und geeigneten Produkten fragen, um Zähne, Zahnfleisch und Schleimhäute gründlich, aber trotzdem schonend zu reinigen. Auch der behandelnde Zahnarzt hilft weiter, wenn es bei schwerer Xerostomie zu Problemen kommt, oder wenn aufgrund der Veränderungen zum Beispiel Zahnprothesen sich unangenehm anfühlen oder nicht mehr passen.

Was man als Patient allgemein bei der Mundpflege beachten sollte, hat der Krebsinformationsdienst in zwei separaten Texten zusammengestellt: "Mund- und Zahnpflege bei Krebs: Manchmal unangenehm, immer notwendig" sowie "Fieber, Entzündungen, Infektionen bei Krebs: Risiken senken".

Diagnostik: Wie wird Mundtrockenheit erfasst?

Ob sich der Mund trocken anfühlt oder nicht, ist etwas sehr Subjektives. Bei der Diagnosestellung nutzen Ärzte und Pflegekräfte häufig standardisierte Fragen oder Fragebögen zum Thema, so dass Betroffene ihre Beschwerden möglichst genau und umfassend schildern können. Fachleute verwenden in diesem Zusammenhang oft den Fachbegriff "Assessment", also das Erfassen von Mundtrockenheit. Dies ist die gängigste und wichtigste Form, mehr über die Mundtrockenheit von betroffenen Patienten zu erfahren. Weitere diagnostische Maßnahmen, wie sie im Anschluss beschrieben werden, kommen eher selten zum Einsatz.

Messen der Speichelfließrate

Spezialisierte Ärzte und Zahnärzte oder die Ambulanzen von Zahn- oder HNO-Kliniken haben die Möglichkeit, ganz objektiv die Speichelfließrate zu bestimmen.
Etwa eine Stunde vorher sollte man nichts mehr essen und trinken, auch keinen Kaugummi kauen. Zu Beginn der Untersuchung regt man zunächst durch Kauen die Speicheldrüsen an. Dazu bekommt man meist eine sterile Paraffinkugel. Normaler Kaugummi ginge zwar theoretisch auch, kann aufgrund seiner Inhaltsstoffe aber das Ergebnis verfälschen. Dann sammelt man über einen definierten Zeitraum den Speichel, meist etwa fünf Minuten und spuckt ihn in einen Messbehälter. Dadurch kann dann ermittelt werden, wie viele Milliliter Speichel pro Minute noch produziert werden.
Der Fachbegriff dafür lautet Sialometrie. Normalerweise bilden gesunde Speicheldrüsen nach entsprechender Reizung mehr als 0,5 Milliliter pro Minute. Die normale Speichelfließrate von unstimulierten Speicheldrüsen beträgt 0,1 Milliliter pro Minute.

Speicheldrüsenszintigraphie

Eine ergänzende Untersuchung kann die Speicheldrüsenszintigraphie sein. Diese Untersuchung findet entweder in einer Klinik oder in einer Praxis für Nuklearmedizin statt und dauert etwa eine Stunde. Betroffene sollten sich im Vorfeld bei den untersuchenden Ärzten erkundigen, ob und wie lange sie vorher nichts mehr essen, trinken und kauen dürfen.
Vor der eigentlichen Untersuchung bekommt man eine radioaktive Substanz in eine Vene gespritzt. Um die Speicheldrüsen anzuregen, erhält man meist noch etwas Saures in den Mund, etwa Zitronensaft. Mit einer sogenannten Gammakamera kann der Arzt verfolgen, ob der radioaktive Marker in den Speicheldrüsen auftaucht, oder ob diese aufgrund von Strahlenschäden keinen nennenswerten Stoffwechsel mehr aufweisen.

Behandlung: Wie lassen sich Beschwerden lindern?

