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Schmerzen © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Nicht immer zu vermeiden: Beschwerden während der Krebstherapie

Womit muss man rechnen, was lässt sich lindern?

Längst nicht alle Krebspatienten müssen sich im Verlauf ihrer Erkrankung tatsächlich auf Tumorschmerzen gefasst machen, also Schmerzen, die direkt von der Geschwulst ausgehen. Was den wenigsten Betroffenen dagegen völlig erspart bleibt: leichtere und manchmal auch belastende Beschwerden während der Krebstherapie.
Die Bandbreite ist groß: Sie beginnt beim notwendigen "Pieks" zur Blutabnahme oder einer Spritze - ein Schmerz, den die meisten Menschen noch gut tolerieren. Sie kann aber auch bis hin zu Beschwerden reichen, die man nicht ohne Schmerzlinderung aushalten muss: beispielsweise bei der Entnahme von Gewebeproben.
Was sich gegen Schmerzen bei Untersuchungen, bei Operationen, einer Chemotherapie oder Beschwerden aufgrund anderer Therapien tun lässt, zeigt dieser Text auf.

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Quellen und Links

Die genutzten Quellen sowie weitere Hintergründe zur Schmerztherapie bei Krebs finden sich im Text "Mehr wissen über den Umgang mit Schmerzen und Belastung".

Untersuchungen, Behandlungen, Kontrolltermine: Belastungen nicht immer zu vermeiden

Operation, Foto: Indeed © Getty Images
Operationen ohne Narkose - heute unvollstellbar © Indeed/Getty Images

Nicht alle Belastungen während einer Krebstherapie lassen sich vermeiden. Beispiele sind unangenehme Blutentnahmen oder das Legen einer Kanüle, die Schmerzen beim Entfernen eines Pflasters, beim "Ziehen" von Wundnähten oder beim Verbandwechsel.
Manche Behandlungsverfahren und nicht wenige Untersuchungen sind allein schon deshalb unangenehm, weil man längere Zeit still liegenbleiben muss.

In der Realität kommt man allerdings oft trotzdem nicht darum herum, kleinere Belastungen aushalten zu müssen, während einer Untersuchung oder einer Behandlung.

  • Dies gilt insbesondere dann, wenn die Schmerzbetäubung ein größeres Risiko als die eigentliche medizinische Maßnahme darstellt. 

Angst vor Schmerzen? Das dürfen Sie offen sagen

Bei der Planung der Untersuchung oder Behandlung sollte man fragen, ob es zu Schmerzen kommen könnte, und wie lange diese voraussichtlich anhalten. Gemeinsam mit den Ärzten kann man dann abwägen, was möglich ist, um Beschwerden zu vermeiden oder zu lindern.

Besonders wichtig ist diese Prüfung beispielsweise bei Kindern oder bei Patienten mit Demenz. Sie brauchen unter Umständen auch schon bei kleineren Eingriffen oder bei sehr anstrengenden Untersuchungen eine Schmerzbetäubung, sofern keine medizinischen Gründe dagegen sprechen. Bei Schwerkranken wird ebenfalls individuell geprüft, wie man alles so wenig belastend wie möglich gestalten kann.

Was kann man selbst tun?

Grundsätzlich gilt: Man sollte den behandelnden Ärzten oder auch den betreuenden Pflegefachleuten immer mitteilen, wenn etwas weh tut.
Hat man in der Vergangenheit bereits schlechte Erfahrungen mit Schmerzen gemacht hat und deshalb schon vorab Angst? Das darf man ebenfalls ansprechen.

Um den täglichen kleineren Beschwerden bei der Krebstherapie etwas entgegen zu setzen, helfen Entspannungstechniken. Viele Methoden lassen sich leicht erlernen, etwa aus Büchern. Für andere gibt es Kursangebote, in den Kliniken und Nachsorgeeinrichtungen oder auch bei den Krebsberatungsstellen.
Einen Überblick bietet der Text "Psychologische Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung", im Abschnitt Entspannungstechniken.

Operation: Wie lassen sich Schmerzen lindern?

