© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Diese Seiten sind Ausdrucke aus www.krebsinformationsdienst.de, den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum. Mehr über den Krebsinformationsdienst und seine Angebote lesen Sie auf unseren Internetseiten. Am Telefon stehen wir Ihnen täglich von 8.00 bis 20.00 für Fragen zur Verfügung, unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 – 420 30 40. Oder Sie schreiben uns eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.

Bitte beachten Sie: Internet-Informationen sind nicht dazu geeignet, die persönliche Beratung mit behandelnden Ärzten oder gegebenenfalls weiteren Fachleuten zu ersetzen, wenn es um die Diagnose oder Therapie einer Krebserkrankung geht. Die vorliegenden Informationen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte, unabhängig von Form, Zeit oder Medium bedarf der schriftlichen Zustimmung des Krebsinformationsdienstes, Deutsches Krebsforschungszentrum.

Ursprüngliche Adresse dieses Ausdrucks: https://www.krebsinformationsdienst.de


Wolkenhimmel © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Aszites behandeln: Entlasten und vorbeugen

Oberstes Ziel in der Behandlung eines malignen Aszites ist es, die belastenden Symptome zu lindern, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Allerdings existieren hierfür bislang keine einheitlichen, qualitätsgeprüften Leitlinien. Bei der Therapiewahl spielen daher ganz unterschiedliche Faktoren eine Rolle. An erster Stelle stehen  Krankheitsprognose und Lebensqualität. Aber auch Art, Aggressivität und Ausmaß der zu Grunde liegenden Tumorerkrankung werden bei der Behandlungsplanung mitberücksichtigt: Geht die Aszitesbildung von einem Eierstocktumor aus, so muss anders behandelt werden als bei einer zu Grunde liegenden Darmkrebserkrankung.

Im Folgenden hat der Krebsinformationsdienst mögliche Behandlungsstrategien zusammengestellt, die zur Therapie eines malignen Aszites in Frage kommen. Welche Behandlungen im Einzelfall tatsächlich sinnvoll sind, können Patienten aber letztendlich nur gemeinsam mit den behandelnden Ärzten entscheiden. 

Erstellt:
Zuletzt überprüft:

Parazentese

Die Punktion der Bauchhöhle zu therapeutischen Zwecken nennen Fachleute Parazentese oder auch Aszitesdrainage. Sie ist bisher die gebräuchlichste und wichtigste Methode, um größere und belastende Flüssigkeitsmengen (bis zu mehreren Litern) aus der Bauchhöhle möglichst vollständig zu entleeren. Die Parazentese kann, abhängig vom Zustand des Patienten und der Erfahrung des Arztes, ambulant gemacht werden. Ist die Flüssigkeitsmenge sehr groß oder sind von vornherein Komplikationen absehbar, ist eventuell ein kurzer Krankenhausaufenthalt nötig, auch weil die Flüssigkeitsableitung über mehrere Stunden dauern kann.
Wie bei der diagnostischen Punktion führt der Arzt meist unter Ultraschallkontrolle und nach örtlicher Betäubung der Einstichstelle eine Hohlnadel in den Bauch ein. Damit die Flüssigkeit ablaufen kann, wird ein dünner Schlauch an ein Röhrchen angeschlossen, das mit der Punktionskanüle verbunden ist. Nachdem genügend Flüssigkeit entfernt wurde, zieht der Arzt die Nadel aus dem Bauch heraus und deckt die Punktionsstelle steril ab.
Die Parazentese dient dazu, Patienten mit ausgeprägtem Aszites mechanisch zu entlasten und Beschwerden wie Atemnot, Übelkeit und Erbrechen zu lindern.

Welche Nachteile birgt die Parazentese?

