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Mobilfunkantennen auf Haus, im Vordergrund Stromversorgung einer Straßenbahn © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Handys, Mobilfunk, Elektrosmog – Diskussion um Krebsrisiko

Sind elektromagnetische Felder gefährlich?

Noch vor wenigen Jahren machten sich viele Menschen Sorgen um Krebs durch elektromagnetische Strahlung, den "Elektrosmog". In der Diskussion waren Leukämien durch Hochspannungsleitungen oder auch Hirntumoren durch Handys. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC stufte elektromagnetische Felder innerhalb bestimmter Frequenzbereiche als "möglicherweise krebserregend" ein.
Heute gehen viele Wissenschaftler nicht mehr von einem messbaren Krebsrisiko aus. Die Mehrzahl der Menschen nutzt bedenkenlos Smartphones, fährt mit elektrischen Straßenbahnen, radelt entlang von Stromtrassen oder erwärmt Essen mit der Mikrowelle.

Doch abgeschlossen ist die Forschung nicht. Aktuelle Fakten sowie Linktipps zum Weiterlesen bietet der folgende Text.

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"Elektrosmog": Vom Handy bis zur Hochspannungsleitung

Was ist Elektrosmog? Diese Bezeichnung ist eigentlich kein Fachbegriff. Sie wird seit einiger Zeit aber für elektromagnetische Felder und Strahlung mit bestimmten Frequenzen und Wellenlängen verwendet.
Diese elektromagnetische Strahlung ist längst nicht so energiereich wie radioaktive oder Röntgenstrahlung. Sie ist auch schwächer als optische Strahlung, also UV, Licht oder Wärme.

In der Natur, im Alltag, zu Hause oder am Arbeitsplatz ist der Mensch ständig von natürlichen wie künstlichen elektrischen und magnetischen Kraftfeldern umgeben.
Wissenschaftler kennen hochfrequente Felder und niederfrequente Felder, außerdem statische Felder. Diese unterscheiden sich in der Frequenz: Darunter versteht man die Geschwindigkeit, mit der sie sich verändern. Sie wird mit der Einheit Hertz bezeichnet. Die Wellenlänge steht mit der Frequenz in Zusammenhang.
Elektromagnetische Wellen können eine Wellenlänge von Millimetern haben, bei sehr niedriger Frequenz aber auch Hunderte von Kilometern lang sein.
Hier einige Beispiele:

Hochfrequente elektromagnetische Strahlung (100 Kilohertz bis 300 Gigahertz):

  • Radar
  • Mikrowellen
  • Mobilfunk (Handys, Sendemasten)
  • Radiowellen (Ultrakurzwelle "UKW", Mittelwelle, Langwelle)

Niederfrequente elektromagnetische Strahlung (bis zu 100 Kilohertz)

  • Stromleitungen mit Wechselstrom
  • Alle gängigen Elektrogeräte

Statische Felder

Am unteren Ende der Frequenzbereiche stehen sogenannte statische Felder. Ihre Frequenz ist immer gleich, nämlich 0 Hertz. Dazu gehören etwa das Erdmagnetfeld oder das elektrische "Schönwetterfeld" in der obersten Schicht der Erdatmosphäre. Statische Felder entstehen auch bei der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung.

Krebsrisiko: Wissenschaftliche Einschätzung

Wie gefährlich sind elektromagnetische Felder? Das kommt darauf an, welchen gesundheitlichen Effekt man meint – die wissenschaftliche Prüfung dreht sich nicht nur um Krebs. Klar ist:

  • Hochfrequente elektromagnetischen Felder führen je nach Feldstärke, Frequenz und Wellenlänge zur Erwärmung. Auf diesem Effekt bauen zum Beispiel die Mikrowellengeräte im Haushalt auf.
  • Niederfrequente elektrische und magnetische Felder können kurzfristig elektrische Felder und Ströme im Körper erzeugen. Bisher ist eher unwahrscheinlich, dass sich dies unter normalen Bedingungen schädlich auswirkt, etwa auf das Gehirn oder die Herztätigkeit.
  • Starke statische Magnetfelder werden in der Medizin zum Beispiel für die Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt. Bislang sind keine anhaltenden gesundheitlichen Veränderungen bekannt.

Um eventuelle Risiken für Menschen und Umwelt möglichst auszuschalten, gibt es umfangreiche Schutzbestimmungen. Ein Beispiel: Radaranlagen müssen von der Bundesnetzagentur genehmigt werden, und je nach Leistung der Anlage sind Abschirmungen und Sicherheitsabstände vorgeschrieben.

Heute gilt auch als sicher: Weder hochfrequente noch niederfrequente Felder sind stark genug, um Atome und Moleküle direkt zu verändern. Das schaffen nur die energiereicheren UV-Strahlen sowie Röntgen- und Gammastrahlen. Das heißt auch:

  • Elektromagnetische Felder können die Erbinformation in Zellen nicht so schädigen, dass Krebs entsteht.

Doch gibt es vielleicht indirekte Effekte, die das Krebsrisiko fördern könnten? Das wird bis heute diskutiert. Es ist weder gesichert, noch vollständig und endgültig widerlegt.

Die "offizielle" Einstufung von Krebsrisiken wird im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO von der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) vorgenommen.

  • Sie entschied erstmals 2002: Niederfrequente Magnetfelder sind "möglicherweise" oder auch "vielleicht" krebserregend.
  • 2011 bestätigte die IARC diese Einstufung für hochfrequente elektromagnetische Felder und damit auch für den Mobilfunk und das Telefonieren mit Handys oder Smartphones.

