Beratungsgespräch zwischen Psychoonkologin und Krebspatient.

Psychoonkologie: Psychologische Unterstützung bei Krebs

Aktualisiert am:

Von: Dr. Frauke Focke (Molekularbiologin)

  • Für viele Menschen ist eine Krebserkrankung auch eine große psychische Belastung.
  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Sie Hilfe bei der Bewältigung Ihrer Krankheit bekommen können.
  • Das können Gespräche mit psychologisch geschulten Fachleuten in der Klinik, Reha oder in Krebsberatungsstellen sein. Manchmal ist auch eine längerfristige psychotherapeutische Begleitung sinnvoll.
Mann stützt nachdenklich die Hände an den Kopf
Viele Krebserkrankte sind zumindest zeitweise ängstlich und niedergeschlagen. [Symbolbild]
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; Foto: Tobias Schwerdt

Krebs betrifft nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche. Sowohl die Erkrankung selbst als auch ihre Behandlung bringen häufig große Belastungen und tiefgreifende Veränderungen im Leben mit sich, die auch seelisch verarbeitet werden müssen. Davon sind nicht nur die Patientinnen und Patienten betroffen, sondern ebenso ihre Angehörigen und nahestehenden Personen.

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, können Sie sich professionell unterstützen lassen. Speziell ausgebildete Fachkräfte – sogenannte Psychoonkologinnen und Psychoonkologen – begleiten Menschen mit einer Krebserkrankung und ihr Umfeld in dieser schwierigen Zeit.

Die Unterstützung kann dabei ganz unterschiedlich aussehen: Sie reicht von einer kurzen Beratung oder einzelnen Gesprächen bis hin zu einer längerfristigen psychotherapeutischen Begleitung.

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In diesem Text geht es um geht es darum, wie Sie sich bei der Krankheitsverarbeitung durch Fachleute unterstützen lassen können.

In weiteren Texten zum Thema Krebs und Psyche erfahren Sie

Ist Unterstützung für mich sinnvoll und wenn ja, wann?

Die psychoonkologische Begleitung steht allen Krebserkrankten offen. Sie gehört als Angebot heutzutage zur Krebsbehandlung dazu und richtet sich nach Ihren persönlichen Bedürfnissen und Wünschen. Sie soll Ihnen helfen, möglichst gut durch die Zeit der Erkrankung zu kommen, wenn Sie selbst von Krebs betroffen sind oder Angehörige eines von Krebs betroffenen Menschen sind.

Von einer psychoonkologischen Begleitung können Sie profitieren, wenn Sie 

  • zusammen mit einem neutralen Gesprächspartner aktuelle Fragen und Gedanken sortieren möchten.
  • sich Anregungen zum Umgang mit erkrankungsbedingten Belastungen wünschen.
  • Unterstützung bei schwierigen Entscheidungen suchen.

"Manche Menschen haben Vorbehalte gegenüber psychoonkologischen Angeboten oder sie haben das Gefühl, alleine mit der Krebserkrankung klarkommen zu müssen. 

In einer belastenden Lebenssituation Hilfe anzunehmen, ist jedoch kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil – wer bei Bedarf Unterstützungsangebote nutzt, handelt verantwortungsvoll sich selbst gegenüber."

Doris Lintz, Psychoonkologin beim Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ)

Eine Begleitung durch psychologisch geschulte Fachleute kann in jeder Krankheitsphase hilfreich sein:

  • direkt nach der Diagnose
  • während der Behandlung
  • in der Nachsorge oder bei einem Rückfall
  • im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium
Mann spricht mit Psychoonkologin
Es gibt verschiedene Beratungsangebote für Krebserkrankte. [Symbolbild]
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ, Foto: Tobias Schwerdt

Eine psychoonkologische Beratung kann unterschiedlich aussehen: Das kann ein einmaliges Gespräch sein, in dem es um orientierende Informationen oder Anregungen zum Umgang mit der Krebsdiagnose geht. Es kann aber auch eine regelmäßige Gesprächsbegleitung oder ein Entspannungstraining sein.

