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Brustkrebszelle, Foto: Duncan Smith/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Behandlungsmöglichkeiten bei Brustkrebs - eine Übersicht

Individuell planen und therapieren

Wie wird Brustkrebs behandelt, das sogenannte Mammakarzinom? Welche Rolle spielen Operation, Bestrahlung, Chemotherapie und Hormontherapie? Was bieten Antikörper? Wo findet man ein zertifiziertes Brustzentrum?
Der folgende Text bietet Patientinnen mit Brustkrebs und ihren Angehörigen einen kurzen Überblick über die wichtigsten Behandlungsverfahren bei dieser Erkrankung sowie Links zu tiefergehenden Informationen. Erläutert wird auch, warum die Diagnose Brustkrebs nur selten zu sofortigen Entscheidungen zwingt. Interessierte erfahren mehr über die Strukturen der Versorgung, die betroffenen Frauen in Deutschland zur Verfügung stehen. 

Erstellt: 25.08.2015
Zuletzt überprüft: 25.08.2015

Die genutzten Quellen und Fachinformationen sind direkt im Text genannt und nach Möglichkeit verlinkt. Eine weitere Übersicht bietet der Text "Mehr wissen zu Brustkrebs".

Überblick: Welche Verfahren kommen infrage?

Bei der Mehrzahl der Frauen ist heute eine brusterhaltende Operation möglich. Große Tumoren können unter Umständen durch eine vorgeschaltete medikamentöse Therapie, meist eine Chemotherapie (“neoadjuvante“ Chemotherapie), verkleinert werden.
Ist dies nicht möglich und muss die Brust abgenommen werden? Dann können Patientinnen heute fast immer unter verschiedenen Verfahren der Brustrekonstruktion wählen, von der Büstenhalterprothese über dauerhaft eingesetzte Silikonimplantate bis hin zum Brustaufbau mit körpereigenem Gewebe.

Nach brusterhaltender Operation erfolgt, wenn irgend möglich, eine zusätzliche Bestrahlung der Brust, um das Risiko für einen Rückfall im verbliebenen Gewebe zu senken.  Ob eine Bestrahlung auch nach einer Mastektomie, der Abnahme der Brust, notwendig wird, richtet sich nach dem individuellen Rückfallrisiko.

Für die meisten Patientinnen ist die Behandlung damit noch nicht abgeschlossen. Man weiß heute, dass das Risiko für Rückfälle und Metastasen sinkt, wenn sich eine ergänzende medikamentöse Behandlung anschließt - als sogenannte adjuvante Behandlung. Infrage kommen je nach Situation eine Hormonentzugsbehandlung, eine Chemotherapie und sogenannte zielgerichtete Antikörper. Bei besonders hohem Risiko können alle drei Verfahren miteinander kombiniert werden.

Ist eine Brustkrebserkrankung fortgeschritten, steht für Patientinnen die Linderung von Beschwerden gleichberechtigt neben einer Behandlung, die das weitere Tumorwachstum bremst und sich auch gegen Metastasen richtet. Dazu kommen ebenfalls Hormontherapie, Chemotherapie, zielgerichtete Medikamente und je nach Situation auch Bestrahlungen infrage.

  • Sie haben Fragen zur Behandlung von Brustkrebs? Wir sind für Sie auch am Telefon oder per E-Mail erreichbar: unter 0800 - 420 30 40, oder über unser Kontaktformular.

Leitlinien: Wichtiger Rahmen für die Entscheidung

Bis die Diagnose Brustkrebs gestellt ist und alle notwendigen weiteren Untersuchungen durchgeführt wurden, kann es einige Tage dauern, unter Umständen auch länger. Darauf folgt die Planung der Behandlung: Sie wird heute individuell für die Bedürfnisse jeder Patientin angepasst.

Woran orientieren sich die Ärzte bei ihren Vorschlägen? Wie groß ein Tumor ist, ob und wie weit er sich ausgebreitet hat und welche feingeweblichen und biologischen Merkmale er aufweist, bestimmt die Behandlungsplanung. Als Patientin sollte man nachfragen, inwieweit persönliche Wünsche und die individuelle Lebenssituation berücksichtigt werden können, ohne die Heilungsaussichten zu schmälern.

Den Rahmen für die Brustkrebsbehandlung geben seit einigen Jahren sogenannte Leitlinien vor. In solchen Dokumenten fassen Experten regelmäßig zusammen, was an aktuellen Daten zur bestmöglichen Therapie vorliegt. Sie bewerten diese Daten und geben auf dieser Basis Empfehlungen ab. Solche Leitlinien können Ärzten und Patientinnen eine Hilfestellung bieten, die bestmögliche Therapie zu finden und trotzdem die individuelle Situation einer Frau zu berücksichtigen.

