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Mobil trotz Krebs

Mobil trotz Krebs: A wie Autofahren bis Z wie Zuzahlung Krankentransport

Tipps für Krebspatientinnen und Krebspatienten

Letzte Aktualisierung: 23.10.2017

Viele Krebspatienten können heute ambulant behandelt werden. Aber wie kommt man zur Behandlung? Darf man als Krebspatient selbst hinters Steuer? Oder sollte man besser auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen? Wann hat man Anspruch auf ein Taxi oder einen Krankentransport?
Auch die Frage, wie man im Alltag mobil bleiben kann, solange man nicht richtig fit ist, beschäftigt viele Betroffene: Das reicht vom Gang zur Apotheke bis hin zur Überlegung, ob man ein paar Tage wegfahren darf, obwohl man krankgeschrieben ist.
Wichtige Tipps für Betroffene hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt.

Eine Patientin berät sich mit ihrem Arzt. Foto: Tobias Schwerdt © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Sie sind unsicher, wie Sie zur ambulanten Behandlung kommen? Ihre Ärzte helfen Ihnen weiter. © Krebsinformationsdienst, Deutsches

Frau B. hat ein wichtiges Gespräch mit ihren Ärzten: Bald wird sie aus dem Krankenhaus entlassen. Die Mediziner schlagen Frau B. eine anschließende Bestrahlung vor. Dazu soll sie in den nächsten Monaten immer wieder in die Ambulanz des Krebszentrums kommen.

Frau B. freut sich zunächst: Sie muss nicht länger im Krankenhaus bleiben. Doch dann fragt sie sofort bei ihren Ärzten nach: Wie soll sie zur Behandlung kommen? Immerhin ist das Krankenhaus fast eine Stunde Fahrt von ihrem Wohnort entfernt. Kann sie selbst fahren oder ist das zu gefährlich? Darf sie sich ein Taxi nehmen?
Erst zu Hause fällt Frau B. noch eine weitere Frage ein: Mit Freundinnen hatte sie zum Abschluss der Behandlung einen Kurzurlaub geplant. Darf sie trotz Krankschreibung überhaupt verreisen?

Wie Frau B. geht es vielen Krebspatientinnen und Krebspatienten: Immer mehr Betroffene können ganz oder überwiegend ambulant behandelt werden. Das ist einerseits angenehm, weil man in der gewohnten Umgebung bleiben kann. Andererseits stellen sich viele organisatorische Fragen. Eine davon ist, wie und wie viel man im Alltag unterwegs sein darf, ohne Risiken einzugehen.

Was darf ich, was nicht: Wer hilft weiter?

Ärzte: Wichtigste Ansprechpartner sind in dieser Situation die behandelnden Ärzte: Sie können in etwa abschätzen, wie sich die Erkrankung und die Behandlung auf die Mobilität auswirken werden. Hier einige Beispiele:

  • Sie prüfen, ob man aus medizinischer Sicht eigenständig zu Untersuchungsterminen und Behandlungen kommen kann. Bei Bedarf stellen sie eine Verordnung über eine Krankenfahrt oder einen begleiteten Krankentransport aus.
  • Sie können testen, ob man ausreichend verkehrstüchtig ist, wenn man weiter selbst Auto oder Fahrrad fahren möchte. 
  • Sie informieren über verwandte Fragen, etwa dazu, ob die Immunabwehr stark genug ist, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren oder an Veranstaltungen mit vielen Menschen teilzunehmen.

Krankenversicherungen, Rentenversicherung: Die Krankenkassen informieren darüber, welche finanzielle Unterstützung sie zum Beispiel bei Krankenfahrten bieten können, und welche Zuzahlungen man selbst leisten muss. Sie sind auch Ansprechpartner, wenn es um weitere sozialrechtliche Fragen geht.
Geht es um Wege, die man rund um eine Rehabilitationsleistung zurücklegen muss, ist für viele Versicherte der Rentenversicherungsträger zuständig.

Kliniksozialdienste: Sie beraten nicht nur zu allen sozialrechtlichen Fragen. Die geschulten Mitarbeiter helfen zum Beispiel vor der Klinikentlassung dabei, die Versorgung im Alltag zu klären. Wichtig ist das vor allem dann, wenn man als Patient noch nicht alle Wege selbst schafft, oder wenn auch Familie oder Freunde nicht helfen können.

