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Mann liest Beipackzettel © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Arzneimittelinformationen: Vom Rezept zum Beipackzettel

Medikamente richtig anwenden

Beipackzettel können abschrecken: Bei manchen Medikamenten ist die Liste der Nebenwirkungen länger als die Beschreibung des Nutzens. Als Krebspatient möchte man es so genau manchmal gar nicht wissen. Warum es sich trotzdem lohnt, die Arzneimittelinformationen zu beachten, erläutert der folgende Text des Krebsinformationsdienstes. Aufgeführt sind viele Hintergründe, praktische Ratschläge und Linktipps: vom Unterschied zwischen rezeptfreien und rezeptpflichtigen Präparaten über die richtige Aufbewahrung und die richtige  Einnahme von Arzneimitteln bis hin zum Thema Nebenwirkungen.

Letzte Aktualisierung: 29.06.2015

Quellen und Links

Genutzte Quellen und weiterführende Links finden sich am Ende der Seite. Für Fragen, die über diesen allgemein gehaltenen Überblick hinausgehen, steht der Krebsinformationsdienst auch am Telefon oder per E-Mail zur Verfügung. Informationen aus dem Internet, einer E-Mail oder einem Telefongespräch können eine persönliche ärztliche Beratung jedoch nicht ersetzen. 

Warum muss ich den Beipackzettel überhaupt lesen - weiß mein Arzt oder Apotheker nicht, was am besten für mich ist?

Als Patientin oder Patient sollte man die Packungsbeilage von Arzneimitteln immer gründlich lesen. Die darin enthaltenen Informationen ergänzen die Hinweise, die Arzt oder Apotheker geben.
Und was, wenn man etwas nicht ganz einschätzen kann? Oder etwas nicht versteht? Unklarheiten lassen sich am besten im persönlichen Gespräch ausräumen.

Was steht im Einzelnen im Beipackzettel?

  • Hier stehen Informationen zu Inhaltsstoffen, Anwendungsgebieten und möglichen Neben- und Wechselwirkungen eines Medikaments.
  • Weitere Angaben betreffen die Dosierung eines Arzneimittels und seine Verabreichung: Bei Tabletten ist beispielsweise angegeben, ob sie unzerkaut geschluckt werden sollen, oder ob man sie in Wasser auflösen darf. Aufgeführt ist auch, wie oft man ein Medikament anwenden darf, und zu welcher Tageszeit.
  • Den Angaben lässt sich entnehmen, welche Hilfsstoffe Tabletten, Kapseln oder andere Darreichungsformen neben dem Wirkstoff noch enthalten.
    Bei vielen Tabletten sind das Zuckerverbindungen wie Milchzucker, Zellulose oder Stärke. Arzneimitteln in Form von Tropfen oder Saft werden oft Kristallzucker oder Süßstoffe beigemengt, um den Geschmack zu verbessern. Alkohol kann als Lösungsmittel eingesetzt werden.
    Besonders wichtig sind diese Informationen für Allergiker.
  • Außerdem enthält der Beipackzettel die Kontaktdaten des Herstellers sowie das Datum, an dem zuletzt die Richtigkeit der Angaben überprüft wurde.

In Deutschland muss jedes Medikament einen Beipackzettel haben. Eine europaweit gültige Richtlinie schreibt vor, welche Angaben in welcher Form enthalten sein müssen.

Wen kann ich fragen, wenn ich die Hinweise im Beipackzettel nicht verstehe?

Packungsbeilagen enthalten Fachbegriffe und Abkürzungen. Es ist ganz normal, dass man gelegentlich nicht genau weiß, was damit gemeint ist. Ansprechpartner bei Unsicherheiten sind Arzt und Apotheker.
Einige krebsspezifische Fachbegriffe können Betroffene auch auf den Seiten des Krebsinformationsdienstes im Lexikon der Fachbegriffe nachlesen. Fragen beantwortet der Krebsinformationsdienst zudem am Telefon oder per E-Mail.

Was bedeutet ein schwarzes Dreieck auf dem Beipackzettel?

Seit September 2013 ist auf dem Beipackzettel mancher Arzneimittel ein auf der Spitze stehendes schwarzes Dreieck zu sehen. Dabei handelt es sich vor allem um Mittel, die neu auf dem Markt sind.
Das Symbol bedeutet, dass das betreffende Arzneimittel einer erweiterten Überwachung unterliegt: Treten bisher nicht beobachtete Nebenwirkungen auf? Gibt es unerwartete Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?
Grundsätzlich gilt aber auch für Arzneimittel, die mit einem schwarzen Dreieck gekennzeichnet sind: Sie haben bereits umfangreiche klinische Prüfungen durchlaufen, bevor sie zugelassen wurden. Besondere Risiken müssen Patienten nicht befürchten.

Wie stelle ich sicher, dass meine Medikamente zusammenpassen?