Welche Leitlinien liegen in Deutschland vor?
An Fachleute richten sich die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Senologie, die regelmäßig in Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften veröffentlicht werden. Sie sind abrufbar unter www.senologie.org/publikationen/leitlinien oder auch beim Leitlinienprogramm Onkologie, das gemeinsam von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Krebshilfe getragen wird. Unter http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Patientenleitlinien.8.0.html finden sich auch Leitlinienfassungen zum Thema Brustkrebs, die sich ausdrücklich an Patientinnen richten.

Eine weitere Fachgesellschaft, die in regelmäßigen Abständen Empfehlungen herausgibt, ist die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie. Ihre Leitlinien sind für Fachleute abrufbar unter www.ago-online.de/de/infothek-fuer-aerzte/leitlinienempfehlungen/mamma/. Eine Broschüre zum Thema Brustkrebs für Patientinnen ist online unter www.ago-online.de/de/fuer-patienten/patientenratgeber/.

Zur Behandlung von Brustkrebs gibt es zudem regelmäßige Empfehlungen von Experten, die sich im schweizerischen St. Gallen treffen. Diese Texte werden bisher allerdings nur in Fachzeitschriften veröffentlicht.  

Brustkrebs und Therapiebeginn: Kein Zeitdruck!

Die Diagnose Brustkrebs ist normalerweise kein medizinischer Notfall, der sofortiger Behandlung bedarf. Jede Frau, bei der sie gestellt wurde, hat ausreichend Zeit – und sollte sich diese auch nehmen -, um sich über die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren und eine Klinik ihres Vertrauens zu suchen.
Zu wissen, was auf einen zukommt und was man davon erwarten kann, hilft, mit der Situation besser umgehen zu können und ein gewisses Maß an Kontrolle zu behalten. Das Gespräch mit den Ärzten, die die Diagnose gestellt haben, trägt dazu bei, zu klären, wie lange man sich Zeit für eine Therapieentscheidung nehmen kann.

Ansprechpartner: Ärzte und Kliniken

Die meisten Brustkrebspatientinnen haben bei den ersten Untersuchungen und der ausführlicheren Abklärung  Kontakt mit verschiedenen Fachärzten oder sind für die Biopsie bereits in einem Krankenhaus gewesen.

Trotzdem bleibt zunächst ihre behandelnde Frauenärztin oder ihr Frauenarzt der wichtigste Ansprechpartner. Diese niedergelassenen Ärzte überweisen zur Operation oder weiteren Therapie in ein geeignetes Krankenhaus. Sie werden auf Wunsch der Patientin auch im Lauf der weiteren Behandlung in der Regel durch Arztbriefe über weitere Befunde, die Planung und die Ergebnisse der Behandlung auf dem Laufenden gehalten.
Viele Patientinnen erleben es als hilfreich, wenn ihr betreuender Gynäkologe zu Hause auf diese Weise weiter einbezogen bleibt und als Ansprechpartner zur Verfügung steht, auch wenn die eigentliche Therapie in einer Klinik durchgeführt wird.

Die Operation bei Brustkrebs erfordert einen stationären Aufenthalt in einem Krankenhaus. Die nachfolgenden Therapien können dagegen überwiegend von zuhause aus ambulant durchgeführt werden. In dieser Zeit können sich Patientinnen entscheiden, ob sie sich weiter in der Ambulanz des Krankenhauses betreuen lassen möchten, das die Operation durchgeführt hat und meist alle Therapieverfahren anbietet, oder ob sie zu niedergelassenen Fachärzten gehen möchten. Sowohl eine Bestrahlung wie auch Hormontherapie und Chemotherapie lassen sich auch bei niedergelassenen Ärzten organisieren. Für die Durchführung der Bestrahlung und der Chemotherapie ist allerdings eine besonders zur Krebsbehandlung qualifizierende Ausbildung nötig.

Wer an einer klinischen Studie mit neuen Medikamenten oder anderen Therapieverfahren teilnehmen möchte, findet solche Möglichkeit überwiegend an sogenannten Brustzentren oder großen Krebszentren. Solche Kliniken werden außerdem regelmäßigen Prüfungen unterzogen.

Zertifizierte Brustzentren, onkologische Zentren und große Krebszentren

Die erste Behandlung von Brustkrebs sollte an einer Klinik erfolgen, die über ausreichende Erfahrung verfügt und an der alle in die Diagnostik und Therapie eingebundenen medizinischen Fachgebiete vertreten sind.