Frau trinkt Wasser © Jupiterimages - Stockbyte/Thinkstock by Getty Images
Mundtrockenheit: Regelmäßig kleine Schlucke Wasser zu trinken, sorgt für ein besseres Gefühl im Mund. © Jupiterimages - Stockbyte/Thinkstock by Getty Images

Bislang lässt sich durch Strahlentherapie geschädigtes Speicheldrüsengewebe durch eine Behandlung nicht regenerieren. Fachleute setzen daher auf lindernde Maßnahmen, die gleichzeitig Komplikationen und Folgeschäden vorbeugen.
Ein pauschaler Rat, was Betroffene tun sollten, ist jedoch nicht möglich. Wichtig ist daher die Rücksprache mit den behandelnden Ärzten, welche Methoden in der individuellen Situation geeignet sind. Halten Beschwerden nach abgeschlossener Strahlentherapie an oder treten sie erst einige Zeit später auf, sollte man dies mit den für die Nachsorge verantwortlichen Ärzten besprechen.

Die im Folgenden aufgeführten Verfahren sind daher nur als Anregungen zu verstehen. Hinzu kommt: Für die meisten Empfehlungen fehlen Daten aus guten Studien. Auf diesem Gebiet ist noch weitere Forschung notwendig. Fachleute setzen bei einigen Verfahren aktuell vorwiegend auf Erfahrungswissen.

  • Tipps, die von denen des Krebsinformationsdienstes abweichen, können daher ebenso gut und richtig sein.

Speicheldrüsenstimulierende Maßnahmen

Ganz allgemein gilt für alle speicheldrüsenstimulierenden Methoden: Sie sind nur bei Patienten sinnvoll, bei denen noch zumindest teilweise funktionierende Speicheldrüsen vorhanden sind. Die Speichelproduktion kann sowohl durch Medikamente angeregt werden wie auch durch Kauen oder durch saure Lebensmittel.

Medikamente: Ein Beispiel für ein Medikament, das im gesamten Körper wirkt, ist die Substanz Pilocarpin. Sie wirkt auf das vegetative Nervensystem und regt auf diesem Weg den Speichelfluss an. Pilocarpin wird als Tablette eingenommen. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn man beispielsweise an Asthma, einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, Herzerkrankungen oder einem grünen Star leidet. Das Mittel kann die Beschwerden durch diese Erkrankungen verstärken. Man sollte seinen behandelnden Arzt deshalb über bestehende Begleiterkrankungen unbedingt informieren.

Stimulation durch orale Reize:
Um die Speichelproduktion direkt im Mund zu stimulieren, raten Fachleute zum Kauen von zuckerfreiem Kaugummi oder getrocknetem Obst und zum Lutschen von Bonbons oder Ähnlichem. Allerdings ist nicht belegt, ob sich durch diese Maßnahmen die Mundtrockenheit nachhaltig verbessert. Wer sich unsicher ist, welche Produkte sich eignen, sollte vorher mit seinem Arzt oder Zahnarzt Rücksprache halten. Achtung: Nicht verwenden sollte man auf Dauer zucker- oder säurehaltige Produkte, oder Bonbons, die scharfe Kanten haben. Sonst können Zähne und Mundschleimhaut leiden.

Akupunktur: Diskutiert wird unter Fachleuten außerdem, ob sich durch Akupunktur die Speichelproduktion anregen lässt. Erste Studien deuten zwar darauf hin, dass Betroffene eine Linderung verspüren könnten. Wirksamkeit und Nutzen von Akupunktur im Zusammenhang mit strahlenbedingter Mundtrockenheit sind aber aktuell noch nicht zweifelsfrei wissenschaftlich belegt. Weitere Forschung zum Thema ist notwendig.

Speichelersatz

Bilden die Speicheldrüsen gar keine Spucke mehr, besteht die Möglichkeit, künstlichen Speichel anzuwenden. Speichelersatz ist in seiner Zusammensetzung dem natürlichen Speichel nachempfunden.
Es gibt Mittel in Form von Sprays, Mundgels oder Mundspülungen, die direkt in der Mundhöhle aufgetragen werden. Nicht alle Patienten empfinden sie jedoch als angenehm oder mögen den Geschmack. Meist wirken die Mittel auch nur kurz. Wer vor allem nachts unter Mundtrockenheit leidet, sollte daher nachfragen, wie lange voraussichtlich die Wirkung anhält.