Der Effekt der Parazentese ist bei einer fortgeschrittenen Erkrankungssituation oft nur von kurzer Dauer, da sich die Aszitesflüssigkeit innerhalb von Tagen bis Wochen nachbilden kann. Die Punktion muss daher regelmäßig wiederholt werden.
Auch wenn dieses Verfahren bei korrekter Handhabung sehr sicher ist und belastende Symptome vergleichsweise schnell reduziert werden können, sind Komplikationen niemals gänzlich auszuschließen. So kann es theoretisch zu Verletzungen des Darms oder Infektionen des Bauchfells kommen. Bei wiederholter Punktion größerer Flüssigkeitsmengen und gleichzeitiger Leberfunktionsstörung besteht die Gefahr von Eiweißverlusten (Hypoalbuminämie) und Austrocknung (Deydratation). Um diese auszugleichen und so Störungen des Kreislaufs und weiterer Funktionen sowie körperlichen Abbau zu verhindern, wird bei Vorliegen einer Leberfunktionsstörung oft eine Infusion gegeben, meist zusammen mit einer konzentrierten Eiweißlösung. Zu hohe oder zu schnelle  Flüssigkeitsreduktion belastet zudem die Nieren,  es kann zu einer Nierenfunktionsstörung kommen. 

Müssen Parazentesen sehr häufig, oft mehrmals pro Monat, durchgeführt werden, beeinträchtigt dies die Lebensqualität von Patienten erheblich und erfordert bei vielen Patienten auch wiederholte Krankenhausaufenthalte. Darüber hinaus besteht bei der Entnahme größerer Flüssigkeitsvolumina immer auch das Risiko, dass aufgrund von Eiweiß- und Flüssigkeitsverlusten der Blutdruck zu schnell und zu stark abfällt. 
In dieser Situation kann Patienten unter Umständen auch ein dauerhafter Katheter als sogenannter Port unter die Haut eingepflanzt werden. Dazu ist keine größere Operation notwendig, ein kleiner Hautschnitt unter örtlicher Betäubung reicht meist aus.
Der künstliche Abfluss ermöglicht es, in kürzeren Zeitabständen kleinere Aszitesmengen aus dem Körper zu leiten, ohne den Flüssigkeitshaushalt drastisch zu verändern. Betroffene bleiben zudem von wiederholten Punktionen mit langen Kanülen verschont und können die Handhabung des Katheters sogar selbst erlernen; der Aszites ist dann für Patienten und/oder ihre Angehörigen zu Hause weitestgehend selbstständig regulierbar. Wie alle Katheter ist aber auch dieses Verfahren mit einem Infektionsrisiko verbunden.

Weitere dauerhafte Katheterverbindungen, die aber nur bei gutem Allgemeinzustand des Patienten in der Therapie eines Aszites zum Einsatz kommen können, sind so genannte Shunts, siehe folgende Kapitel.

Diurese - Entwässerung

Medikamente, die die Salz- und dadurch indirekt die Wasserausscheidung über die Niere steigern, werden als Diuretika bezeichnet; umgangssprachlich ist auch der Begriff Wassertabletten verbreitet. Sie können dazu beitragen, das im Bauchraum eingelagerte Wasser aus dem Körper auszuschwemmen.