Infrage kommen Kliniken, die über ein sogenanntes zertifiziertes Brustzentrum verfügen. Zertifizierte Zentren müssen bezüglich ihrer personellen und apparativen Ausstattung Vorgaben erfüllen und nachweislich über viel Erfahrung in der Behandlung von Brustkrebs besitzen. Alle in der Diagnose und Behandlung beteiligten medizinischen Fachrichtungen müssen vertreten sein.
Darüber hinaus gibt es sogenannte onkologische Spitzenzentren, die diese Kriterien nicht nur für Brustkrebs, sondern auch andere Tumorerkrankungen erfüllen und die auch Forschung durchführen.

  • Eine Übersicht über Suchmöglichkeiten nach spezialisierten Ärzten und Krankenhäusern findet sich im Text "Mehr wissen über Brustkrebs".
  • Was man allgemein von Zertifizierungen zu erwarten hat und wo es Brustzentren und Onkologische Zentren gibt, erläutert der Krebsinformationsdienst außerdem in seinem Informationsblatt "Arzt- und Kliniksuche", zum Laden und Ausdrucken als PDF.

Behandlung in klinischen Studien

An Brustzentren und onkologischen Spitzenzentren werden Studien zur Verbesserung und Weiterentwicklung der Diagnostik und Behandlung durchgeführt.
Solche Studien unter kontrollierten Bedingungen und mit wissenschaftlicher Begleitung sind nicht nur wichtig, um Fortschritte zu erreichen. Patientinnen stehen auch eine besonders intensive Betreuung und eine Behandlung nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Verfügung.
Experten empfehlen daher, dass möglichst viele Betroffene im Rahmen von für ihre individuelle Situation geeigneten Studien behandelt werden sollten. 

  • Wie solche Studien ablaufen und warum man als Brustkrebspatientin durch die Studienteilnahme auch nicht zum "Versuchskaninchen" wird, erläutern die Texte unter  "Krebsforschung und Studien".

Strukturierte Behandlung: Disease-Management-Programme (DMP)

Seit 2001 gibt es nicht nur für Brustkrebspatientinnen, sondern auch  für Menschen mit anderen schweren Erkrankungen die Möglichkeit, an gezielten Behandlungsprogrammen teilzunehmen. Der englische Begriff Disease Management steht für eine kontrollierte und sorgfältige Behandlungsplanung sowie die Ausrichtung der Diagnose- und Therapieangebote an aktuellen Qualitätsanforderungen.

Anlass für die Einführung solcher auch als “Chronikerprogramme“ bezeichneten Maßnahmen war die Feststellung, dass gerade Menschen mit schweren Erkrankungen wie Diabetes, Asthma oder auch Brustkrebs früher in Deutschland vergleichsweise schlecht versorgt waren: Ihre Behandlung hing sehr davon ab, wo sie wohnten oder wer für ihre Behandlung zuständig war. Die Abstimmung zwischen Hausärzten und Kliniken klappte oft nicht optimal, zum Beispiel beim Austausch von Untersuchungsbefunden oder Therapieplänen. Vor allem mangelte es an strukturierter Information für Patientinnen und Patienten: Viele fühlten sich mit ihrer Erkrankung allein gelassen.

So wird heute auch vielen Brustkrebspatientinnen von ihren Ärzten und Krankenkassen zur Verbesserung ihrer Situation ein solches  “Disease-Management-Programm (DMP)“ angeboten. Die Teilnahme deckt vor allem die Zeit nach der ersten Behandlung ab.

  • Einen allgemeinen Überblick bieten die Krankenkassen auf ihren Internetseiten und vor Ort in ihren Geschäftsstellen. Allerdings haben die meisten Versicherungen eigene Bezeichnungen für ihre auch "Chroniker"-Programme gewählt: Bei der AOK heißen die Angebote beispielsweise Curaplan, bei der Barmer-GEK spricht man von "strukturierten Programmen", und die Techniker Krankenkasse nennt ihre Angebote "TK-Plus".  

Hintergründe hat  auch das Bundesministerium für Gesundheit unter www.bmg.bund.de/themen/krankenversicherung/zusatzleistungen-wahltarife/strukturierte-behandlungsprogramme.html zusammengestellt.

  • Die Teilnahme an einem Disease-Management-Programm oder "strukturierten Behandlungsprogramm" ist freiwillig.

Zum Weiterlesen: Hintergründe zur Behandlung bei Brustkrebs

In den folgenden Texten bietet der Krebsinformationsdienst Hintergründe und Einzelheiten. Ein Teil der Informationen bietet einen Überblick zu bestimmten Situationen, zum Beispiel zur Therapie bei auf die Brust begrenzten Tumoren, in einem anderen Teil werden gezielt die einzelnen Verfahren vorgestellt.

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