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Lungenkrebs, Foto: MOREDUN ANIMAL HEALTH LTD/SPL/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Risikofaktoren: Wie entsteht Lungenkrebs?

Was sind die häufigsten Auslöser von Lungenkrebs? Gibt es noch andere Risikofaktoren als Tabak und Zigaretten? Wie sieht es mit Umweltfaktoren, Strahlung oder Vererbung aus?
Der folgende Text bietet einen Überblick über das heute bekannte Wissen und nennt Quellen sowie Linktipps zum Weiterlesen. Er richtet sich an Menschen, die sich allgemein informieren möchten oder konkrete Tipps zur Vorbeugung benötigen. Für bereits erkrankte Patienten ist wichtig zu wissen: Was genau ihre persönliche Erkrankung ausgelöst hat, lässt sich im Nachhinein oft nicht sicher klären, sondern nur in etwa abschätzen.

Erstellt: 29.05.2012
Zuletzt überprüft: 29.05.2012

Quellen und Links

Links in diesem Text führen zu vertiefenden Informationen. Eine Auswahl genutzter Quellen ist am Ende aufgeführt, eine ausführliche Zusammenstellung findet sich zudem im Text "Mehr wissen zum Thema Lungenkrebs".

Entstehung von Lungenkrebs: Was schadet, was schützt?

Vermutlich sind bei der Entstehung von Lungenkrebs viele verschiedene Einflüsse gemeinsam beteiligt. Bei betroffenen Patienten lässt sich im Nachhinein oft nicht feststellen, was genau ihre Erkrankung im Einzelnen ausgelöst hat. Einige Faktoren, die laut vieler Studien das durchschnittliche Erkrankungsrisiko steigern, sind allerdings gut bekannt.

Beste Prävention: Risikofaktoren meiden

Folgende Risikofaktoren sollte man meiden:

  • Rauchen und Passivrauchen
  • Asbest aus älteren Gebäuden oder am Arbeitsplatz
  • Das Edelgas Radon: Es kommt in bestimmten Gegenden Deutschlands in natürlichem Gestein vor und kann über den Boden in die Wohnungen gelangen.
  • Strahlenbelastung durch medizinisch Untersuchungen, zum Beispiel durch häufige Röntgen- oder CT-Untersuchungen. Insbesondere bei Untersuchungen zur Früherkennung von Lungenkrebs muss der Nutzen der Untersuchungen gegen dieses Risiko aufgewogen werden.
  • Dieselruß und andere Luftschadstoffe

Eine gesunde Lebensweise kann sich auf das Lungenkrebsrisiko ebenfalls positiv auswirken:

  • Ernährung, die reich an Früchten, frischen Gemüsen und Tomaten ist, scheint das Erkrankungsrisiko für Lungenkrebs zu vermindern.
  • Auch körperliche Aktivität senkt das Risiko, hier mehr zu "Sport und Bewegung in der Krebsvorbeugung". 
  • Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung werden außerhalb von Studien nicht empfohlen. Einige Stoffe, zum Beispiel Beta-Carotinoide (eine Vorstufe des Vitamin A) stehen im Verdacht, insbesondere bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko sogar zu steigern.

Diese Empfehlungen sprechen die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin und die Deutsche Krebsgesellschaft aus. Sie haben sie in einer 2010 veröffentlichten Leitlinie zum Lungenkarzinom zusammengestellt. Wer sich für sein persönliches Lungenkrebsrisiko interessiert, sollte außerdem mit Hausarzt oder auch Betriebs- oder Werksarzt sprechen – sie kennen die individuelle Situation und können auch über mögliche weitere Risikofaktoren informieren.

Rauchen

Der mit weitem Abstand wichtigste Risikofaktor ist Tabakrauch, der Hunderte schädliche Substanzen enthält. Männliche Raucher haben ein zwanzig bis dreißigmal  so hohes Risiko wie Nichtraucher, an Lungenkrebs zu erkranken. Raucherinnen haben ein neunmal so großes Lungenkrebsrisiko wie Nie-Raucherinnen. Seit Ende der 1990er Jahre ist die Zahl der an Lungenkrebs gestorbenen Frauen allerdings kontinuierlich gestiegen. Dies wird in erster Linie auf das veränderte Rauchverhalten und eine Zunahme der Raucherinnen insgesamt zurückgeführt.