Regionale Krebsberatungsstellen: Auch die Krebsberatungsstellen sind wichtige Anlaufstellen, vor allem, wenn man keinen Zugang zu einem Kliniksozialdienst hat. Sie können ebenfalls bei praktischen Fragen informieren und beraten sowie meist auch weitere Ansprechpartner vor Ort nennen.



Autofahren © LuminaStock, Thinkstock
Selbst ans Steuer während der Therapie? © LuminaStock/Thinkstock,

Darf man selbst zur Krebsbehandlung fahren, wenn man sich fit genug fühlt? In den Therapiepausen wie gewohnt zum Einkaufen und nach dem Arzttermin schnell noch in die Apotheke gehen?
Ob man als Krebspatient selbst fahren darf - das hängt medizinisch wie juristisch vom persönlichen körperlichen und geistigen Zustand ab. Ist die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt, muss man das Auto auf jeden Fall stehen lassen. Sonst riskiert man den Versicherungsschutz, von den Folgen eines Unfalls ganz abgesehen.

Kann man selbst beurteilen, ob man fit genug zum Autofahren ist? Eine pauschale Antwort darauf ist schwierig. Immerhin gilt: Ärzte sind verpflichtet, ihre Patienten auf Nebenwirkungen der Behandlung oder Krankheitsfolgen hinzuweisen, die sich auf die Fahrtüchtigkeit auswirken. Die möglichen Risiken reichen von allgemeiner körperlicher Schwäche bis hin zu den Nebenwirkungen vieler Medikamente.

Aber Achtung: Wer sich nicht selbst informiert und trotz Einschränkungen fährt, kann die Haftung nicht auf die behandelnden Ärzte abwälzen. Das bedeutet: Im Schadensfall kann sich die Autoversicherung unter Umständen weigern, für die Kosten aufzukommen.

  • Ein Beispiel für die Verpflichtung, sich selbst zu informieren, sind etwa die Beipackzettel von Medikamenten. Sind dort Hinweise auf eine eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit aufgeführt? Dann sollte man das ernst nehmen.

Vom Steuer an den Fahrradlenker?

Achtung - verkehrstüchtig muss man nicht nur zum Autofahren sein: Fast alle Bestimmungen gelten auch für alle anderen Transportmittel, vom Motorrad über den Roller bis hin zum Fahrrad oder dem Traktor.

Bei Bedarf nach einem Attest fragen

Wer auf Nummer sicher gehen will: Bei Bedarf kann man die Ärzte bitten, die Fahrtüchtigkeit in einem Attest zu bestätigen, oder den Kontakt zu einem für die Prüfung befähigten Arzt zu vermitteln. Diese Untersuchung muss man allerdings in der Regel selbst bezahlen.

Von besonderer Bedeutung ist diese sogenannte Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) für alle, die trotz Krebserkrankung beruflich unterwegs sind, oder regelmäßig andere Fahrgäste mitnehmen.

Achtung bei der Schmerztherapie

Nehmen Sie starke Schmerzmittel ein?

Dann sollten Sie sich vom Arzt ein Attest über Ihre Fahrtauglichkeit ausstellen lassen. Ein sogenannter Opioid-Ausweis ist ebenfalls wichtig: Wenn Sie ihn dabei haben, hilft Ihnen das zum Beispiel bei Verkehrskontrollen.

Ein konkretes Beispiel ist die Situation von Krebspatientinnen und Krebspatienten, die starke Schmerzmittel einnehmen. Die "Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr", kurz Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) führt ausdrücklich Betäubungsmittel als Ursache möglicher Einschränkungen auf. Dazu gehören auch viele Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide oder "Morphine".

Generell verboten ist das Autofahren mit Schmerzmitteln nicht: Wer auf Dauer eine Schmerztherapie benötigt, aber gut "eingestellt " ist, kann sich ans Steuer setzen.
Hier sieht die Verordnung aber ausdrücklich vor, dass dazu ein qualifizierter Arzt die Fahrtüchtigkeit bescheinigt.
Außerdem notwendig: eine Bescheinigung, dass die Medikamente "medizinisch notwendig" sind. Den dazu vorgesehenen "Opioid-Ausweis" kann man vom Arzt bekommen. Vordrucke gibt es unter anderem auch von der Deutschen Schmerzliga, www.schmerzliga.de, sowie anderen Fachgesellschaften.

Besondere Vorsicht bei Hirntumoren und Hirnmetastasen

Nach Schädeloperationen, bei Hirntumoren oder Hirnmetastasen gehen fast alle Experten pauschal von einer zeitweilig eingeschränkten Fahrtüchtigkeit aus. Betroffene sollten sich vor dem Griff zum Autoschlüssel unbedingt mit ihren Ärzten in Verbindung setzen, um den Verlust des Versicherungsschutzes zu vermeiden.