Tabletten und Kapseln © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Tabletten: Nicht alles passt gut zusammen © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Medikamente können untereinander oder im Zusammenspiel mit Nahrungsmitteln unterwünschte Wechselwirkungen haben. Worauf sollte man besonders achten?

Alle Arzneimittel müssen vom Körper aufgenommen, verarbeitet und wieder ausgeschieden werden. Selbst sehr unterschiedliche Medikamente werden überwiegen über die gleichen Stoffwechselvorgänge abgebaut, die auch für normale Verdauungsvorgänge genutzt werden. Nimmt man gleichzeitig mehrere Arzneimittel ein, achten Ärzte und Apotheker daher auf mögliche Wechselwirkungen. Denn die gleichzeitige Einnahme und Verstoffwechslung kann dazu führen, dass die jeweilige Wirkung verstärkt oder abgeschwächt wird.

Zwei Beispiele aus der Onkologie:
Einige Medikamente der Krebstherapie (zum Beispiel Zytostatika wie Cisplatin) und bestimmte Antibiotika verstärken sich in ihrer nierenbelastenden Wirkung gegenseitig. Werden diese Wechselwirkungen nicht berücksichtigt, können schwere Schäden auftreten.

Johanniskrautextrakte können Patienten bei leichten bis mittelschweren Depressionen helfen. Johanniskraut behindert aber auch die Verarbeitung von anderen Medikamenten, die mithilfe der gleichen Enzyme vom Körper aufgenommen werden. Darunter sind auch einige Krebsmedikamente.

Enzyme verantwortlich

Aus der Arzneimittelforschung kennt man noch eine Reihe weiterer Beispiele, die Krebspatienten gefährlich werden können. 

Wesentlicher, aber nicht einziger "Knackpunkt" für solche Wechselwirkungen sind Enzyme vor allem in der Leber, sogenannte Cytochrome (abgekürzt CYP). Von diesen Enzymen hat jeder Mensch eine ganze Gruppe, die sich in ihren Aufgaben geringfügig unterscheiden. Und es gibt außerdem individuelle Unterschiede in der Aktivität der einzelnen Enzyme. Daher reagiert nicht jeder Mensch genau gleich auf Arzneimittel.

Was kann man selbst tun, um Wechselwirkungen zu vermeiden?

Als Betroffener kann man sich allein schon dadurch schützen, dass man für Überblick sorgt:
Wichtig ist eine Liste aller Medikamente, die man aktuell einnimmt. Man sollte sie bei jedem Arztbesuch parat haben. So können alle Ärzte, die an der Behandlung beteiligt sind, die verschiedenen Arzneimittel aufeinander abstimmen. 
Ebenso wichtig: Vorsicht bei der Verwendung frei verkäuflicher Präparate auf eigene Faust! Besser ist es, sich zunächst mit den Ärzten abzustimmen, bevor man zusätzlich zu den verschriebenen Medikamenten noch weitere ohne Rezept verwendet oder Nahrungsergänzungsmittel nutzt.

Das Bundesgesundheitsministerium hat ein Informationsblatt zum Thema erstellt, das allerdings nicht ausschließlich auf das Thema Krebs bezogen ist. Das PDF ist im Internet zugänglich unter www.bundesgesundheitsministerium.de/uploads/publications/BMG-G-09052-Tipps-Arzneimitteltherapie_200908.pdf.

Bundeseinheitlicher Medikationsplan soll für Durchblick sorgen

Der Gesetzgeber sieht im "Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen" (E‐Health‐Gesetz) unter anderem die Realisierung eines bundeseinheitlichen Medikationsplans vor. Das Ziel: Der Medikationsplan soll alle Medikationsdaten eines Patienten zusammenführen, damit Wechselwirkungen zwischen den angewendeten Medikamenten so weit wie möglich vermieden und die Arzneimitteltherapiesicherheit erhöht werden.
Laut Sozialgesetzbuch V (SGBV) haben gesetzlich Versicherte, die gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, ab dem 1. Oktober 2016 Anspruch auf einen solchen Medikationsplan in Papierform. Sie erhalten ihn von einem an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Arzt.

Im Medikationsplan dokumentieren die behandelnden Ärzte folgendes, zusammen mit den Hinweisen zur Anwendung:

  • alle ärztlich verordneten Arzneimittel,
  • Arzneimittel, die man ohne Verschreibung anwendet,
  • Medizinprodukte, die für die Arzneimitteltherapie relevant sind, zum Beispiel Applikationshilfen

Das Sozialgesetzbuch schreibt darüberhinaus vor, dass der Arzt diesen Medikationsplan aktualisieren muss, sobald sich die Medikation ändert. Auch Apotheken müssen – auf Wunsch des Patienten – den Medikationsplan bei Abgabe eines Arzneimittels entsprechend aktualisieren.
Geplant ist außerdem, die Daten des Medikationsplans über die elektronische Gesundheitskarte zu speichern. Dies wird aber erst in ein paar Jahren möglich sein.

