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Prostatakrebs, Foto: STEVE GSCHMEISSNER/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Behandlung bei Prostatakrebs: Experimentelle Verfahren

Hoffen auf weniger Nebenwirkungen: HIFU, Kryoablation, LITT und andere

Wissenschaftler und Ärzte suchen schon lange nach Behandlungsverfahren bei Prostatakrebs, die weniger Nebenwirkungen haben als die etablierten Therapien wie eine Operation oder eine Bestrahlung. Damit ein Verfahren jedoch als Therapieoption infrage kommt, muss es den Nachweis erbracht haben, dass es zumindest nicht weniger wirksam ist als die derzeitigen Standardtherapien. Solange dies nicht einwandfrei belegt ist, gelten die Verfahren als experimentell.

Beispiele für experimentelle Verfahren bei Prostatakrebs sind die Ansätze zur sogenannten fokalen Tumortherapie. Sie zielen darauf ab, nur den Tumor in der Prostata zu treffen anstatt der gesamten Drüse. Die Wirksamkeit dieser Ansätze wird derzeit bei örtlich begrenztem Prostatakrebs untersucht. Bei fortgeschrittener Erkrankung spielen sie hingegen keine Rolle.

Der nachfolgende Text bietet einen Überblick über häufig nachgefragte experimentelle Methoden bei Prostatakrebs. Informationen aus dem Internet können Betroffenen das Gespräch mit ihren Ärzten erleichtern, es aber nicht ersetzen. Interessierte und Fachkreise finden zudem Hintergründe, Linktipps und Hinweise auf Fachpublikationen. Näheres zu experimentellen Verfahren, die auf bereits etablierten Methoden zur Behandlung bei Prostatakrebs aufbauen, bieten die Informationen zur jeweiligen Therapie.

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Quellen und Links

Der Krebsinformationsdienst hat zur Erstellung des Textes im Wesentlichen zurückgegriffen auf die S3-Behandlungsleitlinie deutscher Fachgesellschaften. Die bei der Erstellung genutzten Quellen sind nach Möglichkeit direkt im Text genannt. Eine Übersicht findet sich zudem unter "Prostatakrebs: Behandlungsplanung – eine Übersicht über die Therapiemöglichkeiten".

Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU)

Der hochintensive fokussierte Ultraschall, kurz HIFU, ist ein minimal-invasives, also wenig eingreifendes Verfahren zur Behandlung bei örtlich begrenztem Prostatakrebs. Mithilfe der HIFU können Ärzte die gesamte Prostatadrüse behandeln – man spricht dann von einer Ganzdrüsentherapie – oder nur einen Teil davon, dann als fokale Therapie bezeichnet.

Beim hochintensiven fokussierten Ultraschall richten die Ärzte energiereiche Ultraschallwellen gebündelt auf die Prostata oder auf den Tumor allein. Die Ultraschallwellen sollen die getroffenen Zellen zerstören, ohne dass sie das umliegende Gewebe schädigen.

Durchführung: Für die Behandlung führen die Ärzte eine Ultraschallsonde über den Enddarm in die Nähe der Prostata und geben die Ultraschallwellen auf gezielte Punkte in der Prostata ab. Je nach Anzahl der anvisierten Punkte kann die Behandlung zwischen einer und drei Stunden dauern. Vor der Behandlung erhält man eine Teil- oder Vollnarkose. Im Anschluss ist ein kurzer Aufenthalt in der Klinik notwendig. Dieser kann einen oder wenige Tage dauern.

Nebenwirkungen: Kurz nach der Behandlung sind Probleme beim Wasserlassen und Erektionsstörungen möglich. Zu langfristig möglichen Nebenwirkungen liegen noch keine ausreichenden Daten vor.

Stellenwert: Sowohl die Gesamtdrüsentherapie als auch die fokale Therapie mit HIFU gelten bei Prostatakrebs als experimentell. Die HIFU sollte nur innerhalb einer klinischen Studie erfolgen. Denn: Inwiefern die Nebenwirkungen der HIFU geringer ausfallen als bei anderen Verfahren zur Behandlung bei örtlich begrenztem Prostatakrebs, ist bisher nicht geklärt. Auch ist unklar, ob die HIFU genau so wirksam ist, wie die etablierten Verfahren.