Selbst bei kleineren chirurgischen Eingriffen ist heute eine Schmerzbetäubung üblich, bei größeren Operationen gibt es verschiedene Möglichkeiten der Narkose.

Doch auch nach dem eigentlichen Eingriff kann es zu Schmerzen im Bereich der Wunde kommen, vor allem dann, wenn die Gewebeschädigung sehr umfassend ist. Um diese akuten Schmerzen erst gar nicht aufkommen zu lassen, erhält man in der Regel in den ersten Tagen nach einem Eingriff weitere Schmerzmittel.

Schmerzen nach einer OP können auch entstehen, wenn sich während der ersten Phase der Wundheilung Gewebsflüssigkeit oder Blut ansammelt und zu einer Schwellung führen. Abhilfe bringen Kühlung und Hochlagern. Unter Umständen werden die behandelnden Ärzte auch versuchen, die aufgestaute Flüssigkeit abzupunktieren. Bei größeren Eingriffen erhält man von vornherein eine Wunddrainage, eine Art Schlauch, über die solche Flüssigkeiten aus der Wunde abgeleitet werden.

Solche Wunddrainagen, Kathether und Infusionsnadeln oder Sonden zur vorübergehenden künstlichen Ernährung sind allerdings für viele Patienten ebenfalls eine Quelle für Unbehagen oder sogar leichte Schmerzen. Wundnähte und -klammern können spannen und jucken.

Ein kleiner Trost: Alles, was man in den ersten Tagen nach einem Eingriff benötigt, wird so früh wie möglich wieder entfernt. Sind die Beschwerden sehr ausgeprägt, sollte man trotzdem Rücksprache mit den behandelnden Ärzten oder Pflegefachleuten halten: Möglicherweise verbirgt sich hinter den Beschwerden eine Wundinfektion.

Bewegen, obwohl alles weh tut?

Nach einer Operation macht vielen Menschen auch das lange Liegen im Bett oder die ungewohnte Haltung zur Schonung des Wundgebiets zu schaffen. Verspannungen, Rückenschmerzen und ähnliche Beschwerden sind die Folge.

  • Daher gehört heute die Mobilisierung möglichst rasch nach der OP zum Standard: Vorsichtige körperliche Aktivität, etwa bei der Körperpflege, und bei Bedarf auch gezielte Physiotherapie können Abhilfe schaffen.
  • Ob und wann man aufstehen darf und soll, erfährt man von den zuständigen Pflegefachleuten.

Schmerzen auch nach der Wundheilung?

Wie lange dauert es, bis eine Operationswunde vollständig verheilt ist? Die Wundheilung läuft bei jedem Menschen etwas anders ab. Sie hängt außerdem vom allgemeinen Gesundheitszustand und natürlich von der Größe der OP-Wunde ab. Nach ein bis zwei Wochen ist die erste Heilungsphase abgeschlossen. Dann dauert es allerdings noch mehrere Wochen bis einige Monate, bis sich Narben stabilisiert haben. Bis dahin bleibt der Bereich bei den meisten Menschen empfindlicher als das umliegende Gewebe.

  • Was man zur Narbenpflege tun kann und wie die Körperpflege in der Heilungsphase aussehen darf, erfährt man von den betreuenden Ärzten und Pflegefachleuten.

Was tun, wenn Narben langfristig stark schmerzen, brennen oder jucken, oder wenn jede Berührung unangenehm ist?
Wenn Nerven verletzt wurden, kann es durchaus zu solchen länger anhaltenden Schmerzen nach einer Operation kommen. Die Regeneration der durchtrennten Fasern benötigt Zeit. Nach Amputationen ist auch ein sogenannter Phantomschmerz möglich. Darunter versteht man Schmerzen in einem Körperteil, der nicht mehr vorhanden ist. Ein Beispiel ist das sogenannte Postmastektomiesyndrom bei Brustkrebspatientinnen.
Da es sich bei diesen Schmerzen um Nervenschmerzen oder Neuropathien handelt, benötigen Betroffene eine auf ihre Situation angepasst Schmerztherapie – klassische Schmerzmittel wirken nicht optimal. Patienten profitieren zusätzlich oder als Alternative zum Beispiel von Medikamenten, die das zentrale Nervensystem beeinflussen.