Weitere Informationen zum Medikationsplan bietet die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) unter www.kbv.de/html/medikationsplan.php.

Ist es egal, zu welchem Zeitpunkt ich meine Medikamente einnehme?

Oft geben Ärzte genaue Anweisungen, wie und wann Arzneimittel eingenommen werden sollen. Es gibt gute Gründe dafür, sich daran zu halten.
Manche Medikamente vertragen sich zum Beispiel nicht mit Speisen und Getränken - auch hier spielen mögliche Wechselwirkungen eine Rolle.

Auf keinen Fall sollte man zudem Dosis oder Dauer der Einnahme ohne Absprache verändern: Wie genau und in welcher Menge Arzneimittel am besten wirken, wurde vor der Zulassung in Studien geprüft.

Was bedeuten die Angaben zur Medikamenten-Einnahme konkret?

Dosierhilfe zum Einteilen von Tabletten © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
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Dosierhilfe zum Einteilen von Tabletten © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
  • Nüchtern einnehmen: mindestens 30 Minuten vor der ersten Mahlzeit des Tages. Hintergrund: Entsprechende Arzneimittel können nur in kleinen Mengen aufgenommen werden. Müsste der Körper gleichzeitig Nahrung verarbeiten, würde dies die Aufnahme der Wirkstoffe zusätzlich erschweren.
  • Vor dem Essen: mindestens 30 Minuten vor einer Mahlzeit. Hintergrund: Dieser Hinweis gilt für Tabletten und Kapseln, die mit einem Schutzüberzug gegen Magensäure versehen sind. Der Wirkstoff soll nur langsam und in der Regel auch nicht schon im Magen freigesetzt werden. Werden die Präparate gemeinsam mit Nahrung aufgenommen, kann das den Schutzüberzug schädigen und seine Wirksamkeit und damit die der Arzneimittel beeinträchtigen.
  • Zum Essen oder nach dem Essen: "Zum Essen" meint, dass ein Medikament zu Beginn der Mahlzeit eingenommen werden soll; "nach dem Essen" bezieht sich auf die Stunde nach Ende der Mahlzeit. Hintergrund: Mittel, die gemeinsam mit Speisen und Getränken aufgenommen werden, verlassen den Magen langsamer. Dadurch können sie länger wirken oder weniger Nebenwirkungen auslösen.
  • Unabhängig von den Mahlzeiten: Hier ist es zwar nicht wichtig, wann die Medikamente eingenommen werden. Fachleute empfehlen jedoch, bei längerer Anwendung jeweils auf regelmäßige Zeitpunkte und vergleichbare Bedingungen zu achten. Das hilft auch dabei, die Einnahme nicht zu vergessen.

Krebspatienten, die verschiedene Medikamente zu unterschiedlichen Tageszeiten einnehmen müssen, erhalten in Apotheken Hilfsmittel. Diese werden oft als Pillenbox, Tablettendose oder Medikamentenspender bezeichnet.

Damit kann man selbst die Arzneimittel vorbereiten: In die einzelnen Fächer kommt die Ration für morgens, mittags oder abends, auch eine Einteilung nach Wochentagen ist möglich. Hat man Angst, beim Befüllen der "Box" Fehler zu machen, können dies auch Angehörige oder Pflegedienste übernehmen.
Grundlage ist immer der Medikamentenplan, den man vom Arzt erhalten hat.

Warum sollte man Medikamente am besten mit Wasser herunterspülen?

Viele Medikamente wirken erst, nachdem sie im Körper in Einzelteile zerlegt oder im Stoffwechsel "umgebaut" und zu ihrem Zielort transportiert wurden. Nicht nur andere Arzneimittel, sondern auch Speisen und Getränke können in solche Abläufe eingreifen und sie beschleunigen oder verlangsamen. Schreiben Arzt, Apotheker oder Beipackzettel es nicht ausdrücklich anders vor, sollte man Tabletten und Kapseln deshalb nur mit Leitungswasser herunterspülen.

  • Milch behindert die Aufnahme vieler Medikamente. Das in der Milch enthaltene Kalzium geht mit den Bestandteilen dieser Arzneimittel chemische Bindungen ein. Den dabei entstehenden Komplexen fällt es schwer, durch die Dünndarmwand zu wandern und so in die Blutbahn zu gelangen.
  • Koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Tee und Cola sollten im Zusammenspiel mit Medikamenten mit Vorsicht genossen werden: Manche Arzneimittel behindern den Abbau von Koffein, der Körper reagiert ungewohnt lange oder stark auf das Getränk.
  • Grapefruits und Grapefruitsaft enthalten Stoffe, die bestimmte Vorgänge des menschlichen Stoffwechsels behindern. Sie stören die Arbeit eines Cytochroms, eines Enzyms, das in der Leber wichtig für die Arzneimittelverstoffwechselung ist.
  • Ein weiteres Beispiel für einen solchen Stoff ist Johanniskraut: Frei verkäufliche Tees oder Dragees benötigen zum Abbau im Körper ebenfalls solche Cytochrome. Daher stören sie den Abbau aller Medikamente, die über das gleiche Cytochrom abgebaut werden.
  • Alkohol sollte im Zusammenhang mit Medikamenten tabu sein. Die Wirkung einiger Arzneisubstanzen wird durch Alkohol ebenfalls verstärkt oder auch abgeschwächt. Und: Die Leber hat mit dem Abbau von Arzneiwirkstoffen genug zu tun und kann keine zusätzliche Belastung brauchen.