Kategorie 2b: Vielleicht krebserregend?

Wie ist diese Einstufung zu verstehen? Die Experten nutzen ein fünfstufiges System:

Kategorie 4: wahrscheinlich nicht krebserregend für den Menschen (englisch: probably not carcinogenic to humans)

Kategorie 3: Eine Bewertung des Krebsrisikos ist nicht möglich (englisch: not classifiable as to its carcinogenity to humans)

Kategorie 2b: möglicherweise krebserregend (englisch: possibly carcinogenic to humans) - in diese Kategorie wird "Elektrosmog" eingestuft, von der Hochspannungsleitung bis zum Handy.

Kategorie 2a: wahrscheinlich krebserregend (englisch: probably carcinogenic to humans)
Als gesichert gelten würde ein Krebsrisiko nur bei Einstufung in die

Kategorie 1: krebserregend für den Menschen (englisch: carcinogenic to humans). Beispiele für Krebsrisiken dieser Kategorie 1 sind Asbest oder Tabak – nicht aber elektromagnetische Strahlung.

Grundlagen für die Entscheidungen

Smartphones sind allgegenwärtig © ultramansk - stock.adobe.com
Smartphones © ultramansk - stock.adobe.com

Es gibt bisher keine verlässlichen Labor- oder Tierstudien, in denen ein Krebsrisiko durch elektromagnetische Felder direkt oder indirekt nachgewiesen werden konnte.
Die Experten der IARC bauten bei ihrer Entscheidung vielmehr auf sogenannten epidemiologischen Studien auf. Das bedeutet: Forscher beobachten große Bevölkerungsgruppen, achten auf mögliche Risiken und bestimmen über einen längeren Zeitraum die Krebsrate.

Für niederfrequente Magnetfelder bestand der Verdacht, dass Leukämien bei Kindern häufiger vorkamen, die in der Nähe von Stromleitungen aufwuchsen. Diese Beobachtungsergebnisse konnten in späteren Studien nicht wiederholt, aber auch nicht völlig widerlegt werden.

Für die Einstufung der hochfrequenten Felder nutzten die Forscher vor allem Studien an Menschen, die schon sehr früh und sehr lange ein mobiles Telefon benutzt hatten. Bei ihnen gab es Anzeichen für mehr Gehirntumoren als bei anderen Menschen. Diese Daten galten jedoch schon innerhalb der Expertenkommission der IARC als teilweise umstritten. Zur Sicherheit entschied die IARC sich trotzdem zur Einstufung als "vielleicht krebserregend".

Sich schützen: Tipps vom Bundesamt für Strahlenschutz

Was kann man tun, um sich vor "Elektrosmog" zu schützen – auch wenn bisher kein Krebsrisiko wirklich nachgewiesen wurde? Die wichtigsten Tipps des Bundesamtes für Strahlenschutz (Bfs) enthalten fast alle einen Kernsatz:

  • Halten Sie Abstand.

Handys, Smartphones, Tablets: Das Bundesamt für Strahlenschutz rät dazu, beim Telefonieren ein sogenanntes Headset zu nutzen, also Kopfhörer und Mikrofon. Surfen im Internet oder Daten abrufen sollte man möglichst nur bei guter Leistung: im WLAN oder bei gutem Empfang. Dabei punkten die meisten moderneren Smartphones gegenüber alten Geräten, weil neue Standards die Datenübertragung verbessert haben.

Beim Kauf kann man sich an einer Liste des BfS orientieren, in der die sogenannten SAR-Werte gängiger Geräte aufgeführt sind: Das ist die "spezifische Absorptionsrate", also der Wert für die Energieaufnahme im Körper.

Mikrowellengeräte: Moderne Mikrowellengeräte sind so abgeschirmt, dass nur sehr wenig Strahlung nach außen dringt. Die Hersteller müssen die Einhaltung der Grenzwerte nachweisen. Solange die Tür oder das Gerät an sich nicht beschädigt sind, muss man sich keine Gedanken machen. Auch die Lebensmittel in der Mikrowelle sind nicht anders, als wenn sie im Topf auf dem Herd erhitzt worden wären.

Hochspannungsleitungen: Werden die Grenzwerte und auch die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände eingehalten, besteht nach heutigem Kenntnisstand kein Risiko – auch nicht für Menschen, die sehr nah an Stromleitungen leben.

Elektrosensibilität: Gibt es besonders gefährdete Menschen?

Was das Krebsrisiko angeht, lautet die Antwort der Wissenschaft bisher: Nein, es gibt keine Hinweise darauf, dass manche Menschen stärker durch elektromagnetische Felder gefährdet sind als andere. Das gilt auch für Kinder oder Menschen, die bereits an einer anderen Erkrankung leiden.

Welche anderen Effekte auf den Körper kennt man, die Betroffene tatsächlich spüren können? Eine umfangreiche Dokumentation stellt das "EMF-Portal" bereit. Dieses Informationssystem zu elektromagnetischen Feldern ist im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz entstanden und wird von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen gepflegt, unter

  • www.emf-portal.org: Unter dem Stichwort "Wirkungen" werden Effekte auf den Körper und die vorliegenden Daten erläutert, von Auswirkungen auf den Schlaf bis zur Fruchtbarkeit.

Quellen und Links für Interessierte und Fachkreise