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Brustkrebszelle, Foto: Duncan Smith/Getty Images © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Brustkrebs beim Mann

Gibt es tatsächlich männliche Patienten mit Mammakarzinom?

Brustkrebs bei Männern – gibt es das überhaupt? Die Antwort der Experten lautet ja, wenn auch vergleichsweise selten. Das Problem der Betroffenen: Brustkrebs gilt als typische Frauenerkrankung. Daher wird diese Tumorform bei Männern oft relativ spät entdeckt. Das kann die Heilungschancen beeinträchtigen. Die Behandlung orientiert sich weitgehend an den Leitlinien, die heute für das Mammakarzinom der Frau gelten. 
Der Krebsinformationsdienst bietet für betroffene Männer, ihre Familien und Freunde einen kurzen Überblick sowie Links zu weiteren Informationen.

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Quellen und Links

Genutzte Quellen sind am Ende der Seite aufgeführt oder direkt im Text verlinkt. Eine Grundlage bilden außerdem die Quellen der Texte zum Mammakarzinom der Frau.

Häufigkeit: Wie viele Männer in Deutschland sind betroffen?

Brustkrebs bei Männern ist selten: Für das Jahr 2012 wurden in den deutschen Krebsregistern 620 neu erkrankte Patienten erfasst. 150 Männer verstarben an Brustkrebs. Wie viele Männer insgesamt zurzeit mit der Erkrankung leben, kann für Deutschland aktuell nur geschätzt werden. 
Im Vergleich dazu: Bei Frauen ist Brustkrebs die häufigste Krebsart überhaupt, mit jährlich rund 70.000 Neuerkrankungen.  
Diese und weitere Statistiken sind über die Datenbanken der Krebsregister unter www.gekid.de und unter www.krebsdaten.de abrufbar.

Risikofaktoren: Welche Auslöser kennt man?

Zwar kennt man einige wichtige Faktoren, die das Risiko steigern. Wie bei vielen anderen Krebsarten gilt aber auch für Brustkrebs: Tatsächlich nachweisen lassen sich diese bekannten Risikofaktoren längst nicht bei allen erkrankten Männern.
Das bedeutet: Als Betroffener muss man damit rechnen, dass sich unter Umständen nicht klären lässt, was die Erkrankung letztendlich ausgelöst hat.

Genetisch bedingte Risiken

Eine große Rolle scheinen sogenannte Brustkrebsgene zu spielen: Man weiß heute, dass es einige ererbte oder spontan aufgetretene Genveränderungen gibt, die bei Frauen und auch Männern das Brustkrebsrisiko steigern.
Dazu gehören Veränderungen in den sogenannten BRCA-Genen (englisch breast cancer genes) und einige weitere, noch nicht in allen Detail bekannte erbliche Faktoren.
Solche Genveränderungen finden sich aber nur bei einer Minderzahl der tatsächlich Betroffenen. Möglicherweise gibt es weitere Risikogene, die Wissenschaftler bisher noch nicht identifizieren konnten. 

  • Einen Überblick über Hinweise, die auf ein familiär vererbbares Risiko hindeuten, bietet der Krebsinformationsdienst in einem Informationsblatt "Familiärer Brust- und Eierstockkrebs", zum Laden und Ausdrucken als PDF.

Bekannt ist noch ein weiterer Zusammenhang zwischen Risiko und Genen: Ein fast so hohes Brustkrebsrisiko wie Frauen haben Männer mit dem sogenannten Klinefelter-Syndrom, die ein oder mehrere zusätzliche weibliche X-Chromosomen aufweisen.

Strahlung, Hormone, Lebensstil

Radioaktive Strahlung gilt bei Männern wie bei Frauen als Risiko - aber nur wenn sie direkt das Brustgewebe betroffen hat. Das gilt zum Beispiel für Männer, die früher in ihrem Leben Bestrahlung des Oberkörpers erhalten haben, in der Regel wegen einer früheren Krebserkrankung. Wer als Kind oder junger Erwachsener eine solche Behandlung erhalten hat, sollte das dem Hausarzt sagen und auf Veränderungen der Brust auch selbst achten. 

Auch hormonelle Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen: Männer produzieren wie Frauen das Geschlechtshormon Östrogen, wenn auch normalerweise in weitaus geringeren Mengen. Ein ungewöhnlich hoher Östrogenspiegel kann allerdings bei Männern mit sehr starkem Übergewicht auftreten. Lebererkrankungen wie etwa einer Leberzirrhose oder "Leberschrumpfung" beeinflussen den Hormonspiegel ebenfalls.