Die diuretische Therapie hat sich bei Patienten mit Leberzirrhose als gut wirksam erwiesen. Diese Erfahrung kann teilweise auch auf Betroffene mit malignem Aszites übertragen werden, aussagekräftige klinische Studien zum Nutzen bei Krebspatienten fehlen jedoch bisher. Allerdings schlägt diese Behandlungsform nicht bei allen Tumorpatienten an und wirkt, wenn überhaupt, nur für eine begrenzte Zeit.
Bislang können Ärzte nur schwer voraussagen, welche Tumorpatienten von einer Diurese profitieren und welche nicht. Bei Peritonealkarzinose oder chylösem Aszites bleibt die Diurese in der Regel wirkungslos. Bisherige Erfahrungen deuten aber darauf hin, dass sich die diuretische Therapie für Patienten eignen kann, bei denen die Leberfunktion aufgrund von Lebermetastasen oder einem Leberkarzinom gestört ist.
Bei ihnen ist häufig ein erhöhter Renin-Aldosteron-Spiegel im Blut nachzuweisen: Tumoren in der Leber verhindern häufig den Blutfluss durch das Organ, weshalb in den nachfolgenden Blutgefäßen der Blutdruck sinkt, während sich vor der Leber das Blut staut (siehe portale Hypertension). Um dem Abfall des Blutdrucks entgegenzuwirken, aktiviert der Körper das sogenannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS). Hierbei handelt es sich um eine Kaskade von verschiedenen Hormonen und Enzymen, deren Aufgabe im Wesentlichen darin besteht, den Blutdruck im Körper aufrechtzuerhalten. So führt die Aktivierung von RAAS unter anderem dazu, dass sich die Blutgefäße verengen und so den Blutdruck erhöhen. Darüber hinaus wird das Nebennierenhormon Aldosteron vermehrt freigesetzt, so dass die Niere Kochsalz beziehungsweise seinen Bestandteil Natrium nicht mehr ausscheidet, sondern im Körper zurückhält.
Diuretika mit dem Wirkstoff Spironolacton hemmen die Funktion von Aldosteron (Aldosteronantagonist), und bewirken so eine verstärkte Natriumausscheidung über die Niere. Da Natrium Flüssigkeit bindet, scheiden die Nieren zudem vermehrt Wasser aus. Mit abnehmendem Wasseranteil im Blut verringert sich die Blutmenge: Aszites und Ödeme als Wasseransammlungen im Gewebe werden ausgeschwemmt, der Blutdruck sinkt. Manchmal geben Ärzte zusätzlich so genannte Schleifendiuretika mit anderen Wirkstoffen. Sie wirken besonders schnell, was auch eine sorgfältige Kontrolle des Salzhaushaltes und des Blutdrucks erfordert, um Komplikationen zu vermeiden.

Während einer Diuretikatherapie müssen der Salzhaushalt des Patienten, seine Herzfunktion und sein Blutdruck regelmäßig überwacht werden, vor allem dann, wenn seine Nierenfunktion beeinträchtigt ist. Als Nebenwirkung können Diuretika zu Übelkeit und Erbrechen führen. Auch Mundtrockenheit, verstärktes Durstgefühl, niedriger Blutdruck und Schwäche werden beobachtet. Die längerfristige Anwendung des Aldosteronantagonisten Spironolacton bewirkt, abhängig von der Dosis, häufiger hormonelle Störungen bei Männern und Frauen.

Chemotherapie

Mit einer Chemotherapie kann versucht werden, die für den Aszites verantwortlichen Tumorzellen am Wachstum zu hindern oder sie sogar so weit wie möglich zurückzudrängen. Ob eine Chemotherapie in Frage kommt und in welcher Form sie angewendet wird, hängt aber immer von der Gesamtsituation ab und kann nur individuell beurteilt werden. Nicht alle Krebsarten sprechen gleich gut auf die verschiedenen Zytostatika an, die zur Chemotherapie zur Verfügung stehen. Ist der Ausgangstumor bekannt, der für die Aszitesbildung verantwortlich ist, orientiert sich die Chemotherapie daher an den Standards für die jeweilige Tumorart.

Systemische Chemotherapie

Die in der Chemotherapie eingesetzten Zytostatika können auf verschiedenen Wegen verabreicht werden: Bei der systemischen Gabe injizieren die Ärzte das Medikament in die Vene oder geben es, wenn möglich, dem Patienten in Tablettenform, damit sich das Zytostatikum mit dem Blutkreislauf im gesamten Körper verteilen kann. Die systemische Chemotherapie zielt auf größere Tumoren und Organmetastasen.

Intraperitoneale Chemotherapie

Bei einigen Krebserkrankungen, wie etwa Eierstockkrebs oder metastasiertem Brustkrebs, hat sich in einigen Fällen auch die intraperitoneale Chemotherapie bewährt. Hier werden die tumorzerstörenden Medikamente direkt in den Bauchraum verabreicht (intra= innerhalb, peritoneal= in der Bauchhöhle). So sollen freischwimmende Tumorzellen in der Bauchhöhle und auf dem Bauchfell angesiedelte kleine Tumorknötchen erfasst werden. Die Zellgifte werden so gezielt und in konzentrierter Form an den Ort gebracht, an dem sie wirken sollen. Andere Organe werden hingegen weniger belastet. Gegen größere Tumoren lässt sich mit der intraperitonealen Chemotherapie allein allerdings oft wenig ausrichten.