Etwa jeder zehnte Raucher erkrankt im Laufe seines Lebens an Lungenkrebs, im Durchschnitt 30 bis 40 Jahre nach Beginn des Tabakkonsums. Zigarettenrauch kann bei acht bis neun von zehn männlichen Lungenkrebspatienten und bei drei bis sechs von zehn erkrankten Frauen als Hauptursache angenommen werden. Bei Pfeifenrauchern oder Zigarrenrauchern ist das Risiko für Lungenkrebs etwas geringer als bei Zigarettenrauchern, aber immer noch sehr viel höher als bei Nichtrauchern. Jedes Jahr sterben schätzungsweise 44.465 Menschen in Deutschland an Lungenkrebs durch Rauchen.

Das Risiko hängt auch stark davon ab, wieviel ein Mensch geraucht hat. Fachleute berechnen es anhand der "Packungsjahre " (Englisch: pack years). Diese berechnen sich aus der Zahl der Schachteln, die ein Mensch pro Tag raucht, malgenommen mit der Zahl der Jahre, die er geraucht hat. Hat jemand zwanzig Jahre lang anderthalb Schachteln Zigaretten am Tag geraucht, hat er ein Risiko von 30 Packungsjahren, ebenso wie jemand, der dreißig Jahre lang, eine Schachtel am Tag geraucht hat.

Passivrauchen

Auch Passivrauchen erhöht das Risiko: Im sogenannten Nebenstromrauch ist immer noch eine Vielzahl von Schadstoffen enthalten. Das Deutsche Krebsforschungszentrum geht davon aus, dass passives Mitrauchen jährlich bei etwa 280 Menschen zu Lungenkrebs führt, 260 Nichtraucher sterben in Deutschland pro Jahr an einem Bronchialkarzinom, weil sie Tabakrauch ausgesetzt waren.

Lohnt es sich aufzuhören?

Nach Ende des Tabakkonsums sinkt das Risiko, an einem Lungenkarzinom zu erkranken. Der Effekt zeigt sich schon nach wenigen Jahren. Allerdings dauert es zwanzig bis dreißig Jahre, bis sich das Lungenkrebsrisiko eines Ex-Rauchers an das eines Nie-Rauchers angeglichen hat. Auch das Erkrankungs- und Sterberisiko für andere Erkrankungen bleibt bei Ex-Rauchern gegenüber Nie-Rauchern noch lange Zeit erhöht. Genaue Zeitangaben zu machen, ist schwierig, die Angaben in der Fachliteratur dazu sind insgesamt nicht einheitlich.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum nennt in einem Informationsblatt (PDF) "Zehn Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören", abrufbar unter: www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/FzR/FzR_zehn_Gruende.pdf. Über weitere Lungenerkrankungen, die durch das Rauchen verursacht werden können, informiert der Lungeninformationsdienst im Helmholtz Zentrum München im Internet auf der Seite www.lungeninformationsdienst.de.

Nichtraucher werden

Mehr zum Rauchen und den gesundheitlichen Folgen hat das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle im Deutschen Krebsforschungszentrum zusammengestellt, unter www.dkfz.de/de/tabakkontrolle.

Hilfe beim Aufhören bieten zunächst die Hausärzte, auch die Krankenkassen informieren über Kurse oder andere Formen der Unterstützung.

Verschiedene Infomaterialien und kostenlose Broschüren zum Thema Rauchen und "Nichtraucher werden" hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Internet bereitgestellt. Die Broschüren können als PDF-Datei heruntergeladen werden unter www.bzga.de/infomaterialien/foerderung-des-nichtrauchens.