Busfahren: Unterwegs mit vielen Menschen © connel_design/Fotolia
Busfahren: Unterwegs mit vielen Menschen - ein Risiko für das Immunsystem? © connel_design/Fotolia

Viele Menschen sind es gewohnt, kürzere oder auch längere Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen, immer mehr verzichten ganz auf ein Auto. Wenn es um den Weg zur Behandlung geht oder auch die Mobilität im Alltag - sind für Krebspatienten Straßenbahnen, Busse oder Züge eine Alternative?

Fachleute sehen eine Krebserkrankung nicht grundsätzlich als Hindernis an, das gegen öffentliche Verkehrsmittel sprechen würde. Ein Beispiel: Für die Fahrt zur "Reha" organisieren die gesetzlichen Kostenträger in der Regel sogar die Anreise mit der Bahn und übernehmen die Kosten.

Auf einige Punkte sollte man trotzdem achten: Dazu gehören etwa die Möglichkeit, unterwegs einen Schwächeanfall zu erleiden, sowie bei Fahrten mit langem still Sitzen das Risiko von Thrombosen. Ist durch Krankheit oder Therapie zeitweilig die Immunabwehr eingeschränkt? Dann gehört auch das Risiko dazu, sich unter vielen Menschen in Bus oder Bahn mit Krankheitskeimen zu infizieren.

Schwäche, Übelkeit, sonstige Probleme: Wer hilft, wenn etwas passiert?

Wenn man sich nicht fit fühlt, gibt es zunächst nur einen Ratschlag: wenn irgend möglich zu Hause bleiben. Für Fahrten zur Behandlung sollte man mit den Ärzten einen Krankentransport absprechen.

Was tun, wenn man schon unterwegs ist und plötzlich nicht mehr weiterkann?
Dieses Risiko gehört zum Alltag: Wirklich absichern kann man sich dagegen nicht. Bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist man normalerweise nur bei grobem Verschulden für eventuelle Folgekosten haftbar, also etwa für Verzögerungen oder unvorhergesehene Stopps.

Vorsichtig sollte man allerdings bei kommerziell organisierten Dienstleistern sein: Busunternehmer, Reiseveranstalter oder ähnliche Transportanbieter können in ihrem "Kleingedruckten" festlegen, dass man bei bekannter Erkrankung für eventuelle Schäden oder Kosten haften muss.

Bleibt man "flugtauglich"?

Ein wichtiges Beispiel dafür sind auch Flugreisen: Hier geht es nicht nur um die allgemeinen Risiken wie Schwäche. In einigen Situationen müssen Krebspatienten zumindest zeitweilig mit einem Flugverbot rechnen. Besondere Vorschriften gelten auch, wenn man ein Sauerstoffgerät mitnehmen muss.

Gibt es schon vor Antritt des Fluges Zweifel an der Flugtauglichkeit? Dann kann es passieren, dass die Fluggesellschaft die Mitreise gar nicht erst gestattet. Kommt es während des Flugs zu einem Zwischenfall, ist man schlimmstenfalls sogar zur Zahlung von Folgekosten verpflichtet.

Helfen in solchen Situationen die Haftpflichtversicherung, eine Reisekrankenversicherung oder sonstige Versicherungen weiter? Darauf sollte man sich nicht verlassen: War das Risiko durch die Krebserkrankung vorher bekannt, springen viele Versicherungen nicht ein. Ob man abgesichert ist oder nicht, hängt allerdings vom einzelnen Vertrag ab.

Flugtauglichkeit bestätigen lassen: Wer sicher gehen möchte, dass er von der Fluggesellschaft auch mitgenommen wird, kann sich vorab vom Arzt die Flugtauglichkeit bestätigen lassen. Dieses Attest muss man selbst bezahlen.

Ein international einheitliches Formular für die Bestätigung der Flugreisetauglichkeit kann man beispielsweise über das Reisebüro oder auf den Internetseiten der Fluggesellschaft beziehen. Der behandelnde Arzt muss dieses "MEDIF-Formblatt" vor dem Flug ausfüllen und an den flugmedizinischen Dienst weiterleiten.

Wer chronisch krank ist, aber häufiger fliegen muss, kann sich auch Dokumente mit längerer Gültigkeitsdauer ausstellen lassen.