Wo finde ich Hilfe?

  • Während der Behandlung in der Klinik oder der Reha: Erste Anlaufstelle sind psychoonkologische Fachleute in den Kliniken. Insbesondere in zertifizierten Krebszentren und in Rehabilitationskliniken sind begleitende Gesprächsangebote inzwischen Teil des Behandlungskonzepts. Dort erhalten Sie häufig auch einen kurzen Fragebogen, der Ihre aktuelle Belastung erfassen soll. Weitere Informationen zu den Angeboten erhalten Sie in Ihrer behandelnden Klinik.
  • Außerhalb der Klinik: In allen Phasen der Erkrankung und in der Zeit der Nachsorge können Sie sich an psychosoziale Krebsberatungsstellen wenden. 

Adressen finden

In unserer Adresssuche finden Sie eine Krebsberatungsstelle in Ihrer Nähe. 

Worum geht es in einer psychoonkologischen Beratung?

Fachleute mit viel Erfahrung in der Begleitung von Krebserkrankten und Angehörigen bieten ein offenes Ohr für alles, was Sie beschäftigt und geben bewährte Empfehlungen und Tipps weiter.

Vielleicht haben Sie Fragen wie: 

  • Wie soll mein Leben jetzt weitergehen?
  • Was hilft mir, durch die Zeit der Therapie zu kommen?
  • Wie gehe ich mit körperlichen Einschränkungen und Krankheitsfolgen um?
  • Wie schaffen wir es als Familie, die Erkrankung zu bewältigen? 

Fragen wie diese können Thema bei der Beratung sein. Außerdem kann es auch um Fragen zur Organisation Ihres Alltags, zu Unterstützungsmöglichkeiten, zur finanziellen oder beruflichen Situation oder zur Reha gehen. 

Zum Weiterlesen

Mehr zu sozialrechtlichen Fragen bei Krebs finden Sie auch in den Texten Recht und finanzielle Absicherung bei Krebs: Was steht mir zu?.

Viele Krebsberatungsstellen und psychoonkologische Klinikdienste machen darüber hinaus weitere Angebote wie beispielsweise Entspannungs- und Achtsamkeitskurse, Kreativseminare oder Gesprächsgruppen. Bei Bedarf informieren sie auch zu weiterführenden psychotherapeutischen Hilfen. 

Gut zu wissen

Beratungsgespräche in den Kliniken und Krebsberatungsstellen sind für Krebserkrankte in aller Regel kostenfrei. Ob für besondere Angebote wie Kurse Gebühren anfallen, sollten Sie vorab erfragen.

Kontakt zu anderen Betroffenen oder Angehörigen

Vielleicht hilft es Ihnen, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und von ihnen mehr über den Umgang mit der Erkrankung zu erfahren. Das bieten Selbsthilfegruppen, die es in vielen Orten und inzwischen verstärkt auch online gibt. Es gibt auch Gruppen, in denen sich Angehörige von Krebserkrankten austauschen.

Eine Psychotherapie bietet längerfristige Unterstützung. Sie kann helfen, wenn Ihre seelische Belastung durch die Erkrankung ausgeprägt ist oder lange andauert. Auch wenn Sie bereits vor der Krebsdiagnose psychisch belastet waren, kann eine psychotherapeutische Behandlung Hilfe bieten.

Wie finde ich einen Therapieplatz?

Sie können sich selbstständig auf die Suche nach einer Therapeutin oder einem Therapeuten machen. Sie brauchen dafür keine Überweisung. 

Therapeuten und Therapeutinnen, bei denen die Therapie von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt wird, müssen feste Zeiten anbieten, zu denen sie telefonisch für eine Terminvereinbarung erreichbar sind. 

Adressen finden

In unserer Adresssuche haben wir Adressen von psychotherapeutischen Ansprechpartnern zusammengestellt, die auf die Begleitung von Krebsbetroffenen spezialisiert sind und eine anerkannte Weiterbildung auf dem Gebiet haben. 