Was hilft, wenn man Probleme beim Schlucken von Tabletten und Kapseln hat?

Tabletten einnehmen © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Viele Menschen haben Probleme, Tabletten oder Kapseln zu schlucken, vor allem, wenn diese größer sind oder keine ganz glatte Oberfläche haben. Erster Schritt ist auch hier die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt oder einem Apotheker. Diese  können gegebenenfalls  nach Alternativen für das Medikament suchen oder praktische Tipps geben, wie das Schlucken von Tabletten und Kapseln leichter fällt.

Was wirklich dabei hilft, große Tabletten besser hinunter zu bekommen, dazu  gibt es insgesamt aber noch wenig Forschung. In einer vergleichsweise kleinen Studie haben Forscher allerdings zwei Techniken getestet, die das Schlucken von Tabletten und Kapseln erleichtern könnten:

  • Der "Tabletten-Flaschen-Trick": Diese Methode erleichtert die Einnahme von Tabletten.
    Der Trick: Man nimmt die Pille mit stillem Wasser zu sich, trinkt aber nicht aus einer Tasse oder einem Glas. Stattdessen benötigt man dafür eine elastische Kunststofflasche. Die Öffnung sollte nicht zu eng sein, um das Wasser gut einsaugen zu können. Man legt sich die Tablette auf die Zunge und setzt die Plastikflasche an. Die Lippen werden dicht um die Flaschenöffnung geschlossen, ein kräftiger Schluck Wasser wird eingesogen und in einem Zug mitsamt Tablette geschluckt.
    Wichtig ist: Keine Luft mit einsaugen! Und: Der Kopf sollte beim Schlucken leicht nach hinten geneigt sein. Die Tablette wandert so Richtung Rachen und wird beim Schlucken mitgespült.
  • Der "Kapsel-Nick-Trick": Kapseln unterscheiden sich von Tabletten unter anderem in Form, Gewicht und Zusammensetzung. Daher testeten die Wissenschaftler eine weitere Schlucktechnik insbesondere für Kapseln:
    Die Kapsel wird auf die Zunge gelegt. Man trinkt einen Schluck Wasser. Wichtig: Nicht sofort schlucken! Zuerst sollte das Kinn Richtung Brust geneigt werden. Erst dann werden Kapsel und Wasser geschluckt.
    Kapseln sind, anders als Tabletten, leichter als Wasser. Aus diesem Grund steigen sie bei nach vorne geneigtem Kopf auf in Richtung Rachen und lassen sich leichter schlucken.

Kann ich neben den Medikamenten, die mir der Arzt verschrieben hat, noch frei verkäufliche Mittel nehmen?

Viele Medikamente kann man ohne Rezept in der Apotheke kaufen. Praktisch jeder Krebspatient hat zu Hause eine ganze Sammlung, vom rezeptfreien Schnupfenspray über das Schmerzmittel bis hin zur Rheumasalbe.
Daneben gibt es frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel, die zum Beispiel Vitamine, Mineralien oder andere Substanzen enthalten. Nahrungsergänzungsmittel werden in Apotheken verkauft, es gibt sie aber auch in Drogerien, Supermärkten und im Internet.

Für Krebspatienten gilt allerdings: Nichts einnehmen, das nicht mit den Ärzten abgesprochen ist! Selbst scheinbar harmlose rezeptfreie Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel können Substanzen enthalten, die im Zusammenspiel mit anderen Tumormedikamenten unerwünschte Folgen und Wechselwirkungen haben.

Was unterscheidet Nahrungsergänzungsmittel von Medikamenten?

  • Arzneimittel sollen Krankheiten heilen, lindern oder verhüten; teilweise werden sie auch zur Diagnose eingesetzt. Sie durchlaufen strenge Zulassungsprüfungen, in denen ihre Wirksamkeit nachgewiesen wird.
  • Nahrungsergänzungsmittel sind laut Gesetz nur Lebensmittel, die Wirkstoffe in konzentrierter Form enthalten. Ihre Wirksamkeit müssen sie nicht unter Beweis stellen. In der Regel sind sie für eine ausgewogene Ernährung nicht nötig.