Portpass mit sich führen: Sicherheitssysteme im Flughafen (Metallscanner, Ganzkörperscanner, Handsonde, Torsonde) werden normalerweise durch die kleine Menge von Metall, die ein Port enthält, nicht ausgelöst. Sollte es trotzdem zu einem Alarm kommen oder gibt es beim Abtasten Rückfragen vom Personal, kann es hilfreich sein, einen Portausweis ("Portpass") vorzeigen zu können.

Thromboserisiko: Langes still Sitzen schadet

Was viele Krebspatientinnen und Krebspatienten nicht wissen: Sie gehören zu einer Risikogruppe, bei denen die Gefahr sogenannter Thrombosen steigt.
Darunter versteht man kleinere oder größere Blutgerinnsel, die sich in den Adern bilden und zu Gefäßverschlüssen führen können. Beinvenenthrombosen zum Beispiel machen sich durch Schmerzen im betroffenen Bein bemerkbar, die bei Belastung stärker werden. Sogenannte Lungenembolien führen zu Atemnot, Husten und meist einseitigen Brustschmerzen.

Was macht Krebspatienten zur Risikogruppe?

Manche Tumoren sondern selbst Stoffe ab, die solche "Thromben" fördern. Das Risiko kann zum Beispiel auch durch eine Chemotherapie steigen. Es ist allerdings nicht bei allen Medikamenten gleich hoch. Eine Rolle spielt auch, ob man einen Port hat, oder ob man bei Infusionen immer wieder einen neuen Venenkatheter benötigt.
Unter den Medikamenten sind es außerdem die antihormonellen Therapien, die das Risiko für ein Blutgerinnsel erhöhen. Auch wer operiert wurde, ist einige Zeit danach gefährdet.

  • Generell ist der Hauptrisikofaktor jedoch Unbeweglichkeit: Das gilt für die Zeit, die man als Krebspatient im Bett verbringt. Und es gilt in gewissem Umfang für längere Zugfahrten oder das still Sitzen in Auto, Bus oder Flugzeug.

Wer eine längere Anfahrt zur Therapie hat oder eine Reise plant, sollte daher die behandelnden Ärzte darauf ansprechen: Wie sieht das Risiko konkret aus, wie hoch ist es? Kann man bei Bedarf vorbeugend etwas gegen Blutgerinnsel tun?
Infrage kommen dann Kompressionsstrümpfe und/oder gerinnungshemmende Medikamente.

Immunsystem: Unterwegs mit vielen Menschen

Wie gefährlich es tatsächlich ist, unterwegs mit vielen anderen Menschen in Kontakt zu kommen - diese Frage können nur die behandelnden Ärzte konkret beantworten. Es gibt Krebsarten und Krankheitssituationen, die das Immunsystem beeinträchtigen. Ebenso können Behandlungen wie etwa die Chemotherapie die körpereigene Abwehr zeitweilig außer Kraft setzen. Anzeichen dafür ist zum Bespiel eine geringe Anzahl weißer Blutkörperchen in einer Blutprobe: Diese sogenannten Leukozyten sind Zellen des Immunsystems.

Worauf Krebspatientinnen und Krebspatienten auf jeden Fall achten können, ist ein ausreichender Impfschutz, mehr dazu im Text "Immunsystem und Krebs".

Ein paar praktische Hygienetipps gelten sowieso für jedermann, auch unabhängig von einer Krebserkrankung.

  • Der wichtigste davon: Händewaschen!

Bis zu 80 Prozent aller ansteckenden Krankheiten werden über die Hände übertragen, so erläutert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter www.infektionsschutz.de. Steht unterwegs keine Waschmöglichkeit zur Verfügung, sollte man zumindest nicht mit den Händen Mund, Augen oder Nase berühren oder unterwegs etwas aus der Hand essen.

Geld in die Hand nehmen: Welche Zuzahlungen muss man für Krankenfahrten leisten? © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Mobil bleiben - für Krebspatienten kann das auch bedeuten, mehr Geld für bestimmte Leistungen auszugeben.
Hier einige Beispiele:

Krankenfahrten, Krankentransport: Auf Verordnung der Ärzte übernehmen die gesetzlichen und in der Regel auch die privaten Krankenkassen die Kosten für Fahrten zur ambulanten Behandlung.
Was genau und wie viel bezahlt wird, hängt jedoch von der individuellen Situation ab: Sie bestimmt, was möglich ist - die Kostenübernahme für öffentliche Verkehrsmittel, für private Autofahrten, eine Krankenfahrt mit Fahrdienst oder Taxis oder bei Bedarf für einen Krankentransport, bei dem geschulte Sanitäter dabei sind.