Finden Sie in Wohnortnähe keine auf Krebsbetroffene spezialisierte Praxis, dann können auch andere Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten infrage kommen – auch diese bieten Hilfe bei unterschiedlichsten Belastungen.

Wenn Sie gesetzlich versichert sind, können Sie sich für die Suche telefonisch unter der Rufnummer 116 117 an die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen wenden oder deren Online-Terminvermittlung nutzen. Es gibt auch ein auch ein bundesweites Adressverzeichnis für die eigene Suche.

Haben Sie eine Praxis gefunden, dann suchen Sie zunächst die sogenannte psychotherapeutische Sprechstunde auf. Hier stellt der Psychotherapeut/die Psychotherapeutin den Bedarf für eine weiterführende Behandlung fest. Idealerweise kann er oder sie auch die Weiterbehandlung anbieten. Es kann jedoch zu Wartezeiten kommen. Es ist auch möglich, die weitere Behandlung in einer anderen Praxis durchzuführen.

Wer zahlt die ambulante Psychotherapie?

Grundsätzlich übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Psychotherapie, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind: 

  • Die Therapeutin oder der Therapeut muss über eine sogenannte Kassenzulassung verfügen. Das bedeutet: Sie oder er erfüllt grundsätzlich die Voraussetzungen für eine Übernahme der Kosten durch die gesetzliche Krankenversicherung.
  • Es muss sich um ein von den Kassen anerkanntes Therapieverfahren handeln.
  • Die Notwendigkeit der Behandlung muss von der Therapeutin oder dem Therapeuten begründet werden.
  • Diese müssen einen entsprechenden Antrag bei der Krankenkasse stellen. 

In Einzelfällen können Krankenkassen auch die Kosten für die Behandlung bei einer Therapeutin oder einem Therapeuten ohne Kassenzulassung übernehmen. Dies kommt nur dann infrage, wenn die Praxen mit Kassenzulassung keine zeitnahen Termine anbieten können. Falls Sie eine Praxis ohne Kassenzulassung aufsuchen wollen, sollten Sie die Kostenübernahme rechtzeitig mit der Therapeutin oder dem Therapeuten und Ihrer Krankenkasse abklären.

Sind Sie privat versichert, kommt es auf den abgeschlossenen Tarif an.

Was passiert bei einer Psychotherapie?

Ältere Frau mit kurzen grauen Haaren sitzt auf einer grauen Couch und unterhält sich mit einer jungen Frau mit blondem schulterlangem Haar.
Bei einer Psychotherapie finden regelmäßige Gespräche statt. [Symboldbild]
Bild: © Krebsinformationsdienst, DKFZ; Foto: Tobias Schwerdt

Eine Psychotherapie geht über die Beratung hinaus. Sie umfasst regelmäßige Gespräche über einen gewissen Zeitraum. Ein Ziel der Therapie kann es sein, gegen anhaltende Ängste, Niedergeschlagenheit oder andere Belastungen anzugehen. Gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten suchen Sie nach geeigneten Wegen, mit der Krebserkrankung und den dadurch bedingten Lebensveränderungen umzugehen.

Die psychotherapeutische Behandlung findet in der Regel in Form von Einzelgesprächen statt. Manchmal kommt auch eine Gruppentherapie infrage. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wenden verschiedene Therapieverfahren an, mehr dazu bei gesundheitsinformation.de.

Je nach Therapieverfahren können ergänzende Übungen hinzukommen. Dazu gehören zum Beispiel Achtsamkeitsübungen und/oder Entspannungsverfahren. 

Manchmal können auch Medikamente Teil einer Psychotherapie sein, sogenannte Psychopharmaka. Sie beeinflussen Botenstoffe im Gehirn und sollen helfen, psychische Beschwerden zu lindern. Sie dürfen nur von Ärzten verschrieben werden. Ob und wann unterstützende Medikamente sinnvoll sind, können Sie mit Ihrer behandelnden Therapeutin oder dem Therapeuten besprechen. Gegebenenfalls können diese einen Facharzt hinzuziehen.

Wie lange dauert eine Psychotherapie?