Einige der Produkte können vom Arzt verschrieben werden, so dass gesetzliche Krankenkassen bis auf die Zuzahlung die Kosten übernehmen. Andere dagegen sind nicht über Rezept erhältlich. Diese muss man selbst bezahlen. Wer sich bei einzelnen Präparaten nicht sicher ist, sollte mit seinem Arzt, Apotheker oder seiner Krankenkasse Rücksprache halten. Wer privat versichert ist, sollte sich ebenfalls bei seiner Versicherung erkundigen, für welche Produkte die Kasse die Kosten übernimmt.
Fachleute kritisieren, dass manche dieser Präparate zu säurehaltig sind und deshalb Zähnen schaden können. Auch deshalb ist eine Beratung zu geeigneten Produkten sinnvoll.

Der ein oder andere zieht regelmäßig kleine Schlucke Wasser dem künstlichen Speichel vor. Dadurch wird der Mund ebenfalls angefeuchtet.

  • Tabu sind dagegen säurehaltige Getränke, etwa Säfte oder Limonaden – sie schädigen die Zähne.

Weitere Auslöser für Mundtrockenheit berücksichtigen

Nicht nur eine Strahlentherapie kann Ursache einer Mundtrockenheit sein. Auch andere, von der Strahlentherapie unabhängige Faktoren können eine Xerostomie auslösen. Ziel sollte es sein, diese Kofaktoren bei der Behandlung einer strahlenbedingten Mundtrockenheit ebenfalls zu berücksichtigen und gegebenenfalls Abhilfe zu schaffen.

Vor allem ältere oder schwer kranke Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung klagen oft über einen trockenen Mund. Die häufigste Erklärung dafür ist: Sie trinken zu wenig. Die Gründe dafür sind vielfältig. Bei einigen fehlt das Durstgefühl, bei anderen behindert Schwäche die regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme. Ihnen könnte möglicherweise durch pflegerische Unterstützung bei alltäglichen Aktivitäten wie Trinken und Essen geholfen werden.

Außerdem gibt es andere Erkrankungen, bei denen vermehrt ein trockener Mund auftreten kann, etwa einige Autoimmun- oder Stoffwechselerkrankungen.

Darüber hinaus machen viele Medikamente als Nebenwirkung einen trockenen Mund. Beispiele dafür sind einige Arzneimittel gegen Schmerzen, gegen Depression, hohen Blutdruck, Allergien oder Asthma sowie auch manche Krebsmedikamente. Ärzte können prüfen, ob die jeweiligen Präparate durch andere ersetzbar sind, die keinen trockenen Mund auslösen.

Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen, Fieber, Durchfall und Erbrechen trocknet ebenfalls die Mundschleimhaut aus. Welche Maßnahmen in diesen Situationen helfen, hat der Krebsinformationsdienst in den Texten "Entzündung, Infektionen und Fieber bei Krebspatienten" und "Übelkeit und Erbrechen während einer Krebsbehandlung" zusammengestellt.

Komplikationen und Folgeschäden vorbeugen

Für das Vorbeugen von Komplikationen gelten überwiegend die gleichen Maßnahmen wie in der Vorbeugung einer Xerostomie: eine gute Mundpflege und der regelmäßige Gang zum Zahnarzt.

Wenn ein trockener Mund Schwierigkeiten beim Kauen und Schlucken von Speisen bereitet, sollten sich Betroffene an einen Ernährungsberater wenden. Er kann Tipps geben, welche Nahrungsmittel sich in dieser Situation am besten eignen und welche weiteren Maßnahmen sinnvoll sind. Mit ihm kann man außerdem klären, ob sich die Probleme beim Essen bereits auf den Ernährungs- und Allgemeinzustand auswirken. Wer durch die Beschwerden im Mund Gewicht verloren hat, findet ausführliche Informationen zu Abhilfemöglichkeiten im Text "Ernährung für Krebspatienten: Was tun bei Gewichtsverlust und Mangelernährung".