Gesetzlich Versicherte müssen jedoch in der Regel eine Eigenbeteiligung von zehn Prozent der Fahrtkosten tragen, mindestens fünf und höchstens zehn Euro. Bei längerer Behandlung lohnt es sich für viele Krebspatienten, bei der Krankenkasse nach einer Zuzahlungsbefreiung zu fragen. Dazu sollte man alle Belege über die Kosten sammeln, die man im Lauf eines Kalenderjahres hatte, für Fahrten, für verschriebene Arzneimittel, Hilfsmittel oder Krankenhaus- und Reha-Tage.

Lieferung von Arzneimitteln, Heil- und Hilfsmitteln: Viele Apotheken und Sanitätshäuser liefern auf Anfrage nach Hause, häufig ohne dafür zusätzliche Kosten zu berechnen. Achtung: Man sollte bei Heil- und Hilfsmittelbestellungen vorher sicherheitshalber bei der Krankenkasse nachfragen, wer als Lieferant infrage kommt. Denn diese haben meist feste Vertragspartner für ihre Versicherten.

Häusliche Versorgung: Und wenn man es nicht schafft, während der Krebsbehandlung mobil genug für Alltagsdinge zu bleiben?
Dann muss man mit den Ärzten besprechen, ob vorübergehend eine häusliche Pflege möglich ist. Dafür übernehmen die Versicherungen für einen begrenzten Zeitraum die Kosten. Möglich sind sowohl medizinische Behandlungspflege als auch Unterstützung bei der häuslichen Versorgung, mehr dazu im Text "Pflege bei und nach Krebs".

Eine Krankschreibung - korrekt: "Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung" - ist nicht grundsätzlich ein Hindernis für eine kleine Reise oder einen Besuch. Die Regelungen sehen allerdings vor, dass man nichts tut, das den Heilungsprozess verzögern oder gefährden könnte.
Wer Pläne für Therapiepausen schmiedet, sollte sich auf jeden Fall mit den Ärzten abstimmen. Sie können bei Bedarf auch die Versorgung mit Arzneimitteln oder andere praktische Fragen mit planen.

Muss man den Arbeitgeber informieren?

Gesetzlich vorgeschrieben ist das zwar nicht. Bei dieser Frage spielt vor allem das persönliche Vertrauensverhältnis eine Rolle. Eventuell gelten besondere Dienstvereinbarungen oder Bestimmungen des persönlichen Arbeitsvertrags.

Und wenn unterwegs etwas passiert?

Was man noch beachten muss: den Versicherungsschutz unterwegs. Innerhalb Deutschlands können gesetzlich Versicherte mit ihrer Chipkarte zwar zu jedem Arzt oder ins Krankenhaus. Bei Auslandsreisen sollte man jedoch unbedingt vorab die Krankenkasse kontaktieren, um zu klären, wie und für welche Situationen man versichert ist und außerdem um die Zahlung von Krankengeld nicht zu gefährden.
Ob die private Krankenversicherung oder private Reisekrankenversicherungen eventuelle Notfälle oder Behandlungen unterwegs abdecken, hängt vom individuellen Vertrag ab:

  • Häufig stößt man dort auf Klauseln, die den Versicherungsschutz auf Reisen einschränken oder sogar ausschließen, wenn die Erkrankung bei Reisebeginn schon bekannt war.


Quellen zum Weiterlesen (Auswahl)

Versicherungsfragen
Der GKV Spitzenverband bietet für gesetzlich Versicherte unter www.gkv-spitzenverband.de viele Informationen zum Thema, vom Krankentransport bis zum Versicherungsschutz im Ausland. Konkrete Anfragen Versicherter beantworten die einzelnen gesetzlichen Kassen in ihren Geschäftsstellen oder über ihre Beratungshotlines.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) informiert unter www.pkv.de. Für Leistungen ist ausschließlich der individuelle Vertrag relevant. Konkrete Anfragen Versicherter beantwortet die jeweilige Versicherung.