Mehr zum Thema Supplemente und Nahrungsergänzungsmittel hat der Krebsinformationsdienst unter "Nahrungsergänzungsmittel: Große Versprechen, k(l)eine Wirkung?" zusammengestellt.

Darf man Tabletten oder Kapseln zerkleinern?

Manche Krebspatienten leiden infolge ihrer Behandlung an schmerzhaften Entzündungen in Mund und Rachen. Große Tabletten zu schlucken, kann belastend sein. Eine naheliegende Idee ist es, die Medikamente zu zerkleinern und zum Beispiel unter das Essen gerührt einzunehmen oder in einem Getränk aufzulösen.

Das ist nicht immer eine gute Idee:

  • Manche Tabletten haben einen Schutzüberzug oder einen besonderen chemischen Aufbau. Das stellt sicher, dass die Wirkstoffe erst nach und nach freigesetzt werden; oder erst im Darm und nicht schon im Magen. Solche Medikamente sollten nach Ansicht von Fachleuten nicht geteilt werden. Geschieht dies doch, kann das zum Beispiel die Magenschleimhaut reizen. Betroffene sollten sich deshalb vorab mit den behandelnden Ärzten austauschen.
  • Auch Kapseln sollten nur nach Rücksprache mit Arzt oder Apotheke geöffnet werden.

Bei manchen Arzneimitteln sehen die Anweisungen dagegen vor, dass die Tabletten geteilt werden, um eine bestimmte Wirkstoffmenge zu verabreichen. Bei Schwierigkeiten können Patienten Arzt oder Apotheker nach einer Erläuterung fragen. In Apotheken erhalten Betroffene Teilhilfen.

Warum soll man manche Medikamente im Kühlschrank lagern und andere nicht?

Für die Hausapotheke gilt: Sofern nichts anders vorgeschrieben ist, sollte man Arzneimittel am besten generell kühl und trocken lagern. Fachleute empfehlen  daher, das Arzneischränkchen eher ins Schlafzimmer statt ins Bad zu stellen. 

Nicht wenige Arzneimittel müssen allerdings nach strengen Vorschriften gelagert werden. Entsprechende Hinweise geben Arzt oder Apotheker und auch der Beipackzettel. Vorschriften, die für alle Medikamente gelten, gibt es allerdings nicht. Denn: Wie sich die Substanzen unter Kälte oder Hitze verhalten, ist allein durch ihre chemische Zusammensetzung bedingt. Davon hängt ab, ob etwas zum Beispiel im Kühlschrank aufbewahrt werden sollte oder im Gegenteil auf keinen Fall in den Kühlschrank darf.

  • Wirkstoffe wie monoklonale Antikörper oder Interferone, die auch in der Krebstherapie eingesetzt werden, müssen meist im Kühlschrank gelagert werden. Auch andere Medikamente, die reich an Eiweißen (Proteinen) sind, reagieren empfindlich auf Temperaturveränderungen.
  • Für die Reise gibt es besondere Kühltaschen für die Medikamente.
  • Auch manche angebrochenen Medikamente wie etwa Augentropfen gehören in den Kühlschrank.
  • Andere Substanzen dürfen dagegen nicht zu kalt werden: So können manche Tropfen ausflocken, wenn sie im Kühlschrank gelagert oder bei einem Winterspaziergang im Rucksack getragen werden.
  • Sonne und Hitze, zum Beispiel im sommerlich aufgeheizten Auto, vertragen nur die wenigsten Arzneimittel. Kapseln können schmelzen, Sprays oder Salben die Verpackung sprengen. Auch wenn man den Mitteln äußerlich nichts ansieht, kann sich der Wirkstoff verändert haben.

Nebenwirkungen: Was lässt sich dagegen tun?

Eine Packungsbeilage führt alle Nebenwirkungen auf, die in der Zulassungsstudie bei bestimmungsgemäßen Gebrauch beobachtet und dokumentiert wurden. Darunter sind auch unerwünschte Wirkungen, die nur bei sehr wenigen Menschen beobachtet wurden. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.

Bekommt man alle Nebenwirkungen, die im Beipackzettel aufgeführt sind?

Dies ist eher selten der Fall. Aber woran kann man sich orientieren? Die Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen in Beipackzetteln sind nach festen Regeln formuliert. Hier lässt sich nachlesen, wie viele Patienten im Durchschnitt von unerwünschten Wirkungen betroffen sind. Grundlage sind Daten aus klinischen Studien, die vor der Zulassung des jeweiligen Arzneimittels durchgeführt wurden.

Übersetzt bedeuten diese Angaben im Beipackzettel:

  • sehr häufig: mehr als einer von zehn Behandelten
  • häufig: einer bis zehn von 100 Behandelten
  • gelegentlich: einer bis zehn von 1.000 Behandelten
  • selten: einer bis zehn von 10.000 Behandelten
  • sehr selten: weniger als einer von 10.000 Patienten; nur Einzelfälle
  • nicht bekannt: Anhand der vorliegenden Daten können keine Angaben zur entsprechenden Nebenwirkung abgeschätzt werden

Aber weiß man tatsächlich schon alles, was passieren könnte?