Kostenübernahme: Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten einer HIFU-Behandlung. Da es bisher keine feste Regelung oder Verpflichtung zur HIFU gibt, sollte man trotzdem vorab mit der Krankenversicherung Rücksprache halten.

Kryotherapie/Kältetherapie

Bei der Kryotherapie, auch Kältetherapie oder Kryoablation genannt, zerstören die Ärzte die Tumorzellen durch Kälte. Das Verfahren kann auf die gesamte Drüse oder nur einen Teil angewandt werden.

Durchführung: Für die Behandlung führen die Ärzte Kältesonden über den Damm in die Prostata ein. Der Eingriff erfolgt in Teil- oder Vollnarkose. Ein kurzer Klinikaufenthalt ist nötig. Bei den Sonden handelt es sich um millimeterdünne Nadeln, die mit Hilfe von Argon-Gas gekühlt werden. Für die Positionierung der Nadeln verwenden die Ärzte eine Schablone mit vielen kleinen Löchern, durch die sie die Nadeln in die Prostata schieben können. Zur Kontrolle der Position der Nadeln bekommt man einen länglichen Ultraschallkopf in den Enddarm eingeführt.

Nebenwirkungen: Die Kryotherapie kann Nebenwirkungen wie Erektionsstörungen und Harninkontinenz haben. Zu langfristig möglichen Nebenwirkungen liegen noch keine ausreichenden Daten vor.

Stellenwert: Die Kryotherapie kann für Patienten mit lokal begrenztem Prostatakrebs und einem niedrigen oder mittleren Rückfallrisiko infrage kommen – aber nur, wenn eine Operation oder Bestrahlung ausgeschlossen ist. Die Behandlung sollte innerhalb einer klinischen Studie erfolgen. Ihr Nutzen ist bisher nicht sicher belegt.

Kostenübernahme: Die Krankenkassen entscheiden im Einzelfall, ob sie die Kosten für die Behandlung übernehmen. Bisher ist die Kryotherapie nicht als wirksame Standardtherapie anerkannt. Werden sie nicht übernommen, muss man selbst für die Behandlung aufkommen.

Irreversible Elektroporation (IRE)

Die irreversible Elektroporation, kurz IRE, gehört zu den sogenannten fokalen Therapieverfahren bei Prostatakrebs. Bei der IRE zerstören die Ärzte die Tumorzellen durch starke, örtlich angelegte elektrische Spannung.

Durchführung: Die Spannung gelangt über Nadeln in den Tumor, die die Ärzte in das Gewebe des Tumors einführen. Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose. Ein kurzer Klinikaufenthalt ist nötig. Da vor allem ein Anbieter die notwendige Ausrüstung liefert, ist die Behandlungstechnik auch unter dem Markennamen Nanoknife® bekannt.

Nebenwirkungen: Man geht davon aus, dass die IRE weniger Nebenwirkungen hat, als Verfahren, bei denen die Tumorzellen durch Hitze zerstört werden. Trotzdem sind Komplikationen wie eine Entzündung des Einstichkanals oder Blutungen möglich. Die möglichen langfristigen Nebenwirkungen sind bisher nicht ausreichend erfasst.

Stellenwert: Über die Wirksamkeit der IRE bei der Behandlung von Prostatakrebs können bislang noch keine zuverlässigen Aussagen gemacht werden. Dazu fehlen die notwendigen Ergebnisse aus hochwertigen und groß angelegten klinischen Studien. Der Einsatz der IRE sollte im Rahmen einer klinischen Studie erfolgen.

Kostenübernahme: Da es sich bei der IRE nicht um eine Standardtherapie bei Prostatakrebs handelt, sollte man die Kostenübernahme oder -beteiligung im Vorfeld mit der Krankenkasse klären. Lehnt die Kasse die Übernahme ab, muss man die Kosten selbst tragen.