Manche Patienten erleben auch, dass aufgrund der Xerostomie das Sprechen schwerer fällt. Auch dies ist ein Thema für das Gespräch mit dem behandelnden Arzt. Gegebenenfalls kann ein Logopäde hinzugezogen werden. Er kann Tipps und Ratschläge geben, wie das Sprechen auch mit einem trockenen Mund mit weniger Anstrengung und Beschwerden möglich ist.

Für Patienten, die aufgrund der Mundtrockenheit Schmerzen im Mund haben, stehen Schmerzmedikamente zur Verfügung, zum Beispiel zum Einsprühen vor dem Essen. Informationen dazu finden Interessierte in den Texten "Schmerztherapie bei Krebspatienten" des Krebsinformationsdienstes.

Psychosoziale Unterstützung finden

Patienten, die sehr lange mit den belastenden Symptomen und Folgen einer Mundtrockenheit leben müssen, sind in ihrer Lebensqualität oft stark eingeschränkt. Um mit diesen Belastungen besser klar zu kommen, ist es möglicherweise sinnvoll, auf psychosoziale oder psychoonkologische Unterstützung durch geschulte Fachleute zurückzugreifen. Der Krebsinformationsdienst hält für Krebspatienten eine bundesweite Liste mit Krebsberatungsstellen und mit niedergelassenen Psychoonkologen bereit.

Anhang: Mundtrockenheit bei Patienten am Lebensende

Die meisten Patienten mit sehr fortgeschrittener Krebserkrankung leiden an einer ausgeprägten Mundtrockenheit – ein oft als besonders quälend empfundenes Symptom. Nahrungsaufnahme, Geschmackserleben und Sprechen sind dadurch stark beeinträchtigt. All diese Aspekte machen jedoch gute Lebensqualität aus.
Eine gute und regelmäßige Mundpflege oder Mundbefeuchtung ist bei betroffenen Patienten deshalb sehr wichtig. Oft benötigen schwerstkranke Patienten dabei Unterstützung, von Angehörigen oder Pflegefachkräften. Kraft und Beweglichkeit reichen in dieser Lebensphase nicht immer aus, um dies selbst in die Hand zu nehmen oder das Problem überhaupt zu äußern.

Bedürfnisorientierte Mundpflege

Wer schwerstkranke Patienten pflegt und betreut, sollte deshalb persönliche Vorlieben, Bedürfnisse, Wünsche und Abneigungen eines Betroffenen kennen und berücksichtigen. Dies gilt auch für die Mundpflege. Gemeinsam mit dem Patienten selbst, Angehörigen, Pflegefachkräften und Ärzten gilt es herauszufinden, welche Maßnahmen für den Einzelnen angenehm, angemessen und sinnvoll sind. Fachleute raten, die Mundpflege kreativ auf die individuelle Situation und die Wünsche eines Patienten abzustimmen. Sie können in dieser Lebensphase durchaus von gängigen Mund- und Zahnpflegeverfahren abweichen. Die Grenzen zwischen Mundpflege und Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme können verwischen, da sich das Bedürfnis nach Essen und Trinken in dieser Lebensphase ebenfalls verändert. Beispielsweise können einem Betroffenen eingefrorene Lieblingsgetränke in Form von Eiswürfeln zum Lutschen angeboten werden.
Aber auch das Auswischen des Mundes mit Tee oder Mineralwasser oder das Besprühen des Mundes und der Lippen mithilfe eines Zerstäubers sind möglich. Wichtig: Der Betroffene sollte sich nicht verschlucken, und die Atemwege müssen trotz der Flüssigkeitsbenetzung frei bleiben.

Zu pflegerischen Maßnahmen am Lebensende existieren wenige wissenschaftliche Studien. Die hier genannten Tipps beruhen deshalb überwiegend auf Erfahrungswissen. Ratschläge, die von denen des Krebsinformationsdienstes abweichen, können deshalb ebenso gut und richtig sein.

Weitere Informationen: Linktipps, Fachinformationen, Quellen (Auswahl, Stand Februar 2014)