Die Gabe der Medikamente in den Bauchraum erfolgt über einen Katheter oder einen dauerhaft unter die Haut gelegten Zugang, einen Port. Vorher wird die Aszitesflüssigkeit möglichst vollständig durch eine Parazentese entfernt. Für eine effiziente Wirkung muss sich das Chemotherapeutikum gleichmäßig in der gesamten Bauchhöhle verteilen, weshalb es in einem größeren Flüssigkeitsvolumen (ein halber bis ein Liter) verabreicht wird. Bei manchen Patienten wird die verwendete Flüssigkeit vorher erwärmt. Fachleute bezeichnen dies als hypertherme intraperitoneale Chemotherapie.

Da Verwachsungen im Bauchraum, zum Beispiel nach vorangegangener Operation, eine gleichmäßige Zytostatikaverteilung behindern können, überwachen die Ärzte sie oft mittels bildgebender Verfahren, zum Beispiel Ultraschall. Wie lange die Mittel im Körper verbleiben müssen, hängt von dem jeweiligen Zytostatikum oder der Kombination verschiedener Substanzen ab; die Dauer variiert zwischen zwei und 24 Stunden. Wegen dieser Rahmenbedingungen ist für die intraperitoneale Chemotherapie oft ein kurzer Krankenhausaufenthalt erforderlich. Sie kann in besonders ausgestatteten Praxen aber auch ambulant durchgeführt werden. Meist ist es notwendig,  die Therapie alle drei bis vier Wochen zu wiederholen, um den Erfolg zu erhalten.

Im Vergleich zur systemischen Chemotherapie belastet die intraperitoneale Chemotherapie weniger den gesamten Körper. Allerdings ist bei dieser Chemotherapieform die Gefahr schwerer Infektionen erhöht,  da die Punktionskanüle direkt in die Bauchhöhle reicht statt in eine Ader. In hoher Konzentration können die Zytostatika außerdem eine schmerzhafte Bauchfellentzündung hervorrufen und zu einer Vernarbung des Gewebes führen, einer peritonealen Gewebsfibrose. Bei Auftreten von erheblichen Nebenwirkungen kann sich die Lebensqualität betroffener Patienten deutlich verschlechtern, so dass die Fortführung und Wiederholung der Therapie immer wieder anhand der aktuellen Situation überdacht werden muss. 

Shunt - dauerhafte Ableitung über eine Vene

Ist die Aszitesbildung sehr ausgeprägt oder lässt sich durch Medikamente nicht beeinflussen, brauchen Patienten unter Umständen monatlich mehrere Parazentesen. Dann ziehen Ärzte auch das Einsetzen von so genannten "Shunts" in Betracht. Hier wird die Flüssigkeit nicht nach außen abgeleitet, sondern innerhalb des Körpers über eine Vene abtransportiert.
Je nach Ursache des malignen Aszites kommen dabei unterschiedliche Verfahren in Frage, die jedoch alle mit zum Teil erheblichen Risiken verbunden sind. Ärzte und Patienten müssen daher vor der operativen Implantation genau abwägen, ob die Belastungen durch den Aszites die Risiken einer Shunt-Implantation übersteigen. Bei der Entscheidung spielen daher die Lebensqualität des Patienten und die zu erwartende Überlebenszeit eine Rolle. Eine wesentliche Voraussetzung für diese Eingriffe ist außerdem ein stabiler akzeptabler gesundheitlicher Zustand des Patienten. 