Vaskuläre photodynamische Therapie (VTP)

Grafik der Prostata © Frank Geisler
Anatomie der Prostata © Frank Geisler

Die vaskuläre photodynamische Therapie, kurz VTP, zählt zu den fokalen Therapieansätzen bei Prostatakrebs. Bei der VTP schädigen die Ärzte diejenigen Blutgefäße gezielt, die den Tumor versorgen. Es kommt zu einem Gefäßverschluss, der zu einem Absterben, einer sogenannten Nekrose, des Tumors führt. Auslöser für den Blutgefäßverschluss ist eine photochemische Reaktion.

Durchführung: Für die VTP erhält man eine Vollnarkose. In einem ersten Behandlungsschritt platzieren die Ärzte dünne Laserfasern über den Damm in der Prostata. Die exakte Positionierung der Lasersonden kontrollieren sie mittels Ultraschall oder Magnetresonanztomographie.
In einem zweiten Schritt bekommt man ein Medikament in die Vene gespritzt, das sich durch Licht aktivieren lässt. Anschließend bringen die Ärzte über die eingebrachten Laserfasern Licht einer bestimmten Wellenlänge in das Zielgebiet in der Prostata ein. Dabei überträgt sich die Lichtenergie auf das Medikament. Dadurch entsteht aktivierter Sauerstoff, der die Tumorzellen zerstört.
Der Eingriff dauert in der Regel bis zu knapp zwei Stunden.

Nebenwirkungen: Möglich sind eine Entzündung der Prostata und Probleme beim Wasserlassen. Über langfristige Nebenwirkungen weiß man bisher zu wenig.

Stellenwert: Ob die VTP anderen Behandlungsverfahren wie beispielweise der Operation, der Bestrahlung oder der aktiven Überwachung überlegen ist, ist nicht bekannt. Ihr Einsatz sollte im Rahmen einer klinischen Studie erfolgen.

Kostenübernahme: Ob die Kosten der Behandlung von der Krankenkasse übernommen werden, sollte man im Vorfeld der Behandlung klären. Ein Standardverfahren ist die VTP bisher nicht, die Kassen sind zur Kostenübernahme nicht verpflichtet.

Fokale Brachytherapie, Radiofrequenzablation (RFA), Laserinduzierte Thermotherapie (LITT)

Weitere experimentelle Verfahren, die zur Behandlung bei örtlich begrenztem Prostatakrebs infrage kommen, sind die fokale Brachytherapie, die Radiofrequenzablation (RFA) und die laserinduzierte Thermotherapie, auch als LITT abgekürzt.

Bei der fokalen Brachytherapie wenden die Ärzte das Verfahren der Brachytherapie, eine Form der Bestrahlung, auf nur einen Teil der Prostata an. Sie versprechen sich dadurch eine geringere Belastung des gesunden Gewebes.

Bei der Laserinduzierten Thermotherapie, kurz LITT, auch fokale Laserablation genannt, nutzen die Ärzte Wärmeenergie in Form von Laserlicht anstelle von heißen Drähten oder elektrischem Strom. Der Laser wird über eine Sonde in den Tumor eingebracht, um die Tumorzellen durch Hitze zu zerstören. Der Eingriff kann in örtlicher Betäubung erfolgen. Auch bei der Radiofrequenzablation sollen die Tumorzellen durch Hitze zerstört werden. Die Hitze entsteht hierbei jedoch durch hochfrequenten Wechselstrom, der zwischen mehreren Sonden angelegt wird, die die Ärzte im Tumor platzieren. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose.

Stellenwert: Die genannten Verfahren haben keinen festen Stellenwert in der Behandlung bei Prostatakrebs: Dafür sind zu viele Fragen zur kurz- und langfristigen Wirkung und auch zu den Nebenwirkungen offen. Wenn überhaupt, sollten die Therapien im Rahmen einer klinischen Studie erfolgen, das empfehlen Fachleute.

Kostenübernahme: Wer sich trotzdem dafür interessiert, muss wissen: Die Kosten muss man unter Umständen selbst tragen oder zumindest im Vorfeld mit der Krankenkasse klären.

Zum Weiterlesen: Linktipps und Quellen (Auswahl)