Beobachten Ärzte bei ihren Patienten erst nach der Marktzulassung auffällige Effekte, wird noch einmal geprüft, ob tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang besteht. Dann wird der Beipackzettel bei Bedarf auch ergänzt. 

Seit 2013 sind alle Medikamente mit neuen Wirkstoffen deshalb besonders gekennzeichnet: mit einem schwarzen, auf der Spitze stehenden Dreieck, in der Packungsbeilage und in der Fachinformation für Ärzte. Außerdem soll die Packungsbeilage neuer Mittel dann den Satz enthalten: "Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung".  

  • Treten tatsächlich Nebenwirkungen auf, sind die behandelnden Ärzte die nächsten Ansprechpartner. Mit ihnen kann man das weitere Vorgehen zur Linderung von Beschwerden abklären.

Sind Nebenwirkungen bisher so nicht beschrieben worden, können sowohl Ärzte wie auch Patienten die Beschwerden melden. 

  • Ohne zeitnahe Rücksprache sollte man als Krebspatient verordnete Medikamente nicht auf eigene Faust absetzen.

Patientengruppen, bei denen unerwünschte Folgen wahrscheinlicher sind als bei anderen, werden im Beipackzettel gesondert aufgeführt. Das können zum Beispiel Menschen mit Nieren- oder Leberschäden sein: Bei ihnen werden Arzneimittel unter Umständen schlechter wieder aus dem Körper ausgeschieden.
Auch für Kinder und Schwangere gibt es meist eigene Hinweise. 

Nebenwirkung, unerwünschte Arzneimittelwirkung: Was verstehen Fachleute genau darunter?

Was ist eine Nebenwirkung? Jede unbeabsichtigte und schädliche Reaktion auf den Gebrauch eines Medikaments wird als Nebenwirkung bezeichnet, wenn

  • das Medikament ordnungsgemäß eingenommen oder angewendet wurde. Das heißt, es war weder zu hoch noch zu niedrig dosiert, es wurde nicht zu oft oder zu selten eingenommen, und es ist auf dem richtigen Weg in den Körper gelangt: Kapseln wurden also zum Beispiel ungeöffnet und unzerkaut  eingenommen, oder ein Arzneimittel, das nur über das Blut wirkt, wurde in die Vene und nicht in den Muskel oder das Fettgewebe gespritzt.
  • Wichtig ist außerdem: Es muss ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der schädlichen Wirkung und dem Gebrauch des Medikaments bestehen: Viele Krebsmedikamente haben neben den eigentlich erwünschten Wirkungen auch unerwünschte Folgen. Dazu zählen etwa Hitzewallungen durch Medikamente, die antihormonell wirken, Übelkeit oder Haarausfall durch Zytostatika zur Chemotherapie, Verstopfung durch manche Schmerzmittel oder Hautausschläge durch moderne Antikörper.

Ich habe große Angst vor Nebenwirkungen - kann ich nicht etwas einnehmen, das besser verträglich ist?

Arzneimittel greifen in die komplexen Vorgänge des menschlichen Organismus ein. Dabei können neben den erwünschten Wirkungen auch unerwünschte Folgen auftreten. Das gilt für fast alle Medikamente mit nachgewiesenem Nutzen, nicht nur für Krebsmedikamente.

Je nach Krankheitssituation und nach verfügbaren Möglichkeiten kann auch versucht werden, ob ein ähnliches Mittel besser vertragen wird. Nicht immer steht allerdings eine solche Austauschmöglichkeit zur Verfügung. Dann ist Ursachenforschung wichtig, um die Nebenwirkungen vielleicht doch zu vermeiden:

  • Ein häufig unterschätzter Auslöser für Nebenwirkungen: Patienten haben absichtlich oder versehentlich zu viel von ihrem Arzneimittel eingenommen oder in zu geringem zeitlichem Abstand. Unerwünschte Wirkungen durch Überdosierung lassen sich vermeiden, indem man sich möglichst genau an die Anweisungen von Ärzten und Apothekern hält.

Trotzdem gilt: Nebenwirkungen sind auch bei vorgeschriebener Anwendung möglich. Wer von Nebenwirkungen betroffen ist, sollte die Mittel trotzdem nicht ohne Rücksprache mit seinen Ärzten absetzen oder die Dosierung eigenmächtig verringern.
Besser ist die Rücksprache mit den Ärzten: Oft lassen sich die Folgen einer Therapie mithilfe unterstützender Arzneimittel in den Griff bekommen. Eine solche Begleitmedikation kann auch vorbeugend eingesetzt werden. Ein typisches Beispiel aus der Krebstherapie sind bei einer Chemotherapie Medikamente gegen Übelkeit - sie werden zum Teil schon vor Beginn der Chemo und auf jeden Fall parallel dazu gegeben.

