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Schmerzen bei Krebs

Sie haben Schmerzen? Sprechen Sie mit Ihrem Arzt!

Was man ganz allgemein zu Schmerzen wissen sollte

Letzte Aktualisierung: 01.06.2016

Schmerzen – davor fürchten sich viele Krebspatienten. Doch Schmerzen gehören nicht zwangsläufig zu einer Krebserkrankung hinzu. Was man nicht vergessen sollte: Es kann bei Krebspatienten auch andere Ursachen für Beschwerden geben. Wenn Schmerzen auftreten, lautet die wichtigste Empfehlung für Betroffene daher: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, warten Sie nicht zu lange damit.

Der folgende Text zeigt auf, warum dieser Austausch so wichtig ist. Information kann ein erster Schritt zur Schmerzlinderung sein!

Frau hat Schmerzen © gpointstudio - Fotolia
Halten Sie starke Schmerzen nicht einfach schweigend aus - sprechen Sie mit Ihren Ärzten darüber! © gpointstudio - Fotolia

Während einer Krebserkrankung machen viele Patienten Erfahrungen mit Schmerzen. Den "typischen" Krebsschmerz gibt es jedoch nicht. Dazu sind die Auslöser zu unterschiedlich. Von Patient zu Patient verschieden sind auch die Wahrnehmung von Schmerzen und die individuelle Reaktion darauf.

Der Schock der Diagnose und psychische Belastungen durch die Krebserkrankung können zudem die bisherige individuelle Schmerzwahrnehmung verändern. Die psychische Situation löst bei vielen Menschen indirekt noch weitere Schmerzen aus, etwa stressbedingte Muskelverspannungen. Hinzu kommt: Kopf-, Rücken-, Gelenk- oder Bauchschmerzen hat fast jeder irgendwann – auch unabhängig von einer Krebserkrankung.

  • Manchmal ist es deshalb gar nicht so einfach, den genauen Auslöser von neu aufgetretenen Beschwerden herauszufinden.

Was man gegen die Schmerzen tun kann, hängt davon ab, ob die Schmerzen durch die Krebsbehandlung ausgelöst wurden – und damit womöglich nur vorübergehend bestehen -, oder ob der Tumor selbst zu Krebsschmerzen im engeren Sinn führt. Bei einigen Krebspatienten sind Beschwerden sogar der erste Hinweis auf die Krebserkrankung.

Wie tapfer muss man als Krebspatient sein, was muss man aushalten? Hier ist die Unterscheidung zwischen therapie- und tumorbedingten Schmerzen ebenfalls wichtig:

  • Bei einer schnellen Blutabnahme oder zum Beispiel beim Fädenziehen nach einer OP ist eine örtliche Betäubung meist wenig sinnvoll und kaum machbar. Trotzdem ist auch Fachleuten bewusst: Gerade solche vermeintlichen "Kleinigkeiten" können den Alltag von Krebspatienten belasten.
  • Bei anhaltenden oder bei besonders belastenden Schmerzen während einer Krebsbehandlung sollte man keine falsche Tapferkeit demonstrieren. Hat man Schmerzen, die man nicht aushalten will, darf und muss man das ansprechen - die Ärzte werden versuchen, zu helfen.
  • Echte Tumorschmerzen, bei denen eine Geschwulst auf umliegendes Gewebe oder Nerven drückt, müssen auf keinen Fall ausgehalten werden – dies kostet nur unnötig Kraft.

Falsch verstandene Tapferkeit ist hier nicht sinnvoll und auch nicht notwendig: Das "Schmerzgedächtnis" des Körpers würde lediglich dazu führen, dass sich die Beschwerden weiter verstärken und irgendwann auch verselbständigen. Und: Bei einer gut angepassten Schmerztherapie muss man auch keine Angst vor Benommenheit oder Abhängigkeit haben.

Wenn nach einer abgeschlossenen Krebsbehandlung plötzlich Schmerzen auftreten, bedarf dies ebenfalls der Abklärung durch den Arzt. Dies gilt auch, wenn man sich über längere Zeit nicht gut fühlt und die Schmerzen zwar nicht sehr ausgeprägt und stark, aber chronisch sind.

Keine Angst vor Nebenwirkungen

Eine gute Schmerztherapie macht nicht süchtig. Sie ist auch nicht das Gleiche wie eine Narkose: Man bleibt wach und ansprechbar.