Nach Operationen im unteren Bauchraum oder im Becken kann es zu sogenannten Verwachsungen kommen:
Darmschlingen, Bauchfell oder andere betroffene Gewebe haften aneinander. Anzeichen sind unklare und oft lange anhaltende Bauchschmerzen, oder unklare Verdauungsbeschwerden. Hat man längere Zeit solche Schmerzen, sollte man auf jeden Fall die behandelnden Ärzte darüber informieren. Die Abklärung von Verwachsungen ist nicht ganz einfach. Sind die Beschwerden sehr belastend, die Ursache aber unklar, muss man unter Umständen mit einer Bauchspiegelung rechnen, einer Laparoskopie als eine Art "Schlüsselloch"-Operation.

Schwellungen, die erst nach der eigentlichen Wundheilung auftreten, können auch die Folge von Lymphknotenentfernungen sein.
Solche Lymphödeme bessern sich nur selten von alleine. Wichtig für Betroffene ist dann eine manuelle Lymphtherapie, bei der die im Gewebe gestaute Flüssigkeit vorsichtig ausmassiert wird. Um Rückfällen vorzubeugen, können die behandelnden Ärzte Kompressionsstrümpfe oder Kompressionskleidungsstücke verordnen,

Medikamentöse Therapie: Welche Faktoren können Beschwerden auslösen?

Die meisten Chemotherapien und eine Reihe weiterer Krebsmedikamente erhält man als Infusion in eine Vene. Das Legen des dazu notwendigen Zugangs mit einer Venenverweilkanüle empfinden fast alle Betroffenen als unangenehm - umso mehr, wenn dieser Zugang häufig erneuert werden muss.

Ein sogenannter Port kann Patienten viel ersparen, wenn ihr Therapieplan häufige Infusionen vorsieht: Bei einem kleinen Eingriff wird eine Art Reservoir direkt unter die Haut eingesetzt und an eine große Vene angeschlossen, meist auf Höhe des Schlüsselbeins. Ist der Port erst einmal eingeheilt, muss nur noch die Haut darüber durchstochen werden. Das umständliche Suchen nach einer Vene entfällt. Auch das Risiko schmerzhafter Venenentzündungen sinkt. 

Wann können bei einer Chemotherapie Schmerzen auftreten?

Wichtig: Die hier aufgelisteten Beschwerden können, müssen aber nicht bei jedem Krebspatienten auftreten! Viele Betroffene stehen eine Chemotherapie heute mit vergleichsweise wenigen Beschwerden durch.

Was an Nebenwirkungen vorkommen kann, hängt sehr stark von den tatsächlich eingesetzten Medikamenten ab: Es gibt Zytostatika, so der Oberbegriff, die starke Beschwerden verursachen, und solche, die vergleichsweise wenig belasten.

Zu den statistisch häufigeren Beschwerden nach einer Chemotherapie zählen entzündete Schleimhäute im Mund. Das kann insbesondere beim Essen weh tun. Entzündete Schleimhäute in der Genitalregion oder auch im Darm können bei diesen Therapien ebenfalls vorkommen: Reizungen der Darmschleimhaut führen beispielsweise zu Bauchschmerzen oder Durchfällen.

Die gute Nachricht: Diese Probleme verschwinden bei praktisch allen Betroffenen recht bald nach dem Absetzen der Chemotherapie. Trotzdem sollte man bei Schmerzen die behandelnden Ärzte um Abhilfe bitten. Auch zur richtigen Haut- und Schleimhautpflege sollte man sich beraten lassen. Hintergründe bieten die Texte

Manche Zytostatika zur Chemotherapie machen Betroffenen auch langfristig noch Probleme: Sie können Nerven schädigen.
Die Folge sind Kribbeln, Missempfindungen und unter Umständen auch Schmerzen. Möglich sind diese Folgen vor allem bei Platin-haltigen Medikamenten, aber auch bei anderen Zytostatika. Bei einigen Betroffenen lassen solche Neuropathien nach dem Ende der Krebsbehandlung wieder nach, nicht wenige leiden allerdings noch länger darunter.