Diskutiert wird auch, ob Bodybuilder, die über längere Zeit nicht zugelassene Hormone zur Leistungssteigerung verwenden, ebenfalls ein gesteigertes Brustkrebsrisiko tragen.

Symptome: Was ist bei Männern anders als bei Frauen?

Brustkrebs bei Männern macht sich ebenso bemerkbar wie bei Frauen:

  • Meist tastet man selbst einen Knoten oder eine andere Veränderung im Brustgewebe. 

Als Warnsignal gelten aber auch:

  • Flüssigkeitsabsonderung aus der Brustwarze,
  • kleine Entzündungen oder Wunden, die nicht abheilen, oder
  • eine Einziehung oder "Delle" der Brusthaut oder der Brustwarze.

Diagnose: Wie wird der Krebsverdacht abgeklärt?

Bildgebende Verfahren:

Auch die Abklärung solcher Veränderungen sieht ähnlich aus wie bei Frauen: Ultraschalluntersuchungen können erste Informationen bieten.

  • Die wichtigste Untersuchung ist aber auch für Männer die Mammographie, die Röntgenuntersuchung der Brust. Bei der Mammografie zeigen sich zum Beispiel Kalkablagerungen, die als Hinweis auf Veränderungen gelten, und Verlegungen oder Veränderungen des Drüsengewebes.

Beide bildgebenden Verfahren sind bei männlichen Patienten jedoch oft nicht so aussagekräftig wie bei Frauen: Das Gewebe ist bei den meisten Männern wesentlich dichter, Veränderungen heben sich schlechter von der gesunden Umgebung ab.

Biopsie:

Eine Krebsdiagnose wird daher erst gestellt, nachdem Ärzte per Biopsie eine Gewebeprobe aus der Brust entnommen und untersucht haben. Welche Eigenschaften das Gewebe unter dem Mikroskop aufweist, bietet wichtige Anhaltspunkte für die Frage, ob Krebs vorliegt oder nicht.

In weiteren Tests wird untersucht, ob der Tumor auf Geschlechtshormone mit Wachstum reagiert, und ob er für Brustkrebs typische molekularbiologische Besonderheiten aufweist.

Suche nach Metastasen:

Besteht der Verdacht, dass ein Tumor bereits gestreut haben könnte? Dann kommen weitere Untersuchungen dazu. Sie sind notwendig, um Absiedlungen in Lymphknoten, in Knochen oder anderen Organen auszuschließen und eine Behandlung besser planen zu können. Ein Beispiel sind Computertomographien.

Mammakarzinom: Was tun, wenn sich die Diagnose bestätigt, wohin gehen?

Die ersten Tage organisieren

Die Diagnose einer Krebserkrankung trifft viele betroffene Männer unerwartet: Brustkrebs macht zunächst kaum Beschwerden, die meisten Patienten fühlen sich gesund. Auch für ihre Familien und Freunde ist es oft zunächst sehr schwer zu verkraften. Trotz dieses Schocks müssen Betroffene in den ersten Tagen viel planen und organisieren.

Wie man in dieser Zeit den Überblick behalten kann, wer weiterhilft, und worauf man achten sollte, hat der Krebsinformationsdienst in der Checkliste "Diagnose Krebs - wie geht es weiter?" zusammengestellt. Die wichtigsten Punkte stehen auch als Informationsblatt zum Laden und Ausdrucken zur Verfügung.

Eine Möglichkeit, sich früh mit anderen Betroffenen auszutauschen und von deren Erfahrung zu profitieren, bieten auch Selbsthilfeorganisationen.

Kliniksuche: Brustzentren und weitere Spezialzentren

Brustkrebs bei Männern ist vergleichsweise selten. Andererseits steht in Deutschland sehr viel Spezialwissen zur Verfügung, da sich die Behandlung bei Männern nicht von der von Frauen unterscheidet. Eine gute Anlaufstelle für die ausführliche Untersuchung und die weitere Behandlung sind zertifizierte Brustzentren. Sie gibt es in allen Bundesländern, meist angesiedelt an Universitätskliniken, großen städtischen oder regionalen Krankenhäusern oder auch den sogenannten Onkologischen Spitzenzentren.

  • Einen Überblick, was sich hinter diesen Bezeichnungen verbirgt und wo man diese Einrichtungen finden kann, bietet der Krebsinformationsdienst im Text "Kliniksuche".
  • Zum Laden und Ausdrucken steht auch das Informationsblatt "Arzt- und Kliniksuche" zur Verfügung" (PDF)

Um die Brustkrebstherapie zu verbessern, zum Beispiel durch schonendere Behandlungsabläufe oder durch neue Medikamente, werden in Deutschland wie in anderen Ländern sogenannte klinische Studien durchgeführt. Ob das nächstgelegene Zentrum eventuell auch an klinischen Studien teilnimmt, kann man bei der Anmeldung erfragen. Was bieten solche Studien? Wie kann man die Vor- und Nachteile abwägen, falls man die Teilnahme angeboten bekommt? Einen Überglick bieten die Texte unter "Krebsforschung: Neue Verfahren, neue Medikamente, klinische Studien"

Behandlung: Welche Möglichkeiten bieten Operation, Bestrahlung, Medikamente?