Peritoneo-venöser Shunt (PVS)

Ein peritoneo-venöser Shunt (PVS) ist eine künstliche Verbindung zwischen der Bauchhöhle (Peritonealhöhle) und dem zentralen Venensystem. Dieses Verfahren eignet sich nicht für Patienten mit einem Leberkarzinom oder mit infiziertem Aszites. Das Einsetzen des PVS erfolgt über einen operativen Eingriff, weshalb ein mehrtätiger Krankenhausaufenthalt notwendig sein kann. Über einen PVS kann die Aszitesflüssigkeit aus der Bauchhöhle in den venösen Blutkreislauf fließen und so über die Nieren ausgeschieden werden. Ein Ventil sorgt dafür, dass das Wasser nicht zurück in den Bauchraum strömt. Auch wenn ein PVS die Symptome eines belastenden Aszites lindern und Patienten unter Umständen weitere Punktionen ersparen kann, birgt dieses Verfahren gleichwohl auch Risiken. Vorrangig kommt es daher nur bei Patienten zum Einsatz, deren Gesundheitszustand auf absehbare Zeit stabil bleiben wird: So verstopfen PVS häufig nach einer gewissen Zeit und verlieren ihre Funktionstüchtigkeit. Darüber hinaus sind Blutgerinnungsstörungen, Infektionen, Lungenödeme und Lungenembolien möglich. In sehr seltenen Fällen können sich Tumorzellen aus der Bauchhöhle über das Venensystem im gesamten Körper ausbreiten. Die Ausbreitung der Tumorzellen scheint sich jedoch nicht negativ auf die Überlebenszeit der betroffenen Patienten auszuwirken.

Transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS)

Ein sogenannter transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS) ist eine Verbindung zwischen gestauter Pfortader und ableitender Lebervene. Für Patienten mit Aszites aufgrund einer Leberschrumpfung oder Zirrhose stellt diese Shuntform eine gängige Therapie dar. Die Anwendung eines TIPS eignet sich bei Tumorpatienten dagegen, wenn überhaupt, nur bei Aszites aufgrund von erhöhtem Pfortaderdruck durch massiven Metastasenbefall der Leber oder ein Leberzellkarzinom. Grundvoraussetzung ist wie bei den anderen Shuntformen ein ausreichend guter Allgemeinzustand und ein Abwägen des Nutzens gegenüber den Risiken.

Patienten erhalten vor der Implantation eine lokale Betäubung und ein leichtes Beruhigungsmittel. Der TIPS wird dann über einen Katheter durch die obere Hohlvene und die rechten Herzkammern in die Lebervene eingeführt. Von dieser aus wird innerhalb der Leber mit einer Punktionsnadel eine Verbindung zur Pfortader gestochen. Entlang eines Führungsdrahtes wird dann diese Öffnung mit einem Ballon geweitet und ein sogenannter Stent eingeschoben, ein kleines Gittergerüst in Röhrchenform aus Metall oder Kunststoff. Der Stent soll den neu geschaffenen Abfluss offen halten. Zur Nachbeobachtung müssen Patienten nach der Implantation je nach Gesundheitszustand ungefähr eine Woche im Krankenhaus bleiben. Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen dienen dazu, die Funktion des TIPS zu überwachen.
Mit einem TIPS lässt sich die Ausschwemmung eines Aszites verbessern und so die Lebensqualität betroffener Patienten deutlich verbessern. Eine Verlängerung der Überlebenszeit von Patienten mit nicht therapierbarem Aszites lässt sich mit diesem Verfahren bisher allerdings nicht erreichen.
Auch ein TIPS ist mit möglichen Komplikationen verbunden. So ist beim Einsetzen eine Punktion der Pfortader notwendig, bei der in sehr seltenen Fällen Organe getroffen und verletzt werden können. Auch kann eine so genannte Enzephalopathie, eine Funktionsbeeinträchtigung des Gehirns, auftreten, die sich durch Störungen in Bewegungs-, Konzentrations- und Denkvermögen äußert. Dies ist darauf zurückzuführen, dass aufgrund des TIPS ein Großteil des Blutes nicht mehr durch die Leber fließt und dort  entgiftet wird und in der Folge giftige Stoffe in den Blutkreislauf gelangen können.