Welche Probleme gibt es bei zielgerichteten Arzneimitteln und weiteren Medikamenten?

Die meisten modernen Krebstherapien zielen sehr viel direkter auf besondere Eigenschaften des Tumorgewebes, als dies bei einer Chemotherapie gelingt. Trotzdem haben auch diese sogenannten zielgerichteten Arzneimittel und andere Medikamente unter Umständen Nebenwirkungen, die Schmerzen verursachen.
Ein Beispiel sind vorübergehende Hautreaktionen und Hautentzündungen, die viele der modernen Therapien auslösen. Auch hier gilt: Ohne vorherige Rücksprache mit dem Arzt sollte man nichts gegen diese vermeintlichen "Ausschläge" oder Entzündungen unternehmen. Wichtig ist die Beratung durch die behandelnden Ärzte.

Selbst die vergleichsweise gut verträgliche Antihormontherapie bei Brustkrebs und Prostatakrebs kann als Nebenwirkung Schmerzen auslösen:
Insbesondere zu Beginn der Behandlung leiden nicht wenige Betroffene unter Gelenk- und Knochenschmerzen. Die behandelnden Ärzte sollten auf jeden Fall abklären, ob nicht womöglich andere Ursachen dahinter stecken.
Was hilft, wenn die Schmerzen tatsächlich vom Hormonentzug herrühren? Bei nicht wenigen Betroffenen bessern sich die Beschwerden nach einiger Zeit von alleine. Ist dies nicht der Fall, sollte man mit den behandelnden Ärzten eine gut angepasste Schmerztherapie planen. Auch Physiotherapie kann weiterhelfen. Unter Umständen ist der Wechsel auf ein anderes antihormonelles Medikament möglich, dies hängt jedoch von der aktuellen Krankheitssituation ab.

Strahlentherapie: Sind Schmerzen auch bei einer Radiotherapie möglich?

Kurzfristig können Bestrahlungen zu Hautreizungen führen. Den meisten Betroffenen reicht aber eine gute Hautpflege aus, um weitere Probleme zu verhindern.

Zu Schmerzen kann es vor allem dann kommen, wenn Schleimhäute im "Strahlengang" liegen. Sie reagieren besonders empfindlich und können sich entzünden. Ein Beispiel sind Patienten, bei denen Kopf- oder Hals bestrahlt werden müssen: Sie benötigen eine auf ihre Situation angepasst Schmerzbehandlung. Möglich sind zum Beispiel schmerzlindernde Mundsprays, Spülungen oder Lösungen, um so normal wie möglich essen zu können.

Schwieriger ist die Therapie bei einer schmerzhaften sogenannten Strahlenkolitis, wenn die bestrahlte Darmschleimhaut und der Darmausgang leiden, oder bei einer Strahlenzystitis, einer Blasenentzündung aufgrund einer Bestrahlung der Beckenregion. Helfen können außer einer guten Pflege der wunden Bereiche unter Umständen auch lokale Schmerzgels.

Welche langfristigen Folgen kann eine Bestrahlung haben?

Bei der modernen Therapieplanung setzen die Ärzte darauf, andauernde Nebenwirkungen möglichst zu vermeiden. Doch nach sehr umfänglichen und hoch dosierten Bestrahlungen sind Gewebeveränderungen möglich. Insbesondere Verhärtungen können für Betroffene unter Umständen schmerzhaft sein: Das Gewebe und oder darüber liegende Haut sind wenig elastisch oder auch berührungsempfindlich, und es kann leichter zu Verletzungen und Entzündungen kommen.

Eher selten, aber nicht ausgeschlossen sind auch Nervenschädigungen, insbesondere dann,  wenn Bereiche bestrahlt wurden, die sehr dicht von Nervengewebe durchzogen sind. Symptome sind zum Beispiel Missempfindungen, Brennen oder Berührungsempfindlichkeit. Klassische Schmerzmedikamente helfen dann nicht unbedingt. Es gibt jedoch Medikamente, die besser gegen diese sogenannte Neuropathie wirken, mehr dazu in einem eigenen Text.