Gesetze und Verordnungen (Auswahl)
Gesetze und Verordnungen sind abrufbar unter www.gesetze-im-internet.de. Für die Erstellung dieses Textes hat der Krebsinformationsdienst unter anderem auf folgende Gesetztestexte zurückgegriffen:

Weitere Rahmenbedingungen (Auswahl)
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) informiert in Richtlinien über die Verordnung von Krankenfahrten, Krankentransportleistungen und Rettungsfahrten, kurz "Krankentransport-Richtlinien". Sie sind abrufbar beim Gemeinsamen Bundesausschuss unter www.g-ba.de/informationen/richtlinien/25.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt, www.bast.de), veröffentlicht unter anderem die "Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung", einen Überblick bietet die Seite der BASt unter www.bast.de/DE/Verkehrssicherheit/Fachthemen/Fachthemen_node.html.

Die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung (International Air Transport Association, IATA) informiert in englischer Sprache unter www.iata.org. Sie gibt regelmäßig ein medizinisches Manual heraus. Die aktuelle Version ist abrufbar unter www.iata.org/publications/Pages/medical-manual.aspx.

Das Auswärtige Amt bietet Hintergründe und viele Links zum Thema Gesundheit im Ausland, darunter auch die jeweiligen Impfvorschriften: www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/LaenderReiseinformationen_node.html.

Hygiene, Immunsystem
Ständige Impfkommission, Robert-Koch-Institut: Informationen zum Impfschutz, auch für Menschen mit zeitweiliger Immunschwäche, finden sich auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts (RKI): www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/ImpfungenAZ/ImpfungenAZ_node.html.

Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BzGa) bietet neben ihrer eigentlichen Internetseite www.bzga.de noch besondere Portale an, etwa www.infektionsschutz.de oder www.impfen-info.de.

Leitlinien deutscher Fachgesellschaften (Auswahl)
Diese Quellen finden sich auf den Internetseiten der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (www.awmf.org/leitlinien.html). Darunter sind nicht nur die Leitlinien zu einzelnen Tumorlokalisationen wichtig. Relevant sind zudem Themen im Überblick, etwa

  • die S3 Leitlinie "Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE)", unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/003-001.html.
  • Auch die aktuelle Leitlinie "Supportive Therapie bei onkologischen Patienten" geht auf einige Details ein, etwa tumorbedingte Anämie oder Neutropenie sowie die entsprechenden Folgen für den Allgemeinzustand, die Leistungsfähigkeit oder das Immunsystem, oder das Risiko von Thrombosen oder Thrombophlebitiden, mehr unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/032-054OL.html.

Infos zum Fliegen mit einer Lungenerkrankung und bei zusätzlichem Sauerstoffbedarf bietget die European Lung Foundation unter www.europeanlung.org/de/lungenkrankheiten-and-informationen/flugreisen/sind-sie-fit-genug-f%C3%BCr-eine-flugreise.

Weitere Übersichtsarbeiten und Fachartikel (Auswahl)
Fachveröffentlichungen liegen überwiegend in englischer Sprache vor, sie richten sich an vorinformierte Leser und sind meist nur über wissenschaftliche Bibliotheken oder kostenpflichtige Onlinedienste zugänglich. Hilfestellung bietet der Krebsinformationsdienst auch in einem Informationsblatt (PDF) zum Laden und Ausdrucken.

Hinweis: Nicht berücksichtigt bei der Literatursuche wurden Publikationen, die sich mit der Verfügbarkeit von Therapieangeboten am Wohnort und den Auswirkungen langer Anfahrtszeiten zur Krebsbehandlung auf Krankheitsverlauf und Mortalität befassen.

Asdourian MS, Skolny MN, Brunelle C, Seward CE, Salama L, Taghian AG. Precautions for breast cancer-related lymphoedema: risk from air travel, ipsilateral arm blood pressure measurements, skin puncture, extreme temperatures, and cellulitis. Lancet Oncol. 2016 Sep;17(9):e392-405. doi: 10.1016/S1470-2045(16)30204-2.

Mikati T, Taur Y, Seo SK, Shah MK. International Travel Patterns and Travel Risks of Patients Diagnosed With Cancer. Journal of Travel Medicine, Volume 20, Issue 2, 1 March 2013, Pages 71–77, https://doi.org/10.1111/jtm.12013

Perdue C, Noble S. Foreign travel for advanced cancer patients: a guide for healthcare professionals. Postgrad Med J. 2007; 83(981):437-44. doi: 10.1136/pgmj.2006.054593.

Siedenburg J. Flugreisetauglichkeit nach chirurgischen Eingriffen und während der Schwangerschaft - Beratung für eingeschränkt flugtaugliche Patienten. Flug u Reisemed. 2014; 21(3): 125-132. doi: 10.1055/s-0034-1384208.

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Erstellt: 23.10.2017