Die BZgA unterhält auch ein Beratungstelefon zur Raucherentwöhnung. Weitere Informationen gibt es hier: www.rauchfrei-info.de.

Arbeitsplatz

Gefährlich sind hauptsächlich Schadstoffe, die als Stäube oder Dämpfe eingeatmet werden. Besonders gefährdet sind auch hier Raucher, deren Lunge vorgeschädigt ist. Bekannte Krebsauslöser sind unter anderem Asbest, Quarzstäube, Arsen, Chromate, Nickel und aromatische Kohlenwasserstoffe. Die gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen zum Schutz am Arbeitsplatz sind dementsprechend streng.

Umwelt

Das radioaktive Edelgas Radon ist für einen - wenn auch kleineren - Teil der Lungenkrebserkrankungen in Deutschland verantwortlich. Das Gas kommt natürlicherweise in Gegenden mit hohem Uran- oder Thoriumgehalt im Boden vor, zum Beispiel im Erzgebirge, im Fichtelgebirge, im Thüringer Wald, im Schwarzwald oder im Bayerischen Wald. Wo in Deutschland die Radon-Konzentration in Wohnungen besonders hoch ist und wie man sich vor dem Gas schützen kann - zum Beispiel durch regelmäßiges Lüften -, darüber informiert das Bundesamt für Strahlenschutz unter www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/radon/radon_node.html.

Eine sehr hohe Schadstoffbelastung der Außenluft kann das Lungenkrebsrisiko ebenfalls leicht erhöhen, etwa auf das Eineinhalbfache. Von Bedeutung sind hier insbesondere Dieselruß sowie Feinstäube. Mehr zu Krebsrisiken durch Radon und Feinstäube sowie Adressen und Links bietet der Text "Umweltgiftte: Beeinflussen Umweltfaktoren die Krebsentstehung?".

Ernährung

Wie groß der Einfluss der Ernährung auf die Entstehung von Lungenkrebs ist, konnte bislang nicht abschließend geklärt werden. Untersucht wurde diese Frage bisher unter anderem im Rahmen der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC-Studie, http://epic.iarc.fr). Teilergebnisse deuten darauf hin, dass vor allem der ausreichende Verzehr von Obst vor Lungenkrebs schützen kann. Diese Schutzwirkung lässt sich durch Vitamintabletten oder andere Nahrungsergänzungsmittel jedoch nicht erreichen. Gerade Raucher sollten mit solchen Mitteln grundsätzlich vorsichtig sein: In Studien ergab sich für Raucher sogar eine Risikosteigerung, wenn sie regelmäßig Vitamintabletten einnahmen.

Vererbung

Vererbbare Faktoren scheinen bei der Entstehung von Lungenkrebs eine gewisse Rolle zu spielen. Es ist allerdings zu weiten Teilen noch nicht geklärt, wie bedeutsam sie sind und bei welchen Patienten sie tatsächlich an der Entwicklung von Lungenkrebs beteiligt sind.
Forscher vermuten, dass vor allem bei sehr jung erkrankten Betroffenen genetische Risiken zur Krebsentstehung beitragen. Aufgrund von angeborenen genetischen Instabilitäten in der Erbinformation könnte es bei ihnen zu einer beschleunigten Anhäufung von weiteren "Fehlern" und damit auch zu Krebs kommen.

Eine andere derzeit diskutierte Möglichkeit ist eine angeborene besondere Empfindlichkeit gegenüber schädigenden Einflüssen. Erste Belege für genetisch bedingte Unterschiede in den körpereigenen Entgiftungs- und Reparaturmechanismen gibt es bereits: So scheinen Trägerinnen und Träger einer Variante der eigentlich als "Brustkrebsgene" bekannten BRCA2-Mutationen auch ein besonders hohes Lungenkrebsrisiko zu haben, wenn sie rauchen.

Bisher hat die Forschung zu vererbbaren Auslösern von Lungenkrebs jedoch keine Ergebnisse erbracht, die sich für die Früherkennung oder die Vorbeugung nutzen ließen.