 

Was ist mit "individueller Verträglichkeit" gemeint?

Kein Mensch ist wie der andere. Viele verschiedene Faktoren tragen dazu bei, wie Medikamente vom Körper verarbeitet werden. Was heißt das für den Umgang mit Arzneimitteln?

Wie Medikamente vertragen werden, hängt von der individuellen Situation ab. Wer beispielsweise mehr wiegt, hat auch mehr Gewebe, in dem sich ein Wirkstoff verdünnt. Bei einigen Arzneimitteln ist eine bestimmte Wirkstoff-Konzentration besonders wichtig. Ärzte errechnen dann die konkrete Dosierung und messen unter Umständen auch nach, ob diese tatsächlich erreicht wird.
In der Krebsmedizin bietet dafür die Chemotherapie das wichtigste Beispiel: Wie hoch die Dosierung für einen Patienten sein muss, wird mit einer komplizierten Formel aus Gewicht und Größe berechnet. Auch Faktoren wie das Alter, die Funktionsfähigkeit der Nieren eines Patienten oder seine sonstigen Erkrankungen werden berücksichtigt.

Für Allergiker sind oft geringe Mengen einer Substanz nicht tolerierbar. Wer schon einmal unter Allergien gelitten hat, muss Arzt oder Apotheker darauf hinweisen. So kann vermieden werden, dass ein Patient ein Arzneimittel mit für ihn schädlichen Allergenen enthält.

Menschen, die manche Lebensmittel nicht vertragen, müssen wissen, dass Arzneimittel häufig natürliche Hilfsstoffe enthalten. Oft können die kritischen Stoffe trotz einer Unverträglichkeit in den geringen Mengen toleriert werden, in denen sie in Arzneimitteln enthalten sind.
Wer etwa Probleme mit Milchzucker (Laktose) hat, kann unter Umständen trotzdem Tabletten schlucken, die Laktose enthalten. Im Zweifelsfall sollten Betroffene aber immer Rücksprache mit Arzt oder Apotheker halten.

Was bedeuten die Begriffe "rezeptfrei", "grünes Rezept" und "rezeptpflichtig"?

Gesetzliche Krankenversicherungen bezahlen nicht alle Medikamente. Für welche Arzneimittel kommen die Kassen auf, für welche nicht?

  • Rotes Rezept: Rezeptpflichtige Medikamente müssen von Ärzten verschrieben werden. Gesetzliche Versicherungen übernehmen die Kosten, Patienten müssen allerdings eine Zuzahlung leisten. Diese beträgt pro Arzneimittel zehn Prozent des Verkaufspreises, mindestens jedoch fünf Euro und maximal zehn Euro. Der konkrete Betrag hängt vom Preis des Medikaments ab: Je günstiger das Präparat, desto geringer ist die Zuzahlung für die Patienten. Es gibt für einige Erkrankungen besonders günstige Arzneimittel, die zuzahlungsfrei erhältlich sind. Wer sich diese Zuzahlungen nicht leisten kann, sollte gemeinsam mit der Versicherung prüfen, ob eine Befreiung von der Zuzahlungspflicht möglich ist.
  • BTM-Rezept: Betäubungsmittelrezepte sind nur sieben Tage nach der Ausstellung gültig. Das Thema Zuzahlung ist wie bei Kassenrezepten geregelt. Inhaltlich geht der Krebsinformationsdienst im Text Praxis Schmerztherapie, Absatz "Leben mit Morphinen", auf Betäubungsmittel und ihre Anwendung bei Krebspatienten ein.
  • Ausnahmeliste ("OTC-Liste"): Auch einige rezeptfreie Medikamente können über ein rotes Rezept vom Arzt zulasten der Krankenkasse verordnet werden: Eine Liste mit entsprechenden Mitteln, die als besonders wichtig für die Behandlung von bestimmten Erkrankungen angesehen werden, haben Experten für gesetzlich Versicherte in Deutschland zusammengestellt.
  • Grünes Rezept: Normalerweise müssen rezeptfreie Medikamente selbst bezahlt werden. Halten Ärzte die Einnahme oder Anwendung solcher nicht-rezeptpflichtigen Arzneimittel für sinnvoll, können sie ihren Patienten ein grünes Rezept ausstellen. Die Ausgaben für diese Medikamente werden allerdings trotzdem nicht erstattet. Das grüne Rezept dient für Patienten als Dokumentation der Arzt-Empfehlung und als entsprechende Gedächtnisstütze.
  • Privatrezept: Auch gesetzlich Versicherte können ein Privatrezept erhalten. Damit können sie rezeptpflichtige Mittel erhalten, für die die Kassen die Kosten nicht übernehmen.
    In welchem Umfang und für welche Arzneimittel private Versicherungen Kosten erstatten, hängt vom jeweiligen Tarif ab. Für Beihilfeberechtigte gelten die Regelungen des jeweiligen Trägers, also zum Beispiel des jeweiligen Bundeslandes.