Auch die Therapie unterscheidet sich für Männer wenig von der für Frauen:

In einer Operation werden sowohl tumorverdächtige Bereiche wie auch benachbarte Lymphknoten aus der Achselhöhle entnommen. Über solche Lymphknoten können sich Tumorzellen am ehesten im Körper ausbreiten.

Ob es ausreicht, nur den Tumor und einen Randsaum von gesundem Gewebe zu entfernen, oder ob der gesamte Drüsenkörper und die Brustwarze in einer sogenannten Mastektomie entfernt werden müssen, hängt von der Ausbreitung des Tumors ab.
Da bei Männern von vornherein viel weniger Brustgewebe vorhanden ist als bei Frauen, lässt sich die Entfernung der gesamten Brust allerdings oft nicht vermeiden. Trotzdem beurteilen viele betroffene Männer das kosmetische Ergebnis als gut.

Je nachdem, wie der Befund nach der Operation eingeschätzt wird und wie hoch das Risiko für einen Rückfall trotz Operation ist, erhalten betroffene Männer weitere Therapien. 

  • Diese adjuvanten oder unterstützenden Maßnahmen richten sich gegen Tumorzellen, die möglicherweise unsichtbar im Körper verblieben sind.

Dazu gehören eine Strahlentherapie der Brustwand und eventuell eine Chemotherapie. Bei sehr vielen Männern ist eine antihormonelle Therapie sinnvoll, weil ihr Tumor östrogenabhängig wächst, und/oder eine Therapie mit Antikörpern, die sich gegen besondere Merkmale mancher Brustkrebszellen richten.

Diese Behandlungen helfen oft auch dann, wenn ein Rückfall festgestellt wird oder der Tumor bereits bei Diagnosestellung Metastasen gebildet hat. Dabei spielen außerdem sogenannte zielgerichtete Medikamente eine wachsende Rolle: Außer den Antikörpern gegen bestimmte Merkmale der Tumorzellen ist in den letzten Jahren eine ganze Reihe weiterer moderner Arzneimittel zugelassen worden. Viele andere werden in klinischen Studien geprüft. Immer mehr Patienten können dank solcher Medikamente und der klassischen Therapie länger und besser mit der Erkrankung leben, selbst dann, wenn eine endgültige Heilung nicht möglich ist.

Rehabilitation und Nachsorge: Wer hilft beim Gesundwerden?

Wie geht es nach der ersten Behandlung weiter? Die Angebote für betroffene Männer beschränken sich nicht auf die rein medizinische Therapie:
Noch während des Klinikaufenthaltes können Krebspatienten beispielsweise Kontakt zum Kliniksozialdienst aufnehmen. Geschulte Mitarbeiter beraten zu sozialrechtlichen Fragen, von der Rückkehr in den Alltag und an den Arbeitsplatz bis zum Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung.

Nach der ersten Behandlung haben betroffene Männer zudem fast immer Anspruch auf eine Rehabilitationsmaßnahme.
Darauf haben sich in Deutschland viele Kliniken spezialisiert, es gibt jedoch auch einige Angebote zur ambulanten Rehabilitation. Die "Reha" dient dazu, sich körperlich zu erholen und die Rückkehr in den gewohnten Alltag vorzubereiten. Dazu tragen Angebote der psychoonkologischen und der sozialrechtlichen Beratung bei. Meist kann man sich auch zu gesunder Ernährung und vielen weiteren Themen informieren und beraten lassen.
Wichtig ist ein angepasstes Trainings- und Bewegungsprogramm: Man weiß heute, dass Sport die Lebensqualität steigert und auch zur körperlichen Erholung beitragen kann.

Wie die Nachsorge aussieht, hängt davon ab, welche weitere Behandlung betroffene Männer benötigen und wie hoch die Ärzte ihr Rückfallrisiko einschätzen. Als Patient ist der regelmäßige Kontakt zum Arzt oder zur Klinikambulanz aber auch wichtig, um ganz allgemein den Gesundheitszustand zu überwachen und mögliche Folgen der Erkrankung und Behandlung rechtzeitig zu erkennen.  Die Termine bieten zudem Gelegenheit, sich beraten zu lassen, wenn die Krankheit und ihre Folgen seelisch stark belasten.