Immuntherapie in Praxis und Forschung

Verschiedene neue Ansätze zur Therapie eines malignen Aszites befinden sich derzeit im Fokus der Wissenschaft. Die meisten dieser Behandlungsoptionen werden momentan noch erforscht. Zugelassene Medikamente bilden (noch) die Ausnahme.

Zytokine: Botenstoffe des Immunsystems

In den vergangenen Jahren sind zahlreiche immunmodulierende Wirkstoffe zur Behandlung eines malignen Aszites getestet worden. Das Prinzip hinter diesen Studienansätzen der Immuntherapie beruhte darauf, gegen die Tumorzellen gerichtete Zellen der Immunabwehr gezielt zu aktivieren. Die meisten dieser Stoffe mussten direkt in die Bauchhöhle verabreicht werden. Erste Untersuchungen erfolgten mit Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-alpha), Interferon-alpha und -beta und Interleukin-2 (IL-2). Die Ergebnisse mit Interferon-alpha und IL-2, die teilweise in Kombination mit Chemotherapie verabreicht wurden, waren bisher nicht sehr erfolgreich. TNF-alpha scheint zwar wirksam gegen Aszites zu sein, weist aber auch erhebliche Nebenwirkungen auf. Keiner dieser Stoffe ist als Medikament gegen Aszites zugelassen, keiner dieser Ansätze gilt als Standardtherapie. Einige werden selbst in Studien nicht mehr weiter verfolgt.

Antikörper

Ein weiterer Ansatz, um Tumorzellen in der Bauchhöhle zu zerstören, ist die Verwendung von Antikörpern. Das sind Eiweißmoleküle, die bestimmte Strukturen auf Zellen als so genannte Antigene erkennen und sich an ihnen festheften. Hoffnungen ruhen dabei auf Antikörpern mit mehreren "Erkennungsstellen". Sogenannte bifunktionelle (bi=zwei) Antikörper erkennen zwei unterschiedliche Antigene auf zwei verschiedenen Zellen und können auf diese Weise beide Zellen zusammenbringen; trifunktionale (tri=drei) Antikörper besitzen Bindungsstellen für drei unterschiedliche Zelltypen.

Der wichtigste Mechanismus sowohl bei bi- als auch bei trifunktionalen Antikörpern besteht in der Kopplung einer spezialisierten Zelle des Immunsystems und einer Tumorzelle. So kann eine gezielte Immunreaktion gegen die Tumorzelle ausgelöst werden. Bei trifunktionalen Antikörpern treffen Krebszellen sogar auf zwei unterschiedliche Zelltypen der Immunabwehr. Indem die trifunktionalen Antikörper die Krebszelle und die beiden Immunzellen gleichzeitig binden, soll eine verstärkt gegen den Tumor gerichtete Immunantwort erzeugt werden.

Seit April 2009 ist mit Catumaxomab ein trifunktionaler Antikörper zur Aszites-Behandlung europaweit zugelassen. Die Zulassung des als Removab® vertriebenen Medikaments gilt für Patienten, für die keine andere Standardtherapie zur Verfügung steht oder bei denen die bisherige Behandlung nicht mehr wirkt. Der trifunktionale Antikörper führt drei verschiedene Zelltypen zusammen. Dies sind Tumorzelle, T-Zelle und sogenannte akzessorische Zelle. Was passiert dabei im Detail?