Die Dauer einer Therapie kann unterschiedlich sein. Abhängig ist das von Ihren individuellen Beschwerden, aber auch vom eingesetzten Therapieverfahren.

Handelt es sich um eine sogenannte Akutbehandlung, dann umfasst diese bis zu 12 Sitzungen von je 50 Minuten. Ziel ist es, Symptome möglichst zeitnah zu verbessern.

Bei Bedarf kann diese Akutbehandlung in eine Kurz- oder Langzeittherapie übergehen. Sie können auch von vornherein eine Kurz- oder Langzeittherapie beginnen. Eine Kurzzeittherapie umfasst höchstens 24 Therapieeinheiten, eine Langzeittherapie meist bis zu 100 Einheiten.

Wichtig zu wissen

Die Akutbehandlung, Kurz- oder Langzeittherapie muss nicht bei demselben Therapeuten oder derselben Therapeutin stattfinden, der oder die in der psychotherapeutischen Sprechstunde den Behandlungsbedarf festgestellt hat.

Kann eine Psychotherapie Krebs heilen?

Manche Menschen versprechen sich von einer Psychotherapie auch einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf oder sogar eine körperliche Heilung. Solch eine direkte Wirkung der Psychotherapie auf die Krebserkrankung ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. 

Eine Psychotherapie kann also nach heutigem Wissen Krebs nicht heilen. Sie ersetzt vor allem nicht die empfohlene Tumorbehandlung.

Eine Psychotherapie kann aber helfen, besser mit der Erkrankung umzugehen. Außerdem kann sie auch indirekt wirken: Hält eine Patientin oder ein Patient zum Beispiel eine Krebstherapie durch, die er oder sie sonst abgebrochen hätte, kann sich das durchaus auf die Heilungschancen auswirken. Auch wer es schafft, durch die Therapie gesünder zu essen oder sich mehr zu bewegen, tut der Gesundheit etwas Gutes.

Die Bezeichnung "Psychoonkologe" oder "Psychoonkologin" ist in Deutschland nicht geschützt. In der Regel handelt es sich um Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter und verwandte Berufe, die sich mit einer entsprechenden Weiterbildung auf die Begleitung von Krebserkrankten spezialisiert haben. Je nach beruflicher Qualifikation sind sie eher beratend oder eher psychotherapeutisch tätig.

Eine psychoonkologische Zusatzqualifikation bieten verschiedene Einrichtungen an. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) hat in Zusammenarbeit mit psychoonkologischen Expertinnen und Experten Standards dafür entwickelt. 

Für die psychoonkologische Tätigkeit in zertifizierten Behandlungszentren und in Krebsberatungsstellen wird in der Regel ein solcher Abschluss vorausgesetzt.

Zur psychoonkologischen Beratung und Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten gibt es außerdem eine wissenschaftlich begründete Leitlinie.

Sind Anbieterinnen oder Anbieter seriös?

Dann bewerben sie ihr Angebot nicht als Alternative zur "schulmedizinischen" Behandlung. Sie versprechen nicht, die Erkrankung durch psychologische Maßnahmen zu heilen oder die Krebs-Prognose unmittelbar zu verbessern. Vielmehr stellen sie das psychische Befinden und die Lebensqualität von Betroffenen in den Mittelpunkt.

Der Begriff "Psychotherapeutin" oder "Psychotherapeut" ist dagegen in Deutschland gesetzlich geschützt. So darf sich nur nennen, wer eine staatliche Anerkennung hat, eine sogenannte Approbation.

Diese staatliche Anerkennung können Personen erlangen, die ein Hochschulstudium in Medizin oder Psychologie abgeschlossen haben – im Bereich Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie auch Pädagogik oder Sozialpädagogik. Danach müssen sie noch mehrjährige Fach-Weiterbildungen absolvieren. 

Seit wenigen Jahren gibt es außerdem den Studiengang Psychotherapie, nach dessen Abschluss Studierende eine Approbation als Psychotherapeut/-in erwerben können. Mit anschließender umfassender Fach-Weiterbildung erhalten sie die Bezeichnung Fachpsychotherapeut/-in. 

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