Zum Weiterlesen: Informationen im Internet, Anlaufstellen für Betroffene, Fachinformationen (Stand August 2016)

Fragen zu Krebs? Wir sind für Sie da:
Am Telefon oder per E-Mail beantwortet der Krebsinformationsdienst Ihre persönlichen Fragen, kostenlos und vertraulich:

  • Telefon 0800 - 420 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr
  • per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de (mit einem Klick öffnet sich eine sichere Verbindung)

Weitere Hintergründe bietet der Krebsinformationsdienst im Internet:

Viele, wenn auch nicht alle Informationen, die für Frauen mit Brustkrebs wichtig sind, gelten auch für betroffene Männer: "Brustkrebs: Informationen für Betroffene, Angehörige und Interessierte".

Als Hilfestellung bei vielen Fragen sind kurz gefasste Informationsblätter und Broschüren des Krebsinformationsdienstes gedacht: Die Themen reichen von "Arzt- und Kliniksuche" über "Behandlungswahl" bis hin zu "Sozialrechtliche Fragen: Versicherung, Rehabilitation, Rechte" und "Sexualität und Krebs".

Eine Zusammenstellung von kostenlos erhältlichen Broschüren anderer Anbieter zu Krebsthemen ist in der Rubrik "Wegweiser" abrufbar.

Hilfe bei der Krankheitsverarbeitung:

Für Krebspatienten wie ihre Angehörigen sind psychosoziale Krebsberatungsstellen eine Anlaufstelle bei vielen Fragen. Sie können sowohl bei der Krankheitsverarbeitung helfen wie auch bei sozialrechtlichen Themen beraten und weitere Ansprechpartner vor Ort nennen, hier eine Adressliste.

Wenn eine Krebserkrankung sehr belastet, kann eine längerfristige psychoonkologische Unterstützung eine Hilfe sein: hier die Adressen von ambulant psychotherapeutisch tätigen Psychoonkologen.  

Selbsthilfe und Patientenorganisationen

Netzwerk Männer mit Brustkrebs e.V.

Männern mit Brustkrebs steht seit einiger Zeit das "Netzwerk Männer mit Brustkrebs e.V." zur Seite. Dieser Organisation gehören bereits viele betroffene Patienten an. Das Netzwerk bietet Unterstützung, organisiert regionale und bundesweite Treffen, vermittelt Informationen und ermöglicht den Austausch unter Betroffenen per E-Mail oder Telefon. Gegründet wurde das Netzwerk von der Frauenselbsthilfe nach Krebs, unter deren organisatorischem "Dach" und mit deren finanzieller Förderung das Netzwerk arbeitet.

Falls relevant: BRCA-Netzwerk e.V.

Eine Anlaufstelle für Familien und einzelne Betroffene, bei denen Mutationen der "Brustkrebsgene" BRCA nachgewiesen wurden, bietet das BRCA-Netzwerk e.V. Der Verein bietet Informationen zum Thema, Adressen und Links sowie Hinweise auf Gesprächskreise, die allerdings noch nicht flächendeckend in ganz Deutschland zur Verfügung stehen. Auch richtet sich das Angebot bisher, so die Informationen auf der Seite, vorwiegend an Frauen.

Falls relevant: Deutsche Klinefelter-Syndrom Vereinigung e.V.

Männern mit Klinefelter-Syndrom, ihren Familien sowie Fachkreisen bietet die Deutsche Klinefelter-Syndrom Vereinigung e.V. eine Anlaufstelle,

Informationen im Internet - in Deutsch und in anderen Sprachen

Eine Seite mit kurzen Hintergrundinformationen für Patienten bietet beispielsweise das Klinikum Magdeburg unter www.mammakarzinom-des-mannes.de. Dort wird auch das deutsche Register für die vergleichsweise seltene Erkrankung geführt.

Informationen auf Englisch:

In englischer Sprache hält beispielsweise das U.S.-amerikanische Nationale Krebsforschungszentrum (National Cancer Institute) Informationen zum Thema "male breast cancer" vor, unter www.cancer.gov/cancertopics/pdq/treatment/malebreast/patient.

Weitere Informationen in Englisch gibt es bei der U.S-amerikanischen Krebsgesellschaft (American Cancer Society) unter www.cancer.org/cancer/breastcancerinmen/detailedguide/index.

Auch die britische Organisation Cancer Research UK informiert in englischer Sprache unter www.cancerresearchuk.org/cancer-help/type/breast-cancer/about/types/breast-cancer-in-men.

Für Fachkreise und Interessierte: Anlaufstellen, Organisationen, Studien