Warum erhalte ich meine Medikamente ständig von verschiedenen Herstellern?

Wer viel kauft, erhält in der Regel einen Rabatt. Gesetzliche Krankenkassen verhandeln teilweise direkt mit den Herstellern über Preisnachlässe für Medikamente. Möglich ist das in Bereichen, in denen es mehrere Arzneimittel mit gleicher Wirkweise gibt.

Rabattverträge zwischen gesetzlichen Krankenkassen und Herstellern werden immer wieder neu ausgehandelt. Im Verlaufe einer Behandlung kann man als Patient deshalb das gleiche Medikament von verschiedenen Produzenten erhalten.

Wollen Ärzte sicherstellen, dass ihre Patienten ein ganz bestimmtes Markenmedikament erhalten, können sie das auf dem Rezept vermerken. Zu diesem Zweck wird das sogenannte "Aut-idem-Feld" durchgestrichen. Das Lateinische "aut idem" bedeutet "oder das Gleiche".
Ein Beispiel: Manche Krebspatienten reagieren sensibel auf bestimmte Geschmacksstoffe, die als Hilfsstoff Arzneimitteln beigefügt sind. Auch wenn der gleiche Arzneistoff enthalten und damit die eigentliche Wirkung gleich ist, kann diese Beimischung für Betroffene einen großen Unterschied darstellen.

Haben Patienten ein Rezept, legen aber Wert auf ein teures Mittel eines bestimmten Herstellers, können sie auch dieses erhalten.
Ohne durchkreuztes "Aut-idem-Feld" ist diese Wahlfreiheit aber mit einigem Aufwand verbunden: Die Betroffenen müssen in der Apotheke erst den gesamten Preis für das Medikament vorstrecken. Das Rezept müssen sie dann bei ihrer Krankenkasse einreichen. Und es gibt es nur einen Teil des Geldes zurück - nämlich nur so viel, wie ein vergleichbares billigeres Mittel gekostet hätte.

Warum muss man für manche Medikamente mit gleichem Wirkstoff manchmal zuzahlen und manchmal nicht?

Neben den Rabattverträgen mit Medikamentenherstellern gibt es weitere Wege, um die Kosten für Arzneimittel zu begrenzen. Eine Möglichkeit sind die sogenannten Festbeträge. Die gesetzlichen Krankenversicherungen stellen dabei Medikamente von verschiedenen Herstellern, aber mit ähnlicher oder gleicher Wirkung zu Gruppen zusammen und prüfen deren unterschiedliche Preise. Für eine solche Gruppe von Präparaten werden dann Preisobergrenzen festgelegt, die sogenannten Festbeträge.

  • Verschreiben Ärzte Medikamente, deren Preis diese Obergrenze übersteigt, müssen die Patienten - zusätzlich zur ohnehin anfallenden Zuzahlung - die Mehrkosten selbst tragen. Ärzte müssen ihre Patienten aber vorher darüber aufklären. Sie sollten auch erläutern, welchen Zusatznutzen sie sich versprechen und warum sie nicht auf ein gleich oder ähnlich wirksames, aber billigeres Mittel ausweichen wollen oder können.
  • Haben neue Medikamente nachgewiesenermaßen einen Zusatznutzen, dürfen die Hersteller für ein Jahr den Preis frei bestimmen. Innerhalb dieser Zeit handeln die gesetzlichen Krankenkassen Rabatte aus, die ab dem 13. Monat nach der Zulassung gelten, unter Umständen auch rückwirkend.

Wer zahlt die Medikamente, die man im Krankenhaus bekommt?

Wer im Krankenhaus liegt, erhält seine Medikamente nicht auf Rezept, sondern - scheinbar - einfach so.

Bei einer stationären Behandlung im Krankenhaus gilt: Gesetzlich Krankenversicherte zahlen pauschal zehn Euro pro Tag zu den Krankenhaus- und Behandlungskosten hinzu. Mehr als 28 Tage im Kalenderjahr, also 280 Euro, müssen nicht übernommen werden. Wer von Zuzahlungen befreit ist, muss nichts oder entsprechend weniger zahlen. Für Medikamente entstehen den Patienten im Krankenhaus keine weiteren Kosten.

Bei einer ambulanten Behandlung im Krankenhaus gelten dagegen dieselben Regelungen wie für die Arztpraxis: Die Ärzte der Krankenhausambulanz stellen Rezepte aus, für die Medikamente werden je nach Situation auch Zuzahlungen fällig.

Über die Möglichkeit der Zuzahlungsbefreiung informiert das Bundesministerium für Gesundheit unter www.bundesgesundheitsministerium.de/glossarbegriffe/z/zuzahlungsbefreiungen.html.

Zum Weiterlesen: Linktipps, Fachinformationen, Quellen (Auswahl, Stand 8/2016)