  • Krebszellen werden anhand des EP-CAM-Antigens erkannt. Das ist eine Zucker-Protein-Verbindung, die auf der Zelloberfläche von fast allen Karzinomzellen und in geringerer Konzentration auch auf bestimmten gesunden Zellen des Menschen zu finden ist. Das Besondere dieses Moleküls ist, dass es auf bösartig veränderten Tumorzellen niemals verloren geht, während viele andere Oberflächenmerkmale während der Krebsentwicklung nicht mehr nachweisbar sind.
  • Zweitens bindet der Antikörper T-Zellen anhand des auf ihrer Oberfläche vorhandenen Ziel-Moleküls CD3. T-Zellen sind Teil des Immunsystems und an der Abtötung körperfremder oder entarteter Zellen beteiligt. Da Catumaxomab sowohl an EP-CAM als auch an CD3 bindet, werden Tumorzelle und T-Zelle so nah aneinander gebracht, dass die T-Zelle Auflösungsprozesse in der Krebszelle auslösen kann.
  • Drittens werden sogenannte akzessorische Zellen stimuliert. So bezeichnet man Abwehrzellen der angeborenen Immunabwehr, die an Erkennung und Abtötung von abnormalen Zellen beteiligt sind. Die akzessorischen Zellen werden vom Antikörper über ein spezielles Erkennungsmerkmal (Fc-gamma-Rezeptor) gebunden und aktiviert. Sie tragen über verschiedene Wege direkt zur Vernichtung von Tumorzellen bei und setzen darüber hinaus auch Botenstoffe frei, die T-Zellen zusätzlich stimulieren.

Wegen der elementaren Rolle des EP-CAM-Antigens ist eine Behandlung mit Catumaxomab nur bei Betroffenen mit EP-CAM-postiven Tumoren möglich, das heißt, diese Zucker-Protein-Verbindung muss auf der Oberfläche der Krebszellen vorhanden sein. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bietet einen Beurteilungsbericht im PDF-Format: www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/000972/WC500051809.pdf.

Radio-Immuntherapie

Einen weiteren neuen Ansatz in der Therapie des malignen Aszites stellen monoklonale Antikörper dar, die gezielt typische Oberflächenstrukturen von Krebszellen erkennen und an diese binden können. Durch die Kopplung an eine radioaktive Substanz führt die Bindung gleichzeitig zum Tod der Krebszelle durch radioaktive Strahlung. Die Strahlen verschonen dabei aufgrund der geringen Reichweite weitestgehend die umliegenden gesunden Zellen. In ersten klinischen Studien wurden die Antikörper direkt in die Bauchhöhle verabreicht, wodurch die belastenden Symptome vorübergehend gelindert werden konnten.

Weitere neue Ansätze

Der vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor (VEGF, engl.: Vascular Endothelial Growth Factor) ist ein Protein, dass die Neubildung von Blutgefäßen anregt. Tumorzellen produzieren dieses Protein häufig, um ihre eigene Nahrungsversorgung durch neu gebildete Kapillaren (feinste Blutgefäße) sicherzustellen. So lässt sich VEGF auch in deutlich erhöhter Menge in der Aszitesflüssigkeit, zum Beispiel bei Peritonealkarzinose, nachweisen. VEGF fördert zudem die Bildung von Aszites, indem es die Blutgefäße erweitert. Ob die bisher verfügbaren Medikamente, die VEGF hemmen, auch bei Aszites helfen, steht noch nicht fest. Ziel könnte es sein, mithilfe dieser Wirkstoffe sowohl die Aszitesmenge als auch die Anzahl an Tumorzellen zu verringern. Noch werden entsprechende Wirkstoffe gegen Aszites in klinischen Studien geprüft, in der Standardbehandlung haben sie noch keinen Stellenwert. 

Matrix Metalloproteinase Inhibitoren

Matrix Metalloproteinasen (MMP) gehören zu einer Enzymfamilie, die bei der Metastasierung von Tumorzellen eine wichtige Rolle haben und in manchen Tumoren vermehrt nachweisbar sind. In Laboruntersuchungen konnte durch gezielte Hemmung dieser Enzyme verhindert werden, dass Krebszellen in umliegende Gewebe und Organe eindringen und Metastasen bilden. MMP-Hemmer, die an Patienten mit malignem Aszites im Rahmen erster klinischer Studien erprobt wurden, führten bei einigen Probanden zu einem geringeren Körperumfang und reduziertem Gewicht. Aufgrund des verminderten Aszites waren zudem weniger Parazentesen notwendig. Zukünftige Studien mit größeren Patientenzahlen sollen zeigen, ob sich diese Wirkstoffe zur Behandlung eines malignen Aszites zum Beispiel in Kombination mit anderen Therapiemaßnahmen eignen. Noch sind die Mittel daher nicht in der Praxis verfügbar.