Manchmal weiß man als Patient gar nicht so genau, womit man es zu tun hat: Woran erkennt man zum Beispiel, ob hinter den Rückenschmerzen das "Rheuma" steckt, das man schon öfter hatte, und nicht etwa Knochenschmerzen aufgrund von Metastasen? Oder dass die Schmerzen an der Injektionsstelle nicht von der Spritze, sondern von einer Infektion herrühren?

Hier hilft nur die Rücksprache mit den behandelnden Ärzten weiter. Auf keinen Fall sollte man versuchen, Schmerzen zu ignorieren, solange man nicht weiß, woher sie kommen.

Auch nicht gut: sich nur selbst zu behelfen, mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln. Beides gilt sowohl für Schmerzen durch die Krebsbehandlung als auch für tumorbedingte Schmerzen.
Schmerzen sind ein Warnsignal. Sie zeigen an, dass im Körper etwas nicht stimmt. Wer bisher gesund war und nun erstmals ungewöhnliche Schmerzen hat, sollte daher nicht allzu lange mit dem Arztbesuch warten.

Für Krebspatienten gilt dies über das Ende der eigentlichen Krebsbehandlung hinaus. Die Ursachen neu aufgetretener Schmerzen sollte man immer abklären lassen.

Chronische Schmerzen verlieren dagegen ihre warnende Funktion. Umso wichtiger ist hier die Botschaft: Andauernde Schmerzen sollte man nicht tapfer aushalten, sondern mit den Ärzten über eine gute Schmerzlinderung sprechen.

Angst vor Schmerzen? Aktiv dagegen angehen!

Für Krebspatienten gilt aber auch: Die Angst, irgendwann einmal unter starken Schmerzen zu leiden, sollte nicht den Alltag bestimmen.

Warum dieser Hinweis? Das Thema Krebs bringen noch immer viele Menschen automatisch mit Schmerzen in Verbindung. Doch längst nicht jeder ist tatsächlich betroffen. Um sich nicht unnötig zu beunruhigen, sollte man die Angst vor Schmerzen auf jeden Fall mit den Ärzten besprechen. Sie können anhand der geplanten Behandlung und des aktuellen Krankheitsstadiums abschätzen, womit man rechnen muss - und womit nicht.

Die Ärzte können außerdem Ansprechpartner vor Ort nennen, die beim Umgang mit Schmerz und Leid und ganz allgemein bei der Krankheitsverarbeitung Unterstützung bieten. Dazu zählen beispielsweise psychosoziale Krebsberatungsstellen oder auch Psychoonkologen. Wenn die Sorge vor der Zukunft sehr belastet, ist auch eine sozialrechtliche Beratung sinnvoll.

Rheuma? Migräne? Arthrose? Gute Abstimmung wichtig

Sie sind bereits wegen einer anderen schmerzhaften Erkrankung in Behandlung? Sagen Sie das den Ärzten, die Sie jetzt wegen Ihrer Krebserkrankung betreuen. Denn die geplante Behandlung des Tumors und Ihre bisherige Behandlung sollten gut aufeinander abgestimmt werden.

Nicht wenige Patienten hatten schon vor ihrer Krebserkrankung stärkere und/oder chronische Schmerzprobleme, etwa durch Rheuma, Arthrose oder Migräne. Ganz allgemein gelten Rücken- und Gelenkschmerzen als Volkskrankheiten, und Kopfschmerzen kennt ebenfalls fast jeder Mensch.

Wer wegen einer anderen Erkrankung bereits regelmäßig Schmerzmittel oder sonstige Medikamente einnimmt, sollte dies dem für die Tumortherapie verantwortlichen Arzt mitteilen. Denn: Chronische Schmerzen müssen auch während einer Krebstherapie weiter behandelt werden.

Die Ärzte werden die Schmerztherapie gegen die Begleiterkrankung und die Tumortherapie gut aufeinander abstimmen. Deshalb gilt auch hier: Man sollte als Patient keine Schmerzmittel auf eigene Faust einnehmen, ohne vorher mit den behandelnden Onkologen darüber gesprochen zu haben, wie die Therapie aussehen könnte.

Zum Arztgespräch nimmt man am besten alle Medikamente mit, die man schon verwendet. Bei Bedarf werden die Krebsmediziner auch Kontakt mit den Ärzten aufnehmen, die bisher für die Schmerztherapie und die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung zuständig sind.



Die genutzten Quellen sowie weitere Hintergründe zur Schmerztherapie bei Krebs finden sich im Text Mehr wissen über den Umgang mit Schmerzen und Belastung.

Erstellt: 01.06.2016